Weltkindertag überschattet von Ver.di: Kommunale Kitas stehen vor unbefristetem Streik
Heute hat die Gewerkschaft Ver.di das Ergebnis der Urabstimmung zum geplanten Erzwingungsstreik an den kommunalen Kitas veröffentlicht. Statt der angestrebten 75 Prozent sprachen sich ganze 91,7 Prozent für einen unbefristeten Streik aus. Sollte es in den kommenden Tagen zu keiner Einigung mit dem Berliner Senat über den geforderten Entlastungstarifvertrag kommen, werden die Beschäftigten der kommunalen Kitas in Berlin ab dem 30. September in den Erzwingungsstreik treten.
Heute hat die Gewerkschaft Ver.di das Ergebnis der Urabstimmung zum geplanten Erzwingungsstreik an den kommunalen Kitas veröffentlicht. Statt der angestrebten 75 Prozent sprachen sich ganze 91,7 Prozent für einen unbefristeten Streik aus. Sollte es in den kommenden Tagen zu keiner Einigung mit dem Berliner Senat über den geforderten Entlastungstarifvertrag kommen, werden die Beschäftigten der kommunalen Kitas in Berlin ab dem 30. September in den Erzwingungsstreik treten.
Dass dieses Abstimmungsergebnis ausgerechnet am Weltkindertag verkündet wurde, empfindet der Kitaverband VKMK als äußerst unglücklich. „Der heutige Tag sollte ganz im Zeichen unserer Kinder stehen. Doch Ver.di überschattet mit dem klaren Votum für einen Erzwingungsstreik – und damit gegen eine stabile, verlässliche Bildung und Betreuung der Kinder – diesen besonderen Anlass."“, so Lars Békési, Geschäftsführer des Verbandes.
Das Ergebnis der Urabstimmung steht nicht nur im klaren Widerspruch zum heutigen Weltkindertag, sondern auch zu dem Motto, unter welchem dieser steht: “Mit Kinderrechten in die Zukunft”. Zu diesen Rechten, die in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind, zählt auch das grundlegende Recht auf Bildung. Ein unbefristeter Streik der kommunalen Kitas würde jedoch genau dieses Recht für die betroffenen Kinder einschränken und ihre Bildungschancen damit gefährden. Sollte der Streik wie angekündigt beginnen, wird es für viele Kinder in Berlin deutlich schwieriger, ihr Recht auf Bildung in den kommunalen Kitas wahrzunehmen. „Es ist paradox, dass an einem Tag, der Kinder und ihre Rechte in den Mittelpunkt stellt, eine Maßnahme beschlossen wird, die genau diametral dem entgegengesetzt ist.“, kritisiert Békési.
Leidtragende des bevorstehenden unbefristeten Streiks werden somit primär Eltern und Kinder sein. Nicht ohne Grund haben schon jetzt mehrere hundert Eltern ihre Kinder von den kommunalen Kitas abgemeldet. Mit diesem Ergebnis wird sich die Situation nun vermutlich noch weiter zuspitzen, da sich Eltern nicht mehr darauf verlassen können, dass ihre Kinder ihr Recht auf Betreuung und Förderung in den kommunalen Kitas antreten können.
Politik versus Praxis: Die Wichtigkeit lokaler Expertise in der frühkindlichen Bildung.
Der jüngste Kitagipfel verdeutlichte erneut die kritische Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung. In den letzten Jahren wiederholte sich dieses Muster: Entscheidungen wurden ohne Konsultation derjenigen getroffen, die die täglichen Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hautnah erleben. Wir brauchen ehrliche, offene Dialoge, um zielgerichtete Lösungen umsetzen zu können!
Hinhören und Hinsehen, für die richtigen Lösungsansätze in der frühkindlichen Bildung.
