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Politik versus Praxis: Die Wichtigkeit lokaler Expertise in der frühkindlichen Bildung.

Der jüngste Kitagipfel verdeutlichte erneut die kritische Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung. In den letzten Jahren wiederholte sich dieses Muster: Entscheidungen wurden ohne Konsultation derjenigen getroffen, die die täglichen Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hautnah erleben. Wir brauchen ehrliche, offene Dialoge, um zielgerichtete Lösungen umsetzen zu können!

Hinhören und Hinsehen, für die richtigen Lösungsansätze in der frühkindlichen Bildung.

Im Zuge des letzten Kitagipfels wurde dem VKMK eines wieder deutlich: Die Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und praktischer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung ist eine Thematik von entscheidender Bedeutung. Wir haben es in den letzten Jahren leider viel zu oft erleben müssen; Politische Entscheidungen werden getroffen, ohne diejenigen zu konsultieren, die die täglichen Herausforderungen und Möglichkeiten in der frühkindlichen Bildung aus erster Hand erleben. Die Folge sind Maßnahmen, die oft an den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und des pädagogischen Personals vorbeigehen.

Die Kita-Experten, bestehend aus Erzieher:innen, Leiter:innen und anderen pädagogischen Fachkräften, sowie vertretenden Verbänden, wie dem VKMK, bringen eine unverzichtbare Perspektive ein. Ihre Erfahrungen sind ein unschätzbares Kapital, das bei der Gestaltung von Richtlinien und Programmen berücksichtigt werden muss. Ihre Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern, pädagogischen Bedürfnissen und praktischen Herausforderungen sind von unschätzbarem Wert für die Schaffung effektiver, nachhaltiger Bildungsstrukturen.

Die Kluft zwischen Politik und Praxis führt seit Jahren zu Problemen auf mehreren Ebenen:

  • Unzureichende Ressourcenallokation: Oftmals sind politische Entscheidungen nicht im Einklang mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Kitas. Sie konzentrieren sich auf die Behebung akuter Symptomatiken und übersehen dabei, teilweise gänzlich, die Wurzel des Problems. Dies führt zu unzureichenden Lösungsansätzen, wie mangelnder Finanzierung und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten für die Fachkräfte und letztendlich auch die Kinder.

  • Mangelnde Berücksichtigung von pädagogischen Bedürfnissen: Die Entwicklung von Bildungsprogrammen ohne Einbeziehung der Kita-Experten kann dazu führen, dass die pädagogischen Anforderungen nicht erfüllt werden. Dies kann die Qualität der Bildung beeinträchtigen und langfristig die Bildungschancen der Kinder mindern.

"Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen." - Johann Wolfgang von Goethe.

Die Hohe Kunst des Zuhören ist gefragt, bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Wie es sich manifestieren kann, wenn dies nicht entsprechend umgesetzt wird, zeigen diese beiden Beispiele der vergangenen Monate:

Beispiel 1: Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung

Ein exemplarisches Missverständnis zeigt sich in der Forderung nach mehr Stellen in der frühkindlichen Bildung. Das eigentliche Problem liegt nicht in einem Mangel an Stellenausschreibungen, sondern viel mehr in der Tatsache, dass es an qualifizierten Fachkräften mangelt, die sich bewerben oder langfristig in diesen Positionen bleiben möchten. Hierbei spielt die Unterfinanzierung eine entscheidende Rolle, indem sie die Arbeit vor Ort unattraktiv gestaltet, dass viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt werden. Die eigentliche Lösung erfordert daher eine deutlich stärkere Finanzierung, die die tatsächlichen Herausforderungen der Kitas berücksichtigt und die Attraktivität des Berufsstandes durch angemessene Wertschätzung steigert, sodass wir mehr Personal anziehen und langfristig halten können Der simple Stellenausbau wäre somit nicht die vollumfängliche Lösung.

