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Von Herausforderungen und Glücksmomenten - Geschichten aus dem Kita-Alltag

Unsere Kitas sind voller wunderschöner, inspirierender Geschichten – Geschichten von engagierten Fachkräften, die sich tagtäglich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Kinder einsetzen, und Geschichten von Kindern, die mit staunenden und leuchtenden Augen jeden Tag etwas Neues lernen und erleben. Doch bleiben uns diese Geschichten leider zumeist verwehrt. Denn statt dieser positiven Erlebnisse sind es oft die Horrorgeschichten, die in den Medien verbreitet werden – Geschichten von Überlastung, Kindeswohlgefährdung und Aufbewahrung statt Bildung.

Unsere Kitas sind voller wunderschöner, inspirierender Geschichten – Geschichten von engagierten Fachkräften, die sich tagtäglich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Kinder einsetzen, und Geschichten von Kindern, die mit staunenden und leuchtenden Augen jeden Tag etwas Neues lernen und erleben. Doch bleiben uns diese Geschichten leider zumeist verwehrt. Denn statt dieser positiven Erlebnisse sind es oft die Horrorgeschichten, die in den Medien verbreitet werden – Geschichten von Überlastung, Kindeswohlgefährdung und Aufbewahrung statt Bildung. Szenarien, die jedoch nicht der allgemeinen Realität in den Kitas und der Arbeit unserer Fachkräfte entsprechen. Aus diesem Grund möchten wir heute den schönen kleinen und großen Erlebnisse, die sich jeden Tag in unseren Kitas ereignen, Raum geben und sie in den Vordergrund stellen. Wir haben hierfür einige Pädagog:innen aus unserem Verband gebeten, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit uns zu teilen. Ihre Geschichten zeigen, wie wertvoll und bereichernd die Arbeit in einer Kita wirklich ist.

Eine starke Erziehungspartnerschaft

Die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern spielt eine zentrale Rolle in der pädagogischen Arbeit. Nicht immer kann es einfach sein, eine starke Partnerschaft mit den Eltern aufzubauen, da sie viel Vertrauen erfordert. Umso schöner ist es, zu hören, wie stark die Zusammenarbeit, das Vertrauen und die Wertschätzung zwischen Eltern und Fachkräften in den Kitas unserer Mitglieder ist. Sie berichten von gemeinsamen Gartentagen, bei denen Eltern und Fachkräfte zusammen anpacken, Eltern, die bei den Fachkräften um Rat für besondere Situationen im Familienalltag fragen, Eltern, die zu den Geburtstagen von Teammitgliedern liebevoll Kuchen backen und Eltern, die auch mal den Fachkräften ein offenes Ohr schenken, wenn sie merken, dass sie etwas belastet. 

Doch die Erziehungspartnerschaft verlangt oft nicht nur viel Vertrauen, sondern auch Verständnis in schwierigen Zeiten, wie der Pandemie: “Jegliche Unterstützung während und nach Corona – das Verständnis und die Geduld der Eltern bei Reduzierungen, Kürzungen der Öffnungszeiten und ähnlichem – waren entscheidend. Statt Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Demütigungen hatten wir offene, konstruktive Gespräche und gemeinsame Lösungsfindungen.”, erinnert sich eine Fachkraft. 

Wie wichtig eine starke Erziehungspartnerschaft auch für die Entwicklung der Kinder ist, zeigt uns auch eine ganz besondere Geschichte aus einer Kita. Eine Pädagogin erzählt von zwei Kindern, die von Schwerstmehrfachbehinderung betroffen waren. „Zu Beginn hörten wir von den Eltern oft Sätze wie ‚Mein Kind kann nichts‘ oder ‚Ich habe Angst, wie es in der Schule werden soll und was passiert, wenn ich nicht mehr da bin‘. Spätestens als am Ende der Kita-Zeit für diese zwei Kinder feststand, dass sie in Regelschulen eingeschult werden - wenn auch mit Assistenz - , konnte man zweimal mehr davon sprechen, dass die Partnerschaft zwischen Kita und Eltern und Therapeut:innen gelungen ist.“

Gemeinsam stark im Team

Doch natürlich ist nicht nur die Zusammenarbeit mit den Eltern von großer Bedeutung, sondern ebenso das Miteinander im Team. Kollegialität und Zusammenhalt im Team sind wichtige Bestandteile, um gemeinsam Herausforderungen und schwierige Zeiten gut meistern zu können. Wie dies in der Praxis aussehen kann, berichtet eine Fachkraft aus ihrem Alltag: “Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt und Fürsorge gegenüber jedem Einzelnen – sei es durch das Abnehmen von Kindern mit Auffälligkeiten, um mal durchzuatmen, das Verzichten auf Vorbereitungszeiten oder Freiräume, um andere nicht allein stehen zu lassen - es könnte einem selbst ja auch einmal so ergehen - , oder kleine Aufmerksamkeiten der Kitaleitung zur Motivation und Anerkennung.“ Insgesamt wird häufig große Wertschätzung für die Unterstützung durch den Träger oder das Leitungsteam geäußert: “Wir haben ein gut funktionierendes Leitungsteam, welches das gesamte Team in regelmäßigen Teamsitzungen unterstützt und an allen Herausforderungen gemeinsam arbeitet.” In einer weiteren Kita sorgt der Träger dafür, dass sich das Team auf das Wesentliche konzentrieren kann: „Unser Träger kümmert sich um sehr viele Pflichten jenseits der Pädagogik und der "Arbeit am Kind", damit unser Team die "wirkliche" Arbeit leisten kann.” Und auch wenn einmal nicht alles rund läuft, gibt es Wege damit konstruktiv umzugehen: ”Reden und sehen. Wir versuchen eine positive Fehlerkultur zu leben.”

Dies zeigt, dass trotz der Herausforderungen im Kita-Alltag ein starkes Miteinander, Vertrauen, Respekt und gegenseitige Unterstützung der Schlüssel sind, um Lösungen zu finden und gemeinsam bestmöglich für die Kinder da zu sein.

Leuchtende Kinderaugen: Besondere Erlebnisse in der Kita

Der Kita-Alltag besteht aus lauter kleinen und großen besonderen Momenten, die Kinderaugen zum Leuchten bringen und es gibt immer wundervolle Erlebnisse, die die Kinder zum strahlen bringen: von spannenden Waldtagen und kreativen Musikprojekten über besondere Ausflüge bis hin zu jeglichen Aktivitäten, bei denen sie sich bewegen, fühlen und experimentieren können. Erst kürzlich, zur Faschingszeit, fand ein solches besonderes Ereignis statt: “Die Kinder präsentierten sich stolz in ihren Kostümen, wie auf einem roten Teppich.”, erzählt eine Fachkraft. Ein weiteres Highlight, das in einer Kita regelmäßig stattfindet, ist das „Kinderhotel“: Einmal im Monat übernachten die Kinder unter einem bestimmten Motto von Freitag auf Samstag in der Kita.

Doch nicht nur diese großen Ereignisse bereiten Kindern eine besondere Freude, auch die kleinen Momente können Großes bewegen. Es sind die Augenblicke, in denen sich die Kinder gehört, gesehen und anerkannt fühlen – sei es im Morgenkreis oder bei allem was situationsbedingt direkt aufgegriffen und umgesetzt wird. „Die leuchtenden Augen der Kinder beobachten wir nicht nur bei besonderen Ideen oder Aktivitäten“, sagt eine Fachkraft. “Das Bemerkenswerte ist vielmehr, dass wir bereits in vielen - scheinbar nicht besonderen - Kita-Alltagssituationen mit glücklichen Kinderaugen erfreut werden. Auch und gerade dies zeigt, dass die wertvolle Tätigkeit von Pädagog:innen nicht zuletzt aus den Alltagssituationen einen Zauber entfalten kann.” 