Im Zuge des letzten Kitagipfels wurde dem VKMK eines wieder deutlich: Die Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und praktischer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung ist eine Thematik von entscheidender Bedeutung. Wir haben es in den letzten Jahren leider viel zu oft erleben müssen; Politische Entscheidungen werden getroffen, ohne diejenigen zu konsultieren, die die täglichen Herausforderungen und Möglichkeiten in der frühkindlichen Bildung aus erster Hand erleben. Die Folge sind Maßnahmen, die oft an den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und des pädagogischen Personals vorbeigehen.
Die Kita-Experten, bestehend aus Erzieher:innen, Leiter:innen und anderen pädagogischen Fachkräften, sowie vertretenden Verbänden, wie dem VKMK, bringen eine unverzichtbare Perspektive ein. Ihre Erfahrungen sind ein unschätzbares Kapital, das bei der Gestaltung von Richtlinien und Programmen berücksichtigt werden muss. Ihre Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern, pädagogischen Bedürfnissen und praktischen Herausforderungen sind von unschätzbarem Wert für die Schaffung effektiver, nachhaltiger Bildungsstrukturen.
Die Kluft zwischen Politik und Praxis führt seit Jahren zu Problemen auf mehreren Ebenen:
Unzureichende Ressourcenallokation: Oftmals sind politische Entscheidungen nicht im Einklang mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Kitas. Sie konzentrieren sich auf die Behebung akuter Symptomatiken und übersehen dabei, teilweise gänzlich, die Wurzel des Problems. Dies führt zu unzureichenden Lösungsansätzen, wie mangelnder Finanzierung und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten für die Fachkräfte und letztendlich auch die Kinder.
Mangelnde Berücksichtigung von pädagogischen Bedürfnissen: Die Entwicklung von Bildungsprogrammen ohne Einbeziehung der Kita-Experten kann dazu führen, dass die pädagogischen Anforderungen nicht erfüllt werden. Dies kann die Qualität der Bildung beeinträchtigen und langfristig die Bildungschancen der Kinder mindern.
"Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen." - Johann Wolfgang von Goethe.
Die Hohe Kunst des Zuhören ist gefragt, bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Wie es sich manifestieren kann, wenn dies nicht entsprechend umgesetzt wird, zeigen diese beiden Beispiele der vergangenen Monate:
Beispiel 1: Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung
Ein exemplarisches Missverständnis zeigt sich in der Forderung nach mehr Stellen in der frühkindlichen Bildung. Das eigentliche Problem liegt nicht in einem Mangel an Stellenausschreibungen, sondern viel mehr in der Tatsache, dass es an qualifizierten Fachkräften mangelt, die sich bewerben oder langfristig in diesen Positionen bleiben möchten. Hierbei spielt die Unterfinanzierung eine entscheidende Rolle, indem sie die Arbeit vor Ort unattraktiv gestaltet, dass viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt werden. Die eigentliche Lösung erfordert daher eine deutlich stärkere Finanzierung, die die tatsächlichen Herausforderungen der Kitas berücksichtigt und die Attraktivität des Berufsstandes durch angemessene Wertschätzung steigert, sodass wir mehr Personal anziehen und langfristig halten können Der simple Stellenausbau wäre somit nicht die vollumfängliche Lösung.
Beispiel 2: Mangelnde Sprachentwicklung bei Kleinkindern
Ein weiteres Beispiel betrifft die mangelnde Sprachentwicklung bei Kindern vor dem Eintritt in das Grundschulalter. Politiker:innen neigen dazu, dieses Problem mit der Multilingualität vor Ort zu verknüpfen und fordern zuletzt sogar teilweise Einschränkungen im Bereich der Migration. Allerdings weisen pädagogische Fachkräfte seit Jahren darauf hin, dass sie unter den aktuellen Bedingungen ihr Bildungsangebot teilweise nicht vollständig ausführen können. Das pädagogische Fachpersonal leidet unter der Unterfinanzierung, die zu personellen Problemen und Überlastung führt, was wiederum die gezielte Förderung einzelner Kinder beeinträchtigt. Das dies symptomatisch in den Förderungsständen der Kinder sichtbar wird, war lediglich eine Frage der Zeit. Die eigentliche Lösung liegt erneut in einer deutlich stärkeren Finanzierung, die die finanziellen Bedürfnisse an die tatsächlichen Herausforderungen anpasst, dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und gezieltere Förderungen zulässt.
