Trotz Bemühungen der Senatorin: Verkrustete Strukturen blockieren VKMKs Beteiligung an den RVTag-Verhandlungen
Trotz wiederholter Zusicherungen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bleibt der VKMK – Der Kitaverband weiterhin von den aktuellen Verhandlungen über die Kita-Finanzierung im Rahmen des RVTags ausgeschlossen. Während die Senatorin erste Schritte zur Beendigung dieses Ausschlusses unternommen hat, blockieren einige Akteure innerhalb der LIGA (AWO, Diakonie, Caritas u.a.) und des Dachverbands der Kinder- und Schülerläden weiterhin eine inklusive Lösung.
Trotz wiederholter Zusicherungen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bleibt der VKMK – Der Kitaverband weiterhin von den aktuellen Verhandlungen über die Kita-Finanzierung im Rahmen des RVTags ausgeschlossen. Während die Senatorin erste Schritte zur Beendigung dieses Ausschlusses unternommen hat, blockieren einige Akteure innerhalb der LIGA (AWO, Diakonie, Caritas u.a.) und des Dachverbands der Kinder- und Schülerläden weiterhin eine inklusive Lösung.
Seit 2017 hat der VKMK intensiv daran gearbeitet, eine außergerichtliche Einigung zu finden. Zahlreiche Gespräche und Kompromissvorschläge stießen jedoch wiederholt auf Widerstand seitens bestimmter Verhandlungspartner. Im Jahr 2022 sah sich der VKMK daher gezwungen, juristische Schritte einzuleiten und eine Klage einzureichen. Nachdem die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf den Verband zugegangen war, ließ der Kitaverband VKMK die Klage ruhen, um im Dialog eine Einigung zu erzielen. Doch trotz klarer Lösungsansätze und eines Letter of Intent wurde eine Mitwirkung des VKMK an den angelaufenen Verhandlungen zur Kita-Finanzierung weiterhin verweigert.
„Der VKMK vertritt mehr als 300 Kitas mit über 13.000 Plätzen und ist damit ein wichtiger Bestandteil der Berliner Kita-Landschaft. Dennoch bleibt der Verband weiterhin vom Mitentscheidungsprozess über die Kita-Finanzierung ausgeschlossen“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. „Dieser Ausschluss bedeutet, dass die tägliche Bildungsarbeit unserer Kita-Teams nicht respektiert wird.“
Ursprünglich sollte der VKMK im Zuge der Novellierung des Berliner KitaFöG als weiterer Verhandlungspartner integriert werden. Diese Novelle wird jedoch voraussichtlich erst Ende des Jahres 2025 abgeschlossen sein, während die aktuellen Verhandlungen zur Finanzierung bereits laufen. Als Übergangslösung bot die Senatorin, Frau Günther-Wünsch, dem VKMK einen Gaststatus an, um eine indirekte Beteiligung zu ermöglichen. Auch dieser Vorschlag wurde jedoch von einzelnen Vertretern der LIGA und der Kinder- und Schülerläden abgelehnt. Angesichts dieser Blockade hat der VKMK nun die Klage wieder aufgenommen - eine mündliche Verhandlung wird zeitnah erfolgen.
„Die Blockadehaltung einiger Vertreter der LIGA und Kinderläden ist nicht nur bildungspolitisch fragwürdig, sondern auch rechtlich problematisch“, so Békési weiter. „Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 26. Oktober 2023 das Mitbestimmungsrecht unabhängiger freier Träger über ihre Verbände ausdrücklich anerkannt. Eine selektive Ausgrenzung bestimmter Akteure verstößt gegen dieses Urteil und das Prinzip der Gleichbehandlung aus dem SGB VIII.“
Zudem weist der VKMK darauf hin, dass bereits 2013 die Monopolkommission vor der Konzentration von Macht in den Händen weniger Akteure warnte – ein Trend, der nun im Kontext der Kita-Finanzierung erneut sichtbar wird.
Der VKMK erkennt an, dass die von der Senatorin angestrebten strukturellen Veränderungen Zeit erfordern. „Dennoch ist es nicht nachvollziehbar, warum sich einige Verhandlungspartner weiterhin der Kompromissfindung verweigern und damit die konstruktiven Bemühungen der Bildungssenatorin torpedieren. Das ist nicht nur ein Verstoß gegen demokratische Prinzipien, sondern gefährdet auch die Qualität und Vielfalt der frühkindlichen Bildung in Berlin“, schließt Békési.
2 Schließtage mehr in Berliner Kitas: VKMK wirbt für Verständnis und plädiert für diese erforderliche Erhöhung
Die jüngsten Pressemitteilungen des Landeselternausschusses Kita Berlin (LEAK) und des Bezirkselternausschusses Marzahn-Hellersdorf (BEAK Ma-He) vom 19.02.2025 zeigen:
Die geplante Anpassung der Kita-Schließtage ist ein sensibles Thema, das Eltern bewegt. Der VKMK- Der Kitaverband nimmt die Sorgen der Eltern ernst, betont jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit, eine tragfähige Balance zwischen den berechtigten Betreuungsbedarfen der Familien und den Qualitätsansprüchen an frühkindliche Bildung zu wahren.
Die jüngsten Pressemitteilungen des Landeselternausschusses Kita Berlin (LEAK) und des Bezirkselternausschusses Marzahn-Hellersdorf (BEAK Ma-He) vom 19.02.2025 zeigen:
Die geplante Anpassung der Kita-Schließtage ist ein sensibles Thema, das Eltern bewegt. Der VKMK- Der Kitaverband nimmt die Sorgen der Eltern ernst, betont jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit, eine tragfähige Balance zwischen den berechtigten Betreuungsbedarfen der Familien und den Qualitätsansprüchen an frühkindliche Bildung zu wahren.
Aktuell sind gesetzlich maximal 25 Schließtage pro Jahr in Berlin vorgesehen (§3 Abs. 4, RV-Tag), die nicht überschritten werden dürfen. Während dieser Zeit müssen Träger eine angemessene Notbetreuung sicherstellen – beispielsweise durch Kooperationen mit anderen Einrichtungen.
Die Elternvertretungen weisen darauf hin, dass diese Notbetreuung nicht immer reibungslos funktioniere. „Diese Erfahrungen nehmen wir ernst“, betont Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. „Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass diese Einschätzungen bislang nicht durch umfassende Datenerhebungen belegt sind.“
„Fortbildungen sind keine zusätzliche Belastung für das System, sondern eine zentrale Investition in die Qualität der frühkindlichen Bildung“.
„Wir teilen das Anliegen der Eltern: Jedes Kind hat ein Recht auf bestmögliche frühkindliche Bildung. Doch um diesem Anspruch gerecht zu werden, benötigen unsere Kita-Teams auch die notwendige Zeit für Fortbildungen– insbesondere in einer Zeit, in der die Anforderungen an die frühkindliche Bildung stetig wachsen und immer mehr Kinder besondere Förderbedarfe haben“, erklärt Békési.
Derzeit stehen den Fachkräften im Schnitt nur 3,8 Fortbildungstage pro Jahr zur Verfügung. Der VKMK setzt sich dafür ein, dass der gesetzlich verankerte Mindestanspruch von fünf Fortbildungstagen pro Jahr (§2 Abs. 1 Berliner Bildungszeitgesetz) wieder gewährleistet wird. „Fortbildungen sind keine zusätzliche Belastung für das System, sondern eine zentrale Investition in die Qualität der frühkindlichen Bildung“, so Békési.
Die vorgeschlagene moderate Anpassung um zwei zusätzliche Schließtage ist eine pragmatische Lösung, um trotz Personalknappheit weiterhin hochwertige Bildung und Betreuung zu gewährleisten. „Wir verstehen, dass jede Einschränkung der Betreuungszeiten eine Herausforderung für zahlreiche Familien darstellt. Gleichzeitig müssen wir auch an die langfristige Qualitätssicherung denken – denn gut qualifizierte Fachkräfte sind der Schlüssel zu guter Bildung”, erklärt Békési.
Grundsätzlich unterstützt der VKMK die Forderungen der Elternvertreter nach einer besseren Personalausstattung und einer verlässlichen Finanzierung der Berliner Kitas. Doch diese Herausforderungen lassen sich nicht kurzfristig lösen. „Bis ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen, müssen wir tragfähige schnell umsetzbare Lösungen finden, die sowohl den Bedürfnissen der Kinder als auch den Anforderungen an die Bildungsqualität gerecht werden“, so Békési abschließend.
Jedes Kind zählt: Für Vielfalt und Inklusion in der frühkindlichen Bildung
Inklusion ist mehr als nur ein pädagogisches Konzept – sie sollte eine Selbstverständlichkeit und Normalität sein, sagt Monika Lapinski, Fachberaterin für Inklusion beim Kitaträger "Kleiner Fratz" in Berlin. In einem aufschlussreichen Interview spricht Lapinski über ihre langjährige Arbeit in der frühkindlichen Bildung und die tief verwurzelte Überzeugung, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Herkunft, wertvolle Beiträge leisten kann.
