Die prekäre Lage der Kitaträger: Ein alarmierender Blick auf Deutschlands Betreuungssystem
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Ein bundesweiter Blick auf die aktuelle Situation, von München, über Köln, bis nach Hamburg und Berlin, zeigt eine verhängnisvolle Kluft zwischen politischem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung. Die frühkindliche Bildung in Deutschland ist unterfinanziert. Die Probleme, die vor 20 Jahren bereits aktuell waren, sind es heute immer noch - nur : noch gravierender. Wir brauchen Handlungen statt warmer Worte. Jetzt.
München atmet auf: Eine neue Härtefall-Regelung kommt den finanziell gebeutelten Kitaträgern entgegen, die um ihre Existenz bangten. Die Regelung ermöglicht Kitaträgern, die wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, einen entsprechenden Antrag auf Unterstützung in der benötigten Höhe zu stellen. Die Stadt München möchte damit verhindern, dass Kitaplätze eingestellt werden müssen. Dieses gibt vielen Kitaträgern zwar Hoffnung, aber es ist schlussendlich nur ein Trostpflaster, das den Blick auf das wesentliche Problem verschleiert: Die Finanzierung der frühkindlichen Bildung wurde über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt, und die Auswirkungen sind deutschlandweit spürbar.
Bremen sorgte zuletzt für alarmierende Schlagzeilen. Es belegte bei einem bundesweiten Vergleich, den letzten Platz in der Betreuungssituation. Demnach ist etwa jede zweite Mutter mit einem Kind im Krippen- oder Kita-Alter nicht erwerbstätig, da Betreuungsplätze schlichtweg fehlen. Wohlfahrtsvereine rund um Hamburg schlugen zuletzt vor Weihnachten 2023 noch einmal Alarm, Nordrhein-Westfalen beschreibt die aktuelle Lage als „unzumutbar“ und in Berlin überschlagen sich die Artikel und Hilferufe ebenfalls seit Jahren. Völlig gleich, in welches Bundesland man schaut, die Kita-Krise ist bereits da und breitet sich unentwegt weiterhin aus.
Zeit für Realitätssinn: Die bedenklichen Folge der Unterfinanzierung
Es ist an der Zeit, der Realität ins Auge zu sehen und die drastischen Auswirkungen der chronischen Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildung zu begreifen. Wir stehen vor einem erschreckenden Fachkräftemangel, der zu einem drastischen Rückgang der Betreuungsangebote und erhöhten Krankenständen führt. Das ohnehin knappe Angebot an qualifizierten Fachkräften schrumpft weiterhin, während sich die Bewerbungszahlen rapide verringern. Diese Tendenzen in der Personalbeschaffung und -bindung sind nachhaltig beunruhigend. Die neuesten Ergebnisse der Pisa-Studie bestätigen, was für viele Pädagogen:innen schon längst eine bittere Erkenntnis darstellte; die spürbare Abnahme der Bildungsqualität in Deutschland. Dieser Abwärtstrend ist nun auch nachweislich belegbar. Es ist ein letzter gravierender Weckruf, ein eindringlicher Hinweis darauf, dass das Fehlen angemessener finanzieller Mittel unweigerlich zu einem fortwährenden Qualitätsverlust führt.
Die herausfordernde Realität für pädagogische Fachkräfte
Der Beruf der pädagogischen Fachkraft ist eine Berufung, die viele von Herzen ausüben. Die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen und die Arbeit mit den Kindern geben viele von ihnen als Etwas von unschätzbarem Wert an. Doch der Arbeitsalltag erschwert ihnen die Freude am Beruf. Bereits 2022 äußerte der damalige Berliner FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf, dass die erschreckend hohe Anzahl von Krankmeldungen der Fachkräfte in frühkindlichen Einrichtungen als "besonderes Vorkommnis" an die Senatsverwaltung für Jugend gemeldet wurde. Doch Abhilfe gab es nicht. Im Jahr 2023 erlebten die Krankenstände in diesem Bereich in Berlin einen weiteren, bedauerlichen Anstieg. Überlastung und Personalmangel stellen für viele Fachkräfte eine erhebliche Belastung dar und führen nicht selten auch zu Burn-Out und langfristigen Ausfällen. Diese Realität bringt viele engagierte Fachkräfte an ihre Grenzen und zwingt sie schlussendlich zur Kapitulation; sie verlassen den Beruf, der ihnen so viel bedeutet hat.
Forderungen aus der Politik im Wandel der Jahre und der Mangel an Lösungsumsätzen.
Seit mindestens zwei Jahrzehnten ist das Problem der Unterfinanzierung und der Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung kein unbekanntes Thema mehr. Es scheint kein Erkenntnisproblem auf Seiten der Fachkräfte, der Eltern, der Wissenschaft oder der Verwaltungen zu sein, sondern ein Defizit in der tatsächlichen Umsetzung. Politiker:innen verschiedener Parteien haben über die Jahre hinweg auf die Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hingewiesen, doch die Verantwortungsübernahme der akuten Lösungsumsetzung wurde stets vermisst.
Die derzeitige Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) äußerte zuletzt 2023 nach den erschreckenden Ergebnissen der Pisa-Studie, die Dringlichkeit eines aktiven Vorgehens, um die Bildungskrise zu bewältigen und verankerte ihren Fokus hier auch bei den frühkindlichen Institutionen. Ihre Stimme reiht sich in eine lange Kette ähnlicher Anmerkungen ein, die über die letzten zwei Jahrzehnte zu hören waren.
Bereits 2007 betonte Ursula von der Leyen (CDU) in einem Interview, dass viele Fachkräfte Hamburg, trotz teils besserer Arbeitsangebote von Firmen in anderen Regionen, nicht verlassen wollten. Der Grund war simpel; Hamburg stellte 2007 die Spitze dar, für Betreuungsangebote in Kindertagesstätten und ermöglichte den Fachkräften somit die Work-Familien-Balance, die sie brauchten. Von der Leyen sah darin keineswegs nur Lob für Hamburg. Vielmehr deutete sie es als ein alarmierendes Signal für andere Bundesländer und forderte einen schnellstmöglichen Ausbau von Stellen und Betreuungsplätzen, im Bereich frühkindliche Bildung.
Auch Annette Schavan (CDU) äußerte sich 2009 zur dringenden Notwendigkeit, die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte zu erleichtern, um dem damals bereits sichtbaren Personalmangel in Kitas entgegenzuwirken. Die ehemalige Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte 2014 bundesweit einheitliche Standards für Kitas, sowohl in Bezug auf Bildungsqualität als auch Arbeitsbedingungen des Personals. Im Zuge dessen erörterte Schwesig ebenfalls ein Problem, das sich bis heute nicht beheben ließ. Im Interview mit „Deutschlandfunk“, betonte sie das bisherige „Schuldzuweisungsspiel“, das sie als ehemalige Landesministerin aktiv miterlebt hatte und ermahnte diese Dynamik final zu beenden. Ihr Ziel war es, konstruktiv an einem Tisch zusammenzukommen und zu klären, was bundesweit gestemmt werden kann. Dabei sollte nicht nur über die Kosten, sondern auch über die Finanzierungsgrundlagen gesprochen werden. Sie erwähnte die Dringlichkeit, nicht nur um Geld zu kämpfen, sondern auch klare Vorstellungen zu haben, wie die Umsetzung aussehen soll, damit diese schnellstmöglich beginnen kann.
2018 brachten die aktuelle Bundesministerin Lisa Paus und Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) ihre Unterstützung für eine Demonstration gegen die Berliner Kita-Krise zum Ausdruck. Paus betonte, dass bereits seit einem Jahrzehnt Eltern, Träger, Gewerkschaften und Verbände für eine nachhaltige Verbesserung der Kita-Qualität und der Kindertagespflege kämpfen würden. Sie warnte davor, dass die aktuelle Notlage einen Rückschlag in alte Missstände bedeuten könnte. Der damalige Bundesfinanzminister, und heutige Bundeskanzler, Olaf Scholz, wurde direkt aufgefordert, zusätzliche Mittel bereitzustellen, da die bisherigen finanziellen Zusagen für den versprochenen Ausbau und eine echte Qualitätsoffensive nicht ausreichten, sie wollten Handlungen sehen. Seit 25. April 2022 ist Paus Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Enttäuschende Schlagzeilen und trügerische Hoffnung
Im Jahr 2024 stehen wir erneut vor den gleichen Meldungen, denselben Schlagzeilen und drängenden Problemen – nur erscheinen sie nun noch drastischer als je zuvor. Bundesweit breitet sich eine Welle von Symptomen aus, die der Kita-Krise ein deutliches Gesicht geben. Sogar Hamburg, lange Zeit als Ausnahme gesehen, ist von den Auswirkungen schon lange nicht mehr gefeit.
