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Systemstörungen ohne Ende: ISBJ-KiTa bleibt ein Problemfall

Bereits kurz nach der Produktivsetzung der neuen Fachanwendung ISBJ-KiTa sorgten Funktionsstörungen im System berlinweit für Schlagzeilen: Kita-Gutscheine konnten aufgrund Funktionsstörungen nicht mehr vergeben und bearbeitet werden. Die Folgen: Jugendämter waren mit einem erheblichen Mehraufwand konfrontiert, Eltern wussten nicht, wie oder ob sie ihre Kinder überhaupt in einer Kita anmelden können und Kita-Träger mussten aufgrund fehlender Gutscheine in finanzielle Vorleistung gehen. Auch einen Monat später - Anfang August - ist immer noch keine Besserung in Sicht.

Bereits kurz nach der Produktivsetzung der neuen Fachanwendung ISBJ-KiTa sorgten Funktionsstörungen im System berlinweit für Schlagzeilen: Kita-Gutscheine konnten aufgrund Funktionsstörungen nicht mehr vergeben und bearbeitet werden. Die Folgen: Jugendämter waren mit einem erheblichen Mehraufwand konfrontiert, Eltern wussten nicht, wie oder ob sie ihre Kinder überhaupt in einer Kita anmelden können und Kita-Träger mussten aufgrund fehlender Gutscheine in finanzielle Vorleistung gehen. Auch einen Monat später - Anfang August - ist immer noch keine Besserung in Sicht.

Über das ISBJ-KiTa werden unter anderem die An- und Abmeldung von Kindern in Kitas, die Beantragung und Abrechnung von Kita-Gutscheinen sowie die monatlichen Trägerabrechnungen abgewickelt. Doch technische Probleme bestehen nicht erst seit dem Update. Bereits seit März 2023 dokumentieren die Mitglieder des VKMK - Der Kitaverband regelmäßig Störungen, wie etwa fehlerhafte Abrechnungen. All diese Probleme wurden über Monate hinweg an die Senatsverwaltung weitergeleitet - eine Verbesserung blieb jedoch aus. 

Nun, im August 2025, geht es unverändert weiter: Personaldaten werden teils nicht korrekt erfasst oder falsch berechnet. Auf Grundlage dieser Daten wird jedoch die Einhaltung der gesetzlichen Personalvorgaben bewertet - fehlerhafte Berechnungen können daher zu Problemen für die Träger führen. 

Zudem erhalten Träger seit Juni keine Rückmeldung mehr darüber, ob die Registrierungen von Kita-Gutscheinen im System erfolgreich eingegangen sind. Oft bleibt tagelang unklar, ob die Datenübermittlung erfolgt ist. Träger müssen dies wiederholt nachprüfen - in vielen Fällen sogar den gesamten Prozess mehrfach durchlaufen. 

Auch bei den Abrechnungen bestehen erhebliche Probleme: Häufig sind sie unvollständig oder können nicht fristgerecht gebucht werden, aufgrund falscher oder unvollständiger Daten im System. 

Kita-Träger müssen teilweise in Vorleistung gehen, um trotz der Komplikationen frühkindliche Bildung für die Kinder sicherzustellen - wissen aber zugleich oft nicht, wann genau sie die dafür nötigen Mittel refinanziert bekommen. 

Diese Probleme sind nicht neu. Es kommt fortlaufend zu technischen Störungen oder Ausfällen. Gleichzeitig wird von den Kita-Trägern erwartet, dass sie sämtliche Daten stets korrekt und fristgerecht ins System einpflegen - was natürlich eine Selbstverständlichkeit ist. Doch auf der anderen Seite schafft das Land Berlin es nicht, seinerseits die eigene Selbstverständlichkeit zu erfüllen: die Funktionsfähigkeit des Systems sicherzustellen. Es ist schlicht nicht hinnehmbar, dass auf Seiten der Träger Verlässlichkeit eingefordert wird, während das Land selbst seiner eigenen Pflicht dauerhaft nicht nachkommt.” betont Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, und unterstreicht damit deutlich die Tragweite dieser anhaltenden Funktionsstörungen. 

Die Berliner Kita-Träger leisten täglich einen unverzichtbaren Beitrag zur frühkindlichen Bildung - auch unter schwierigen Rahmenbedingungen. Sie brauchen endlich ein verlässliches System, das sie in ihrer Arbeit unterstützt, statt sie zusätzlich zu belasten.

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Demokratie im frühen Kindesalter: Einblicke in gelebte Werte

Anlässlich des Tages der Demokratie am 15. September gab Antje Stutz, Gesamtleiterin der Kindertagesstätte Stubs & Fridolin, Einblicke in ihre pädagogische Arbeit und ihre Überzeugungen. In dem gemeinsamen Gespräch erzählte sie nicht nur von ihren beruflichen Wurzeln und ihrer Entwicklung in der frühkindlichen Pädagogik, sondern auch von der zentralen Rolle der Demokratiebildung in ihrer Arbeit.

Anlässlich des Tages der Demokratie am 15. September gab Antje Stutz, Leiterin der Kindertagesstätte Stubs & Fridolin, einer Einrichtung des Trägers CJD Berlin-Brandenburg, Einblicke in ihre pädagogische Arbeit und ihre Überzeugungen. In dem gemeinsamen Gespräch erzählte sie nicht nur von ihren beruflichen Wurzeln und ihrer Entwicklung in der frühkindlichen Pädagogik, sondern auch von der zentralen Rolle der Demokratiebildung in ihrer Arbeit. Ihre Leidenschaft für die Kinder und ihr unermüdliches Engagement, ihnen Werte wie Respekt und Mitbestimmung zu vermitteln, prägen den Alltag der Einrichtung.

„Ich habe noch zu DDR-Zeiten ein Fachschulstudium für Krippenpädagogik gemacht, also für Kinder von null bis drei Jahren“, erzählt Antje Stutz und beginnt damit ihre Geschichte. Nach der Wende entschied sie sich, eine Weiterbildung zur Erzieherin für ältere Kinder zu machen. Schon früh übernahm sie leitende Funktionen in der Kinderbetreuung und bemerkte schnell, dass ihre damalige Ausbildung nicht ausreichte, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. „Damals gab es noch keine speziellen Qualifikationen für Leiterinnen, also habe ich eine zweijährige Qualifizierung gemacht für sozialpädagogische Familienhilfen. Da ging es um Fragetechnik, um Elternberatung und um die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Das hat mir unglaublich viel geholfen.“ Diese Erfahrungen weckten in ihr den Wunsch, sich noch weiter zu qualifizieren. Sie setzte ihre berufliche Entwicklung fort: „Ein paar Jahre später habe ich meinen Bachelor in sozialer Arbeit in Potsdam gemacht, dann meinen Master in Bildung und Beratung an der katholischen Hochschule in Berlin. Nebenbei habe ich ein Studium zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin begonnen, das ich gerade abschließe. Ich habe noch meine mündliche Prüfung, dann bin ich approbiert.“ Ursprünglich hatte Antje Stutz ganz andere Lebenspläne. „Ich wollte eigentlich Schauspielerin werden“, gesteht sie mit einem Lachen. „Aber ich bin sehr konservativ erzogen worden und wusste, das würden meine Eltern nicht erlauben. Ich habe aber relativ schnell gemerkt, wie schön es ist, mit Kindern zu arbeiten. Wenn man morgens in die Kita kommt und die Kinder einen fröhlich begrüßen – es gibt nichts Schöneres.“ Mit großer Begeisterung spricht sie über ihre Arbeit mit Kindern. „Kinder haben eine ganz eigene Art, die Welt zu sehen, und wenn wir die Welt mit ihren Augen betrachten, lernen wir so viel dazu. Wir werden an unsere eigene Kindheit erinnert. Es ist eine sehr wertvolle Arbeit“, sagt sie nachdenklich. Antje ist fest davon überzeugt, dass die ersten Lebensjahre entscheidend für die Entwicklung eines Kindes sind. „Gerade in den ersten Jahren wird so viel an Grundlagen für die Kinder gelegt. Da ist es einfach total wichtig, dass sie freudvolle Erfahrungen machen, hinterfragen dürfen und auch mit Freude lernen können.“