Beispiel 2: Mangelnde Sprachentwicklung bei Kleinkindern

Ein weiteres Beispiel betrifft die mangelnde Sprachentwicklung bei Kindern vor dem Eintritt in das Grundschulalter. Politiker:innen neigen dazu, dieses Problem mit der Multilingualität vor Ort zu verknüpfen und fordern zuletzt sogar teilweise Einschränkungen im Bereich der Migration. Allerdings weisen pädagogische Fachkräfte seit Jahren darauf hin, dass sie unter den aktuellen Bedingungen ihr Bildungsangebot teilweise nicht vollständig ausführen können. Das pädagogische Fachpersonal leidet unter der Unterfinanzierung, die zu personellen Problemen und Überlastung führt, was wiederum die gezielte Förderung einzelner Kinder beeinträchtigt. Das dies symptomatisch in den Förderungsständen der Kinder sichtbar wird, war lediglich eine Frage der Zeit. Die eigentliche Lösung liegt erneut in einer deutlich stärkeren Finanzierung, die die finanziellen Bedürfnisse an die tatsächlichen Herausforderungen anpasst, dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und gezieltere Förderungen zulässt.

Diese Beispiele sind lediglich zwei von vielen, die verdeutlichen, wie eine unzureichende Kommunikation mit den betroffenen Akteuren zu Trugschlüssen, falschen Lösungsansätzen und letztlich auch Fehlinvestitionen führt. Diese Situation ähnelt dem schnellen Überstreichen einer maroden Wand, ohne den eigentlichen Schaden an der Struktur zu beheben. Obwohl einige Lösungsansätze zunächst vielversprechend erscheinen mögen, bleibt das zugrundeliegende Problem ungelöst. Das temporäre "Lösen" der Situation erlaubt der eigentlichen Problematik sich weiter auszubreiten, was langfristig zu weitaus größeren Schäden und umfangreicheren Kosten führen kann. Eine effektive Lösung erfordert eine tiefgreifende Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Kita-Experten. Die Schaffung von Plattformen für regelmäßigen Austausch, die direkte Einbindung der Fachkräfte in Entscheidungsprozesse und die aktive Integration ihrer Perspektiven in politische Diskussionen sind von entscheidender Bedeutung. Unser Verband setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die freien Kitaträger, die wir vertreten, in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, gehört und anerkannt werden. Wir nehmen es positiv zur Kenntnis, dass wir nun mehr in entsprechende Dialoge eingebunden werden. Dies repräsentiert symbolisch einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wir möchten an dieser Stelle jedoch ebenso vehement betonen, dass diese Dialoge weit über die Symbolik hinausgehen müssen, um hier tatsächlich etwas zu bewirken. Ein ehrlicher Austausch, und insbesondere die Offenheit sich hier mit den Herausforderungen tatsächlich zielgerichtet auseinandersetzen zu wollen, ist absolut von Nöten, um schlussendlich auch tatsächliche, realistische Lösungen zu formen.

Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann eine frühkindliche Bildungspolitik entwickelt werden, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.

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Anhörung des VKMK im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie des Abgeordnetenhauses

Am heutigen Donnerstag, den 2. Juni findet die 9.Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jungend und Familie des Abgeordnetenhauses statt, zu der unser Geschäftsführer Lars Békési als Anzuhörender eingeladen wurde.

Am heutigen Donnerstag, den 2. Juni findet die 9.Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie des Abgeordnetenhauses statt, zu der unser Geschäftsführer Lars Békési als Anzuhörender eingeladen wurde.

Kitaplatz-Ausbau

Dabei werden zwei Fragestellungen behandelt werden. Zuerst: „Voraussetzungen für die Umsetzung des Kitaentwicklungsplanung 2022/23: Was wird benötigt?“

Bei dieser Frage geht es im Wesentlichen um den Kita-Ausbau. Die Kosten im Baugewerbe sind bereits in den zehn Jahren vor der Pandemie kontinuierlich gestiegen. Das wird am Baupreis-Index deutlich, der in diesem Zeitraum einen Anstieg von 29 Prozentpunkte verzeichnete. 

