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Ein politischer Neujahrsvorsatz für die Gesundheit unserer Kinder? - Die Kraft der richtigen Ernährung

Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Wir hoffen auf einen politischen Neujahrsvorsatz für die Gesundheit und die Bildung unserer Kinder.

Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Einer der häufigsten Vorsätze betrifft unsere Gesundheit, und insbesondere die Ernährung steht oft im Mittelpunkt dieser Bestrebung. Wir sind uns alle der essenziellen Rolle bewusst, die eine ausgewogene Ernährung für unser Wohlbefinden spielt. Doch nicht nur die eigene Ernährung ist von höchster Wichtigkeit, sondern auch diese der Kinder. Den eigenen Vorsatz hier zu legen, ist oftmals nicht ausreichend, da die „gesunde Ernährung“ der Kinder kollektiv umgesetzt wird, in einem Zusammenspiel aus Familie und Einrichtungen.




Eine offene Kommunikation zwischen Eltern und den Kinderbetreuungseinrichtungen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Kinder vollumfänglich mit den richtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt werden – denn gute Ernährung beginnt nicht erst an der Kita-Tür, sondern schon am Frühstückstisch zu Hause. Ebenso wichtig sind die politischen Weichen, die ein problembefreites Umsetzen dieser Ernährung zulassen müssen.


Die Auswirkungen mangelhafter Ernährung auf Kinder

Eine unzureichende Versorgung mit den richtigen Nährstoffen kann sich bei Kindern auf verschiedene Weisen bemerkbar machen. Häufig führt eine unausgewogene Ernährung zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die für das Wachstum und die Entwicklung unerlässlich sind. Dies kann sich in einem geschwächten Immunsystem äußern, was dazu führt, dass Kinder anfälliger für Infektionen und Krankheiten werden. Neben den direkten Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit kann eine unzureichende Ernährung ebenso die kognitive Entwicklung beeinträchtigen. Kinder, die nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt sind, könnten Schwierigkeiten entwickeln, sich zu konzentrieren, und daraufhin mit einer verminderten Lernfähigkeit und Gedächtniskapazität konfrontiert sein. Ebenso kann sich eine unausgewogene Ernährung auf das Energielevel der Kinder auswirken, was zu Müdigkeit, Erschöpfung und einer allgemeinen Abnahme der Leistungsfähigkeit führen kann. Sogar das Verhalten und die Stimmung können von der Ernährung beeinflusst werden. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Unausgeglichenheit können auftreten, wenn die Zufuhr der Nährwerte nicht ausreichend gedeckt ist.

Chancengleichheit bedeutet, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft oder finanziellen Situation die gleiche Bildungschance erhalten sollte. Dies beinhaltet auch, dass alle Kinder mit vollem Magen und bestmöglicher Versorgung in die Bildungseinrichtungen kommen und in dieser verweilen können. Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein grundlegender Bestandteil der Chancengleichheit. Nur wenn die Grundbedürfnisse jedes Kindes erfüllt sind, kann eine faire Bildungsgleichheit gewährleistet werden.

Die Herausforderungen der täglichen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in den freien Kitaträgern Berlins

Berlin hat mit der Verankerung des Berliner Bildungsprogramms im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFÖG) seit 2005 eine klare Haltung zur Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung eingenommen.

Die Einbindung der Förderung gesunder Essgewohnheiten als verbindlicher Bestandteil des pädagogischen Programms betont das deutlich vorhandene Bewusstsein der politischen Bildungslandschaft Berlins. Die verstärkte Hervorhebung des Bereichs „Gesundheit“ im aktualisierten Berliner Bildungsprogramm von 2014 spiegelt dieses Engagement ebenfalls wider und unterstreicht nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Bildung und dem Wohlbefinden durch eine gesunde Ernährung, sondern sieht auch die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. Das Programm sieht vor, dass das Lernen in der Kita nicht nur durch formale Aktivitäten, sondern auch durch die Gestaltung des Kita-Alltags gefördert wird, wozu auch die Einahme fester Mahlzeiten gehören. Sie stellen einen integralen Bestandteil des Kita-Alltags dar und bieten eine wiederkehrende Struktur. Die pädagogische Gestaltung und Begleitung hierbei wird als wichtiger Beitrag zur Ernährungsbildung anerkannt und betont. Doch, die bloße Anerkennung dieses Aspekts allein reicht nicht aus, wenn die finanziellen Strukturen nicht entsprechend angeknüpft und geschaffen werden, um eine vollumfängliche Umsetzung zu gewährleisten. Denn, obwohl die essenzielle Wichtigkeit der Ernährung unserer Kleinsten sichtbar deutlich unterstrichen ist, gestaltet sich die tägliche Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in Kindertagesstätten in Berlin dennoch als eine enorm herausfordernde Aufgabe. Die zugewiesenen Mittel ca. 3,50 Euro pro Kind und Tag erweisen sich als nicht ausreichend für das Sicherstellen einer qualitativ hochwertige Verpflegung, inkludiert die Verwendung dieses Betrages doch schlussendlich nicht nur das Decken der Lebensmittelkosten, sondern auch jene der grundlegenden Betriebsausgaben wie Personalkosten, Materialien und Infrastruktur. Diese finanzielle Begrenzung erschwert es den Kitas erheblich, ihre Bestrebungen nach gesunder Ernährung aufrechtzuerhalten.

Die freien Kitaträger in Berlin stehen vor einem wahren Balanceakt, wenn sie täglich versuchen, ausreichende und gesunde Mahlzeiten anzubieten, während sie gleichzeitig mit begrenzten finanziellen Ressourcen jonglieren müssen. Dies führt zu Kompromissen, die sich auf die Qualität und Quantität der angebotenen Speisen auswirken können und somit die Herausforderungen bei der Umsetzung einer nahrhaften Verpflegung für die Kinder verstärken.

Leere Töpfe lassen keinen Raum für Kompromisse

Diese Situation bildet nur eine weitere Facette des unterfinanzierten frühkindlichen Bildungssystems, das sich an einer Vielzahl von Herausforderungen reiht. Die begrenzten finanziellen Ressourcen lassen keine Spielräume für Ausweichmethoden auf andere Ressourcen mehr zu. Insbesondere im Zuge der Inflation hat sich diese Krise nochmals verschärft. Die Gelder wurden bisweilen nur zögerlich angepasst und sogar die Inflationsausgleichprämie musste vorerst, von jenen, die ihren Mitarbeiter:innen diese stark benötigte Auszahlung gewährleisten wollten, aus den eigenen Geldern der freien Kitaträger gestemmt werden. Politische Lösungsansätze in diesem Bereich ließen zu lange auf sich warten und die Prozesse bis zur tatsächlichen finanziellen Umsetzung erstrecken sich bis heute.

Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und ihre Auswirkungen

Im Oktober 2023 fällte das Bundesverwaltungsgericht eine bahnbrechende Entscheidung. Nach einer Klage der Private Kant-Schulen gGmbH, vertreten durch die Kanzlei DOMBERT Rechtsanwälte, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass diese Obergrenze für monatliche Zuzahlungen der Eltern, die in Berlin für zusätzliche Leistungen freier Träger von Kindertagesstätten galt, nicht mit dem Grundsatz der gleichheitsgerechten Beteiligung der freien Jugendhilfeträger am staatlichen System der Kindertagesstättenfinanzierung vereinbar ist. Diese wegweisende Entwicklung eröffnet nun Kitaträgern die Möglichkeit, transparent aufzuzeigen, dass bestimmte Angebote über die zuvor festgelegte Obergrenze hinausgehen und eine erhöhte finanzielle Beteiligung der Eltern erfordern könnten. Eine Erleichterung für Kitaträger und Eltern, da es ihnen die Chance eröffnet, der Unterfinanzierung selbst die Stirn zu bieten und die gewünschte Qualität aufrechtzuerhalten, die sie sich für ihre Kinder wünschen. Dennoch darf dies nicht als finale Lösung betrachtet werden. Vielmehr sollten die politisch zur Verfügung gestellten Mittel an die realen Ausgaben angeglichen werden, um eine erfolgreiche Basis in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten. Zusatzzahlungen sollten nur für tatsächlich anspruchsvolle Zusatzleistungen genutzt werden können, nicht aber für das Aufrechterhalten der Bildungsqualität an und für sich. Diese Verantwortung muss politisch getragen werden, nicht aber an die Kitaträger und Eltern weitergereicht.

