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Kita-Finanzierung: RVTag schafft keine Entlastung – Berliner Kitas müssen weiterhin am Limit operieren

Der VKMK – Der Kitaverband bewertet den Abschluss der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung der Berliner Kitas zurückhaltend. 

Der VKMK – Der Kitaverband bewertet den Abschluss der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung der Berliner Kitas zurückhaltend. 

Die mehrstufige Anpassung der Sachkostenpauschale gleicht lediglich Teile des aktuellen Kostenniveaus aus. Künftige Kostensteigerungen, etwa bei Mieten, Nebenkosten und Instandhaltung, werden dadurch nicht refinanziert.

„Das Kita-System funktioniert noch, wobei bereits rund 2.000 Plätze durch Insolvenzen einzelner Träger verloren gegangen sind und weitere etwa 2.500 Plätze derzeit von einer Schließung bedroht sind. Die weiterhin geöffneten Einrichtungen operieren ohne nennenswerte finanzielle Reserven“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.

Hinzu kommt die demografische Entwicklung: Die kindbezogene Finanzierung trifft auf sinkende Geburtenzahlen. Békési: „Weniger Kinder bedeuten für Träger geringere Einnahmen bei gleichbleibenden Fixkosten“

Das RVTag-Ergebnis ist gegenwärtig weder eindeutig positiv noch negativ.  „Die Finanzierung bleibt weiterhin eine wesentliche Herausforderung, auf die Träger ihre Planung ausrichten müssen“, betont Békési abschließend.

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KitaFöG-Entwurf: Kitaverband VKMK empfiehlt gezielte Nachbesserungen für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit

Aktuell wird im Rahmen eines vorparlamentarischen und parlamentarischen Verfahrens das Gesetz zur Förderung von Kindern in Kindertagesstätten und Kindertagespflege (KitaFöG) überarbeitet. Ziel der Anpassung ist eine Implementierung des Kita-Chancenjahres (in das KitaFöG), welches besonders sprach-förderbedürftige Kinder besser in das Berliner Kita-System integrieren soll. Der entsprechende Entwurf liegt dem Kitaverband VKMK bereits vor und wurde verbandsintern bewertet. Aus Sicht des Verbandes stellt dieser einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar - bleibt stellenweise jedoch lückenhaft.

Aktuell wird im Rahmen eines vorparlamentarischen und parlamentarischen Verfahrens das Gesetz zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege (KitaFöG) überarbeitet. Ziel der Anpassung ist eine Implementierung des Kita-Chancenjahres (in das KitaFöG), welches besonders sprach-förderbedürftige Kinder besser in das Berliner Kita-System integrieren soll. Der entsprechende Entwurf liegt dem Kitaverband VKMK bereits vor und wurde verbandsintern bewertet. Aus Sicht des Verbandes stellt dieser einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar - bleibt stellenweise jedoch lückenhaft.

Ein Element des Entwurfs stellt die Neufassung des §13 KitaFöG dar, der die Vertragspartner für die verbindlichen Vereinbarungen über die Qualitätssicherung und Finanzierung der Tageseinrichtungen neu definiert. Neben “den Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege und dem Dachverband der Kinder- und Schülerläden” dürfen künftig auch weitere Verbände teilnehmen - sofern sie Träger der freien Jugendhilfe im Umfang von mindestens 10.000 Plätzen vertreten und seit mindestens zehn Jahren in Berlin tätig sind. 

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMKs, begrüßt diese Anpassung grundsätzlich: „Erstmals wird der bislang exklusive Kreis gesetzlich geöffnet – ein entscheidender Schritt zur Anerkennung langjähriger Forderungen des VKMK nach breiterer Teilhabe, einer pluralistischen Trägerlandschaft und mehr Finanzierungsgerechtigkeit.“  Gleichzeitig äußert er Kritik: „Die Hürde für eine Beteiligung ist mit 10.000 Plätzen und zehn Jahren Tätigkeit äußerst hoch. Für kleinere, spezialisierte Trägerverbände bleibt sie faktisch unüberwindbar, was die Zugangskriterien weiterhin exklusiv macht. Besonders problematisch ist die explizite Nennung eines einzelnen Verbandes – eine nicht nachvollziehbare Privilegierung, die aus Gründen der Neutralität des Gesetzgebers und des Gleichbehandlungsgrundsatzes gestrichen werden muss.

Kritisch zu bewerten ist in der Novelle zum KitaFöG zudem, dass mit der geplanten Einführung des sogenannten Partizipationszuschlags künftig ausschließlich der Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT) als Kriterium für Sprachförderung gilt. Lars Békési mahnt: „Diese Regelung greift zu kurz und birgt die Gefahr struktureller Diskriminierung. Kinder mit Sprachförderbedarf und nicht-deutscher Herkunft, die keinen BuT-Anspruch haben, werden von der notwendigen Förderung ausgeschlossen.“

Er warnt weiter: „Unterschiedliche Förderbedarfe werden gegeneinander ausgespielt, anstatt jedem Kind eine chancengerechte Förderung entsprechend seines individuellen Bedarfs zu gewährleisten. Deshalb muss im weiteren parlamentarischen Prozess dringend eine geeignete Überarbeitung im Bereich des angedachten Partizipationszuschlages erfolgen.

Die vom Senat angekündigte kostenneutrale Umsetzung des Partizipationszuschlags erscheint vor dem Hintergrund kontinuierlich steigender Förderbedarfe ebenfalls fragwürdig. Békési macht klar: „Bleibt die Finanzierung trotz wachsender Bedarfe unverändert, bedeutet das Sparen auf Kosten der Kinder und ihrer Chancengerechtigkeit.“ Der VKMK hat den Berliner Senat bereits mehrfach auf diese Problematik hingewiesen, doch entsprechende Empfehlungen finden sich im aktuellen Entwurf nicht wieder.

Ein weiterer Punkt in der Neufassung betrifft die Verbesserung des Personalschlüssels im U3-Bereich - ein grundsätzlich richtiger Schritt hin zu besseren Bildungs- und Betreuungsbedingungen und einer Entlastung des Fachpersonals. Allerdings greift auch dieser Ansatz zu kurz: Die eigentliche Mehrbelastung liegt derzeit vor allem im Ü3-Bereich - etwa durch die längere Verweildauer der Kinder sowie durch den deutlichen Anstieg unterschiedlicher Förderbedarfen. In einem nächsten Schritt sollte daher auch der Ü3-Bereich in den Blick genommen und der Personalschlüssel entsprechend angepasst werden. 

Der Entwurf stellt eine solide Grundlage für den weiteren parlamentarischen Prozess dar. Dennoch sind Nachbesserungen und die Konkretisierung einzelner Punkte erforderlich, um verbleibende Lücken zu schließen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass im weiteren Verlauf entsprechende Optimierungen erfolgen - sodass eine gerechte, inklusive und vielfältige Kita-Landschaft nachhaltig gewahrt und widergespiegelt wird.

Zur vollständigen Stellungnahme des VKMKs zum Gesetz zur Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften

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Essen für die Psyche: Wie Ernährung das Wohlbefinden von Kindern beeinflusst

Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung die Ergebnisse einer Umfrage, nach welcher in Niedersachsen jedes vierte Kind in der Kita auffälliges Verhalten aufzeigt. Eine Entwicklung, die nicht nur auf Niedersachsen begrenzt ist, sondern von welcher pädagogische Fachkräfte bundesweit berichten. Auch verschiedene Studien belegen, dass psychische sowie sozio-emotionale Auffälligkeiten bei Kindern seit einigen Jahren zunehmen.

Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung die Ergebnisse einer Umfrage, nach welcher in Niedersachsen jedes vierte Kind in der Kita auffälliges Verhalten aufzeigt. Eine Entwicklung, die nicht nur auf Niedersachsen begrenzt ist, sondern von welcher pädagogische Fachkräfte bundesweit berichten. Auch verschiedene Studien belegen, dass psychische sowie sozio-emotionale Auffälligkeiten bei Kindern seit einigen Jahren zunehmen. Die Ursachen hierfür sind multifaktoriell. Oft wird es in Verbindung mit dem Lockdown während Corona gebracht. Der zunehmend hohe Medienkonsum unter Kindern sowie schwierige Familiendynamiken werden ebenfalls häufig als mögliche Ursache genannt. Doch warum thematisieren wir das alles am Tag der gesunden Ernährung? 

Der Einfluss von Ernährung auf die psychische Gesundheit bei Kindern

Dass gesunde Ernährung einen direkten Einfluss auf die physische Verfassung hat, ist kein Geheimnis und allgemein bekannt. Nun zeigen auch immer mehr wissenschaftliche Studien, wie stark unsere psychische Gesundheit und unser allgemeines Wohlbefinden ebenfalls davon abhängen, was wir täglich zu uns nehmen. Dem wollen wir heute etwas genauer auf den Grund gehen und herausfinden, weshalb es umso wichtiger ist, bereits in der frühkindlichen Bildung gesunde Essgewohnheiten zu fördern und Kindern in der Kita Zugang zu gesunden und ausgewogenen Mahlzeiten zu ermöglichen. 

Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns verschiedene Studien etwas genauer angeschaut. Darunter auch eine Studie der University of East Anglia. In altersgerechten Tests sollten Kinder angeben, wie fröhlich und entspannt sie sich fühlen und wie es um ihre zwischenmenschlichen Beziehungen steht. Dies wurde dann in Verbindung mit ihren Essgewohnheiten gesetzt. Das Ergebnis: Kinder, die sich gesund ernähren und viel Obst und Gemüse zu sich aufnehmen, fühlen sich psychisch deutlich wohler. Besonders ein vollwertiges Frühstück und Mittagessen zeigen sehr positive Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden, während umgekehrt ungesunde Alternativen und ausgelassene Mahlzeiten dem Wohlbefinden schaden.

Diese Studie ist natürlich relativ allgemein gehalten, weshalb wir uns gefragt haben, wie es denn aussieht, wenn wir uns auf ganz spezifische Verhaltensauffälligkeiten konzentrieren? Zum Beispiel auf ADHS.

Die Rolle der Darmflora bei ADHS

Darauf geben uns zahlreiche Studien eine Antwort, unter anderem eine Untersuchung der Wageningen Universität in den Niederlanden. In dieser Studie fand man heraus, dass bei 60 % der teilnehmenden Kinder durch eine Ernährungsumstellung auf gesunde, unbedenkliche Lebensmittel wie Reis, Putenfleisch und verschiedenes Gemüse die ADHS-Symptome innerhalb von nur fünf Wochen um mindestens 40 % zurückgingen. Die Verhaltensänderungen wurden dabei nicht nur subjektiv beobachtet, sondern spiegelten sich auch in Gehirnscans wider. 

Aber wie kann es sein, dass allein die Ernährung zu einem solchen Ergebnis geführt hat? Das liegt sehr wahrscheinlich an der Kommunikation zwischen unserem Darm und unserem Gehirn, wie verschiedene Forscher:innen herausgefunden haben. Darm und Hirn kommunizieren nämlich über Nervenbahnen miteinander, der sogenannten Darm-Hirn-Achse, und beeinflussen sich dadurch wechselseitig. 

Eine Studie, die im Fachblatt Journal of Child Psychology and Psychiatry veröffentlicht wurde, hat auf dieser Basis einen Zusammenhang zwischen der Darmflora und ADHS bei Kindern hergestellt. In der Studie wurden die Stuhlproben von 35 Kindern mit ADHS und 35 Kindern ohne ADHS untersucht, wobei deutliche Unterschiede in der Vielfalt der Darmbakterien festgestellt wurden. Kinder mit ADHS wiesen insgesamt eine geringere Diversität der Darmflora auf, insbesondere fehlten gesundheitsfördernde Bakterien häufiger. Auffällig war vor allem die reduzierte Präsenz eines spezifischen Bakterienstamms mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Ein Mangel an diesem Bakterium könnte die Darmbarriere schwächen und möglicherweise zu einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms führen, was wiederum das zentrale Nervensystem beeinflussen könnte. Ähnliches fand auch eine Studie der Universität Florida und der Linköping Universität in Schweden heraus, in welcher die Forscher:innen einen Zusammenhang zwischen Störungen der Darmflora in jungen Jahren und einer späteren Diagnose von neuroentwicklungsbedingter Störung wie ADHS oder Autismus herausstellen konnten. 

Mit Obst und Gemüse gegen depressive Symptome

Damit wird deutlich, dass die Ernährung insbesondere in jungen Jahren Einfluss auf die Entwicklung und die psychische Gesundheit hat. Nicht nur bezogen auf ADHS, sondern offensichtlich auch auf Autismus. Doch auch bezogen auf das Risiko, depressive Symptome zu entwickeln, weisen viele Wissenschaftler:innen auf den Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und einer reduzierten Zahl entzündungshemmender Bakterien hin. So auch in einer kürzlich veröffentlichten Studie, in der über einen Zeitraum von 11 Jahren 3.483 Zwillinge begleitet wurden, um genetische oder ökologische Verzerrungen ausschließen zu können. Die Ergebnisse zeigen, dass eine geringe Aufnahme von Obst und Gemüse ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome mit sich bringt, während ein hoher Verzehr diese reduziert. 

Gesunde Ernährung ist wichtig, sowohl für die physische als auch die psychische Entwicklung der Kinder. Sie trägt dazu bei, das Risiko für Auffälligkeiten wie ADHS, Autismus und Depressionen zu reduzieren sowie Symptome zu verringern. Kitas spielen hierbei eine wesentliche Rolle: Sie fördern bereits in jungen Jahren gesunde Ernährungsgewohnheiten und bieten allen Kindern - unabhängig vom sozialen Status - Zugang zu ausgewogenen Mahlzeiten, ganz im Sinne der Chancengleichheit. Damit leisten sie einen bedeutenden Beitrag zur Prävention von psychischen und physischen Gesundheitsproblemen, die langfristig sowohl die Kinder als auch ihre Familien und das Gesundheitssystem entlasten können. Das bedeutet aber auch, dass Kitas von der Politik in die Lage versetzt werden müssen, dies im vollen Umfange gewährleisten zu können. Nur mit einer ausreichenden finanziellen Förderung kann sichergestellt werden, dass alle Kinder von gesunder Ernährung profitieren. Aktuell ist die Pauschale in Berlin, mit welcher die Kitas das Essen finanzieren, leider viel zu knapp bemessen. Pro Tag und Kind stehen lediglich 3,82 Euro zur Verfügung – ein Betrag, der für eine gesunde und ausgewogene Mahlzeit viel zu niedrig ist. Die Mitglieder des VKMK sorgen dennoch täglich für gesundes Essen in den Kitas, doch das bedeutet wiederum, dass finanzielle Mittel dann an anderer Stelle fehlen. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Aspekt in der aktuellen Verhandlung zur Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen in angemessenem Maße berücksichtigt und angepasst wird. 