Inklusion ist mehr als nur ein pädagogisches Konzept – sie sollte eine Selbstverständlichkeit und Normalität sein, sagt Monika Lapinski, Fachberaterin für Inklusion beim Kitaträger "Kleiner Fratz" in Berlin. In einem aufschlussreichen Interview spricht Lapinski über ihre langjährige Arbeit in der frühkindlichen Bildung und die tief verwurzelte Überzeugung, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Herkunft, wertvolle Beiträge leisten kann. Lapinski teilt ihre Erfahrungen und Erfolge, wie sie Kindern, die sich schwer taten, zu kommunizieren, neue Kommunikationsfähigkeiten vermittelte, und wie sie durch die Einführung offener Strukturen und individueller Angebote die Selbstständigkeit und das Wohlbefinden der Kinder förderte. Dieses Interview beleuchtet nicht nur die Herausforderungen und Erfolge ihrer Arbeit, sondern auch ihre visionäre Herangehensweise an Inklusion, die sie als eine Herzensangelegenheit und eine gemeinschaftliche Verantwortung aller Beteiligten betrachtet.
Inklusion als Herzstück: Monika Lapinskis Weg zur Vielfalt in der frühkindlichen Bildung
„Ich habe Erziehungswissenschaften auf Magister studiert vor langen, langen Jahren,“ erinnert sich Lapinski. „Das war ein ziemlich trockenes Studium und dann bin ich irgendwann in der offenen Jugendarbeit gelandet.“ Schon früh zeigte sich ihre Affinität zur Beratung, die sich durch ihre gesamte Karriere zog. In der Jugendarbeit unterstützte sie Jugendliche und junge Erwachsene unterschiedlichster Herkunft bei Anträgen, Amtstelefonaten und Gesprächen. Doch Lapinski wollte mehr. „Irgendwann hat mir das nicht ausgereicht und ich wollte in den Kita-Bereich gehen,“ erzählt sie. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten, da sie damals als überqualifiziert galt, fand sie schließlich eine Anstellung in einem Kindergarten in Spandau. Dort arbeitete sie mit Kindern und Familien aus diversen Lebenswelten und mit unterschiedlichen Ressourcen und Ängsten. Ihr Wechsel zum Kitaträger Kleiner Fratz markierte einen bedeutenden Schritt in ihrem Berufsweg. Dort machte sie eine Weiterbildung zur Sprachförderkraft über das Deutsche Jugendinstitut und war dann als Sprachförderkraft in der Krippe tätig. „Ich konnte Kinder dazu bringen, die im Kita-Alltag nicht wirklich offen waren für eine Kommunikation, zu sprechen,“ berichtet sie stolz. Dabei war ihr besonders wichtig, dass die Kinder sich wohlfühlten und keinen Druck verspürten. „Das Kind muss sich gut fühlen in der Kita-Gemeinschaft, in der Gruppe mit den Kindern, mit allen Erwachsenen. Es muss Zeit haben, es darf keinen Druck verspüren. All das sind natürlich die Vorteile, um das Kind zur Sprache zu bringen.“ Ihre Bemühungen trugen Früchte: Kinder, die zuvor Schwierigkeiten hatten, sich sprachlich auszudrücken, entwickelten neue Kommunikationsfähigkeiten. Nach ihrer Zeit in der Sprachförderung übernahm sie die Leitung einer Kita des Kleinen Fratz` in Spandau. Dort stellte sie schnell fest, dass das bestehende System der strengen Gruppenarbeit und der zeitlich getakteten Angebote nicht den Bedürfnissen der Kinder entsprach. „Manche Kinder, die in die Kita kamen, wollten nicht gleich frühstücken. Sie mussten erst mal ankommen, sich orientieren,“ erklärt sie. Ihr erster Schritt als Leitung war die Einführung eines offenen Frühstücks, um den Kindern mehr Flexibilität und Selbstständigkeit zu ermöglichen. Diese Veränderung war nur der Anfang ihrer Vision einer offenen Arbeit in der Kita. „Ich war immer ein Fan von einer offenen Arbeit mit Funktionsräumen, mit unterschiedlichen Angeboten, die die Kinder nutzen können.“ Durch behutsame, aber stetige Veränderungen führte Lapinski ihr Team zur offenen Arbeit. „Wir haben erst einmal mit einem offenen Tag in der Woche angefangen. Irgendwann waren es zwei und dann fünf Tage.“ Diese Methode ermöglichte es den Kindern, selbstbestimmt zu entscheiden, welches Angebot sie nutzen wollten und bei welcher Fachkraft sie sein wollten. Die offene Struktur förderte nicht nur die Selbstständigkeit der Kinder, sondern auch ihre Kommunikation untereinander und mit den Erwachsenen. „Die Kinder konnten sich gut orientieren, weil wir mit ihnen sehr viel kommuniziert haben,“ betont Lapinski. Dabei spielten auch technische Hilfsmittel wie Bilder und Walkie-Talkies eine Rolle, die die Kommunikation zwischen den Fachkräften über die verschiedenen Räume hinweg erleichterten und die die Kinder ab einem gewissen Zeitpunkt auch selbst nutzten, um ihre Wünsche zu äußern. Schließlich erreichte Lapinski alle Ziele, die sie sich in der Kita gesetzt hatte. „Ich habe jetzt in der Kita alle Ziele erreicht, die ich mir gesetzt habe. Wir haben das offene Konzept, das super funktioniert.“ Ihr Erfolgsrezept? Eine flexible, kinderzentrierte Herangehensweise, die sowohl das pädagogische Personal als auch die Kinder unterstützt und fördert.
Kreativer Freiraum: Der Tagesablauf einer inklusiven Kita
Diese flexible und kinderzentrierte Herangehensweise spiegelt sich auch im täglichen Ablauf der inklusiven Kita wider. „Die Kinder kommen erstmal in der Kita an, verabschieden sich von den Eltern und gehen zu den Fachkräften,“ beginnt Lapinski. Je nach Bedürfnis können die Kinder entweder frühstücken oder direkt ins Freispiel gehen. „Die Kinder, die frühstücken wollen, gehen frühstücken, die nicht frühstücken wollen, weil sie es vielleicht schon zu Hause gemacht haben, können erstmal in einem Raum ins Freispiel gehen.“ Der Morgenkreis ist ebenfalls flexibel gestaltet und findet je nach Lust der Kinder in unterschiedlichen Räumen oder im Garten statt. Er wird auch thematisch variabel gestaltet, sei es als Bewegungs- oder Musik-Morgenkreis oder um über ein bestimmtes Thema zu sprechen. Parallel zum Morgenkreis gibt es verschiedene Angebote und das Freispiel. „Die Kinder entscheiden, je nachdem, was an dem Tag angeboten wird, wozu sie Lust haben. Manchmal kamen die Kinder auch mit eigenen Ideen.“ Kein Kind wird gezwungen, eine bestimmte Zeit in einem Raum zu bleiben, was ihnen die Freiheit gibt, sich nach ihren Interessen zu orientieren. Die Angebote werden in Kleingruppen durchgeführt, was eine intensivere Betreuung ermöglicht. „Die Fachkraft ist nochmal anders im Sein mit den Kindern.“ erläutert Lapinski. Dadurch fühlen sich die Kinder mehr gesehen und geschätzt. Das Mittagessen ist ebenfalls flexibel gestaltet, mit einem Zeitfenster von ein bis zwei Stunden, in dem die Kinder selbst entscheiden können, wann sie essen möchten. „Manche Kinder sind schon ziemlich früh essen gegangen und blieben an dem Tisch sitzen, bis das Essen gänzlich vorbei war, weil sich die Gesprächspartner immer gewechselt haben und sie immer neue Themen hatten.“ Am Nachmittag liegt der Fokus mehr auf dem Freispiel, wobei je nach Wetterlage unterschiedliche Aktivitäten angeboten werden. „Entweder geht es dann in den Bewegungsraum, wo Bewegungsparcours aufgebaut sind, oder bei gutem Wetter in den Buddelkasten. Es gibt Fußballangebote und verschiedene Ausflüge.“ Besondere Angebote wie das Reiten und tiergestützte Pädagogik spielen eine wichtige Rolle in der Inklusion. „Die Kinder sind damals, ich glaube zweimal in der Woche, zum Reiten gegangen, dort lernten sie den Umgang mit den Pferden,“ berichtet Lapinski. Außerdem gibt es eine Kollegin, die mit einem Therapiehund arbeitet und kleine Einheiten mit ausgewählten Kindern durchführt. Lapinski betont die Wichtigkeit von Flexibilität und guter Absprache unter den Fachkräften, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. „Oftmals wird argumentiert, dass offene Arbeit nicht für Kinder mit Teilhabebedarfen geeignet ist, weil die Kinder da verloren gehen. Oder dass offene Arbeit pures Chaos bedeutet. Nein! Natürlich muss da eine gute Struktur herrschen und gute Absprachen müssen auch gegeben sein, aber es funktioniert.“ Zum Schluss des Tages erfolgt die Abholzeit. „Die Kinder haben dann, wenn die Eltern kamen, ganz schnell erzählt, was sie so alles gemacht haben. Oder es gab ein kurzes Tür- und Angelgespräch zwischen Fachkraft und Eltern.“
Inklusion als Selbstverständlichkeit und Normalität