Ziele für eine hochwertige Verpflegung in Kitas

Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Besonders große Probleme, insbesondere solche finanzieller Natur, können weder aufgeschoben noch durch Gespräche allein gelöst werden - sie erfordern unverzügliches Handeln. Das erneute Auftreten bereits bekannter Herausforderungen unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Lösungen nicht nur zu erkennen, sondern sie auch effizient und effektiv umzusetzen, um den anhaltenden Schwierigkeiten im frühkindlichen Bildungssystem entgegenzuwirken. Eine vollumfängliche Ernährung unserer Kleinsten sollte keine Herausforderung darstellen, sondern sich als die Basis der Förderung verstehen.

Für das Jahr 2024 ist es daher von entscheidender Bedeutung, dass die Anliegen der freien Kitaträger deutlicher Gehör finden, als bisweilen. Die Diskrepanz zwischen den identifizierten Lösungsansätzen und ihrer tatsächlichen Umsetzung muss unsererseits adressiert werden können. Es bedarf einer verstärkten Plattform für die freien Kitaträger, um ihre Anliegen und Herausforderungen effektiver kommunizieren zu dürfen. Nur durch ein verstärktes politisches Engagement und eine verbesserte Einbeziehung dieser Träger in die Diskussionen und Umsetzungen von Lösungen können die bestehenden Hindernisse im Jahre 2024 wirksam angegangen werden. Wir sind weiterhin entschlossen, den aktiven Austausch, Ideengebungen und die kontinuierliche Lösungsfindung voranzutreiben. Trotz der bestehenden Hindernisse bleiben wir bereit, innovative Ansätze zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Ernährung unserer Kleinsten nicht länger eine Herausforderung, sondern eine selbstverständliche Grundlage in ihrer Entwicklung darstellt.

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Eltern, Kitas und die Bedeutung der Kooperation in der frühkindlichen Bildung.

Die Wurzeln, die innerhalb der Familie geschaffen werden, bilden das Fundament für die Werte, Sozialisation und den emotionalen Halt, der für die Entwicklung von essenzieller Bedeutung ist. Doch blickt man über diesen Tellerrand hinaus, bemerkt man, dass der Rahmen, in dem sich unsere Kleinsten bewegen, gefüllt ist mit deutlich mehr Bezugspersonen, als nur jenen des familiären Kontextes. Bereits in den ersten Lebensjahren tritt die Kita - und mit ihr ihre pädagogischen Fachkräfte -  als eine entscheidende ergänzende Einrichtung hinzu.

Zwischen den feierlichen Tagen, wenn alle zusammenkommen, rückt die Bedeutung von Familie oftmals wieder stark in den Fokus. Es ist eine Zeit, in der wir uns bewusst werden, wie entscheidend das familiäre Umfeld für die Entwicklung von Kindern ist. Die Wurzeln, die innerhalb der Familie geschaffen werden, bilden das Fundament für die Werte, Sozialisation und den emotionalen Halt, der für die Entwicklung von essenzieller Bedeutung ist. Doch blickt man über diesen Tellerrand hinaus, bemerkt man, dass der Rahmen, in dem sich unsere Kleinsten bewegen, gefüllt ist mit deutlich mehr Bezugspersonen, als nur jenen des familiären Kontextes.

Während die Familie das erste und primäre Umfeld eines Kindes darstellt, tritt bereits in den ersten Lebensjahren die Kita - und mit ihr ihre pädagogischen Fachkräfte -  als eine entscheidende ergänzende Einrichtung hinzu. Das Kitapersonal verkörpert weit mehr als nur pädagogische Fachkräfte. Sie sind Anleiter, Unterstützer und Förderer, die sich mit Hingabe und gezielter Fürsorge der Entwicklung jedes einzelnen Kindes widmen. Ihre Rolle geht weit über das Unterrichten hinaus; sie schaffen eine unterstützende Umgebung, in der Kinder nicht nur lernen, sondern auch entdecken und wachsen können. Indem sie die Bedürfnisse jedes Kindes wahrnehmen und individuell darauf eingehen, prägen sie mit ihrer Arbeit nicht nur das Fundament der akademischen Kompetenzen eines Kindes, sondern auch die persönlichen und emotionalen Entfaltungsmöglichkeiten. Umso wichtiger ist es, dass Familien und Kitas hier im gegenseitig Verständnis der Kooperation miteinander agieren und kommunizieren und die essentielle Wichtigkeit des Austauschs wahrnehmen.

Der offene Austausch bietet nicht nur Nutzen für Eltern und pädagogische Fachkräfte, wie beispielsweise, eine erhöhte Vertrauensbasis, sondern weist auch diverse Vorteile für die Entwicklung des Kindes auf:

  1. Ganzheitliche Unterstützung des Kindes: Eine offene Kommunikation ermöglicht es dem Kitapersonal, die Bedürfnisse, Interessen und Entwicklungsfortschritte des Kindes besser zu verstehen. Dadurch können sie gezieltere Unterstützung und Förderung bieten, die sich an den individuellen Bedürfnissen des Kindes orientiert.

  2. Kontinuierlicher Informationsaustausch: Durch regelmäßige Gespräche und Informationen von beiden Seiten - Eltern und Kitapersonal - entsteht ein umfassendes Bild über das Kind. Dies hilft dabei, konsistente und koordinierte Ansätze für die Betreuung und Bildung des Kindes zu gewährleisten, sowohl zu Hause als auch in der Kita.

  3. Förderung der Kontinuität und des Übergangs: Eine gute Kommunikation erleichtert den Übergang des Kindes zwischen Kita und Zuhause. Kontinuierliche Informationen und Austausch über den Alltag des Kindes helfen dabei, eine konsistente Erfahrung zu schaffen und den Übergang zwischen den beiden Umgebungen zu erleichtern.

  4. Effektivere Lösungen für Herausforderungen: Wenn Eltern und Kitapersonal zusammenarbeiten, können sie gemeinsam Lösungen für Herausforderungen oder spezifische Bedürfnisse des Kindes entwickeln. Die Synergie aus verschiedenen Blickwinkeln und Erfahrungen kann helfen, besser auf individuelle Anliegen einzugehen und adäquate Lösungen zu finden.

Viele Augen sehen mehr.

Doch auch tiefere und komplexere Themen können schneller begriffen, erfasst und bearbeitet werden. Verhaltensauffälligkeiten können bemerkt, adressiert und im offenen Austausch abgeglichen und frühzeitig benannt werden. Dies bietet nicht nur einen Rahmen der optimalen Förderung, sondern, im Notfall, wie beispielsweise Auffälligkeiten, die auf Übergriffe hinweisen, auch einen Schutzrahmen für das Kind, der schnellstmöglich agieren kann. Gerade im noch non-verbalen Entwicklungsstadium des Kindes, kann es im Alltag eine Herausforderung für die Eltern darstellen, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. Doch durch den aktiven Austausch mit dem Kita-Personal wird ihr Auge hierfür deutlich stärker geschult und auf Verdachtsfälle kann schnell Klarheit folgen.

Oftmals betonen pädagogische Fachkräfte die Wertschätzung, die sie seitens der Kinder und der Eltern erfahren. Genau so vehement betonen sie jedoch auch die eigene Wertschätzung gegenüber denErziehungsberechtigten. Ein offener, gezielter Austausch mit den Eltern ermöglicht es den Fachkräften, nicht nur das Vertrauen der Familien zu gewinnen, sondern auch ein tieferes Verständnis für die individuellen Bedürfnisse und die Persönlichkeit jedes Kindes zu entwickeln.

Es braucht ein Dorf.

Wie sagt man so schön? “Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen."

In unserer heutigen Zeit mag dieses Szenario oft außer Reichweite liegen. Viele Familien erleben nur wenig bis gar keine Unterstützung im privaten Umfeld, und alleinerziehende Eltern stehen vor noch größeren Herausforderungen. Daher ist es umso bedeutsamer, die verfügbaren Ressourcen zu nutzen, die wir haben; diejenigen, die mit Herz und Engagement an der bestmöglichen Entwicklung des Kindes interessiert sind.