Quellen:

Angelica P. Ahrens, Tuulia Hyötyläinen, Joseph R. Petrone, Kajsa Igelström, Christian D. George, Timothy J. Garrett, Matej Orešič, Eric W. Triplett and Johnny Ludvigsson. (2024). Cell, published online April 3, 2024. Doi: 10.1016/j.cell.2024.02.035

Hayhoe, R., Rechel, B., Clark, A. B., Gummerson, C., Smith, S. J. L. & Welch, A. A. (2021). Cross-sectional associations of schoolchildren’s fruit and vegetable consumption, and meal choices, with their mental well-being: a cross-sectional study. BMJ Nutrition Prevention & Health, 4(2), 447–462. https://doi.org/10.1136/bmjnph-2020-000205

Hontelez, S., Stobernack, T., Pelsser, L. M., Van Baarlen, P., Frankena, K., Groefsema, M. M., Kleerebezem, M., Pereira, R. R., Postma, E. M., Smeets, P. A. M., Stopyra, M. A., Zwiers, M. P. & Aarts, E. (2021). Correlation between brain function and ADHD symptom changes in children with ADHD following a few-foods diet: an open-label intervention trial. Scientific Reports, 11(1). https://doi.org/10.1038/s41598-021-01684-7

Matison, A. P., Thalamuthu, A., Flood, V. M., Catts, V. S., Christensen, K., Nygaard, M., Pedersen, N. L., Sachdev, P. S., Reppermund, S. & Mather, K. A. (2024). Longitudinal associations between fruit and vegetable intakes and depressive symptoms in middle-aged and older adults from four international twin cohorts. Scientific Reports, 14(1). https://doi.org/10.1038/s41598-024-79963-2

Valles-Colomer, M., Falony, G., Darzi, Y., Tigchelaar, E. F., Wang, J., Tito, R. Y., Schiweck, C., Kurilshikov, A., Joossens, M., Wijmenga, C., Claes, S., Van Oudenhove, L., Zhernakova, A., Vieira-Silva, S. & Raes, J. (2019). The neuroactive potential of the human gut microbiota in quality of life and depression. Nature Microbiology, 4(4), 623–632. https://doi.org/10.1038/s41564-018-0337-x

Wang, L., Li, S., Yeh, Y., Lee, S., Kuo, H. & Yang, C. (2023). Gut mycobiome dysbiosis and its impact on intestinal permeability in attention‐deficit/hyperactivity disorder. Journal Of Child Psychology And Psychiatry, 64(9), 1280–1291. https://doi.org/10.1111/jcpp.13779

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Kita-Mieten steigen unaufhaltsam, Sachkostenpauschale bleibt zurück: VKMK fordert dringende Anpassung zur Entlastung der Kita-Träger

Seit Jahren warnt der Kitaverband VKMK eindringlich vor drastischen Folgen der unzureichenden Finanzierung der Mietkosten für Kita-Träger durch die Sachkostenpauschale des Landes Berlin –  und seit Jahren wird dies ignoriert. Während die Mietpreise kontinuierlich steigen, hinkt die Sachkostenpauschale weit hinter dieser Entwicklung her, zu Lasten der gemeinnützigen Kita-Träger.

Seit Jahren warnt der Kitaverband VKMK eindringlich vor drastischen Folgen der unzureichenden Finanzierung der Mietkosten für Kita-Träger durch die Sachkostenpauschale des Landes Berlin –  und seit Jahren wird dies ignoriert. Während die Mietpreise kontinuierlich steigen, hinkt die Sachkostenpauschale weit hinter dieser Entwicklung her, zu Lasten der gemeinnützigen Kita-Träger.

„Aktuell sind in der Pauschale wohl knapp 6,50 Euro pro Quadratmeter veranschlagt“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK. „Angesichts der Mietpreisentwicklung ist dieser Betrag bereits seit langem vollkommen unzureichend.” Eine aktuelle Auswertung des Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmensverbands (BBU) zeigt, dass die Neuvertragsmieten bei den BBU-Mitgliedsunternehmen im Zeitraum von Juni 2023 bis Juni 2024 um 7% auf durchschnittlich 8,59 Euro pro Quadratmeter gestiegen sind – 2 Euro mehr als Berliner Kitas pro Quadratmeter erstattet bekommen. Für Gewerbeflächen, wie sie Kitas benötigen, liegen die Mieten in Berlin bei Neuvertragsmieten sogar bei 29 Euro und mehr.

Eine vom VKMK-Der Kitaverband erneut durchgeführte Umfrage unter Mitgliedern bestätigt diese alarmierende Lage: „Unsere Kita-Träger zahlen im Schnitt 16,50 Euro pro Quadratmeter, in einigen Fällen sogar bis zu 27 Euro. Die Kluft zwischen Realität und Pauschale ist eklatant“, so Békési.

Noch prekärer wird die Situation in Anbetracht des Geburtenrückgangs und der geplanten Verbesserung des Personalschlüssels im U3-Bereich, da die Sachkosten direkt an die Kinderzahl gekoppelt sind. „Weniger Kinder bedeuten weniger Geld, bei gleichbleibenden Quadratmetern. Ob ein Raum belegt ist oder nicht- die Miete muss bezahlt werden. Unsere gemeinnützigen Kita-Träger haben keine finanziellen Reserven, um das weitere Jahre aufzufangen“, betont Békési.

Die laufenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung der Kitas in Berlin bietet jetzt die Chance, endlich diesen Missstand zu korrigieren. Der Senat muss die Realität endlich anerkennen und die Sachkostenpauschale anpassen. Kita-Träger dürfen nicht weiterhin die Zeche für steigende Kosten zahlen. Frühkindliche Bildung darf nicht zum finanziellen Risiko werden!“, fordert Békési eindringlich.

Auch auf Bundesebene könnten mit dem angekündigten 100 Mrd. EURO Sondervermögen für Infrastruktur könnten sich neue finanzielle positive Spielräume ergeben. „Wenn der Bund sich stärker engagiert und im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes dem Land Berlin zusätzliche Mittel bereitstellt, würde das nicht nur die Qualität der frühkindlichen Bildung steigern, sondern es ist nur die einzige Rechtfertigung für die Verlagerung der Finanzierungslasten auf die kommenden Generationen. Damit könnte Berlin auch endlich eine angemessene Sachkostenpauschale finanzieren, ohne andere Bereiche zu belasten.“, erklärt Békési.

Die Zeit drängt: Ohne eine schnelle und nachhaltige Anpassung der Sachkostenpauschale, droht eine massive Verschlechterung der Kita-Landschaft in Berlin. Qualität,Stabilität und Verlässlichkeit der frühkindlichen Bildung stehen auf dem Spiel.

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Dringender Appell für Bildungswende bleibt ungehört: Demonstration am internationalen Tag des Kindes kaum beachtet

Vergangenes Wochenende fanden in Berlin drei Demonstrationen statt. Während die Fahrraddemonstration zur Verkehrswende und die Proteste gegen die hohen Mietpreise umfassend medial begleitet wurden, blieb der Bildungsprotest unter dem Motto „Bildung braucht Demokratie!“ weitgehend unbeachtet.

Vergangenes Wochenende fanden in Berlin drei Demonstrationen statt. Während die Fahrraddemonstration zur Verkehrswende und die Proteste gegen die hohen Mietpreise umfassend medial begleitet wurden, blieb der Bildungsprotest unter dem Motto „Bildung braucht Demokratie!“ weitgehend unbeachtet.