Der strukturierte, aber flexible Tagesablauf in der Kita spiegelt die Grundsätze wider, die Lapinski in ihrer inklusiven Arbeit umsetzt. Dabei geht ihre Auffassung von Inklusion als Normalität weit über die organisatorischen Aspekte hinaus und prägt die gesamte pädagogische Philosophie. „Für mich ist es wichtig, dass sich jeder wohlfühlt,“ beginnt Lapinski. Sie sieht Inklusion nicht als ein spezifisches pädagogisches Konzept, sondern als eine grundlegende Selbstverständlichkeit. „Ich habe immer die Welt als Ganzes gesehen. Ich habe mir nie dabei gedacht, dass dies jetzt ein Aspekt der Inklusion ist,“ beginnt Lapinski. „Es sollte eine natürliche Akzeptanz dafür gegeben sein, dass jeder eigene Bedürfnisse hat, eigene Wünsche hat und einfach jeder auf seine Art besonders ist.“ Ihre eigenen Erfahrungen als Jugendliche, die mit 14 Jahren aus Polen nach Deutschland kam und kein Deutsch sprach, haben ihre Empathie und ihr Verständnis für Kinder und Familien in ähnlichen Situationen tief geprägt. „Ich weiß, was dieser Druck bedeutet. Ich weiß, was diese Ausgrenzung bedeuten kann, dieses sich nicht zugehörig fühlen und sich immer anpassen zu müssen, um akzeptiert zu werden.“ Diese persönlichen Erlebnisse führten dazu, dass Lapinskis Herangehensweise geprägt von tiefem Einfühlungsvermögen ist und der Überzeugung, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Herkunft, wertvolle Beiträge leisten kann. „Wir sind ja alle anders, wir sind ja alle verschieden und trotzdem haben wir Gemeinsamkeiten.“ Sie stellte sich stets eine Welt vor, in der alle voneinander lernen und sich bereichern. „Alle gemeinsam und alle schöpfen voneinander, alle lernen voneinander. Dass jeder sich bereichert fühlt durch diesen gemeinsamen Kontakt, dass Ängste abgebaut werden und die Lust auf den Kontakt gefördert wird,“ betont sie. Lapinskis Verständnis von Inklusion geht weit über gesetzliche Grundlagen hinaus. „Ich habe die Welt einfach mit dem Herzen gesehen. Und so habe ich gearbeitet,“ sagt sie. Lapinski betont dabei, dass es fatal wäre, etwas als „Normalität“ zu betrachten und von jedem zu erwarten, sich anzupassen. „Was macht das mit einem Menschen? Das führt zu dem Gefühl, man ist nicht richtig, man ist nicht genug, man ist fehl am Platz, man ist falsch.“ In ihrer Rolle als Fachberaterin setzt Lapinski sich vehement gegen Ausgrenzung ein, auch wenn sie von pädagogischen Fachkräften ausgeht. „Ich habe es immer sehr abgelehnt, wenn ich merkte oder mitbekommen habe, dass es zu Ausgrenzung kam. Da habe ich sofort eingegriffen, weil ich diese Ungerechtigkeit einfach nicht ertragen habe.“ Ihre Vision von Inklusion erfordert eine gemeinschaftliche Verantwortung aller Beteiligten. „Es geht darum, dass es eine Gleichberechtigung gibt, dass jedes Kind die gleichen Zugangsmöglichkeiten bekommt, dass kein Kind ausgegrenzt wird.“ Diese Verantwortung schließt die Sensibilisierung für die Bedürfnisse und Barrieren aller ein, um eine faire und inklusive Umgebung zu schaffen. „Es geht darum, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen und zu schauen, was wir tun können, damit diese Bedürfnisse oder die Besonderheiten, die wir ja alle haben, gut in den Alltag eingebunden werden. Ich versuche mich dabei immer in den Menschen hineinzuversetzen, in seine Umwelt, mit seinen Barrieren, um zu verstehen.“ Dabei ist Flexibilität entscheidend. “Man kann Inklusion nicht als ein festgeschriebenes Konzept sehen. Das Konzept Inklusion muss immer flexibel sein.” Sie gibt Beispiele aus der Praxis, wie die Bereitstellung von Gebetsräumen für Kolleginnen oder die Anpassung der Ernährung für Kinder: „Wenn eine Kollegin zu einer bestimmten Tageszeit beten möchte oder vielleicht auch beten muss, dann bekommt sie natürlich den Raum und die Zeit, um das tun zu können.“ Lapinski betont die Wichtigkeit, auch finanzielle Barrieren zu überwinden, um Teilhabe zu ermöglichen. „Wenn eine Kita-Fahrt geplant ist und wir eine Familie haben, die sich die Kosten nicht leisten kann, dann bezahlt die Kita das.“ Sie erinnert sich an einen Fall, bei dem die Kita die Reisekosten für einen Jungen mit hohen Teilhabebedarfen übernommen hat, um seine Ausgrenzung zu verhindern. Ein weiteres Beispiel für diese Flexibilität ist die Gestaltung des Kita-Tages für Kinder mit Gesundheitsproblemen. „Man muss immer gucken, wie kann ich das gestalten, damit das Kind gut reinkommt, damit das Kind die Zeit, die es in der Kita hat, auch gut verbringen kann.“ Sie schlägt vor, Kinder bei Bedarf zunächst in einem separaten Raum ankommen zu lassen und dann erst zu den Angeboten zu begleiten. Manchmal ist es notwendig, die Betreuungszeiten an die Bedarfe des Kindes anzupassen und sich nicht ganz starr an die Stunden gemäß des Kitagutscheins zu halten, um Überforderung zu vermeiden. Auch hier ist ein sehr intensiver Austausch mit den Eltern und gemeinsame Überlegungen von höchster Bedeutung. Lapinski betont, dass die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen und dass diese oft selbst die besten Lösungen bieten. „Die Kinder geben immer sehr viel Vorlage. Sie sprechen ja sehr viel mit dem Kita-Personal.“ Durch regelmäßige Kinderkonferenzen werden die Wünsche und Ideen der Kinder gesammelt und ernst genommen. „Wir haben mit den Kindern auch regelmäßig besprochen, wie sie die Kita sehen, was sie sich wünschen. Wir haben das immer verschriftlicht und an die Eltern kommuniziert.“ Diese partizipative Herangehensweise trägt nicht nur zur Zufriedenheit der Kinder bei, sondern erleichtert auch die Akzeptanz von Entscheidungen durch die Eltern. „Das Schöne dabei war, dass wir festgestellt haben, dass die Eltern die Entscheidungen dann besser annehmen konnten, wenn sie von den Kindern kamen. Also wir haben sehr viel Wert auf das Recht des Kindes gelegt.“
Hürden, mit denen inklusive Kitas konfrontiert sind
Doch obwohl diese Herangehensweise innerhalb der Kita erfolgreich umgesetzt wird, stoßen Lapinski und ihr Team immer wieder auf Schwierigkeiten. "Das Recht auf Inklusion ist ein Menschenrecht, und dennoch wird es oft nicht umgesetzt", erklärt Monika Lapinski nachdenklich. Ihre Arbeit in den Einrichtungen zeigt ihr täglich, dass die Herausforderungen weit über die theoretische Anerkennung hinausgehen. "Es ist frustrierend zu sehen, wie Ämter sich gegen die Unterstützung von Kitas und Trägern sträuben", sagt sie und fügt hinzu: "Warum müssen wir immer noch über die Grundlagen von Inklusion diskutieren? Es ist doch nichts Neues daran, dass Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen da sind." Lapinski betont die dringende Notwendigkeit einer Unterstützung durch Politik und Verwaltung. "Wenn jetzt ein Amt aufgesucht wird und wir sagen, das Kind bräuchte eine Eins-zu-Eins-Betreuung, und klar, das Kind hat diesen Paragraphen und da gibt es beispielsweise auch eine Fachkraft für Inklusion und trotzdem ist es nicht zu leisten, nicht bei einer Eins-zu-Eins-Betreuung. Das ist ja mit Inklusion auch nicht gemeint. Und trotzdem brauchen manche Kinder eine Eins-zu-Eins-Beobachtung oder -Begleitung. Ich spreche jetzt nicht von der pädagogischen Arbeit, für die ist ja die Fachkraft für Inklusion natürlich zuständig, beziehungsweise das gesamte Team eigentlich. Dann wird das oft mit dem Argument der Doppel-Finanzierung abgewehrt. Ja das geht nicht, weil das wäre ja dann die Doppel-Finanzierung, wo wir uns fragen, wo wäre da die Doppel-Finanzierung. Und im Umkehrschluss ist es oft so, dass die Betreuungszeiten von Kindern gekürzt werden müssen, weil das Kita-Personal das dann einfach nicht mehr schafft. Ich verstehe nicht, warum sich Ämter dagegen sträuben, dass eine Kita-Begleitung über die Eingliederungshilfe dem Kind zur Seite gestellt wird. Das Kind hat ja einen Anspruch darauf. Das Kind hat einen Anspruch auf Bildung, oder ein Recht auf Bildung, und ein Recht auf soziale Teilhabe. Und beides wird behindert, indem die Hilfen ausbleiben. Und die Kitas und die Träger werden meistens allein gelassen.", stellt sie klar. „Warum arbeiten die Ämter nicht mit den Einrichtungen zusammen? Warum gibt es da kein Miteinander? Warum sieht man da diese Hierarchie so stark?“ Ein zentraler Punkt in Lapinskis Argumentation ist die Notwendigkeit einer gerechten Budgetierung. "Warum können wir nicht ein flexibles Budget haben, das es Kitas ermöglicht, individuelle Bedarfe zu decken? Jede Kita sollte die Mittel haben, um auf die spezifischen Bedürfnisse der Kinder einzugehen, weil im Grunde jede Kita eine Inklusionskita ist", fordert sie. Sie hinterfragt auch die Ausbildung der Fachkräfte: "Warum wird die Zusatzqualifikation für Inklusion nicht bereits in die Ausbildung integriert? Jede Fachkraft sollte in der Lage sein, mit Vielfalt umzugehen." Ein weiterer kritischer Punkt ist die finanzielle Belastung für Träger und Fachkräfte, die sich zusätzliche Qualifikationen leisten müssen. "Die Kosten für Weiterbildungen sind mit dem neuen Curriculum prohibitiv hoch. Hier brauchen wir dringend Unterstützung durch staatliche Zuschüsse oder eine vollständige Finanzierung", betont sie nachdrücklich. Trotz der Herausforderungen sieht Lapinski auch positive Entwicklungen, wie die Überarbeitung des Berliner Teilhabe- und Förderplans. "Das war eine großartige Arbeit, die Sie da gemacht haben. Und auch noch mal dieses Signal zu senden an die Träger, an die Einrichtung, dass diese Arbeit eine gemeinschaftliche Arbeit des Kita-Personals ist.", lobt sie. Dennoch mahnt sie zur Einheitlichkeit in den Verwaltungsprozessen, um die Last der Bürokratie zu verringern. Ihr Engagement für Inklusion ist nicht nur beruflich motiviert, sondern von einer tiefen Überzeugung geprägt, dass jede Kita ein Ort der Inklusion sein sollte. "Es geht nicht nur um die rechtliche Verpflichtung, sondern um eine Frage der Gerechtigkeit und Menschlichkeit", sagt sie abschließend.