In München schwankt die Stimmung zwischen Bangen und einem seufzenden Aufatmen, wenn die Stadt zumindest vorübergehend Kita-Plätze vor der Schließung aufgrund finanzieller Engpässe retten kann. Und in Berlin herrscht eine gewisse Erleichterung, seitdem Kitas seit 26. Oktober 2023 wieder selbst festlegen könnten, ob und welche Zuzahlungen von Eltern übernommen werden können, um das pädagogische Zusatz-Angebot aufrechtzuerhalten. Diese Schlagzeilen, die oftmals von Hoffnungsschimmern, Aufatmen und Erleichterung sprechen, mögen auf den ersten Blick positiv erscheinen, jedoch täuschen sie. Sie zeigen vielmehr, dass die Politik letztlich darin scheitert, die Verantwortung zu übernehmen, um die Kernprobleme zu lösen. Das Aufatmen bezieht sich schlussendlich nie auf eine festgelegte Absicherung bezüglich Betreuungsangeboten und nachhaltigen Finanzierungen, sondern vielmehr darauf, dass das Schlimmste vermieden werden konnte; das Einstellen der Angebote. Keines Wegs darf diese Form von Politik und medialer Berichterstattung davon ablenken, dass diese Lösungen keine Lösungen sind - sondern lediglich Placebos, die an Kitas oder Eltern verteilt werden, damit diese in Eigenregie die Behandlung der akutesten Symptome übernehmen können.
Ein Dialog in Bewegung (?)
Im letzten Jahr ist Bewegung in den Dialog zur frühkindlichen Bildung gekommen. Die freien unabhängigen Kitaträger, u.a. vertreten durch den VKMK (Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger), haben vermehrt Zugang zu den Entscheidungstischen gefunden, von denen sie lange ausgeschlossen waren. Hier können sie endlich ihre drängenden Anliegen vortragen. Doch bereits nach den ersten Gesprächen zeigt sich, dass die Kommunikation vornehmlich auf das Erörtern und Abwägen von Problemen beschränkt bleibt, nicht aber konkrete, tatkräftige Handlungen und verbindliches Engagement seitens der Politik garantiert. Wir können es uns nicht länger erlauben, die Umsetzung von Lösungen aufzuschieben. Über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg haben Kitapersonal, Eltern, die Wissenschaft und sogar politische Instanzen wiederholt ihre Besorgnis, ihre Hilferufe und Warnungen geäußert – doch bisher hat das nicht zu greifbaren Verbesserungen geführt.
Wenngleich es begrüßenswert ist, dass die freien unabhängigen Kitaträger nun Einzug an diesen Gesprächstischen erhalten haben, möchten wir uns doch entschieden davon distanzieren, dies als rein „positiven“ Fortschritt zu bezeichnen. Die Tatsache, dass sie nun gehört werden, markiert eher den „Anfang des Verhandlungsprozesses“ und diesen als endlich „sinnvoll“. Denn ohne Einigkeit über die bestehenden Probleme ist es nahezu unmöglich, wirkungsvolle Lösungen zu entwickeln. Und nur ein Einbeziehen der betroffenen Akteure kann schlussendlich die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis und somit den ersten Schritt in Richtung Lösungsfindung bilden. Ein Einbeziehen der betroffenen Akteure wäre von Anbeginn der Verhandlungen von Nöten gewesen. Unsere Hoffnung ist, dass diese Verhandlungen und die verstärkte Aufmerksamkeit nicht wie vorherige Placebos enden werden. Es bedarf einer dringenden und proaktiven Reaktion, die über bloße Diskussionen hinausgeht. Die offene Berichterstattung und das klare Darlegen des Ist-Zustandes seitens der freien unabhängigen Kitaträger ist eine große Chance. Eine Chance, die zu einem echten Wandel führen kann. Diese Chance muss genutzt werden. Das offene Gehör und die Teilnahme an Verhandlungen sollten nicht nur symbolisch sein, sondern eine echte Grundlage für eine umgehende Verbesserung der Situation in der frühkindlichen Bildung bilden.
Ein politischer Neujahrsvorsatz für die Gesundheit unserer Kinder? - Die Kraft der richtigen Ernährung
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Wir hoffen auf einen politischen Neujahrsvorsatz für die Gesundheit und die Bildung unserer Kinder.
Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Einer der häufigsten Vorsätze betrifft unsere Gesundheit, und insbesondere die Ernährung steht oft im Mittelpunkt dieser Bestrebung. Wir sind uns alle der essenziellen Rolle bewusst, die eine ausgewogene Ernährung für unser Wohlbefinden spielt. Doch nicht nur die eigene Ernährung ist von höchster Wichtigkeit, sondern auch diese der Kinder. Den eigenen Vorsatz hier zu legen, ist oftmals nicht ausreichend, da die „gesunde Ernährung“ der Kinder kollektiv umgesetzt wird, in einem Zusammenspiel aus Familie und Einrichtungen.
Eine offene Kommunikation zwischen Eltern und den Kinderbetreuungseinrichtungen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Kinder vollumfänglich mit den richtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt werden – denn gute Ernährung beginnt nicht erst an der Kita-Tür, sondern schon am Frühstückstisch zu Hause. Ebenso wichtig sind die politischen Weichen, die ein problembefreites Umsetzen dieser Ernährung zulassen müssen.
Die Auswirkungen mangelhafter Ernährung auf Kinder
Eine unzureichende Versorgung mit den richtigen Nährstoffen kann sich bei Kindern auf verschiedene Weisen bemerkbar machen. Häufig führt eine unausgewogene Ernährung zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die für das Wachstum und die Entwicklung unerlässlich sind. Dies kann sich in einem geschwächten Immunsystem äußern, was dazu führt, dass Kinder anfälliger für Infektionen und Krankheiten werden. Neben den direkten Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit kann eine unzureichende Ernährung ebenso die kognitive Entwicklung beeinträchtigen. Kinder, die nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt sind, könnten Schwierigkeiten entwickeln, sich zu konzentrieren, und daraufhin mit einer verminderten Lernfähigkeit und Gedächtniskapazität konfrontiert sein. Ebenso kann sich eine unausgewogene Ernährung auf das Energielevel der Kinder auswirken, was zu Müdigkeit, Erschöpfung und einer allgemeinen Abnahme der Leistungsfähigkeit führen kann. Sogar das Verhalten und die Stimmung können von der Ernährung beeinflusst werden. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Unausgeglichenheit können auftreten, wenn die Zufuhr der Nährwerte nicht ausreichend gedeckt ist.
Chancengleichheit bedeutet, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft oder finanziellen Situation die gleiche Bildungschance erhalten sollte. Dies beinhaltet auch, dass alle Kinder mit vollem Magen und bestmöglicher Versorgung in die Bildungseinrichtungen kommen und in dieser verweilen können. Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein grundlegender Bestandteil der Chancengleichheit. Nur wenn die Grundbedürfnisse jedes Kindes erfüllt sind, kann eine faire Bildungsgleichheit gewährleistet werden.
Die Herausforderungen der täglichen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in den freien Kitaträgern Berlins
Berlin hat mit der Verankerung des Berliner Bildungsprogramms im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFÖG) seit 2005 eine klare Haltung zur Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung eingenommen.
Die Einbindung der Förderung gesunder Essgewohnheiten als verbindlicher Bestandteil des pädagogischen Programms betont das deutlich vorhandene Bewusstsein der politischen Bildungslandschaft Berlins. Die verstärkte Hervorhebung des Bereichs „Gesundheit“ im aktualisierten Berliner Bildungsprogramm von 2014 spiegelt dieses Engagement ebenfalls wider und unterstreicht nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Bildung und dem Wohlbefinden durch eine gesunde Ernährung, sondern sieht auch die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. Das Programm sieht vor, dass das Lernen in der Kita nicht nur durch formale Aktivitäten, sondern auch durch die Gestaltung des Kita-Alltags gefördert wird, wozu auch die Einahme fester Mahlzeiten gehören. Sie stellen einen integralen Bestandteil des Kita-Alltags dar und bieten eine wiederkehrende Struktur. Die pädagogische Gestaltung und Begleitung hierbei wird als wichtiger Beitrag zur Ernährungsbildung anerkannt und betont. Doch, die bloße Anerkennung dieses Aspekts allein reicht nicht aus, wenn die finanziellen Strukturen nicht entsprechend angeknüpft und geschaffen werden, um eine vollumfängliche Umsetzung zu gewährleisten. Denn, obwohl die essenzielle Wichtigkeit der Ernährung unserer Kleinsten sichtbar deutlich unterstrichen ist, gestaltet sich die tägliche Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in Kindertagesstätten in Berlin dennoch als eine enorm herausfordernde Aufgabe. Die zugewiesenen Mittel ca. 3,50 Euro pro Kind und Tag erweisen sich als nicht ausreichend für das Sicherstellen einer qualitativ hochwertige Verpflegung, inkludiert die Verwendung dieses Betrages doch schlussendlich nicht nur das Decken der Lebensmittelkosten, sondern auch jene der grundlegenden Betriebsausgaben wie Personalkosten, Materialien und Infrastruktur. Diese finanzielle Begrenzung erschwert es den Kitas erheblich, ihre Bestrebungen nach gesunder Ernährung aufrechtzuerhalten.
Die freien Kitaträger in Berlin stehen vor einem wahren Balanceakt, wenn sie täglich versuchen, ausreichende und gesunde Mahlzeiten anzubieten, während sie gleichzeitig mit begrenzten finanziellen Ressourcen jonglieren müssen. Dies führt zu Kompromissen, die sich auf die Qualität und Quantität der angebotenen Speisen auswirken können und somit die Herausforderungen bei der Umsetzung einer nahrhaften Verpflegung für die Kinder verstärken.
