Weltkinderbuchtag - Die Kraft der Vorstellung
Zum heutigen Weltkinderbuchtag wird unter dem Motto "Imagination" die essenzielle Rolle der Vorstellungskraft für Kinder betont. Das Vorlesen stellt eine wesentliche Schlüsselkomponente dar, um Kindern zu helfen, ihre Vorstellungskraft und Fantasie zu fördern und zu erweitern. Insbesondere in Kindertagesstätten wird dem Vorlesen ein hoher Stellenwert eingeräumt, womit sie einen signifikanten positiven Einfluss auf die Entwicklung der Vorstellungskraft bei Kindern haben.
Zum heutigen Weltkinderbuchtag wird unter dem Motto "Imagination" die essenzielle Rolle der Vorstellungskraft für Kinder betont. Das Vorlesen stellt eine wesentliche Schlüsselkomponente dar, um Kindern zu helfen, ihre Vorstellungskraft und Fantasie zu fördern und zu erweitern. Insbesondere in Kindertagesstätten wird dem Vorlesen ein hoher Stellenwert eingeräumt, womit sie einen signifikanten positiven Einfluss auf die Entwicklung der Vorstellungskraft bei Kindern haben.
“Wer für Erwachsene schreibt, schreibt für die Zeit, wer für die Kinder schreibt, schreibt für die Ewigkeit” - Hans Christian Andersen
Sei es das Kind in einer großen Menschenmenge, das als einziges darauf hinweist, dass der Kaiser auf dem Festzug ganz nackt ist oder das hässliche Entlein, das auf einmal seine wahre Schönheit entfaltet und damit zeigt, dass Äußerlichkeiten nichts über die innere Schönheit verraten. Sei es eine satirische Darstellung des Adels mit der Prinzessin als Vertreterin, die blaue Flecken bekommt, wenn sie auf einer Matratze schlafen muss, unter der eine Erbse liegt oder die unerwiderte Liebe der kleinen Meerjungfrau, die sich durch die Liebe des Prinzen Selbstverwirklichung erhoffte .. Das alles sind Geschichten, die Kindern auf fantastische Weise die Welt erklären, Moral lehren und einen Umgang mit Unsicherheiten und Problemen aufzeigen.
Und es sind vor allem Geschichten des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, zu dessen Ehren an seinem heutigen Geburtstag der internationale Kinder- und Jugendbuchtag gefeiert wird. Dieser besondere Tag wurde im Jahr 1967 auf Initiative des International Board on Books for Young People eingeführt, mit dem Ziel, die Liebe für Bücher und das Lesen bei jungen Menschen zu fördern. Jedes Jahr übernimmt aus insgesamt 83 Mitgliedstaaten ein anderes Land die Partnerschaft. In diesem Jahr hat Japan die Ehre. Unter dem Motto “Imagination” wurde hierzu ein Gedicht der Autorin Eiko Kadono veröffentlicht, das poetisch darstellt, wie viele Welten Geschichten eröffnen können. Begleitet wird das Gedicht von einem Plakat der Illustratorin Nana Furiya. Zu der Bedeutung des Mottos selbst sagt der IBBY. “We believe that fostering imagination will lied to mutual understanding and a spirit of tolerance” (Wir glauben, dass die Förderung der Vorstellungskraft zu gegenseitigem Verständnis und einem Geist der Toleranz führen wird).
Wie wichtig das Lesen und Vorlesen für Kinder ist, stellt keine Neuigkeit dar. Wenn bereits in der frühen Kindheit viel vorgelesen wird, wirkt sich dies positiv auf die schulischen Leistungen und auch auf das Erwachsenenalter aus. Durch den Zugang zu Geschichten wird der Wortschatz von Kindern erweitert und sie bekommen ein besseres Gefühl für Sprache und Satzbau. Dies vereinfacht ihnen später das Lesen- und Schreibenlernen. Auch die Freude daran und die Beschäftigung mit Büchern wird dabei nachhaltig gefördert. Nebenbei vermitteln Geschichten oftmals viel Wissen. Insbesondere Kinderbücher behandeln nicht selten relevante Themen für diesen Lebensabschnitt, wie ein neues Geschwisterkind, der Kindergarten oder die Trennung der Eltern. Es werden Konflikte, Ängste, Gefühle und Hoffnungen behandelt, die viele Kinder kennen oder noch erfahren werden. Die Hauptcharaktere der Geschichten zeigen Kindern, dass sie nicht alleine mit ihren Problemen und Gefühlen sind und zeigen ihnen einen Weg, wie sie solche Situationen meistern können.
“Cross the seas on the wings of your imagination” - Nana Furiya
Doch neben all diesem Wissen, das durch Geschichten vermittelt wird, beinhaltet das Vorlesen und Lesen das unglaubliche Potential, die Vorstellungskraft und Fantasie von Kindern zu beflügeln. Geschichten führen Kinder in unbekannte Welten. Sie malen zu den Worten Bilder aus, gestalten selbst die Schauplätze und kleiden die Charaktere so ein, wie sie wollen. Geschichten erschaffen in den Köpfen von Kindern eine Welt, die unsere Wirklichkeit beschreibt. Eine Welt, in der bestimmte Werte und Moral auf fantasievolle Weise subtil vermittelt werden, die jedoch einen wirkungsvolleren Einfluss haben als die direkte Lehre eines Wertes. In herausfordernden Zeiten geben Geschichten Kindern einen Ort, an dem sie ihre Ängste und Sorgen vergessen und in eine neue Welt eintauchen können. Oft wird dies als Realitätsflucht beschrieben, doch tatsächlich können diese Träumereien und Phantasien Kindern wesentlich bei ihrem Umgang mit der Wirklichkeit helfen.
“Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt” - Albert Einstein
Durch Geschichten werden die Sinne auf verschiedenen Ebenen angesprochen. Sie senden uns Informationen, wie Bilder oder Worte, die erst noch in die richtige Reihenfolge und in Zusammenhang gesetzt werden müssen. Die Vorstellungskraft und Fantasie hilft uns, diese Informationen überschaubar zu machen und Lücken zu schließen, damit wir die Gesamtsituation besser verstehen können. Ein Beispiel ist, wenn wir in einer Geschichte nur über Worte Informationen bekommen, malen wir uns die Bilder dazu aus und schaffen damit eine vollständiges Szenario oder wenn in einer Geschichte Conni gerade noch im Kindergarten war und auf einmal zuhause ist, schließen wir daraus, dass in der Zwischenzeit die Eltern kamen, um Conni vom Kindergarten abzuholen. Dieser Prozess findet bei Kindern, denen vorgelesen wird, statt. Sie visualisieren das Gehörte im Gehirn, schließen Lücken und strukturieren durch die Vorstellungskraft komplexere Zusammenhänge.
“Diesmal wirst du bestimmt fliegen, du selbst als eine reisende Geschichte. Auf diese Weise entsteht eine Geschichte mehr in der Welt.” - Eiko Kadono
Eine ausgeprägte Vorstellungskraft hilft Kindern bei der täglichen Bewältigung des Lebens. In unbekannten Situationen, bei Problemen oder Herausforderungen greifen sie auf ihre Vorstellungskraft zurück, um die Lage besser einschätzen zu können und anhand dessen entsprechende Entscheidungen oder Lösungen zu finden. So können sie besser auf Unbekanntes reagieren. Wenn Kinder beispielsweise vor einem Zaun mit einem Warnschild stehen, auf dem ein Hund abgebildet ist, malen sie sich durch ihre Vorstellungskraft aus, was passieren könnte, wenn sie über den Zaun klettern. Vorstellungskraft wird oftmals auch als wesentliches Werkzeug für das Empfinden von Empathie beschrieben. Dank ihrer Vorstellung können sich Kinder in andere hineinversetzen, was die Basis für das gegenseitige Verständnis und den Geist der Toleranz ist. Und erstaunlicherweise hilft die Fantasie der Kinder auch uns Erwachsenen, wie die Ipsos-Studie aus dem Jahr 2018 zeigt. So gaben 60% der befragten Erwachsenen an, dass sie sich regelmäßig von der Fantasie der Kinder inspirieren lassen. Kinder werden somit für einen Moment der Peter Pan der Erwachsenen und führen sie mit ihrer Fantasie in das Nimmerland, in vergessene und neue Welten.
