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Die Kunst des Zuhörens: Senatorin Günther-Wünsch bittet zum Kita-Gipfel

Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor. Senatorin Günter-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die große Kunst des Hinhörens: Der erste Schritt zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung liegt im Zuhören bei den richtigen Akteuren

Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor.

Senatorin Günther-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die Vergangenheit zeigt bedauerlicherweise, dass solche wichtigen Gelegenheiten versäumt wurden, was zu vorhersehbaren und schwerwiegenden Konsequenzen führte.

Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Sachkostenpauschale als Teil  über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag)  in Berlin. Ursprünglich entwickelt, um die Finanzierung von frühkindlichen Einrichtungen langfristig sicherzustellen, erwiesen sich diese Teile dieser Pauschale in den folgenden Jahren als wesentlicher Engpass.

Finanzkonzepte benötigen regelmäßige Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse, eine Überprüfung, die trotz offensichtlicher Veränderungen, einschließlich wirtschaftlicher Aspekte, wiederholt versäumt wurde.

Erst 2017 wurde eine Gestehungskostenanalyse in Auftrag gegeben, die zeigte, dass Kitas mit einer Unterfinanzierung von fast 30% zu kämpfen hatten, hauptsächlich aufgrund stark gestiegener Mietkosten, die in der Sachkostenpauschale nicht berücksichtigt wurden.

Insbesondere kleinere und mittelgroße Kitaträger litten unter höheren Mietkosten im Vergleich zu größeren Institutionen.

Trotz dieses neuen Wissens ignorierten die damaligen Akteure in der Senatsverwaltung und ihre ausgewählten Verhandlungspartner im Rahmen ihrer 2017 laufenden  Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) diese dramatische Unterfinanzierung und schufen nur eine Teilreparatur.

Es erfolgte für den Zeitraum von 2018 bis 2021 eine leichte stufenweise Erhöhung der Sachkostenpauschale um insgesamt 10%, doch konnte die massive Unterfinanzierung bei weitem nicht kompensiert werden.

Die kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger hatten weiterhin mit steigenden Gewerbemiet- & Immobilienunterhaltungskosten und zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Einzig der VKMK reagierte auf diese Herausforderungen, indem er mit seiner Expertengruppe eine nachhaltige Lösung entwickelte: die "Clusterlösung".

Basierend auf dem Grundgedanken der Hamburger Finanzierungskonstruktion integriert die "Clusterlösung" eine differenzierte Betrachtung der IST-Situation der Gewerbeflächen der jeweiligen Kita-Träger in die Ausgestaltung der Sachkostenpauschale. Durch die Unterstützung verschiedener Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses konnten weitere relevante Daten zu den Bruttomietzinsen für soziale Träger in landeseigenen Wohnbaugesellschaften erfragt werden.

Hierbei ergab sich, dass die Mietzinsen für Gewerbeflächen der landeseigenen Wohnbaugesellschaften im Durchschnitt über 10 Euro pro Quadratmeter lagen, während die Kita-Träger lediglich eine Finanzierung von etwa 5 Euro pro Quadratmeter erhielten. Diese Diskrepanz verdeutlichte bereits damals die erheblichen finanziellen Herausforderungen, denen die betroffenen Einrichtungen gegenüberstanden.

Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu Lasten der Fachkräfte gingen.

Um dem Scheinargument- Phänomen der "Miethaie" und des " Miet-Monopoly" entgegenzuwirken, integrierte der VKMK in seine "Clusterlösung" das Modell einer wiederkehrenden Abfrage des Bruttomietzinses pro Quadratmeter bei landeseigenen Wohnbaugesellschaften. Dieser Wert dient als Grundlage für die Einberechnung in die Sachkostenpauschale, um den Einrichtungen eine finanzielle Grundlage zu bieten, die ihren tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird.