Respekt und Kommunikation von Anfang an

Antje Stutz sieht sich in ihrer Arbeit als „Wegbegleiterin und Behüterin“ der Kinder, die ihr in der Kita anvertraut werden. Ihr ist die immense Verantwortung bewusst, die diese Aufgabe mit sich bringt. „Wir dürfen nie vergessen, dass die Eltern uns ihr Liebstes in die Kita geben. Und da fängt schon Demokratie an – bei dem ersten Schritt, den die Eltern mit ihrem Kind in die Kita machen. Sie dürfen alle Fragen stellen, Wünsche äußern und werden von Anfang an mit einbezogen“, erklärt sie. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist für Stutz ein zentrales Element des Kita-Alltags. Ihr Anspruch ist es, die Eltern als Bildungs- und Erziehungspartner zu sehen, die aktiv am Leben der Kita teilhaben. „Ich sage immer zu den Eltern: ‚Bitte kommen Sie zu unseren Treffen – ob Elterncafé, Elternabend oder in den Elternbeirat.‘“ Dieses Miteinander stärkt das Vertrauen und schafft ein gemeinsames Verständnis für die Entwicklung der Kinder. Ein besonderes Beispiel für die Einbindung der Eltern ist das Feiern von Festen, die verschiedene Kulturen und Traditionen widerspiegeln. „Wir haben viele Kinder mit Migrationshintergrund in unserer Kita. Seit einigen Jahren kommt beispielsweise immer ein Elternteil zum Zuckerfest und erklärt den Kindern, warum dieses Fest gefeiert wird.“ Für Stutz ist es entscheidend, dass Kinder in der Kita lernen, dass alle Feste und Traditionen gleichermaßen wertgeschätzt werden. Diese Offenheit fördert nicht nur den interkulturellen Austausch, sondern stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl. „Meine Mitarbeitenden waren anfangs skeptisch, aber dann beeindruckt von den Parallelen zwischen den Religionen. Es geht darum, das Gemeinsame zu betonen und gleichzeitig das Andere zu akzeptieren.“ Dieses Miteinander und die gegenseitige Wertschätzung zeigen sich auch in der täglichen Kommunikation mit den Eltern. „Wir führen regelmäßig Umfragen und Interviews mit den Eltern durch, um zu erfahren, wie wir sie bestmöglich unterstützen können“, berichtet sie, „Eine Mutter sagte mir einmal, wie dankbar sie war, dass wir nach einer langen Krankheit ihres Kindes die Eingewöhnung noch einmal neu begonnen haben.“ Diese enge Zusammenarbeit zwischen Pädagogen und Eltern dient auch den Kindern als Vorbild. „Die Kinder sollen merken, dass ihre Eltern mit den Pädagog:innen zusammenarbeiten, und dass es wichtig ist, gemeinsame Entscheidungen zu treffen.“ Doch auch den Kindern selbst wird Raum für Mitsprache eingeräumt. „Sie sollen wissen und erfahren, dass darauf geachtet wird, was ich sage. Ich darf und soll mich hier einbringen“, beschreibt Stutz die demokratische Atmosphäre, die sie in der Kita etabliert hat. Für die Kinder bedeutet das, dass ihre Meinung zählt, dass sie gehört werden – aber auch, dass sie lernen, dass Mitsprache Verantwortung mit sich bringt. „Es geht nicht darum, den Kindern etwas aufzudrücken“, betont sie. „Sie sollen wissen, wenn ich etwas sagen möchte, dann kann ich das. Und wenn ich heute keine Lust habe, etwas zu sagen, dann ist das auch in Ordnung. Aber vielleicht kann ich dann beim nächsten Mal nicht so gut mitentscheiden.“ Demokratie ist für Stutz ein zentrales Prinzip ihrer pädagogischen Arbeit. Sie beginnt damit, den Kindern Freiraum zu geben, sich zu entfalten und gleichzeitig klare Strukturen und Regeln anzubieten. „In der Pädagogik ist es wichtig, dass die Kinder einen Rahmen haben, an dem sie sich orientieren können“, erklärt sie. Diese Regeln, wie „Wir lassen den anderen ausreden“, „Wir schlagen uns nicht“ oder „Wir nehmen uns nichts weg“, werden altersgerecht mit den Kindern gemeinsam entwickelt. Sie fördern ein respektvolles Miteinander und lehren die Kinder, Absprachen einzuhalten. 

Die Bedeutung von Vorbildern, Macht, Reflexion und Zusammenarbeit

In dem Gespräch beschreibt Antje, wie wichtig es ist, dass Kinder täglich von den Erwachsenen in ihrer Umgebung lernen, was Demokratie bedeutet – durch Beobachtung und gelebtes Beispiel. „Die Kinder beobachten uns jeden Tag. Sie sehen, wie wir miteinander umgehen“, erklärt sie und betont, wie wichtig es ist, Machtverhältnisse dabei bewusst zu reflektieren. „In der Kita gibt es auch das Thema Macht. Wir sind den Kindern alleine durch unsere Körpergröße, unser Alter und unser Wissen überlegen. Doch es liegt an uns, diese Macht nicht auszuspielen, sondern partnerschaftlich und respektvoll zu handeln.“ Für Stutz ist es entscheidend, dass Pädagog:innen sich regelmäßig selbst reflektieren. „Es ist eine tägliche Aufgabe, sich selbst zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, wie man mit seiner Macht umgeht.“ Diese Haltung prägt nicht nur den Umgang mit den Kindern, sondern auch die Zusammenarbeit im Team. Jeden Morgen gibt es einen Jour-Fix, bei dem sich alle Teammitglieder über den Tag austauschen. „Wir machen jeden Morgen einen Jour-Fix, in dem wir uns austauschen, wie es uns geht, wer welche Aufgaben übernimmt und wer Unterstützung braucht. Es ist wichtig, dass niemand allein die Kontrolle hat, sondern wir uns gegenseitig unterstützen.“ Diese demokratische Zusammenarbeit wird von den Kindern wahrgenommen und übernommen. „Wenn ich sehe, dass eine Kollegin im Gespräch ist, warte ich – und das Kind sieht, dass auch ich warten muss. So lernt es, ebenfalls zu warten.“ Für Stutz ist dies eine Form von Wertschätzung, die unmittelbar mit der Demokratie verknüpft ist. Diese Wertschätzung ist besonders in der frühkindlichen Erziehung sehr wichtig und beginnt damit, auf die Signale der Kinder zu achten und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. „Das fängt schon beim achtsamen Wickeln in der Krippe an. Die Kinder signalisieren uns, wann sie bereit sind, gewickelt zu werden. Es geht darum, ihre Körpersprache zu lesen und ihnen Respekt entgegenzubringen.“ Wenn Kinder diese Wertschätzung erfahren, stärkt das gleichzeitig das Vertrauen der Kinder. Ein weiterer Aspekt der Vorbildfunktion von Pädagogen ist der Umgang mit Fehlern. „Fehler zuzugeben, ist ein Zeichen von Stärke. Das gehört zu demokratischen Prozessen, und das lebe ich auch mit meinem Team. Der Pädagoge ist nicht der Allwissende, der alles kann und weiß, sondern er macht genauso Fehler.“ Dazu zählt auch, dass die Pädagog:innen auch mal von den Kindern in Frage gestellt werden: „Die Kinder dürfen mich in Frage stellen, sie dürfen auch Dinge, die wir tun, hinterfragen. Das ist für uns ganz wichtig.” Für Stutz ist es wichtig, eine gelebte Fehlerkultur zu pflegen. „Alles im Leben verläuft wie in der Natur in Wellen. Hundertwasser sagte: ‘Die gerade Linie ist gottlos.’ und er hat recht. Wenn wir unsere Kreativität in die Demokratie einfließen lassen, wird sie noch schöner. Denn Wissen ist endlich, aber Kreativität ist es nicht und diese sehen wir auch immer wieder bei den Kindern, wenn wir es zulassen und so können wir gemeinsam demokratische Orte gestalten. Demokratie bedeutet, dass es Diskussionen gibt, aber auch Momente, in denen sich alles beruhigt und wir gemeinsam Lösungen finden.“ Sie erinnert sich an eine Situation, bei der es darum ging, die Ausruhsituation für die Kinder individueller zu gestalten. Der Gedanke war, die Kinder zu beobachten und nach ihrem Bedürfnis schlafen oder aufbleiben zu lassen, denn Schlaf ist individuell und orientiert sich nicht grundsätzlich am Alter des Kindes. Das Team war sich jedoch dabei uneinig. „Ich merkte, dass ich emotional zu dicht dran war. Ich wollte etwas durchsetzen und war nicht mehr demokratisch.“ In diesem Moment entschied sie, einen Supervisor hinzuzuziehen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Dieser Prozess zeigte ihr, wie wichtig es ist, demokratische Prinzipien im Blick zu behalten. Auch im Alltag mit den Kindern spiegelt sich dieser Umgang mit Fehlern wider. „Bei uns essen die Kinder mit richtigem Geschirr, auch in der Krippe. Es ist kein Drama, wenn etwas kaputtgeht. Wir bestrafen Kinder nicht für Fehler, sondern ermutigen sie, daraus zu lernen.“ Für Stutz ist es essenziell, den Kindern zu vermitteln, dass Fehler zum Leben dazugehören und eine Chance zum Wachsen bieten. Antje Stutz sieht die Rolle der Pädagog:innen klar: „Es geht darum, den Kindern zu zeigen, dass ihre Meinung zählt, dass Fehler erlaubt sind und dass man immer respektvoll miteinander umgehen muss. Wenn Kinder erleben, dass ihre Stimme wichtig ist und dass sie in Entscheidungen einbezogen werden, dann haben wir als Pädagogen eine wichtige Grundlage für ihr späteres Leben gelegt.”