Diese Beispiele sind lediglich zwei von vielen, die verdeutlichen, wie eine unzureichende Kommunikation mit den betroffenen Akteuren zu Trugschlüssen, falschen Lösungsansätzen und letztlich auch Fehlinvestitionen führt. Diese Situation ähnelt dem schnellen Überstreichen einer maroden Wand, ohne den eigentlichen Schaden an der Struktur zu beheben. Obwohl einige Lösungsansätze zunächst vielversprechend erscheinen mögen, bleibt das zugrundeliegende Problem ungelöst. Das temporäre "Lösen" der Situation erlaubt der eigentlichen Problematik sich weiter auszubreiten, was langfristig zu weitaus größeren Schäden und umfangreicheren Kosten führen kann. Eine effektive Lösung erfordert eine tiefgreifende Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Kita-Experten. Die Schaffung von Plattformen für regelmäßigen Austausch, die direkte Einbindung der Fachkräfte in Entscheidungsprozesse und die aktive Integration ihrer Perspektiven in politische Diskussionen sind von entscheidender Bedeutung. Unser Verband setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die freien Kitaträger, die wir vertreten, in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, gehört und anerkannt werden. Wir nehmen es positiv zur Kenntnis, dass wir nun mehr in entsprechende Dialoge eingebunden werden. Dies repräsentiert symbolisch einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wir möchten an dieser Stelle jedoch ebenso vehement betonen, dass diese Dialoge weit über die Symbolik hinausgehen müssen, um hier tatsächlich etwas zu bewirken. Ein ehrlicher Austausch, und insbesondere die Offenheit sich hier mit den Herausforderungen tatsächlich zielgerichtet auseinandersetzen zu wollen, ist absolut von Nöten, um schlussendlich auch tatsächliche, realistische Lösungen zu formen.
Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann eine frühkindliche Bildungspolitik entwickelt werden, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.
Im Wandel der Zeit: Wieso Übergriffe in Kitas in der Vergangenheit oft unbemerkt blieben.
In den deutschen Medien ist ein brisantes Thema in den Fokus gerückt: Übergriffe in frühkindlichen Bildungsinstitutionen. Die Statistiken und die aktuelle mediale Behandlung könnten auf den ersten Blick alarmierend wirken und den Eindruck eines Anstiegs von Übergriffen erwecken. Doch dies wäre ein Trugschluss.
In den deutschen Medien ist ein brisantes Thema in den Fokus gerückt: Übergriffe in frühkindlichen Bildungsinstitutionen. Die Statistiken und die aktuelle mediale Behandlung könnten auf den ersten Blick alarmierend wirken und den Eindruck eines Anstiegs von Übergriffen erwecken. Doch dies wäre ein Trugschluss.
Unsere Gesellschaft hat zweifellos ein gesteigertes Bewusstsein für Übergriffe entwickelt, welches sich deutlich in den aktuellen Statistiken widerspiegelt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Behandlung dieser Thematik nicht isoliert, sondern im Kontext des gesellschaftlichen Wandels erfolgen muss. Viele Vorfälle, die heutzutage erkannt, behandelt und festgehalten werden, hätte man vor noch 50 Jahren als Dunkelziffer erahnen müssen.