Diese konkreten Beispiele unterstreichen nicht nur unsere langjährige Arbeit und Bemühungen, realistische Lösungsansätze zu bieten, sondern auch den gravierenden politischen Fehler, betroffene Akteure unzureichend zu berücksichtigen.

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: "Wir bieten der Jugendsenatsverwaltung seit Jahren fundierte Lösungen an. Unser Clustermodell ist ein solcher gezielter Lösungsansatz, der jedoch in den Jahren der SPD-Ressortverantwortung ignoriert wurde. Lösungen, die betroffene Stakeholder nicht angemessen einbeziehen, führen letztlich immer zu höchsten Gerichtsurteilen, die dann eine Unverhältnismäßigkeit bis hin zur Verfassungswidrigkeit im Handeln der Jugendsenatsverwaltung attestieren.

Die konzertierte Anstrengung von Senatorin Günter-Wünsch gemeinsam mit allen Interessengruppen in einen Dialog einzutreten, verspricht langfristige Fortschritte in der effizienten Ressourcennutzung und nachhaltigen Verbesserungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.

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Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. - Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Lisa Henriette Huber, Referentin Presse- & Öffentlichkeitsarbeit & Lars Békési, Geschäftsführer,
 Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e.V.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. An diesem Montag hat die amtierende Jugendsenatorin (SPD) wiederholt bewiesen, dass es großen Bedarf an neuen Impulsen gibt, für zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Bereich der Freien Träger. Und während Berlin sich bisher sehr zurückhaltend äußerte und den großen Personalmangel eher vorsichtig und meist negierend thematisierte, so gab es dieses Mal, von Senat eine doch sehr überraschend ehrliche Antwort: Nach einer schriftliche Anfrage vom VKMK an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, um Antworten auf künftige Maßnahmen bezüglich der fortlaufenden Unterbesetzung zu suchen, erhielten wir erstmals eingestehende Worte: 

“Dem Senat ist bewusst, dass Phasen der Über- und Unterschreitung des Personalschlüssels systembedingt sind. Im Falle anhaltender Personalunterschreitungen sind jedoch die Kitaträger gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. (...)”

Und, wenngleich es beinahe tröstend ist, die lang ersehnte, wenn auch noch milde formulierte Anerkennung dessen zu erhalten, was wir seit langem als Realität wahrnehmen, so sieht man doch wieder dasselbe, alte Problem, das schon seit Jahren zu keiner gewinnbringenden Lösung führt:

Die Weitergabe der Verantwortlichkeit für das Suchen und Finden einer Lösung. 

Ein strukturell abgebauter und systematisch unterfinanzierter Sektor bricht zusammen und die Symptomatiken, die hierbei selbsterklärend zum Vorschein treten, sollen von den Betroffenen – ohne ausreichend finanzieller Mittel - selbst bekämpft werden. Wir blicken seit Jahren, bei einem wachsenden System, in sich immer weiter leerende Finanzierungstöpfe, die immer größeres Wachstum an Abgängen von qualifizierten Pädagog:innen verursachen und zu immer mehr schrumpfenden Bewerbungszahlen für neue Auszubildende führen. Ein Strudel, der die Qualität der pädagogischen Arbeit seit Jahren in die Tiefe saugt. Wer heute noch Pädagog:in werden möchte, muss Überbelastung und Unterfinanzierung im großen Stil erwarten.  

Dieser Alltag spiegelt keine Ausnahme, sondern die Regel wider. Und selbst wenn hochmotivierte Kräfte an der Tür klopfen und sich dem Dilemma annehmen möchten, so müssen sich immer mehr Kitas Berlins eingestehen: "Die Gelder für Personal sind schlichtweg nicht da.”  Wir sind über “Bitten” und “Wünschen” schon lange hinaus. Es wird Zeit, dass die klaren Formulierungen an Bedarf von den Kitas endlich Gehör finden und Handlungen und Verantwortungsübernahme stattfinden - seitens der Politik.

“Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer.”