Demokratische Grundsätze in der Kita

„Unser Grundsatz lautet: Jeder hat das Recht, gehört zu werden, und du hast eine Stimme, du kannst mitentscheiden“, erklärt sie. “Die Kinder spüren sehr genau, ob sie respektiert und gehört werden.” Dies zeigt sich in der Kita Stubs & Fridolin vor allem in der aktiven Mitbestimmung der Kinder. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist der Kinderrat, ein Gremium, das von den Kindern selbst gewählt wird. „Der Kinderrat trifft sich regelmäßig mit mir, und wir besprechen Themen, die den Kindern wichtig sind – sei es die Planung von Festen oder Dinge, die sie im Alltag verändert haben möchten.“ Diese aktive Mitbestimmung stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und zeigt ihnen, dass ihre Meinungen ernst genommen werden. In der Kita übernimmt jedes Kind Verantwortung, denn auch das ist Teil der Demokratie. „Jedes Kind bekommt eine Aufgabe“, erklärt Stutz. „Das gehört zur Demokratie: Es gibt kein Machtmonopol, sondern die Aufgaben und Verantwortlichkeiten werden auf alle verteilt. Wenn eine Aufgabe nicht richtig erfüllt wird, sprechen die Kinder ihre Mitspieler darauf an. So übernehmen sie Verantwortung und erleben Selbstwirksamkeit.“, erklärt Antje. Die Kinder erfahren dadurch auch, dass sie ein wichtiger Teil der Gemeinschaft sind, sie lernen, sich in der Gemeinschaft zu orientieren, aufeinander Rücksicht zu nehmen und dass ihre individuellen Fähigkeiten und Stärken einen Beitrag zum Wohl der Gruppe leisten. „Unser Trägerslogan ‚Das Zusammen wirkt’ bringt es auf den Punkt“, erklärt Stutz. „Jeder bringt seine individuellen Stärken ein. Wir ergänzen uns. So sind wir gemeinsam stark. Diese Erkenntnis stärkt die Kinder und bereitet sie darauf vor, respektvolle und verantwortungsvolle Mitglieder der Gesellschaft zu werden“. Ein weiteres Prinzip demokratischer Erziehung in der Kita ist das Abstimmen. „Wir stimmen ab, und das bedeutet manchmal, dass nicht jeder genau das bekommt, was er sich wünscht. Aber es geht darum, das Beste für alle zu finden“, erläutert Stutz. Diese Prozesse fördern das Verständnis für das Wohl der Gruppe und lehren die Kinder, Kompromisse zu akzeptieren. Ein Beispiel dafür war das Sommerfest, bei dem der Kinderrat viele Wünsche äußerte. „Die Kinder wollten eine riesige Torte und einen Seifenblasenkünstler. Die Torte war finanziell nicht möglich, aber wir haben zwei kleine Torten gebacken, und die Kinder haben sich trotzdem über den Seifenblasenkünstler gefreut. Es ging nicht darum, immer das Größte zu bekommen, sondern darum, auch die kleineren Dinge zu schätzen.“ Kinder lernen, dass ihre Wünsche ernst genommen werden, auch wenn sie nicht immer vollständig erfüllt werden können. Stutz betont, dass diese Erfahrungen für die Kinder prägend sind: „Es ist ein Lernprozess. Kinder sind von Natur aus soziale Wesen, und sie verstehen oft schneller, als wir erwarten, warum nicht alles möglich ist. Sie lernen, dass sie trotzdem Teil des Entscheidungsprozesses sind und dass ihre Meinung wichtig ist.“ Stutz beschreibt weiter, wie wichtig es ist, den Kindern auch im Alltag genügend Freiräume für eigene Entscheidungen zu geben. „Wenn ein Kind länger am Waschbecken bleiben möchte, um mit dem Seifenschaum zu spielen, dann müssen wir das ermöglichen.“ Es gehe darum, den Kindern eigene Erfahrungen zuzugestehen, damit sie lernen, selbst Entscheidungen zu treffen. Neben den alltäglichen Entscheidungen fördert die Kita auch das Verständnis für gesellschaftliche Themen. „Wir sprechen mit den Kindern über alles, was sie beschäftigt – sei es der Krieg in der Ukraine oder die verschiedenen Religionen in unserer Kita“, erklärt Stutz. Trotz des christlichen Hintergrunds der Einrichtung wird die Vielfalt der Religionen respektiert. „Wichtig ist, dass wir den Kindern vermitteln, sich gegenseitig zu respektieren und Wertschätzung entgegenzubringen und dass, das eine darf neben dem anderen stehen. Es geht darum, zu erkennen, was uns verbindet, unabhängig von unseren Unterschieden.“ Dieses Verständnis für Vielfalt wird durch eine bewusste Wissensvermittlung gefördert. Für Stutz ist klar, dass Bildung ein Schlüsselfaktor für Demokratie ist. „Wissen baut Vorurteile ab. Wenn die Kinder lernen, warum manche Kinder in der Kita bestimmte Speisen nicht essen oder warum sich ihre Mutter anders kleidet, dann entwickeln sie Verständnis und Respekt.“ Die Darstellung von Diversität spielt eine große Rolle in der Kita. „Wir achten darauf, dass die Kinder ihre Wurzeln in unseren Räumen wiederfinden“, betont Stutz. „Sei es durch Bücher über Kinderrechte, Schriftzeichen oder Spielzeug – es ist wichtig, dass die Kinder die Vielfalt unserer Welt reflektiert sehen.“ Besonders einprägsam war die Einführung von Puppen mit Behinderungen. „Die Kinder waren begeistert, als sie sahen, dass es auch Barbie-Puppen im Rollstuhl gibt. Für Kinder, deren Eltern im Rollstuhl sitzen, war das besonders berührend. Es hilft ihnen, ihre Realität zu verarbeiten und darüber zu sprechen.“ Durch diese vielfältigen Ansätze wird in der Kita ein Rahmen geschaffen, der es Kindern ermöglicht, demokratische Werte zu erleben, zu verstehen und in ihr tägliches Handeln zu integrieren. „Es geht nicht nur darum, den Kindern Wahlmöglichkeiten zu geben, sondern auch darum, sie im täglichen Miteinander zu respektieren, ihnen zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Wenn wir das schaffen, legen wir eine starke Grundlage für ein demokratisches Miteinander – nicht nur in der Kita, sondern auch für das spätere Leben.“

Wie Demokratie im Kita-Alltag lebendig wird

Der Tagesablauf in der Kita ist flexibel gestaltet, um den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder gerecht zu werden, wie Antje Stutz erklärt: „Unser Tagesablauf ist nicht in Stein gemeißelt, aber wir orientieren uns auf jeden Fall daran.“ Diese Flexibilität ist ein zentraler Aspekt der Demokratiebildung, denn sie zeigt den Kindern, dass ihre Meinungen Einfluss auf den Alltag haben können. Eine wichtige Gelegenheit, um diese Mitbestimmung zu erleben, bietet der tägliche Morgenkreis. „Der Morgenkreis ist eine wertvolle Zeit, in der wir gemeinsam besprechen, wie der Tag gestaltet wird und was die Kinder bewegt“, erläutert Stutz. Dabei beteiligen sich die Kinder aktiv an Entscheidungen, sei es durch Abstimmungen per Handzeichen oder indirekte Methoden, etwa wenn es um sensible Themen geht. „Zu Beginn sind die meisten Kinder im Morgenkreis noch sehr zurückhaltend“, sagt Stutz. „Wir nutzen Hilfsmittel wie unsere kleine Puppe, Lilo Lausch, um den Kindern Mut zu machen, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken.“ Diese Puppe, ein Elefant aus Filz, hilft den Kindern, sich sicherer zu fühlen und unterstützt sie dabei, sich in der Gruppe Gehör zu verschaffen. Auch bei den Jüngsten in der Krippe dient der Morgenkreis dazu, die Kinder aktiv in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und sie darin zu stärken. „Im Morgenkreis gibt es eine Holzschale mit verschiedenen Elementen, wie Figuren, die mit Liedern oder Gedichten assoziiert sind. Zwei Kinder dürfen jeden Morgen etwas aus der Schale wählen und entscheiden, welches Lied oder Gedicht wir heute machen“, erklärt Stutz. „Das ist eine kleine, aber bedeutende Form der Partizipation, die auch den jüngsten Kindern Demokratieerfahrungen ermöglicht.“ Die partizipative Haltung, die Stutz und ihr Team vermitteln, ist allerdings nicht an bestimmte Materialien gebunden, sondern an das grundlegende Verständnis, den Kindern Raum zur Teilhabe und Teilgabe zu bieten. „Es gibt nicht das eine Mittel für Demokratiebildung“, sagt sie. „Viel wichtiger ist die Grundhaltung, die wir in unsere Arbeit einbringen.“ So lernen die Kinder, den Kita-Alltag aktiv mitzugestalten. Ein Beispiel dafür ist die Entscheidungsfindung im Morgenkreis: „Wenn es zum Beispiel eine Hochebene gibt, die nur von drei Kindern gleichzeitig genutzt werden kann, besprechen wir im Morgenkreis, wer darauf möchte und wie wir das organisieren. Manchmal gibt es auch Situationen, die sich plötzlich ändern. Zum Beispiel hatten wir tagelang Regen, und als wir endlich den Sportraum nutzen konnten, fragten wir die Kinder: Möchtet ihr im Sportraum Sport machen oder lieber rausgehen? Wir stimmen dann gemeinsam ab.“ Solche Abstimmungen fördern das Verständnis der Kinder für Gruppenentscheidungen und lehren sie, Kompromisse zu finden. Auch emotionale Themen haben im Morgenkreis ihren Platz. Stutz berichtet: „Manchmal kommen Kinder traurig in die Kita, weil ihr Haustier gestorben ist. Solche Themen wie Tod und Trauer werden im Kreis besprochen.“ Dies ermöglicht den Kindern, über ihre Gefühle zu sprechen und Empathie für andere zu entwickeln. „Es ist wichtig, dass Kinder lernen, unterschiedliche Meinungen und Empfindungen zu akzeptieren. Das fördert Empathie und Verständnis.“, betont Stutz. Eine wesentliche Rolle spielt dabei, dass niemand für seine Vorlieben oder Ansichten beschämt wird. „Niemand darf abgewertet werden, das ist ein wesentlicher Aspekt der Demokratie. Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder wohlfühlen kann, ohne abgewertet zu werden.“ Demokratiebildung umfasst auch die Arbeit in Projekten. „Wir geben den Kindern die Möglichkeit, selbst zu wählen, an welchen Projekten sie teilnehmen möchten“, erklärt Stutz. „Wir arbeiten in Projekten, die durch den situativen Ansatz in der Beobachtung der Kinder, aber auch durch Impulse von außen angeregt werden“, erläutert Stutz. „Ein Kind kann sich nicht für Kunst interessieren, wenn es nicht mit Kunst in Berührung kommt. Ebenso kann es sich nicht für klassische Musik interessieren, wenn es nicht damit konfrontiert wird.“ Die Beobachtung der Kinderinteressen und die gemeinsame Planung von Projekten sind wesentliche Bestandteile dieses Ansatzes. Stutz berichtet von einem Beispiel, das die Begeisterung und Kreativität der Kinder verdeutlicht: „Wir hatten zufällig ein Buch von der ‚Zauberflöte‘ für Kinder, das einfach nur da lag. Die Kinder waren fasziniert von Papageno, und so entstand ein großes Projekt, das sich über viele Monate erstreckte. Wir arbeiteten in verschiedenen Bildungsbereichen daran und schauten uns schließlich die ‚Zauberflöte‘ an. Die Kinder waren enttäuscht, weil es nicht wie im Buch war, aber es war auch spannend, diese Erfahrung zu reflektieren.“ Ein weiteres herausragendes Beispiel für langjährige Demokratiebildung ist das Projekt „Panorama“, bei dem die Kinder klassische Musik und das Spielen der Geige erlernten. Einmal wöchentlich trafen sich die Kinder in einer „Tutti“-Orchesterformation. „Die Höhepunkte waren die Aufführungen, etwa in der Berliner Philharmonie, bei denen die Kinder ihre Selbstwirksamkeit erlebten und die Eltern stolz ihre Kinder auf der großen Bühne sehen konnten“, erinnert sich Stutz. Bei solchen Projekten ist nicht nur die kreative Auseinandersetzung der Kinder mit den Themen essentiell, sondern auch die Reflexion über ihre Erlebnisse. „Es ist wichtig, regelmäßig mit den Kindern über ihre Erfahrungen zu sprechen“, sagt Stutz. So können sie mitteilen, was ihnen gefallen hat und was sie sich anders gewünscht hätten. Diese Rückmeldungen tragen dazu bei, den demokratischen Austausch kontinuierlich zu fördern und zu verbessern. Diese praktischen Erfahrungen der Kinder in der Demokratiebildung sind wertvoll, doch für Antje Stutz ist klar, dass es noch einen tieferen Schlüssel für den Erfolg gibt: die innere Haltung der Pädagog:innen. „Es gibt immer viele Gründe, warum etwas nicht funktioniert“, erklärt sie. „Aber es gibt nur einen einzigen Grund, warum es trotzdem gelingen kann: Liebe. Die Haltung, die ich selbst habe – Wertschätzung und Liebe zu dem, was ich tue – ist entscheidend.“ Diese innere Haltung beschreibt sie als den Schlüssel zur erfolgreichen Demokratiebildung. „Es kann anstrengend sein“, gibt sie zu, „weil man lernen muss, den Raum für andere zu öffnen und dabei Respekt und Toleranz zu wahren.“ Genau dieses Verständnis möchte sie den Kindern vermitteln: dass demokratisches Zusammenleben auf gegenseitiger Achtung und dem respektvollen Umgang miteinander beruht. Die Demokratiebildung in der Kita Stubs und Fridolin zeigt, wie essentiell frühzeitige Werte wie Respekt, Mitsprache und Akzeptanz für die Entwicklung der Kinder sind. Durch ein gelebtes Vorbild und eine wertschätzende Atmosphäre wird die beste Grundlage für ein demokratisches Miteinander gelegt, das die Kinder auf ihr späteres Leben vorbereitet.