Diese Situation hat sich in den vergangenen Monaten noch verschärft. Durch die Pandemie und zuletzt durch den Krieg in der Ukraine sind die Baupreise noch stärker als in den Vorjahren angestiegen. 

Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise für Baumaterialien signifikant an: 

  • Bauholz: 39,4%

  • Kraftstoffe: 54,7%

  • Bitumen: 69%

  • Betonstahlmatten: 71,6%

  • Betonstahl (Stäbe): 79% 

Daraus folgt, dass die Kosten für den Bau eines Kitaplatzes um ein Vielfaches höher sind, als die vom Senat veranschlagten Gelder zur Förderung des Platzausbaues. Die kommenden Baukosten werden selbst die bisherigen Baukosten pro Kitaplatz des Landes Berlin für deren Modulbaukitas übersteigen. Deshalb werden die im derzeitigen Doppelhaushalt bereitgestellten Gelder von 56 Millionen Euro nicht ausreichen.

Neben den Baukosten sind zugleich auch die Kosten für die Verpflegung erheblich gestiegen, wie wir in der Vergangenheit mehrfach berichtet haben.

Um insbesondere kleinen und mittelgroßen Kitaträgern, die 50 % aller Kitaplätze in Berlin bereitstellen, die qualitätvolle Bildungsarbeit für Ihre Kinder zu sichern, bedarf es neben einer kurzfristigen Sonderzahlung auch einer langfristigen Anpassung der gesetzlichen definierten Obergrenze für pädagogische Zusatzleistungen.

Fachkräfte-Mangel

Das zweite Thema geht aus einer Frage der CDU-Fraktion hervor und betrifft die Benachteiligung der Beschäftigten Freier Kita-Träger durch den Senat. Diese wird durch Sonderzahlungen und Zulagen wie der „Hauptstadtzulage“ und ähnlichem verursacht. Es bleibt abzuwarten, wieviel Zeit der auf fünf Minuten begrenzten Anhörung für das zweite Thema übrigbleiben wird und ob die Abgeordneten die Chance für Nachfragen nach dem Vortrag nutzen werden.

Grundsätzlich gibt es keinen Kitaausbau ohne entsprechende Fachkräfte für ein multiprofessionelles Kita-Team. Das wird deutlich am Beispiel Lichtenbergs:

Bei der derzeitigen Baugeschwindigkeit im Bezirk könnten die benötigten Plätze fast komplett gebaut werden. Allerdings sind jetzt schon 1.144 Kitaplätze aufgrund fehlender Fachkräfte nicht besetzt, sodass die Zahl der in Betrieb stehenden Kitaplätze stagniert.

Wie dieses Beispiel deutlich zeigt, muss der Kita-Ausbau mit einem Anstieg der zur Verfügung stehenden qualifizierten Fachkräfte einhergehen.

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Der Kita-Entwicklungsplan aus Bullerbü(rlin)

Der Kita-Entwicklungsplan aus Bullerbü(rlin)

Der Kita-Ausbau ist bereits ins Stocken geraten. Unbeantwortete oder nicht genehmigte Förderanträge bringen vor allem kleine und mittlere Träger in finanzielle Not, da ein Antrag auf Fördermittel erst nach Baubeginn gestellt werden darf.

Der am 17. August beschlossene Kita-Entwicklungsplan wirft aus Sicht unseres Verbandes einige Fragen auf. Es entsteht der Eindruck, die scheidende Jugendsenatorin male sich die Kita-Welt, wie es ihr gefällt.

