Früh übt sich: Kita-Ernährungsbildung als Schlüssel gegen Lebensmittelverschwendung
Heute ist der Internationale Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverluste und -verschwendung. Ein Tag, der uns daran erinnert, wie kostbar Lebensmittel sind und dass ihr Vorhandensein keineswegs selbstverständlich ist. Zugleich ist es ein Anlass, um unser eigenes Verhalten im Umgang mit Lebensmittel zu hinterfragen. Denn nach wie vor ist Lebensmittelverschwendung allgegenwärtig.
Heute ist der Internationale Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverluste und -verschwendung. Ein Tag, der uns daran erinnert, wie kostbar Lebensmittel sind und dass ihr Vorhandensein keineswegs selbstverständlich ist. Zugleich ist es ein Anlass, um unser eigenes Verhalten im Umgang mit Lebensmittel zu hinterfragen. Denn nach wie vor ist Lebensmittelverschwendung allgegenwärtig: Global werden jährlich über eine Milliarde Tonnen Nahrungsmittel weggeworfen - etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion. In Deutschland sind es etwa 11 Millionen Tonnen. Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht - sowohl global als auch in Deutschland - in privaten Haushalten, mit einem Anteil von rund 60%. Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel werden wertvolle Ressourcen verschwendet: Wasser, Energie, Ackerfläche und viele weitere Rohstoffe, die für die Produktion benötigt werden. Zudem werden dabei klimaschädliche Emissionen verursacht, die angesichts dieser Verschwendung vollkommen unnötig entstehen. Und zu guter Letzt geht Lebensmittelverschwendung immer auch mit einer ethischen Dimension einher: Während für die einen der Überfluss an Lebensmitteln selbstverständlich ist, ist es für andere das Hungern.
Teure Lebensmittelverschwendung an Berliner Schulen
Ein Blick nach Berlin zeigt, wie früh Verschwendung beginnt: Knapp ein Drittel des kostenlosen Schulessens landet im Müll - was somit den globalen Trend widerspiegelt. Der Senat investiert dafür jährlich rund 180 Millionen Euro. Das heißt: Lebensmittel im Wert von etwa 60 Millionen Euro werden schlicht weggeworfen.
Die Frage drängt sich auf: Warum investieren wir nicht stärker in Prävention statt in Verschwendung?
Frühkindliche Ernährungsbildung für eine nachhaltige Zukunft
Die entscheidende Stellschraube liegt in der frühen Bildung. In der Kita ist Essen weit mehr als Versorgung – es ist Bildungsarbeit. Kinder lernen beim gemeinsamen Essen Wertschätzung, Achtsamkeit und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Sie üben, eigene Bedürfnisse einzuschätzen und Reste zu vermeiden. Genau hier entstehen Essgewohnheiten, die ein Leben lang tragen und Verschwendung nachhaltig reduzieren können.
Unsere Mitglieder setzen diese Ernährungsbildung bereits tagtäglich in ihren Einrichtungen um. Doch angesichts steigender Lebensmittelpreise erschweren die vom Senat zur Verfügung gestellten Mittel eine Umsetzung, die der Bedeutung dieses Bildungsauftrags gerecht wird. Eine Anhebung der Verpflegungspauschale ist daher überfällig. Nach mehr als zehn Jahren bedeutet dies auch, den Elternbeitrag von 23 Euro auf 35 Euro anzupassen. Entscheidend ist: Nur durch ausreichende Investitionen in Ernährungsbildung können Kinder gesund aufwachsen, Lebensmittelverschwendung konsequent verringert und nachhaltige Ernährungsgewohnheiten in der gesamten Gesellschaft verankert werden.
Quellen:
Berliner Bildungssenatorin stellt kostenloses Schulessen und Schülerticket zur Diskussion. (n.d.). Rbb24 Website. https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/07/schulessen-schuelerticket-berlin-in-frage-gestellt.html.
Lebensmittelverschwendung: Folgen für Umwelt, Ressourcen, Welternährung | Verbraucherzentrale.de. (n.d.). Verbraucherzentrale.de. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittelverschwendung-folgen-fuer-umwelt-ressourcen-welternaehrung-59565.
Lebensmittelabfälle in Deutschland: Aktuelle Zahlen nach Sektoren. (2025, June 6). BMEL. https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/studie-lebensmittelabfaelle-deutschland.html.
Mehr als eine Milliarde Tonnen Lebensmittelabfälle weltweit. (n.d.). Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/landwirtschaft-fischerei/Foodwaste.html#:~:text=Rund%201%2C05%20Milliarden%20Tonnen,wurde%20in%20privaten%20Haushalten%20erzeugt..