Barrieren überwinden und Teilhaberechte stärken
Die Notwendigkeit, die Umsetzung von Inklusion zu unterstützen, wird immer dringlicher angesichts des kontinuierlich steigenden Bedarfs. Monika Lapinski erläutert: "Der Bedarf an Inklusion ist steigend, und die Anforderungen an das Personal nehmen kontinuierlich zu.” Ein möglicher Grund hierfür: “Ein Aspekt ist sicherlich die veränderte Elternschaft. Viele Eltern übertragen die Erziehungsverantwortung zunehmend auf die Kitas, nutzen jedoch die zahlreichen Angebote für Eltern nicht ausreichend. Die Verantwortlichkeit liegt aber hauptsächlich bei den Eltern. Die Kita sollte nur ergänzend und beratend tätig sein." Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklungen verstärkt. "Kinder kamen nach der Pandemie mit zusätzlichen Bedarfen zurück. Es war eine Ausnahmesituation, die das Verhalten vieler Kinder verändert hat. Wir beobachten vermehrt herausforderndes Verhalten, und die Diagnose von Autismus-Spektrum-Störungen oder ADHS nimmt zu. Oft fragen wir uns, ob es wirklich Autismus ist oder vielleicht etwas anderes, das bislang unentdeckt blieb." Ein zentraler Punkt in Lapinskis Ansatz ist die Ablehnung der Etikettierung von Kindern. "Jedes Kind hat einen Förderbedarf, jedes Kind ist besonders. Die Etikettierung als 'Integrationskind' oder 'I-Kind' lenkt die Aufmerksamkeit auf die Unzulänglichkeiten und setzt die Kinder unter Druck. Behinderungen im Alltag des Kindes sind das Ergebnis von Barrieren, sei es räumlich oder strukturell, und nicht das Problem des Kindes selbst." Auch im Gespräch mit Eltern klärt Lapinski häufig Missverständnisse über den Begriff "Behinderung" auf. "Behinderung ist ein Symptom von gesellschaftlichen und systemischen Unzulänglichkeiten, nicht ein Makel des Kindes. Wenn Eltern verstehen, dass die Herausforderungen ihrer Kinder in den Barrieren der Umgebung begründet liegen, ändert sich oft ihre Wahrnehmung." Lapinski betont, dass Inklusion nicht nur eine Frage der gesetzlichen Voraussetzungen ist, sondern vor allem eine der Haltung. "Die Haltung im Team ist entscheidend. Ein offenes Team entwickelt Ideen und Lösungswege, um alle Kinder aufzunehmen, unabhängig von ihren Beeinträchtigungen. Inklusion bedeutet, Barrieren zu überwinden und jedem Kind sein Teilhaberecht zu ermöglichen."
Über die Stille sprechen: Nonverbale Kommunikation als Zeichen wahrnehmen
Lapinski betont, dass Inklusion mehr bedeutet, als nur Kinder aus verschiedenen Ländern aufzunehmen oder deren unterschiedliche Fähigkeiten anzuerkennen. "Inklusion bedeutet, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen, diese zu erkennen und darauf zu reagieren. Das gilt besonders für Kinder, die die verbale Sprache nicht beherrschen. Oft wird aus Hilflosigkeit oder Unsicherheit weggeguckt, wenn ein Kind sich nicht verbal äußern kann. Dabei kommunizieren diese Kinder so viel über Blickkontakt, Mimik, Gestik und Körpersprache. Wir müssen uns die Zeit nehmen, diese Zeichen zu erkennen und zu verstehen." Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist die Videographie. "Wir haben in unserer Kita Videosequenzen von den Kindern gemacht und diese gemeinsam ausgewertet. Dadurch sieht man so viel mehr und kann einen Perspektivwechsel erreichen. Es hilft, das Bild vom Kind zu überdenken und zu hinterfragen, ob das Kind wirklich immer den Morgenkreis oder das Mittagessen stört oder ob wir die guten Situationen übersehen. Wir tendieren oft dazu, zu urteilen und zu werten. Davon müssen wir wegkommen und stattdessen auf die nonverbale Kommunikation der Kinder achten." Lapinski erläutert weiter, dass auch aggressive Verhaltensweisen oft Missverständnisse sind. "Kinder senden Signale, dass etwas für sie nicht stimmt. Anstatt das Verhalten als aggressiv zu werten, sollten wir versuchen zu verstehen, was das Kind uns mitteilen möchte. Oft sind wir hilflos und verlassen die Situation, lassen das Kind allein. Aber wir müssen hinschauen und erkennen, wann das Kind kooperieren möchte und es in diesen Momenten begleiten. Das führt zu einem anderen Kontakt und das vermeintlich negative Verhalten nimmt ab." Bei herausforderndem Verhalten sind Gespräche mit den Eltern unerlässlich. "Die Eltern sind wichtige Gesprächspartner. Wenn ein Kind uns herausfordert, schauen wir zuerst, was im Kita-Alltag geändert werden kann. Wenn das Verhalten anhält oder intensiver wird, brauchen wir Experten wie Ärzte oder Therapeuten. Wir unterstützen die Familien, sich auf den Weg zu machen, indem wir Entwicklungsberichte schreiben und die Eltern beraten, wohin sie sich wenden können. Manchmal stellen wir auch den Kontakt her, wenn die Eltern unsicher sind." Die enge Zusammenarbeit mit den Eltern und anderen Akteuren ist essenziell. "Es ist ein ganzes System, das zusammenarbeitet, um das Beste für das Kind zu erreichen. Nur so kann Inklusion funktionieren. Auch wenn Eltern anfangs Schwierigkeiten haben, zu akzeptieren, dass ihr Kind Teilhabebedarfe hat, sind sie am Ende oft dankbar, dass die Kita hartnäckig war und Unterstützung initiiert hat." Abschließend betont Lapinski, dass Inklusion bereits in der frühkindlichen Bildung beginnen muss, um langfristig positive Auswirkungen auf den Bildungs- und Lebensweg der Kinder zu haben. "Ein inklusives Konzept in der frühkindlichen Bildung kann präventiv wirken und dazu beitragen, dass Kinder später weniger Schwierigkeiten haben. Wir müssen die Strukturen und Haltungen in unseren Kitas so gestalten, dass alle Kinder die Unterstützung und Anerkennung erhalten, die sie brauchen." Lapinski sieht die Kita als optimalen Ort für Inklusion und Prävention späterer sozialer Probleme. „Die Kinder sind so achtsam mit allem, was um sie herum passiert,“ sagt sie. „Dieses vielfältige Miteinander fördert unglaublich stark das soziale Verhalten der Kinder.“ Sie hebt hervor, dass Kinder in den frühen Jahren sehr offen und anpassungsfähig sind und dass Vorurteile und Ausgrenzungen erst später, oft beeinflusst durch das Elternhaus, entstehen. „Die Inklusion in der Kita ist aus meiner Sicht am besten möglich, weil für die Kinder ist ja alles so selbstverständlich.“
Sprungbrett zur Vielfalt: Wie eine Kita geflüchteten Kindern den Start erleichtert
Im Rahmen des Gespräches hob Monika Lapinski auch ein herausragendes Projekt hervor, bei dem Inklusion erfolgreich in ihrer Kita umgesetzt wurde. "Als ich die Leitungsposition übernahm, erhielten wir eine Anfrage vom Bezirksamt Spandau für ein sogenanntes Sprungbrett-Angebot. Ziel war es, geflüchtete Kinder mit Kita-Kindern in Kontakt zu bringen, um ihnen den Alltag zu erleichtern und soziale Kontakte zu fördern," erzählt Lapinski. "Meine erste Reaktion war einfach zu sagen: Ja, das machen wir. Ich hatte viele Ideen und Vorstellungen, wie das funktionieren könnte, und teilte diese mit meinem Team." Zu Lapinskis Überraschung stieß ihr Vorschlag auf große Zustimmung und Kreativität innerhalb des Teams. "Das Team war begeistert und brachte viele eigene Ideen ein. Sie schlugen vor, Räume zu öffnen, Leseangebote zu machen, Theater zu spielen, zu tanzen und zu basteln. Die positive Reaktion des Teams war überwältigend und zeigte, dass wir auf dem richtigen Weg waren." Die Umsetzung des Angebots begann bald, und die geflüchteten Kinder nahmen an drei Nachmittagen pro Woche für zwei bis drei Stunden an den Kita-Aktivitäten