Wie kann eine gute Kommunikation Seitens der Eltern aussehen, um die pädagogischen Fachkräften bei der Förderung der Kinder optimal zu unterstützen?

  1. Regelmäßiger Austausch: Es ist wichtig, regelmäßig Gespräche mit dem Kitapersonal zu führen, sei es bei der Abholung oder durch festgelegte Elternabende. Dadurch können Eltern aktuelle Entwicklungen, Bedürfnisse oder Anliegen ihres Kindes besprechen und Informationen von der Kita erhalten.

  2. Offenheit und Ehrlichkeit: Offene und ehrliche Kommunikation schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre. Eltern sollten sich ermutigt fühlen, Fragen zu stellen, Bedenken anzusprechen und Informationen über das Kind mitzuteilen.

  3. Respektvolles Zuhören: Ein wichtiger Aspekt ist das aktive Zuhören. Die Perspektive des Kitapersonals zu verstehen und ihre Erfahrungen anzuerkennen, trägt zu einer konstruktiven Kommunikation bei.

  4. Anerkennung und Wertschätzung: Das Wertschätzen der Arbeit des Kitapersonals und das Zeigen von Anerkennung für ihre Bemühungen kann dazu beitragen, eine positive Beziehung aufzubauen.

  5. Kooperation und Unterstützung: Eine kooperative Haltung, bei der Eltern und Kitapersonal zusammenarbeiten, um das Wohlbefinden und die Entwicklung des Kindes zu fördern, ist von großem Wert. Eltern können das Kitapersonal bei der Umsetzung von Zielen oder spezifischen Bedürfnissen des Kindes unterstützen.

  6. Feedback geben: Die Eltern können auch konstruktives Feedback über die Aktivitäten und den Fortschritt ihres Kindes in der Kita geben. Dabei ist es wichtig, sowohl positive als auch konstruktive Kritik sachlich und respektvoll zu äußern.

Diese Verschmelzung von familiären Einflüssen und pädagogischem Fachwissen ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung und Bildung, die über die Grenzen der Kita hinausgeht. Sie bietet den Kindern eine facettenreiche Erfahrung, in der sie von verschiedenen Blickwinkeln, Erziehungsmethoden und Werten profitieren können. Die Eltern bringen ihre individuelle Perspektive und die einzigartige Dynamik ihres familiären Umfelds ein, während das Kitapersonal sein spezialisiertes pädagogisches Fachwissen und seine Erfahrung einbringt. Die weihnachtliche Zeit des Miteinanders erinnert daran, dass die Entwicklung der Kinder nicht allein durch die Familie oder die Kita erfolgt, sondern durch die engagierte Zusammenarbeit beider Seiten. Es ist eine Gelegenheit die bedeutsame Rolle, die die Eltern-Kita-Partnerschaft spielt zu würdigen Diese partnerschaftliche Dynamik birgt den Schlüssel, um Kinder auf ihrem individuellen Bildungsweg bestmöglich zu unterstützen und zu fördern.

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Presse Lisa H. Huber-Youmans Presse Lisa H. Huber-Youmans

Ein symbolischer Tag im Bereich der frühkindlichen Bildung

Berlin - ein symbolischer Tag für die frühkindliche Bildung! Gestern versammelten sich beim Kitagipfel unter anderem der VKMK und Bildungssenatorin Günther-Wünsch, um über die Demokratiebildung und die Herausforderungen in Kitas zu diskutieren. Doch während Lob für das Engagement erklingt, plädieren wir ebenfalls für einen tieferen Blick, um echte Veränderungen zu bewirken – Jetzt mehr erfahren!

Der VKMK begrüßt das politische Engagement betont jedoch die Notwendigkeit einer tiefergehenden Diskussion im Dialog.

Berlin, 28. November 2023 – Gestern war ein bedeutsamer Tag für die frühkindliche Bildung, an dem der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK), sowie eine Vielzahl seiner Vereins-, und Vorstandsmitglieder, aktiv teilnehmen und mitwirken konnte. Zum einen fand das 12. Plenum in der Frühpädagogik - symbolisch - im jüdischen Museum statt, welches sich auf die Frage konzentrierte "Wie bildet man eine Demokratie? Mitwirkung von Kita-Kindern als Zukunftsaufgabe". Gleichzeitig wurde der Kita-Gipfel einberufen. Bei beiden Veranstaltungen war die Bildungssenatorin Günther-Wünsch aktiv anwesend.

Der VKMK begrüßt mit Nachdruck die gestrige Aufmerksamkeit für die frühkindliche Bildung in Berlin und würdigt die Bemühungen, insbesondere von Senatorin Günther Wünsch, Raum für Diskurse zu schaffen, um die Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam anzugehen. Die Teilnahme am Kita-Gipfel erlaubte unserem Verband wertvolle Einblicke zu teilen, die zu einem realistischeren Verständnis der Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung beitragen können. Im Verlauf dieser Veranstaltung wurde jedoch offenkundig, dass trotz des erkennbaren Engagements zur Bewältigung diverser Problemfelder der notwendige Tiefgang in den Diskussionen, um den eigentlichen Ursprüngen der Herausforderungen auf den Grund zu gehen, oftmals, bedauerlicherweise, vernachlässigt blieb.

"Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Entwicklung und Umsetzung einiger Lösungsansätze Zeit und angemessene Ressourcen erfordern. In manchen Fällen kann es verlockend sein, vorerst den Fokus auf oberflächliche Problembehebungen zu legen, um schnellstmöglich sichtbare Veränderungen zu bewirken. Doch dies ändert nichts an der Bedeutung, sich intensiv mit den zugrundeliegenden Kernproblemen auseinanderzusetzen, um Lösungswege zu erarbeiten, die langfristig zu tatsächlichen Veränderungen und Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung führen können", betonte Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. "Es ist von fundamentaler Wichtigkeit, dass kommende Diskussionen und Sitzungen einen stärkeren Fokus auf einen direkten und tiefgründigeren Austausch legen.“

Wir begrüßen die Entwicklung, die es ermöglicht, die Stimmen und Perspektiven der freien Kitaträger, wie sie durch unseren Verband repräsentiert werden, aktiv in derartige Diskussionen einzubinden, um einen realistischen Ist-Zustand abzubilden. Es ist jedoch essenziell, dass dieser Einbezug nicht nur symbolischer Natur ist, sondern dass ihre Anliegen, Herausforderungen und Lösungsansätze ausreichend Gehör finden, und angenommen werden. Ein solcher Dialog und Austausch sollt durch eine sichtbare Interaktion geprägt sein, um langfristige und wirkungsvolle Lösungen zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung zu gestalten. Wir blicken hoffnungsvoll in die kommenden Sitzungen diesbezüglich.

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Die Kunst des Zuhörens: Senatorin Günther-Wünsch bittet zum Kita-Gipfel

Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor. Senatorin Günter-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die große Kunst des Hinhörens: Der erste Schritt zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung liegt im Zuhören bei den richtigen Akteuren

Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor.

Senatorin Günther-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die Vergangenheit zeigt bedauerlicherweise, dass solche wichtigen Gelegenheiten versäumt wurden, was zu vorhersehbaren und schwerwiegenden Konsequenzen führte.

Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Sachkostenpauschale als Teil  über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag)  in Berlin. Ursprünglich entwickelt, um die Finanzierung von frühkindlichen Einrichtungen langfristig sicherzustellen, erwiesen sich diese Teile dieser Pauschale in den folgenden Jahren als wesentlicher Engpass.

Finanzkonzepte benötigen regelmäßige Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse, eine Überprüfung, die trotz offensichtlicher Veränderungen, einschließlich wirtschaftlicher Aspekte, wiederholt versäumt wurde.

Erst 2017 wurde eine Gestehungskostenanalyse in Auftrag gegeben, die zeigte, dass Kitas mit einer Unterfinanzierung von fast 30% zu kämpfen hatten, hauptsächlich aufgrund stark gestiegener Mietkosten, die in der Sachkostenpauschale nicht berücksichtigt wurden.

Insbesondere kleinere und mittelgroße Kitaträger litten unter höheren Mietkosten im Vergleich zu größeren Institutionen.

Trotz dieses neuen Wissens ignorierten die damaligen Akteure in der Senatsverwaltung und ihre ausgewählten Verhandlungspartner im Rahmen ihrer 2017 laufenden  Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) diese dramatische Unterfinanzierung und schufen nur eine Teilreparatur.