Der Gedanke, dass "früher alles besser war", entspringt nicht selten einer unzureichenden Berücksichtigung zahlreicher marginalisierter Gruppen, die in der Vergangenheit nicht die angemessene Aufmerksamkeit ihrer alltäglich erlebten Herausforderungen erhielten. Unter diesen Gruppen befinden sich zweifellos auch Kinder, und die oftmals erlebten Situationen in Kindertagesstätten und Schulen, die unter der heutigen Betrachtung abwegig erscheinen. Viele Vorfälle von Übergriffen - emotionaler, körperlicher oder sexueller Art - blieben in der Vergangenheit oftmals unbemerkt oder unbehandelt. Die Gründe hierfür sind meist im gesellschaftlichen Kontext verankert:
Tabuisierung: Kindesmissbrauch war ein tabuisiertes Thema, das oft im Verborgenen blieb. Familien und Gemeinschaften zögerten, solche Vorfälle zu melden oder darüber zu sprechen, aus Angst vor sozialer Stigmatisierung oder Repressalien. Dies führte nicht selten zu:
Bagatellisierung: In einigen Fällen wurde Kindesmissbrauch von Erwachsenen in Machtpositionen oder sogar von Mitgliedern der eigenen Familie ignoriert oder bagatellisiert. Kinder hatten somit oftmals wenig Chancen, Gehör zu finden.
Mangel an Unterstützungssystemen: Es gab weniger Unterstützungssysteme und Ressourcen für die Opfer von Kindesmissbrauch, sowie deren Angehörige. Es fehlten Schutzdienste, Beratungsdienste und spezialisierte Organisationen, um Kindern und ihren Familien zu helfen.
Rechtliche Schwächen: Die rechtlichen Instrumente zum Schutz von Kindern vor Missbrauch waren oft weniger entwickelt und weniger wirksam. Die rechtlichen Anforderungen an Kindertageseinrichtungen, sowie die Schulungen der Fachkräfte oblagen anderen Grundvorraussetzungen, als heute. Konzepte zum Schutz von Kindern- und Jugendlichen in Einrichtungen (gemäß §§ 45, 79a SGB VIII), sind beispielsweise erst seit dem 1. Januar 2012 gesetzlich vorgeschrieben.
Trotz der zutiefst erschütternden Natur eines jeden Vorfalls und der unbestreitbaren Tatsache, dass die betroffenen Kinder und Angehörigen unser Mitgefühl und unsere Empathie in höchstem Maße verdienen, ist es essenziell, dass wir in dieser Situation nicht übersehen; dass die Vorfälle nunmehr erkannt, gebührend behandelt und auf gesellschaftlicher Ebene zur Diskussion gestellt werden – ein Fortschritt, der Hoffnung erwecken kann, jedoch medial oftmals untergeht.
Reißerische Überschriften und die Instrumentalisierung der Schicksale, um eine möglichst breite Leserschaft anzuziehen, sind bedauerlicherweise ein Phänomen der heutigen Zeit, welches oftmals für eine Mischung aus Entsetzen und Fassungslosigkeit sorgt. Diese Schlagzeilen dominieren nicht nur die Nachrichten, sondern auch die sozialen Medien, und sie scheinen bewusst auf eine beunruhigende Zunahme von Kindesmissbrauchsfällen anzudeuten. Jedoch ist es von entscheidender Bedeutung, hinter diese Schlagzeilen zu blicken, den Kern der Problematik zu erfassen und die Thematik in den gesellschaftlichen Kontext einzuarbeiten. Die vermehrte Berichterstattung über Übergriffe gegen Kinder ist in erster Linie ein Spiegelbild einer sich verändernden Gesellschaft, die endlich beginnt, diese dunkle Realität anzuerkennen und ihr entgegenzutreten.
Dieser Wandel ist ein Resultat eines breiteren gesellschaftlichen Bewusstseins:
Sensibilisierung und Bildung: Es gibt ein breiteres Bewusstsein für die Auswirkungen von Kindesmissbrauch und eine verstärkte Aufklärung in Schulen, Gemeinden und Medien über die Erkennung und Prävention dessen. Fachkräfte durchlaufen heutzutage andere Bildungs- und Weiterbildungskonzepte, die sich mit dieser Thematik tiefgreifend auseinandersetzen.