Berührende Geschichten aus dem Kita-Alltag

Wie wertvoll die Arbeit unserer Fachkräfte und Kitas ist, zeigt sich in den vielen berührenden und beeindruckenden Geschichten aus dem Alltag. Geschichten, die zeigen, dass die pädagogische Arbeit weit über die Bildung und Betreuung hinausgeht und essentiell für die Entwicklung, die Startchancen und das Wohlbefinden der Kinder ist. Ein besonderes Beispiel hierfür kommt von einer Fachkraft, die von ihrer Arbeit mit einem Kind mit Trisomie 21 berichtete: “Wir betreuen ein Kind mit Trisomie 21 und am Anfang war eine Kommunikation mit dem Kind so gut wie unmöglich. Es war zwei Jahre alt, rumänischer Herkunft, verstand kein Wort deutsch, weinte viel, biss und schubste andere Kinder. Jetzt ist das Kind 4 Jahre und mit Unterstützung einer Heilpädagogin konnten Strukturen, Kommunikationshilfsmittel und vieles mehr erarbeitet werden, die ein entspanntes Umgehen mit diesem Kind in der Gemeinschaft möglich machen. Spielen mit anderen Kindern war bis vor Kurzem nicht möglich. Jetzt spielt sie, beziehungsweise auch andere Kinder mit ihr zusammen. Sie umarmt andere Kinder und Erzieher:innen. Sie zeigt auf Bilder, wenn sie etwas möchte und auch wenn sie nur lautiert, nimmt sie auf eine angenehme Art mit allen Kontakt auf. Es ist so schön zu sehen, wie dieses Kind sich entwickelt hat und wir es auch in einer schwierigen und personell engen Situation geschafft haben, so etwas Wundervolles zu erreichen.” 

Eine weitere Fachkraft berichtet von den Momenten, in denen deutlich wird, wie wichtige die Arbeit nicht nur für die Kinder, sondern für die ganze Familie ist: “Die wiederholte rührende Dankbarkeit der Eltern, insbesondere der Eltern von Kindern, die von Behinderung betroffenen - auch mehrfach schwerstbehinderten - betroffen sind, wenn diese Kinder unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status, nicht nur in unserer Kita aufgenommen werden, sondern über die Zeit hinweg kontinuierlich - teils sehr erstaunliche - Fortschritte machen. Nicht selten haben diese Eltern kafkaeske 'Kämpfe' auch und gerade mit Behörden hinter sich und freuen sich, wenn sie bei den entsprechenden Behörden- und Verwaltungsverfahren von unserer Kita, beziehungsweise von unserem Träger Unterstützung erhalten. Nicht selten haben Eltern - auch und gerade aus diesem Kreis - bei landeseigenen Betrieben erfahren müssen, dass ihre Kinder dort nicht aufgenommen oder nicht weiter betreut werden können, etwa wegen Überlastung oder Überforderung. In die Gesichter dieser Kinder - egal aus welchen anderen Kulturen sowie Regionen dieser Erde sie stammen - und deren Eltern zu schauen, ist eine besondere Freude.” Die Auswirkungen der inklusiven Arbeit reichen jedoch weit über das individuelle hinaus: “In unserer mehrsprachigen und inklusiven Kita haben wir solche Bilder häufiger, dass Kinder sich um einander kümmern; besonders rührend ist, wenn Kinder mit Diagnosen aus dem autistischen Spektrum zusammen mit Kindern ohne besondere Herausforderungen sich um unsere schwerstmehrfachbehinderten Kinder kümmern und mit ihnen gemeinsam feiern.” Solch inklusive Arbeit in den Kitas ist nicht nur der Grundstein für die individuelle Entwicklung und den späteren Lebensweg der Kinder von großer Bedeutung, sondern für unsere gesamte, zukünftige Gesellschaft. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass Respekt, Toleranz und Zusammenhalt bereits in jungen Jahren selbstverständlich werden - etwas, wovon so mancher Erwachsene sich eine Scheibe abschneiden kann.

Von kleinen Gesten und großer Wirkung – Warum die Kita-Arbeit so bereichernd ist

In dieser Arbeit fließt nicht nur viel Energie und Hingabe von den Pädagog:innen zu den Kindern, sondern auch von den Kindern zurück. Sie zeigen ihre Dankbarkeit und Wertschätzung auf ihre ganz eigene, berührende Weise. Eine Pädagogin erinnert sich an einen besonderen Tag, an dem viele Kinder krank waren: „Zur Mittagsruhe blieben nur noch drei Kinder übrig – eine äußerst seltene Situation. Zwei Kinder waren der Meinung, dass es nun endlich genug Platz gibt, damit auch Ihre Erzieherin sich zur Mittagszeit hinlegen kann und holten sogleich zwei Matratzen für sie.” Ein weiteres rührendes Erlebnis aus dem Kita-Alltag berichtet eine weitere Fachkraft: „Als ich nach einer längeren Auszeit wegen eines Trauerfalls wieder in die Kita kam, war die Freude der Kinder so groß, dass sie mich fast umgerannt haben.”

Jeder Tag in der Kita hält neue Überraschungen bereit. Es gibt Herausforderungen, Momente der Erschöpfung, aber auch Augenblicke voller Wärme und Glück: “Es ist sehr anstrengend und herausfordernd. Manchmal weiß man nicht, wie man die Dinge schaffen soll. Wenn einer krank wird, kann es schonmal sehr sehr herausfordernd sein. Aber wir sind ein gutes Team, das sich möglichst gegenseitig zu unterstützen versucht. Wir haben wundervolle Kinder und wir haben sehr entspannte Eltern. Wenn dich ein Kind in den Arm nimmt und sagt ‘nur noch mal kurz drücken’, damit es gut in den Tag starten kann und du merkst, dass das ein Moment ist, der dich glücklich macht, dann bist du hier richtig. Egal wie schlecht es dir geht, wenn ein Kind dich anstrahlt oder Quatsch mit dir macht, wird es dir besser gehen. Die Arbeit mit Kindern ist der beste Trost und der beste emotionale Aufbau, den ich selbst je erlebt habe.” 

Diese Geschichten zeigen, wie besonders, wundervoll und facettenreich die pädagogische Arbeit ist. Es sind Geschichten von Erfolg, Zusammenarbeit, Dankbarkeit und Freude – Geschichten, die jeden Tag in der Kita passieren. Und es sind die Geschichten, die erzählt werden sollten. Natürlich gibt es zahlreiche Herausforderungen im Kita-Alltag - nicht zuletzt aufgrund struktureller Defizite, die einer unzureichenden Bildungspolitik in der frühkindlichen Bildung zugrunde liegen und dringend einer Verbesserung bedürfen. Doch trotz schwieriger Rahmenbedingungen, personeller Engpässe und anderer Hürden setzen sich unsere Fachkräfte und Kitas mit unermüdlichem Einsatz dafür ein, den Kindern ein sicheres und förderliches Umfeld für ihre Entwicklung zu schaffen. Und wer darüber nachdenkt, in der Kita zu arbeiten, dem sei ein Satz einer Fachkraft besonders ans Herz gelegt: „Einfach machen!“.

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Abwanderung von Kita-Fachkräften: Ein flächendeckendes Problem mit Folgen

Ende August veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Niedersachsen-Bremen eine Studie zur Beschäftigungssituation in den Berufen der Kinderbetreuung und -erziehung in Niedersachsen. Unter anderem wird aus dieser Studie die Diskrepanz zwischen Fachkräfte-Zuwachs und der ungedeckte Bedarf an Fachkräften in der frühkindlichen Bildung ersichtlich. Eine Diskrepanz, die sich nicht nur auf Niedersachsen beschränkt, sondern die in allen Bundesländern vorzufinden ist und erhebliche Folgen für die Qualität der frühkindlichen Bildung mit sich bringen kann.  

Ende August veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Niedersachsen-Bremen eine Studie zur Beschäftigungssituation in den Berufen der Kinderbetreuung und -erziehung in Niedersachsen. Unter anderem wird aus dieser Studie die Diskrepanz zwischen Fachkräfte-Zuwachs und der ungedeckte Bedarf an Fachkräften in der frühkindlichen Bildung ersichtlich. Eine Diskrepanz, die sich nicht nur auf Niedersachsen beschränkt, sondern die in allen Bundesländern vorzufinden ist und erhebliche Folgen für die Qualität der frühkindlichen Bildung mit sich bringen kann.  

In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl an pädagogischen Fachkräften in Kitas um über 50% gestiegen. Daraus könnte geschlussfolgert werden, die Kitas hätten genügend Personal. Doch neben dem hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten von über 40%, erschwert auch die anhaltende Fachkräfteabwanderung die Deckung des Personalbedarfs, wodurch die Gewährleistung einer stabilen Bildungs- und Betreuungssituation wesentlich erschwert wird. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wenden sich 20% der pädagogischen Fachkräfte in Niedersachsen im Laufe ihrer Berufslaufbahn von der Arbeit in der Kita dauerhaft ab. Eine etwas ältere Längsschnittstudie des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation aus dem Jahr 2019 kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass bundesweit 20% der pädagogischen Fachkräfte in den ersten fünf Jahren ihrer Berufskarriere den Kitas den Rücken zukehren. 