Kindertagesstätten nehmen beim Vorlesen eine entscheidende Schlüsselrolle ein. Wie die jährlich durchgeführte Vorlesestudie vergangenes Jahr feststellte, wird 36,4% der Kinder zwischen 1-8 Jahren kaum bis gar nicht zu Hause vorgelesen. Dagegen gaben 91% der Kindertagesstätten in der Studie von 2021 an, dass sie mindestens einmal am Tag den Kindern Impulse durch Geschichten geben. Kitas eröffnen also allen Kindern, die eine solche Einrichtung besuchen, die fantastischen Welten der Geschichten, der Vorstellungskraft und des Wissens. Sie helfen Kindern einen Weg zu bereiten, um ihre eigenen persönlichen Geschichten zu schreiben.
Wir danken all unseren Vorlese-Heldinnen und -Helden, die jeden Tag ein bisschen mehr Fantasie und Vorstellungskraft in die Welt bringen!
Lasst Kinder ein bisschen mehr Theater machen!
Bertolt Brecht sagte einst: “Alle Künste (also auch das Theater) tragen bei zur größten aller Künste, der Lebenskunst”. Diese Worte verdeutlichen die facettenreichen Fähigkeiten des Theaters, von denen insbesondere Kinder profitieren können. Anlässlich des heutigen Kindertheatertags wollen wir einen genaueren Blick darauf werfen, weshalb Kinder ein bisschen mehr Theater machen sollten.
Bertolt Brecht sagte einst: “Alle Künste (also auch das Theater) tragen bei zur größten aller Künste, der Lebenskunst”. Diese Worte verdeutlichen die facettenreichen Fähigkeiten des Theaters, von denen insbesondere Kinder profitieren können. Anlässlich des heutigen Kindertheatertags wollen wir einen genaueren Blick darauf werfen, weshalb Kinder ein bisschen mehr Theater machen sollten.
In der Welt des Theaters können Kinder träumen, ihrer Fantasie freien Lauf lassen und Vorstellungen wahr werden lassen. Doch das Theaterspielen ist weit mehr als ein reiner Ausdruck der Kreativität. Theater kann für Kinder ein Ort sein, an dem sie ihre Persönlichkeit entfalten und stärken können. Beispiele wie das von der EU unterstützte DICE-Projekt (Drama Improves Lisbon Key Competence in Education) im Jahr 2010 verdeutlichen dies.* Hier wurde die Entwicklung von Kindern, die an einem schulischen Theaterprojekt teilnahmen, mit der Entwicklung von Kindern verglichen, die nicht daran teilnahmen. Innerhalb von nur vier Monaten waren Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zu bemerken, wobei insbesondere Offenheit und Toleranz, wie auch aktive Beteiligung an Projekten bei der Theater spielenden Gruppe stark zunahmen. Theaterpädagogik Romi Domokowsky spricht sogar von ganzen 67 Persönlichkeitsmerkmalen, die durch die Theaterarbeit gefördert werden können und belegt zusammen mit Theaterpädagoge Maik Walter in einer gemeinsamen Studie im Jahr 2011 die positive Entwicklung für soziale und personale Kompetenzen bei Kindern durch das Theaterspielen.**
Diese Entwicklung kann bereits bei kleinen und spontanen Rollenspielen geschehen. In Rollenspielen haben Kinder die Möglichkeit, in andere Rollen hineinzuschlüpfen und so die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dadurch entwickelt sich das spontane Theater zu einer Art Experimentierfeld für die Realität. Kinder können unmittelbar erfahren, wie ihre Handlungen und Äußerungen andere beeinflussen und sie erleben, wie es sich anfühlt, jemand anderes zu sein. Soziale Kompetenzen wie Empathie und Selbstreflexion werden auf diese Weise gestärkt, was es Kindern auch im echten Leben erleichtert, sozial zu interagieren. Der kanadische Professor für Psychologie Glenn Schellenberg belegte in einem Experiment sogar, dass Theater die signifikanteste Förderwirkung in Bezug auf adaptive Sozialkompetenzen bei Kindern aufweist im Vergleich zu anderen künstlerischen Maßnahmen. Darüber hinaus unterstützt Theaterpädagogik die emotionale Entwicklung der Kinder. Beim Theaterspielen lassen sich Kinder meist intuitiv leiten, sie denken nicht viel nach und verfolgen kein großes Ziel. Auf diese Weise werden sie lediglich von ihren eigenen Erfahrungen und Emotionen geleitet, die sie im Rollenspiel ausleben und nachstellen können. Dabei lernen sie, ihre eigenen Gefühle zu erkennen, auszudrücken und zu kontrollieren. Sie lernen, wie sie konstruktiv mit Konflikten umgehen können und wie sie sich anderen gegenüber verhalten sollten.
Wenn Kinder gemeinsam ein Theaterstück spielen wollen, stellt sich zunächst die Frage nach dem Stück, das aufgeführt werden soll. Hier bieten sich Märchen, Bilderbücher aber auch die fantastischen und imaginären Vorstellungen der Kinder selbst an. In der Vorbereitung tauchen die Kinder tief in die Geschichten ein, entdecken immer mehr Einzelheiten und erkunden die Zusammenhänge, wodurch wesentliche kognitive Kompetenzen geschult werden. Beim Entwickeln von Charakteren, vom Raum und den Requisiten dürfen sie ihre Fantasie voll ausleben. Sie lernen, Dinge aktiv mitzugestalten und können direkt die Auswirkung ihres Engagements erleben. In der Inszenierung des Stückes haben Kinder zudem die Möglichkeit, sich über das reine Theaterspielen weiter auszuleben, indem sie Gesang oder Tanz integrieren. Während der Proben und der Aufführungen kommt es vor allem auf die Konzentrationsfähigkeit und das Sprachverständnis an. Sie lernen laut, deutlich und frei zu sprechen und können spielerisch erproben, wie sie ihre Stimme einsetzen können. Zusätzlich lernen sie selbstsicher aufzutreten und sich gestisch zu artikulieren. Dies verbessert nicht nur ihre Eloquenz, sondern auch ihr Selbstvertrauen im Ausdruck. Der gemeinsame Auftritt vor Publikum schließlich ist das Resultat ihrer Zusammenarbeit und verdeutlicht jedem Kind seine Bedeutung für den Erfolg des Stückes. Kinder lernen dadurch, ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken zu erkennen und wie sie diese für ihren weiteren Lebensweg einsetzen können.
Theater hat einen positiven ganzheitlichen Einfluss auf Kinder, indem es verschiedene Bereiche ihrer Entwicklung anspricht, von Sprache und Körperwahrnehmung über Kreativität bis hin zum Gemeinschaftssinn, Toleranz und Selbstbewusstsein. Im Theater können Kinder ihre Träume wahr werden lassen, das echte Leben erproben und erfahren, wie sie selbst auf kreative Art und Weise Einfluss nehmen können. Theater ist ein Ort, wo Kinder sich selbst entwickeln können und für das Leben lernen. Und nicht nur Bertold Brecht hat dies erkannt, auch die Pädagogen Klepacki, Ziraf und Liebau beschreiben in ihrer Arbeit “Theatrale Bildung”, “dass man im Theater etwas für das Leben in der Welt lernen kann, nämlich Eloquenz, Menschenkenntnis, Beherrschung des körperlichen und sprachlichen Ausdrucks, Selbstbewusstsein und soziales Verhalten [...].” Daher lautet die Devise: Lasst Kinder ein bisschen mehr Theater machen!
* https://www.dramanetwork.eu/file/Policy%20Paper%20long.pdf
**https://journals.ucc.ie/index.php/scenario/article/view/scenario-6-1-7/html-de
Ein politischer Neujahrsvorsatz für die Gesundheit unserer Kinder? - Die Kraft der richtigen Ernährung
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Wir hoffen auf einen politischen Neujahrsvorsatz für die Gesundheit und die Bildung unserer Kinder.
Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Einer der häufigsten Vorsätze betrifft unsere Gesundheit, und insbesondere die Ernährung steht oft im Mittelpunkt dieser Bestrebung. Wir sind uns alle der essenziellen Rolle bewusst, die eine ausgewogene Ernährung für unser Wohlbefinden spielt. Doch nicht nur die eigene Ernährung ist von höchster Wichtigkeit, sondern auch diese der Kinder. Den eigenen Vorsatz hier zu legen, ist oftmals nicht ausreichend, da die „gesunde Ernährung“ der Kinder kollektiv umgesetzt wird, in einem Zusammenspiel aus Familie und Einrichtungen.