Es erfolgte für den Zeitraum von 2018 bis 2021 eine leichte stufenweise Erhöhung der Sachkostenpauschale um insgesamt 10%, doch konnte die massive Unterfinanzierung bei weitem nicht kompensiert werden.

Die kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger hatten weiterhin mit steigenden Gewerbemiet- & Immobilienunterhaltungskosten und zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Einzig der VKMK reagierte auf diese Herausforderungen, indem er mit seiner Expertengruppe eine nachhaltige Lösung entwickelte: die "Clusterlösung".

Basierend auf dem Grundgedanken der Hamburger Finanzierungskonstruktion integriert die "Clusterlösung" eine differenzierte Betrachtung der IST-Situation der Gewerbeflächen der jeweiligen Kita-Träger in die Ausgestaltung der Sachkostenpauschale. Durch die Unterstützung verschiedener Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses konnten weitere relevante Daten zu den Bruttomietzinsen für soziale Träger in landeseigenen Wohnbaugesellschaften erfragt werden.

Hierbei ergab sich, dass die Mietzinsen für Gewerbeflächen der landeseigenen Wohnbaugesellschaften im Durchschnitt über 10 Euro pro Quadratmeter lagen, während die Kita-Träger lediglich eine Finanzierung von etwa 5 Euro pro Quadratmeter erhielten. Diese Diskrepanz verdeutlichte bereits damals die erheblichen finanziellen Herausforderungen, denen die betroffenen Einrichtungen gegenüberstanden.

Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu Lasten der Fachkräfte gingen.

Um dem Scheinargument- Phänomen der "Miethaie" und des " Miet-Monopoly" entgegenzuwirken, integrierte der VKMK in seine "Clusterlösung" das Modell einer wiederkehrenden Abfrage des Bruttomietzinses pro Quadratmeter bei landeseigenen Wohnbaugesellschaften. Dieser Wert dient als Grundlage für die Einberechnung in die Sachkostenpauschale, um den Einrichtungen eine finanzielle Grundlage zu bieten, die ihren tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird.

Diese konkreten Beispiele unterstreichen nicht nur unsere langjährige Arbeit und Bemühungen, realistische Lösungsansätze zu bieten, sondern auch den gravierenden politischen Fehler, betroffene Akteure unzureichend zu berücksichtigen.

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: "Wir bieten der Jugendsenatsverwaltung seit Jahren fundierte Lösungen an. Unser Clustermodell ist ein solcher gezielter Lösungsansatz, der jedoch in den Jahren der SPD-Ressortverantwortung ignoriert wurde. Lösungen, die betroffene Stakeholder nicht angemessen einbeziehen, führen letztlich immer zu höchsten Gerichtsurteilen, die dann eine Unverhältnismäßigkeit bis hin zur Verfassungswidrigkeit im Handeln der Jugendsenatsverwaltung attestieren.

Die konzertierte Anstrengung von Senatorin Günter-Wünsch gemeinsam mit allen Interessengruppen in einen Dialog einzutreten, verspricht langfristige Fortschritte in der effizienten Ressourcennutzung und nachhaltigen Verbesserungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.

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Herausforderungen, Sorgen und Hoffnungen im Kita-Alltag - Lars Békési zieht Bilanz.

Das sich dem Ende neigende Kitajahr und die bevorstehenden Sommerfeste bieten uns einen idealen Anlass für einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen, sowohl auf der Ebene der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, als auch auf der politischen. Wir vom VKMK haben mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, gesprochen, um seine Einschätzungen zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen in der frühkindlichen Bildung zu erfahren.  

Das sich dem Ende neigende Kitajahr und die bevorstehenden Sommerfeste bieten uns einen idealen Anlass für einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen, sowohl auf der Ebene der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, als auch auf der politischen. Wir vom VKMK haben mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, gesprochen, um seine Einschätzungen zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen in der frühkindlichen Bildung zu erfahren.  

VKMK: Herr Békési, lassen Sie uns mit einem Rückblick auf das vergangene Kitajahr beginnen. Wie würden Sie das vergangene Kitajahr zusammenfassen und welche Herausforderungen haben sich für die Kita-Teams ergeben? 

Lars Békési: Das vergangene Kitajahr war geprägt von der Bemühung der Kita-Teams, nach den umfangreichen Maßnahmen und Verwaltungsaufwendungen im Zuge der Corona-Pandemie zum ursprünglichen Alltag vor der Corona-Zeit zurückzufinden. Es war jedoch festzustellen, dass vielen Beschäftigten dies bisher noch nicht vollständig gelungen ist. Erschöpfungszustände, steigende Krankenstände und Langzeitfolgen von COVID-19 stellen weiterhin Herausforderungen dar und erhöhen den Druck auf das gesamte Personal. 

VKMK: Haben Sie Beispiele dafür, wie Beschäftigte individuelle Wege gefunden haben, um mit der Anspannung und Erschöpfung umzugehen? Welche Auswirkungen können solche Veränderungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit haben? 

Lars Békési: Einige Beschäftigte haben individuelle Wege gefunden, um mit der Anspannung und Erschöpfung umzugehen. Zum Beispiel sind einige in den Hortbereich gewechselt, wo bessere Rahmenbedingungen für die mittelbare pädagogische Arbeit herrschen. Andere haben vorübergehend neue Arbeitgeber über Zeitarbeitsfirmen gefunden, um vorübergehend weniger Verpflichtungen zu haben. Solche Veränderungen können die Arbeitsbelastung auf Einzelne reduzieren, jedoch könnten sie auch zu einer Fragmentierung des Teams und der pädagogischen Arbeit führen, was sich negativ auf die Qualität auswirken kann. 

VKMK: Wie haben sich die politischen Diskussionen auf Landes- und Bundesebene auf die Kitas ausgewirkt und welche Themen waren besonders herausfordernd? 


Lars Békési: Die politischen Diskussionen auf Landes- und Bundesebene waren oft von emotionalen und wenig produktiven Auseinandersetzungen geprägt. Dies führte absolut verständlich zu unnötigen Verunsicherungen. Besonders herausfordernd war und ist bspw. das Thema der Kindergrundsicherung und jüngst noch der unüberlegte Vorschlag beim Elterngeld., Eine konstruktive Diskussionskultur und eine Fokussierung auf die Bedürfnisse der Familien, Eltern und Kinder wären hier nicht nur wünschenswert gewesen, sondern auch dringend notwendig. 


VKMK: Welche Bemühungen wurden unternommen, um die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung zu verbessern, und wie könnten diese Bemühungen die Qualität der pädagogischen Arbeit beeinflussen? Welche aktuellen Initiativen werden ergriffen, um die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung zu verbessern, und wie könnten sich diese Bemühungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit auswirken? 


Lars Békési: Auf Bundesebene arbeitet eine engagierte Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bundesländer sowie Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft intensiv daran, die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung dauerhaft zu verbessern. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das kommende Kitaqualitätsentwicklungsgesetz, das langfristig einheitliche Qualitätsstandards für die pädagogischen Kompetenzen der Fachkräfte etablieren und gezielt den Spracherwerb bei den jüngsten Kindern stärken soll. Zudem wird auf Bundesebene und in den Ländern ein fortlaufender Prozess vorangetrieben, um eine kluge Strategie zur Fachkräftegewinnung und -bindung zu entwickeln. Ich persönlich begrüße diese Aktivitäten aus verschiedenen Gründen. Der Dialog und der Austausch von Ideen sind grundlegend, um gemeinsam umsetzbare Lösungen zu finden. Meine Unterstützung für diese Bemühungen basiert nicht nur darauf, dass der VKMK Teil dieses Prozesses und Austauschs ist, sondern auch auf der Erkenntnis, dass in Zeiten begrenzter Haushaltsmittel eine kluge Investitionspolitik eine erfolgreiche Bildungspolitik ermöglicht. Es ist wichtig, alle Akteure einzubeziehen. Durch diese umfangreichen Bemühungen können wir die Qualität in den Kitas erhöhen und eine erstklassige Bildung und Betreuung für alle Kinder gewährleisten. 