Stärkere Gesetze: Die Gesetze zum Schutz von Kindern vor Missbrauch wurden in vielen Ländern verschärft, und die Strafverfolgung von Tätern wurde verbessert. Konzepte zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen Deutschlands (gemäß §§ 45, 79a SGB VIII), sind beispielsweise seit dem 1. Januar 2012 gesetzlich vorgeschrieben. Dies hat selbsterklärend eine neue Form von Bildung und Aufklärung in diesem Bereichen mitsichgebracht. Die Sensibilisierung zu diesem Thema hat stark zugenommen und das Erkennen von Vorfällen hat hierdurch stark zugenommen.
Kinderschutzorganisationen: Diverse Organisationen und Schutzdienste sorgen für breitere Aufklärungsarbeiten und stellen Hilfe dar, für Kinder und ihre Familien.
Offenere Diskussion: Die Gesellschaft ist offener und sensibilisierter für Diskussionen über Missbrauch, und es gibt eine größere Bereitschaft, solche Vorfälle zu melden und die Opfer zu unterstützen, sowie gegen Täter:innen vorzugehen.
Wenn wir über die vermehrten Fälle an Übergriffen berichten, müssen wir gleichsam bedenken, dass eben diese Fälle, in der Vergangenheit oftmals nur als Dunkelziffer hätten erahnt werden können.
Die aktuelle Aufmerksamkeit für dieses bedeutsame Thema sollte als Anreiz dienen, proaktive Maßnahmen zu ergreifen. Eine wichtige Komponente hier, ist die Aufklärungsarbeit, die darauf abzielt, sowohl pädagogische Fachkräfte als auch betroffene Familien noch stärker zu sensibilisieren und mit noch umfassenderen Leitlinien auszustatten, sowie Rahmenbedingungen zu kreieren, die ein frühzeitiges Erkennen von eventuellen Übergriffen, deutlich erleichtern. Und, wenngleich es von essenzieller Wichtigkeit ist und einen integralen Bestandteil der Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung dieser Thematik darstellt, diese medial ebenfalls wiederzugeben, sollte dies auf eine Art und Weise erfolgen, die ohne panikmachende Ansätze auskommt und nicht allgemeine Sorgen und Ängste der Eltern und Erziehungsberechtigten auslöst, im Bezug des Wohlergehens ihrer Kinder, in frühkindlichen Institutionen. Wir möchten entschieden betonen, dass wir uns von dieser Art des Journalismus und der sensationellen Darstellung dieses Themas distanzieren. Wir möchten uns als Teil der Lösung verstehen, und dafür bedarf es intensiver Recherchen und wohlüberlegter Worte.
In den vergangenen Wochen haben wir daher Artikel veröffentlicht, die sich eingehend mit dem frühzeitigen Erkennen von Übergriffen bei Kleinkindern, inbesondere im non-verbealen Altersabschnitt, befassen. In diesen Beiträgen haben wir uns mit den diversen Anzeichen auseinandergesetzt, die nicht nur seitens des pädagogischen Fachpersonals, sondern auch innerhalb der Familie ermittelt werden können und sollten.
Desweiteren haben wir einen umfassenden Leitfaden erarbeitet, der detaillierte Schritte enthält, die ergriffen werden können, wenn der Verdacht auf solche Vorfälle besteht, und wie man in Fällen, in denen diese Befürchtungen bestätigt werden, angemessen vorgeht. Wir sind fest davon überzeugt, dass Aufklärung und die Bereitstellung von Ressourcen zur Prävention und Unterstützung von Familien ein wichtiger Schritt in Richtung einer sichereren und gesünderen Gesellschaft sind, die unseren Kindern mehr Schutz bieten kann und wird.
Wir ermutigen Medien und relevante Akteure im Bereich der frühkindlichen Bildung, sich unserer Aufklärungsarbeit anzuschließen und konstruktiv beizutragen.
Kein Kind ist mehr sicher.