Eine offene Kommunikation zwischen Eltern und den Kinderbetreuungseinrichtungen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Kinder vollumfänglich mit den richtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt werden – denn gute Ernährung beginnt nicht erst an der Kita-Tür, sondern schon am Frühstückstisch zu Hause. Ebenso wichtig sind die politischen Weichen, die ein problembefreites Umsetzen dieser Ernährung zulassen müssen.
Die Auswirkungen mangelhafter Ernährung auf Kinder
Eine unzureichende Versorgung mit den richtigen Nährstoffen kann sich bei Kindern auf verschiedene Weisen bemerkbar machen. Häufig führt eine unausgewogene Ernährung zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die für das Wachstum und die Entwicklung unerlässlich sind. Dies kann sich in einem geschwächten Immunsystem äußern, was dazu führt, dass Kinder anfälliger für Infektionen und Krankheiten werden. Neben den direkten Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit kann eine unzureichende Ernährung ebenso die kognitive Entwicklung beeinträchtigen. Kinder, die nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt sind, könnten Schwierigkeiten entwickeln, sich zu konzentrieren, und daraufhin mit einer verminderten Lernfähigkeit und Gedächtniskapazität konfrontiert sein. Ebenso kann sich eine unausgewogene Ernährung auf das Energielevel der Kinder auswirken, was zu Müdigkeit, Erschöpfung und einer allgemeinen Abnahme der Leistungsfähigkeit führen kann. Sogar das Verhalten und die Stimmung können von der Ernährung beeinflusst werden. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Unausgeglichenheit können auftreten, wenn die Zufuhr der Nährwerte nicht ausreichend gedeckt ist.
Chancengleichheit bedeutet, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft oder finanziellen Situation die gleiche Bildungschance erhalten sollte. Dies beinhaltet auch, dass alle Kinder mit vollem Magen und bestmöglicher Versorgung in die Bildungseinrichtungen kommen und in dieser verweilen können. Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein grundlegender Bestandteil der Chancengleichheit. Nur wenn die Grundbedürfnisse jedes Kindes erfüllt sind, kann eine faire Bildungsgleichheit gewährleistet werden.
Die Herausforderungen der täglichen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in den freien Kitaträgern Berlins
Berlin hat mit der Verankerung des Berliner Bildungsprogramms im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFÖG) seit 2005 eine klare Haltung zur Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung eingenommen.
Die Einbindung der Förderung gesunder Essgewohnheiten als verbindlicher Bestandteil des pädagogischen Programms betont das deutlich vorhandene Bewusstsein der politischen Bildungslandschaft Berlins. Die verstärkte Hervorhebung des Bereichs „Gesundheit“ im aktualisierten Berliner Bildungsprogramm von 2014 spiegelt dieses Engagement ebenfalls wider und unterstreicht nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Bildung und dem Wohlbefinden durch eine gesunde Ernährung, sondern sieht auch die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. Das Programm sieht vor, dass das Lernen in der Kita nicht nur durch formale Aktivitäten, sondern auch durch die Gestaltung des Kita-Alltags gefördert wird, wozu auch die Einahme fester Mahlzeiten gehören. Sie stellen einen integralen Bestandteil des Kita-Alltags dar und bieten eine wiederkehrende Struktur. Die pädagogische Gestaltung und Begleitung hierbei wird als wichtiger Beitrag zur Ernährungsbildung anerkannt und betont. Doch, die bloße Anerkennung dieses Aspekts allein reicht nicht aus, wenn die finanziellen Strukturen nicht entsprechend angeknüpft und geschaffen werden, um eine vollumfängliche Umsetzung zu gewährleisten. Denn, obwohl die essenzielle Wichtigkeit der Ernährung unserer Kleinsten sichtbar deutlich unterstrichen ist, gestaltet sich die tägliche Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in Kindertagesstätten in Berlin dennoch als eine enorm herausfordernde Aufgabe. Die zugewiesenen Mittel ca. 3,50 Euro pro Kind und Tag erweisen sich als nicht ausreichend für das Sicherstellen einer qualitativ hochwertige Verpflegung, inkludiert die Verwendung dieses Betrages doch schlussendlich nicht nur das Decken der Lebensmittelkosten, sondern auch jene der grundlegenden Betriebsausgaben wie Personalkosten, Materialien und Infrastruktur. Diese finanzielle Begrenzung erschwert es den Kitas erheblich, ihre Bestrebungen nach gesunder Ernährung aufrechtzuerhalten.
Die freien Kitaträger in Berlin stehen vor einem wahren Balanceakt, wenn sie täglich versuchen, ausreichende und gesunde Mahlzeiten anzubieten, während sie gleichzeitig mit begrenzten finanziellen Ressourcen jonglieren müssen. Dies führt zu Kompromissen, die sich auf die Qualität und Quantität der angebotenen Speisen auswirken können und somit die Herausforderungen bei der Umsetzung einer nahrhaften Verpflegung für die Kinder verstärken.
Leere Töpfe lassen keinen Raum für Kompromisse
Diese Situation bildet nur eine weitere Facette des unterfinanzierten frühkindlichen Bildungssystems, das sich an einer Vielzahl von Herausforderungen reiht. Die begrenzten finanziellen Ressourcen lassen keine Spielräume für Ausweichmethoden auf andere Ressourcen mehr zu. Insbesondere im Zuge der Inflation hat sich diese Krise nochmals verschärft. Die Gelder wurden bisweilen nur zögerlich angepasst und sogar die Inflationsausgleichprämie musste vorerst, von jenen, die ihren Mitarbeiter:innen diese stark benötigte Auszahlung gewährleisten wollten, aus den eigenen Geldern der freien Kitaträger gestemmt werden. Politische Lösungsansätze in diesem Bereich ließen zu lange auf sich warten und die Prozesse bis zur tatsächlichen finanziellen Umsetzung erstrecken sich bis heute.
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und ihre Auswirkungen
Im Oktober 2023 fällte das Bundesverwaltungsgericht eine bahnbrechende Entscheidung. Nach einer Klage der Private Kant-Schulen gGmbH, vertreten durch die Kanzlei DOMBERT Rechtsanwälte, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass diese Obergrenze für monatliche Zuzahlungen der Eltern, die in Berlin für zusätzliche Leistungen freier Träger von Kindertagesstätten galt, nicht mit dem Grundsatz der gleichheitsgerechten Beteiligung der freien Jugendhilfeträger am staatlichen System der Kindertagesstättenfinanzierung vereinbar ist. Diese wegweisende Entwicklung eröffnet nun Kitaträgern die Möglichkeit, transparent aufzuzeigen, dass bestimmte Angebote über die zuvor festgelegte Obergrenze hinausgehen und eine erhöhte finanzielle Beteiligung der Eltern erfordern könnten. Eine Erleichterung für Kitaträger und Eltern, da es ihnen die Chance eröffnet, der Unterfinanzierung selbst die Stirn zu bieten und die gewünschte Qualität aufrechtzuerhalten, die sie sich für ihre Kinder wünschen. Dennoch darf dies nicht als finale Lösung betrachtet werden. Vielmehr sollten die politisch zur Verfügung gestellten Mittel an die realen Ausgaben angeglichen werden, um eine erfolgreiche Basis in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten. Zusatzzahlungen sollten nur für tatsächlich anspruchsvolle Zusatzleistungen genutzt werden können, nicht aber für das Aufrechterhalten der Bildungsqualität an und für sich. Diese Verantwortung muss politisch getragen werden, nicht aber an die Kitaträger und Eltern weitergereicht.
Ziele für eine hochwertige Verpflegung in Kitas
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Besonders große Probleme, insbesondere solche finanzieller Natur, können weder aufgeschoben noch durch Gespräche allein gelöst werden - sie erfordern unverzügliches Handeln. Das erneute Auftreten bereits bekannter Herausforderungen unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Lösungen nicht nur zu erkennen, sondern sie auch effizient und effektiv umzusetzen, um den anhaltenden Schwierigkeiten im frühkindlichen Bildungssystem entgegenzuwirken. Eine vollumfängliche Ernährung unserer Kleinsten sollte keine Herausforderung darstellen, sondern sich als die Basis der Förderung verstehen.