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Herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung: Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz droht zu scheitern

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Inhalt des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Das Qualitätsentwicklungsgesetz hat das Ziel, erstmals deutschlandweit verbindliche Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen festzulegen. Diese Standards, die durch einen umfassenden Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis entwickelt wurden, fokussieren auf drei zentrale Aspekte: eine fundierte Betreuungsrelation, die Förderung der sprachlichen Bildung und Sprachförderung sowie die Bereitstellung eines bedarfsgerechten Ganztagsangebots. Das Vorhaben zielt darauf ab, Chancengleichheit in der Bildung und damit die Grundlage für eine starke und leistungsfähige Gesellschaft zu schaffen. 

Gründe, weshalb das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz notwendig ist

Die Entscheidung der Bundesregierung, in der frühkindlichen Bildung Einsparmaßnahmen zu tätigen, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen für die individuelle Entwicklung und die Gesellschaft offensichtlicher denn je ist. Erst vergangenes Jahr verdeutlichte die PISA-Studie die Dringlichkeit, jetzt in frühkindliche Bildung zu investieren, um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren. Auch die durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steigende, jedoch ungedeckte Nachfrage nach Kindertagesbetreuungsplätzen sollte ein Zeichen für die Relevanz der frühkindlichen Betreuung in der Gesellschaft sein. 

Individuelle Bildung und Entwicklung durch das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz

Laut einer Studie der KKH ist die Anzahl der Sprach- und Sprechstörungen unter Kindern und Jugendlichen von 2011 bis 2021 um nahezu 60% gestiegen.* Durch gezielte Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung, wie sie im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes vorgesehen ist, ließe sich dieser besorgniserregende Trend umkehren. Eine frühzeitige Förderung könnte vielen Kindern und Jugendlichen helfen, später keine schwerwiegenden Schwierigkeiten aufgrund von Sprach- oder Sprechstörungen im Bildungsweg zu erfahren.

Des Weiteren belegen Studien deutlich, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Bildungschancen erheblich verbessert. So steigt die Wahrscheinlichkeit für Kinder, ein Gymnasium zu besuchen, mit der Teilhabe an einem Betreuungsangebot von 36% auf 50%, laut Bertelsmann Stiftung. Besonders bemerkbar macht sich dieser Anstieg bei Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien, deren Wahrscheinlichkeit auf einen höheren Bildungsabschluss um rund 65% steigt.** 

Zudem besteht in der frühkindlichen Bildung das Potential, die Kinderarmut zu bekämpfen. Die aktuellen Zahlen belegen, dass knapp 20% der Kinder in Deutschland von Armut bedroht sind. Durch den Ausbau frühkindlicher Bildung und Betreuung kann, laut Institut der Deutschen Wirtschaft, die Kinder- und Bildungsarmut um knapp 4%-Punkte reduziert werden.***

Volkswirtschaftlicher Nutzen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Investitionen in die frühkindliche Bildung sind nicht nur für die individuelle Entwicklung der Kinder von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Volkswirtschaft. Jeder in die Kita investierte Euro generiert einen dreifachen bis vierfachen direkten volkswirtschaftlichen Gewinn durch ein gesteigertes Familieneinkommen, höhere Steuereinnahmen und zusätzliche Beiträge für die Sozialversicherung. Langfristig betrachtet ergibt sich durch den verbesserten Bildungsstand und das daraus resultierende höhere Lebenseinkommen der Bevölkerung eine reale fiskalische Rendite von 8% bis 13% für die Investitionen in frühkindliche Bildung.****

All dies ist jedoch nur möglich, wenn die frühkindliche Bildung durch den Bund und die Länder gefördert wird, in Form eines Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes und einer ausreichenden Finanzierung zur Umsetzung dessen. Eine vernachlässigte frühkindliche Bildung kann langfristig zu massiven ökonomischen Einbrüchen führen. Die Kernpunkte des Qualitätsentwicklungsgesetzes bergen ein erhebliches Potenzial zur Verbesserung der Qualität frühkindlicher Bildung und zur Prävention von Bildungsunterschieden und Sprachdefiziten. Umso wichtiger ist es, dass das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz bald in Kraft tritt. Der Kitaverband VKMK e.V. appelliert daher an den Bund, keine unüberlegten Einsparmaßnahmen zu tätigen und die Zukunft durch Bildung auch weiterhin zu unterstützen. Das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz sollte nicht als Option betrachtet werden, sondern als eine unverzichtbare Verpflichtung zum Wohl und zur Entwicklung unserer Kinder.

*Eddy statt Teddy: Immer mehr Kinder ringen um Worte. (o. D.). KKH. https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/sprachprobleme

** Fritschi, T., Oesch, T., BASS – Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG & Bertelsmann Stiftung. (2008). Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Volkswirtschaftlicher_Nutzen_von_fruehkindlicher_Bildung_in_Deutschland.pdf

*** Anger, C., Plünnecke, A. & Institut der deutschen Wirtschaft Köln. (2008). Frühkindliche Förderung. In Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Beiträge zur Ordnungspolitik. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Analysen/PDF/Positionen/Positionen_35.pdf

**** Kahl, R. (2012, 6. Februar). Bildung wirkt langsam, aber mächtig. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-01/oecd-bildungsausgaben/seite-2

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Eltern, Kitas und die Bedeutung der Kooperation in der frühkindlichen Bildung.

Die Wurzeln, die innerhalb der Familie geschaffen werden, bilden das Fundament für die Werte, Sozialisation und den emotionalen Halt, der für die Entwicklung von essenzieller Bedeutung ist. Doch blickt man über diesen Tellerrand hinaus, bemerkt man, dass der Rahmen, in dem sich unsere Kleinsten bewegen, gefüllt ist mit deutlich mehr Bezugspersonen, als nur jenen des familiären Kontextes. Bereits in den ersten Lebensjahren tritt die Kita - und mit ihr ihre pädagogischen Fachkräfte -  als eine entscheidende ergänzende Einrichtung hinzu.

Zwischen den feierlichen Tagen, wenn alle zusammenkommen, rückt die Bedeutung von Familie oftmals wieder stark in den Fokus. Es ist eine Zeit, in der wir uns bewusst werden, wie entscheidend das familiäre Umfeld für die Entwicklung von Kindern ist. Die Wurzeln, die innerhalb der Familie geschaffen werden, bilden das Fundament für die Werte, Sozialisation und den emotionalen Halt, der für die Entwicklung von essenzieller Bedeutung ist. Doch blickt man über diesen Tellerrand hinaus, bemerkt man, dass der Rahmen, in dem sich unsere Kleinsten bewegen, gefüllt ist mit deutlich mehr Bezugspersonen, als nur jenen des familiären Kontextes.