Die Zahlen zeigen, dass sehr viele Personen am Berufsbild der pädagogischen Fachkraft interessiert sind und gewillt wären, diesen Berufsweg zu beschreiten. Jedoch gibt es erhebliche Schwierigkeiten, die Fachkräfte langfristig an das Arbeitsfeld Kita zu binden. Als Gründe hierfür nennt die Autorengruppe der Studie unter anderem schlechte Rahmenbedingungen, wie eine ungünstige Personalausstattung, sowie Arbeit unter Stress und Druck. Auch andere Studien, wie die OECD-Fachkräftebefragung (2018), kommen zu dem Ergebnis, dass die Fachkräfte mit der pädagogischen Arbeit im Grunde sehr zufrieden sind, jedoch begrenzte Personalressourcen mehrheitlich für Unzufriedenheit und Stress im Personal führt. Nach der DKLK-Studie (2024) sind, neben der Unzufriedenheit, auch erhöhte Ausfälle im Personal Folgen einer unzureichenden Personalausstattung, was die Situation wiederum zusätzlich verschärft.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir, in gemeinsamer Anstrengung, Rahmenbedingungen schaffen, um unsere pädagogischen Fachkräfte langfristig an das Arbeitsfeld Kita zu binden. Einer der ausschlaggebendsten Faktoren hierfür ist unter anderem eine bessere Personalausstattung, damit wieder mehr Zeit für die pädagogische Arbeit bleibt, unsere Pädagog:innen ohne Stress und Druck ihrer Tätigkeit nachgehen können und somit besser auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kinder eingegangen werden kann. Der Kitaverband VKMK sieht gerade jetzt, wo mit dem Geburtenrückgang die Zahl der Kinder sinkt, die optimale Chance, dies in die Tat umzusetzen. Daher fordert der Verband die Bundesländer dazu auf, in ihren Gesetzen die Finanzierung der Personalressourcen anzupassen, damit die Kitas eine höhere Personalausstattung ermöglichen können und eine stabile Bildung und Betreuung für alle Kinder sichergestellt werden kann. 

Quellen:

  • Kita-Betreuung: 51 % mehr pädagogisches Personal im März 2023 als zehn Jahre zuvor: in: Statistisches Bundesamt, o. D., [online] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_N004_p002.html.

  • Fischer, Florence/Tomi Neckov/FLEET Education Events GmbH/VBE Bundesverband/VBE Landesverband/Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)/VBE Baden-Württemberg/VBE Hessen/VBE Nordrhein-Westfalen/Andy Schieler: DKLK-Studie 2023, in: DKLK-Studie 2023, 21.03.2023, [online] https://deutscher-kitaleitungskongress.de/wp-content/uploads/2023/03/DKLK_Studie_2023_210x297_A4_V07_RZ-1.pdf.

  • Wrobel, Martin/Uwe Harten/Amelie Berisha: Beschäftigungssituation in den Berufen der Kinderbetreuung und -erziehung in Niedersachsen, in: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, 27.08.2024, [online] doi:10.48720/IAB.RENSB.2401.

  • Bader, Samuel/Birgit Riedel/Carolyn Seybel/Daniel Turani/Deutsches Jugendinstitut: Kita-Fachkräfte im internationalen Vergleich: Ergebnisse der OECD-Fachkräftebefragung 2018, Band II, in: Forschung zu Kindern, Jugendlichen und Familien an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Fachpraxis, Deutsches Jugendinstitut, 2021.

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Berliner Unternehmen fordern längere Kita-Betreuungszeiten: VKMK fordert Unterstützung von Wirtschaft zur Realisierung

Wie eine Umfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer ergeben hat, fordern mehr als 50% der 500 befragten Unternehmen in Berlin eine Ausweitung der Betreuungszeiten in Kindertagesstätten. 27% gaben sogar den Wunsch an, die Betreuungszeiten der Kinder von sechs bis 18 Uhr zu erweitern. Grund hierfür ist, dass viele Eltern ihre Arbeitszeiten aufgrund der Betreuung ihrer Kinder einschränken, teilweise sogar aufgeben müssen.

Wie eine Umfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer ergeben hat, fordern mehr als 50% der 500 befragten Unternehmen in Berlin eine Ausweitung der Betreuungszeiten in Kindertagesstätten. 27% gaben sogar den Wunsch an, die Betreuungszeiten der Kinder von sechs bis 18 Uhr zu erweitern. Der Hintergrund dieser Forderung liegt in den eingeschränkten Arbeitszeiten vieler Eltern, die ihre Berufstätigkeit oft reduzieren oder sogar aufgeben müssen, um die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Diese Einschränkungen tragen nicht nur zum anhaltenden Fachkräftemangel bei, sondern beeinträchtigen auch die wirtschaftliche Stabilität der Region.

Doch die Herausforderungen, mit denen die Berliner Unternehmen konfrontiert sind, spiegeln sich auch in den Kindertagesstätten wider. Hier verzeichnet sich ebenfalls ein signifikanter Anstieg des Bedarfs an qualifiziertem Fachpersonal, der bislang nur bedingt gedeckt werden konnte. Dies erschwert die Möglichkeit, die geforderten erweiterten Betreuungszeiten anzubieten. Trotz der Tatsache, dass die Kindertagesstätten in Berlin bereits 90% der angehenden Pädagoginnen und Pädagogen ausbilden, verbleiben nach Abschluss der Ausbildung nur etwa 50% in diesem Berufsfeld. Diese Abwanderung von Fachkräften beeinflusst direkt die Fähigkeit der Kitas, die benötigten Betreuungszeiten sicherzustellen.

„Um längere Öffnungszeiten in unseren Einrichtungen zu ermöglichen und damit den Bedürfnissen der Berliner Unternehmen gerecht zu werden, benötigen wir  Unterstützung“, betont Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK. „Ohne ausreichend qualifiziertes Personal können unsere Kitas keine erweiterten Betreuungszeiten anbieten. Wenn unsere Kindertagesstätten dem Wunsch der Unternehmen entgegenkommen sollen, fordern wir im Gegenzug eine finanzielle Beteiligung der Wirtschaft bei der Ausbildung neuer Fachkräfte.“, erklärt Békési weiter.

Um die Anforderungen der Unternehmen mit der Realität in den Kitas in Einklang zu bringen, sind gemeinsame Lösungen erforderlich. Nur durch enge Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung kann eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Berliner Unternehmen erreicht und die personellen Kapazitäten der Kitas langfristig gesichert werden.

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Presse Lisa H. Huber-Youmans Presse Lisa H. Huber-Youmans

Der Unterschied zwischen Fachkräftemangel und -verlust in der Frühkindlichen Bildung

In vielen Diskussionen und öffentlichen Wahrnehmungen dominiert die Vorstellung eines akuten Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung. Die logische Schlussfolgerung erscheint dabei simpel: Stellenausbau als Lösung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine viel komplexere Realität. Der einfache Appell nach mehr Stellen erweist sich als zu oberflächlich, da er die Wurzeln des Problems unberücksichtigt lässt.

Der Unterschied zwischen Fachkräftemangel und -verlust in der Frühkindlichen Bildung

Warum eine nachhaltige Lösung mehr als nur einen Stellenausbau erfordert.

Die Debatte um Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung ist häufig von zwei Begriffen geprägt: Fachkräftemangel und -verlust. Doch zwischen dem schlichten Mangel an Arbeitskräften und dem tatsächlichen Abgang von Fachkräften aufgrund von Arbeitsbedingungen existieren entscheidende Unterschiede. Diese Begriffe umfassen nicht nur eine quantitative Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage nach Fachkräften, sondern auch qualitative Herausforderungen, die den Berufszweig prägen.

In vielen Diskussionen und öffentlichen Wahrnehmungen dominiert die Vorstellung eines akuten Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung. Die logische Schlussfolgerung erscheint dabei simpel: Stellenausbau als Lösung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine viel komplexere Realität. Der einfache Appell nach mehr Stellen erweist sich als zu oberflächlich, da er die eigentlichen Wurzeln des Problems unberücksichtigt lässt. Die Nuance zwischen den Begrifflichkeiten und die dementsprechend daraus unterschiedlich benötigten Lösungsansätzen werden oftmals nicht einmal politisch wahrgenommen, trotz vorliegender Zahlen und Fakten.