 

VKMK: Wie könnten verschiedene Bundesländer zusammenarbeiten, um das gesamte System der frühkindlichen Bildung zukunftsfähig zu machen, und welche Hindernisse müssten überwunden werden?

 

Lars Békési: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Bundesländer muss, wie bereits erwähnt, durch das kommende Kitaqualitätsentwicklungsgesetz verbindlich vereinbart werden. Nur auf diese Weise kann das gesamte System der frühkindlichen Bildung langfristig zukunftsfähig ausgestaltet bleiben. Daher ist es klug, den Austausch über bewährte Praktiken und die Entwicklung einheitlicher Standards bereits unter Beachtung eines engen Zeitplans voranzutreiben. Bis Ende 2023 soll ein erster Entwurf vorgestellt werden. Selbstverständlich müssen dabei auch Hindernisse wie unterschiedliche Finanzierungsmodelle und politische Interessen der Länder überwunden werden. Es erfordert den Willen zur Zusammenarbeit und einen langfristigen Fokus auf das gemeinsame Ziel, ein zukunftsfähiges System der frühkindlichen Bildung zu schaffen. 

VKMK: Welche konkreten Lösungswege schlagen Sie vor, um pädagogische Fachkräfte effektiv zu entlasten? 

Lars Békési: Werfen wir einen Blick auf das Beispiel des Landes Berlin. In einigen Bereichen hat das Land bereits mit den Bundesmitteln aus dem sogenannten "Gute-Kita-Gesetz" und nun durch das Kitaqualitätsgesetz gute Schritte unternommen, um die Fachkräfte zu entlasten und die Qualität zu steigern. Es ist jedoch wichtig, dass wir uns nicht auf diesen Erfolgen ausruhen und auf andere Bundesländer verweisen, die offenbar noch größere Herausforderungen bewältigen müssen. Stattdessen sollten wir nach vorne schauen und weitere Maßnahmen ergreifen, um die pädagogischen Fachkräfte effektiv zu entlasten. Besonders wichtig ist es, die pädagogischen Fachkräfte vollständig von nicht-pädagogischen Verwaltungsarbeiten zu entlasten. Neben dem Vorschlag, zusätzliche Verwaltungskräfte einzusetzen, um die Kita-Leitungen von nicht-pädagogischer Verwaltungsarbeit zu entlasten, damit sie sich zu 100% auf die pädagogische Arbeit und die Weiterentwicklung ihrer multiprofessionellen Kitateams konzentrieren können, könnten auch temporäre Maßnahmen ergriffen werden. Zum Beispiel könnten Freiwillige im sozialen Jahr (FSJ), Alltags- und Pflegehelfer eingesetzt werden, um die Stundenreduktion durch berufsbegleitende Auszubildende im Rahmen der kommenden 5-5-5-Anrechnung prozentual auszugleichen. Dadurch könnten wertvolle Stunden für die pädagogische Arbeit gewonnen werden. 

VKMK: Die voranschreitende Digitalisierung wird auch immer wieder im Zuge von Entlastungsmaßnahmen erwähnt. Wo sehen Sie hier die größten Vorteile?

Lars Békési: Der Einsatz digitaler Tools und Technologien ermöglicht eine effizientere Gestaltung administrativer Aufgaben, wodurch pädagogische Fachkräfte mehr Zeit und Raum für ihre eigentliche pädagogische Arbeit haben. Dies beinhaltet die Digitalisierung von Dokumentationsprozessen, die Nutzung pädagogischer Apps zur Kommunikation mit Eltern und die Bereitstellung von Online-Ressourcen für die pädagogische Arbeit. Zahlreiche Mitglieder des VKMK haben in den letzten Jahren genau diese Expertise erworben, und es ist nun wichtig, dass dies als Standard in der gesamten frühkindlichen Bildung flächendeckend implementiert wird. Es ist von großer Bedeutung, dass pädagogische Fachkräfte die Möglichkeit haben, ihre digitalen Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Schulungen und Fortbildungen sollten angeboten werden, um den Umgang mit digitalen Werkzeugen zu fördern und die Integration von Medien in den pädagogischen Alltag zu unterstützen. Wie bei allen Fortentwicklungen der Menschheit - sei es der Buchdruck, die Dampfmaschine oder das Internet - müssen wir Vorbehalte abbauen und aktiv Veränderungen annehmen. Daher ist es bedauerlich, dass die technische Ausstattung (bspw. Viedokonferenztechnik) des Senats für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) immer noch unzureichend ist und eine erfolgreiche digitale Zusammenarbeit dadurch erschwert wird. Eine "Steinzeitmethodik" ohne angemessene digitale Ausstattung und Kompetenzen kann nicht die Zukunft der Bildung gestalten. Insgesamt sollten wir die Digitalisierung auf allen Ebenen nutzen, um pädagogischen Fachkräften eine nachhaltige Entlastung zu bieten und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Durch den konsequenten Abbau bürokratischer Hindernisse und die gezielte Förderung digitaler Kompetenzen können wir aktiv die Zukunft der Bildung gestalten. 

 

VKMK: Wie sieht es mit den finanziellen Rahmenbedingungen aus? Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um diese zu verbessern? 

Lars Békési: Als Beispiel möchte ich erneut auf Berlin verweisen. Wenn die verfügbaren Haushaltsgelder knapper werden, bedeutet dies für die frühkindliche Bildung, dass die vorhandenen Gelder noch effizienter investiert und gezielt eingesetzt werden müssen. Der Haushaltsgesetzgeber muss sich mit dem Problem der Unterfinanzierung auseinandersetzen, insbesondere im Hinblick auf Gewerbemieten für Kitaeinrichtungen . Dabei halte ich eine Anpassung der bestehenden Finanzierung, ähnlich dem Hamburger Modell der Teilentgelte, für zwingend erforderlich. Es ist von großer Bedeutung, dass auch Maßnahmen zur Bestandserhaltung, wie Sanierungen, und insbesondere die Gewerbemietpreise pro Quadratmeter stärker in Betracht gezogen werden, insbesondere für kleinere Träger. 

VKMK: Wie können wir sicherstellen, dass in den aktuellen Diskussionen zu Arbeitsbedingungen und Bildungsqualität in der frühkindlichen Bildung die Perspektive der Kinder nicht weiterhin in den Hintergrund gerät und ihre Bedürfnisse ausreichend berücksichtigt werden? 

Lars Békési: Um sicherzustellen, dass die Perspektive der Kinder in den Diskussionen zur Förderung von Chancengerechtigkeit nicht vernachlässigt wird, müssen wir den Fokus auch auf die Stärkung multiprofessioneller Teams richten. Die Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen ist von großer Bedeutung, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Darüber hinaus sollten wir die Fachberatung als festen Bestandteil im System der Kindertagesbetreuung etablieren. Fachberaterinnen und -berater können pädagogische Fachkräfte unterstützen, ihre Arbeit zu reflektieren, neue Impulse zu geben und weiterzuentwickeln. Eine verbindliche Evaluation der pädagogischen Arbeit stellt sicher, dass die Qualität regelmäßig überprüft und verbessert wird. Ein weiterer Schritt zur Berücksichtigung der Kinderperspektive ist die Integration von Kitasozialarbeit. In besonders herausfordernden Lagen ist es wichtig, dass zusätzliche Ressourcen und Unterstützung zur Verfügung stehen. Ein Sozialraumbudget kann dazu beitragen, dass Kitasozialarbeit als Standard etabliert wird, um den Kindern in schwierigen Lebenssituationen bestmögliche Unterstützung zu bieten.Indem wir multiprofessionelle Teams stärken, Fachberatung und Evaluation fest im System verankern und Kitasozialarbeit durch zusätzliche Ressourcen fördern, setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Bedürfnisse und Rechte der Kinder in den Vordergrund zu stellen. Eine ganzheitliche und gerechte frühkindliche Bildung kann nur gelingen, wenn wir die vielfältigen Herausforderungen erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes gerecht zu werden. 

VKMK: Abschließend, welche positiven Perspektiven sehen Sie für die Zukunft der frühkindlichen Bildung und wie können wir diese Herausforderungen gemeinsam angehen? 