Während die Familie das erste und primäre Umfeld eines Kindes darstellt, tritt bereits in den ersten Lebensjahren die Kita - und mit ihr ihre pädagogischen Fachkräfte -  als eine entscheidende ergänzende Einrichtung hinzu. Das Kitapersonal verkörpert weit mehr als nur pädagogische Fachkräfte. Sie sind Anleiter, Unterstützer und Förderer, die sich mit Hingabe und gezielter Fürsorge der Entwicklung jedes einzelnen Kindes widmen. Ihre Rolle geht weit über das Unterrichten hinaus; sie schaffen eine unterstützende Umgebung, in der Kinder nicht nur lernen, sondern auch entdecken und wachsen können. Indem sie die Bedürfnisse jedes Kindes wahrnehmen und individuell darauf eingehen, prägen sie mit ihrer Arbeit nicht nur das Fundament der akademischen Kompetenzen eines Kindes, sondern auch die persönlichen und emotionalen Entfaltungsmöglichkeiten. Umso wichtiger ist es, dass Familien und Kitas hier im gegenseitig Verständnis der Kooperation miteinander agieren und kommunizieren und die essentielle Wichtigkeit des Austauschs wahrnehmen.

Der offene Austausch bietet nicht nur Nutzen für Eltern und pädagogische Fachkräfte, wie beispielsweise, eine erhöhte Vertrauensbasis, sondern weist auch diverse Vorteile für die Entwicklung des Kindes auf:

  1. Ganzheitliche Unterstützung des Kindes: Eine offene Kommunikation ermöglicht es dem Kitapersonal, die Bedürfnisse, Interessen und Entwicklungsfortschritte des Kindes besser zu verstehen. Dadurch können sie gezieltere Unterstützung und Förderung bieten, die sich an den individuellen Bedürfnissen des Kindes orientiert.

  2. Kontinuierlicher Informationsaustausch: Durch regelmäßige Gespräche und Informationen von beiden Seiten - Eltern und Kitapersonal - entsteht ein umfassendes Bild über das Kind. Dies hilft dabei, konsistente und koordinierte Ansätze für die Betreuung und Bildung des Kindes zu gewährleisten, sowohl zu Hause als auch in der Kita.

  3. Förderung der Kontinuität und des Übergangs: Eine gute Kommunikation erleichtert den Übergang des Kindes zwischen Kita und Zuhause. Kontinuierliche Informationen und Austausch über den Alltag des Kindes helfen dabei, eine konsistente Erfahrung zu schaffen und den Übergang zwischen den beiden Umgebungen zu erleichtern.

  4. Effektivere Lösungen für Herausforderungen: Wenn Eltern und Kitapersonal zusammenarbeiten, können sie gemeinsam Lösungen für Herausforderungen oder spezifische Bedürfnisse des Kindes entwickeln. Die Synergie aus verschiedenen Blickwinkeln und Erfahrungen kann helfen, besser auf individuelle Anliegen einzugehen und adäquate Lösungen zu finden.

Viele Augen sehen mehr.

Doch auch tiefere und komplexere Themen können schneller begriffen, erfasst und bearbeitet werden. Verhaltensauffälligkeiten können bemerkt, adressiert und im offenen Austausch abgeglichen und frühzeitig benannt werden. Dies bietet nicht nur einen Rahmen der optimalen Förderung, sondern, im Notfall, wie beispielsweise Auffälligkeiten, die auf Übergriffe hinweisen, auch einen Schutzrahmen für das Kind, der schnellstmöglich agieren kann. Gerade im noch non-verbalen Entwicklungsstadium des Kindes, kann es im Alltag eine Herausforderung für die Eltern darstellen, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. Doch durch den aktiven Austausch mit dem Kita-Personal wird ihr Auge hierfür deutlich stärker geschult und auf Verdachtsfälle kann schnell Klarheit folgen.

Oftmals betonen pädagogische Fachkräfte die Wertschätzung, die sie seitens der Kinder und der Eltern erfahren. Genau so vehement betonen sie jedoch auch die eigene Wertschätzung gegenüber denErziehungsberechtigten. Ein offener, gezielter Austausch mit den Eltern ermöglicht es den Fachkräften, nicht nur das Vertrauen der Familien zu gewinnen, sondern auch ein tieferes Verständnis für die individuellen Bedürfnisse und die Persönlichkeit jedes Kindes zu entwickeln.

Es braucht ein Dorf.

Wie sagt man so schön? “Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen."

In unserer heutigen Zeit mag dieses Szenario oft außer Reichweite liegen. Viele Familien erleben nur wenig bis gar keine Unterstützung im privaten Umfeld, und alleinerziehende Eltern stehen vor noch größeren Herausforderungen. Daher ist es umso bedeutsamer, die verfügbaren Ressourcen zu nutzen, die wir haben; diejenigen, die mit Herz und Engagement an der bestmöglichen Entwicklung des Kindes interessiert sind.

Wie kann eine gute Kommunikation Seitens der Eltern aussehen, um die pädagogischen Fachkräften bei der Förderung der Kinder optimal zu unterstützen?

  1. Regelmäßiger Austausch: Es ist wichtig, regelmäßig Gespräche mit dem Kitapersonal zu führen, sei es bei der Abholung oder durch festgelegte Elternabende. Dadurch können Eltern aktuelle Entwicklungen, Bedürfnisse oder Anliegen ihres Kindes besprechen und Informationen von der Kita erhalten.

  2. Offenheit und Ehrlichkeit: Offene und ehrliche Kommunikation schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre. Eltern sollten sich ermutigt fühlen, Fragen zu stellen, Bedenken anzusprechen und Informationen über das Kind mitzuteilen.

  3. Respektvolles Zuhören: Ein wichtiger Aspekt ist das aktive Zuhören. Die Perspektive des Kitapersonals zu verstehen und ihre Erfahrungen anzuerkennen, trägt zu einer konstruktiven Kommunikation bei.

  4. Anerkennung und Wertschätzung: Das Wertschätzen der Arbeit des Kitapersonals und das Zeigen von Anerkennung für ihre Bemühungen kann dazu beitragen, eine positive Beziehung aufzubauen.

  5. Kooperation und Unterstützung: Eine kooperative Haltung, bei der Eltern und Kitapersonal zusammenarbeiten, um das Wohlbefinden und die Entwicklung des Kindes zu fördern, ist von großem Wert. Eltern können das Kitapersonal bei der Umsetzung von Zielen oder spezifischen Bedürfnissen des Kindes unterstützen.

  6. Feedback geben: Die Eltern können auch konstruktives Feedback über die Aktivitäten und den Fortschritt ihres Kindes in der Kita geben. Dabei ist es wichtig, sowohl positive als auch konstruktive Kritik sachlich und respektvoll zu äußern.

Diese Verschmelzung von familiären Einflüssen und pädagogischem Fachwissen ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung und Bildung, die über die Grenzen der Kita hinausgeht. Sie bietet den Kindern eine facettenreiche Erfahrung, in der sie von verschiedenen Blickwinkeln, Erziehungsmethoden und Werten profitieren können. Die Eltern bringen ihre individuelle Perspektive und die einzigartige Dynamik ihres familiären Umfelds ein, während das Kitapersonal sein spezialisiertes pädagogisches Fachwissen und seine Erfahrung einbringt. Die weihnachtliche Zeit des Miteinanders erinnert daran, dass die Entwicklung der Kinder nicht allein durch die Familie oder die Kita erfolgt, sondern durch die engagierte Zusammenarbeit beider Seiten. Es ist eine Gelegenheit die bedeutsame Rolle, die die Eltern-Kita-Partnerschaft spielt zu würdigen Diese partnerschaftliche Dynamik birgt den Schlüssel, um Kinder auf ihrem individuellen Bildungsweg bestmöglich zu unterstützen und zu fördern.

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Frühkindliche Bildung als Schlüssel für zukünftigen Erfolg

Die gestrige Veröffentlichung der PISA-Studie 2023 zeigte: Deutschland erlebt einen alarmierenden Tiefpunkt in den Leistungen seiner 15-jährigen Schüler: Das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der PISA-Untersuchungen. Diese globalen Einblicke in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften werfen ein bedeutsames Licht auf die Bildungslandschaft – ein Barometer, das dringendes Umdenken erfordert, insbesondere bezüglich der frühkindlichen Bildung.

Frühkindliche Bildung als Schlüssel für zukünftigen Erfolg

PISA-Studie 2023 enthüllt Herausforderungen

Mit der heutigen Veröffentlichung der PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) am 05.12.2023 wurde ein globales Augenmerk auf die Leistungen von 15-jährigen Schülern und Schülerinnen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften gerichtet. Die Ergebnisse dieser umfassenden Untersuchung werfen ein Licht auf die Fähigkeiten und Defizite der Jugendlichen und dienen als Barometer für die Bildungslandschaft in verschiedenen Ländern. Inmitten dieser umfassenden Analyse liegt ein alarmierendes Ergebnis für Deutschland: Die deutschen Jugendlichen verzeichnen das schlechteste Resultat seit Beginn der PISA-Studien insgesamt.

Im aktuellen internationalen Vergleich haben die deutschen Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften alarmierend schlecht abgeschnitten. Nahezu ein Drittel der 15-Jährigen zeigte lediglich geringe Kompetenzen in mindestens einem der getesteten Bereiche, während jeder sechste Jugendliche Defizite in allen drei Bereichen aufwies. Mit Platz 25 in Mathematik liegt Deutschland weit hinter seinen deutschsprachigen Nachbarländern wie Österreich (Platz 16) und der Schweiz (Platz 8) zurück.