Für das Jahr 2024 ist es daher von entscheidender Bedeutung, dass die Anliegen der freien Kitaträger deutlicher Gehör finden, als bisweilen. Die Diskrepanz zwischen den identifizierten Lösungsansätzen und ihrer tatsächlichen Umsetzung muss unsererseits adressiert werden können. Es bedarf einer verstärkten Plattform für die freien Kitaträger, um ihre Anliegen und Herausforderungen effektiver kommunizieren zu dürfen. Nur durch ein verstärktes politisches Engagement und eine verbesserte Einbeziehung dieser Träger in die Diskussionen und Umsetzungen von Lösungen können die bestehenden Hindernisse im Jahre 2024 wirksam angegangen werden. Wir sind weiterhin entschlossen, den aktiven Austausch, Ideengebungen und die kontinuierliche Lösungsfindung voranzutreiben. Trotz der bestehenden Hindernisse bleiben wir bereit, innovative Ansätze zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Ernährung unserer Kleinsten nicht länger eine Herausforderung, sondern eine selbstverständliche Grundlage in ihrer Entwicklung darstellt.
Die Kunst des Zuhörens: Senatorin Günther-Wünsch bittet zum Kita-Gipfel
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor. Senatorin Günter-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die große Kunst des Hinhörens: Der erste Schritt zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung liegt im Zuhören bei den richtigen Akteuren
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor.
Senatorin Günther-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die Vergangenheit zeigt bedauerlicherweise, dass solche wichtigen Gelegenheiten versäumt wurden, was zu vorhersehbaren und schwerwiegenden Konsequenzen führte.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Sachkostenpauschale als Teil über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) in Berlin. Ursprünglich entwickelt, um die Finanzierung von frühkindlichen Einrichtungen langfristig sicherzustellen, erwiesen sich diese Teile dieser Pauschale in den folgenden Jahren als wesentlicher Engpass.
Finanzkonzepte benötigen regelmäßige Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse, eine Überprüfung, die trotz offensichtlicher Veränderungen, einschließlich wirtschaftlicher Aspekte, wiederholt versäumt wurde.
Erst 2017 wurde eine Gestehungskostenanalyse in Auftrag gegeben, die zeigte, dass Kitas mit einer Unterfinanzierung von fast 30% zu kämpfen hatten, hauptsächlich aufgrund stark gestiegener Mietkosten, die in der Sachkostenpauschale nicht berücksichtigt wurden.
Insbesondere kleinere und mittelgroße Kitaträger litten unter höheren Mietkosten im Vergleich zu größeren Institutionen.
Trotz dieses neuen Wissens ignorierten die damaligen Akteure in der Senatsverwaltung und ihre ausgewählten Verhandlungspartner im Rahmen ihrer 2017 laufenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) diese dramatische Unterfinanzierung und schufen nur eine Teilreparatur.
Es erfolgte für den Zeitraum von 2018 bis 2021 eine leichte stufenweise Erhöhung der Sachkostenpauschale um insgesamt 10%, doch konnte die massive Unterfinanzierung bei weitem nicht kompensiert werden.
Die kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger hatten weiterhin mit steigenden Gewerbemiet- & Immobilienunterhaltungskosten und zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu kämpfen.
Einzig der VKMK reagierte auf diese Herausforderungen, indem er mit seiner Expertengruppe eine nachhaltige Lösung entwickelte: die "Clusterlösung".
Basierend auf dem Grundgedanken der Hamburger Finanzierungskonstruktion integriert die "Clusterlösung" eine differenzierte Betrachtung der IST-Situation der Gewerbeflächen der jeweiligen Kita-Träger in die Ausgestaltung der Sachkostenpauschale. Durch die Unterstützung verschiedener Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses konnten weitere relevante Daten zu den Bruttomietzinsen für soziale Träger in landeseigenen Wohnbaugesellschaften erfragt werden.
Hierbei ergab sich, dass die Mietzinsen für Gewerbeflächen der landeseigenen Wohnbaugesellschaften im Durchschnitt über 10 Euro pro Quadratmeter lagen, während die Kita-Träger lediglich eine Finanzierung von etwa 5 Euro pro Quadratmeter erhielten. Diese Diskrepanz verdeutlichte bereits damals die erheblichen finanziellen Herausforderungen, denen die betroffenen Einrichtungen gegenüberstanden.
Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu Lasten der Fachkräfte gingen.
Um dem Scheinargument- Phänomen der "Miethaie" und des " Miet-Monopoly" entgegenzuwirken, integrierte der VKMK in seine "Clusterlösung" das Modell einer wiederkehrenden Abfrage des Bruttomietzinses pro Quadratmeter bei landeseigenen Wohnbaugesellschaften. Dieser Wert dient als Grundlage für die Einberechnung in die Sachkostenpauschale, um den Einrichtungen eine finanzielle Grundlage zu bieten, die ihren tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird.
Diese konkreten Beispiele unterstreichen nicht nur unsere langjährige Arbeit und Bemühungen, realistische Lösungsansätze zu bieten, sondern auch den gravierenden politischen Fehler, betroffene Akteure unzureichend zu berücksichtigen.
„Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: "Wir bieten der Jugendsenatsverwaltung seit Jahren fundierte Lösungen an. Unser Clustermodell ist ein solcher gezielter Lösungsansatz, der jedoch in den Jahren der SPD-Ressortverantwortung ignoriert wurde. Lösungen, die betroffene Stakeholder nicht angemessen einbeziehen, führen letztlich immer zu höchsten Gerichtsurteilen, die dann eine Unverhältnismäßigkeit bis hin zur Verfassungswidrigkeit im Handeln der Jugendsenatsverwaltung attestieren.“
Die konzertierte Anstrengung von Senatorin Günter-Wünsch gemeinsam mit allen Interessengruppen in einen Dialog einzutreten, verspricht langfristige Fortschritte in der effizienten Ressourcennutzung und nachhaltigen Verbesserungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.
Herausforderungen, Sorgen und Hoffnungen im Kita-Alltag - Lars Békési zieht Bilanz.
Das sich dem Ende neigende Kitajahr und die bevorstehenden Sommerfeste bieten uns einen idealen Anlass für einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen, sowohl auf der Ebene der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, als auch auf der politischen. Wir vom VKMK haben mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, gesprochen, um seine Einschätzungen zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen in der frühkindlichen Bildung zu erfahren.
Das sich dem Ende neigende Kitajahr und die bevorstehenden Sommerfeste bieten uns einen idealen Anlass für einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen, sowohl auf der Ebene der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, als auch auf der politischen. Wir vom VKMK haben mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, gesprochen, um seine Einschätzungen zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen in der frühkindlichen Bildung zu erfahren.
VKMK: Herr Békési, lassen Sie uns mit einem Rückblick auf das vergangene Kitajahr beginnen. Wie würden Sie das vergangene Kitajahr zusammenfassen und welche Herausforderungen haben sich für die Kita-Teams ergeben?
Lars Békési: Das vergangene Kitajahr war geprägt von der Bemühung der Kita-Teams, nach den umfangreichen Maßnahmen und Verwaltungsaufwendungen im Zuge der Corona-Pandemie zum ursprünglichen Alltag vor der Corona-Zeit zurückzufinden. Es war jedoch festzustellen, dass vielen Beschäftigten dies bisher noch nicht vollständig gelungen ist. Erschöpfungszustände, steigende Krankenstände und Langzeitfolgen von COVID-19 stellen weiterhin Herausforderungen dar und erhöhen den Druck auf das gesamte Personal.
VKMK: Haben Sie Beispiele dafür, wie Beschäftigte individuelle Wege gefunden haben, um mit der Anspannung und Erschöpfung umzugehen? Welche Auswirkungen können solche Veränderungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit haben?
Lars Békési: Einige Beschäftigte haben individuelle Wege gefunden, um mit der Anspannung und Erschöpfung umzugehen. Zum Beispiel sind einige in den Hortbereich gewechselt, wo bessere Rahmenbedingungen für die mittelbare pädagogische Arbeit herrschen. Andere haben vorübergehend neue Arbeitgeber über Zeitarbeitsfirmen gefunden, um vorübergehend weniger Verpflichtungen zu haben. Solche Veränderungen können die Arbeitsbelastung auf Einzelne reduzieren, jedoch könnten sie auch zu einer Fragmentierung des Teams und der pädagogischen Arbeit führen, was sich negativ auf die Qualität auswirken kann.