teil, zunächst in Begleitung ihrer Eltern und später von Betreuern. "Die Kinder haben gemeinsam mit unseren Kita-Kindern gespielt, gegessen, gelacht und sich integriert. Besonders beeindruckend war, wie schnell sie die deutsche Sprache lernten und sich in die Gruppe einfügten," berichtet Lapinski. Einige dieser Kinder erhielten später auch reguläre Kita-Plätze. "Es brauchte keine große Eingewöhnung, weil die Kinder schon da waren und sich wohlfühlten. Anfangs hatten wir Schwierigkeiten mit der Akzeptanz der Elternschaft. Viele Eltern hatten Vorurteile und Ängste, dass Dinge gestohlen oder kaputt gemacht würden," erinnert sich Lapinski. Durch offene Gespräche und Elterncafés, die die Interaktion und den Austausch förderten, gelang es Lapinski und ihrem Team, diese Vorbehalte zu überwinden. "Ich habe den Eltern erklärt, dass diese geflüchteten Familien Schutz und Akzeptanz suchen, genauso wie wir es uns wünschen würden, wenn wir ins Ausland gingen. Diese Offenheit hat schließlich dazu geführt, dass die Eltern die Vielfalt und die Vorteile der Inklusion erkannten." Mit der Zeit entwickelten sich die Elterncafés zu Selbstläufern, organisiert und begleitet von den Elternvertretern selbst. "Die Elterncafés führten zu schönen Gesprächen und stärkten das gegenseitige Verständnis und den Respekt," berichtet Lapinski. "Bei unseren Festen waren die geflüchteten Kinder und ihre Familien immer eingeladen und fühlten sich zunehmend wohler." Ein besonderer Erfolg des Sprungbrett-Angebots war die Integration eines Betreuers der geflüchteten Kinder, der später als Erzieherhelfer in der Kita anfing und sich mittlerweile als fester Bestandteil im Träger etabliert hat. "Es freut mich sehr, dass aus dieser Initiative langfristige Verbindungen und berufliche Perspektiven entstanden sind," sagt Lapinski abschließend.
Gemeinsam stark für Inklusion
Bei der Betrachtung der Erfolge des Zentrums beschreibt Monika leidenschaftlich entscheidende Momente, in denen inklusive Prinzipien in die Tat umgesetzt wurden. "Ich freue mich immer, wenn ein Team mir von einer Familie berichtet, die Betreuung für ein Kind mit spezifischen Bedarfen sucht. Selbst wenn uns eine spezialisierte Fachkraft fehlt, nehmen wir das Kind mit offenen Armen auf. Das verkörpert für mich unsere Mission. Es geht darum jedes Kind so anzunehmen, wie es ist." Sie betont die nahtlose Integration inklusiver Praktiken durch das Team, trotz unterschiedlicher Expertisen. "Teams, die diese Ethik verkörpern, benötigen möglicherweise immer noch Unterstützung von Behörden, aber sie setzen sich mit einer unerschütterlichen Hingabe für Inklusion ein", bemerkt Monika und unterstreicht die Widerstandsfähigkeit des Teams im Umgang mit bürokratischen Herausforderungen. Sie erzählt von prägenden Momenten mit ihren Kollegen. "Der Moment, in dem ich sehe, wie sehr sich meine Kollegen über die Entwicklungsschritte eines Kindes freuen, hat immer einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Ihr Stolz und ihre empathische Kommunikation sind wirklich ermutigend", teilt sie mit, ihre Stimme voller Bewunderung für das Engagement des Teams und deren Leistungen im Kita-Setting. Sie erinnert sich daran, wie gemeinsame Reflexionen unter Kollegen zu innovativen Lösungen geführt haben. "Diese Diskussionen entfachen oft lebhafte Debatten, die in Lösungen voller Hoffnung münden. Es ist unglaublich befriedigend, unseren gemeinsamen Weg hin zu mehr Inklusion zu beobachten", reflektiert Monika herzlich. Im Hinblick auf ihre Zukunftswünsche für die Inklusion drücken Monikas Worte Dringlichkeit und Hoffnung aus. "Mein Wunsch ist es, dass Gesellschaft und Kita-Profis jeden Einzelnen mit all seiner Einzigartigkeit offen und ohne Angst annehmen", betont sie. An die Politik gerichtet, unterstreicht sie die Notwendigkeit einer echten Anerkennung der Herausforderungen, denen Familien mit Kindern mit Behinderungen gegenüberstehen. "Familien müssen oft ein Labyrinth durchqueren, um auf essentielle Dienste zuzugreifen. Sie verdienen klare Wege und uneingeschränkte Unterstützung, nicht finanzielle Barrieren", stellt sie bestimmt fest. Monika fordert eine Überprüfung der Personalquoten und betrachtet die Investition in Kita-Einrichtungen als Bildungsinstitutionen als wesentlich. "Es sollte nicht dem Glück überlassen sein, in welche Einrichtung ein Kind gelangt. Jedes Kind verdient Zugang zu qualitativ hochwertiger Betreuung und Bildung. Kinder können nicht fünf oder zehn Jahre auf angemessene Unterstützung warten. Diese brauchen sie sofort. Die Kita-Jahre sind prägend und legen den Grundstein für ihre Zukunft", betont sie leidenschaftlich. Mit dem Ende unseres Gesprächs strahlt Monikas unerschütterliches Engagement für eine inklusive frühkindliche Bildung durch. "Lasst uns diese entscheidenden Jahre der Kindheit wertschätzen, indem wir unsere Kitas mit vollem Herzen unterstützen", schließt sie und hinterlässt einen nachhallenden Appell zum Handeln, der über unser Interview hinaus nachklingt.
VKMK drängt auf schnelle Umsetzung des TV-L Tarifabschlusses für Berliner Kitaträger vor Weihnachten
Der VKMK appelliert an den Berliner Senat, nicht nur die zweistufigen Anpassungen, sondern auch nunmehr die Hauptstadtzulage in die Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder (RV-Tag) innerhalb der nächsten zwei Wochen zu integrieren und umzusetzen.
Berlin, 13.12.2023 – Der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) appelliert an den Berliner Senat, den jüngsten Tarifabschluss zwischen der Tarifgemeinschaft der Länder (TV-L) und den Gewerkschaften zeitnah umzusetzen. Der Abschluss, datiert auf den 9. Dezember 2023, markiert einen bedeutenden Schritt für die hochengagierten Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst.
Die Rückkehr Berlins als vollwertiges Mitglied in die Tarifgemeinschaft TV-L und die Übernahme der Hauptstadtzulage von 150 Euro pro Monat als festen Bestandteil des neuen Tarifvertrages stellen wichtige Entwicklungen dar. Zusätzlich beinhaltet der Abschluss eine steuer- und sozialabgabenfreie Inflationsprämie, eine zusätzliche Stadtstaatenzulage sowie eine zweistufige Erhöhung der Entgelte.
Für den VKMK ist es von höchster Dringlichkeit, die verbindliche Finanzierung vor Beginn der Weihnachtsfeiertage zu regeln. Die freien Kitaträger, welche 89,1 % aller Kitaplätze in Berlin bereitstellen, stehen vor der Herausforderung, die erforderlichen finanziellen Mittel für die steuer- und sozialabgabenfreie Inflationsprämie in Höhe von 1.800 Euro pro Beschäftigter/m aufzubringen.
Die aktuelle Regelung des Tarifvertrags berücksichtigt jedoch lediglich pädagogische Fachkräfte und vernachlässigt die Beschäftigten aus Verwaltung und Hauswirtschaft vollumfänglich, ähnlich der vergangenen Corona-Prämie seitens des Berliner Senats. Dies steht im Widerspruch zur gebotenen Wertschätzung und Anerkennung der vielfältigen Arbeit der Kitateams. Weiterhin stellen die bürokratischen Verzögerungen im Umsetzungsprozess ein deutliches Hindernis dar. Obwohl eine unverzügliche Festlegung der Tarifergebnisse in der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder (RV-Tag) innerhalb von zwei Monaten gefordert wird, verursacht diese zeitliche Einschränkung für die freien Träger Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit ihren Mitarbeitenden in der Vorweihnachtszeit.