Der Bildungsprotest der Initiative “Bildungswende JETZT!” fand am 01. Juni zum internationalen Tag des Kindes statt, um auf die dringende Notwendigkeit einer Bildungsreform aufmerksam zu machen, mit der allen Kindern ein chancengerechter Zugang zu hochwertiger Bildung ermöglicht werden kann. Etwa 3.000 Menschen nahmen an der Demonstration teil. 

Die Dringlichkeit dieser Forderungen wird durch besorgniserregende Zahlen deutlich: Jedes fünfte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet, während der Bedarf an sprachlicher Förderung bei über 80% der Nicht-Kita Kinder äußerst hoch ist. Zudem erfordert die Integration von Geflüchteten eine weitreichende Unterstützung durch chancengerechte Bildung, da 51% Schwierigkeiten beim Zugang zum Bildungssystem haben. Demnach ist es unerlässlich, eine umfassende und nachhaltige Bildungsreform zu initiieren, um sicherzustellen, dass diese vulnerable Bevölkerungsgruppen Zugang zur Bildung erhalten und nicht am Rand der Gesellschaft zurückgelassen werden.

Trotz des zeitlichen Abstands zum vergangenen Wochenende sind die Pädagog*innen und Mitglieder des Kitaverbands VKMK nach wie vor tief enttäuscht über die mangelnde Resonanz und die geringe Aufmerksamkeit, die den Kindern am internationalen Tag des Kindes zuteil wurde. Grit Nierich, Vorsitzende des Verbands und Geschäftsführerin des „Kleinen Fratz“, unterstreicht die essenzielle Bedeutung der frühkindlichen Bildung als unverzichtbares Fundament für eine stabile Gesellschaft: "In der Diskussion über gesellschaftliche Themen darf niemals vergessen werden, dass die frühkindliche Bildung das Grundgerüst für alles bildet."

Ebenso äußert sich Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betroffen über die geringe Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder an ihrem besonderen Tag: "Es ist bedauerlich, wie wenig Beachtung den Anliegen der Kinder und ihrer Bedürfnisse an ihrem besonderen Tag entgegengebracht wurde. Um den Weg für unsere Kinder in eine vielversprechende Zukunft zu ebnen, müssen wir sicherstellen, dass Bildung als höchste Priorität in unserer Gesellschaft verankert ist. Ohne eine hochwertige frühkindliche Bildung steht langfristig nicht nur der sozioökonomische Wohlstand, sondern auch die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft auf dem Spiel. In diesem Kontext werden Mieten und Verkehrspolitik zu sekundären Anliegen."

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10 Jahre VKMK – Fragen und Antworten an die Gründerin Frau Dr. Gabriela Pfändner-Morrice

Vor zehn Jahren gründete Frau Dr. Gabriela Pfändner-Morrice den Verband kleiner und mittelgroßer Kitaträger (VKMK), um eine starke Stimme für kleine und mittelgroße Träger der freien Jugendhilfe in Berlin zu schaffen. Im Interview spricht Frau Dr. Pfändner-Morrice über die Gründe für die Gründung, die Ziele und Visionen sowie die Entwicklungen und Erfolge des VKMK in den letzten zehn Jahren.

Vor zehn Jahren gründete Frau Dr. Gabriela Pfändner-Morrice den Verband kleiner und mittelgroßer Kitaträger (VKMK), um eine starke Stimme für kleine und mittelgroße Träger der freien Jugendhilfe in Berlin zu schaffen. In einem spannenden Interview gibt sie Einblicke in die Entstehungsgeschichte des VKMK, die Herausforderungen und Erfolge der letzten Dekade sowie ihre persönlichen Visionen für die Zukunft.

VKMK: Warum hast Du Dich vor 10 Jahren entschieden, den VKMK zu gründen?

Gabriela Pfändner-Morrice: Zunächst – wie kam es zu diesem Namen: Wir haben dem Verband diesen Namen gegeben nach dem Vorbild des Verbandes der KMU – der Vertretung kleiner und mittlerer Wirtschaftsunternehmen -, die bis zu 250 Mitarbeiter haben. Die Gründungshistorie des VKMK beginnt mit der Anregung der damaligen Ansprechpartnerin der GLS Bank, ein Netzwerk mit anderen kleinen und mittelgroßen Trägern der freien Jugendhilfe zu gründen zwecks Erfahrungsaustausch in Bezug auf Organisation, Verwaltung und Themen, die sich aus der RV-Tag und den Anforderungen des Senats ergaben. Dieses Netzwerk mit dem Namen NIKI gründete ich zusammen mit einigen anderen GLS Kunden dieses Bereichs bereits im Jahre 2011. Mit der Sozietät „Die Kitarechtler“, ebenfalls aus diesem Netzwerk, entstand dann die Idee zur Gründung eines Verbandes zur Vertretung der kleinen und mittleren Kitaträger. In meiner täglichen Arbeit war ich immer wieder darauf gestoßen, dass in Berlin eine Vertretung der kleinen und mittleren Träger der freien Jugendhilfe in Politik und der Verwaltung fehlte mit den entsprechenden Auswirkungen. Diese Betriebsgrößen im Kitabereich hatten bislang weder durch den DaKs noch durch die großen Träger wie Fröbel oder den Paritätischen Wohlfahrtsverband eine Stimme im politischen Geschehen. Wir waren von der Größe zu klein für die Paritätischen und zu groß für den DaKs. Die Belange und Besonderheiten dieser Träger fanden insofern keinerlei Berücksichtigung in allen Verhandlungen zwischen den bisherigen Kitaverbänden und dem Senat. Ich hatte als kleiner Kitaträger der freien Jugendhilfe begonnen, aber ich hatte die Vision zu wachsen und mittelgroß zu werden und damit im Bezirk den Eltern und Kindern mehr als nur die ersten 30 Plätze anbieten zu können. Es war mein Anliegen, in den Behörden und in der Politik den Blick zu schärfen für Bedingungen dieser Träger und damit auch den Ausbau der Kitaplätze zu stützen. Die kleinen und mittleren, oftmals aus zunächst aus eigenem Bedarf gegründeten, inhaberinitiierten Unternehmungen, die sich damals in einer bis dahin seltener genutzten Rechtsform der gemeinnützigen GmbH gründeten, brauchten eine Stimme. Denn die bislang häufig genutzte Rechtsform des Vereins war auf Dauer nicht geeignet, um die für einen Ausbau der dringend benötigten Kitaplatz-Kapazitäten notwendige Kontinuität und Stabilität zu gewährleisten.23.04.2024

VKMK: Welche Visionen und Ziele hattest Du bei der Gründung des VKMK im Sinn?

Gabriela Pfändner-Morrice: Am 31.10.2013 fand die Ursprungsversammlung zur Gründung des Verbandes statt mit dem Ziel, den kleinen und mittleren Trägergruppen mit ihren größenspezifischen Themen und Konstellationen Gehör zu verschaffen bei der Aushandlung der Verordnungen der RV-Tag zwischen dem Senat, dem DaKs und den großen Wohlfahrtsverbänden. Insbesondere ging es darum, diesen Kleinen und Mittelgroßen Trägern einen Platz an dem sogenannten „Runden Tisch“ zu verschaffen.

VKMK: Welche Veränderungen oder Verbesserungen hast Du durch die Gründung angestrebt?