Der Fachkräftemangel beschreibt den quantitativen Aspekt, bei dem die Nachfrage nach ausgebildeten Fachkräften das vorhandene Angebot übersteigt. Dies resultiert in unbesetzten Stellen und kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, darunter niedrige Anreize, Ausbildungsmängel und demografische Veränderungen. Im Gegensatz dazu bezieht sich der Fachkräfteverlust auf qualitative Aspekte, die den Abgang erfahrener Fachkräfte aufgrund unzureichender Arbeitsbedingungen beschreiben. Dies führt zu hohen Fluktuationsraten, Burnout und Frustration in der Branche.

Die frühkindliche Bildung weist Zweierlei deutlich auf: einen Mangel an Arbeitskräften, sowie eine bedenkliche Fluktuation aufgrund unzureichender Arbeitsbedingungen. Und, während sich der Fachkräfteverlust und der Fachkräftemangel als zwei deutlich unterschiedliche Herausforderungen erweisen, die jeweils verschiedene Lösungsansätze erfordern, stimmen sie letztendlich doch in einem Punkt überein: Beide sind nicht durch einen simplen, großflächigen Stellenausbau zu lösen, wie es oft politisch angestrebt wird. Dieses Vorgehen gleicht dem Auftischen weiterer Schüsseln an einem Tisch, an dem ohnehin schon niemand Platz nehmen will, und selbst die gnädigsten Gourmets langsam gehen, weil das Essen schlichtweg nicht schmeckt. Es ergibt wenig Sinn, mehr Stellen zu schaffen, wenn die Arbeitsbedingungen und die Attraktivität des Berufs für potenzielle Fachkräfte nicht ansprechend sind. Die Herausforderung liegt somit nicht darin, dass es nicht genug Stellen gibt, sondern darin, dass die Bedingungen und Strukturen, die das Arbeitsumfeld formen, nicht attraktiv genug sind, um Fachkräfte langfristig zu halten oder neue anzuziehen.

“Dieses Vorgehen gleicht dem Auftischen weiterer Schüsseln an einem Tisch, an dem ohnehin schon niemand Platz nehmen will.”

Beinahe 3000 pädagogische Fachkräfte verlassen jährlich ihren Beruf. Fachkräfte, die dringend durch Neuzugänge besetzt werden müssten. Von den ca. 10.000 Auszubildenden, die sich heute für die dreijährige Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft entscheiden, tätigen jedoch, statistisch gesehen, lediglich etwa ein Viertel den Sprung in eine feste Anstellung in einer Kita. Diese Zahl verdeutlicht ein drängendes Problem: viele brechen die Ausbildung vorzeitig ab oder entscheiden sich nach Abschluss für einen anderen Karriereweg, haben sie doch aus erster Hand die Vielzahl von Herausforderungen erlebt, die mit dem Beruf einhergehen.Von jenen, die den Schritt in den Kita-Alltag wagen, tun viele dies zögerlich und mit Einschränkungen. Insbesondere die Work-Life-Balance erweist sich als schwer zu bewältigen, und viele sehen sich gezwungen, nur als Teilzeitkräfte tätig zu sein, um hier auch den eigenen Anforderungen gerecht zu werden.

Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass Personen, die in der frühkindlichen Bildung tätig sind, ihren Beruf einzig und allein aus tiefer Leidenschaft und Überzeugung wählen müssen. Diese Annahme wird oft mit dem Argument untermauert, dass die Liebe zur Arbeit und die Bedeutung des Berufs so groß sind, dass die Bezahlung oder die Konditionen letztendlich nicht ausschlaggebend sein können. Und es mag richtig sein, Stimmen aus den Kitas sind einhellig: Das Personal schätzt seine Arbeit, betont die Bedeutung des Austauschs mit den Kindern und empfindet tiefe Erfüllung in der Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit. Doch die Konditionen und Wertschätzungen finanzieller Art spielen in der Erfüllung ebenso eine zentrale Rolle, wie in jedem weiteren Berufsfeld auch. Es ist daher umso bedauerlicher zu sehen, dass Menschen, die sich aus persönlicher Überzeugung für eine berufliche Laufbahn entschieden haben, sich letztendlich gezwungen sehen, diesen Weg zu verlassen, aufgrund der Konditionen. Es ist nicht eine Frage des individuellen Engagements der Fachkräfte, sondern vielmehr ein strukturelles Problem, das dringend angegangen werden muss.

Trotz des immens wichtigen Bildungsauftrags, der die Kernkompetenzen der Kinder für ihr späteres Erwachsenenleben festlegt und fördert, wird die frühkindliche Bildung nach wie vor nicht in ihrer Bedeutung und Wichtigkeit ausreichend anerkannt. Dies spiegelt sich in den bestehenden Rahmenbedingungen wider, die weit hinter dem zurückbleiben, was erforderlich wäre, um eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zu gewährleisten. Um neue Fachkräfte zu generieren und Stellen nachhaltig zu besetzen benötigen wir einen Facettenreichen Lösungsansatz.

Diese Lösungsansätze zielen darauf ab, nicht nur den akuten Mangel an Fachkräften zu bekämpfen, sondern auch langfristig eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung sicherzustellen, die den Anforderungen und Bedürfnissen der Kinder gerecht wird.

Man sagt so schön; "Das Gegenteil von gut ist gutgemeint." Dieser Satz verdeutlicht, dass gutgemeinte Absichten nicht zwangsläufig zu effektiven Lösungen führen. Eine sinnvolle und gezielte Hilfestellung, die benötigt und erwünscht ist, erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den Betroffenen. Es ist unerlässlich zu verstehen, wie eine lösungsorientierte Hilfe für sie tatsächlich aussehen könnte, bevor Maßnahmen in einem gemeinsamen Verständnis angegangen werden. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die gebündelten Kräfte an den Stellen eingesetzt werden, die den dringendsten Bedarf haben. Politiker und Politikerinnen sollten verstärkt auf den Austausch mit den direkten Akteuren der frühkindlichen Bildung setzen, um offene Dialoge proaktiv zu fördern und ihre Erfahrungen, Daten und Erkenntnisse in Entscheidungsprozesse miteinfließen zu lassen. Der KitaGipfel bietet genau diese Möglichkeit. Er kann dazu beitragen, bestehende Missstände zu korrigieren und die Schritte zu setzen, die wir benötigen, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen: eine deutliche Verbesserung der frühkindlichen Bildungslandschaft - mit pädagogischen Fachkräften, die nicht nur gerne in diesem Berufsfeld tätig sind, sondern vor allem; langfristig bleiben möchten.

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Bundesverwaltungsgericht entscheidet über Zuzahlungsbegrenzung von freiwilligen Elternbeiträgen

Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht über einen bedeutsamen Fall verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf.

Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht (BVG) über einen bedeutsamen Fall (verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen der Eltern, zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf. Sie thematisiert, ob sie gegen die Diversität der pädagogischen Angebote freier Träger verstößt und gleichzeitig das elterliche Recht auf Wahlfreiheit in unzulässiger Weise einschränkt.

Wie kam es zu dem Entscheid der Einschränkungen?

Die aktuelle Rechtsverordnung zur Finanzierung der Tagesbetreuung (RVTag) wurde im Jahr 2018 im Land Berlin eingeführt. Eine der zentralen Regelungen dieser Verordnung betrifft Eltern, die ihre Kinder in Kindertagesstätten betreuen lassen. Diese Eltern können freiwillige Beiträge leisten, die oftmals dazu verwendet werden, die Qualität der Betreuungseinrichtungen zu steigern oder zusätzliche Leistungen für ihre Kinder zu finanzieren. Im Rahmen dieser Verordnung führte die RVTag auch eine Zuzahlungsbegrenzung für diese Elternbeiträge ein. Diese Begrenzung setzt die Höchstgrenze auf 90 Euro pro Kind fest. Im Sinne der Gleichberechtigung einkommensschwacher Familien, kann dieser Elternbeitrag im Bedarfsfall vom Staat unterstützt werden, um sicherzustellen, dass diese nicht unverhältnismäßig belastet werden und gleichen Zugang zu den Betreuungsangeboten erhalten.

Genannte Gründe, für die Einführung dieser Begrenzung waren:

1. Soziale Gerechtigkeit: Die Begrenzung soll sicherstellen, dass alle Eltern Zugang zu qualitativ hochwertigen Betreuungseinrichtungen haben, unabhängig von ihrem Einkommen.