VKMK: Wie haben sich die politischen Diskussionen auf Landes- und Bundesebene auf die Kitas ausgewirkt und welche Themen waren besonders herausfordernd?
Lars Békési: Die politischen Diskussionen auf Landes- und Bundesebene waren oft von emotionalen und wenig produktiven Auseinandersetzungen geprägt. Dies führte absolut verständlich zu unnötigen Verunsicherungen. Besonders herausfordernd war und ist bspw. das Thema der Kindergrundsicherung und jüngst noch der unüberlegte Vorschlag beim Elterngeld., Eine konstruktive Diskussionskultur und eine Fokussierung auf die Bedürfnisse der Familien, Eltern und Kinder wären hier nicht nur wünschenswert gewesen, sondern auch dringend notwendig.
VKMK: Welche Bemühungen wurden unternommen, um die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung zu verbessern, und wie könnten diese Bemühungen die Qualität der pädagogischen Arbeit beeinflussen? Welche aktuellen Initiativen werden ergriffen, um die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung zu verbessern, und wie könnten sich diese Bemühungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit auswirken?
Lars Békési: Auf Bundesebene arbeitet eine engagierte Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bundesländer sowie Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft intensiv daran, die Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung dauerhaft zu verbessern. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das kommende Kitaqualitätsentwicklungsgesetz, das langfristig einheitliche Qualitätsstandards für die pädagogischen Kompetenzen der Fachkräfte etablieren und gezielt den Spracherwerb bei den jüngsten Kindern stärken soll. Zudem wird auf Bundesebene und in den Ländern ein fortlaufender Prozess vorangetrieben, um eine kluge Strategie zur Fachkräftegewinnung und -bindung zu entwickeln. Ich persönlich begrüße diese Aktivitäten aus verschiedenen Gründen. Der Dialog und der Austausch von Ideen sind grundlegend, um gemeinsam umsetzbare Lösungen zu finden. Meine Unterstützung für diese Bemühungen basiert nicht nur darauf, dass der VKMK Teil dieses Prozesses und Austauschs ist, sondern auch auf der Erkenntnis, dass in Zeiten begrenzter Haushaltsmittel eine kluge Investitionspolitik eine erfolgreiche Bildungspolitik ermöglicht. Es ist wichtig, alle Akteure einzubeziehen. Durch diese umfangreichen Bemühungen können wir die Qualität in den Kitas erhöhen und eine erstklassige Bildung und Betreuung für alle Kinder gewährleisten.
VKMK: Wie könnten verschiedene Bundesländer zusammenarbeiten, um das gesamte System der frühkindlichen Bildung zukunftsfähig zu machen, und welche Hindernisse müssten überwunden werden?
Lars Békési: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Bundesländer muss, wie bereits erwähnt, durch das kommende Kitaqualitätsentwicklungsgesetz verbindlich vereinbart werden. Nur auf diese Weise kann das gesamte System der frühkindlichen Bildung langfristig zukunftsfähig ausgestaltet bleiben. Daher ist es klug, den Austausch über bewährte Praktiken und die Entwicklung einheitlicher Standards bereits unter Beachtung eines engen Zeitplans voranzutreiben. Bis Ende 2023 soll ein erster Entwurf vorgestellt werden. Selbstverständlich müssen dabei auch Hindernisse wie unterschiedliche Finanzierungsmodelle und politische Interessen der Länder überwunden werden. Es erfordert den Willen zur Zusammenarbeit und einen langfristigen Fokus auf das gemeinsame Ziel, ein zukunftsfähiges System der frühkindlichen Bildung zu schaffen.
VKMK: Welche konkreten Lösungswege schlagen Sie vor, um pädagogische Fachkräfte effektiv zu entlasten?
Lars Békési: Werfen wir einen Blick auf das Beispiel des Landes Berlin. In einigen Bereichen hat das Land bereits mit den Bundesmitteln aus dem sogenannten "Gute-Kita-Gesetz" und nun durch das Kitaqualitätsgesetz gute Schritte unternommen, um die Fachkräfte zu entlasten und die Qualität zu steigern. Es ist jedoch wichtig, dass wir uns nicht auf diesen Erfolgen ausruhen und auf andere Bundesländer verweisen, die offenbar noch größere Herausforderungen bewältigen müssen. Stattdessen sollten wir nach vorne schauen und weitere Maßnahmen ergreifen, um die pädagogischen Fachkräfte effektiv zu entlasten. Besonders wichtig ist es, die pädagogischen Fachkräfte vollständig von nicht-pädagogischen Verwaltungsarbeiten zu entlasten. Neben dem Vorschlag, zusätzliche Verwaltungskräfte einzusetzen, um die Kita-Leitungen von nicht-pädagogischer Verwaltungsarbeit zu entlasten, damit sie sich zu 100% auf die pädagogische Arbeit und die Weiterentwicklung ihrer multiprofessionellen Kitateams konzentrieren können, könnten auch temporäre Maßnahmen ergriffen werden. Zum Beispiel könnten Freiwillige im sozialen Jahr (FSJ), Alltags- und Pflegehelfer eingesetzt werden, um die Stundenreduktion durch berufsbegleitende Auszubildende im Rahmen der kommenden 5-5-5-Anrechnung prozentual auszugleichen. Dadurch könnten wertvolle Stunden für die pädagogische Arbeit gewonnen werden.
VKMK: Die voranschreitende Digitalisierung wird auch immer wieder im Zuge von Entlastungsmaßnahmen erwähnt. Wo sehen Sie hier die größten Vorteile?
Lars Békési: Der Einsatz digitaler Tools und Technologien ermöglicht eine effizientere Gestaltung administrativer Aufgaben, wodurch pädagogische Fachkräfte mehr Zeit und Raum für ihre eigentliche pädagogische Arbeit haben. Dies beinhaltet die Digitalisierung von Dokumentationsprozessen, die Nutzung pädagogischer Apps zur Kommunikation mit Eltern und die Bereitstellung von Online-Ressourcen für die pädagogische Arbeit. Zahlreiche Mitglieder des VKMK haben in den letzten Jahren genau diese Expertise erworben, und es ist nun wichtig, dass dies als Standard in der gesamten frühkindlichen Bildung flächendeckend implementiert wird. Es ist von großer Bedeutung, dass pädagogische Fachkräfte die Möglichkeit haben, ihre digitalen Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Schulungen und Fortbildungen sollten angeboten werden, um den Umgang mit digitalen Werkzeugen zu fördern und die Integration von Medien in den pädagogischen Alltag zu unterstützen. Wie bei allen Fortentwicklungen der Menschheit - sei es der Buchdruck, die Dampfmaschine oder das Internet - müssen wir Vorbehalte abbauen und aktiv Veränderungen annehmen. Daher ist es bedauerlich, dass die technische Ausstattung (bspw. Viedokonferenztechnik) des Senats für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) immer noch unzureichend ist und eine erfolgreiche digitale Zusammenarbeit dadurch erschwert wird. Eine "Steinzeitmethodik" ohne angemessene digitale Ausstattung und Kompetenzen kann nicht die Zukunft der Bildung gestalten. Insgesamt sollten wir die Digitalisierung auf allen Ebenen nutzen, um pädagogischen Fachkräften eine nachhaltige Entlastung zu bieten und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Durch den konsequenten Abbau bürokratischer Hindernisse und die gezielte Förderung digitaler Kompetenzen können wir aktiv die Zukunft der Bildung gestalten.
VKMK: Wie sieht es mit den finanziellen Rahmenbedingungen aus? Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um diese zu verbessern?
Lars Békési: Als Beispiel möchte ich erneut auf Berlin verweisen. Wenn die verfügbaren Haushaltsgelder knapper werden, bedeutet dies für die frühkindliche Bildung, dass die vorhandenen Gelder noch effizienter investiert und gezielt eingesetzt werden müssen. Der Haushaltsgesetzgeber muss sich mit dem Problem der Unterfinanzierung auseinandersetzen, insbesondere im Hinblick auf Gewerbemieten für Kitaeinrichtungen . Dabei halte ich eine Anpassung der bestehenden Finanzierung, ähnlich dem Hamburger Modell der Teilentgelte, für zwingend erforderlich. Es ist von großer Bedeutung, dass auch Maßnahmen zur Bestandserhaltung, wie Sanierungen, und insbesondere die Gewerbemietpreise pro Quadratmeter stärker in Betracht gezogen werden, insbesondere für kleinere Träger.