Gabriela Pfändner-Morrice: In den RV-Tag Verhandlungen waren die spezifischen Erfordernisse einer gemeinnützigen GmbH bis dahin nicht vertreten worden. Die besonderen Notwendigkeiten der kleinen und mittleren Träger der freien Jugendhilfe sind auch finanzieller Natur. Es ging und geht um die Verbesserung der Finanzierung insbesondere der Personal- und Sachkostenpauschale. Die Mieten für Räumlichkeiten am freien Markt steigen unaufhörlich, ebenso steigen die Gehaltserwartungen der Mitarbeiter auf Grund der Knappheit an Fachkräften am Markt. Im Wettbewerb mit den Eigenbetrieben, die oftmals in städtischen Immobilien tätig sind, müssen die Freien Träger in unserer Größenordnung den sich verändernden Verhältnissen stellen und den Betreuungsauftrag in einem immer schwieriger werdenden finanziellen und personellen Umfeld erfüllen.

VKMK: Wie bewertest Du heute, nach 10 Jahren, Dein persönliches und kollektives Wirken?

Gabriela Pfändner-Morrice: Mit dieser Initialzündung von damals sind inzwischen feste Netzwerke entstanden zwischen den Trägern, die die Kitalandschaft in Berlin extrem bereichern: Mit Konzepten einer Klangschalenpädagogik, bilinguale Kitas in verschiedenen Sprachen, Bewegung, vegan…… Der Austausch läuft exzellent und gerade in der Corona-Krise hat sich ein großer Zusammenhalt gezeigt. Die gegenseitige Unterstützung wirkt bis heute nach.

VKMK: Inwiefern haben sich die ursprünglichen Ziele des VKMK aus Deiner Sicht in dieser Zeit verwirklicht?

Gabriela Pfändner-Morrice: Wir werden in Zukunft mit am Runden Tisch vertreten sein und damit haben sich meine Ziele hundertprozentig verwirklicht.

VKMK: Wie empfindest Du die Entwicklung des VKMK seit seiner Gründung bis heute?

Gabriela Pfändner-Morrice: Der Verband hat eine ausgezeichnete Entwicklung innerhalb der bestehenden Konstellation zwischen alteingesessenem Paritätischen Wohlfahrtsverband und DaKS genommen. Das Mitgliederwachstum und die Verfestigung der Kontakte zum Senat haben die Erwartungen übertroffen. Durch die sehr kompetente Geschäftsführung ist es gelungen, eine Wissensbasis aufzubauen, die exakt auf gemeinnützige GmbHs zugeschnitten ist.

VKMK: Welche Rolle hat der VKMK in Deinem persönlichen und beruflichen Leben gespielt?

Gabriela Pfändner-Morrice: Anfangs mit viel Enthusiasmus gestartet, hat es doch viel Zeiteinsatz und mentale Kraft erfordert, diese Grundstruktur aufzubauen. Ich kann bis heute aus dem angesammelten Wissensschatz für meinen täglichen Informationsbedarf schöpfen.

VKMK: Was bedeutet für Dich die Zusammenarbeit und das Engagement im VKMK?

Gabriela Pfändner-Morrice: Zu einigen Trägern sind persönliche und freundschaftliche Bande entstanden mit viel Austausch und gegenseitiger Unterstützung. Das ist mir sehr viel wert.

VKMK: Welche Hoffnungen und Erwartungen hast Du für die Zukunft des VKMK?

Gabriela Pfändner-Morrice: Durch den Platz am Runden Tisch werden wir den Beitrag, den die kleinen und mittelgroßen Träger zur Kitalandschaft in Berlin leisten, noch weiter stärken und auf eine noch solidere Grundlage stellen. Damit in Zukunft die angebotenen Kitaplätze in Berlin erhalten und in aller Vielfalt auch noch ausgebaut werden können.

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Herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung: Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz droht zu scheitern

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Inhalt des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Das Qualitätsentwicklungsgesetz hat das Ziel, erstmals deutschlandweit verbindliche Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen festzulegen. Diese Standards, die durch einen umfassenden Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis entwickelt wurden, fokussieren auf drei zentrale Aspekte: eine fundierte Betreuungsrelation, die Förderung der sprachlichen Bildung und Sprachförderung sowie die Bereitstellung eines bedarfsgerechten Ganztagsangebots. Das Vorhaben zielt darauf ab, Chancengleichheit in der Bildung und damit die Grundlage für eine starke und leistungsfähige Gesellschaft zu schaffen. 

Gründe, weshalb das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz notwendig ist

Die Entscheidung der Bundesregierung, in der frühkindlichen Bildung Einsparmaßnahmen zu tätigen, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen für die individuelle Entwicklung und die Gesellschaft offensichtlicher denn je ist. Erst vergangenes Jahr verdeutlichte die PISA-Studie die Dringlichkeit, jetzt in frühkindliche Bildung zu investieren, um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren. Auch die durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steigende, jedoch ungedeckte Nachfrage nach Kindertagesbetreuungsplätzen sollte ein Zeichen für die Relevanz der frühkindlichen Betreuung in der Gesellschaft sein. 

Individuelle Bildung und Entwicklung durch das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz

Laut einer Studie der KKH ist die Anzahl der Sprach- und Sprechstörungen unter Kindern und Jugendlichen von 2011 bis 2021 um nahezu 60% gestiegen.* Durch gezielte Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung, wie sie im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes vorgesehen ist, ließe sich dieser besorgniserregende Trend umkehren. Eine frühzeitige Förderung könnte vielen Kindern und Jugendlichen helfen, später keine schwerwiegenden Schwierigkeiten aufgrund von Sprach- oder Sprechstörungen im Bildungsweg zu erfahren.

Des Weiteren belegen Studien deutlich, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Bildungschancen erheblich verbessert. So steigt die Wahrscheinlichkeit für Kinder, ein Gymnasium zu besuchen, mit der Teilhabe an einem Betreuungsangebot von 36% auf 50%, laut Bertelsmann Stiftung. Besonders bemerkbar macht sich dieser Anstieg bei Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien, deren Wahrscheinlichkeit auf einen höheren Bildungsabschluss um rund 65% steigt.** 

Zudem besteht in der frühkindlichen Bildung das Potential, die Kinderarmut zu bekämpfen. Die aktuellen Zahlen belegen, dass knapp 20% der Kinder in Deutschland von Armut bedroht sind. Durch den Ausbau frühkindlicher Bildung und Betreuung kann, laut Institut der Deutschen Wirtschaft, die Kinder- und Bildungsarmut um knapp 4%-Punkte reduziert werden.***

Volkswirtschaftlicher Nutzen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Investitionen in die frühkindliche Bildung sind nicht nur für die individuelle Entwicklung der Kinder von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Volkswirtschaft. Jeder in die Kita investierte Euro generiert einen dreifachen bis vierfachen direkten volkswirtschaftlichen Gewinn durch ein gesteigertes Familieneinkommen, höhere Steuereinnahmen und zusätzliche Beiträge für die Sozialversicherung. Langfristig betrachtet ergibt sich durch den verbesserten Bildungsstand und das daraus resultierende höhere Lebenseinkommen der Bevölkerung eine reale fiskalische Rendite von 8% bis 13% für die Investitionen in frühkindliche Bildung.****

All dies ist jedoch nur möglich, wenn die frühkindliche Bildung durch den Bund und die Länder gefördert wird, in Form eines Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes und einer ausreichenden Finanzierung zur Umsetzung dessen. Eine vernachlässigte frühkindliche Bildung kann langfristig zu massiven ökonomischen Einbrüchen führen. Die Kernpunkte des Qualitätsentwicklungsgesetzes bergen ein erhebliches Potenzial zur Verbesserung der Qualität frühkindlicher Bildung und zur Prävention von Bildungsunterschieden und Sprachdefiziten. Umso wichtiger ist es, dass das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz bald in Kraft tritt. Der Kitaverband VKMK e.V. appelliert daher an den Bund, keine unüberlegten Einsparmaßnahmen zu tätigen und die Zukunft durch Bildung auch weiterhin zu unterstützen. Das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz sollte nicht als Option betrachtet werden, sondern als eine unverzichtbare Verpflichtung zum Wohl und zur Entwicklung unserer Kinder.