Leere Töpfe lassen keinen Raum für Kompromisse
Diese Situation bildet nur eine weitere Facette des unterfinanzierten frühkindlichen Bildungssystems, das sich an einer Vielzahl von Herausforderungen reiht. Die begrenzten finanziellen Ressourcen lassen keine Spielräume für Ausweichmethoden auf andere Ressourcen mehr zu. Insbesondere im Zuge der Inflation hat sich diese Krise nochmals verschärft. Die Gelder wurden bisweilen nur zögerlich angepasst und sogar die Inflationsausgleichprämie musste vorerst, von jenen, die ihren Mitarbeiter:innen diese stark benötigte Auszahlung gewährleisten wollten, aus den eigenen Geldern der freien Kitaträger gestemmt werden. Politische Lösungsansätze in diesem Bereich ließen zu lange auf sich warten und die Prozesse bis zur tatsächlichen finanziellen Umsetzung erstrecken sich bis heute.
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und ihre Auswirkungen
Im Oktober 2023 fällte das Bundesverwaltungsgericht eine bahnbrechende Entscheidung. Nach einer Klage der Private Kant-Schulen gGmbH, vertreten durch die Kanzlei DOMBERT Rechtsanwälte, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass diese Obergrenze für monatliche Zuzahlungen der Eltern, die in Berlin für zusätzliche Leistungen freier Träger von Kindertagesstätten galt, nicht mit dem Grundsatz der gleichheitsgerechten Beteiligung der freien Jugendhilfeträger am staatlichen System der Kindertagesstättenfinanzierung vereinbar ist. Diese wegweisende Entwicklung eröffnet nun Kitaträgern die Möglichkeit, transparent aufzuzeigen, dass bestimmte Angebote über die zuvor festgelegte Obergrenze hinausgehen und eine erhöhte finanzielle Beteiligung der Eltern erfordern könnten. Eine Erleichterung für Kitaträger und Eltern, da es ihnen die Chance eröffnet, der Unterfinanzierung selbst die Stirn zu bieten und die gewünschte Qualität aufrechtzuerhalten, die sie sich für ihre Kinder wünschen. Dennoch darf dies nicht als finale Lösung betrachtet werden. Vielmehr sollten die politisch zur Verfügung gestellten Mittel an die realen Ausgaben angeglichen werden, um eine erfolgreiche Basis in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten. Zusatzzahlungen sollten nur für tatsächlich anspruchsvolle Zusatzleistungen genutzt werden können, nicht aber für das Aufrechterhalten der Bildungsqualität an und für sich. Diese Verantwortung muss politisch getragen werden, nicht aber an die Kitaträger und Eltern weitergereicht.
Ziele für eine hochwertige Verpflegung in Kitas
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Besonders große Probleme, insbesondere solche finanzieller Natur, können weder aufgeschoben noch durch Gespräche allein gelöst werden - sie erfordern unverzügliches Handeln. Das erneute Auftreten bereits bekannter Herausforderungen unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Lösungen nicht nur zu erkennen, sondern sie auch effizient und effektiv umzusetzen, um den anhaltenden Schwierigkeiten im frühkindlichen Bildungssystem entgegenzuwirken. Eine vollumfängliche Ernährung unserer Kleinsten sollte keine Herausforderung darstellen, sondern sich als die Basis der Förderung verstehen.
Für das Jahr 2024 ist es daher von entscheidender Bedeutung, dass die Anliegen der freien Kitaträger deutlicher Gehör finden, als bisweilen. Die Diskrepanz zwischen den identifizierten Lösungsansätzen und ihrer tatsächlichen Umsetzung muss unsererseits adressiert werden können. Es bedarf einer verstärkten Plattform für die freien Kitaträger, um ihre Anliegen und Herausforderungen effektiver kommunizieren zu dürfen. Nur durch ein verstärktes politisches Engagement und eine verbesserte Einbeziehung dieser Träger in die Diskussionen und Umsetzungen von Lösungen können die bestehenden Hindernisse im Jahre 2024 wirksam angegangen werden. Wir sind weiterhin entschlossen, den aktiven Austausch, Ideengebungen und die kontinuierliche Lösungsfindung voranzutreiben. Trotz der bestehenden Hindernisse bleiben wir bereit, innovative Ansätze zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Ernährung unserer Kleinsten nicht länger eine Herausforderung, sondern eine selbstverständliche Grundlage in ihrer Entwicklung darstellt.
Frühkindliche Bildung als Schlüssel für zukünftigen Erfolg
Die gestrige Veröffentlichung der PISA-Studie 2023 zeigte: Deutschland erlebt einen alarmierenden Tiefpunkt in den Leistungen seiner 15-jährigen Schüler: Das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der PISA-Untersuchungen. Diese globalen Einblicke in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften werfen ein bedeutsames Licht auf die Bildungslandschaft – ein Barometer, das dringendes Umdenken erfordert, insbesondere bezüglich der frühkindlichen Bildung.
Frühkindliche Bildung als Schlüssel für zukünftigen Erfolg
PISA-Studie 2023 enthüllt Herausforderungen
Mit der heutigen Veröffentlichung der PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) am 05.12.2023 wurde ein globales Augenmerk auf die Leistungen von 15-jährigen Schülern und Schülerinnen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften gerichtet. Die Ergebnisse dieser umfassenden Untersuchung werfen ein Licht auf die Fähigkeiten und Defizite der Jugendlichen und dienen als Barometer für die Bildungslandschaft in verschiedenen Ländern. Inmitten dieser umfassenden Analyse liegt ein alarmierendes Ergebnis für Deutschland: Die deutschen Jugendlichen verzeichnen das schlechteste Resultat seit Beginn der PISA-Studien insgesamt.
Im aktuellen internationalen Vergleich haben die deutschen Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften alarmierend schlecht abgeschnitten. Nahezu ein Drittel der 15-Jährigen zeigte lediglich geringe Kompetenzen in mindestens einem der getesteten Bereiche, während jeder sechste Jugendliche Defizite in allen drei Bereichen aufwies. Mit Platz 25 in Mathematik liegt Deutschland weit hinter seinen deutschsprachigen Nachbarländern wie Österreich (Platz 16) und der Schweiz (Platz 8) zurück.
Warum Deutschland in der PISA-Studie abrutscht
Die Suche nach Erklärungen für diese deutliche Verschlechterung der deutschen Leistungen in der PISA-Studie erfordert eine umfassende Analyse. Es ist entscheidend, sich damit auseinanderzusetzen, wie es zu einem derartigen Abwärtstrend seit Beginn der PISA-Studien kommen konnte.
Eine der vermuteten Ursachen liegt in den Schulschließungen während der COVID-19-Pandemie. Der Unterrichtsausfall und die Einschränkungen könnten den Kompetenzerwerb der Schüler negativ beeinflusst haben. Es ist anzumerken, dass der digitale Unterricht in Deutschland im Vergleich zum OECD-Durchschnitt weniger stark ausgeprägt war, was eine mögliche Rolle spielen könnte. Allerdings zeigt die internationale Datenanalyse keinen klaren Zusammenhang zwischen der Dauer der Schulschließungen und dem Ausmaß des Leistungsabfalls.
Weitere potenzielle Gründe könnten in sozioökonomischen Faktoren liegen, einschließlich des familiären Hintergrunds. Ebenfalls wurde der vermehrte Anteil von Schüler:innen mit Zuwanderungshintergrund genannt. Doch die aktuelle Datenlage zeigt bereits jetzt eine differenziertere Realität: Die allgemeine, verschlechterte Leistung ist bei Kindern sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund verzeichnet, welches diese Hypothese in Frage stellt und auf andere Einflussfaktoren hinweist.
An dieser Stelle möchten wir nachdrücklich auf die entscheidende Verbindung zwischen frühkindlicher Bildung und der grundlegenden Entwicklung sowie dem kontinuierlichen Aufbau akademischer Kompetenzen hinweisen. Die Fundamente für eine tragfähige Bildung werden bereits in den ersten Schritten des Lernens gelegt und dort tief verankert. Kindertagesstätten gewinnen in dieser Hinsicht eine unverzichtbare Bedeutung, da sie gezielt auf Defizite reagieren können, indem sie maßgeschneiderte Förderprogramme und Bildungsoptionen anbieten.
Die Teams in den Kindertagesstätten stehen im Zentrum dieser bildungsorientierten Bemühungen. Doch für eine effektive Förderung benötigt das pädagogische Personal dringend angemessene Ressourcen und ausreichend Zeit, um sich uneingeschränkt der Betreuung und Entwicklung der Kinder zu widmen. Der vorherrschende Fachkräftemangel sowie die hohe administrative Belastung stellen dabei ernsthafte Hindernisse dar, die behoben werden müssen, um diesem Ansatz gerecht zu werden.
Die Stärkung der frühkindlichen Bildung gewinnt angesichts ihrer zentralen Rolle im Bildungssystem eine unabdingbare Relevanz. Versäumnisse in diesem Bereich könnten langfristig zu weiteren Leistungseinbußen führen, die nur schwer rückgängig zu machen sind. Es ist von größter Dringlichkeit, die Bedeutung der frühkindlichen Bildung anzuerkennen und gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um einen festen Grundstein für die umfassende Entwicklung der kommenden Generationen zu legen.