Vermehrt liest man Clickbait Schlagzeilen, mit reißerischen Titeln. “Tatort Kita” - “Kein Kind ist mehr sicher.” Die Misere der Kitakrise wird verzerrt und profitable, journalistisch aufgearbeitet. Die zugrundeliegenden Probleme, die seit Jahren absehbar waren, werden oft vernachlässigt, Lösungsansätze gekonnt ignoriert.
Vermehrt liest man Clickbait Schlagzeilen, mit reißerischen Titeln. “Tatort Kita” - “Kein Kind ist mehr sicher.” Die Misere der Kitakrise wird verzerrt und profitable, journalistisch aufgearbeitet. Die zugrundeliegenden Probleme, die seit Jahren absehbar waren, werden oft vernachlässigt, Lösungsansätze gekonnt ignoriert. Wir möchten uns heute der Gefahr von Clickbait-Journalismus zuwenden.
Die vermehrte Häufung von Schlagzeilen bezüglich der Situation in Kindertagesstätten wirft ein Licht auf die aktuelle Situation, doch bedarf es einer differenzierteren Betrachtung, um die wirklichen Probleme anzugehen. Der Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger (VKMK) betont, dass diese Schlagzeilen zwar schockieren, aber oft nur die Spitze des Eisbergs darstellen.
Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, äußert sich zu dieser Thematik: "Die Wahrnehmung gewaltfreier Erziehung hat sich im Laufe der Zeit stark verändert, und das spiegelt sich natürlich in den heutigen Nachrichten wider. Die Sensibilität für dieses Thema ist gestiegen, was absolut begrüßenswert ist. Dennoch sollten wir nicht den Fehler machen, daraus zu schließen, dass die tatsächlichen Übergriffe in Kitas “drastisch” zugenommen haben."
Die Schlagzeilen neigen dazu, den Fokus auf das Personal und das Image des Erzieher-Berufes zu legen, während die zugrunde liegenden Probleme, die seit Jahren absehbar waren, oft vernachlässigt werden. Békési betont: "Es ist enttäuschend, dass solche Schlagzeilen anstatt der drängenden politischen Probleme und Lösungsansätze die Aufmerksamkeit erregen. Die Kita-Krise ist keine Überraschung, sondern ein Resultat von hausgemachten Schwierigkeiten."
Der VKMK repräsentiert zahlreiche Kitas, die Mitglieder des Verbandes sind und eine klare Sicht auf die Realitäten haben. "Unsere Mitglieder fühlen sich inmitten dieser Schlagzeilen oft wie im falschen Film", sagt Békési. "Die wirklichen Probleme werden kaum diskutiert, geschweige denn Lösungsansätze aufgezeigt, obwohl diese regelmäßig von den Kitaverbänden selbst publiziert werden.”
Der VKMK mitsamt seiner angeschlossenen Träger bemüht sich kontinuierlich, ihre Erfahrungen und zukunftsorientierten Lösungsansätze zu teilen. Trotz aller Anstrengungen haben diese jedoch bisher nicht das nötige Gehör gefunden, um in der praktischen Umsetzung angemessen berücksichtigt zu werden. “Es ist bedauerlich, dass die drängenden Probleme und notwendigen Veränderungen oft im Schatten solcher aufsehenerregenden Artikel bleiben. Statt oberflächlicher Sensationsberichterstattung sollten wir den Blick auf die tatsächlichen Herausforderungen richten. Es ist an der Zeit, die politischen Missstände anzugehen."
Artikel, wie der kürzlich im "die Tagespost" (“Tatort Kita”) erschienene, heben zwar die gegenwärtigen Herausforderungen hervor, mit denen Kitas konfrontiert sind, darunter Personalmangel, Qualitätsfragen und gewaltfreie Erziehung - nutzen diese Misere aber gleichsam um mit reißerischen Schlagzeilen bezüglich Kindeswohl Aufmerksamkeit zu generieren. Die Komplexität dieser Aspekte sind jedoch kaum beleuchtet, geschweige denn, dass eine umfassende Analyse stattfindet oder nachhaltige Lösungen diskutiert werden.