Lars Békési: Trotz der Herausforderungen bin ich optimistisch und sehe positive Perspektiven für die Zukunft der frühkindlichen Bildung. Indem wir – alle Akteure im Bildungsfeld- uns gemeinsam für verbesserte Rahmenbedingungen einsetzen, den Austausch und die Zusammenarbeit z stärken und ein Bewusstsein für die Bedeutung der frühkindlichen Bildung in der Gesellschaft schaffen, können wir diese Herausforderungen bewältigen 

Einen großen Dank an Herrn Békési, für Einschätzungen und Lösungsvorschläge zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte sowie zur Verbesserung der aktuellen Rahmenbedingungen. Wir bedanken uns für Ihre Zeit und natürlich Ihr Engagement, um die frühkindliche Bildung nachhaltig positiv zu verändern. 

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Koalitionsverhandlungen in Berlin. Eine Chance für die frühkindliche Bildung?

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik. Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik.

Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Während die Tage vor der Schwarz-Rot-Verhandlung ein Gefühl von Unsicherheit verbreiteten, scheinen die ersten Verhandlungen diese ein wenig mindern zu können. Während sich Einigkeit in vielen Bereichen finden lassen konnte, bezüglich einer Verbesserung des Ist-Zustandes in Berlin und optimistische Worte von Giffey durchklangen; “Vieles lasse sich aufbauen, was schon von Rot-Grün-Rot vorbereitet worden ist.” , wurden andere Sorgen hingehen gestärkt:

Deutlich wurde, dass der Fokus der Bildung wieder einmal nicht auf den frühkindlichen Institutionen liegen würde, sondern abermals erst ab dem Grundschulalter an Wichtigkeit zu erfassen sei. Ein Fataler Fehler, der sich seit Jahren in einem steten Abbau des Kita-Sektors deutlich widerspiegelt. Ernüchternde Worte kamen ebenfalls von CDU-Generalsekretär Stefan Evers hin: "Wir haben nicht nur wenig Zeit. Wir haben auch wenig Geld."

Genau dies ist aber zwingend benötigt, um in den Kitas Berlins ein Umkehren der Abwärtsspirale endlich umsetzen zu können; eine zukunftsorientierte Investitionspolitik, die ausreichend finanzielle Ressourcen bereitstellt, um den mannigfaltigen Herausforderungen im Ansatz gerecht zu werden.

Wir blicken hoffnungsvoll, aber auch mit Sorge auf die kommenden Verhandlungen.

Der Sektor der frühkindlichen Bildung blickt seit Jahren in Finanzierungsmöglichkeiten, die immer schmaler und schmaler werden, den Kostenexplosionen nicht im Ansatz standhalten können und erfährt als Lösung immer wieder nur Ad-Hoc-Aktionen, die das gröbste Übel, weiterhin hinauszögern sollen. Kalkulierte, zukunftsorientierte Lösungsansätze, um das sinkende Schiff nicht nur zeitweise über Wasser zu halten, sondern wieder seetauglich, geschweige denn gut ausgerüstet losfahren zu lassen, fehlen bisweilen vergebens.

Sinkende Bewerberzahlen, hohe Abgänge, große Krankenstände und Überbelastung sind die Alltäglichkeiten, mit denen sich die Erzieherinnen und Erzieher in der frühkindlichen Bildung auseinandersetzen. Die Unterfinanzierung im großen Stil ermöglicht hier schlichtweg keine Auswege mehr und endet sogar darin, dass sich viele Kitas in Berlin nicht einmal mehr neue Auszubildende leisten können. Die Erzieher:innen von heute verlassen das Schiff und den Erzieher:innen von morgen bleibt buchstäblich der Zutritt verwehrt.

Wie soll qualitativ hochwertige Bildung in diesem Kontext stattfinden können?

Wie soll ein Erzieher oder eine Erzieherin sich dessen überhaupt in ausreichendem Umfang annehmen können, wenn die Problemfelder des Kita-Alltages derart mannigfaltig sind?

Investitionsverhandlungen, Bildungsverhandlungen, Zukunftsverhandlungen, all dies darf nicht geschehen, ohne die frühkindliche Bildung hier nicht nur teilhaben zu lassen, sondern durchaus in den Mittelpunkt vieler Diskussionen zu rücken.

Gerade die CDU, die sich mit dem Programm “beste Bildung für Berlin” hier fundamental an einer Verbesserung der Bildungssituation einsetzen möchte, sollte deutlich machen, dass diese Bildung nicht erst ab der Grundschule beginnen darf, sondern weitaus vorher, im Kita-Alter bereits fundamental wichtig ist.

Wir hoffen und fordern zugleich, dass sich die Kita-Situation in Berlin endlich ändert. Dass die neuen Gespräche zu augenöffnenden Momenten führen, in denen der Ist-Zustand des frühkindlichen Bildungssektor endlich in seiner porösen, heruntergewirtschafteten Struktur wahrgenommen wird, damit hier endlich grundlegende Änderungen eintreten können.

Das Gerüst muss in seiner Struktur gefestigt werden, um ausreichend Qualitätsversprechen umsetzen zu können - und letztendlich auch: Qualitätsverbesserung

Dies geht nur mit ausreichend finanziellen Mitteln. Mittel, die nicht als Trostpflaster für schnelle Heilung sorgen sollen, sondern Mittel, die zielgerichtet die Problemfelder von heute angehen und eliminieren und gleichzeitig den Bezug zu den Herausforderungen der Zukunft mit einkalkulieren. Ein Entscheiden hier muss, zwingend, die betroffenen Institutionen besser einbeziehen, um einen transparenten Einblick in die Problemfelder zu erhalten und hier gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die nicht nur sinnvoll, sondern auch zukunftsträchtig sind.

Nur so kann ein Herumreißen des Ruders in diesem Sektor noch stattfinden, nur so kann die pädagogische Arbeit im frühkindlichen Alter wieder attraktiv gestaltet werden, um Bewerber:innen anzuziehen und qualifizierte Fachkräfte zu halten. Nur so lässt sich eine erfolgreiche Bildung umsetzen, die alle dringend benötigten Kompetenzen in unseren Kindern verankern kann, die sie im späteren Erwachsenenalter umsetzen müssen.

Wir hoffen auf einen gemeinsamen Konsens in diesem Rahmen, damit wir mit sicherem, gefestigten Blick in eine Zukunft schauen können, die Bildungschancen nicht nur predigt, sondern auch (er)lebt.


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“Frühkindliche Bildungspolitik ist Investitionspolitik”

Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus. Vielmehr erwarten wir eine echte Verantwortungsübernahme. Während frühkindliche Institutionen sich vor Problemfeldern kaum retten können, schafft der Berliner Senat es bisher immer wieder, diese zu übergehen und andere Themen zu priorisieren.

“Die Förderung zur Entwicklung von Kompetenzen, die wir heute ignorieren und aufschieben, sind Defizite, die sich irgendwann nicht nur privat, im Leben und den Zukunftschancen der individuellen Kinder bemerkbar machen, sondern eben auch, unvermeidlich; gesellschaftlich.”

Ein Interview mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK

Herr Békési, als Geschäftsführer des VKMK sind Sie mit beiden Seiten regelmäßig im Austausch; der politischen und der betroffenen Seite, in dem Fall: den Kindertagesstätten in Berlin. Wo sehen Sie die größte Diskrepanz in der Kommunikation?

Lars Békési: Gesagtes bzw. Versprochenes und die tatsächliche Umsetzung dessen sind oftmals nicht übereinstimmend. Im Gegenteil; große Missstände werden regelmäßig thematisch übergangen, in Sitzungen sogar übersprungen - und, wenn sie doch als Diskussionspunkt auf dem Tisch landen, dann oftmals im Zuge einer bevorstehenden Wahlkampagne. Das klingt auf den ersten Blick wunderbar, wirkt beinahe hoffnungserregend. Doch dann streichen die Wochen und Monate ins Land und allen wird wieder einmal bewusst, dass hinter den schönen Worten leider keinerlei Absichten zu Taten standen.

Die Politik überspringt die Kitas immer wieder und legt den Fokus größtenteils erst im Schulalter an, was ein absolut fataler Gedankenfehler ist. “

Bei der Verteilung der Haushaltsgelder wurden die Kitaträger kaum bis gar nicht thematisiert. Wie haben Sie und die Kita-Träger darauf reagiert?