Die Versäumnisse in der frühkindlichen Bildung tragen, wie erwähnt, nicht nur unmittelbare Auswirkungen, sondern manifestieren sich auch in späteren Bildungsphasen. Bereits in der Grundschule und verstärkt in den weiterführenden Schulen treten die Folgen deutlicher zutage. Die Herausforderungen und Defizite, die bei den heutigen 15-Jährigen festgestellt wurden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die anhaltende Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildungslandschaft zurückzuführen, die in den letzten zwei Jahrzehnten bestand. Diese finanziellen Engpässe haben sich in jüngster Zeit sogar verschärft, welches uns mit Bangen in die kommenden Studien schauen lässt. Denn, wenn man dieser Entwicklung folgt, ist zu erwarten, dass die Kinder der kommenden Jahre mit noch größeren Defiziten konfrontiert sein werden. Es bedarf angemessener Maßnahmen, um diesen Trend umzukehren.
In jüngster Zeit verzeichnet die Kommunikation rund um das Thema frühkindliche Bildung sichtbare Verbesserungen. Insbesondere ist die gesteigerte Aufmerksamkeit von Bildungssenatorin Günther-Wünsch bezüglich dieser Thematik deutlich spürbar. Dialoge, insbesondere mit den freien Kitaträgern, werden offener begrüßt und signalisieren eine symbolische Wertschätzung, wie etwa durch die Einladung zum aktuellen Kitagipfel deutlich wird.
Dennoch ist es entscheidend, dass diese Gespräche in einem offenen Rahmen und mit einem wachen Bewusstsein geführt werden. Die Herausforderungen in der aktuellen Kitalandschaft sind spürbar, genauso wie der dringliche Handlungsbedarf. Es mag verlockend sein, sich auf schnelle, oberflächliche Lösungen zu konzentrieren, die jedoch vom eigentlichen Problem ablenken und lediglich oberflächliche Ergebnisse erzielen könnten.Es ist unabdingbar, dass wir langfristige Konzepte entwickeln und umsetzen, die auf fundierten Erkenntnissen, Daten und Fakten aus der frühkindlichen Bildungslandschaft basieren. Nur durch ein gezieltes Einbinden der betroffenen Akteure der frühkindlichen Bildung können wir langfristige positive Veränderungen herbeiführen und eine nachhaltige Verbesserung erreichen.
Politik versus Praxis: Die Wichtigkeit lokaler Expertise in der frühkindlichen Bildung.
Der jüngste Kitagipfel verdeutlichte erneut die kritische Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung. In den letzten Jahren wiederholte sich dieses Muster: Entscheidungen wurden ohne Konsultation derjenigen getroffen, die die täglichen Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hautnah erleben. Wir brauchen ehrliche, offene Dialoge, um zielgerichtete Lösungen umsetzen zu können!
Hinhören und Hinsehen, für die richtigen Lösungsansätze in der frühkindlichen Bildung.
Im Zuge des letzten Kitagipfels wurde dem VKMK eines wieder deutlich: Die Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und praktischer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung ist eine Thematik von entscheidender Bedeutung. Wir haben es in den letzten Jahren leider viel zu oft erleben müssen; Politische Entscheidungen werden getroffen, ohne diejenigen zu konsultieren, die die täglichen Herausforderungen und Möglichkeiten in der frühkindlichen Bildung aus erster Hand erleben. Die Folge sind Maßnahmen, die oft an den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und des pädagogischen Personals vorbeigehen.
Die Kita-Experten, bestehend aus Erzieher:innen, Leiter:innen und anderen pädagogischen Fachkräften, sowie vertretenden Verbänden, wie dem VKMK, bringen eine unverzichtbare Perspektive ein. Ihre Erfahrungen sind ein unschätzbares Kapital, das bei der Gestaltung von Richtlinien und Programmen berücksichtigt werden muss. Ihre Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern, pädagogischen Bedürfnissen und praktischen Herausforderungen sind von unschätzbarem Wert für die Schaffung effektiver, nachhaltiger Bildungsstrukturen.
Die Kluft zwischen Politik und Praxis führt seit Jahren zu Problemen auf mehreren Ebenen:
Unzureichende Ressourcenallokation: Oftmals sind politische Entscheidungen nicht im Einklang mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Kitas. Sie konzentrieren sich auf die Behebung akuter Symptomatiken und übersehen dabei, teilweise gänzlich, die Wurzel des Problems. Dies führt zu unzureichenden Lösungsansätzen, wie mangelnder Finanzierung und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten für die Fachkräfte und letztendlich auch die Kinder.
Mangelnde Berücksichtigung von pädagogischen Bedürfnissen: Die Entwicklung von Bildungsprogrammen ohne Einbeziehung der Kita-Experten kann dazu führen, dass die pädagogischen Anforderungen nicht erfüllt werden. Dies kann die Qualität der Bildung beeinträchtigen und langfristig die Bildungschancen der Kinder mindern.
"Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen." - Johann Wolfgang von Goethe.
Die Hohe Kunst des Zuhören ist gefragt, bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Wie es sich manifestieren kann, wenn dies nicht entsprechend umgesetzt wird, zeigen diese beiden Beispiele der vergangenen Monate:
Beispiel 1: Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung
Ein exemplarisches Missverständnis zeigt sich in der Forderung nach mehr Stellen in der frühkindlichen Bildung. Das eigentliche Problem liegt nicht in einem Mangel an Stellenausschreibungen, sondern viel mehr in der Tatsache, dass es an qualifizierten Fachkräften mangelt, die sich bewerben oder langfristig in diesen Positionen bleiben möchten. Hierbei spielt die Unterfinanzierung eine entscheidende Rolle, indem sie die Arbeit vor Ort unattraktiv gestaltet, dass viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt werden. Die eigentliche Lösung erfordert daher eine deutlich stärkere Finanzierung, die die tatsächlichen Herausforderungen der Kitas berücksichtigt und die Attraktivität des Berufsstandes durch angemessene Wertschätzung steigert, sodass wir mehr Personal anziehen und langfristig halten können Der simple Stellenausbau wäre somit nicht die vollumfängliche Lösung.
Beispiel 2: Mangelnde Sprachentwicklung bei Kleinkindern
Ein weiteres Beispiel betrifft die mangelnde Sprachentwicklung bei Kindern vor dem Eintritt in das Grundschulalter. Politiker:innen neigen dazu, dieses Problem mit der Multilingualität vor Ort zu verknüpfen und fordern zuletzt sogar teilweise Einschränkungen im Bereich der Migration. Allerdings weisen pädagogische Fachkräfte seit Jahren darauf hin, dass sie unter den aktuellen Bedingungen ihr Bildungsangebot teilweise nicht vollständig ausführen können. Das pädagogische Fachpersonal leidet unter der Unterfinanzierung, die zu personellen Problemen und Überlastung führt, was wiederum die gezielte Förderung einzelner Kinder beeinträchtigt. Das dies symptomatisch in den Förderungsständen der Kinder sichtbar wird, war lediglich eine Frage der Zeit. Die eigentliche Lösung liegt erneut in einer deutlich stärkeren Finanzierung, die die finanziellen Bedürfnisse an die tatsächlichen Herausforderungen anpasst, dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und gezieltere Förderungen zulässt.
Diese Beispiele sind lediglich zwei von vielen, die verdeutlichen, wie eine unzureichende Kommunikation mit den betroffenen Akteuren zu Trugschlüssen, falschen Lösungsansätzen und letztlich auch Fehlinvestitionen führt. Diese Situation ähnelt dem schnellen Überstreichen einer maroden Wand, ohne den eigentlichen Schaden an der Struktur zu beheben. Obwohl einige Lösungsansätze zunächst vielversprechend erscheinen mögen, bleibt das zugrundeliegende Problem ungelöst. Das temporäre "Lösen" der Situation erlaubt der eigentlichen Problematik sich weiter auszubreiten, was langfristig zu weitaus größeren Schäden und umfangreicheren Kosten führen kann. Eine effektive Lösung erfordert eine tiefgreifende Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Kita-Experten. Die Schaffung von Plattformen für regelmäßigen Austausch, die direkte Einbindung der Fachkräfte in Entscheidungsprozesse und die aktive Integration ihrer Perspektiven in politische Diskussionen sind von entscheidender Bedeutung. Unser Verband setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die freien Kitaträger, die wir vertreten, in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, gehört und anerkannt werden. Wir nehmen es positiv zur Kenntnis, dass wir nun mehr in entsprechende Dialoge eingebunden werden. Dies repräsentiert symbolisch einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wir möchten an dieser Stelle jedoch ebenso vehement betonen, dass diese Dialoge weit über die Symbolik hinausgehen müssen, um hier tatsächlich etwas zu bewirken. Ein ehrlicher Austausch, und insbesondere die Offenheit sich hier mit den Herausforderungen tatsächlich zielgerichtet auseinandersetzen zu wollen, ist absolut von Nöten, um schlussendlich auch tatsächliche, realistische Lösungen zu formen.
Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann eine frühkindliche Bildungspolitik entwickelt werden, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.
Die Kunst des Zuhörens: Senatorin Günther-Wünsch bittet zum Kita-Gipfel
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor. Senatorin Günter-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die große Kunst des Hinhörens: Der erste Schritt zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung liegt im Zuhören bei den richtigen Akteuren
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor.