Der VKMK appelliert an den Berliner Senat, nicht nur die zweistufigen Anpassungen, sondern auch neben der Stadtstaaten-Zulage nunmehr die Hauptstadtzulage in die Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder (RV-Tag) innerhalb der nächsten zwei Wochen zu integrieren und umzusetzen.
Die rechtzeitige Bereitstellung der Mittel für die Inflationsausgleichsprämie vor dem 1. Januar 2024 wäre zudem ein bedeutendes Zeichen der Wertschätzung für die Beschäftigten in der frühkindlichen Bildung.
Bundesverwaltungsgericht entscheidet über Zuzahlungsbegrenzung von freiwilligen Elternbeiträgen
Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht über einen bedeutsamen Fall verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf.
Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht (BVG) über einen bedeutsamen Fall (verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen der Eltern, zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf. Sie thematisiert, ob sie gegen die Diversität der pädagogischen Angebote freier Träger verstößt und gleichzeitig das elterliche Recht auf Wahlfreiheit in unzulässiger Weise einschränkt.
Wie kam es zu dem Entscheid der Einschränkungen?
Die aktuelle Rechtsverordnung zur Finanzierung der Tagesbetreuung (RVTag) wurde im Jahr 2018 im Land Berlin eingeführt. Eine der zentralen Regelungen dieser Verordnung betrifft Eltern, die ihre Kinder in Kindertagesstätten betreuen lassen. Diese Eltern können freiwillige Beiträge leisten, die oftmals dazu verwendet werden, die Qualität der Betreuungseinrichtungen zu steigern oder zusätzliche Leistungen für ihre Kinder zu finanzieren. Im Rahmen dieser Verordnung führte die RVTag auch eine Zuzahlungsbegrenzung für diese Elternbeiträge ein. Diese Begrenzung setzt die Höchstgrenze auf 90 Euro pro Kind fest. Im Sinne der Gleichberechtigung einkommensschwacher Familien, kann dieser Elternbeitrag im Bedarfsfall vom Staat unterstützt werden, um sicherzustellen, dass diese nicht unverhältnismäßig belastet werden und gleichen Zugang zu den Betreuungsangeboten erhalten.
Genannte Gründe, für die Einführung dieser Begrenzung waren:
1. Soziale Gerechtigkeit: Die Begrenzung soll sicherstellen, dass alle Eltern Zugang zu qualitativ hochwertigen Betreuungseinrichtungen haben, unabhängig von ihrem Einkommen.
2. Vermeidung sozialer Ungleichheit: Ohne Begrenzung könnten einkommensstarke Eltern erheblich höhere Beiträge leisten und ihren Kindern somit ein deutlich anderes Bildungsfeld bieten, als sozial schwache Eltern. Dies würde zu sozialer Ungleichheit führen können.
3. Schutz einkommensschwacher Familien: Die Begrenzung dient dazu, einkommensschwache Familien vor übermäßigen finanziellen Belastungen zu schützen.
Es ist von entscheidender Bedeutung zu unterstreichen, dass die festgelegte Obergrenze von 90 Euro weder auf der Grundlage offizieller Statistiken noch auf belastbaren Zahlen beruht. Darüber hinaus wurde diese Grenze nicht im Rahmen eines gemeinsamen Konsenses mit den Trägern erarbeitet, obwohl dies zu Beginn der Diskussion als unerlässlicher Bestandteil für die Ermittlung einer realistischen Obergrenze angesehen wurde. Dieser Punkt ist von grundlegender Wichtigkeit und ein zentraler Anklagepunkt.
Desweiteren ist dieser willkürlich wirkende Betrag von 90 Euro seit seiner erstmaligen Einführung im Jahr 2018 unverändert geblieben, obwohl sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren erheblich verändert hat.
Die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht:
Das Ablehnen eines offenen Dialoges mit den Trägern, bei der Ermittlung einer realistischen Obergrenze, hat gravierende Folgen mit sich gezogen, welche Schlussendlich zu einer Klage geführt haben:
Einige freie Träger und Elterngruppen haben gegen diese Begrenzung geklagt. Sie argumentieren, dass die Zuzahlungsbegrenzung die Pluralität und Angebotsvielfalt freier Träger einschränkt. Freie Träger bieten oft spezialisierte Dienstleistungen und pädagogische Ansätze an, die von Eltern geschätzt werden, aber zusätzliche Kosten verursachen. Durch die Begrenzung der Elternbeiträge würden diese Einrichtungen finanziell benachteiligt und könnten möglicherweise gezwungen sein, ihre Angebote zu reduzieren oder gar zu schließen. Dies, so die Kläger, verletze das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, die für die bestmögliche Betreuung ihrer Kinder bezahlen möchten.
Einige, weitere Risiken, die im Zuge der Zuzahlungsbegrenzung der Elternbeiträge entstehen können:
1. Qualitätsverlust bei der Bildungsarbeit: Die Begrenzung der Elternbeiträge kann die Qualität und den Umfang der Bildungsarbeit der Betreuungseinrichtungen gefährden, da sie weniger finanzielle Mittel für Personal und Bildungsmaterialien für die Zusatzleistungen zur Verfügung haben.
2. Mangelnde Anpassungsfähigkeit an steigende Kosten: Die Inflation und steigende Betriebskosten führen oftmals dazu, dass Einrichtungen Schwierigkeiten haben, mit den finanziellen Belastungen Schritt zu halten. Hier gibt es keinerlei privaten Entwicklungsrahmen, um dem entgegenzuwirken. Die Konsequenzen, wenn nicht politisch rechtzeitig bedacht und behoben, sind dementsprechend nicht beeinflussbar. Rahmenbedingungen vor Ort, wie beispielsweise das Betreuungs- & Bildungsangebot oder die Lebensmittelqualität, können sich verschlechtern, ohne die Möglichkeit hier zu agieren.
3. Einschränkung der Angebotsvielfalt: Die Begrenzung der Zuzahlungen kann auch dazu führen, dass Betreuungseinrichtungen ihre Angebotsvielfalt reduzieren, spezialisierte Dienstleistungen einstellen müssen, oder sich hier nicht entsprechend weiterentwickeln können.
Die Perspektive unseres Verbandes:
Der VKMK (Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger) sieht die Zuzahlungsbegrenzung als eine Belastung für seine Mitglieder. Obgleich es Gründe gibt, die für diese Begrenzung sprechen, ist es von absoluter Wichtigkeit, dass diese ausreichend beleuchtet und an die aktuellen (insbesondere auch wirtschaftlichen) Herausforderungen angepasst wird. Ein Grundgedanke, geboren in der Idee,Chancengerechtigkeit bereits im Kita-Alter etablieren zu können, sollte nicht in einer Einschränkung oder gar erheblicher Reduzierung der Qualität in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen münden, da sie nicht ausreichend an den realen Ist-Zustand angeglichen ist oder wird.
Es ist von großer Bedeutung zu unterstreichen, dass unser Verband von Anfang an nicht als Fachverband angehört und in die damalige Diskussion mit einbezogen wurden, aufgrund von Entscheidungen des SenBJF, die auf die Initiative der damaligen StS und Senatorin zurückzuführen sind. Bereits zu dieser Zeit haben wir die Unklarheiten und die Rechtfertigung dieses Vorgehens in Frage gestellt und die Entscheidung angezweifelt.
Wir benötigen finanzielle Flexibiltät und Anpassungsfähigkeit, in einer Zeit, die eben dies immer wieder deutlich einfordert. Innovative pädagogische Ansätze, spezielle Betreuungsmodelle oder die bloße Angleichung an die wirtschaftliche Lage, können nicht (über)leben, in einem festgefahrenen, limitierten Rahmen, der keine Entwicklungsmöglichkeiten bietet - oder denen erst sehr zögerlich nachkommen kann.
Die damalig festgelegten 90 Euro, wirkten, ohne untermauernde Beispiele und Zahlen, willkürlich und hätten im Konstrukt Flexibilität bieten müssen, um sich den wachsenden Herausforderungen anpassen zu dürfen, oder hier Adjustierungen vornehmen zu können.
Wir haben dieses Thema diverse Male bereits journalistisch aufgearbeitet. In den folgenden Artikeln, können die mannigfaltigen Herausforderungen der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, die unter anderem beinflusst sind durch eben diese Zuzahlungsbegrenzung, noch einmal aufgearbeitet betrachten.
Wir hoffen, dass das Bundesverwaltungsgericht die verschiedenen Interessen und Herausforderungen sorgfältig abwägen wird, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen, welche die Qualität in der frühkindlichen Bildung voranbringen kann.
Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. - Wir fordern Lösungen. Jetzt.
Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. Wir fordern Lösungen. Jetzt.
Lisa Henriette Huber, Referentin Presse- & Öffentlichkeitsarbeit & Lars Békési, Geschäftsführer,
Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e.V.
Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. An diesem Montag hat die amtierende Jugendsenatorin (SPD) wiederholt bewiesen, dass es großen Bedarf an neuen Impulsen gibt, für zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Bereich der Freien Träger. Und während Berlin sich bisher sehr zurückhaltend äußerte und den großen Personalmangel eher vorsichtig und meist negierend thematisierte, so gab es dieses Mal, von Senat eine doch sehr überraschend ehrliche Antwort: Nach einer schriftliche Anfrage vom VKMK an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, um Antworten auf künftige Maßnahmen bezüglich der fortlaufenden Unterbesetzung zu suchen, erhielten wir erstmals eingestehende Worte:
“Dem Senat ist bewusst, dass Phasen der Über- und Unterschreitung des Personalschlüssels systembedingt sind. Im Falle anhaltender Personalunterschreitungen sind jedoch die Kitaträger gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. (...)”
Und, wenngleich es beinahe tröstend ist, die lang ersehnte, wenn auch noch milde formulierte Anerkennung dessen zu erhalten, was wir seit langem als Realität wahrnehmen, so sieht man doch wieder dasselbe, alte Problem, das schon seit Jahren zu keiner gewinnbringenden Lösung führt:
Die Weitergabe der Verantwortlichkeit für das Suchen und Finden einer Lösung.
Ein strukturell abgebauter und systematisch unterfinanzierter Sektor bricht zusammen und die Symptomatiken, die hierbei selbsterklärend zum Vorschein treten, sollen von den Betroffenen – ohne ausreichend finanzieller Mittel - selbst bekämpft werden. Wir blicken seit Jahren, bei einem wachsenden System, in sich immer weiter leerende Finanzierungstöpfe, die immer größeres Wachstum an Abgängen von qualifizierten Pädagog:innen verursachen und zu immer mehr schrumpfenden Bewerbungszahlen für neue Auszubildende führen. Ein Strudel, der die Qualität der pädagogischen Arbeit seit Jahren in die Tiefe saugt. Wer heute noch Pädagog:in werden möchte, muss Überbelastung und Unterfinanzierung im großen Stil erwarten.
Dieser Alltag spiegelt keine Ausnahme, sondern die Regel wider. Und selbst wenn hochmotivierte Kräfte an der Tür klopfen und sich dem Dilemma annehmen möchten, so müssen sich immer mehr Kitas Berlins eingestehen: "Die Gelder für Personal sind schlichtweg nicht da.” Wir sind über “Bitten” und “Wünschen” schon lange hinaus. Es wird Zeit, dass die klaren Formulierungen an Bedarf von den Kitas endlich Gehör finden und Handlungen und Verantwortungsübernahme stattfinden - seitens der Politik.
“Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer.”
Das System, wie es bis heute umgesetzt wurde, ist nicht zukunftsfähig. Statt Kitaplatz Ausbau zu betreiben, wie es momentan dringend und zwingend nötig wäre, finden wir uns in einer Reduktion der Berliner Kitas wieder, da ein Verkleinern auf Grund von finanziellen Zusatzbelastungen und dem massiven Personalmangel für viele unumgänglich geworden ist. Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer und sorgen hier für mannigfaltige Probleme, die wir gesellschaftlich in die Zukunft tragen. Diese Kinder von heute, denen es in den Kitas an Raum und Platz und Entfaltungsmöglichkeiten mangelt, um die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben, die es im späteren Alter bedarf, sind die Erwachsenen von Morgen. Die Erwachsenen, die unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes lenken und formen werden.
Es wird Zeit, dass sich die Koalitionäre des neuen Senates ihrer Verantwortung dieser Zukunft bewusst werden - und handeln.
Prävention gegen Jugendgewalt beginnt bei den Jüngsten.
Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden.
Beim zweiten Gipfel gegen Jugendgewalt, der am 22.02.2023 in Berlin auf Einladung der regierenden Bürgermeisterin stattfand, wurden konkrete Maßnahmen vorgestellt und thematisiert zur Prävention von Jugendgewalt für die kommenden 2 Jahre (2023-2024).
Unter dem Namen “Initiative für mehr Respekt - Berlin gegen Jugendgewalt” haben sich die Bezirke, zuständige Senatsmitglieder, die Generalstaatsanwältin in Berlin, die Landesbeauftragte für Integration und Migration, die Polizeipräsidentin in Berlin, die Landeskommission gegen Gewalt, sowie weitere Akteurinnen und Akteure aus der Jugend- und Jugendsozialarbeit, gemeinsam, zum zweiten Mal besprochen. Neben diversen Initiativen, die insbesondere Schüler:innen und Jugendliche betreffen, wurde unter anderem auch über das bereits bestehende Modellprojekt der Kita-Sozialarbeit gesprochen, welches in 16 weitere Standorte, in sozial benachteiligten Quartieren, ausgeweitet werden soll. Die Idee: Problemlagen im Leben des Kindes frühzeitig erkennen, um hier Hilfestellung zu leisten und somit auch den anschließenden Übergang in das Schulsystem zu erleichtern.
Während wir die Thematisierung und insbesondere das Bedenken der Kindertagesstätte im Zuge dieser Diskussion sehr begrüßen, sowie ebenfalls den allgemeinen Schritt zu mehr Unterstützung von Kindern und Jugendlichen als sehr wichtig und richtig erachten, sogar den direkten Fokus bisweilen hier lange vermisst haben, sind wir doch erstaunt über die sehr zurückhaltenden Maßnahmen, die den Kitas zuteilen werden.
Das Modellprojekt "Kita Sozialarbeit" wurde bis dato mit einem Budget von ca. 300.000 Euro ins Leben gerufen. Ein kleiner Tropfen auf dem berüchtigten heißen Stein. Und obgleich jede finanzielle Hilfestellung benötigt und somit dankbar angenommen wird, so wird doch recht schnell deutlich, dass die Rahmen des Möglichen bisher, keine nachhaltige Veränderung bewirken können. Denn, wenn man für die 190.000 Kitakinder in Berlin jeweils lediglich 2 Euro pro Tag, pro Kind, bereitstellen würde, um eine deutliche Veränderung anzustreben, so käme man auf einen benötigen Finanzierungsrahmen von ca. 1,9 Millionen Euro.
Kinder,- und Jugendhilfe sollte keine “Entweder, Oder”-Frage sein.
Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Insbesondere der Altersabschnitt 0-3 Jahre spielt hier eine immens bedeutsame Rolle. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden. Während es zweifellos unverzichtbar ist, Kindern und Jugendlichen zu helfen, sie zu fördern und zu stützen, insbesondere in sozial benachteiligten Quartieren, ist es ebenso wichtig Kleinkindern, aus den selbigen sozialökonomischen Verhältnissen, die die positive Entfaltung des Kindes beinträchtigen, den Start in das Leben zu ermöglichen, der Möglichkeiten auf etwaige künftige Abwege bereits nachhaltig reduzieren könnte.
Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung.
Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung: Durch Ausgrenzungs- und Frustrationserfahrungen und damit ebenfalls verbunden; vielen weiteren verpassten Chancen auf Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Die Entwicklungsphasen, die stufenweise nach oben führen sollten, um aus einem Kleinkind/Kind einen sozial-integrierten Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen, mit den notwendigen Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben zu bilden, ähneln bei diesen Kindern, oftmals einer Abwärtsspirale. Diese macht sich im Jugendalter schließlich deutlich bemerkbar, durch Wut, die mannigfaltig in Erscheinung treten kann: Gegen sich selbst, berufliche und schulische Entfaltungsmöglichkeiten, sowie letztlich auch durch emotionale oder körperliche Gewaltausübungen gegenüber u.a. auch anderen Personen.
Für eine erfolgreiche Umsetzung, die sich positiv in den heranwachsenden Kindern, Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen der Bundesrepublik abzeichnen würde, ist es von äußerster Notwendig hier eben genau dort anzusetzen, wo man die künftige Entwicklung noch deutlich lenken und ändern kann und hierbei sämtliche gesellschaftlichen Sozialschichten zu bedenken, was eine flächendeckende Ausweitung der Kita-Sozialarbeit unverzichtbar macht.
Eine Anpassung der Finanzierungssummen, sowie ein realistisches Abdecken der aktuellen Problemfelder in den Kitas Berlins ist demnach unerlässlich.
Eine starke Unterfinanzierung, gepaart mit hoher Überbelastung, führten in den vergangenen Jahren selbsterklärend zu einer Abnahme an Bewerbungen und einem Anstieg an Abgängen. Das Dilemma spiegelt sich im heutigen Personalmangel wider, welcher ohne Zweifel nicht nur auf dem Arbeitsmarkt erkennbar ist, sondern auch in der Qualität der pädagogischen Arbeit und somit auch nachhaltig an den mannigfaltigen Kompetenzen, die den Kleinkindern im Rahmen der Kita hätten vermittelt werden sollen und müssen, und hier jedoch zunehmend an die Grenzen des Möglichen stoßen. Die bisherige Finanzierungssumme, die der Kita-Sozialarbeit zuteilwurde, war bereits nicht ausreichend, um hier qualitativ nachhaltige Veränderungen anstreben zu können. Eine Ausweitung dessen im Zuge des Themas “Berlin gegen Jugendgewalt” sollte hier zu einer einzelnstehenden Diskussion führen, mit einer realistischen Abbildung des aktuellen Finanzierungsrahmens und einem Abgleich dessen mit den aktuellen Problemfeldern.