*Eddy statt Teddy: Immer mehr Kinder ringen um Worte. (o. D.). KKH. https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/sprachprobleme

** Fritschi, T., Oesch, T., BASS – Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG & Bertelsmann Stiftung. (2008). Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Volkswirtschaftlicher_Nutzen_von_fruehkindlicher_Bildung_in_Deutschland.pdf

*** Anger, C., Plünnecke, A. & Institut der deutschen Wirtschaft Köln. (2008). Frühkindliche Förderung. In Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Beiträge zur Ordnungspolitik. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Analysen/PDF/Positionen/Positionen_35.pdf

**** Kahl, R. (2012, 6. Februar). Bildung wirkt langsam, aber mächtig. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-01/oecd-bildungsausgaben/seite-2

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Allergien und Nahrungsmittelpräferenzen in Kitas - Inklusion muss gelebt werden dürfen.

Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.

In Berlin, einer Stadt voller Vielfalt und kultureller Reichhaltigkeit, steht die frühkindliche Betreuung vor der Herausforderung, die Bedürfnisse von Familien und Kindern mit unterschiedlichen Ernährungsvorstellungen und Allergien angemessen zu berücksichtigen. Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.

Vielfalt in Allergiegraden und die einheitliche Sicherheitsgewährleistung

Allergien manifestieren sich in einer Vielzahl von Erscheinungsformen, von leichten Unverträglichkeiten bis hin zu schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Reaktionen. Während einige Kinder auf bestimmte Lebensmittel oder Umweltfaktoren mit milden Symptomen reagieren, können andere von schweren allergischen Reaktionen betroffen sein, die sofortiges Handeln erfordern.

Trotz dieser Unterschiede ist es von entscheidender Bedeutung, dass unabhängig vom Schweregrad sämtlicher Allergien ein einheitlicher Sicherheitsrahmen in Kitas gewährleistet wird. Selbst bei vermeintlich milden Allergien ist eine sorgfältige Überwachung, die Vermeidung der auslösenden Stoffe und die Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung von großer Bedeutung, um das Wohlbefinden und die Gesundheit aller Kinder zu schützen.

Essentielle Bedeutung der Kommunikation bei starken Allergien

Besonders bei starken oder lebensbedrohlichen Allergien wird die Notwendigkeit einer präzisen und umfassenden Kommunikation zwischen Eltern, Ärzten und dem Kita-Personal zu einem unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Managements. Eine starke Allergie kann nicht nur die Ernährung der Kinder beeinflussen, sondern erfordert auch eine genaue Kenntnis der spezifischen Auslöser, der potenziellen Reaktionen und der adäquaten Notfallmaßnahmen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, die das detaillierte Wissen über die Allergie ihres Kindes haben, den betreuenden Ärzten, die wichtige Informationen und Behandlungsempfehlungen bereitstellen, und dem Kita-Personal, das tagtäglich für das Wohlbefinden der Kinder verantwortlich ist, ist von entscheidender Bedeutung. Diese kooperative Partnerschaft gewährleistet nicht nur die umgehende Reaktion im Notfall, sondern ermöglicht auch eine präventive Planung und einen sicheren Umgang mit potenziellen Allergenen im Kita-Umfeld.

Unsere freien Kitaträger in Berlin handeln stets proaktiv, um die Lebensmittelversorgung für Kinder mit lebensbedrohlichen Allergien sicherzustellen. Hier sind einige der Schritte, die sie unternehmen:

Es wird eine klare Kommunikation mit den Erziehungsberechtigten gepflegt. Eltern werden gebeten, die Allergien ihrer Kinder im Detail zu beschreiben und das Kita-Personal über spezifische Auslöser und Symptome zu informieren. Allergene werden konsequent vermieden. Die Kitas stellen sicher, dass allergieauslösende Lebensmittel separat von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden, um Kontaminationen zu vermeiden. Diese Lebensmittel werden in der Küche gekennzeichnet, getrennt gelagert und zubereitet. Das Kita-Personal ist mit Notfallplänen vertraut und wird geschult, um im Falle einer allergischen Reaktion sofortige Hilfe zu leisten. Sie kennen die Symptome und wissen, wie sie im Notfall Medikamente wie beispielsweise Epinephrin richtig anwenden. Es wird auch eine Sensibilisierung in der Gruppe durchgeführt. Kinder im verbalen Alter werden sensibilisiert, um das Verständnis für die Allergie eines Mitschülers zu fördern und versehentliche Expositionen zu minimieren.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist für präventive Maßnahmen unerlässlich. Die Eltern werden über die Schwere der Allergie informiert und gebeten, keine Lebensmittel, die potenzielle Allergene enthalten, mit ihren Kindern in die Kita zu bringen. Diese präventive Maßnahme trägt dazu bei, das Risiko einer versehentlichen Exposition gegenüber Allergenen zu minimieren und schafft ein sichereres Umfeld für alle Kinder in den Kitas.

Differenzierter Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen in Kitas

Im Gegensatz zu schweren Allergien und Stoffwechselerkrankungen erfordern leichte Allergien oder die Ablehnung bestimmter Lebensmittel aus religiösen oder anderen Gründen in Kitas oft eine differenziertere Herangehensweise. Während strenge Maßnahmen für starke Allergien unerlässlich sind, können bei leichten Allergien oder Lebensmittelpräferenzen aus religiösen Gründen alternativere Strategien umgesetzt werden, die die Diversität aller vor Ort berücksichtigen kann.

Der Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen erfordert zwar besondere Aufmerksamkeit, ermöglicht aber in der Regel eine größere Flexibilität bei der Auswahl der Mahlzeiten und Lebensmittel, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein offener Dialog zwischen Eltern, Kita-Personal und gegebenenfalls Gesundheitsexperten ist auch hier unabdingbar, um die spezifischen Bedürfnisse jedes Kindes zu verstehen und zu berücksichtigen und so eine unterstützende Umgebung zu schaffen, in der alle Kinder gleichberechtigt teilhaben können.

Beispiel einer diversifizierten Lebensmittelvergabe an einem gemeinsamen Tisch in der Kita:

An einem gemeinsamen Tisch in der Kita könnte die Lebensmittelversorgung so gestaltet werden, dass sie sowohl den Bedürfnissen von Kindern mit leichten Allergien oder spezifischen Ernährungspräferenzen als auch den religiösen Richtlinien entspricht:

  1. Klare Kennzeichnung: Alle Lebensmittel sind deutlich gekennzeichnet, um die Unterscheidung zwischen allergenfreien, religiös akzeptablen und anderen Produkten zu ermöglichen.

  2. Getrennte Speisen und Utensilien: Es werden separate Speisen und Utensilien für Kinder mit Allergien oder religiösen Präferenzen bereitgestellt, um jegliche Kontamination zu vermeiden. Dies schließt die Verwendung von separaten Löffeln, Schalen oder Behältern ein.

  3. Alternative Optionen: Neben den Hauptgerichten werden alternative Optionen bereitgehalten, die den religiösen Anforderungen entsprechen oder als Ersatz für allergenhaltige Lebensmittel dienen. Diese werden klar ausgewiesen und ansprechend präsentiert.