Senatorin Günther-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die Vergangenheit zeigt bedauerlicherweise, dass solche wichtigen Gelegenheiten versäumt wurden, was zu vorhersehbaren und schwerwiegenden Konsequenzen führte.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Sachkostenpauschale als Teil über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) in Berlin. Ursprünglich entwickelt, um die Finanzierung von frühkindlichen Einrichtungen langfristig sicherzustellen, erwiesen sich diese Teile dieser Pauschale in den folgenden Jahren als wesentlicher Engpass.
Finanzkonzepte benötigen regelmäßige Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse, eine Überprüfung, die trotz offensichtlicher Veränderungen, einschließlich wirtschaftlicher Aspekte, wiederholt versäumt wurde.
Erst 2017 wurde eine Gestehungskostenanalyse in Auftrag gegeben, die zeigte, dass Kitas mit einer Unterfinanzierung von fast 30% zu kämpfen hatten, hauptsächlich aufgrund stark gestiegener Mietkosten, die in der Sachkostenpauschale nicht berücksichtigt wurden.
Insbesondere kleinere und mittelgroße Kitaträger litten unter höheren Mietkosten im Vergleich zu größeren Institutionen.
Trotz dieses neuen Wissens ignorierten die damaligen Akteure in der Senatsverwaltung und ihre ausgewählten Verhandlungspartner im Rahmen ihrer 2017 laufenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) diese dramatische Unterfinanzierung und schufen nur eine Teilreparatur.
Es erfolgte für den Zeitraum von 2018 bis 2021 eine leichte stufenweise Erhöhung der Sachkostenpauschale um insgesamt 10%, doch konnte die massive Unterfinanzierung bei weitem nicht kompensiert werden.
Die kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger hatten weiterhin mit steigenden Gewerbemiet- & Immobilienunterhaltungskosten und zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu kämpfen.
Einzig der VKMK reagierte auf diese Herausforderungen, indem er mit seiner Expertengruppe eine nachhaltige Lösung entwickelte: die "Clusterlösung".
Basierend auf dem Grundgedanken der Hamburger Finanzierungskonstruktion integriert die "Clusterlösung" eine differenzierte Betrachtung der IST-Situation der Gewerbeflächen der jeweiligen Kita-Träger in die Ausgestaltung der Sachkostenpauschale. Durch die Unterstützung verschiedener Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses konnten weitere relevante Daten zu den Bruttomietzinsen für soziale Träger in landeseigenen Wohnbaugesellschaften erfragt werden.
Hierbei ergab sich, dass die Mietzinsen für Gewerbeflächen der landeseigenen Wohnbaugesellschaften im Durchschnitt über 10 Euro pro Quadratmeter lagen, während die Kita-Träger lediglich eine Finanzierung von etwa 5 Euro pro Quadratmeter erhielten. Diese Diskrepanz verdeutlichte bereits damals die erheblichen finanziellen Herausforderungen, denen die betroffenen Einrichtungen gegenüberstanden.
Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu Lasten der Fachkräfte gingen.
Um dem Scheinargument- Phänomen der "Miethaie" und des " Miet-Monopoly" entgegenzuwirken, integrierte der VKMK in seine "Clusterlösung" das Modell einer wiederkehrenden Abfrage des Bruttomietzinses pro Quadratmeter bei landeseigenen Wohnbaugesellschaften. Dieser Wert dient als Grundlage für die Einberechnung in die Sachkostenpauschale, um den Einrichtungen eine finanzielle Grundlage zu bieten, die ihren tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird.
Diese konkreten Beispiele unterstreichen nicht nur unsere langjährige Arbeit und Bemühungen, realistische Lösungsansätze zu bieten, sondern auch den gravierenden politischen Fehler, betroffene Akteure unzureichend zu berücksichtigen.
„Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: "Wir bieten der Jugendsenatsverwaltung seit Jahren fundierte Lösungen an. Unser Clustermodell ist ein solcher gezielter Lösungsansatz, der jedoch in den Jahren der SPD-Ressortverantwortung ignoriert wurde. Lösungen, die betroffene Stakeholder nicht angemessen einbeziehen, führen letztlich immer zu höchsten Gerichtsurteilen, die dann eine Unverhältnismäßigkeit bis hin zur Verfassungswidrigkeit im Handeln der Jugendsenatsverwaltung attestieren.“
Die konzertierte Anstrengung von Senatorin Günter-Wünsch gemeinsam mit allen Interessengruppen in einen Dialog einzutreten, verspricht langfristige Fortschritte in der effizienten Ressourcennutzung und nachhaltigen Verbesserungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.
Bundesverwaltungsgericht entscheidet über Zuzahlungsbegrenzung von freiwilligen Elternbeiträgen
Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht über einen bedeutsamen Fall verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf.
Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht (BVG) über einen bedeutsamen Fall (verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen der Eltern, zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf. Sie thematisiert, ob sie gegen die Diversität der pädagogischen Angebote freier Träger verstößt und gleichzeitig das elterliche Recht auf Wahlfreiheit in unzulässiger Weise einschränkt.
Wie kam es zu dem Entscheid der Einschränkungen?
Die aktuelle Rechtsverordnung zur Finanzierung der Tagesbetreuung (RVTag) wurde im Jahr 2018 im Land Berlin eingeführt. Eine der zentralen Regelungen dieser Verordnung betrifft Eltern, die ihre Kinder in Kindertagesstätten betreuen lassen. Diese Eltern können freiwillige Beiträge leisten, die oftmals dazu verwendet werden, die Qualität der Betreuungseinrichtungen zu steigern oder zusätzliche Leistungen für ihre Kinder zu finanzieren. Im Rahmen dieser Verordnung führte die RVTag auch eine Zuzahlungsbegrenzung für diese Elternbeiträge ein. Diese Begrenzung setzt die Höchstgrenze auf 90 Euro pro Kind fest. Im Sinne der Gleichberechtigung einkommensschwacher Familien, kann dieser Elternbeitrag im Bedarfsfall vom Staat unterstützt werden, um sicherzustellen, dass diese nicht unverhältnismäßig belastet werden und gleichen Zugang zu den Betreuungsangeboten erhalten.
Genannte Gründe, für die Einführung dieser Begrenzung waren:
1. Soziale Gerechtigkeit: Die Begrenzung soll sicherstellen, dass alle Eltern Zugang zu qualitativ hochwertigen Betreuungseinrichtungen haben, unabhängig von ihrem Einkommen.
2. Vermeidung sozialer Ungleichheit: Ohne Begrenzung könnten einkommensstarke Eltern erheblich höhere Beiträge leisten und ihren Kindern somit ein deutlich anderes Bildungsfeld bieten, als sozial schwache Eltern. Dies würde zu sozialer Ungleichheit führen können.
3. Schutz einkommensschwacher Familien: Die Begrenzung dient dazu, einkommensschwache Familien vor übermäßigen finanziellen Belastungen zu schützen.
Es ist von entscheidender Bedeutung zu unterstreichen, dass die festgelegte Obergrenze von 90 Euro weder auf der Grundlage offizieller Statistiken noch auf belastbaren Zahlen beruht. Darüber hinaus wurde diese Grenze nicht im Rahmen eines gemeinsamen Konsenses mit den Trägern erarbeitet, obwohl dies zu Beginn der Diskussion als unerlässlicher Bestandteil für die Ermittlung einer realistischen Obergrenze angesehen wurde. Dieser Punkt ist von grundlegender Wichtigkeit und ein zentraler Anklagepunkt.
Desweiteren ist dieser willkürlich wirkende Betrag von 90 Euro seit seiner erstmaligen Einführung im Jahr 2018 unverändert geblieben, obwohl sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren erheblich verändert hat.
Die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht:
Das Ablehnen eines offenen Dialoges mit den Trägern, bei der Ermittlung einer realistischen Obergrenze, hat gravierende Folgen mit sich gezogen, welche Schlussendlich zu einer Klage geführt haben:
Einige freie Träger und Elterngruppen haben gegen diese Begrenzung geklagt. Sie argumentieren, dass die Zuzahlungsbegrenzung die Pluralität und Angebotsvielfalt freier Träger einschränkt. Freie Träger bieten oft spezialisierte Dienstleistungen und pädagogische Ansätze an, die von Eltern geschätzt werden, aber zusätzliche Kosten verursachen. Durch die Begrenzung der Elternbeiträge würden diese Einrichtungen finanziell benachteiligt und könnten möglicherweise gezwungen sein, ihre Angebote zu reduzieren oder gar zu schließen. Dies, so die Kläger, verletze das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, die für die bestmögliche Betreuung ihrer Kinder bezahlen möchten.
Einige, weitere Risiken, die im Zuge der Zuzahlungsbegrenzung der Elternbeiträge entstehen können:
1. Qualitätsverlust bei der Bildungsarbeit: Die Begrenzung der Elternbeiträge kann die Qualität und den Umfang der Bildungsarbeit der Betreuungseinrichtungen gefährden, da sie weniger finanzielle Mittel für Personal und Bildungsmaterialien für die Zusatzleistungen zur Verfügung haben.