Das System, wie es bis heute umgesetzt wurde, ist nicht zukunftsfähig. Statt Kitaplatz Ausbau zu betreiben, wie es momentan dringend und zwingend nötig wäre, finden wir uns in einer Reduktion der Berliner Kitas wieder, da ein Verkleinern auf Grund von finanziellen Zusatzbelastungen und dem massiven Personalmangel für viele unumgänglich geworden ist.  Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer und sorgen hier für mannigfaltige Probleme, die wir gesellschaftlich in die Zukunft tragen.  Diese Kinder von heute, denen es in den Kitas an Raum und Platz und Entfaltungsmöglichkeiten mangelt, um die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben, die es im späteren Alter bedarf, sind die Erwachsenen von Morgen. Die Erwachsenen, die unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes lenken und formen werden.

Es wird Zeit, dass sich die Koalitionäre des neuen Senates ihrer Verantwortung dieser Zukunft bewusst werden - und handeln.  

 

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Kitakrise 2022 / 2023 - Ein Interview Mit Lars Békési

“Warme Worte, kalte Aussichten". Wir lassen das Jahr 2022 Revue-Passieren, mit dem Geschäftsführer des VKMK, Lars Békési und besprechen die Hürden des vergangenen Jahres, sowie die Hoffnungen für das kommende.

Ein Revue-Passieren des Jahres 2022 mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.

“Warme Worte, kalte Aussichten”  

Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie in Berlin, bezeichnete in ihrer Weihnachtsgrußkarte an die Kitaträger Berlins, das Jahr 2022, als ein Jahr der Krisen und Herausforderungen, welches gleichzeitig aber ein Zusammenwachsen in den Kitas und Kitaträgern deutlich zeigte. Wie stehen Sie zu diesem Ansatz, Herr Békési? 

Lars Békési: Natürlich ist es schön einen Weihnachtsgruß zu erhalten - in diesem Jahr hatte er aber einen faden Beigeschmack. Die Krisen, von denen Frau Busse gesprochen hat, sind real und noch lange nicht gelöst. Das Zusammenrücken, von dem sie spricht, sehe ich kritisch. Metaphorisch gesprochen; in einem sinkenden Boot klammern sich die Insassen vermutlich auch aneinander und versuchen verzweifelt, das Unvermeidbare hinauszuzögern - es ändert aber nichts an dem tatsächlichen Sinken. Eine Hilfestellung, ein aktives Eingreifen, wäre hier das einzig Vernünftige - nicht aber ein symbolisches Applaudieren an den noch halbwegs intakten Zustand der Insassen, während man dabei zusieht, wie das Boot weiterhin zerstört wird. 

Das sinkende Boot, symbolisch für den Verfall der frühkindlichen Bildungsträger. Welche Entscheidungen haben Sie in diesem Jahr insbesondere als fatal einstufen können? 

Lars Békési: Am Ende sind es nicht nur die tatsächlich ausgeführten Handlungen, sondern auch die vielen verpassten Gelegenheiten Verantwortung zu übernehmen und hier die richtigen Schritte zu gehen. 

Ein Paradebeispiel sind die Sprach-Kitas in Berlin. Während Anfang des Jahres noch die regierende Bürgermeisterin, gemeinsam mit Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, feierlich die Bändchen zerschnitt, bei der Eröffnung diverser Sprach-Kitas, konnte sich im Hintergrund nicht geeignet werden, wer hier die finanzielle Verantwortung übernehmen wird, sobald der Bund die Anschubsfinanzierung, wie geplant, beendet. Anstelle frühzeitig  eine solide Lösung  gemeinschaftlich zu beschließen, wurden die Sprach-Kitas viel eher als politische Spielmasse durch zahlreiche Ländern gegenüber dem Bund instrumentalisiert, in der Hoffnung, dass es hier, mittels diverser Druckmittel eben doch zu einer Weiterfinanzierung in altbekannter Struktur durch den Bund kommen kann.