Kita-Ausbau deckt nicht den Bedarf

Laut Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) wurden im vergangenen Jahr 176.000 Kitaplätze angeboten. Gleichzeitig lebten 263.929 Kinder mit einem Alter unter sieben Jahren in Berlin. Somit stehen hinter der in den Berichten genannten Betreuungsquote von 69% bei den ein- bis dreijährigen Kindern viele Eltern, die noch keinen Betreuungsplatz gefunden haben.

Die Aussage der Jugendsenatorin „Der Platzausbau ist auch für die Zukunft gesichert“ entspricht nicht den Fakten. Bei einem prognostizierten Bedarf von min. weiteren 26.000 Kita-Plätzen in den nächsten Jahren ergeben sich mindestens 780 Mio. Euro Finanzierungskosten. Rechnen wir entsprechende Mittel zusammen, werden für die Jahre 2021/22 lediglich 96,2 Mio. Euro für den Ausbau und Erhalt von Kitaplätzen bereitgestellt sowie für 2022/23 weitere rund 50 Mio. Euro eingeplant. Diese Finanzierungslücke zeigt alles andere als eine gesicherte Zukunft!

Dabei ist der Kita-Ausbau bereits ins Stocken geraten. Allein die zeitaufwendigen Genehmigungsverfahren bringen Kita-Träger in Not, da die Baukosten stark gestiegen sind, während die Träger auf ihre Genehmigung warten. Unser Verband drängt deshalb schon seit Jahren auf einen Bürokratie-Abbau im Genehmigungsverfahren.

Fachkräftemangel ist nicht behoben

Die Jugendsenatorin beschönigt auch den weiterhin bestehenden Fachkräftemangel. Selbst bei einer tariforientierten Bezahlung sind die Kita-Träger weiterhin auf der Suche nach dringend benötigten und vor allem qualifizierten Fachkräften. Häufig bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, über Personaldienstleister Fachkräfte zu rekrutieren und dafür bis zu 200% eines handelsüblichen Lohnes zu zahlen.

 Die von der Senatsverwaltung genannten Zahlen reichen nicht aus, um den Bedarf in der Berliner Bildungslandschaft zu decken. Ebenso handelt es sich bei Quereinsteigern und Auszubildenden nicht um qualitativ gleichwertige Fachkräfte, auch wenn sie ab dem ersten Tag ihrer Tätigkeit in den Personalschlüssel eingerechnet werden.

Die Prognose der Senatorin, die Personalknappheit sei in den nächsten zwei Jahren überwunden, ist auch deshalb eine Mähr, da hier zum Beispiel die erst noch zu schaffenden Kita-Plätze nicht berücksichtigt werden.

Mehr Qualität bedeutet auch mehr Fachkräfte

 Die Jugendsenatorin äußerte trotz der oben genannten Probleme im Personalschlüssel auf der entsprechenden Pressekonferenz, jetzt seien weitere Qualitätsschritte möglich. Hier schlagen wir eine Steigerung der Qualität durch eine Entlastung der Fachkräfte vor. 

Deshalb fordern wir seit Langem, die „mittelbare Arbeit“ der PädagogenInnen komplett anzurechnen. Die Qualität sowie die Bildungschancen in der Frühen Bildung stehen und fallen mit dem Personalschlüssel. 

Es wird Aufgabe der neuen Regierung sein, hierbei mit Transparenz und Ehrlichkeit an der Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Frühen Bildung zu arbeiten.

Es ist Zeit, gemeinsam zu handeln

Zusammenfassend bleiben demnach die Herausforderungen in den Berliner Kindertages-einrichtungen zahlreich und komplex. 

Deshalb ist es dringend notwendig, dass alle Beteiligten Lösungen finden und diese gemeinsam umsetzen. Dabei muss die Praxis des Rot-Rot-Grünen Berliner Senats, nur mit einigen Ausgewählten zu verhandeln, beendet werden und stattdessen ein Dialog, der alle Akteure einbezieht, eröffnet werden. Nur gemeinsam kann es uns gelingen, die Herausforderungen in der Berliner Bildung zu meistern.

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