Lars Békési: Es war in vielerlei Hinsichten eine herbe Enttäuschung. Die Tatsache, dass die Kita-Träger nicht einmal mehr ausführlich besprochen und bedacht wurden, war für uns erschreckend. Es wirkte wie eine Selbstverständlichkeit, dass hier keinerlei Unterstützung stattfinden wird. So selbstverständlich, dass es nicht einmal mehr eines offenen Gesprächs bedarf. Während die Koalitionsrunde vom 19.09 noch Hoffnung auf Hilfe schürte, gingen die Kitaträger in der Diskussion um die Haushaltsgelder leer aus. Wissend, dass sie den finanziellen Belastungen bereits vor der starken Inflation kaum gewachsen waren.

Die Politik überspringt die Kitas immer wieder und legt den Fokus größtenteils erst im Schulalter an, was ein absolut fataler Gedankenfehler ist. Anstelle hier eine gleichmäßige Verteilung und Gewichtung anzustreben, gibt es hier deutliche Diskrepanzen. Denn, während die Kitaträger beispielsweise in leere Töpfe blicken, ohne Aussicht auf Hilfe, erhalten Schulen auch einmal Ad-Hoc-Finanzierungen im mehrstelligen Millionen-Bereich.

Sie denken hier vermutlich an die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark in Pankow, für die Frau Giffey 40 Millionen Euro veranlasst hat?

Lars Békési: Richtig. Verstehen Sie mich hier nicht falsch; es ist natürlich sinnvoll, dass die regierende Bürgermeisterin Berlins, gemeinsam mit ihrer Fachsenatorin, das Gespräch wahrgenommen hat und persönlich am Gymnasium in Pankow erschienen ist und es ist ebenfalls beruhigend, dass sie den Zustand des Gebäudes als ebenso unzumutbar empfunden hat, wie die Lehrkräfte, Kinder und Jugendlichen. Die finanzielle Hilfestellung, die dem Gymnasium in Pankow zugesichert wurde, ist wichtig, richtig und längst überfällig gewesen. Nur sollte die helfende Hand nicht nur dort agieren, wo am lautesten gebrüllt wird, wissend, dass diverse Institutionen auf ebenso angesetzte Hilfestellungen zwingend und dringend angewiesen sind. Gerade, wenn die wirtschaftliche Lage absolutes Abwägen veranlasst, was die Verteilung von Finanzierungen betrifft, sollte man Ad-Hoc-Entscheidungen tunlichst vermeiden. Der Aufschrei nach einer Beseitigung des unwürdigen Zustandes in Pankow war absolut nicht neu. Er ist nun nur eben unüberhörbar laut geworden. Für die Zukunft gilt es zu vermeiden; Entscheidungen so lange aufzuschieben, bis sie zu politischen Spontan-Reaktionen zwingen, die nicht durchdacht scheinen, in Anbetracht des Gesamtkontextes. 

Das Hauptproblem ist eine deutliche Unterfinanzierung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus.”

Vor welcher Problematik stehen die Kitaträger momentan denn insbesondere?

Lars Békési: Würden wir nun anfangen aufzuzählen, wo die Folgen des Totsparens bereits so gravierend sind, dass man nicht mehr von Handlungsbedarf, sondern viel eher von Notstand sprechen müsste, wären wir vermutlich vor dem Morgengrauen kaum fertig. Das Hauptproblem ist eine deutliche Unterfinanzierung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus.

Angefangen beim Frühstückstisch: Kitas müssen sich die Frage stellen, wie man mangels vernünftiger Finanzierung hier überhaupt noch Qualität versprechen kann. Dass alle Kinder satt werden müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. Nur wie viel Qualität ist hier gleichzeitig noch umsetzbar, bei derart geringen finanziellen Mitteln und derart hohen Mehrkosten? 

Und während die UNESCO Kommission, bei der Weltkonferenz (14. - 16. November 2022) lautstark die Wichtigkeit frühkindlicher Bildung unterstrichen hat und bis 2030 allen Kindern den Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung sichern möchte, blickt man in Berlin in leere Gesichter, bei der immer wieder auftauchenden Frage: "Wann werden die für sprachliche Bildung im frühkindlichen Alter angesetzten 13,4 Millionen Euro überführt, die der Bund bisher jährlich in seiner Regelfinanzierung gestellt hat?"

Anstelle des wissenschaftlich empfohlenen Fachkraft-Kind-Schlüssels von 1 zu 3, müssen die Kita-Teams seit langem in den Kindertagesstätten jeweils 10-12 Kinder, oder mehr, gleichzeitig betreuen und dabei zugleich die individuelle Kompetenzförderung für jedes einzelne Kind abbilden, bei einer öffentlichen Wertschätzung und einem Gehalt, die/das ihren mannigfachen Bildungsaufgaben oft kaum im Ansatz gerecht wird. Ein Abgang von gut ausgebildeten Fachkräften, den wir seit Jahren beobachten müssen, ist also absolut keine Zufälligkeit sondern eine Reaktion auf die Arbeitssituation, die ohnehin schon unzureichend war, aufgrund von Covid, stetig steigenden Verwaltungsaufgaben, sowie Mehr-Ausfällen aber zu einem Ding der Unzumutbarkeit geworden ist. Die körperliche und seelische Überlastung der Fachkräfte hat als natürliche Konsequenz zu einem Abwandern der Beschäftigten geführt, was eine zusätzliche Mehrbelastung durch den Personalmangel nur verstärken wird. Dies sind nur einige Beispiele, von vielen, die verdeutlichen, wie gravierend die aktuelle Lage ist und welche Folgen diese Unterfinanzierung mit sich bringt.

Der Grundbaustein für Kompetenzen wird nun einmal im frühkindlichen Alter gelegt. Genau dort, wo momentan ein rigoroses Ignorieren und Abbauen stattfindet.”

Welche Folgen machen Ihnen hier die größten Sorgen?

Lars Békési: Kurz gesagt: Die fatale Unterschätzung von frühkindlicher Bildung und die möglichen Konsequenzen dessen für die Zukunft.  Die Kernkompetenzen eines Menschen werden im Altersabschnitt zwischen 0 und 6 Jahren gelegt. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern ein wissenschaftliches Gut, das der Gesellschaft seit Jahrzehnten zur Verfügung steht. 

Wir alle kennen den Spruch: “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr”. In diesem Fall sprechen wir nicht von Manieren oder diversen Kleinigkeiten, sondern sprachlichen Fähigkeiten, kognitiven Herangehensweisen, strukturiertem Arbeiten, Förderung von Stärken und Bearbeiten von Defiziten. In Kitas werden die Grundlagen gelegt, für eine erfolgreiche Zukunft der Kinder. Und, wovor viele erfolgreich die Augen verschließen; diese Kinder werden irgendwann die wirtschaftlichen Stützpfeiler unserer Gesellschaft, wenn sie herangewachsen und im Berufsleben angekommen sind. 

Die Förderung zur Entwicklung von Kompetenzen, die wir heute ignorieren und aufschieben, sind dann Defizite, die sich irgendwann nicht nur privat, im Leben und den Zukunftschancen der individuellen Kinder bemerkbar machen, sondern eben auch, unvermeidlich; gesellschaftlich. 

“Es ist unverständlich, wie diese Situation beinahe schulterzuckend hingenommen werden kann.”

An welche Auswirkungen denken Sie hier?

Lars Békési: Auch hier gilt abermals, dass sämtliche Punkte wohl den Rahmen unseres Gespräches sprengen würden. Wie bereits gesagt; die chronische Unterfinanzierung der Kitas ist das Hauptproblem und dessen Symptomatiken streuen in etliche Bereiche. Überbelastung und nicht ausreichende Entlohnung führen bereits seit Jahren zu einem stetigen Abgang von qualifizierten Fachkräften.

Die Tendenz hier ist weiterhin abnehmend. Die Verantwortlichkeiten bleiben natürlich bestehen, aber aufgrund der aktuellen Lage müssen sie unter weniger Fachkräften aufgeteilt werden. Überbelastung führt zu Mehr-Ausfällen, was wiederum zu weiterer Überlastung führt. Wenn die Bedingungen eines Berufes so strukturiert sind, dass selbst darauf spezialisierte Fachkräfte freiwillig das Feld verlassen, ist das selbstverständlich auch keine Grundlage, um neue Fachkräfte mit den richtigen Kompetenzen anzuwerben und langfristig zu binden. Wir befinden uns bereits in einer Spirale nach unten und am Grund warten drastische Konsequenzen auf uns: Einbruch der Qualität von Verpflegung und Bildung, sowie verkürzte Öffnungszeiten oder deutlich weniger Angebot, an die vielen Familien, die verzweifelt darauf angewiesen sind.