VKMK: Wie können wir sicherstellen, dass in den aktuellen Diskussionen zu Arbeitsbedingungen und Bildungsqualität in der frühkindlichen Bildung die Perspektive der Kinder nicht weiterhin in den Hintergrund gerät und ihre Bedürfnisse ausreichend berücksichtigt werden?
Lars Békési: Um sicherzustellen, dass die Perspektive der Kinder in den Diskussionen zur Förderung von Chancengerechtigkeit nicht vernachlässigt wird, müssen wir den Fokus auch auf die Stärkung multiprofessioneller Teams richten. Die Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen ist von großer Bedeutung, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Darüber hinaus sollten wir die Fachberatung als festen Bestandteil im System der Kindertagesbetreuung etablieren. Fachberaterinnen und -berater können pädagogische Fachkräfte unterstützen, ihre Arbeit zu reflektieren, neue Impulse zu geben und weiterzuentwickeln. Eine verbindliche Evaluation der pädagogischen Arbeit stellt sicher, dass die Qualität regelmäßig überprüft und verbessert wird. Ein weiterer Schritt zur Berücksichtigung der Kinderperspektive ist die Integration von Kitasozialarbeit. In besonders herausfordernden Lagen ist es wichtig, dass zusätzliche Ressourcen und Unterstützung zur Verfügung stehen. Ein Sozialraumbudget kann dazu beitragen, dass Kitasozialarbeit als Standard etabliert wird, um den Kindern in schwierigen Lebenssituationen bestmögliche Unterstützung zu bieten.Indem wir multiprofessionelle Teams stärken, Fachberatung und Evaluation fest im System verankern und Kitasozialarbeit durch zusätzliche Ressourcen fördern, setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Bedürfnisse und Rechte der Kinder in den Vordergrund zu stellen. Eine ganzheitliche und gerechte frühkindliche Bildung kann nur gelingen, wenn wir die vielfältigen Herausforderungen erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes gerecht zu werden.
VKMK: Abschließend, welche positiven Perspektiven sehen Sie für die Zukunft der frühkindlichen Bildung und wie können wir diese Herausforderungen gemeinsam angehen?
Lars Békési: Trotz der Herausforderungen bin ich optimistisch und sehe positive Perspektiven für die Zukunft der frühkindlichen Bildung. Indem wir – alle Akteure im Bildungsfeld- uns gemeinsam für verbesserte Rahmenbedingungen einsetzen, den Austausch und die Zusammenarbeit z stärken und ein Bewusstsein für die Bedeutung der frühkindlichen Bildung in der Gesellschaft schaffen, können wir diese Herausforderungen bewältigen
Einen großen Dank an Herrn Békési, für Einschätzungen und Lösungsvorschläge zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte sowie zur Verbesserung der aktuellen Rahmenbedingungen. Wir bedanken uns für Ihre Zeit und natürlich Ihr Engagement, um die frühkindliche Bildung nachhaltig positiv zu verändern.
Kein Raum für weitere schlechte Kompromisse.
Diesen Donnerstag, 27.04.2023 um 12 Uhr, stellt die CDU nach 11.782 Tagen nunmehr erneut den Regierenden Bürgermeister von Berlin. Auch, wenn Änderungen und erste Dialoge hoffnungsvoll stimmen, ist bereits heute klar: Die aktuelle Kitakrise kann nicht mehr auf 100 Tage Einarbeitung des neuen Senats warten.
Die aktuelle Kitakrise kann nicht mehr auf 100 Tage Einarbeitung des neuen Senats warten.
Diesen Donnerstag, 27.04.2023 um 12 Uhr, wird eine bedeutende Veränderung in der politischen Landschaft Berlins eintreten. Die CDU stellt nach 11.782 Tagen nunmehr erneut den Regierenden Bürgermeister von Berlin.
Zeitgleich wechselt nach 9955 Tagen auch die Ressourceverantwortung für Bildung, Jugend und Familie von der SPD in die Hände von Frau Katharina Günther-Wünsch (CDU). Mit ihrem Eintreten übernimmt die Senatorin nicht nur eine enorme Verantwortung für die Zukunft der Stadt, ihre Kinder und Familien, sondern auch einen Berg an Herausforderungen, der das Ergebnis vieler politischer (Fehl-)Entscheidungen der vergangenen Jahre widerspiegelt.
Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Kitaträger und deren Kitateams ist nur ein wichtiger Schritt, der unverzüglich umgesetzt werden muss, um den drohenden Kollaps zu verhindern. Laut aktueller Studien gibt es nicht nur große Herausforderungen, hier ausreichend Betreuungsplätze anzubieten; auch die Qualität der Bildung hat durch die aktuelle Krise nachhaltige Veränderungen erlebt, die sich negativ in den Bildungserfolgen der Kinder abzeichnen.
Gleichzeitig gibt es große Unterschiede in der Bildungsbeteiligung und dem Bildungserfolg zwischen Kindern. Insbesondere Kinder aus sozio-ökonomischen benachteiligten und bildungsfernen Familien haben oft schlechtere Bildungschancen.
Vor allem eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung kann zu einem Angleich des Bildungsstandes der Kinder und somit zu besseren schulischen Leistungen führen, sondern auch langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft aufweisen. Unausgeschöpfte Potenziale der Kinder von heute sind unausgeschöpfte Potenziale von Berufswegen, Karrieren und letztendlich einer wettbewerbsfähigen Wissensgesellschaft & Wirtschaft von morgen.
Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: „Bund, Länder und Kommunen müssen ihre Anstrengungen noch stärker bündeln und sich dafür einsetzen, dass unser Bildungssystem das Versprechen einer fairen und chancengerechten Gesellschaft endlich erfüllt.“
Es ist von größter Bedeutung, dass Kinder unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung haben. Dies gelingt nur, wenn bessere Rahmenbedingungen für Kitaträger und deren Kitateams geschaffen werden. Konkret müssen Entlastungen bei der Arbeitsbelastung erfolgen, insbesondere bei nichtpädagogischer Verwaltungsarbeit.
Zudem müssen die Kitateams durch weitere Fachberatungsangebote beim Ausbau der Qualität in der Bildungsarbeit gestärkt werden. Das Kitachancenjahr, wie es im Koalitionsvertrag steht, muss durch pragmatische Lösungsschritte eingelöst werden. Sämtliche Akteure auf Bezirksebene, Gesundheitsamt, Schulamt, Jugendamt und Landesebene sowie Fachkräfte und Fachverbände müssen gemeinsam Prozessoptimierungen lokalisieren und gemeinsame Umsetzungen beschließen. Hierbei müssen auch alle Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden. Die Signale der letzten Monate und Woche der nunmehr neuen Senatorin stimmen uns optimistisch. Die Erwartungen sind hoch und müssen natürlich an den Rahmen der Möglichkeiten angeglichen werden.
Wir als Verband der freien unabhängigen kleinen und mittelgroßen Kitaträger stehen unterstützend bereit, um durch den Dialog mit den beteiligten Akteuren, schnelle, zielgerichtete und insbesondere langfristige Ergebnisse zu erzielen.
Prävention gegen Jugendgewalt beginnt bei den Jüngsten.
Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden.
Beim zweiten Gipfel gegen Jugendgewalt, der am 22.02.2023 in Berlin auf Einladung der regierenden Bürgermeisterin stattfand, wurden konkrete Maßnahmen vorgestellt und thematisiert zur Prävention von Jugendgewalt für die kommenden 2 Jahre (2023-2024).