Warum Deutschland in der PISA-Studie abrutscht

Die Suche nach Erklärungen für diese deutliche Verschlechterung der deutschen Leistungen in der PISA-Studie erfordert eine umfassende Analyse. Es ist entscheidend, sich damit auseinanderzusetzen, wie es zu einem derartigen Abwärtstrend seit Beginn der PISA-Studien kommen konnte.

Eine der vermuteten Ursachen liegt in den Schulschließungen während der COVID-19-Pandemie. Der Unterrichtsausfall und die Einschränkungen könnten den Kompetenzerwerb der Schüler negativ beeinflusst haben. Es ist anzumerken, dass der digitale Unterricht in Deutschland im Vergleich zum OECD-Durchschnitt weniger stark ausgeprägt war, was eine mögliche Rolle spielen könnte. Allerdings zeigt die internationale Datenanalyse keinen klaren Zusammenhang zwischen der Dauer der Schulschließungen und dem Ausmaß des Leistungsabfalls.

Weitere potenzielle Gründe könnten in sozioökonomischen Faktoren liegen, einschließlich des familiären Hintergrunds. Ebenfalls wurde der vermehrte Anteil von Schüler:innen mit Zuwanderungshintergrund genannt. Doch die aktuelle Datenlage zeigt bereits jetzt eine differenziertere Realität: Die allgemeine, verschlechterte Leistung ist bei Kindern sowohl mit als auch ohne Migrationshintergrund verzeichnet, welches diese Hypothese in Frage stellt und auf andere Einflussfaktoren hinweist.

An dieser Stelle möchten wir nachdrücklich auf die entscheidende Verbindung zwischen frühkindlicher Bildung und der grundlegenden Entwicklung sowie dem kontinuierlichen Aufbau akademischer Kompetenzen hinweisen. Die Fundamente für eine tragfähige Bildung werden bereits in den ersten Schritten des Lernens gelegt und dort tief verankert. Kindertagesstätten gewinnen in dieser Hinsicht eine unverzichtbare Bedeutung, da sie gezielt auf Defizite reagieren können, indem sie maßgeschneiderte Förderprogramme und Bildungsoptionen anbieten.

Die Teams in den Kindertagesstätten stehen im Zentrum dieser bildungsorientierten Bemühungen. Doch für eine effektive Förderung benötigt das pädagogische Personal dringend angemessene Ressourcen und ausreichend Zeit, um sich uneingeschränkt der Betreuung und Entwicklung der Kinder zu widmen. Der vorherrschende Fachkräftemangel sowie die hohe administrative Belastung stellen dabei ernsthafte Hindernisse dar, die behoben werden müssen, um diesem Ansatz gerecht zu werden.

Die Stärkung der frühkindlichen Bildung gewinnt angesichts ihrer zentralen Rolle im Bildungssystem eine unabdingbare Relevanz. Versäumnisse in diesem Bereich könnten langfristig zu weiteren Leistungseinbußen führen, die nur schwer rückgängig zu machen sind. Es ist von größter Dringlichkeit, die Bedeutung der frühkindlichen Bildung anzuerkennen und gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um einen festen Grundstein für die umfassende Entwicklung der kommenden Generationen zu legen.

Die Versäumnisse in der frühkindlichen Bildung tragen, wie erwähnt, nicht nur unmittelbare Auswirkungen, sondern manifestieren sich auch in späteren Bildungsphasen. Bereits in der Grundschule und verstärkt in den weiterführenden Schulen treten die Folgen deutlicher zutage. Die Herausforderungen und Defizite, die bei den heutigen 15-Jährigen festgestellt wurden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die anhaltende Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildungslandschaft zurückzuführen, die in den letzten zwei Jahrzehnten bestand. Diese finanziellen Engpässe haben sich in jüngster Zeit sogar verschärft, welches uns mit Bangen in die kommenden Studien schauen lässt. Denn, wenn man dieser Entwicklung folgt, ist zu erwarten, dass die Kinder der kommenden Jahre mit noch größeren Defiziten konfrontiert sein werden. Es bedarf angemessener Maßnahmen, um diesen Trend umzukehren.

In jüngster Zeit verzeichnet die Kommunikation rund um das Thema frühkindliche Bildung sichtbare Verbesserungen. Insbesondere ist die gesteigerte Aufmerksamkeit von Bildungssenatorin Günther-Wünsch bezüglich dieser Thematik deutlich spürbar. Dialoge, insbesondere mit den freien Kitaträgern, werden offener begrüßt und signalisieren eine symbolische Wertschätzung, wie etwa durch die Einladung zum aktuellen Kitagipfel deutlich wird.

Dennoch ist es entscheidend, dass diese Gespräche in einem offenen Rahmen und mit einem wachen Bewusstsein geführt werden. Die Herausforderungen in der aktuellen Kitalandschaft sind spürbar, genauso wie der dringliche Handlungsbedarf. Es mag verlockend sein, sich auf schnelle, oberflächliche Lösungen zu konzentrieren, die jedoch vom eigentlichen Problem ablenken und lediglich oberflächliche Ergebnisse erzielen könnten.Es ist unabdingbar, dass wir langfristige Konzepte entwickeln und umsetzen, die auf fundierten Erkenntnissen, Daten und Fakten aus der frühkindlichen Bildungslandschaft basieren. Nur durch ein gezieltes Einbinden der betroffenen Akteure der frühkindlichen Bildung können wir langfristige positive Veränderungen herbeiführen und eine nachhaltige Verbesserung erreichen.

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Politik versus Praxis: Die Wichtigkeit lokaler Expertise in der frühkindlichen Bildung.

Der jüngste Kitagipfel verdeutlichte erneut die kritische Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung. In den letzten Jahren wiederholte sich dieses Muster: Entscheidungen wurden ohne Konsultation derjenigen getroffen, die die täglichen Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hautnah erleben. Wir brauchen ehrliche, offene Dialoge, um zielgerichtete Lösungen umsetzen zu können!

Hinhören und Hinsehen, für die richtigen Lösungsansätze in der frühkindlichen Bildung.

Im Zuge des letzten Kitagipfels wurde dem VKMK eines wieder deutlich: Die Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und praktischer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung ist eine Thematik von entscheidender Bedeutung. Wir haben es in den letzten Jahren leider viel zu oft erleben müssen; Politische Entscheidungen werden getroffen, ohne diejenigen zu konsultieren, die die täglichen Herausforderungen und Möglichkeiten in der frühkindlichen Bildung aus erster Hand erleben. Die Folge sind Maßnahmen, die oft an den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und des pädagogischen Personals vorbeigehen.

Die Kita-Experten, bestehend aus Erzieher:innen, Leiter:innen und anderen pädagogischen Fachkräften, sowie vertretenden Verbänden, wie dem VKMK, bringen eine unverzichtbare Perspektive ein. Ihre Erfahrungen sind ein unschätzbares Kapital, das bei der Gestaltung von Richtlinien und Programmen berücksichtigt werden muss. Ihre Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern, pädagogischen Bedürfnissen und praktischen Herausforderungen sind von unschätzbarem Wert für die Schaffung effektiver, nachhaltiger Bildungsstrukturen.

Die Kluft zwischen Politik und Praxis führt seit Jahren zu Problemen auf mehreren Ebenen:

  • Unzureichende Ressourcenallokation: Oftmals sind politische Entscheidungen nicht im Einklang mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Kitas. Sie konzentrieren sich auf die Behebung akuter Symptomatiken und übersehen dabei, teilweise gänzlich, die Wurzel des Problems. Dies führt zu unzureichenden Lösungsansätzen, wie mangelnder Finanzierung und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten für die Fachkräfte und letztendlich auch die Kinder.

  • Mangelnde Berücksichtigung von pädagogischen Bedürfnissen: Die Entwicklung von Bildungsprogrammen ohne Einbeziehung der Kita-Experten kann dazu führen, dass die pädagogischen Anforderungen nicht erfüllt werden. Dies kann die Qualität der Bildung beeinträchtigen und langfristig die Bildungschancen der Kinder mindern.

"Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen." - Johann Wolfgang von Goethe.

Die Hohe Kunst des Zuhören ist gefragt, bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Wie es sich manifestieren kann, wenn dies nicht entsprechend umgesetzt wird, zeigen diese beiden Beispiele der vergangenen Monate:

Beispiel 1: Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung

Ein exemplarisches Missverständnis zeigt sich in der Forderung nach mehr Stellen in der frühkindlichen Bildung. Das eigentliche Problem liegt nicht in einem Mangel an Stellenausschreibungen, sondern viel mehr in der Tatsache, dass es an qualifizierten Fachkräften mangelt, die sich bewerben oder langfristig in diesen Positionen bleiben möchten. Hierbei spielt die Unterfinanzierung eine entscheidende Rolle, indem sie die Arbeit vor Ort unattraktiv gestaltet, dass viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt werden. Die eigentliche Lösung erfordert daher eine deutlich stärkere Finanzierung, die die tatsächlichen Herausforderungen der Kitas berücksichtigt und die Attraktivität des Berufsstandes durch angemessene Wertschätzung steigert, sodass wir mehr Personal anziehen und langfristig halten können Der simple Stellenausbau wäre somit nicht die vollumfängliche Lösung.