  4. Angepasste Portionsgrößen: Die Portionen werden entsprechend den Bedürfnissen jedes Kindes angepasst, um sicherzustellen, dass keinerlei ungewollte Lebensmittel in Kontakt kommen und um sicherzustellen, dass jedes Kind die benötigte Menge erhält.

  5. Offene Kommunikation: Das Kita-Personal ist stets ansprechbar, um Fragen der Kinder zu den angebotenen Lebensmitteln zu beantworten. Eltern haben die Möglichkeit, im Voraus Informationen über spezielle Anforderungen oder Einschränkungen mitzuteilen und sich auch über den Speiseplan der Kita im Vorfeld über die geplanten Mahlzeiten und darin enthaltenen Allergenen und Zusatzstoffen zu informieren.

Die Herausforderungen der Nahrungsbereitstellung und der Gedanke der Inklusion

Es ist wichtig anzumerken, dass die Sorgfalt bei den Lebensmitteln selbsterklärend auch einen Mehraufwand mit sich bringt. Nicht nur personell, sondern auch in den Kosten. Separate Lagerungen in zusätzlichen Schränken und Boxen sowie individuelle Zubereitungen sind vonnöten.

Wie bereits in unserem vorherigen Artikel betont (Hier geht es zum Artikel!), ist die Herausforderung, eine ausgewogene Ernährung aufgrund finanzieller Engpässe in Kitas sicherzustellen, ein bestehendes Dilemma. Die Bemühungen, eine Ernährung zu fördern, die nicht nur den gesundheitlichen Aspekten gerecht wird, sondern auch Inklusion und Vielfalt reflektiert, verschärfen diese Schwierigkeiten zusätzlich. Es wird zunehmend kompliziert, die Grundsätze der Inklusion zu predigen, während gleichzeitig politische Hindernisse und finanzielle Engpässe die Essensversorgung in Kitas einschränken. Die Forderung nach einer Ernährung, die die Vielfalt und die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, erfordert nicht nur ein Umdenken in der Essenspolitik, sondern auch eine verstärkte Unterstützung seitens der politischen Entscheidungsträger, um sicherzustellen, dass die Essensversorgung keine Barrieren für eine inklusive Umgebung in Kitas schafft.

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Die prekäre Lage der Kitaträger: Ein alarmierender Blick auf Deutschlands Betreuungssystem

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Ein bundesweiter Blick auf die aktuelle Situation, von München, über Köln, bis nach Hamburg und Berlin, zeigt eine verhängnisvolle Kluft zwischen politischem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung. Die frühkindliche Bildung in Deutschland ist unterfinanziert. Die Probleme, die vor 20 Jahren bereits aktuell waren, sind es heute immer noch - nur : noch gravierender. Wir brauchen Handlungen statt warmer Worte. Jetzt.

München atmet auf: Eine neue Härtefall-Regelung kommt den finanziell gebeutelten Kitaträgern entgegen, die um ihre Existenz bangten. Die Regelung ermöglicht Kitaträgern, die wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, einen entsprechenden Antrag auf Unterstützung in der benötigten Höhe zu stellen. Die Stadt München möchte damit verhindern, dass Kitaplätze eingestellt werden müssen. Dieses gibt vielen Kitaträgern zwar Hoffnung, aber es ist schlussendlich nur ein Trostpflaster, das den Blick auf das wesentliche Problem verschleiert: Die Finanzierung der frühkindlichen Bildung wurde über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt, und die Auswirkungen sind deutschlandweit spürbar.

Bremen sorgte zuletzt für alarmierende Schlagzeilen. Es belegte bei einem bundesweiten Vergleich, den letzten Platz in der Betreuungssituation. Demnach ist etwa jede zweite Mutter mit einem Kind im Krippen- oder Kita-Alter nicht erwerbstätig, da Betreuungsplätze schlichtweg fehlen. Wohlfahrtsvereine rund um Hamburg schlugen zuletzt vor Weihnachten 2023 noch einmal Alarm, Nordrhein-Westfalen beschreibt die aktuelle Lage als „unzumutbar“ und in Berlin überschlagen sich die Artikel und Hilferufe ebenfalls seit Jahren. Völlig gleich, in welches Bundesland man schaut, die Kita-Krise ist bereits da und breitet sich unentwegt weiterhin aus.

Zeit für Realitätssinn: Die bedenklichen Folge der Unterfinanzierung

Es ist an der Zeit, der Realität ins Auge zu sehen und die drastischen Auswirkungen der chronischen Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildung zu begreifen. Wir stehen vor einem erschreckenden Fachkräftemangel, der zu einem drastischen Rückgang der Betreuungsangebote und erhöhten Krankenständen führt. Das ohnehin knappe Angebot an qualifizierten Fachkräften schrumpft weiterhin, während sich die Bewerbungszahlen rapide verringern. Diese Tendenzen in der Personalbeschaffung und -bindung sind nachhaltig beunruhigend. Die neuesten Ergebnisse der Pisa-Studie bestätigen, was für viele Pädagogen:innen schon längst eine bittere Erkenntnis darstellte; die spürbare Abnahme der Bildungsqualität in Deutschland. Dieser Abwärtstrend ist nun auch nachweislich belegbar. Es ist ein letzter gravierender Weckruf, ein eindringlicher Hinweis darauf, dass das Fehlen angemessener finanzieller Mittel unweigerlich zu einem fortwährenden Qualitätsverlust führt.

Die herausfordernde Realität für pädagogische Fachkräfte

Der Beruf der pädagogischen Fachkraft ist eine Berufung, die viele von Herzen ausüben. Die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen und die Arbeit mit den Kindern geben viele von ihnen als Etwas von unschätzbarem Wert an. Doch der Arbeitsalltag erschwert ihnen die Freude am Beruf. Bereits 2022 äußerte der damalige Berliner FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf, dass die erschreckend hohe Anzahl von Krankmeldungen der Fachkräfte in frühkindlichen Einrichtungen als "besonderes Vorkommnis" an die Senatsverwaltung für Jugend gemeldet wurde. Doch Abhilfe gab es nicht. Im Jahr 2023 erlebten die Krankenstände in diesem Bereich in Berlin einen weiteren, bedauerlichen Anstieg. Überlastung und Personalmangel stellen für viele Fachkräfte eine erhebliche Belastung dar und führen nicht selten auch zu Burn-Out und langfristigen Ausfällen. Diese Realität bringt viele engagierte Fachkräfte an ihre Grenzen und zwingt sie schlussendlich zur Kapitulation; sie verlassen den Beruf, der ihnen so viel bedeutet hat.

Forderungen aus der Politik im Wandel der Jahre und der Mangel an Lösungsumsätzen.

Seit mindestens zwei Jahrzehnten ist das Problem der Unterfinanzierung und der Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung kein unbekanntes Thema mehr.        Es scheint kein Erkenntnisproblem auf Seiten der Fachkräfte, der Eltern, der Wissenschaft oder der Verwaltungen zu sein, sondern ein Defizit in der tatsächlichen Umsetzung. Politiker:innen verschiedener Parteien haben über die Jahre hinweg auf die Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hingewiesen, doch die Verantwortungsübernahme der akuten Lösungsumsetzung wurde stets vermisst.

Die derzeitige Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) äußerte zuletzt 2023 nach den erschreckenden Ergebnissen der Pisa-Studie, die Dringlichkeit eines aktiven Vorgehens, um die Bildungskrise zu bewältigen und verankerte ihren Fokus hier auch bei den frühkindlichen Institutionen. Ihre Stimme reiht sich in eine lange Kette ähnlicher Anmerkungen ein, die über die letzten zwei Jahrzehnte zu hören waren.