2. Mangelnde Anpassungsfähigkeit an steigende Kosten: Die Inflation und steigende Betriebskosten führen oftmals dazu, dass Einrichtungen Schwierigkeiten haben, mit den finanziellen Belastungen Schritt zu halten. Hier gibt es keinerlei privaten Entwicklungsrahmen, um dem entgegenzuwirken. Die Konsequenzen, wenn nicht politisch rechtzeitig bedacht und behoben, sind dementsprechend nicht beeinflussbar. Rahmenbedingungen vor Ort, wie beispielsweise das Betreuungs- & Bildungsangebot oder die Lebensmittelqualität, können sich verschlechtern, ohne die Möglichkeit hier zu agieren.
3. Einschränkung der Angebotsvielfalt: Die Begrenzung der Zuzahlungen kann auch dazu führen, dass Betreuungseinrichtungen ihre Angebotsvielfalt reduzieren, spezialisierte Dienstleistungen einstellen müssen, oder sich hier nicht entsprechend weiterentwickeln können.
Die Perspektive unseres Verbandes:
Der VKMK (Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger) sieht die Zuzahlungsbegrenzung als eine Belastung für seine Mitglieder. Obgleich es Gründe gibt, die für diese Begrenzung sprechen, ist es von absoluter Wichtigkeit, dass diese ausreichend beleuchtet und an die aktuellen (insbesondere auch wirtschaftlichen) Herausforderungen angepasst wird. Ein Grundgedanke, geboren in der Idee,Chancengerechtigkeit bereits im Kita-Alter etablieren zu können, sollte nicht in einer Einschränkung oder gar erheblicher Reduzierung der Qualität in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen münden, da sie nicht ausreichend an den realen Ist-Zustand angeglichen ist oder wird.
Es ist von großer Bedeutung zu unterstreichen, dass unser Verband von Anfang an nicht als Fachverband angehört und in die damalige Diskussion mit einbezogen wurden, aufgrund von Entscheidungen des SenBJF, die auf die Initiative der damaligen StS und Senatorin zurückzuführen sind. Bereits zu dieser Zeit haben wir die Unklarheiten und die Rechtfertigung dieses Vorgehens in Frage gestellt und die Entscheidung angezweifelt.
Wir benötigen finanzielle Flexibiltät und Anpassungsfähigkeit, in einer Zeit, die eben dies immer wieder deutlich einfordert. Innovative pädagogische Ansätze, spezielle Betreuungsmodelle oder die bloße Angleichung an die wirtschaftliche Lage, können nicht (über)leben, in einem festgefahrenen, limitierten Rahmen, der keine Entwicklungsmöglichkeiten bietet - oder denen erst sehr zögerlich nachkommen kann.
Die damalig festgelegten 90 Euro, wirkten, ohne untermauernde Beispiele und Zahlen, willkürlich und hätten im Konstrukt Flexibilität bieten müssen, um sich den wachsenden Herausforderungen anpassen zu dürfen, oder hier Adjustierungen vornehmen zu können.
Wir haben dieses Thema diverse Male bereits journalistisch aufgearbeitet. In den folgenden Artikeln, können die mannigfaltigen Herausforderungen der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, die unter anderem beinflusst sind durch eben diese Zuzahlungsbegrenzung, noch einmal aufgearbeitet betrachten.
Wir hoffen, dass das Bundesverwaltungsgericht die verschiedenen Interessen und Herausforderungen sorgfältig abwägen wird, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen, welche die Qualität in der frühkindlichen Bildung voranbringen kann.
Entlastung der pädagogischen Fachkräfte: Nicht-pädagogisches Personal als Antwort?
Seit dem 1. Juli ist in Bayerns Kindertagesstätten eine Neuregelung in Kraft getreten. Gemäß dieser Neuregelung müssen die Leitungen von Kindertagesstätten nicht mehr zwingend eine pädagogische Ausbildung vorweisen. Wir vom Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger (VKMK) möchten die Perspektive unseres Verbandes auf diese Veränderung teilen.
Seit dem 1. Juli ist in Bayerns Kindertagesstätten eine Neuregelung in Kraft getreten. Gemäß dieser Neuregelung müssen die Leitungen von Kindertagesstätten nicht mehr zwingend eine pädagogische Ausbildung vorweisen. Wir vom Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger (VKMK) möchten die Perspektive unseres Verbandes auf diese Veränderung teilen und die Bedeutung der Entlastung pädagogischer Fachkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben hervorheben.
Der VKMK begrüßt alle Bemühungen zur Entlastung der engagierten pädagogischen Fachkräfte, insbesondere solche, die darauf abzielen, rein administrative Lasten, bürokratische Hindernisse und statistische Erfassungen zu reduzieren.
Die frühkindliche Bildungsarbeit bildet das Fundament für die Entwicklung unserer jungen Generation und verdient unsere volle Aufmerksamkeit. Seit Jahren kämpfen diese Bildungsinstitutionen jedoch gegen einen zunehmenden Fachkräftemangel, der nicht selten darin resultiert, dass pädagogische Fachkräfte sich alltäglich einer zunehmenden Belastung durch Verwaltungs- und betriebswirtschaftliche Aufgaben gegenüberstehen sehen. Diese Aufgaben beanspruchen wertvolle Zeit, die anderweitig der pädagogischen Arbeit und der individuellen Förderung der Kinder zugutekommen könnte.
Auch Anforderungen an die Position der Kitaleitung haben sich im Laufe der Zeit erheblich weiterentwickelt. Die Führung von Teams, die Koordination von Abläufen und die Bewältigung betriebswirtschaftlicher Fragen sind heutzutage integrale Bestandteile der Leitungsarbeit. Eine gezielte Entlastung in diesen Bereichen ist nicht nur sinnvoll, sondern auch dringend erforderlich.
Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung zu betonen, dass Entlastung keinesfalls mit Entwertung gleichgesetzt werden sollte. Kita-Leitungen sind und bleiben pädagogische Fachkräfte, die über unverzichtbare Erfahrungen und Kompetenzen verfügen. Wir verfolgen daher vielmehr die Vision einer engen Zusammenarbeit zwischen pädagogischem und administrativem Fachwissen, um den Bildungsauftrag optimal zu erfüllen.
Wir möchten in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung multiprofessioneller Teams hinweisen. Diese Teams, bestehend aus Fachkräften unterschiedlicher Fachrichtungen, bieten eine umfassende Unterstützung für Kinder und ihre individuellen Bedürfnisse.
Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels sind multiprofessionelle Teams entscheidend. Sie entlasten pädagogische Fachkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben und ermöglichen es ihnen, sich auf ihre Kernarbeit zu konzentrieren, was zur Sicherung der Bildungsqualität beitragen kann. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Expertisen erlaubt zudem die Entwicklung innovativer pädagogischer Ansätze und eine gezieltere Förderung der Kinder. Dies stärkt somit nicht nur die individuelle Entwicklung der Kinder, sondern auch das Bildungssystem insgesamt. Die flächendeckende Integration multiprofessioneller Teams in Deutschland ist somit essentiell, um eine qualitativ hochwertige Bildung langfristig zu gewährleisten und muss deutlich stärker priorisiert werden.
Wir hegen deutliche Zweifel, ob die thematisierte Entwicklung in Bayern die angestrebten Ziele des frühkindlichen Bildungsauftrages in vollem Umfang erreichen wird. Keineswegs sollten Stellen, die zwingend auf pädagogisches Fachwissen angewiesen sind, auf dieses in der Not verzichten, um eine kurzfristige Personalentlastung umzusetzen. Dies würde dem frühkindlichen Bildungsauftrag nachhaltig nicht zu Gute kommen. Vielmehr sehen wir die Schaffung spezialisierter Stellen für nicht-pädagogische Verwaltungsaufgaben als mögliche Lösung an. Diese könnten von geschulten kaufmännischen und verwaltenden Experten übernommen werden, die in enger Zusammenarbeit mit der Kitaleitung stehen würden und diese hier vom administrativen Druck entlasten. Gleichzeitig würden sie sicherstellen, dass ihre pädagogische Expertise im Mittelpunkt stehen darf, wie von Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont wird.
Die Umsetzungen in Bayern sollten wir als Anstoß nutzen, den Fokus, auch in Berlin, deutlich stärker auf die nachhaltige Entlastung der pädagogischen Teams zu lenken, ohne den Blick vom frühkindlichen Bildungsauftrag und dessen Anforderungen zu wenden.
Für weitere Informationen und Anfragen steht Ihnen Lars Békési gerne zur Verfügung.
10 Jahre Kita-Rechtsanspruch – Fortschritte, Optimierungsbedarf und Herausforderungen
Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Kita-Rechtsanspruchs möchten wir die reale Situation in Berlin betrachten und hierbei die Erfahrungen unserer eigenen Mitglieder sowie die statistische Situation der gesamten Kitaträger in Berlin beleuchten.
Berlin, 01. August 2023 – Der Verband der kleinen und Mittelgroßen Kitaträger, mitsamt seiner Mitglieder, blickt zurück auf 10 Jahre seit Einführung des gesetzlichen Anspruchs auf einen Kita-Platz.
Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Kita-Rechtsanspruchs möchten wir die reale Situation in Berlin betrachten und hierbei die Erfahrungen unserer eigenen Mitglieder sowie die statistische Situation der gesamten Kitaträger in Berlin beleuchten.