Beispiel 2: Mangelnde Sprachentwicklung bei Kleinkindern

Ein weiteres Beispiel betrifft die mangelnde Sprachentwicklung bei Kindern vor dem Eintritt in das Grundschulalter. Politiker:innen neigen dazu, dieses Problem mit der Multilingualität vor Ort zu verknüpfen und fordern zuletzt sogar teilweise Einschränkungen im Bereich der Migration. Allerdings weisen pädagogische Fachkräfte seit Jahren darauf hin, dass sie unter den aktuellen Bedingungen ihr Bildungsangebot teilweise nicht vollständig ausführen können. Das pädagogische Fachpersonal leidet unter der Unterfinanzierung, die zu personellen Problemen und Überlastung führt, was wiederum die gezielte Förderung einzelner Kinder beeinträchtigt. Das dies symptomatisch in den Förderungsständen der Kinder sichtbar wird, war lediglich eine Frage der Zeit. Die eigentliche Lösung liegt erneut in einer deutlich stärkeren Finanzierung, die die finanziellen Bedürfnisse an die tatsächlichen Herausforderungen anpasst, dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und gezieltere Förderungen zulässt.

Diese Beispiele sind lediglich zwei von vielen, die verdeutlichen, wie eine unzureichende Kommunikation mit den betroffenen Akteuren zu Trugschlüssen, falschen Lösungsansätzen und letztlich auch Fehlinvestitionen führt. Diese Situation ähnelt dem schnellen Überstreichen einer maroden Wand, ohne den eigentlichen Schaden an der Struktur zu beheben. Obwohl einige Lösungsansätze zunächst vielversprechend erscheinen mögen, bleibt das zugrundeliegende Problem ungelöst. Das temporäre "Lösen" der Situation erlaubt der eigentlichen Problematik sich weiter auszubreiten, was langfristig zu weitaus größeren Schäden und umfangreicheren Kosten führen kann. Eine effektive Lösung erfordert eine tiefgreifende Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Kita-Experten. Die Schaffung von Plattformen für regelmäßigen Austausch, die direkte Einbindung der Fachkräfte in Entscheidungsprozesse und die aktive Integration ihrer Perspektiven in politische Diskussionen sind von entscheidender Bedeutung. Unser Verband setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die freien Kitaträger, die wir vertreten, in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, gehört und anerkannt werden. Wir nehmen es positiv zur Kenntnis, dass wir nun mehr in entsprechende Dialoge eingebunden werden. Dies repräsentiert symbolisch einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wir möchten an dieser Stelle jedoch ebenso vehement betonen, dass diese Dialoge weit über die Symbolik hinausgehen müssen, um hier tatsächlich etwas zu bewirken. Ein ehrlicher Austausch, und insbesondere die Offenheit sich hier mit den Herausforderungen tatsächlich zielgerichtet auseinandersetzen zu wollen, ist absolut von Nöten, um schlussendlich auch tatsächliche, realistische Lösungen zu formen.

Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann eine frühkindliche Bildungspolitik entwickelt werden, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.

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Ein symbolischer Tag im Bereich der frühkindlichen Bildung

Berlin - ein symbolischer Tag für die frühkindliche Bildung! Gestern versammelten sich beim Kitagipfel unter anderem der VKMK und Bildungssenatorin Günther-Wünsch, um über die Demokratiebildung und die Herausforderungen in Kitas zu diskutieren. Doch während Lob für das Engagement erklingt, plädieren wir ebenfalls für einen tieferen Blick, um echte Veränderungen zu bewirken – Jetzt mehr erfahren!

Der VKMK begrüßt das politische Engagement betont jedoch die Notwendigkeit einer tiefergehenden Diskussion im Dialog.

Berlin, 28. November 2023 – Gestern war ein bedeutsamer Tag für die frühkindliche Bildung, an dem der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK), sowie eine Vielzahl seiner Vereins-, und Vorstandsmitglieder, aktiv teilnehmen und mitwirken konnte. Zum einen fand das 12. Plenum in der Frühpädagogik - symbolisch - im jüdischen Museum statt, welches sich auf die Frage konzentrierte "Wie bildet man eine Demokratie? Mitwirkung von Kita-Kindern als Zukunftsaufgabe". Gleichzeitig wurde der Kita-Gipfel einberufen. Bei beiden Veranstaltungen war die Bildungssenatorin Günther-Wünsch aktiv anwesend.

Der VKMK begrüßt mit Nachdruck die gestrige Aufmerksamkeit für die frühkindliche Bildung in Berlin und würdigt die Bemühungen, insbesondere von Senatorin Günther Wünsch, Raum für Diskurse zu schaffen, um die Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam anzugehen. Die Teilnahme am Kita-Gipfel erlaubte unserem Verband wertvolle Einblicke zu teilen, die zu einem realistischeren Verständnis der Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung beitragen können. Im Verlauf dieser Veranstaltung wurde jedoch offenkundig, dass trotz des erkennbaren Engagements zur Bewältigung diverser Problemfelder der notwendige Tiefgang in den Diskussionen, um den eigentlichen Ursprüngen der Herausforderungen auf den Grund zu gehen, oftmals, bedauerlicherweise, vernachlässigt blieb.

"Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Entwicklung und Umsetzung einiger Lösungsansätze Zeit und angemessene Ressourcen erfordern. In manchen Fällen kann es verlockend sein, vorerst den Fokus auf oberflächliche Problembehebungen zu legen, um schnellstmöglich sichtbare Veränderungen zu bewirken. Doch dies ändert nichts an der Bedeutung, sich intensiv mit den zugrundeliegenden Kernproblemen auseinanderzusetzen, um Lösungswege zu erarbeiten, die langfristig zu tatsächlichen Veränderungen und Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung führen können", betonte Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. "Es ist von fundamentaler Wichtigkeit, dass kommende Diskussionen und Sitzungen einen stärkeren Fokus auf einen direkten und tiefgründigeren Austausch legen.“

Wir begrüßen die Entwicklung, die es ermöglicht, die Stimmen und Perspektiven der freien Kitaträger, wie sie durch unseren Verband repräsentiert werden, aktiv in derartige Diskussionen einzubinden, um einen realistischen Ist-Zustand abzubilden. Es ist jedoch essenziell, dass dieser Einbezug nicht nur symbolischer Natur ist, sondern dass ihre Anliegen, Herausforderungen und Lösungsansätze ausreichend Gehör finden, und angenommen werden. Ein solcher Dialog und Austausch sollt durch eine sichtbare Interaktion geprägt sein, um langfristige und wirkungsvolle Lösungen zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung zu gestalten. Wir blicken hoffnungsvoll in die kommenden Sitzungen diesbezüglich.

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Die Kunst des Zuhörens: Senatorin Günther-Wünsch bittet zum Kita-Gipfel

Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor. Senatorin Günter-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die große Kunst des Hinhörens: Der erste Schritt zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung liegt im Zuhören bei den richtigen Akteuren

Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor.

Senatorin Günther-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die Vergangenheit zeigt bedauerlicherweise, dass solche wichtigen Gelegenheiten versäumt wurden, was zu vorhersehbaren und schwerwiegenden Konsequenzen führte.

Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Sachkostenpauschale als Teil  über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag)  in Berlin. Ursprünglich entwickelt, um die Finanzierung von frühkindlichen Einrichtungen langfristig sicherzustellen, erwiesen sich diese Teile dieser Pauschale in den folgenden Jahren als wesentlicher Engpass.

Finanzkonzepte benötigen regelmäßige Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse, eine Überprüfung, die trotz offensichtlicher Veränderungen, einschließlich wirtschaftlicher Aspekte, wiederholt versäumt wurde.

Erst 2017 wurde eine Gestehungskostenanalyse in Auftrag gegeben, die zeigte, dass Kitas mit einer Unterfinanzierung von fast 30% zu kämpfen hatten, hauptsächlich aufgrund stark gestiegener Mietkosten, die in der Sachkostenpauschale nicht berücksichtigt wurden.

Insbesondere kleinere und mittelgroße Kitaträger litten unter höheren Mietkosten im Vergleich zu größeren Institutionen.

Trotz dieses neuen Wissens ignorierten die damaligen Akteure in der Senatsverwaltung und ihre ausgewählten Verhandlungspartner im Rahmen ihrer 2017 laufenden  Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) diese dramatische Unterfinanzierung und schufen nur eine Teilreparatur.

Es erfolgte für den Zeitraum von 2018 bis 2021 eine leichte stufenweise Erhöhung der Sachkostenpauschale um insgesamt 10%, doch konnte die massive Unterfinanzierung bei weitem nicht kompensiert werden.

Die kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger hatten weiterhin mit steigenden Gewerbemiet- & Immobilienunterhaltungskosten und zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Einzig der VKMK reagierte auf diese Herausforderungen, indem er mit seiner Expertengruppe eine nachhaltige Lösung entwickelte: die "Clusterlösung".

Basierend auf dem Grundgedanken der Hamburger Finanzierungskonstruktion integriert die "Clusterlösung" eine differenzierte Betrachtung der IST-Situation der Gewerbeflächen der jeweiligen Kita-Träger in die Ausgestaltung der Sachkostenpauschale. Durch die Unterstützung verschiedener Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses konnten weitere relevante Daten zu den Bruttomietzinsen für soziale Träger in landeseigenen Wohnbaugesellschaften erfragt werden.

Hierbei ergab sich, dass die Mietzinsen für Gewerbeflächen der landeseigenen Wohnbaugesellschaften im Durchschnitt über 10 Euro pro Quadratmeter lagen, während die Kita-Träger lediglich eine Finanzierung von etwa 5 Euro pro Quadratmeter erhielten. Diese Diskrepanz verdeutlichte bereits damals die erheblichen finanziellen Herausforderungen, denen die betroffenen Einrichtungen gegenüberstanden.

Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu Lasten der Fachkräfte gingen.