Unter dem Namen “Initiative für mehr Respekt - Berlin gegen Jugendgewalt” haben sich die Bezirke, zuständige Senatsmitglieder, die Generalstaatsanwältin in Berlin, die Landesbeauftragte für Integration und Migration, die Polizeipräsidentin in Berlin, die Landeskommission gegen Gewalt, sowie weitere Akteurinnen und Akteure aus der Jugend- und Jugendsozialarbeit, gemeinsam, zum zweiten Mal besprochen. Neben diversen Initiativen, die insbesondere Schüler:innen und Jugendliche betreffen, wurde unter anderem auch über das bereits bestehende Modellprojekt der Kita-Sozialarbeit gesprochen, welches in 16 weitere Standorte, in sozial benachteiligten Quartieren, ausgeweitet werden soll. Die Idee: Problemlagen im Leben des Kindes frühzeitig erkennen, um hier Hilfestellung zu leisten und somit auch den anschließenden Übergang in das Schulsystem zu erleichtern.
Während wir die Thematisierung und insbesondere das Bedenken der Kindertagesstätte im Zuge dieser Diskussion sehr begrüßen, sowie ebenfalls den allgemeinen Schritt zu mehr Unterstützung von Kindern und Jugendlichen als sehr wichtig und richtig erachten, sogar den direkten Fokus bisweilen hier lange vermisst haben, sind wir doch erstaunt über die sehr zurückhaltenden Maßnahmen, die den Kitas zuteilen werden.
Das Modellprojekt "Kita Sozialarbeit" wurde bis dato mit einem Budget von ca. 300.000 Euro ins Leben gerufen. Ein kleiner Tropfen auf dem berüchtigten heißen Stein. Und obgleich jede finanzielle Hilfestellung benötigt und somit dankbar angenommen wird, so wird doch recht schnell deutlich, dass die Rahmen des Möglichen bisher, keine nachhaltige Veränderung bewirken können. Denn, wenn man für die 190.000 Kitakinder in Berlin jeweils lediglich 2 Euro pro Tag, pro Kind, bereitstellen würde, um eine deutliche Veränderung anzustreben, so käme man auf einen benötigen Finanzierungsrahmen von ca. 1,9 Millionen Euro.
Kinder,- und Jugendhilfe sollte keine “Entweder, Oder”-Frage sein.
Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Insbesondere der Altersabschnitt 0-3 Jahre spielt hier eine immens bedeutsame Rolle. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden. Während es zweifellos unverzichtbar ist, Kindern und Jugendlichen zu helfen, sie zu fördern und zu stützen, insbesondere in sozial benachteiligten Quartieren, ist es ebenso wichtig Kleinkindern, aus den selbigen sozialökonomischen Verhältnissen, die die positive Entfaltung des Kindes beinträchtigen, den Start in das Leben zu ermöglichen, der Möglichkeiten auf etwaige künftige Abwege bereits nachhaltig reduzieren könnte.
Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung.
Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung: Durch Ausgrenzungs- und Frustrationserfahrungen und damit ebenfalls verbunden; vielen weiteren verpassten Chancen auf Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Die Entwicklungsphasen, die stufenweise nach oben führen sollten, um aus einem Kleinkind/Kind einen sozial-integrierten Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen, mit den notwendigen Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben zu bilden, ähneln bei diesen Kindern, oftmals einer Abwärtsspirale. Diese macht sich im Jugendalter schließlich deutlich bemerkbar, durch Wut, die mannigfaltig in Erscheinung treten kann: Gegen sich selbst, berufliche und schulische Entfaltungsmöglichkeiten, sowie letztlich auch durch emotionale oder körperliche Gewaltausübungen gegenüber u.a. auch anderen Personen.
Für eine erfolgreiche Umsetzung, die sich positiv in den heranwachsenden Kindern, Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen der Bundesrepublik abzeichnen würde, ist es von äußerster Notwendig hier eben genau dort anzusetzen, wo man die künftige Entwicklung noch deutlich lenken und ändern kann und hierbei sämtliche gesellschaftlichen Sozialschichten zu bedenken, was eine flächendeckende Ausweitung der Kita-Sozialarbeit unverzichtbar macht.
Eine Anpassung der Finanzierungssummen, sowie ein realistisches Abdecken der aktuellen Problemfelder in den Kitas Berlins ist demnach unerlässlich.
Eine starke Unterfinanzierung, gepaart mit hoher Überbelastung, führten in den vergangenen Jahren selbsterklärend zu einer Abnahme an Bewerbungen und einem Anstieg an Abgängen. Das Dilemma spiegelt sich im heutigen Personalmangel wider, welcher ohne Zweifel nicht nur auf dem Arbeitsmarkt erkennbar ist, sondern auch in der Qualität der pädagogischen Arbeit und somit auch nachhaltig an den mannigfaltigen Kompetenzen, die den Kleinkindern im Rahmen der Kita hätten vermittelt werden sollen und müssen, und hier jedoch zunehmend an die Grenzen des Möglichen stoßen. Die bisherige Finanzierungssumme, die der Kita-Sozialarbeit zuteilwurde, war bereits nicht ausreichend, um hier qualitativ nachhaltige Veränderungen anstreben zu können. Eine Ausweitung dessen im Zuge des Themas “Berlin gegen Jugendgewalt” sollte hier zu einer einzelnstehenden Diskussion führen, mit einer realistischen Abbildung des aktuellen Finanzierungsrahmens und einem Abgleich dessen mit den aktuellen Problemfeldern.
Wir erachten eine finanzielle Förderung von mindestens 2 Euro pro Kind, pro Kita-Tag, im Rahmen der Kitasozialarbeit, als unerlässlich um hier aktiv Präventionen gegen Jugendgewalt umsetzen zu können.
Für ein realistisches Abbild der Gesamtsituation in den Kitas Berlins, des benötigten finanziellen Rahmens, sowie nachhaltige Ansätze für Veränderung in der Präventions-Arbeit gegen Jugendgewalt, laden wir den Finanzsenators, sowie die Jugendsenatorin Berlins gerne für ein Gespräch ein.
Musik in der frühkindliche Bildung
Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.
Warum Musik in der frühkindlichen Kompetenzförderung nicht außer Acht gelassen werden sollte.
Auch wir Erwachsenen kennen es gut. Bei mancher Musik konzentriert es sich am besten, andere ist motivierend - wieder andere lässt einen endlich entspannen, nach einem langen Tag. In Cafés läuft Jazz, in Bars Upbeats und in manchen U-Bahn-Stationen laufen klassische Klänge, in der Hoffnung, die Kriminalität vor Ort zu senken.
“Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.”
Musik ist überall um uns herum und hat einen größeren Einfluss, als uns oftmals bewusst ist. Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.
Während der “Mozart Effekt”, eine veraltete Studie von 1993, von der University of California, die besagte; Kinder, die regelmäßig mit klassischer Musik beschallt werden würden, sich zu intelligenteren Erwachsenen mausern, bereits seit langem widerlegt ist, so zeigen aktuelle Studien (wie diese, der Universität Halle*) dennoch; Musik hat einen positiven Einfluss auf die Motorik und Sprachentwicklung, was den Kindern in der allgemeinen Entwicklung und letztendlich auch im Erwachsenenalter zugute kommen kann.
Prof. Doktor Stefan Koelsch von der Freien Universität Berlin untersucht seit Jahren die Neurokognition von Musik und Sprache, Musik und Emotion, sowie die Entwicklungsaspekte von Sprach- und Musikkognition. Er erklärte 2020 in einem Interview mit dem MDR**;
“Unser Gehirn reagiert auf Sprache und auf Tonfolgen mit fast identischen Aktivitätsmustern. Musik fördert Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, intelligentes Denken, sensomotorische Funktionen, Emotion und auch soziale Funktionen.”
Der Effekt sei hierbei ähnlich zum Lesetraining oder aktiver Sprachförderung. Könne nur eben, mit Musik, auch passiv erreicht werden. Dies nicht zu nutzen, sei eine verpasste Chance in der aktiven Entwicklungsförderung.
Und während manche Kita-Teams mit musikalischen Fachkräften gesegnet sind, die kurzerhand zur Gitarre greifen, oder am Klavier in die Tasten hauen können und eigene Lieder einfach selbst entwickeln, so sind die meisten Kitas dennoch auf Musik, aus den Soundanlagen angewiesen - und dies hält leider eine Hürde bereit: die GEMA-Pflicht. Bürokratie und anfallende Kosten schrecken vielerorts davon ab, die musikalische Förderung in vollem Umfang zu nutzen.