2. Vermeidung sozialer Ungleichheit: Ohne Begrenzung könnten einkommensstarke Eltern erheblich höhere Beiträge leisten und ihren Kindern somit ein deutlich anderes Bildungsfeld bieten, als sozial schwache Eltern. Dies würde zu sozialer Ungleichheit führen können.

3. Schutz einkommensschwacher Familien: Die Begrenzung dient dazu, einkommensschwache Familien vor übermäßigen finanziellen Belastungen zu schützen.

Es ist von entscheidender Bedeutung zu unterstreichen, dass die festgelegte Obergrenze von 90 Euro weder auf der Grundlage offizieller Statistiken noch auf belastbaren Zahlen beruht. Darüber hinaus wurde diese Grenze nicht im Rahmen eines gemeinsamen Konsenses mit den Trägern erarbeitet, obwohl dies zu Beginn der Diskussion als unerlässlicher Bestandteil für die Ermittlung einer realistischen Obergrenze angesehen wurde. Dieser Punkt ist von grundlegender Wichtigkeit und ein zentraler Anklagepunkt.

Desweiteren ist dieser willkürlich wirkende Betrag von 90 Euro seit seiner erstmaligen Einführung im Jahr 2018 unverändert geblieben, obwohl sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren erheblich verändert hat.


Die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht:

Das Ablehnen eines offenen Dialoges mit den Trägern, bei der Ermittlung einer realistischen Obergrenze, hat gravierende Folgen mit sich gezogen, welche Schlussendlich zu einer Klage geführt haben:

Einige freie Träger und Elterngruppen haben gegen diese Begrenzung geklagt. Sie argumentieren, dass die Zuzahlungsbegrenzung die Pluralität und Angebotsvielfalt freier Träger einschränkt. Freie Träger bieten oft spezialisierte Dienstleistungen und pädagogische Ansätze an, die von Eltern geschätzt werden, aber zusätzliche Kosten verursachen. Durch die Begrenzung der Elternbeiträge würden diese Einrichtungen finanziell benachteiligt und könnten möglicherweise gezwungen sein, ihre Angebote zu reduzieren oder gar zu schließen. Dies, so die Kläger, verletze das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, die für die bestmögliche Betreuung ihrer Kinder bezahlen möchten.

Einige, weitere Risiken, die im Zuge der Zuzahlungsbegrenzung der Elternbeiträge entstehen können:

1. Qualitätsverlust bei der Bildungsarbeit: Die Begrenzung der Elternbeiträge kann die Qualität und den Umfang der Bildungsarbeit der Betreuungseinrichtungen gefährden, da sie weniger finanzielle Mittel für Personal und Bildungsmaterialien für die Zusatzleistungen zur Verfügung haben.

2. Mangelnde Anpassungsfähigkeit an steigende Kosten: Die Inflation und steigende Betriebskosten führen oftmals dazu, dass Einrichtungen Schwierigkeiten haben, mit den finanziellen Belastungen Schritt zu halten. Hier gibt es keinerlei privaten Entwicklungsrahmen, um dem entgegenzuwirken. Die Konsequenzen, wenn nicht politisch rechtzeitig bedacht und behoben, sind dementsprechend nicht beeinflussbar. Rahmenbedingungen vor Ort, wie beispielsweise das Betreuungs- & Bildungsangebot oder die Lebensmittelqualität, können sich verschlechtern, ohne die Möglichkeit hier zu agieren.

3. Einschränkung der Angebotsvielfalt: Die Begrenzung der Zuzahlungen kann auch dazu führen, dass Betreuungseinrichtungen ihre Angebotsvielfalt reduzieren, spezialisierte Dienstleistungen einstellen müssen, oder sich hier nicht entsprechend weiterentwickeln können.

Die Perspektive unseres Verbandes:

Der VKMK (Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger) sieht die Zuzahlungsbegrenzung als eine Belastung für seine Mitglieder. Obgleich es Gründe gibt, die für diese Begrenzung sprechen, ist es von absoluter Wichtigkeit, dass diese ausreichend beleuchtet und an die aktuellen (insbesondere auch wirtschaftlichen) Herausforderungen angepasst wird. Ein Grundgedanke, geboren in der Idee,Chancengerechtigkeit bereits im Kita-Alter etablieren zu können, sollte nicht in einer Einschränkung oder gar erheblicher Reduzierung der Qualität in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen münden, da sie nicht ausreichend an den realen Ist-Zustand angeglichen ist oder wird.

Es ist von großer Bedeutung zu unterstreichen, dass unser Verband von Anfang an nicht als Fachverband angehört und in die damalige Diskussion mit einbezogen wurden, aufgrund von Entscheidungen des SenBJF, die auf die Initiative der damaligen StS und Senatorin zurückzuführen sind. Bereits zu dieser Zeit haben wir die Unklarheiten und die Rechtfertigung dieses Vorgehens in Frage gestellt und die Entscheidung angezweifelt.

Wir benötigen finanzielle Flexibiltät und Anpassungsfähigkeit, in einer Zeit, die eben dies immer wieder deutlich einfordert. Innovative pädagogische Ansätze, spezielle Betreuungsmodelle oder die bloße Angleichung an die wirtschaftliche Lage, können nicht (über)leben, in einem festgefahrenen, limitierten Rahmen, der keine Entwicklungsmöglichkeiten bietet - oder denen erst sehr zögerlich nachkommen kann.

Die damalig festgelegten 90 Euro, wirkten, ohne untermauernde Beispiele und Zahlen, willkürlich und hätten im Konstrukt Flexibilität bieten müssen, um sich den wachsenden Herausforderungen anpassen zu dürfen, oder hier Adjustierungen vornehmen zu können.

Wir haben dieses Thema diverse Male bereits journalistisch aufgearbeitet. In den folgenden Artikeln, können die mannigfaltigen Herausforderungen der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, die unter anderem beinflusst sind durch eben diese Zuzahlungsbegrenzung, noch einmal aufgearbeitet betrachten.

Ungesundes Essen - oder leere Teller?
Und dann ist der kollaps da


Wir hoffen, dass das Bundesverwaltungsgericht die verschiedenen Interessen und Herausforderungen sorgfältig abwägen wird, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen, welche die Qualität in der frühkindlichen Bildung voranbringen kann.

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Berlin sucht schlaue Leute! Wir suchen sogar (noch) mehr als das.

Am 14. Oktober 2023 wird in Berlin der Berlintag stattfinden – Deutschlands größte Berufs- und Informationsmesse im Bildungsbereich. Unter dem Motto "Berlin sucht schlaue Leute! Für Schulen, Kitas und Jugendämter!" soll die dringende Notwendigkeit einer gestärkten frühkindlichen Bildung und die akute Knappheit pädagogischer Fachkräfte ins Rampenlicht gerückt werden. Und während wir absolut zustimmen; Berlin braucht schlaue, qualifizierte pädagogische Fachkräfte. So möchten wir diesen Satz gerne erweitern: Berlin braucht (mehr) schlaue, empathische und begeisterte pädagogische Fachkräfte. Und die gilt es zu generieren.

Am 14. Oktober 2023 wird in Berlin der Berlintag stattfinden – Deutschlands größte Berufs- und Informationsmesse im Bildungsbereich. Unter dem Motto "Berlin sucht schlaue Leute! Für Schulen, Kitas und Jugendämter!" soll die dringende Notwendigkeit einer gestärkten frühkindlichen Bildung und die akute Knappheit pädagogischer Fachkräfte in das Rampenlicht gerückt werden.

Und während wir absolut zustimmen; Berlin braucht schlaue, qualifizierte pädagogische Fachkräfte. So möchten wir diesen Satz gerne erweitern: Berlin braucht (mehr) schlaue, empathische und begeisterte pädagogische Fachkräfte. Und die gilt es zu generieren.

Der Beruf der pädagogischen Fachkraft im Bereich frühkindliche Bildung vereinigt diverse Facetten, die uns als Gesellschaft im Allgemeinen prägen und bewegen. Knapp 731.000 pädagogische Fachkräfte sind im Großraum Deutschland tätig. Eine Zahl, die beinahe deckend ist, mit der der deutschen Automobilindustrie. Und während die einen Schrauben, Stellen, Weichen, um uns als Personen auch künftig sicher von A nach B zu bringen - so arbeiten die pädagogischen Fachkräfte an ebensolchen Zielen: dem Weiterkommen, als Gesellschaft und dem Fortbewegen in eine bessere Zukunft.