Mehr als nur Essen: Kita-Verpflegung als Schlüssel zur Zukunft unserer Kinder
Die Ernährung in der frühen Kindheit ist weit mehr als bloße Notwendigkeit – sie bildet einen Grundpfeiler der frühkindlichen Bildung. Dies ist unbestritten. Doch in der jüngsten Plenardebatte des Berliner Abgeordnetenhauses am 26. September 2024 zur „Kitasituation in Berlin“ wurde erneut nur das kostenlose Schulmittagessen als entscheidendes Element für „gesunde Entwicklung und Chancengerechtigkeit in der Bildung“ betont. Die Forderung nach einem kostenfreien Kita-Mittagessen hingegen bleibt unerhört, was den Eindruck erweckt, dass dieses essenzielle Thema in der politischen Diskussion nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält.
Die Ernährung in der frühen Kindheit ist weit mehr als bloße Notwendigkeit – sie bildet einen Grundpfeiler der frühkindlichen Bildung. Dies ist unbestritten. Doch in der jüngsten Plenardebatte des Berliner Abgeordnetenhauses am 26. September 2024 zur „Kitasituation in Berlin“ wurde erneut nur das kostenlose Schulmittagessen als entscheidendes Element für „gesunde Entwicklung und Chancengerechtigkeit in der Bildung“ betont. Die Forderung nach einem kostenfreien Kita-Mittagessen hingegen bleibt unerhört, was den Eindruck erweckt, dass dieses essenzielle Thema in der politischen Diskussion nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält.
Die Rolle gesunder Ernährung in der kindlichen Entwicklung
Die Weichen für eine gesunde Ernährung werden bereits in der Kindheit gestellt. Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit unverzichtbaren Vitaminen, Mineralien und Nährstoffen, stärkt das Immunsystem und wirkt präventiv gegen akute Erkrankungen. Langfristig schützt sie vor Problemen wie Übergewicht oder Nährstoffmangel im Jugendalter. Zudem ist eine gesunde Ernährung unerlässlich für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern. Studien zeigen, dass das Gehirn eines fünfjährigen Kindes im Ruhezustand etwa 66% der gesamten Körperenergie beansprucht – in aktiven Phasen sind es noch immer rund 43%. Neben den physischen Vorteilen unterstützt eine ausgewogene Ernährung auch die motorische und soziale Entwicklung der Kinder. Das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule hebt diesen Zusammenhang klar hervor.
Ernährungsbildung in der Kita: Schlüssel zur Chancengleichheit
In der Kita lernen Kinder nicht nur, welche Lebensmittel gesund sind, sondern auch, wie wichtig ausgewogene Ernährung für ihr Wohlbefinden ist. Hier werden Grundlagen für ein gesundes Essverhalten gelegt, die ihnen im weiteren Leben zugutekommen. Das gemeinsame Mittagessen fördert zudem Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit und soziale Fähigkeiten – wichtige Kompetenzen für den späteren Schulalltag. Gleichzeitig bietet die Kita-Verpflegung allen Kindern, unabhängig von ihrer familiären Lebenssituation, die Chance, Zugang zu gesunden Mahlzeiten zu haben. In Berlin sichern Qualitätsvereinbarungen, wie die „QVTag“, diese Standards: Träger sind verpflichtet, eine gesunde und ausgewogene Ernährung bereitzustellen, die den Bedürfnissen aller Kinder gerecht wird.
Initiativen zur Förderung gesunder Ernährung in Kitas
Die Bedeutung einer gesunden Ernährung in Kindertagesstätten wird auch von Krankenkassen anerkannt, die verschiedene Sonderprogramme ins Leben gerufen haben, um dieses Ziel zu fördern. Beispielsweise engagieren sich die AOK mit ihrem Programm „JolinchenKids“ und die Barmer mit „Ich kann kochen!“ aktiv für die Ernährungsbildung der Kinder. Zudem hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Qualitätsstandards entwickelt, die als Leitlinien für die Kita-Verpflegung dienen. Diese Standards stellen sicher, dass Kinder bis zu 40% ihres täglichen Energiebedarfs über die Kita-Verpflegung decken können.
Herausforderungen: Hohe Standards, knappe Mittel
Die Umsetzung dieser hohen Ansprüche an die Kita-Verpflegung steht jedoch vor großen finanziellen Herausforderungen. In Berlin stehen den Einrichtungen rund 76,48 Euro pro Kind und Monat für die Verpflegung zur Verfügung - das entspricht etwa 3,60 Euro. Mit dieser Summe sollen nicht nur die Kosten für Lebensmittel, sondern auch für Personal und Infrastruktur gedeckt werden. Eine wissenschaftliche Modellrechnung zeigt jedoch, dass ein gesundes Mittagessen nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) je nach Verpflegungssystem und Alter der Kinder zwischen 3,09 und 5,87 Euro pro Tag kostet. Die realen Kosten für konventionelle Ernährung in einer Frisch- und Mischküche liegen demnach bei einer kleinen Einrichtung mit 25 Mahlzeiten für Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren bei 5,36 Euro und für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren bei 5,58 Euro. In mittelgroßen Kitas (50 Mahlzeiten) liegen die Kosten bei 3,97 Euro für 1- bis 3-Jährige und 4,19 Euro für 4- bis 6-Jährige. Angesichts kontinuierlich steigender Lebensmittelpreise und der Inflationsrate wird damit klar, dass die aktuellen Pauschalen nicht ausreichen, um den notwendigen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden.