Bereits 2007 betonte Ursula von der Leyen (CDU) in einem Interview, dass viele Fachkräfte Hamburg, trotz teils besserer Arbeitsangebote von Firmen in anderen Regionen, nicht verlassen wollten. Der Grund war simpel; Hamburg stellte 2007 die Spitze dar, für Betreuungsangebote in Kindertagesstätten und ermöglichte den Fachkräften somit die Work-Familien-Balance, die sie brauchten. Von der Leyen sah darin keineswegs nur Lob für Hamburg. Vielmehr deutete sie es als ein alarmierendes Signal für andere Bundesländer und forderte einen schnellstmöglichen Ausbau von Stellen und Betreuungsplätzen, im Bereich frühkindliche Bildung.

Auch Annette Schavan (CDU) äußerte sich 2009 zur dringenden Notwendigkeit, die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte zu erleichtern, um dem damals bereits sichtbaren Personalmangel in Kitas entgegenzuwirken. Die ehemalige Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte 2014 bundesweit einheitliche Standards für Kitas, sowohl in Bezug auf Bildungsqualität als auch Arbeitsbedingungen des Personals. Im Zuge dessen erörterte Schwesig ebenfalls ein Problem, das sich bis heute nicht beheben ließ. Im Interview mit „Deutschlandfunk“, betonte sie das bisherige „Schuldzuweisungsspiel“, das sie als ehemalige Landesministerin aktiv miterlebt hatte und ermahnte diese Dynamik final zu beenden. Ihr Ziel war es, konstruktiv an einem Tisch zusammenzukommen und zu klären, was bundesweit gestemmt werden kann. Dabei sollte nicht nur über die Kosten, sondern auch über die Finanzierungsgrundlagen gesprochen werden. Sie erwähnte die Dringlichkeit, nicht nur um Geld zu kämpfen, sondern auch klare Vorstellungen zu haben, wie die Umsetzung aussehen soll, damit diese schnellstmöglich beginnen kann.

2018 brachten die aktuelle Bundesministerin Lisa Paus und Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) ihre Unterstützung für eine Demonstration gegen die Berliner Kita-Krise zum Ausdruck. Paus betonte, dass bereits seit einem Jahrzehnt Eltern, Träger, Gewerkschaften und Verbände für eine nachhaltige Verbesserung der Kita-Qualität und der Kindertagespflege kämpfen würden. Sie warnte davor, dass die aktuelle Notlage einen Rückschlag in alte Missstände bedeuten könnte. Der damalige Bundesfinanzminister, und heutige Bundeskanzler, Olaf Scholz, wurde direkt aufgefordert, zusätzliche Mittel bereitzustellen, da die bisherigen finanziellen Zusagen für den versprochenen Ausbau und eine echte Qualitätsoffensive nicht ausreichten, sie wollten Handlungen sehen. Seit 25. April 2022 ist Paus Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Enttäuschende Schlagzeilen und trügerische Hoffnung

Im Jahr 2024 stehen wir erneut vor den gleichen Meldungen, denselben Schlagzeilen und drängenden Problemen – nur erscheinen sie nun noch drastischer als je zuvor. Bundesweit breitet sich eine Welle von Symptomen aus, die der Kita-Krise ein deutliches Gesicht geben. Sogar Hamburg, lange Zeit als Ausnahme gesehen, ist von den Auswirkungen schon lange nicht mehr gefeit.

In München schwankt die Stimmung zwischen Bangen und einem seufzenden Aufatmen, wenn die Stadt zumindest vorübergehend Kita-Plätze vor der Schließung aufgrund finanzieller Engpässe retten kann. Und in Berlin herrscht eine gewisse Erleichterung, seitdem Kitas seit 26. Oktober 2023 wieder selbst festlegen könnten, ob und welche Zuzahlungen von Eltern übernommen werden können, um das pädagogische Zusatz-Angebot aufrechtzuerhalten. Diese Schlagzeilen, die oftmals von Hoffnungsschimmern, Aufatmen und Erleichterung sprechen, mögen auf den ersten Blick positiv erscheinen, jedoch täuschen sie. Sie zeigen vielmehr, dass die Politik letztlich darin scheitert, die Verantwortung zu übernehmen, um die Kernprobleme zu lösen. Das Aufatmen bezieht sich schlussendlich nie auf eine festgelegte Absicherung bezüglich Betreuungsangeboten und nachhaltigen Finanzierungen, sondern vielmehr darauf, dass das Schlimmste vermieden werden konnte; das Einstellen der Angebote. Keines Wegs darf diese Form von Politik und medialer Berichterstattung davon ablenken, dass diese Lösungen keine Lösungen sind - sondern lediglich Placebos, die an Kitas oder Eltern verteilt werden, damit diese in Eigenregie die Behandlung der akutesten Symptome übernehmen können.

Ein Dialog in Bewegung (?)

Im letzten Jahr ist Bewegung in den Dialog zur frühkindlichen Bildung gekommen. Die freien unabhängigen Kitaträger, u.a. vertreten durch den VKMK (Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger), haben vermehrt Zugang zu den Entscheidungstischen gefunden, von denen sie lange ausgeschlossen waren. Hier können sie endlich ihre drängenden Anliegen vortragen. Doch bereits nach den ersten Gesprächen zeigt sich, dass die Kommunikation vornehmlich auf das Erörtern und Abwägen von Problemen beschränkt bleibt, nicht aber konkrete, tatkräftige Handlungen und verbindliches Engagement seitens der Politik garantiert. Wir können es uns nicht länger erlauben, die Umsetzung von Lösungen aufzuschieben. Über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg haben Kitapersonal, Eltern, die Wissenschaft und sogar politische Instanzen wiederholt ihre Besorgnis, ihre Hilferufe und Warnungen geäußert – doch bisher hat das nicht zu greifbaren Verbesserungen geführt.

Wenngleich es begrüßenswert ist, dass die freien unabhängigen Kitaträger nun Einzug an diesen Gesprächstischen erhalten haben, möchten wir uns doch entschieden davon distanzieren, dies als rein „positiven“ Fortschritt zu bezeichnen. Die Tatsache, dass sie nun gehört werden, markiert eher den „Anfang des Verhandlungsprozesses“ und diesen als endlich „sinnvoll“. Denn ohne Einigkeit über die bestehenden Probleme ist es nahezu unmöglich, wirkungsvolle Lösungen zu entwickeln. Und nur ein Einbeziehen der betroffenen Akteure kann schlussendlich die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis und somit den ersten Schritt in Richtung Lösungsfindung bilden. Ein Einbeziehen der betroffenen Akteure wäre von Anbeginn der Verhandlungen von Nöten gewesen. Unsere Hoffnung ist, dass diese Verhandlungen und die verstärkte Aufmerksamkeit nicht wie vorherige Placebos enden werden. Es bedarf einer dringenden und proaktiven Reaktion, die über bloße Diskussionen hinausgeht. Die offene Berichterstattung und das klare Darlegen des Ist-Zustandes seitens der freien unabhängigen Kitaträger ist eine große Chance. Eine Chance, die zu einem echten Wandel führen kann. Diese Chance muss genutzt werden. Das offene Gehör und die Teilnahme an Verhandlungen sollten nicht nur symbolisch sein, sondern eine echte Grundlage für eine umgehende Verbesserung der Situation in der frühkindlichen Bildung bilden.

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