Damit dies nicht letztendlich dazu führt, dass die Kita-Zimmer still bleiben, hat die Stadt Hamburg, gemeinsam mit einigen Künstler:innen, eine Alternative entwickelt, die im Dezember 2022 offiziell wurde: Ein staatlich finanzierter Pauschalvertrag mit Künstler:innen, die von nun an in den Kitas Hamburgs in Dauerschleife gehört werden oder deren Noten hier auch selbst verwendet werden können.
Die Hamburger Sozialsenatorin (SPD) verkündete bei der Vertragsunterzeichnung im Musikkindergarten in der Sternschanze:
“Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen, dass mehr Musik gemacht wird. (...) Musik entfaltet Kräfte. Mit der Unterzeichnung des Vertrages heute sprechen wir Anerkennung und Respekt aus für die Mitarbeiter:innen in den Kindertagesstätten, aber auch Respekt und Anerkennung für die Arbeit der Musikautor:innen.”
Die Berliner Kitas haben hierzu noch keine offizielle Lösung finden können, bzw. werden sie bei der Suche nach einer Lösung bisweilen nicht aktiv gefördert und gestützt.
Gerade im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes und der vielseits diskutierten Sprachförderung, ist es sinnvoll, sich mit dieser Art von Entwicklungsförderung auseinanderzusetzen.
Es nicht zu tun, wäre eine verpasste Chance.
* https://opendata.uni-halle.de/bitstream/1981185920/13383/1/Wirkung%20von%20Musik.pdf
** https://www.mdr.de/wissen/macht-musik-fit-und-schlau-100.html
Und dann ist der Kollaps da.
"Und dann ist der Kollaps da".
Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen zum Jahresende. Der Personalmangel lässt keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.
Seit Jahren wird der Aufschrei aus den Bildungsträgern lauter und lauter, nun droht der Kollaps.
Dass die Freien Kitaträger in Berlin unter dem stetigen Totsparen ächzen, ist keine Neuigkeit, doch statt einer mehr als dringend benötigten Entlastung und Unterstützung, wurde systematisch in die ohnehin schon leeren Töpfe geschaut und abgewogen, wie die übrigen, bereits deutlich zu geringen Gelder, den zusätzlichen Mehrbelastungen noch standhalten können. Starke Kostenexplosionen, erhöhte, krankheitsbedingte Ausfälle und allgemeiner Personalmangel sind nur einige der vielen Problematiken, mit denen sich die Kitas im Alltag auseinandersetzen müssen, ohne eine Lösung in Sicht.
Die Konsequenzen hierfür sind nicht mehr denk-, sondern deutlich spürbar geworden:
Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen gezwungenermaßen zum Jahresende - und werden sich nicht mehr öffnen. Der Personalmangel lässt schlichtweg keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.
Die Kindertagesstätten sind das sinnbildlich unterernährte Pferd vor dem Karren, das unter der Mehrbelastung zittert und wankt. Dennoch wird rigoros eine Last nach der anderen addiert; schließlich bewegt es sich ja noch. Die Frage eines Kollapses war selbsterklärend nie “wenn”, sondern “wann”.
Das politische Agieren hier gleicht nicht einmal mehr einer regelrechten Blindheit dem aktuellen Ist-Zustand und den möglichen Konsequenzen gegenüber, sondern schierer Ignoranz, die sich in etlichen Handlungen und Nicht-Handlungen widerspiegelt.
Die aktuellen Beispiele unterstreichen dies: Die Senatsjugendverwaltung teilte am Montag mit, dass den rund 2800 Berliner Kindertagesstätten unter der Berücksichtigung der Entwicklung des Verbraucherpreisindex Berlin eine Erhöhung von 8,33% zum 1. Januar erhielten. Zusätzlich, um die gestiegenen Energiekosten abzufedern und die Handlungsfähigkeit der Kindertagesstätten zu erhalten, stellt das Land Berlin eine einmalige Energiekostenpauschale in Höhe von 300 Euro pro belegten Kitaplatz.
Botschaften und Zahlen, die auf den ersten Blick natürlich hoffnungserregend wirken, bei genauerer Betrachtung jedoch eher einem kleinen Trostpflaster gleichen, das eine riesige Schnittwunde bedecken soll.
Mit gerade einmal mit ca. 75 Euro mehr zum Vorjahr sollen die Berliner Kitaträger das fortwährend wachsende Kitasystem mit all seinen Betreuungs- und Bildungsaufgaben aufrechterhalten. Diese Berechnung ist ein Verstecken hinter den formalen Vertragsgrundlagen und zeigt schonungslos die Fehlkalkulierungen an allen Ecken und Enden, die den aktuellen Bedürfnissen kaum gerechnet werden können.
Weder eine angemessene Berücksichtigung des seit Jahren steigenden Bruttomietzins, der mit 11 Euro pro m2 und deutlich mehr deutlich über dem in der Sachkostenpauschale bemessenen Wert von 6 Euro liegt - noch in der Belastung der Kitateams, die durchschnittlich 11-12 Kinder gleichzeitig betreuen, entgegen dem Fachkraft-Kind-Schlüssels von 1 zu 3 - noch in der Entlohnung der Fachkräfte, ist eine realistische Bewertung der momentanen Lage der Kitaträger ersichtlich, von einer Wertschätzung derer ganz zu schweigen. Ein Inflationsausgleich, der sich an werten vergangener Monate entlanghangelt, und den aktuellen Ist-Zustand kaum realistisch abbildet, ist der berüchtigte letzte Tropfen.
Nicht überraschend können insbesondere die kleinen Kitas, die 50 % aller Kitaplätze in Berlin ausmachen, den aktuellen Mehrkosten kaum noch standhalten.
Wir sprechen von einem regelrechten Verfall eines fundamentalen Bildungsträgers, der bis heute politisch sowie gesellschaftlich nicht als “erste Bildungsinstitution” akzeptiert wird.
Das Bild der Kitas gleicht weiterhin in der öffentlichen Wahrnehmung einem veralteten Denkmuster, das wissenschaftlich schon seit Jahrzehnten überholt wurde. In den Kindertagesstätten werden schlussendlich jene Grundlagen und Kompetenzen gelegt und verankert, die für die persönliche und damit verbunden auch berufliche Weiterentwicklung, sowie den Werdegang des Kindes, fundamental wichtig sind. Wenn man es kurz und prägnant ausdrücken möchte:
Hier wird der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Zukunft des Erwachsenen von morgen.
Doch, wie viel Qualität und Kompetenzen sind vermittelbar, bei derart großem Personalmangel? Wie viel Raum für Förderung bleibt bei all dem, gepaart mit zusätzlichen finanziellen Sorgen?
Schließlich beinhalten die rund 35.000 Stellen in den Berliner Kitas, über 22.000 Teilzeitstellen, die sich mit einem ohnehin kleineren Budget und einer deutlichen Unterfinanzierung, nun auch noch den Kostenexplosionen gegenüberstehen sehen.
Der Beruf Erzieher:in, in einer Kindertagesstätte, gleicht vielmehr einer großen Abschreckung, als einer Chance auf berufliche und persönliche Verwirklichung.
Die qualifizierten Fachkräfte bleiben aus, oder verlassen in Scharen das sinkende Schiff. Zurück bleiben wenige, verzweifelte Arbeitskräfte, die das Ruder noch herumreißen versuchen und hier an das Ende ihrer Kräfte kommen. Das sinnbildliche Zugpferd fängt nun also an zu stolpern und ist das erste Mal zusammengebrochen. Die ersten geschlossenen Kitas sollten der letzte Warnschuss sein. Doch statt systematischer Schritte, für eine deutliche Verbesserung der Lage, gibt es viel eher eine Absicherung, dass das Pferd noch atmet und eine anschließende Kleinst-Versorgung, damit der Karren so schnell wie möglich wieder in Gang gesetzt werden kann.
Dieses Zugpferd ist für nichts weiter verantwortlich, als die Kinder von heute in eine erfolgreiche Zukunft von morgen zu bringen, in der sie erlernte Kompetenzen anwenden und diverse Defizite erfolgreich überkommen konnten und können. Sie stellen am Ende den Grundbaustein für unsere Gesellschaft dar, unsere wirtschaftliche Entwicklung und damit verbundenen Erfolg. Es ist an der Zeit, dass die Kindertagesstätten als Bildungseinrichtung angesehen und dementsprechend behandelt und finanziert werden.