So etwas kann und darf nicht passieren, in einer vernünftigen verantwortungsvollen Bildungspolitik. 

Eine Lösung hierfür scheint es bis heute nicht zu geben? 

Lars Békési: Und genau das ist eben das Problem. Es sind nicht die aktiven Handlungen, die hier das Boot zum Sinken bringen. Es sind viele passive Entscheidungen. Das Weiterreichen von Verantwortlichkeiten, das Übergehen von Problemfeldern, in der Hoffnung, sie würden von alleine verschwinden, oder jemand anderes würde sich ihrer annehmen. Die Wichtigkeit von Bildung, insbesondere das Augenmerk auf den Jüngsten, wird unfassbar gerne betont und in Wahlkampagnen natürlich auch gezielt instrumentalisiert - die Wirklichkeit zeichnet aber ein Bild der Vernachlässigung und des Wegduckens vor Verantwortlichkeiten, das uns nun einholt, mit drastischen Konsequenzen. 

Während im Herbst keine substanziellen Lösungen durch den Berliner Senat gefunden werden konnte, um die 13,4 Millionen Euro für die bestehenden Sprach-Kitas umsetzen zu können, wurde im AGH- im Rahmen des Nachtragshaushaltes gleichzeitig das Freigeben von zusätzlichen 500 Millionen Euro besiegelt, für die Reduzierung des A-B Tickets in Berlin - einem Ticket, von dem nicht einmal die Anwohner:innen im Berliner Stadtrand , die wirklich darauf angewiesen wären, profitieren können. So sieht keine verantwortungsbewusste Politik aus - und schon gar keine mit Zukunftsperspektiven. Erst, als das Schließen der Sprach-Kitas dann tatsächlich vor der Tür stand, wurde sich notgedrungen nach einer Lösung umgesehen, die, für uns absolut nicht überraschend, letztendlich so aussah, dass an die ohnehin schon leeren Töpfe der Kitas gegangen wird, um eine Ad-Hoc-Finanzierung für die kommenden 6 Monate mit Ach und Krach umsetzen zu können. Eine Lösung mit Perspektive für die darauffolgende Zeit ist bis heute nicht auffindbar. Ich denke, das unterstreicht sehr gut, weshalb weihnachtliche Grüße, mit einem Lob gegenüber des “Zusammenrückens” innerhalb der Kita-Teams und Kitaträger, eher auf Irritation stoßen. 

Sie erwähnen von diesem Vorgehen nicht mehr überrascht zu sein. Stehen Sie dem kommenden Jahr ebenfalls ernüchtert gegenüber? 

Lars Békési:

Wenn man die Erfahrungswerte der vergangenen Jahre, insbesondere des letzten Rot-Grün-Rot-Jahres, bewertet - bleibt einem nur Ernüchterung übrig.

Es war ganz klar ein verschwendetes Jahr, in Bezug auf die frühkindliche Bildungspolitik. Trotzdem bleiben wir positiv und werden uns weiterhin stark für relevante Themen einsetzen. Die Liste der Lösungen sind unserseits bereits mehrfach benannt worden. Es muss hier aber eine Änderung hinter den Kulissen geben, damit diese letztendlich auch spürbar bei den Kindern und den Kitateams in allen Kindertagesstätten zu sehen ist. 

Wie hoffen Sie, könnte man einen Schritt in Richtung Besserung gehen? 