Wir erachten eine finanzielle Förderung von mindestens 2 Euro pro Kind, pro Kita-Tag, im Rahmen der Kitasozialarbeit, als unerlässlich um hier aktiv Präventionen gegen Jugendgewalt umsetzen zu können.
Für ein realistisches Abbild der Gesamtsituation in den Kitas Berlins, des benötigten finanziellen Rahmens, sowie nachhaltige Ansätze für Veränderung in der Präventions-Arbeit gegen Jugendgewalt, laden wir den Finanzsenators, sowie die Jugendsenatorin Berlins gerne für ein Gespräch ein.
Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte.
erfolgreiche Integration mit Chancengleichheit.
Das vom Bund angesetzte Sprachförderprogramm „Sprach-Kita“ sollte zum Ende dieses Jahres auslaufen und erhielt nun vom Bund eine Übergangsfrist, bis Mitte 2023. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.
Aber wie wird diese aussehen?
Wer übernimmt die Verantwortung für die Sprach-Kitas in Berlin?
Eine Nachricht, die nicht nur die Kitaträger in Berlin erschütterte, sondern auch die vielen Familien, die davon betroffen sind. Das vom Bund angesetzte Sprachförderprogramm „Sprach-Kita“ erhält nach einer Gesamtzeit von 11 erfolgreichen Jahren einen offiziellen Finanzierungsstopp. Eine Förderung, die bis heute dankbar und erfolgreich angenommen wurde.
Gerade für Kinder, die in mehrsprachigen Familienhaushalten aufwachsen und Deutsch nicht als erste Muttersprache erlebt haben, ist diese Förderung unverzichtbar für die Entwicklung und damit auch erfolgreiche Integration mit Chancengleichheit.
Das Förderungsprogramm sollte zum Ende dieses Jahres auslaufen und erhielt nun vom Bund eine Übergangsfrist, bis Mitte 2023. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.
Aber wie wird diese Lösung aussehen?
SPD-Chef in Berlin, Raed Saleh, positionierte sich hierzu entrüstet und appellierte an das Finanz- und das Familienministerium, dies zu korrigieren. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) solle sich hierzu klar positionieren. Wissend, dass das grüne BMFSFJ zuvor die Gelder für den Fortgang der Förderung gestrichen hatte und dem Finanzminister hier, im Rahmen der Ampel-Regierung, nicht diverse Entscheidungen freistehen.
Saleh betonte die außerordentliche Wichtigkeit dieser Förderung und wies darauf hin, dass diese unverzichtbar sei für ausreichende Zukunftsperspektiven der Kinder. Kurz zuvor positionierte sich auch Aziz Bozkurt (SPD), Jugend-Staatssekretär, klar im Interview mit dem RBB und betonte, dass Sprachförderung oberste Priorisierung erfahren sollte.
Eine klare Haltung, die sich auf den ersten Blick nicht nur gut liest, sondern vielleicht beinahe so deuten lässt, als wären der SPD bei der Entwicklung und Ausgangslage des Sprachförderungsprogramms die Hände ebenso verzweifelt gebunden, wie den betroffenen 351 Sprachkitas in Berlin.
Fast scheint dabei unterzugehen, dass Raed Saleh, als Chef der SPD in Berlin, hier als fundamentaler Entscheidungsträger, man könnte sogar sagen "Strippenzieher", agieren kann und muss.
Das Spachförderungsprogramm startete vor 11 Jahren als Projekt. Der Bund stellte Berlin hierfür, als Anschubfinanzierung, Fördergelder mit einer aktuell jährlichen Höhe von 13,4 Millionen Euro bereit. Dieses Projekt wurde bisher nicht als fester Bestandteil in der frühkindlichen Bildung integriert, sondern stets nur als Projekt in diverse "Verlängerungen" gegeben. Dass diese Verlängerungen irgendwann ein Ende finden würden, dürfte niemanden, der sich mit der Thematik auseinandergesetzt hat, überraschen. Sehr überraschend dagegen ist, dass nach so vielen Jahren, die Personen, mit der entsprechenden politischen Verantwortlich,-und Handlungsfähigkeit, sich hier beider zu entziehen scheinen.
Die 13,4 Millionen Euro, die jährlich in Berlin für den Fortgang der Sprach-Kitas zur Sprachförderung genutzt werden, können kurzerhand durch die Regierungspartei SPD in das Parlament gebracht, diskutiert und umgesetzt werden. Schließlich liegt die Verantwortung der Bildungsgelder seit 26 Jahren in den Händen der SPD-SenatorenInnen für Bildung, Jugend und Familie.
Ein rein wahltaktisch motivierter öffentlicher Appell an die grüne Bundesfamilienministerin, ersetzt keine öffentliche Debatte.
Es gilt, die Berliner Grünen als Koalitionspartner im Senat bei dieser Thematik zu überzeugen. Stattdessen gleichen die Ansätze viel mehr einem Weiterreichen der Verantwortlichkeiten.
Während zusätzliche 500 Millionen Euro für die Vergünstigungen im Berliner Nahverkehr generiert werden können, wird es zu einem politischen Katz-und-Maus-Spiel, bei der Verantwortlichkeits-Frage, um die 13,4 Millionen Euro für frühkindliche Bildung. Alles, während gleichzeitig immer wieder betont wird, wie unverzichtbar diese Förderungen für die jüngsten Generationen sein.
Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichkeiten für die Finanzierungen hier, dem Bund entzogen und von denjenigen übernommen werden, die als politische Entscheidungsträger für Familien und Bildung in Berlin zuständig sind, damit wir eine schnelle Lösung finden können, die nicht nur den Kindertagesstätten oder den pädagogischen Fachangestellten für Sprachförderung ein Aufatmen geben können, sondern auch den vielen Kindern und Familien, die von dieser Förderung nachhaltig profitieren.
Unser Kommentar zum zweiten Lockdown
Vieles bleibt unklar
So wurden noch keine genauen Informationen zur Umsetzung des bezahlten Urlaubs für Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen können, gegeben. Darüber hinaus gibt es nur eine vage Zusage, dass die Finanzierung der Kita-Einrichtungen weiterläuft.
Wir brauchen klare Regelungen
Am vergangenen Sonntag, 13.12.2020 haben sich die Ereignisse, was die nächsten Wochen betrifft, überschlagen. Nach der Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel, Bundesminister Scholz, Bürgermeister Müller und Ministerpräsident Söder nach der Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder folgten in der Pressekonferenz nach der Sondersitzung des Berliner Senates Verlautbarungen und speziell der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Wir werden im Folgenden die Probleme dieses kurzfristigen Lockdowns besprechen.
Was wurde für Kita-Betriebe beschlossen?
Obwohl das 22. Trägerschreiben noch nicht verschickt wurde, gibt es schon einige Punkte der geplanten Maßnahmen, die bereits öffentlich bekannt sind. Bekannt ist, dass zum Mittwoch, 16. Dezember, ein zweiter “harter” Lockdown beschlossen wurde. Das heißt, ab Mittwoch wird es wieder eine Notbetreuung in den Berliner Kitas geben. Im Gegensatz zum ersten Lockdown wird es zunächst keine Listen für systemrelevante Berufe geben. Vielmehr wird allen Eltern, die keine anderen Möglichkeiten haben, eine Betreuung ihrer Kinder zu organisieren, eine Notbetreuung garantiert. Die Beschlüsse gelten vorerst bis zum 10. Januar 2021. Die SenBJF setzt bei der Umsetzung der Notbetreuung, nach eigenen Aussagen, auf die Handlungskompetenz der einzelnen Kita-Träger. Dieses Vertrauen begrüßen wir ausdrücklich.
Vieles bleibt unklar
Allerdings kann dieses Vertrauen nicht über die unklaren Regelungen hinwegtäuschen. So wurden noch keine genauen Informationen zur Umsetzung des bezahlten Urlaubs für Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen können, gegeben. Darüber hinaus gibt es nur eine vage Zusage, dass die Finanzierung der Kita-Einrichtungen weiterläuft. Nach den Erfahrungen des ersten Lockdowns, der eine Rückzahlung mit sich brachte, welche der versprochenen Finanzierung zuwiderlief, fällt es uns sehr schwer den jetzigen Verlautbarungen zu vertrauen.
Ebenso fehlt jegliche Perspektive über den 10. Januar hinaus. Zu unserer großen Verwunderung ist bisher nur der Plan bekannt geworden, bei einer unveränderten Infektionslage, nach dem 10. Januar eine Notbetreuung für Eltern in systemrelevanten Berufen einzuführen.
Wir brauchen klare Regelungen
Bei allem Verständnis für die kurze Zeit zur Umsetzung der Beschlüsse auf Senatsebene, muss es jetzt eine schnelle Klärung der noch offenen Fragen geben. Wir hoffen daher, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sich schnellst möglich- bis zum Mittwoch- mit den Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Finanzen auf einen gemeinsamen Plan einigt.