Trotz dieser beachtlichen Anzahl ist der Erziehermangel nicht nur in Berlin, sondern auch bundesweit eine der größten Herausforderungen. Um diesem gravierenden Problem zu begegnen, arbeitet Berlin daran, das Berufsfeld der pädagogischen Fachkräfte attraktiver zu gestalten und innovative Konzepte zur Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams zu entwickeln. Der Berliner Senat hat bereits diverse Initiativen ins Leben gerufen, um Absolventen und Quereinsteiger:innen für den Kita-Bereich zu gewinnen und die Aus- und Weiterbildung zu optimieren. Schon Schüler und Schülerinnen werden Berufspraktika angeboten, um ihre Begeisterung für den pädagogischen Bereich zu wecken. Mit dem Kita-Qualitätsgesetz stehen in den nächsten zwei Jahren 173 Millionen Euro vom Bund zur Verfügung. Die Schwerpunkte des Gesetzes liegen auf der Integration von Kindern mit Behinderungen, der Unterstützung der Fachkräfte durch Fachberatung, der Stärkung der Kindertagespflege und der Einführung unterstützender Digitalisierung in den Einrichtungen.

Wir sehen; es tut sich etwas in Berlin. Der Berlintag wird daher nicht nur dafür genutzt werden, dieses interessante, spannende Berufsfeld vorzustellen, sondern auch die Augen zu öffnen, für die vielen Weiterentwicklungsmöglichkeiten, die in diesem Feld gerade stattfinden und sich den pädagogischen Fachkräften somit ebenfalls bieten.

Wir vom VKMK sind stets im regen Austausch mit unseren Mitgliedern. Diese zahlreichen, fokussierten Gespräche zur Identifizierung von Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich frühkindliche Bildung, halten vor Allem aber auch weiteres bereit: aktive Dialog darüber, was die Pädagoginnen und Pädagogen dazu bewegt hat, sich für diesen Berufsweg zu entscheiden und mit Leidenschaft dabei zu bleiben. Hierzu gehören unter anderem:

1. Die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten: Pädagogische Fachkräfte legen das Fundament für die Gesellschaft von morgen. In Kindertagesstätten werden nicht nur sprachliche und kognitive Fähigkeiten gefördert, sondern auch wichtige soziale Kompetenzen wie emotionale Intelligenz, Empathie, Rücksichtnahme und Toleranz. Dies ist in einer schnelllebigen und sich stark verändernden Zeit von unschätzbarem Wert.

2. Vielfältige Aufgaben: Der Beruf bietet eine äußerst abwechslungsreiche und spannende Tätigkeit. Pädagogische Fachkräfte haben die einzigartige Möglichkeit, die Entwicklung und das Lernen von Kindern in den ersten Lebensjahren zu begleiten und zu fördern. Kein Tag gleicht dem anderen, und die Arbeit ist voller Überraschungen und Erfahrungen.

3. Persönliche Erfüllung: Pädagogische Fachkräfte erleben oft tiefe Befriedigung, wenn sie sehen, wie sich Kinder in ihrer Obhut entwickeln, lernen und glücklich sind. Die Arbeit kann außerordentlich erfüllend sein und positive Auswirkungen auf das Leben der Kinder haben.

4. Arbeit in einem sozialen Umfeld: Das Arbeiten in einer Gemeinschaft, sei es mit Kollegen, anderen Fachleuten oder Eltern, trägt zur Zufriedenheit der Pädagoginnen bei.

5. Das Gefühl, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten: Die Erkenntnis, dass ihre Arbeit dazu beiträgt, die Gesellschaft positiv zu gestalten, macht Pädagoginnen besonders glücklich und erfüllt.

6. Empfangene Wertschätzung: Pädagoginnen schätzen die Anerkennung und Wertschätzung, die sie von Kindern, Eltern und der Gesellschaft für ihre wichtige Arbeit erhalten. Dies verstärkt ihr Glücksgefühl und ihre Motivation.

Pädagogische Fachkräfte sind die Wegbereiter der Zukunft und spielen eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft. Sie gestalten die berufliche Entwicklung der kommenden Generation und vermitteln den Kindern Kernkompetenzen, die für die Arbeitswelt von morgen von entscheidender Bedeutung sind.

Diese Kernkompetenzen umfassen soziale Fähigkeiten wie Teamarbeit, Kommunikation, Konfliktlösung und Empathie, die in nahezu jedem Beruf von großer Bedeutung sind. Darüber hinaus fördern Pädagoginnen und Pädagogen die gezielte Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten, die eine klare Kommunikation in fast jedem Berufsfeld erfordert. Sie legen den Grundstein für lebenslanges Lernen und Problemlösungsfähigkeiten, indem sie die geistige Anregung in den Kitas fördern. Die Fähigkeit zur Selbstregulation und emotionale Intelligenz sind weitere Schlüsselkompetenzen, die in der Arbeitswelt von großer Bedeutung sind und von Pädagoginnen und Pädagogen gelehrt werden. Schließlich fördern sie Kreativität und künstlerische Fähigkeiten, die in vielen kreativen Berufen von großem Nutzen sind.

Doch die Arbeit von Pädagoginnen und Pädagogen geht über die bloße Vermittlung beruflicher Kompetenzen hinaus. Sie gestalten sie viel eher die Gesellschaft im Kern, indem sie nicht nur Wissen, sondern auch grundlegende Werte und Fähigkeiten vermitteln, die für das Zusammenleben und den Erfolg einer Gemeinschaft von größter Bedeutung sind. Pädagoginnen und Pädagogen fördern Schlüsselqualifikationen wie soziale Kompetenz, Toleranz, Empathie, Rücksichtnahme und den respektvollen Umgang miteinander. Diese Werte und Fähigkeiten sind in einer sich ständig wandelnden und vielfältigen Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Pädagoginnen und Pädagogen sind somit nicht nur Architekten individuellen Erfolgs, sondern auch Mitgestalter einer Gesellschaft, in der Wertschätzung und gegenseitiger Respekt tragende Säulen sind. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert und trägt dazu bei, eine bessere und harmonischere Gesellschaft zu formen.

Wir sehen mit großer Vorfreude dem diesjährigen Berlintag entgegen, der uns die Gelegenheit bietet, dieses faszinierende und erfüllende Berufsfeld der frühkindlichen Bildung zu präsentieren. Wir hoffen, dass dieser besondere Tag nicht nur diejenigen, die bereits in diesem Bereich tätig sind, inspiriert und stärkt, sondern auch die Türen für noch mehr Menschen öffnet. Wir vom VKMK und einige unserer Mitglieder werden an diesem Tag selbstverständlich anwesend sein und freuen uns auf offene, interessierte Dialoge und einen guten Austausch.

Unsere Hoffnung ist, dass der Berlintag dazu beiträgt, Leidenschaft für die frühkindliche Bildung zu entfachen und noch mehr großartige Fachkräfte dazu bewegt, ihre Passion in diesem bedeutungsvollen Bereich zu finden. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft und legen das Fundament für eine bessere Gesellschaft. Dieses beginnt bereits in der Wiege. Es beginnt in der frühkindlichen Pädagogik.

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Im Wandel der Zeit: Wieso Übergriffe in Kitas in der Vergangenheit oft unbemerkt blieben.

In den deutschen Medien ist ein brisantes Thema in den Fokus gerückt: Übergriffe in frühkindlichen Bildungsinstitutionen. Die Statistiken und die aktuelle mediale Behandlung könnten auf den ersten Blick alarmierend wirken und den Eindruck eines Anstiegs von Übergriffen erwecken. Doch dies wäre ein Trugschluss.

In den deutschen Medien ist ein brisantes Thema in den Fokus gerückt: Übergriffe in frühkindlichen Bildungsinstitutionen. Die Statistiken und die aktuelle mediale Behandlung könnten auf den ersten Blick alarmierend wirken und den Eindruck eines Anstiegs von Übergriffen erwecken. Doch dies wäre ein Trugschluss.

Unsere Gesellschaft hat zweifellos ein gesteigertes Bewusstsein für Übergriffe entwickelt, welches sich deutlich in den aktuellen Statistiken widerspiegelt. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Behandlung dieser Thematik nicht isoliert, sondern im Kontext des gesellschaftlichen Wandels erfolgen muss. Viele Vorfälle, die heutzutage erkannt, behandelt und festgehalten werden, hätte man vor noch 50 Jahren als Dunkelziffer erahnen müssen.