Um dem Scheinargument- Phänomen der "Miethaie" und des " Miet-Monopoly" entgegenzuwirken, integrierte der VKMK in seine "Clusterlösung" das Modell einer wiederkehrenden Abfrage des Bruttomietzinses pro Quadratmeter bei landeseigenen Wohnbaugesellschaften. Dieser Wert dient als Grundlage für die Einberechnung in die Sachkostenpauschale, um den Einrichtungen eine finanzielle Grundlage zu bieten, die ihren tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird.

Diese konkreten Beispiele unterstreichen nicht nur unsere langjährige Arbeit und Bemühungen, realistische Lösungsansätze zu bieten, sondern auch den gravierenden politischen Fehler, betroffene Akteure unzureichend zu berücksichtigen.

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: "Wir bieten der Jugendsenatsverwaltung seit Jahren fundierte Lösungen an. Unser Clustermodell ist ein solcher gezielter Lösungsansatz, der jedoch in den Jahren der SPD-Ressortverantwortung ignoriert wurde. Lösungen, die betroffene Stakeholder nicht angemessen einbeziehen, führen letztlich immer zu höchsten Gerichtsurteilen, die dann eine Unverhältnismäßigkeit bis hin zur Verfassungswidrigkeit im Handeln der Jugendsenatsverwaltung attestieren.

Die konzertierte Anstrengung von Senatorin Günter-Wünsch gemeinsam mit allen Interessengruppen in einen Dialog einzutreten, verspricht langfristige Fortschritte in der effizienten Ressourcennutzung und nachhaltigen Verbesserungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.

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Der Unterschied zwischen Fachkräftemangel und -verlust in der Frühkindlichen Bildung

In vielen Diskussionen und öffentlichen Wahrnehmungen dominiert die Vorstellung eines akuten Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung. Die logische Schlussfolgerung erscheint dabei simpel: Stellenausbau als Lösung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine viel komplexere Realität. Der einfache Appell nach mehr Stellen erweist sich als zu oberflächlich, da er die Wurzeln des Problems unberücksichtigt lässt.

Der Unterschied zwischen Fachkräftemangel und -verlust in der Frühkindlichen Bildung

Warum eine nachhaltige Lösung mehr als nur einen Stellenausbau erfordert.

Die Debatte um Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung ist häufig von zwei Begriffen geprägt: Fachkräftemangel und -verlust. Doch zwischen dem schlichten Mangel an Arbeitskräften und dem tatsächlichen Abgang von Fachkräften aufgrund von Arbeitsbedingungen existieren entscheidende Unterschiede. Diese Begriffe umfassen nicht nur eine quantitative Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage nach Fachkräften, sondern auch qualitative Herausforderungen, die den Berufszweig prägen.

In vielen Diskussionen und öffentlichen Wahrnehmungen dominiert die Vorstellung eines akuten Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung. Die logische Schlussfolgerung erscheint dabei simpel: Stellenausbau als Lösung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine viel komplexere Realität. Der einfache Appell nach mehr Stellen erweist sich als zu oberflächlich, da er die eigentlichen Wurzeln des Problems unberücksichtigt lässt. Die Nuance zwischen den Begrifflichkeiten und die dementsprechend daraus unterschiedlich benötigten Lösungsansätzen werden oftmals nicht einmal politisch wahrgenommen, trotz vorliegender Zahlen und Fakten.

Der Fachkräftemangel beschreibt den quantitativen Aspekt, bei dem die Nachfrage nach ausgebildeten Fachkräften das vorhandene Angebot übersteigt. Dies resultiert in unbesetzten Stellen und kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, darunter niedrige Anreize, Ausbildungsmängel und demografische Veränderungen. Im Gegensatz dazu bezieht sich der Fachkräfteverlust auf qualitative Aspekte, die den Abgang erfahrener Fachkräfte aufgrund unzureichender Arbeitsbedingungen beschreiben. Dies führt zu hohen Fluktuationsraten, Burnout und Frustration in der Branche.

Die frühkindliche Bildung weist Zweierlei deutlich auf: einen Mangel an Arbeitskräften, sowie eine bedenkliche Fluktuation aufgrund unzureichender Arbeitsbedingungen. Und, während sich der Fachkräfteverlust und der Fachkräftemangel als zwei deutlich unterschiedliche Herausforderungen erweisen, die jeweils verschiedene Lösungsansätze erfordern, stimmen sie letztendlich doch in einem Punkt überein: Beide sind nicht durch einen simplen, großflächigen Stellenausbau zu lösen, wie es oft politisch angestrebt wird. Dieses Vorgehen gleicht dem Auftischen weiterer Schüsseln an einem Tisch, an dem ohnehin schon niemand Platz nehmen will, und selbst die gnädigsten Gourmets langsam gehen, weil das Essen schlichtweg nicht schmeckt. Es ergibt wenig Sinn, mehr Stellen zu schaffen, wenn die Arbeitsbedingungen und die Attraktivität des Berufs für potenzielle Fachkräfte nicht ansprechend sind. Die Herausforderung liegt somit nicht darin, dass es nicht genug Stellen gibt, sondern darin, dass die Bedingungen und Strukturen, die das Arbeitsumfeld formen, nicht attraktiv genug sind, um Fachkräfte langfristig zu halten oder neue anzuziehen.

“Dieses Vorgehen gleicht dem Auftischen weiterer Schüsseln an einem Tisch, an dem ohnehin schon niemand Platz nehmen will.”

Beinahe 3000 pädagogische Fachkräfte verlassen jährlich ihren Beruf. Fachkräfte, die dringend durch Neuzugänge besetzt werden müssten. Von den ca. 10.000 Auszubildenden, die sich heute für die dreijährige Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft entscheiden, tätigen jedoch, statistisch gesehen, lediglich etwa ein Viertel den Sprung in eine feste Anstellung in einer Kita. Diese Zahl verdeutlicht ein drängendes Problem: viele brechen die Ausbildung vorzeitig ab oder entscheiden sich nach Abschluss für einen anderen Karriereweg, haben sie doch aus erster Hand die Vielzahl von Herausforderungen erlebt, die mit dem Beruf einhergehen.Von jenen, die den Schritt in den Kita-Alltag wagen, tun viele dies zögerlich und mit Einschränkungen. Insbesondere die Work-Life-Balance erweist sich als schwer zu bewältigen, und viele sehen sich gezwungen, nur als Teilzeitkräfte tätig zu sein, um hier auch den eigenen Anforderungen gerecht zu werden.

Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass Personen, die in der frühkindlichen Bildung tätig sind, ihren Beruf einzig und allein aus tiefer Leidenschaft und Überzeugung wählen müssen. Diese Annahme wird oft mit dem Argument untermauert, dass die Liebe zur Arbeit und die Bedeutung des Berufs so groß sind, dass die Bezahlung oder die Konditionen letztendlich nicht ausschlaggebend sein können. Und es mag richtig sein, Stimmen aus den Kitas sind einhellig: Das Personal schätzt seine Arbeit, betont die Bedeutung des Austauschs mit den Kindern und empfindet tiefe Erfüllung in der Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit. Doch die Konditionen und Wertschätzungen finanzieller Art spielen in der Erfüllung ebenso eine zentrale Rolle, wie in jedem weiteren Berufsfeld auch. Es ist daher umso bedauerlicher zu sehen, dass Menschen, die sich aus persönlicher Überzeugung für eine berufliche Laufbahn entschieden haben, sich letztendlich gezwungen sehen, diesen Weg zu verlassen, aufgrund der Konditionen. Es ist nicht eine Frage des individuellen Engagements der Fachkräfte, sondern vielmehr ein strukturelles Problem, das dringend angegangen werden muss.

Trotz des immens wichtigen Bildungsauftrags, der die Kernkompetenzen der Kinder für ihr späteres Erwachsenenleben festlegt und fördert, wird die frühkindliche Bildung nach wie vor nicht in ihrer Bedeutung und Wichtigkeit ausreichend anerkannt. Dies spiegelt sich in den bestehenden Rahmenbedingungen wider, die weit hinter dem zurückbleiben, was erforderlich wäre, um eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zu gewährleisten. Um neue Fachkräfte zu generieren und Stellen nachhaltig zu besetzen benötigen wir einen Facettenreichen Lösungsansatz.

Diese Lösungsansätze zielen darauf ab, nicht nur den akuten Mangel an Fachkräften zu bekämpfen, sondern auch langfristig eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung sicherzustellen, die den Anforderungen und Bedürfnissen der Kinder gerecht wird.

Man sagt so schön; "Das Gegenteil von gut ist gutgemeint." Dieser Satz verdeutlicht, dass gutgemeinte Absichten nicht zwangsläufig zu effektiven Lösungen führen. Eine sinnvolle und gezielte Hilfestellung, die benötigt und erwünscht ist, erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den Betroffenen. Es ist unerlässlich zu verstehen, wie eine lösungsorientierte Hilfe für sie tatsächlich aussehen könnte, bevor Maßnahmen in einem gemeinsamen Verständnis angegangen werden. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die gebündelten Kräfte an den Stellen eingesetzt werden, die den dringendsten Bedarf haben. Politiker und Politikerinnen sollten verstärkt auf den Austausch mit den direkten Akteuren der frühkindlichen Bildung setzen, um offene Dialoge proaktiv zu fördern und ihre Erfahrungen, Daten und Erkenntnisse in Entscheidungsprozesse miteinfließen zu lassen. Der KitaGipfel bietet genau diese Möglichkeit. Er kann dazu beitragen, bestehende Missstände zu korrigieren und die Schritte zu setzen, die wir benötigen, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen: eine deutliche Verbesserung der frühkindlichen Bildungslandschaft - mit pädagogischen Fachkräften, die nicht nur gerne in diesem Berufsfeld tätig sind, sondern vor allem; langfristig bleiben möchten.

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