Es ist unverständlich, wie diese Situation beinahe schulterzuckend hingenommen werden kann. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften ist enorm. Diese Fachkräfte sind jedoch zuständig für das Übermitteln und Fördern von essentiellen Kernkompetenzen in den Kindern. Die Grundbausteine für einen erfolgreichen Werdegang können somit oftmals nicht mehr ausreichend gelegt und das birgt natürlich Konsequenzen, die irgendwann auch gesellschaftlich spürbar werden.

Ignorierte Defizite bei Sprache und Bildung verbauen Kindern Zukunftschancen für erfolgreiche und gut qualifizierte Jobs, insbesondere auch im Handwerk oder in den Feldern der Zukunftstechnologien. Diese Berufe sind natürlich nicht nur von Vorteil für die heranwachsenden Kinder selbst, sondern auch auf Landesebene essentiell. Qualifizierte und gebildete Menschen sichern nun einmal, landesweit, eine erfolgreiche Zukunfts-Perspektive.  

“Bildungschancen sollten für alle Kinder gegeben sein, um Zukunftsperspektiven zu sichern.”

Der Grundbaustein für die entsprechenden Kompetenzen wird aber nun einmal im frühkindlichen Alter gelegt. Genau dort, wo momentan ein rigoroses Ignorieren und Abbauen stattfindet. Ein erfolgreiches Überkommen der fehlenden Kompetenzen ist für die heranwachsenden Kinder natürlich nicht unmöglich, aber durchaus schwieriger und unwahrscheinlicher, als bei jenen, die hier individuelle Förderung und Hilfestellungen erhalten haben und auf einem guten Fundament aufbauen und wachsen können. Kinder, die keinerlei zusätzliche Bildungsförderung im privaten Rahmen erhalten können, sei es, weil beide Eltern berufstätig sind oder eine Förderung schlicht nicht im Rahmen der privaten Finanzierungsmöglichkeiten liegt, sehen sich hier nicht nur schlechten Startchancen gegenüberstehen, sondern fallen in den darauffolgenden Jahren oftmals immer weiter nach hinten, bis die Kluft nicht mehr überbrückbar ist. Eine erfolgreiche schulische Bildung ist und war noch nie Zufall und sollte niemals abhängig vom finanziellen Rahmen der Eltern sein.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, hier Diskrepanzen bereits im frühkindlichen Alter mehr oder weniger hinnehmen zu müssen.”

Bildungschancen sollten für alle Kinder gegeben sein, um Zukunftsperspektiven zu sichern. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, hier Diskrepanzen bereits im frühkindlichen Alter mehr oder weniger hinnehmen zu müssen, da der finanzielle Rahmen keine Alternativen für Förderungen bietet. Alles, ohne Aussicht auf Besserung, seitens der Politik.

Was wünschen Sie sich hier von Seiten der Politik, um dieser Problematik entgegenzuwirken?

Lars Békési: Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus. Vielmehr erwarten wir eine echte Verantwortungsübernahme. Während frühkindliche Institutionen sich vor Problemfeldern kaum retten können, schafft der Berliner Senat es bisher immer wieder, diese zu übergehen und andere Themen zu priorisieren. Man ist weit entfernt von irgendwelchen Lösungsansätzen, wenn man sich noch in der Frage um die bloße Existenz der Probleme befindet. Ein offenes Anerkennen der Problematik(en) wäre hier der erste Schritt, um konstruktive Diskussionen und Lösungsansätze überhaupt bedenken zu können. Ein regelmäßiger Austausch mit allen Kita-Trägern ist hier unvermeidbar und würde Klarheit für alle Parteien schaffen können.

Es grenzt hier schon an eine organisierte Verantwortungslosigkeit.”

Weiter brauchen wir: tatsächliche Umsetzungen. Schöne Worte bringen in aktuellen Notständen und Krisensituationen absolut gar nichts. Hierzu ist es wichtig, dass die Verantwortlichkeiten nicht immer wieder hin und her gereicht werden, je nachdem, in welchem Licht sich die Parteien im Rahmen diverser Wahlkampagnen präsentieren möchten, bis es zu unumgehbaren Problematiken kommt. Es grenzt hier schon an eine organisierte Verantwortungslosigkeit, die selbstverständlich drastische Konsequenzen mit sich bringt, die heute bereits nicht mehr diskutierbar sind und für die Zukunft fatale Problematiken bereithalten. Der Fokus des Senates scheint leider nur auf politisch gewinnbringenden Maßnahmen zu liegen, nicht aber auf den richtigen Bausteinen, um aktuelle Probleme zu beheben und schon gar nicht auf den notwendigen Schritten für langfristige, erfolgreiche Resultate. 

Gerade bei den großen Krisen der heutigen Zeit, die viele wirtschaftliche Fragezeichen mit sich bringen; bedarf es hier deutlich mehr Durchleuchtung und ebenso mehr Handlungen mit Blick in die Zukunft und Einbezug des Gesamtkontextes, damit es nicht mehr zu Ad-Hoc-Aktionen im Rahmen der finanziellen Förderung, wie in Pankow, kommen muss, sondern vielmehr zu gut durchdachten Lösungswegen, die mehr als nur eine Institution mit einbeziehen.

Kurzum: Wir erwarten als Erstes, dass die Dringlichkeit des aktuellen, mehrfachen Notstandes anerkannt wird, um hier Problematiken der Zukunft zu vermeiden. Als zweites erwarten wir, dass die Unterfinanzierung, bzw. die Politik der “reinen Behandlung von Symptomen”, beendet wird. Wir müssen das Kernproblem endlich ernst nehmen und behandeln. Frühkindliche Bildungspolitik ist das Fundament der Investitionspolitik. Eine Investition in die Kinder ist eine Investition in die Zukunft und die wirtschaftliche Ausgangslage, die eng mit ihnen verwoben sein wird.





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Unser Geschäftsführer im Abendschau-Interview (RBB)

VKMK-Geschäftsführer Lars Békési fordert im RBB-Abendschau-Interview eine schnelle und einheitliche Bearbeitung von Kita-Neugründungen in Berlin.

Am vergangenen Sonnabend (21.9.19) konnte unser Geschäftsführer, Lars Békési, im Rahmen der RBB- Abendschau den VKMK einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. In einem kurzen Interview legte er dem Moderator dar, welche Probleme und Schwierigkeiten es bei einer Kita-Gründung im Land Berlin gibt. 

Nach dem Beitrag über eine private Kitagründung im Wedding stieg Moderator Volker Wieprecht direkt mit der Frage ein, was Kita-Gründer denn in Berlin zu erwarten haben. Lars Békési erläuterte, dass der Marathon zum Einsammeln der „acht Stempel“ nur ein Hindernis auf dem langen Weg zur eigenen Kita ist. Die andere Herausforderung besteht darin, das „kleine Goldstück“, den Erzieher*in zu finden.

Ruhig und verständlich erklärte Lars Békési auch Unworte, wie zum Beispiel die „Gestehungskostenanalyse“. Diese vom Senat in Auftrag gegebene Befragung der Träger in Berlin zur realen Kostensituation ergab die traurige Wahrheit einer 30-prozentigen Unterfinanzierung der kleinen und mittelgroßen Kitas in Berlin.

Und damit kam es zum Kern der Sache, dem Recht auf einen kostenfreien Kitaplatz. Hier gab unser Geschäftsführer zu bedenken, dass „gratis“ nicht mit „umsonst“ und „umsonst“ nicht notwendigerweise mit „gut“ gleichzusetzen sei. Im Mittelpunkt stehen dabei unsere Kinder, ihren „Chancennachteil“ gegenüber anderen Bundesländern gilt es zu überwinden. Dieses muss entweder über eine 100% Finanzierung durch das Land oder durch Elternbeiträge erfolgen, sonst wird keine Qualität und Vielfalt geben, so Lars Békési.

Jetzt RBB-Beitrag und Interview ansehen.

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