Der Gedanke, dass "früher alles besser war", entspringt nicht selten einer unzureichenden Berücksichtigung zahlreicher marginalisierter Gruppen, die in der Vergangenheit nicht die angemessene Aufmerksamkeit ihrer alltäglich erlebten Herausforderungen erhielten. Unter diesen Gruppen befinden sich zweifellos auch Kinder, und die oftmals erlebten Situationen in Kindertagesstätten und Schulen, die unter der heutigen Betrachtung abwegig erscheinen. Viele Vorfälle von Übergriffen - emotionaler, körperlicher oder sexueller Art - blieben in der Vergangenheit oftmals unbemerkt oder unbehandelt. Die Gründe hierfür sind meist im gesellschaftlichen Kontext verankert:

  1. Tabuisierung: Kindesmissbrauch war ein tabuisiertes Thema, das oft im Verborgenen blieb. Familien und Gemeinschaften zögerten, solche Vorfälle zu melden oder darüber zu sprechen, aus Angst vor sozialer Stigmatisierung oder Repressalien. Dies führte nicht selten zu:

  2. Bagatellisierung: In einigen Fällen wurde Kindesmissbrauch von Erwachsenen in Machtpositionen oder sogar von Mitgliedern der eigenen Familie ignoriert oder bagatellisiert. Kinder hatten somit oftmals wenig Chancen, Gehör zu finden.

  3. Mangel an Unterstützungssystemen: Es gab weniger Unterstützungssysteme und Ressourcen für die Opfer von Kindesmissbrauch, sowie deren Angehörige. Es fehlten Schutzdienste, Beratungsdienste und spezialisierte Organisationen, um Kindern und ihren Familien zu helfen.

  4. Rechtliche Schwächen: Die rechtlichen Instrumente zum Schutz von Kindern vor Missbrauch waren oft weniger entwickelt und weniger wirksam. Die rechtlichen Anforderungen an Kindertageseinrichtungen, sowie die Schulungen der Fachkräfte oblagen anderen Grundvorraussetzungen, als heute. Konzepte zum Schutz von Kindern- und Jugendlichen in Einrichtungen (gemäß §§ 45, 79a SGB VIII), sind beispielsweise erst seit dem 1. Januar 2012 gesetzlich vorgeschrieben.

Trotz der zutiefst erschütternden Natur eines jeden Vorfalls und der unbestreitbaren Tatsache, dass die betroffenen Kinder und Angehörigen unser Mitgefühl und unsere Empathie in höchstem Maße verdienen, ist es essenziell, dass wir in dieser Situation nicht übersehen; dass die Vorfälle nunmehr erkannt, gebührend behandelt und auf gesellschaftlicher Ebene zur Diskussion gestellt werden – ein Fortschritt, der Hoffnung erwecken kann, jedoch medial oftmals untergeht.

Reißerische Überschriften und die Instrumentalisierung der Schicksale, um eine möglichst breite Leserschaft anzuziehen, sind bedauerlicherweise ein Phänomen der heutigen Zeit, welches oftmals für eine Mischung aus Entsetzen und Fassungslosigkeit sorgt. Diese Schlagzeilen dominieren nicht nur die Nachrichten, sondern auch die sozialen Medien, und sie scheinen bewusst auf eine beunruhigende Zunahme von Kindesmissbrauchsfällen anzudeuten. Jedoch ist es von entscheidender Bedeutung, hinter diese Schlagzeilen zu blicken, den Kern der Problematik zu erfassen und die Thematik in den gesellschaftlichen Kontext einzuarbeiten. Die vermehrte Berichterstattung über Übergriffe gegen Kinder ist in erster Linie ein Spiegelbild einer sich verändernden Gesellschaft, die endlich beginnt, diese dunkle Realität anzuerkennen und ihr entgegenzutreten.



Dieser Wandel ist ein Resultat eines breiteren gesellschaftlichen Bewusstseins:

  1. Sensibilisierung und Bildung: Es gibt ein breiteres Bewusstsein für die Auswirkungen von Kindesmissbrauch und eine verstärkte Aufklärung in Schulen, Gemeinden und Medien über die Erkennung und Prävention dessen. Fachkräfte durchlaufen heutzutage andere Bildungs- und Weiterbildungskonzepte, die sich mit dieser Thematik tiefgreifend auseinandersetzen.

  2. Stärkere Gesetze: Die Gesetze zum Schutz von Kindern vor Missbrauch wurden in vielen Ländern verschärft, und die Strafverfolgung von Tätern wurde verbessert. Konzepte zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen Deutschlands (gemäß §§ 45, 79a SGB VIII), sind beispielsweise seit dem 1. Januar 2012 gesetzlich vorgeschrieben. Dies hat selbsterklärend eine neue Form von Bildung und Aufklärung in diesem Bereichen mitsichgebracht. Die Sensibilisierung zu diesem Thema hat stark zugenommen und das Erkennen von Vorfällen hat hierdurch stark zugenommen.

  3. Kinderschutzorganisationen: Diverse Organisationen und Schutzdienste sorgen für breitere Aufklärungsarbeiten und stellen Hilfe dar, für Kinder und ihre Familien.

  4. Offenere Diskussion: Die Gesellschaft ist offener und sensibilisierter für Diskussionen über Missbrauch, und es gibt eine größere Bereitschaft, solche Vorfälle zu melden und die Opfer zu unterstützen, sowie gegen Täter:innen vorzugehen.


Wenn wir über die vermehrten Fälle an Übergriffen berichten, müssen wir gleichsam bedenken, dass eben diese Fälle, in der Vergangenheit oftmals nur als Dunkelziffer hätten erahnt werden können.


Die aktuelle Aufmerksamkeit für dieses bedeutsame Thema sollte als Anreiz dienen, proaktive Maßnahmen zu ergreifen. Eine wichtige Komponente hier, ist die Aufklärungsarbeit, die darauf abzielt, sowohl pädagogische Fachkräfte als auch betroffene Familien noch stärker zu sensibilisieren und mit noch umfassenderen Leitlinien auszustatten, sowie Rahmenbedingungen zu kreieren, die ein frühzeitiges Erkennen von eventuellen Übergriffen, deutlich erleichtern. Und, wenngleich es von essenzieller Wichtigkeit ist und einen integralen Bestandteil der Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung dieser Thematik darstellt, diese medial ebenfalls wiederzugeben, sollte dies auf eine Art und Weise erfolgen, die ohne panikmachende Ansätze auskommt und nicht allgemeine Sorgen und Ängste der Eltern und Erziehungsberechtigten auslöst, im Bezug des Wohlergehens ihrer Kinder, in frühkindlichen Institutionen. Wir möchten entschieden betonen, dass wir uns von dieser Art des Journalismus und der sensationellen Darstellung dieses Themas distanzieren. Wir möchten uns als Teil der Lösung verstehen, und dafür bedarf es intensiver Recherchen und wohlüberlegter Worte.

In den vergangenen Wochen haben wir daher Artikel veröffentlicht, die sich eingehend mit dem frühzeitigen Erkennen von Übergriffen bei Kleinkindern, inbesondere im non-verbealen Altersabschnitt, befassen. In diesen Beiträgen haben wir uns mit den diversen Anzeichen auseinandergesetzt, die nicht nur seitens des pädagogischen Fachpersonals, sondern auch innerhalb der Familie ermittelt werden können und sollten.

Desweiteren haben wir einen umfassenden Leitfaden erarbeitet, der detaillierte Schritte enthält, die ergriffen werden können, wenn der Verdacht auf solche Vorfälle besteht, und wie man in Fällen, in denen diese Befürchtungen bestätigt werden, angemessen vorgeht. Wir sind fest davon überzeugt, dass Aufklärung und die Bereitstellung von Ressourcen zur Prävention und Unterstützung von Familien ein wichtiger Schritt in Richtung einer sichereren und gesünderen Gesellschaft sind, die unseren Kindern mehr Schutz bieten kann und wird.

Wir ermutigen Medien und relevante Akteure im Bereich der frühkindlichen Bildung, sich unserer Aufklärungsarbeit anzuschließen und konstruktiv beizutragen.