Was hat sich im vergangenen Jahrzehnt in Berlin verbessert?
Der Kita-Rechtsanspruch für Kinder hat in den letzten zehn Jahren in Berlin zu einigen erfreulichen Fortschritten geführt. Eines der signifikantesten Ergebnisse ist die Schaffung zusätzlicher Kita-Plätze, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Im Jahr 2013 lag die Betreuungsquote für unter dreijährige Kinder bei 24,9 Prozent (Statistiken: Statista). Doch dank der Bemühungen der Stadt und ihrer Kitaträger ist diese Zahl auf etwa 35 Prozent gestiegen (Stand März 2022.)
Diese Steigerung von mehr als zehn Prozentpunkten zeigt, dass es gelungen ist, mehr Eltern den Zugang zu Betreuungsplätzen für ihre Kleinkinder zu ermöglichen. Dadurch erhalten Familien in Berlin mehr Flexibilität bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der VKMK begrüßt diese Entwicklung natürlich sehr und sieht darin einen großen Schritt in die richtige Richtung. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass es weiterhin Herausforderungen gibt, die angegangen werden müssen, um eine optimale und hochwertige Betreuung für alle Kinder zu gewährleisten.
Wo gibt es noch Immer Optimierungsbedarf?
Trotz der erzielten Fortschritte gibt es in der Kinderbetreuung Berlins weiterhin Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Die letzte Bertelsmannstudie hat gezeigt, dass immer noch geschätzte 20.000 Kitaplätze und 35.000 Fachkräfte in Berlin fehlen. Dieser Mangel an Kapazitäten und qualifiziertem Personal führt dazu, dass es nach wie vor lange Wartelisten gibt und viele Eltern Schwierigkeiten haben, eine passende Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder zu finden. Diese Betreuungslücke ist bei armutsgefährdeten Familien insgesamt noch größer. Fast 17 Prozent dieser Kinder bekamen 2020 keinen Platz in einer Kita, wobei der tatsächlich in Anspruch genommene Betreuungssatz hier bei gerade einmal 23 Prozent liegt - deutlich weniger als im Schnitt aller Familien. Die Betreuungsquote der 3- bis unter 6-Jährigen in Berlin musste insgesamt sogar einen Rückschritt verzeichnen. Während sie 2015 noch bei 95,5% lag, lag sie im Jahr 2022 nur noch bei bei 92,2 Prozent. (Statistiken: Statista).
Wir möchten ausdrücklich betonen, dass die engagierten Kitaträger in Berlin sich mit voller Leidenschaft und Hingabe für eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, sowie das Erfüllen des Bildungsauftrages, einsetzen. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert und bildet eine unverzichtbare Säule in der gesamten Kinderbetreuungslandschaft der Stadt. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass Kinder bestmöglich gefördert und betreut werden und eine positive Entwicklung erfahren können. Trotz des außerordentlichen Engagements unserer Mitglieder sehen sich einige Kitaträger zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert, die ihre Arbeit beeinträchtigen. Der Mangel an Ressourcen und eine steigende Arbeitsbelastung stellen dabei gravierende Probleme dar. Der Bedarf an qualitativ hochwertigen Betreuungsplätzen ist weiterhin hoch, und unsere Mitglieder sind bemüht, diesem Bedarf gerecht zu werden. Jedoch sehen sie sich aufgrund begrenzter Ressourcen und personeller Engpässe in einigen Fällen nicht in der Lage, die Nachfrage in vollem Umfang zu decken. Es besteht daher - nach wie vor - dringender Handlungsbedarf, um die Rahmenbedingungen für unsere Kitaträger zu verbessern und sicherzustellen, dass sie ihre wertvolle Arbeit unter optimalen Bedingungen leisten können. Dazu gehört unter anderem eine angemessene finanzielle Unterstützung, um die nötigen Ressourcen bereitzustellen und eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten. Zudem müssen gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um den Fachkräftemangel zu beheben und das pädagogische Personal zu entlasten.
Es ist wichtig, dass der Kita-Rechtsanspruch nicht nur auf dem Papier besteht, sondern auch in der Praxis vollumfänglich umgesetzt werden kann, damit Eltern in Berlin eine echte Wahl haben, wenn es um die Betreuung ihrer Kinder geht. Der VKMK wird sich auch weiterhin aktiv für die Interessen unserer Mitglieder einsetzen und gemeinsam mit den zuständigen Behörden nach Lösungen suchen, um die Situation in der Kinderbetreuung zu verbessern. Es ist uns ein Anliegen, dass unsere Kitaträger die Anerkennung und Unterstützung erhalten, die sie verdienen, damit sie ihre wichtige Aufgabe als verlässliche und qualitätsorientierte Betreuungseinrichtungen weiterhin erfolgreich erfüllen können.
Herausforderungen, Sorgen und Hoffnungen im Kita-Alltag - Lars Békési zieht Bilanz.
Das sich dem Ende neigende Kitajahr und die bevorstehenden Sommerfeste bieten uns einen idealen Anlass für einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen, sowohl auf der Ebene der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, als auch auf der politischen. Wir vom VKMK haben mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, gesprochen, um seine Einschätzungen zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen in der frühkindlichen Bildung zu erfahren.
Das sich dem Ende neigende Kitajahr und die bevorstehenden Sommerfeste bieten uns einen idealen Anlass für einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen, sowohl auf der Ebene der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, als auch auf der politischen. Wir vom VKMK haben mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, gesprochen, um seine Einschätzungen zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen in der frühkindlichen Bildung zu erfahren.
VKMK: Herr Békési, lassen Sie uns mit einem Rückblick auf das vergangene Kitajahr beginnen. Wie würden Sie das vergangene Kitajahr zusammenfassen und welche Herausforderungen haben sich für die Kita-Teams ergeben?
Lars Békési: Das vergangene Kitajahr war geprägt von der Bemühung der Kita-Teams, nach den umfangreichen Maßnahmen und Verwaltungsaufwendungen im Zuge der Corona-Pandemie zum ursprünglichen Alltag vor der Corona-Zeit zurückzufinden. Es war jedoch festzustellen, dass vielen Beschäftigten dies bisher noch nicht vollständig gelungen ist. Erschöpfungszustände, steigende Krankenstände und Langzeitfolgen von COVID-19 stellen weiterhin Herausforderungen dar und erhöhen den Druck auf das gesamte Personal.
VKMK: Haben Sie Beispiele dafür, wie Beschäftigte individuelle Wege gefunden haben, um mit der Anspannung und Erschöpfung umzugehen? Welche Auswirkungen können solche Veränderungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit haben?
Lars Békési: Einige Beschäftigte haben individuelle Wege gefunden, um mit der Anspannung und Erschöpfung umzugehen. Zum Beispiel sind einige in den Hortbereich gewechselt, wo bessere Rahmenbedingungen für die mittelbare pädagogische Arbeit herrschen. Andere haben vorübergehend neue Arbeitgeber über Zeitarbeitsfirmen gefunden, um vorübergehend weniger Verpflichtungen zu haben. Solche Veränderungen können die Arbeitsbelastung auf Einzelne reduzieren, jedoch könnten sie auch zu einer Fragmentierung des Teams und der pädagogischen Arbeit führen, was sich negativ auf die Qualität auswirken kann.
VKMK: Wie haben sich die politischen Diskussionen auf Landes- und Bundesebene auf die Kitas ausgewirkt und welche Themen waren besonders herausfordernd?
Lars Békési: Die politischen Diskussionen auf Landes- und Bundesebene waren oft von emotionalen und wenig produktiven Auseinandersetzungen geprägt. Dies führte absolut verständlich zu unnötigen Verunsicherungen. Besonders herausfordernd war und ist bspw. das Thema der Kindergrundsicherung und jüngst noch der unüberlegte Vorschlag beim Elterngeld., Eine konstruktive Diskussionskultur und eine Fokussierung auf die Bedürfnisse der Familien, Eltern und Kinder wären hier nicht nur wünschenswert gewesen, sondern auch dringend notwendig.
VKMK: Welche Bemühungen wurden unternommen, um die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung zu verbessern, und wie könnten diese Bemühungen die Qualität der pädagogischen Arbeit beeinflussen? Welche aktuellen Initiativen werden ergriffen, um die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung zu verbessern, und wie könnten sich diese Bemühungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit auswirken?
Lars Békési: Auf Bundesebene arbeitet eine engagierte Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bundesländer sowie Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft intensiv daran, die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung dauerhaft zu verbessern. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das kommende Kitaqualitätsentwicklungsgesetz, das langfristig einheitliche Qualitätsstandards für die pädagogischen Kompetenzen der Fachkräfte etablieren und gezielt den Spracherwerb bei den jüngsten Kindern stärken soll. Zudem wird auf Bundesebene und in den Ländern ein fortlaufender Prozess vorangetrieben, um eine kluge Strategie zur Fachkräftegewinnung und -bindung zu entwickeln. Ich persönlich begrüße diese Aktivitäten aus verschiedenen Gründen. Der Dialog und der Austausch von Ideen sind grundlegend, um gemeinsam umsetzbare Lösungen zu finden. Meine Unterstützung für diese Bemühungen basiert nicht nur darauf, dass der VKMK Teil dieses Prozesses und Austauschs ist, sondern auch auf der Erkenntnis, dass in Zeiten begrenzter Haushaltsmittel eine kluge Investitionspolitik eine erfolgreiche Bildungspolitik ermöglicht. Es ist wichtig, alle Akteure einzubeziehen. Durch diese umfangreichen Bemühungen können wir die Qualität in den Kitas erhöhen und eine erstklassige Bildung und Betreuung für alle Kinder gewährleisten.