Fazit: Politisches Handeln gefordert
Die Bedeutung einer gesunden Ernährung für die kindliche Entwicklung ist unbestritten. Doch diese kann nur mit ausreichenden finanziellen Mitteln gewährleistet werden. Es liegt nun an der Politik, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Träger die Ressourcen erhalten, die sie benötigen, um eine qualitativ hochwertige Verpflegung anzubieten, die den Bedürfnissen aller Kinder gerecht wird.
Quellen:
Arens-Azevêdo, U., Pfannes, U., Tecklenburg, M. E. & Bertelsmann Stiftung. (2013). Is(s)t KiTa gut? KiTa-Verpflegung in Deutschland: Status quo und Handlungsbedarfe. In Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Isst_Kita_gut.pdf.
Kuzawa, C. W., et al. (2014). Metabolic costs and evolutionary implications of human brain development. Proceedings Of The National Academy Of Sciences, 111(36), 13010–13015. https://doi.org/10.1073/pnas.1323099111.
Ernährungsbildung in der Kita. (o. D.). Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule. https://www.nqz.de/kita/ernaehrungsbildung.
Ernährung in der Kita. (o. D.). Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule. https://www.nqz.de/kita/ernaehrung.
Allergien und Nahrungsmittelpräferenzen in Kitas - Inklusion muss gelebt werden dürfen.
Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.
In Berlin, einer Stadt voller Vielfalt und kultureller Reichhaltigkeit, steht die frühkindliche Betreuung vor der Herausforderung, die Bedürfnisse von Familien und Kindern mit unterschiedlichen Ernährungsvorstellungen und Allergien angemessen zu berücksichtigen. Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.
Vielfalt in Allergiegraden und die einheitliche Sicherheitsgewährleistung
Allergien manifestieren sich in einer Vielzahl von Erscheinungsformen, von leichten Unverträglichkeiten bis hin zu schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Reaktionen. Während einige Kinder auf bestimmte Lebensmittel oder Umweltfaktoren mit milden Symptomen reagieren, können andere von schweren allergischen Reaktionen betroffen sein, die sofortiges Handeln erfordern.
Trotz dieser Unterschiede ist es von entscheidender Bedeutung, dass unabhängig vom Schweregrad sämtlicher Allergien ein einheitlicher Sicherheitsrahmen in Kitas gewährleistet wird. Selbst bei vermeintlich milden Allergien ist eine sorgfältige Überwachung, die Vermeidung der auslösenden Stoffe und die Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung von großer Bedeutung, um das Wohlbefinden und die Gesundheit aller Kinder zu schützen.
Essentielle Bedeutung der Kommunikation bei starken Allergien
Besonders bei starken oder lebensbedrohlichen Allergien wird die Notwendigkeit einer präzisen und umfassenden Kommunikation zwischen Eltern, Ärzten und dem Kita-Personal zu einem unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Managements. Eine starke Allergie kann nicht nur die Ernährung der Kinder beeinflussen, sondern erfordert auch eine genaue Kenntnis der spezifischen Auslöser, der potenziellen Reaktionen und der adäquaten Notfallmaßnahmen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, die das detaillierte Wissen über die Allergie ihres Kindes haben, den betreuenden Ärzten, die wichtige Informationen und Behandlungsempfehlungen bereitstellen, und dem Kita-Personal, das tagtäglich für das Wohlbefinden der Kinder verantwortlich ist, ist von entscheidender Bedeutung. Diese kooperative Partnerschaft gewährleistet nicht nur die umgehende Reaktion im Notfall, sondern ermöglicht auch eine präventive Planung und einen sicheren Umgang mit potenziellen Allergenen im Kita-Umfeld.
Unsere freien Kitaträger in Berlin handeln stets proaktiv, um die Lebensmittelversorgung für Kinder mit lebensbedrohlichen Allergien sicherzustellen. Hier sind einige der Schritte, die sie unternehmen:
Es wird eine klare Kommunikation mit den Erziehungsberechtigten gepflegt. Eltern werden gebeten, die Allergien ihrer Kinder im Detail zu beschreiben und das Kita-Personal über spezifische Auslöser und Symptome zu informieren. Allergene werden konsequent vermieden. Die Kitas stellen sicher, dass allergieauslösende Lebensmittel separat von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden, um Kontaminationen zu vermeiden. Diese Lebensmittel werden in der Küche gekennzeichnet, getrennt gelagert und zubereitet. Das Kita-Personal ist mit Notfallplänen vertraut und wird geschult, um im Falle einer allergischen Reaktion sofortige Hilfe zu leisten. Sie kennen die Symptome und wissen, wie sie im Notfall Medikamente wie beispielsweise Epinephrin richtig anwenden. Es wird auch eine Sensibilisierung in der Gruppe durchgeführt. Kinder im verbalen Alter werden sensibilisiert, um das Verständnis für die Allergie eines Mitschülers zu fördern und versehentliche Expositionen zu minimieren.
Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist für präventive Maßnahmen unerlässlich. Die Eltern werden über die Schwere der Allergie informiert und gebeten, keine Lebensmittel, die potenzielle Allergene enthalten, mit ihren Kindern in die Kita zu bringen. Diese präventive Maßnahme trägt dazu bei, das Risiko einer versehentlichen Exposition gegenüber Allergenen zu minimieren und schafft ein sichereres Umfeld für alle Kinder in den Kitas.
Differenzierter Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen in Kitas
Im Gegensatz zu schweren Allergien und Stoffwechselerkrankungen erfordern leichte Allergien oder die Ablehnung bestimmter Lebensmittel aus religiösen oder anderen Gründen in Kitas oft eine differenziertere Herangehensweise. Während strenge Maßnahmen für starke Allergien unerlässlich sind, können bei leichten Allergien oder Lebensmittelpräferenzen aus religiösen Gründen alternativere Strategien umgesetzt werden, die die Diversität aller vor Ort berücksichtigen kann.
Der Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen erfordert zwar besondere Aufmerksamkeit, ermöglicht aber in der Regel eine größere Flexibilität bei der Auswahl der Mahlzeiten und Lebensmittel, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein offener Dialog zwischen Eltern, Kita-Personal und gegebenenfalls Gesundheitsexperten ist auch hier unabdingbar, um die spezifischen Bedürfnisse jedes Kindes zu verstehen und zu berücksichtigen und so eine unterstützende Umgebung zu schaffen, in der alle Kinder gleichberechtigt teilhaben können.
Beispiel einer diversifizierten Lebensmittelvergabe an einem gemeinsamen Tisch in der Kita:
An einem gemeinsamen Tisch in der Kita könnte die Lebensmittelversorgung so gestaltet werden, dass sie sowohl den Bedürfnissen von Kindern mit leichten Allergien oder spezifischen Ernährungspräferenzen als auch den religiösen Richtlinien entspricht:
Klare Kennzeichnung: Alle Lebensmittel sind deutlich gekennzeichnet, um die Unterscheidung zwischen allergenfreien, religiös akzeptablen und anderen Produkten zu ermöglichen.
Getrennte Speisen und Utensilien: Es werden separate Speisen und Utensilien für Kinder mit Allergien oder religiösen Präferenzen bereitgestellt, um jegliche Kontamination zu vermeiden. Dies schließt die Verwendung von separaten Löffeln, Schalen oder Behältern ein.
Alternative Optionen: Neben den Hauptgerichten werden alternative Optionen bereitgehalten, die den religiösen Anforderungen entsprechen oder als Ersatz für allergenhaltige Lebensmittel dienen. Diese werden klar ausgewiesen und ansprechend präsentiert.
Angepasste Portionsgrößen: Die Portionen werden entsprechend den Bedürfnissen jedes Kindes angepasst, um sicherzustellen, dass keinerlei ungewollte Lebensmittel in Kontakt kommen und um sicherzustellen, dass jedes Kind die benötigte Menge erhält.
Offene Kommunikation: Das Kita-Personal ist stets ansprechbar, um Fragen der Kinder zu den angebotenen Lebensmitteln zu beantworten. Eltern haben die Möglichkeit, im Voraus Informationen über spezielle Anforderungen oder Einschränkungen mitzuteilen und sich auch über den Speiseplan der Kita im Vorfeld über die geplanten Mahlzeiten und darin enthaltenen Allergenen und Zusatzstoffen zu informieren.
Die Herausforderungen der Nahrungsbereitstellung und der Gedanke der Inklusion
Es ist wichtig anzumerken, dass die Sorgfalt bei den Lebensmitteln selbsterklärend auch einen Mehraufwand mit sich bringt. Nicht nur personell, sondern auch in den Kosten. Separate Lagerungen in zusätzlichen Schränken und Boxen sowie individuelle Zubereitungen sind vonnöten.
Wie bereits in unserem vorherigen Artikel betont (Hier geht es zum Artikel!), ist die Herausforderung, eine ausgewogene Ernährung aufgrund finanzieller Engpässe in Kitas sicherzustellen, ein bestehendes Dilemma. Die Bemühungen, eine Ernährung zu fördern, die nicht nur den gesundheitlichen Aspekten gerecht wird, sondern auch Inklusion und Vielfalt reflektiert, verschärfen diese Schwierigkeiten zusätzlich. Es wird zunehmend kompliziert, die Grundsätze der Inklusion zu predigen, während gleichzeitig politische Hindernisse und finanzielle Engpässe die Essensversorgung in Kitas einschränken. Die Forderung nach einer Ernährung, die die Vielfalt und die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, erfordert nicht nur ein Umdenken in der Essenspolitik, sondern auch eine verstärkte Unterstützung seitens der politischen Entscheidungsträger, um sicherzustellen, dass die Essensversorgung keine Barrieren für eine inklusive Umgebung in Kitas schafft.