An dieser Stelle möchten wir nachdrücklich betonen, dass das Ansehen des Berufsbildes der "Pädagogischen Fachkraft" bereits durch spürbare Überlastung und finanzielle Unterfinanzierung in den vergangenen Jahren erheblich gelitten hat. Die aktuell aufkommenden Schlagzeilen drohen, diese bereits angespannte Situation weiter zu verschärfen. "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir dringend neues, kompetentes und qualifiziertes Personal gewinnen, sowie ausbilden können.", erklärt Békési. "Unser Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, die Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen zu verbessern, um den Beruf wieder attraktiver zu gestalten. Durch Schlagzeilen, die sich Profit aus der Misere erhoffen, ist niemandem geholfen. Nicht den Erzieher*innen, nicht den Kindern, nicht der frühkindlichen Bildung.”
Der VKMK appelliert an die Medien und die Gesellschaft, eine tiefere Perspektive einzunehmen und die eigentlichen Ursachen der aktuellen Situation anzugehen. Statt oberflächlicher Sensationsmeldungen sind nachhaltige Lösungen gefragt, um eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung zu gewährleisten.
Der Frühen Bildung zu mehr Recht verhelfen!
Zum Internationalen Kindertag wurde neben uns von zahlreichen Verbänden, Institutionen und Parteien die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz gefordert. Nun ist es an der Zeit, den gesellschaftlichen Konsens einer Stärkung der Kinderrechte in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Mit einer Grundgesetzänderung allein wird dieses Ziel nicht erreicht werden.
Zum Internationalen Kindertag wurde neben uns von zahlreichen Verbänden, Institutionen und Parteien die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz gefordert. Wenn die Erfahrungen des vergangenen Jahres diese Forderung zwar nicht erst begründet haben, so haben sie doch deren Dringlichkeit noch einmal unterstrichen. Nun ist es an der Zeit, den gesellschaftlichen Konsens einer Stärkung der Kinderrechte in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Mit einer Grundgesetzänderung allein wird dieses Ziel nicht erreicht werden.
Bildung beginnt in der Kita
Besonders in den vergangenen Monaten werden die Orte der Frühen Bildung, die Kitas, bei den Diskussionen zur Bildung stark vernachlässigt. Während verschiedene Modelle und Förderungen für Schulen besprochen werden, bleiben die Kitas und ihre Probleme ungehört. Dabei sind diese mehr als bloße Betreuungseinrichtungen. Selbst das schon im Titel missglückte „Aufholprogramm“, das Anfang Mai beschlossen wurde, betrifft nahezu komplett die Bildung ab dem Schulalter. Hier benötigen wir ein Umdenken, das der Rolle der Kindertagesstätten gerecht wird. Als erste Bildungseinrichtung zahlt sich jede Investition in die Frühe Bildung um ein Vielfaches im späteren Bildungsweg aus.
Freie Träger brauchen mehr Beteiligung
Auf Berlin bezogen fordern wir deshalb seit Langem eine stärkere Beteiligung der Freien Träger. Nach wie vor sitzt unser Verband nicht am RVTag-Verhandlungstisch und kann sich nicht bei den Verhandlungen der Rahmenbedingungen in der Frühen Bildung auf Landesebene einbringen. Stattdessen werden die Freien Träger durch Maßnahmen, wie z.B. der Hauptstadtzulage, benachteiligt und durch eine überbordende Bürokratie, wie z.B. beim Kita-Ausbau, bei ihrer Arbeit behindert. Hinzu kommt eine mangelhafte und oft verspätete Kommunikation durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Dabei stellen die Freien Träger den Großteil der Kita-Plätze in Berlin.
Wir möchten deshalb ausdrücklich für eine verbesserte Zusammenarbeit werben: Nur gemeinsam können wir Lösungen finden.