VKMK: Wie könnten verschiedene Bundesländer zusammenarbeiten, um das gesamte System der frühkindlichen Bildung zukunftsfähig zu machen, und welche Hindernisse müssten überwunden werden?
Lars Békési: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Bundesländer muss, wie bereits erwähnt, durch das kommende Kitaqualitätsentwicklungsgesetz verbindlich vereinbart werden. Nur auf diese Weise kann das gesamte System der frühkindlichen Bildung langfristig zukunftsfähig ausgestaltet bleiben. Daher ist es klug, den Austausch über bewährte Praktiken und die Entwicklung einheitlicher Standards bereits unter Beachtung eines engen Zeitplans voranzutreiben. Bis Ende 2023 soll ein erster Entwurf vorgestellt werden. Selbstverständlich müssen dabei auch Hindernisse wie unterschiedliche Finanzierungsmodelle und politische Interessen der Länder überwunden werden. Es erfordert den Willen zur Zusammenarbeit und einen langfristigen Fokus auf das gemeinsame Ziel, ein zukunftsfähiges System der frühkindlichen Bildung zu schaffen.
VKMK: Welche konkreten Lösungswege schlagen Sie vor, um pädagogische Fachkräfte effektiv zu entlasten?
Lars Békési: Werfen wir einen Blick auf das Beispiel des Landes Berlin. In einigen Bereichen hat das Land bereits mit den Bundesmitteln aus dem sogenannten "Gute-Kita-Gesetz" und nun durch das Kitaqualitätsgesetz gute Schritte unternommen, um die Fachkräfte zu entlasten und die Qualität zu steigern. Es ist jedoch wichtig, dass wir uns nicht auf diesen Erfolgen ausruhen und auf andere Bundesländer verweisen, die offenbar noch größere Herausforderungen bewältigen müssen. Stattdessen sollten wir nach vorne schauen und weitere Maßnahmen ergreifen, um die pädagogischen Fachkräfte effektiv zu entlasten. Besonders wichtig ist es, die pädagogischen Fachkräfte vollständig von nicht-pädagogischen Verwaltungsarbeiten zu entlasten. Neben dem Vorschlag, zusätzliche Verwaltungskräfte einzusetzen, um die Kita-Leitungen von nicht-pädagogischer Verwaltungsarbeit zu entlasten, damit sie sich zu 100% auf die pädagogische Arbeit und die Weiterentwicklung ihrer multiprofessionellen Kitateams konzentrieren können, könnten auch temporäre Maßnahmen ergriffen werden. Zum Beispiel könnten Freiwillige im sozialen Jahr (FSJ), Alltags- und Pflegehelfer eingesetzt werden, um die Stundenreduktion durch berufsbegleitende Auszubildende im Rahmen der kommenden 5-5-5-Anrechnung prozentual auszugleichen. Dadurch könnten wertvolle Stunden für die pädagogische Arbeit gewonnen werden.
VKMK: Die voranschreitende Digitalisierung wird auch immer wieder im Zuge von Entlastungsmaßnahmen erwähnt. Wo sehen Sie hier die größten Vorteile?
Lars Békési: Der Einsatz digitaler Tools und Technologien ermöglicht eine effizientere Gestaltung administrativer Aufgaben, wodurch pädagogische Fachkräfte mehr Zeit und Raum für ihre eigentliche pädagogische Arbeit haben. Dies beinhaltet die Digitalisierung von Dokumentationsprozessen, die Nutzung pädagogischer Apps zur Kommunikation mit Eltern und die Bereitstellung von Online-Ressourcen für die pädagogische Arbeit. Zahlreiche Mitglieder des VKMK haben in den letzten Jahren genau diese Expertise erworben, und es ist nun wichtig, dass dies als Standard in der gesamten frühkindlichen Bildung flächendeckend implementiert wird. Es ist von großer Bedeutung, dass pädagogische Fachkräfte die Möglichkeit haben, ihre digitalen Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Schulungen und Fortbildungen sollten angeboten werden, um den Umgang mit digitalen Werkzeugen zu fördern und die Integration von Medien in den pädagogischen Alltag zu unterstützen. Wie bei allen Fortentwicklungen der Menschheit - sei es der Buchdruck, die Dampfmaschine oder das Internet - müssen wir Vorbehalte abbauen und aktiv Veränderungen annehmen. Daher ist es bedauerlich, dass die technische Ausstattung (bspw. Viedokonferenztechnik) des Senats für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) immer noch unzureichend ist und eine erfolgreiche digitale Zusammenarbeit dadurch erschwert wird. Eine "Steinzeitmethodik" ohne angemessene digitale Ausstattung und Kompetenzen kann nicht die Zukunft der Bildung gestalten. Insgesamt sollten wir die Digitalisierung auf allen Ebenen nutzen, um pädagogischen Fachkräften eine nachhaltige Entlastung zu bieten und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Durch den konsequenten Abbau bürokratischer Hindernisse und die gezielte Förderung digitaler Kompetenzen können wir aktiv die Zukunft der Bildung gestalten.
VKMK: Wie sieht es mit den finanziellen Rahmenbedingungen aus? Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um diese zu verbessern?
Lars Békési: Als Beispiel möchte ich erneut auf Berlin verweisen. Wenn die verfügbaren Haushaltsgelder knapper werden, bedeutet dies für die frühkindliche Bildung, dass die vorhandenen Gelder noch effizienter investiert und gezielt eingesetzt werden müssen. Der Haushaltsgesetzgeber muss sich mit dem Problem der Unterfinanzierung auseinandersetzen, insbesondere im Hinblick auf Gewerbemieten für Kitaeinrichtungen . Dabei halte ich eine Anpassung der bestehenden Finanzierung, ähnlich dem Hamburger Modell der Teilentgelte, für zwingend erforderlich. Es ist von großer Bedeutung, dass auch Maßnahmen zur Bestandserhaltung, wie Sanierungen, und insbesondere die Gewerbemietpreise pro Quadratmeter stärker in Betracht gezogen werden, insbesondere für kleinere Träger.
VKMK: Wie können wir sicherstellen, dass in den aktuellen Diskussionen zu Arbeitsbedingungen und Bildungsqualität in der frühkindlichen Bildung die Perspektive der Kinder nicht weiterhin in den Hintergrund gerät und ihre Bedürfnisse ausreichend berücksichtigt werden?
Lars Békési: Um sicherzustellen, dass die Perspektive der Kinder in den Diskussionen zur Förderung von Chancengerechtigkeit nicht vernachlässigt wird, müssen wir den Fokus auch auf die Stärkung multiprofessioneller Teams richten. Die Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen ist von großer Bedeutung, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Darüber hinaus sollten wir die Fachberatung als festen Bestandteil im System der Kindertagesbetreuung etablieren. Fachberaterinnen und -berater können pädagogische Fachkräfte unterstützen, ihre Arbeit zu reflektieren, neue Impulse zu geben und weiterzuentwickeln. Eine verbindliche Evaluation der pädagogischen Arbeit stellt sicher, dass die Qualität regelmäßig überprüft und verbessert wird. Ein weiterer Schritt zur Berücksichtigung der Kinderperspektive ist die Integration von Kitasozialarbeit. In besonders herausfordernden Lagen ist es wichtig, dass zusätzliche Ressourcen und Unterstützung zur Verfügung stehen. Ein Sozialraumbudget kann dazu beitragen, dass Kitasozialarbeit als Standard etabliert wird, um den Kindern in schwierigen Lebenssituationen bestmögliche Unterstützung zu bieten.Indem wir multiprofessionelle Teams stärken, Fachberatung und Evaluation fest im System verankern und Kitasozialarbeit durch zusätzliche Ressourcen fördern, setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Bedürfnisse und Rechte der Kinder in den Vordergrund zu stellen. Eine ganzheitliche und gerechte frühkindliche Bildung kann nur gelingen, wenn wir die vielfältigen Herausforderungen erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes gerecht zu werden.
VKMK: Abschließend, welche positiven Perspektiven sehen Sie für die Zukunft der frühkindlichen Bildung und wie können wir diese Herausforderungen gemeinsam angehen?
Lars Békési: Trotz der Herausforderungen bin ich optimistisch und sehe positive Perspektiven für die Zukunft der frühkindlichen Bildung. Indem wir – alle Akteure im Bildungsfeld- uns gemeinsam für verbesserte Rahmenbedingungen einsetzen, den Austausch und die Zusammenarbeit z stärken und ein Bewusstsein für die Bedeutung der frühkindlichen Bildung in der Gesellschaft schaffen, können wir diese Herausforderungen bewältigen
Einen großen Dank an Herrn Békési, für Einschätzungen und Lösungsvorschläge zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte sowie zur Verbesserung der aktuellen Rahmenbedingungen. Wir bedanken uns für Ihre Zeit und natürlich Ihr Engagement, um die frühkindliche Bildung nachhaltig positiv zu verändern.