Ein politischer Neujahrsvorsatz für die Gesundheit unserer Kinder? - Die Kraft der richtigen Ernährung
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Wir hoffen auf einen politischen Neujahrsvorsatz für die Gesundheit und die Bildung unserer Kinder.
Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Einer der häufigsten Vorsätze betrifft unsere Gesundheit, und insbesondere die Ernährung steht oft im Mittelpunkt dieser Bestrebung. Wir sind uns alle der essenziellen Rolle bewusst, die eine ausgewogene Ernährung für unser Wohlbefinden spielt. Doch nicht nur die eigene Ernährung ist von höchster Wichtigkeit, sondern auch diese der Kinder. Den eigenen Vorsatz hier zu legen, ist oftmals nicht ausreichend, da die „gesunde Ernährung“ der Kinder kollektiv umgesetzt wird, in einem Zusammenspiel aus Familie und Einrichtungen.
Eine offene Kommunikation zwischen Eltern und den Kinderbetreuungseinrichtungen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Kinder vollumfänglich mit den richtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt werden – denn gute Ernährung beginnt nicht erst an der Kita-Tür, sondern schon am Frühstückstisch zu Hause. Ebenso wichtig sind die politischen Weichen, die ein problembefreites Umsetzen dieser Ernährung zulassen müssen.
Die Auswirkungen mangelhafter Ernährung auf Kinder
Eine unzureichende Versorgung mit den richtigen Nährstoffen kann sich bei Kindern auf verschiedene Weisen bemerkbar machen. Häufig führt eine unausgewogene Ernährung zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die für das Wachstum und die Entwicklung unerlässlich sind. Dies kann sich in einem geschwächten Immunsystem äußern, was dazu führt, dass Kinder anfälliger für Infektionen und Krankheiten werden. Neben den direkten Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit kann eine unzureichende Ernährung ebenso die kognitive Entwicklung beeinträchtigen. Kinder, die nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt sind, könnten Schwierigkeiten entwickeln, sich zu konzentrieren, und daraufhin mit einer verminderten Lernfähigkeit und Gedächtniskapazität konfrontiert sein. Ebenso kann sich eine unausgewogene Ernährung auf das Energielevel der Kinder auswirken, was zu Müdigkeit, Erschöpfung und einer allgemeinen Abnahme der Leistungsfähigkeit führen kann. Sogar das Verhalten und die Stimmung können von der Ernährung beeinflusst werden. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Unausgeglichenheit können auftreten, wenn die Zufuhr der Nährwerte nicht ausreichend gedeckt ist.
Chancengleichheit bedeutet, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft oder finanziellen Situation die gleiche Bildungschance erhalten sollte. Dies beinhaltet auch, dass alle Kinder mit vollem Magen und bestmöglicher Versorgung in die Bildungseinrichtungen kommen und in dieser verweilen können. Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein grundlegender Bestandteil der Chancengleichheit. Nur wenn die Grundbedürfnisse jedes Kindes erfüllt sind, kann eine faire Bildungsgleichheit gewährleistet werden.
Die Herausforderungen der täglichen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in den freien Kitaträgern Berlins
Berlin hat mit der Verankerung des Berliner Bildungsprogramms im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFÖG) seit 2005 eine klare Haltung zur Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung eingenommen.
Die Einbindung der Förderung gesunder Essgewohnheiten als verbindlicher Bestandteil des pädagogischen Programms betont das deutlich vorhandene Bewusstsein der politischen Bildungslandschaft Berlins. Die verstärkte Hervorhebung des Bereichs „Gesundheit“ im aktualisierten Berliner Bildungsprogramm von 2014 spiegelt dieses Engagement ebenfalls wider und unterstreicht nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Bildung und dem Wohlbefinden durch eine gesunde Ernährung, sondern sieht auch die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. Das Programm sieht vor, dass das Lernen in der Kita nicht nur durch formale Aktivitäten, sondern auch durch die Gestaltung des Kita-Alltags gefördert wird, wozu auch die Einahme fester Mahlzeiten gehören. Sie stellen einen integralen Bestandteil des Kita-Alltags dar und bieten eine wiederkehrende Struktur. Die pädagogische Gestaltung und Begleitung hierbei wird als wichtiger Beitrag zur Ernährungsbildung anerkannt und betont. Doch, die bloße Anerkennung dieses Aspekts allein reicht nicht aus, wenn die finanziellen Strukturen nicht entsprechend angeknüpft und geschaffen werden, um eine vollumfängliche Umsetzung zu gewährleisten. Denn, obwohl die essenzielle Wichtigkeit der Ernährung unserer Kleinsten sichtbar deutlich unterstrichen ist, gestaltet sich die tägliche Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in Kindertagesstätten in Berlin dennoch als eine enorm herausfordernde Aufgabe. Die zugewiesenen Mittel ca. 3,50 Euro pro Kind und Tag erweisen sich als nicht ausreichend für das Sicherstellen einer qualitativ hochwertige Verpflegung, inkludiert die Verwendung dieses Betrages doch schlussendlich nicht nur das Decken der Lebensmittelkosten, sondern auch jene der grundlegenden Betriebsausgaben wie Personalkosten, Materialien und Infrastruktur. Diese finanzielle Begrenzung erschwert es den Kitas erheblich, ihre Bestrebungen nach gesunder Ernährung aufrechtzuerhalten.