Lars Békési: Die vielfältige Fremdbestimmung der Kita-Träger durch die Senatsverwaltung, mit ihren knapp 60 Trägerscheiben der letzten Pandemie-Jahre, ist nicht sinnvoll. Wir wünschen uns die notwendige Beinfreiheit, hier Entscheidungen deutlicher zu bestimmen und mehr Gehör finden zu können, damit wichtige Themen nicht untergehen - oder hinausgezögert werden, bis die Katastrophe vor der Tür steht . Wir brauchen hier situationsgerechte Lösungen. Beispielsweise eine vollumfängliche Entlastung der Kitateams von fachfremder Verwaltungsarbeit, eine 100%ige Anrechnung der mittelbaren pädagogischen Arbeit, oder etwa eine angemessene, qualitätsvollere Ausgestaltung der Ausbildungsinhalte. Diese Forderungen sind nicht neu, sondern wohlbekannt. Der, nach der Wahlwiederholung neugewählte Senat, muss hier endlich die Umsetzung gestalten. Das beginnt selbsterklärend bereits bei den Haushaltsverhandlungen und der Festschreibung entsprechender Titel. 

Welche Problematiken, befürchten Sie, könnten im kommenden Jahr entstehen oder verstärkt werden, sofern sich politisch keine Änderung abzeichnet? 

Lars Békési: Das Hauptproblem ist natürlich eine deutliche Unterfinanzierung, gepaart mit einer deutlichen Überlastung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus und zeichnen sich insbesondere in einem stetigen Abgang von qualifizierten Fachkräften ab. Die Tendenz hier ist weiterhin abnehmend. Die Verantwortlichkeiten bleiben natürlich bestehen, aber aufgrund der aktuellen Lage müssen sie unter weniger Fachkräften aufgeteilt werden. Überbelastung führt zu Mehr-Ausfällen, was wiederum zu weiterer Überlastung führt. Wenn die Bedingungen eines Berufes so strukturiert sind, dass selbst darauf spezialisierte Fachkräfte freiwillig das Feld verlassen, ist das selbstverständlich auch keine Grundlage, um neue Fachkräfte mit den richtigen Kompetenzen anzuwerben und langfristig zu binden. 

Wir befinden uns bereits in einer Spirale nach unten und am Grund warten drastische Konsequenzen auf uns:

Einbruch der Qualität von Verpflegung und Bildung, sowie verkürzte Öffnungszeiten oder deutlich weniger Angebot, an die vielen Familien, die verzweifelt darauf angewiesen sind. Dies sind Probleme, die nicht neu sind, sondern gekonnt seit Jahren übergangen und ausgesessen werden. Die Kostenexplosionen der vergangenen Monate haben diese nur zusätzlich gravierend verstärkt.  Das frühkindliche Bildungssystem ist ein völlig überlastetes und erschöpftes System, das in 2022 weiterhin ausbluten musste mit keiner Perspektive, dass sich hier etwas im kommenden Jahr ändern wird. Dass wir irgendwann an das Ende der Kapazität gekommen werden und einen fatalen Kollaps erleben werden, ist keine Frage des “ob / wenn”, sondern des “wann.”  

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2023? 

Lars Békési:

Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus.

Die Dringlichkeit des aktuellen, mehrfachen Notstandes muss anerkannt werden, um hier Problematiken der Zukunft zu vermeiden. Wir müssen das Kernproblem behandeln, nicht nur die Symptome dessen - die unvermeidbar immer wieder auftauchen und selbsterklärend schwerwiegender ausarten werden, wenn wir das Grundproblem nicht systematisch und lösungsorientiert angehen. Frühkindliche Bildungspolitik ist das Fundament der Investitionspolitik. Eine Investition in die Kinder ist eine Investition in die Zukunft. Wir erwarten im Jahr 2023 eine echte Verantwortungsübernahme zur Umsetzung dieser Investitionspolitik seitens der Politik und mehr Entscheidungsfreiheit für die Kita-Träger. An dieser Stelle verweise ich natürlich auf die Möglichkeit hier aktiv mitzureden und mitzugestalten, die sich im kommenden Februar bietet.

Am 12.02.2023 findet die Wahlwiederholung zum Berliner Abgeordnetenhaus statt.

Wir hoffen auf ein reges Beteiligen der Berliner Wähler:innen, um so politisch, in Zukunft bessere und bewusste Entscheidungen in der frühkindlichen Bildungspolitik treffen zu können. 

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