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Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. - Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Lisa Henriette Huber, Referentin Presse- & Öffentlichkeitsarbeit & Lars Békési, Geschäftsführer,
 Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e.V.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. An diesem Montag hat die amtierende Jugendsenatorin (SPD) wiederholt bewiesen, dass es großen Bedarf an neuen Impulsen gibt, für zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Bereich der Freien Träger. Und während Berlin sich bisher sehr zurückhaltend äußerte und den großen Personalmangel eher vorsichtig und meist negierend thematisierte, so gab es dieses Mal, von Senat eine doch sehr überraschend ehrliche Antwort: Nach einer schriftliche Anfrage vom VKMK an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, um Antworten auf künftige Maßnahmen bezüglich der fortlaufenden Unterbesetzung zu suchen, erhielten wir erstmals eingestehende Worte: 

“Dem Senat ist bewusst, dass Phasen der Über- und Unterschreitung des Personalschlüssels systembedingt sind. Im Falle anhaltender Personalunterschreitungen sind jedoch die Kitaträger gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. (...)”

Und, wenngleich es beinahe tröstend ist, die lang ersehnte, wenn auch noch milde formulierte Anerkennung dessen zu erhalten, was wir seit langem als Realität wahrnehmen, so sieht man doch wieder dasselbe, alte Problem, das schon seit Jahren zu keiner gewinnbringenden Lösung führt:

Die Weitergabe der Verantwortlichkeit für das Suchen und Finden einer Lösung. 

Ein strukturell abgebauter und systematisch unterfinanzierter Sektor bricht zusammen und die Symptomatiken, die hierbei selbsterklärend zum Vorschein treten, sollen von den Betroffenen – ohne ausreichend finanzieller Mittel - selbst bekämpft werden. Wir blicken seit Jahren, bei einem wachsenden System, in sich immer weiter leerende Finanzierungstöpfe, die immer größeres Wachstum an Abgängen von qualifizierten Pädagog:innen verursachen und zu immer mehr schrumpfenden Bewerbungszahlen für neue Auszubildende führen. Ein Strudel, der die Qualität der pädagogischen Arbeit seit Jahren in die Tiefe saugt. Wer heute noch Pädagog:in werden möchte, muss Überbelastung und Unterfinanzierung im großen Stil erwarten.  

Dieser Alltag spiegelt keine Ausnahme, sondern die Regel wider. Und selbst wenn hochmotivierte Kräfte an der Tür klopfen und sich dem Dilemma annehmen möchten, so müssen sich immer mehr Kitas Berlins eingestehen: "Die Gelder für Personal sind schlichtweg nicht da.”  Wir sind über “Bitten” und “Wünschen” schon lange hinaus. Es wird Zeit, dass die klaren Formulierungen an Bedarf von den Kitas endlich Gehör finden und Handlungen und Verantwortungsübernahme stattfinden - seitens der Politik.

“Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer.”

Das System, wie es bis heute umgesetzt wurde, ist nicht zukunftsfähig. Statt Kitaplatz Ausbau zu betreiben, wie es momentan dringend und zwingend nötig wäre, finden wir uns in einer Reduktion der Berliner Kitas wieder, da ein Verkleinern auf Grund von finanziellen Zusatzbelastungen und dem massiven Personalmangel für viele unumgänglich geworden ist.  Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer und sorgen hier für mannigfaltige Probleme, die wir gesellschaftlich in die Zukunft tragen.  Diese Kinder von heute, denen es in den Kitas an Raum und Platz und Entfaltungsmöglichkeiten mangelt, um die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben, die es im späteren Alter bedarf, sind die Erwachsenen von Morgen. Die Erwachsenen, die unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes lenken und formen werden.

Es wird Zeit, dass sich die Koalitionäre des neuen Senates ihrer Verantwortung dieser Zukunft bewusst werden - und handeln.  

 

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Warme Worte statt finanzieller Mittel

Ein Bereich, der seit Jahren systematisch tot gespart wurde, ist nun am
Ende seiner Kapazität angekommen. Warme Worte und Augenverschließen an dieser Stelle bringen fatale Zukunftsperspektiven mit sich, nicht nur für die Kinder, sondern für uns alle. Um dies zu umgehen, fordern wir ein Zukunftssicherungsprogramm.

Genug geredet. Wo bleiben die Taten?

Wir erinnern uns an den Beginn der Corona-Pandemie; der Notstand
des Pflege,- und Gesundheitspersonals wurde der Allgemeinbevölkerung noch nie so deutlich widergespiegelt, wie damals, als es für die eigene Person relevant wurde.

Es müsse etwas geändert werden, und zwar schnell. Das Thema wurde
groß. Von den Dächern wurde gejubelt und geklatscht, als Dank an das Personal, dessen tägliche Arbeitsleistung viel mehr einer unterbezahlten Aufopferung gleicht.
Und dann? Der Jubel wurde leiser. Das Klatschen ward immer seltener und schließlich gar nicht mehr wahrzunehmen und irgendwann wurde das Thema beiseite gelegt und begraben, noch bevor eine ansatzweise adäquate Lösung gefunden wurde. Es gab neue Themen, die in den Vordergrund gerückt sind.


Der Notstand im Gesundheitssystem ist nach, wie vor, existent.
Nur nicht mehr in den Köpfen derer, die nicht akut davon betroffen sind.

Ähnlich ist es mit der Unterstützung der Kitaträger Berlin.
Es handelt sich hier schon lange nicht mehr um eine komplizierte Lage, die mit etwas Geschick lösbar wäre. Es ist auch das ungeliebte Kind des amtierenden Rot-Grünen Senates. Das Thema, das oftmals nicht einmal mehr Beachtung findet und in vielen Sitzungen sogar unerwähnt bleibt. Vielleicht, weil die
Betroffenen selber wissen; uns sind die Lösungen ausgegangen.

Ein Bereich, der seit Jahren systematisch tot gespart wurde, ist nun am Ende seiner Kapazität angekommen.

Man kann nicht mehr temporär in die Gelder des einen Topfes greifen, um akute Bredouillen zu überstehen; denn die Töpfe sind leer.

Auch hier, wurde zu Beginn der Corona-Pandemie endlich die benötige Aufmerksamkeit generiert und der Gesellschaft fiel stirnrunzelnd auf, dass es zu wenig Räumlichkeiten gibt, zu wenig Personal, zu wenig finanzielle Mittel. Und obwohl es hier nicht zu Applaus und großen Danksagungen an die Kindertagesstätten kam, so kam es zumindest zu einer neuen Beachtung und Priorisierung, auch auf politischer Ebene.

Es solle sich etwas ändern; Gelder müssen beschaffen und neu verteilt werden. Auch hier; warme Worte. An diese Worte haben sich die Kitaträger
verzweifelt gehalten. Schliesslich gaben sie Hoffnung. Diese Hoffnung wich nun der kalten Realität: Der Senat hat beschlossen, die Kitaträger in Berlin vorerst nicht bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Vielmehr lässt man sie mit den enormen Kostenexplosionen alleine, auf sich gestellt.

Die Haushaltsgelder hier würden nicht einmal an die aktuell stark angestiegenen Inflationsrate angeglichen werden. Während Unterstützungen im Fern,- oder Nahverkehr generiert werden, findet keine Unterstützung vor Ort, in Berlin, bei der Generation statt, die unser Zukunftsträger ist.

Die Kitaträger stehen vor einer inflationären und strukturellen Mehrbelastung bei 0 Euro Zuschuss.


Wie soll frühkindliche Bildung funktionieren, geschweige denn erfolgreich umgesetzt werden, wenn die finanziellen Mittel hierfür einfach nicht zur Verfügung gestellt werden?

Wie soll man Kindern ausreichend Zukunftsperspektiven und Entwicklungschancen geben, wenn wir nicht einmal beantworten können, wie wir alle ausreichend sättigen können, mit viel zu wenig Verpflegungsgeld?

Wie sollen wir Bildung fördern können, mit viel zu wenig Personal?
Und wie sollen wir qualifiziertes Personal langfristig halten können, wenn ihre Perspektiven Überbelastung und Unterbezahlung sind?

Viel zu lange schon wird den Kitaträgern nichts als warme Worte angeboten.
Wir fordern, dass endlich Taten folgen.

Die Kinder von heute sind die Zukunft von morgen. Und deren Entwicklungs,- und Entfaltungsmöglichkeiten, werden uns spätestens dann in der eigenen Realität einholen, wenn sie zu der nächsten aktiven steuerpflichtigen Generation herangewachsen sind. Warme Worte und Augenverschließen an dieser Stelle bringen fatale Zukunftsperspektiven mit sich, nicht nur für die Kinder, sondern für uns alle.


Um dies zu umgehen, fordern wir ein Zukunftssicherungsprogramm.


Die Kitaträger müssen endlich die benötigte finanzielle Förderung
erhalten, die ihnen schon lange versprochen wurde.

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