Die freien Kitaträger in Berlin stehen vor einem wahren Balanceakt, wenn sie täglich versuchen, ausreichende und gesunde Mahlzeiten anzubieten, während sie gleichzeitig mit begrenzten finanziellen Ressourcen jonglieren müssen. Dies führt zu Kompromissen, die sich auf die Qualität und Quantität der angebotenen Speisen auswirken können und somit die Herausforderungen bei der Umsetzung einer nahrhaften Verpflegung für die Kinder verstärken.
Leere Töpfe lassen keinen Raum für Kompromisse
Diese Situation bildet nur eine weitere Facette des unterfinanzierten frühkindlichen Bildungssystems, das sich an einer Vielzahl von Herausforderungen reiht. Die begrenzten finanziellen Ressourcen lassen keine Spielräume für Ausweichmethoden auf andere Ressourcen mehr zu. Insbesondere im Zuge der Inflation hat sich diese Krise nochmals verschärft. Die Gelder wurden bisweilen nur zögerlich angepasst und sogar die Inflationsausgleichprämie musste vorerst, von jenen, die ihren Mitarbeiter:innen diese stark benötigte Auszahlung gewährleisten wollten, aus den eigenen Geldern der freien Kitaträger gestemmt werden. Politische Lösungsansätze in diesem Bereich ließen zu lange auf sich warten und die Prozesse bis zur tatsächlichen finanziellen Umsetzung erstrecken sich bis heute.
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und ihre Auswirkungen
Im Oktober 2023 fällte das Bundesverwaltungsgericht eine bahnbrechende Entscheidung. Nach einer Klage der Private Kant-Schulen gGmbH, vertreten durch die Kanzlei DOMBERT Rechtsanwälte, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass diese Obergrenze für monatliche Zuzahlungen der Eltern, die in Berlin für zusätzliche Leistungen freier Träger von Kindertagesstätten galt, nicht mit dem Grundsatz der gleichheitsgerechten Beteiligung der freien Jugendhilfeträger am staatlichen System der Kindertagesstättenfinanzierung vereinbar ist. Diese wegweisende Entwicklung eröffnet nun Kitaträgern die Möglichkeit, transparent aufzuzeigen, dass bestimmte Angebote über die zuvor festgelegte Obergrenze hinausgehen und eine erhöhte finanzielle Beteiligung der Eltern erfordern könnten. Eine Erleichterung für Kitaträger und Eltern, da es ihnen die Chance eröffnet, der Unterfinanzierung selbst die Stirn zu bieten und die gewünschte Qualität aufrechtzuerhalten, die sie sich für ihre Kinder wünschen. Dennoch darf dies nicht als finale Lösung betrachtet werden. Vielmehr sollten die politisch zur Verfügung gestellten Mittel an die realen Ausgaben angeglichen werden, um eine erfolgreiche Basis in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten. Zusatzzahlungen sollten nur für tatsächlich anspruchsvolle Zusatzleistungen genutzt werden können, nicht aber für das Aufrechterhalten der Bildungsqualität an und für sich. Diese Verantwortung muss politisch getragen werden, nicht aber an die Kitaträger und Eltern weitergereicht.
Ziele für eine hochwertige Verpflegung in Kitas
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Besonders große Probleme, insbesondere solche finanzieller Natur, können weder aufgeschoben noch durch Gespräche allein gelöst werden - sie erfordern unverzügliches Handeln. Das erneute Auftreten bereits bekannter Herausforderungen unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Lösungen nicht nur zu erkennen, sondern sie auch effizient und effektiv umzusetzen, um den anhaltenden Schwierigkeiten im frühkindlichen Bildungssystem entgegenzuwirken. Eine vollumfängliche Ernährung unserer Kleinsten sollte keine Herausforderung darstellen, sondern sich als die Basis der Förderung verstehen.
Für das Jahr 2024 ist es daher von entscheidender Bedeutung, dass die Anliegen der freien Kitaträger deutlicher Gehör finden, als bisweilen. Die Diskrepanz zwischen den identifizierten Lösungsansätzen und ihrer tatsächlichen Umsetzung muss unsererseits adressiert werden können. Es bedarf einer verstärkten Plattform für die freien Kitaträger, um ihre Anliegen und Herausforderungen effektiver kommunizieren zu dürfen. Nur durch ein verstärktes politisches Engagement und eine verbesserte Einbeziehung dieser Träger in die Diskussionen und Umsetzungen von Lösungen können die bestehenden Hindernisse im Jahre 2024 wirksam angegangen werden. Wir sind weiterhin entschlossen, den aktiven Austausch, Ideengebungen und die kontinuierliche Lösungsfindung voranzutreiben. Trotz der bestehenden Hindernisse bleiben wir bereit, innovative Ansätze zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Ernährung unserer Kleinsten nicht länger eine Herausforderung, sondern eine selbstverständliche Grundlage in ihrer Entwicklung darstellt.
Ungerechte Chancenverteilung: Die Brotdose als Sinnbild für unterfinanzierte Kitas.
In unserer heutigen Gesellschaft sind Kindertagesstätten nicht nur ein unverzichtbares Element zur Förderung der Bildung unserer Kinder, sondern sie sind auch ein entscheidender Faktor bei der Unterstützung berufstätiger Eltern. Es ist bedauerlich, dass diese bedeutende Institution in der Verteilung von Haushaltsmitteln oft übersehen wird. Die Folgen dieses finanziellen Missverhältnisses zeigen sich nicht nur in der offensichtlichen Unterbesetzung von Fachpersonal, sondern auch in den oftmals übersehenen Facetten unseres Lebens, wie der tagtäglichen Ernährung unserer Kleinsten.
In unserer heutigen Gesellschaft sind Kindertagesstätten nicht nur ein unverzichtbares Element zur Förderung der Bildung unserer Kinder, sondern sie sind auch ein entscheidender Faktor bei der Unterstützung berufstätiger Eltern. Es ist bedauerlich, dass diese bedeutende Institution in der Verteilung von Haushaltsmitteln oft übersehen wird. Die Folgen dieses finanziellen Missverhältnisses zeigen sich nicht nur in der offensichtlichen Unterbesetzung von Fachpersonal, sondern auch in den oftmals übersehenen Facetten unseres Lebens, wie der tagtäglichen Ernährung unserer Kleinsten.
Fehlernährung und Gesundheitsrisiken: Eine Zeitbombe für die Gesellschaft
Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für das körperliche Wachstum, die geistige Entwicklung und das allgemeine Wohlbefinden von Kindern ist unbestreitbar. Dennoch sehen sich viele Kitas aufgrund gestiegener Lebensmittelpreise auf Zusatzleistungen der Eltern angewiesen, da die Verteilung der Haushaltsgelder hierfür nicht entsprechend angeglichen wurde. Viele Kitaträger, so auch einige des VKMK (Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger) berichten jedoch davon, dass einige Eltern sich nicht in der Lage fühlen, diese Zusatzleistungen zu erbringen und entsprechend die Zusatzverträge mit den Kitaträgern kündigen, die eine qualitativ hochwertige Ernährung ermöglichen würden. Stattdessen wählen sie die Option, ihren Kindern eine eigene Brotdose mitzugeben. Dies führt zu komplexen Problemen: Zum einen entsteht ein Ungleichgewicht in der Qualität der Ernährung der Kinder, da diese stark von den finanziellen Ressourcen und letztendlich auch von den Ernährungskompetenzen der Eltern abhängt. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung könnte somit nicht mehr allen Kindern im Sinne von Chancengleichheit zuteilwerden. Abhängig von den Lebensumständen und familiären Situationen der Kinder gibt es nicht nur jene, die mit einer reichhaltigen und ausgewogenen Brotdose in den Tag starten. Einige Kinder kommen ohne eine solche Dose, sei es aus schlichtem Vergessen oder aufgrund von Zeitmangel in den frühen Morgenstunden.
Andere hingegen mögen zwar eine Brotdose mitbringen, jedoch sind deren Inhalte nicht selten dominiert von Süßigkeiten oder Snacks für den kleinen Hunger zwischendurch, wie beispielsweise einer Bifi, einer Milchschnitte oder einem Schokoriegel. Diese Produkte werden nicht selten aus Zeitmangel oder einem Mangel an Ernährungswissen seitens der Eltern gewählt, bieten jedoch nur begrenzten Nährwert und können langfristig zu gesundheitlichen Problemen wie Adipositas, Diabetes und Zahnproblemen führen.
Die schwerwiegenden gesundheitlichen Konsequenzen dieser Fehlernährung sind unvermeidlich. Die steigenden Gesundheitskosten werden sich in Form von Behandlungen und Therapien für künftige Generationen bemerkbar machen. Eine investierte Prävention in gesunde Ernährung in Kindertagesstätten kann diesen aufkommenden gesundheitlichen Herausforderungen entgegenwirken und letztendlich Kosten für das Gesundheitssystem reduzieren.
Dieses Beispiel verdeutlicht erneut, dass das Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft bereits am Frühstückstisch beginnt. Es ist dringend erforderlich, diese Diskrepanz anzugehen und sicherzustellen, dass alle Kinder, unabhängig von ihrer familiären Situation, Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung haben.
Aber nicht nur Langzeitrisiken stellen hier eine große Herausforderung dar, sondern auch gesundheitliche Risiken, die sich vor Ort ergeben können. In Kitas werden Kinder mit Allergien selbstverständlich berücksichtigt. Liegt die Essensmitgabe verantwortlich jedoch bei einigen Eltern, muss damit zu rechnen sein, dass diese Informationen auch vergessen oder nicht angemessen berücksichtigt werden und der Inhalt einiger Brotdosen ein Gesundheitsrisiko für allergiebetroffene Kinder darstellen kann und wird. Diese Herausforderung benötigt viel zusätzliche Aufmerksamkeit, welcher insbesondere zu Zeiten des aktuellen Personalmangels in vielen Kitas nicht ausreichend begegnet werden kann.
Herausforderungen bei der Qualität des Kita-Essens
Doch selbst mit den finanziellen Ressourcen der Kitas und den entsprechenden Zusatzleistungen der Eltern sind Kitas aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage oft vor erheblichen Herausforderungen bei der Bereitstellung von Mahlzeiten, die den Qualitätsstandards entsprechen, gestellt. Eine zusätzliche Einschränkung ergibt sich aus den finanziellen Regelungen, denen Kitas unterliegen. Die Möglichkeiten zur Zusatzfinanzierung sind hier stark begrenzt, beispielsweise auf eine monatliche Zusatzleistung der Eltern von 60 Euro pro Kind. Diese Regelung wurde bisher nicht an die aktuelle wirtschaftliche Lage angepasst und bietet daher nur begrenzte Abhilfe. Es ist wichtig zu beachten, dass dieser Betrag zusätzlich nicht nur die Lebensmittelkosten abdecken muss, sondern auch die Vergütung des dafür tätigen Personals sowie die Kosten für Logistik und Energie.
Die ökonomischen Aspekte und die Umweltauswirkungen
Doch nicht nur die Gesundheit der Kinder selbst kann unter diesem System leiden - auch die Umwelt ist davon betroffen. Statt das Essen zentral zu organisieren, führt die Mitgabe von Essen von zu Hause zu vermehrtem Plastikabfall, da viele Lebensmittel in Einwegverpackungen mitgebracht werden. Dieser zusätzliche Müll belastet nicht nur unsere Umwelt, sondern erzeugt auch zusätzliche Kosten für die Entsorgung und Recycling. Darüber hinaus erfordert die Notwendigkeit, einige Lebensmittel in Kitas kühl zu lagern, zusätzliche Ressourcen. Viele Kitas sind nicht ausreichend mit Kühlschränken ausgestattet, um die Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit zu erfüllen. Die Anschaffung und der Betrieb dieser Geräte verursachen erheblichen Energieverbrauch, was nicht nur finanziell belastend ist, sondern auch eine zusätzliche Belastung für die Umwelt darstellt.
Der Unterschied zum Schulsystem: Eine Frage der Gleichstellung
Ein Aspekt, der hier dringend beleuchtet werden muss, ist der Unterschied zwischen dem Ernährungssystem in Kindertagesstätten und dem in den Schulen. In Schulen ist es weitgehend selbstverständlich, dass den Kindern in der Kantine Mahlzeiten serviert werden, die den Standards entsprechen, die wir uns für eine gesunde Ernährung wünschen. Im schulischen Kontext sind wir uns einig, dass die Ernährung unserer Kinder von höchster Bedeutung ist, um ihre Gesundheit und Entwicklung zu fördern. Es ist an der Zeit, die gleiche Aufmerksamkeit auf die Kindertagesstätten zu richten, die eine entscheidende Rolle in der frühkindlichen Bildung und Entwicklung unserer Kinder spielen.
Neben dem allgemeinen Bildungsauftrag sollten hier auch die Vermittlung von gesunder Ernährung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz selbstverständlich sein. Die finanzielle Unterstützung für Kindertagesstätten sollte nicht als zusätzliche Belastung, sondern als eine Investition betrachtet werden. Mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand könnten wir sicherstellen, dass alle Kinder unabhängig von ihrer familiären Situation Zugang zu gesunder Ernährung haben. Dies erfordert eine gemeinsame Anstrengung von politischen Entscheidungsträgern, Bildungseinrichtungen, Eltern und der Gesellschaft als Ganzes.
Es ist an der Zeit, die essenzielle Rolle von Kindertagesstätten anzuerkennen und ihnen die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, die erforderlich sind, um ihre Verantwortung für unsere jüngste Generation angemessen zu erfüllen. Die Investition in Kindertagesstätten ist eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft. Gemeinsam können wir sicherstellen, dass jedes Kind die Grundlage für eine gesunde und erfolgreiche Zukunft erhält.