Brand vor Berliner Kita: Rauch, Ruß und die Sorge um das Wohl der Kinder
Am 21.05.2025 geriet in Berlin Oberschöneweide direkt vor einer Kita ein parkendes Auto in Brand. Die Flammen griffen auf ein weiteres Fahrzeug sowie drei umstehende Bäume über. Die Brandursache ist bislang unklar - die Folgen für die Kita jedoch erheblich.
Am 21.05.2025 geriet in Berlin Oberschöneweide direkt vor einer Kita ein parkendes Auto in Brand. Die Flammen griffen auf ein weiteres Fahrzeug sowie drei umstehende Bäume über. Die Brandursache ist bislang unklar - die Folgen für die Kita jedoch erheblich.
Betroffen ist eine Kita des Trägers Berliner Traumzauberland, Mitglied im VKMK - Der Kitaverband. Durch geöffnete Fenster drangen Rauch und Ruß in die Innenräume der Kita. Zwar gab es keine Verletzte, doch die Sorgen sind dennoch groß: “Wir machen uns natürlich Gedanken um das gesundheitliche Wohlbefinden der Kinder sowie unserer Kolleginnen und Kollegen, da nach wie vor die Gefahr besteht, Schadstoffe, ausgelöst durch den Brand, einzuatmen und gesundheitliche Folgen wie Husten, Reizungen im Hals oder belegte Schleimhäute davonzutragen.” erklärt Ulli Pietsch, Leiterin der Kita.
Auch psychisch belastet das Ereignis Kinder wie Fachkräfte: “Wir spüren eine hohe psychische Anspannung. Viele Fragen sind noch offen und es herrscht Verunsicherung. Viele Kinder haben das Erlebte noch nicht vollständig verarbeitet - das Thema beschäftigt sie emotional sehr. Um diese Eindrücke aufzuarbeiten, ist intensive pädagogische Begleitung notwendig. Wir begleiten sie sensibel, stärken ihr Sicherheitsgefühl und geben Raum für Fragen, Sorgen und Gesprächen.” so Frau Pietsch weiter.
Die Räume der Kita waren in der Folge zunächst nicht mehr nutzbar. Am Tag des Brandes musste der Betrieb kurzfristig in den Garten verlegt werden, anschließend blieb die Einrichtung für fünf Tage - drei Werktage und das folgende Wochenende - geschlossen. Inzwischen ist die Kita wieder geöffnet. Zahlreiche Spiel- und Einrichtungsmaterialien, Bücher, langjährig gepflegte Dokumentationen sowie persönliche Gegenstände von Kindern und Mitarbeitenden wurden durch den Rauch stark beschädigt oder vollständig zerstört und mussten entsorgt werden.
Die Wiederaufnahme des pädagogischen Alltags stellt das Team vor große Herausforderungen: “Auch nach der Wiedereröffnung haben wir viele zusätzliche Aufgaben zu bewältigen.” berichtet Kitaleiterin Ulli Pietsch. “Wir koordinieren die Kommunikation mit Behörden, Versicherungen und Handwerksbetrieben. Wir müssen Wäsche reinigen, jedes einzelne Spielzeug, Böden, Decken, Fenster, Wände und Möbel. Gleichzeitig gilt es, Übergangslösungen zu schaffen, zerstörte Materialien zu ersetzen und die Kita im Grunde neu einzurichten.” Hinzu kommen viele Unsicherheiten: Es fehlen klare Orientierungshilfen seitens der Kita-Aufsicht, beispielsweise zu Anhaltspunkten oder Abläufen in solchen Krisensituationen. Auch bezüglich der Kostenübernahme durch die Versicherung herrschte lange Unklarheit. Nun hat sie in dieser Woche der Übernahme der Kosten für das entsorgte Inventar zugestimmt.
Gleichzeitig ist es der Kita ein großes Anliegen, den Kindern trotz der schwierigen Umstände einen stabilen und liebevollen Alltag zu ermöglichen. “Auch das erfordert viel Kraft, Flexibilität und zusätzliche Arbeit", betont Kita-Leiterin Ulli Pietsch. “Wir sind sehr dankbar, dass das gesamte Team mit großem persönlichen Einsatz weit über die reguläre pädagogische Arbeit hinausgeht - oft auch über die eigentliche Arbeitszeit hinaus.” Auch der Träger hat schnell und unbürokratisch reagiert: “Er war sofort ansprechbar, kam zur Beratung vor Ort und beauftragte umgehend eine Firma für die Brandsanierung.” Eine weitere wichtige Stütze ist die Elternschaft: “Das Verständnis, die Geduld und die Unterstützung der Familien bedeuten für uns eine große Erleichterung”, so Frau Pietsch.
Auch der VKMK - Der Kitaverband zeigt sich bestürzt über das Geschehene. Nachdem der Verband durch sein Mitglied Berliner Traumzauberland über den Vorfall informiert wurde, äußert sich Geschäftsführer Lars Békési: “Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses sind nicht zu unterschätzen - weder für die Kinder noch für die Eltern, unsere Pädagoginnen und Pädagogen sowie den Träger. Wir wünschen allen Betroffenen viel Kraft und stehen ihnen in dieser herausfordernden Zeit zur Seite.”
Kita 2.0 - Digitales Update, reales Chaos
Die modernisierte Software ISBJ-KiTa der Berliner Jugendhilfe wurde Ende Juni neu ausgerollt. Das System ist für Jugendämter und Kita-Träger in Berlin verpflichtend und bildet zentrale Prozesse ab - von der An- und Abmeldung von Kindern in Kitas über die Beantragung und Abrechnung von Kita-Gutscheinen bis hin zur monatlichen Trägerabrechnung. Aktuell zeigt sich jedoch, dass die Software erhebliche Funktionsstörungen aufweist. Besonders betroffen ist die Vergabe und Bearbeitung von Kita-Gutscheinen: Berlinweit kommt es zu gravierenden Problemen und Verzögerungen, die Eltern, Kinder, Jugendämter und Kita-Träger vor erhebliche Herausforderungen stellen.
Die modernisierte Software ISBJ-KiTa der Berliner Jugendhilfe wurde Ende Juni neu ausgerollt. Das System ist für Jugendämter und Kita-Träger in Berlin verpflichtend und bildet zentrale Prozesse ab - von der An- und Abmeldung von Kindern in Kitas über die Beantragung und Abrechnung von Kita-Gutscheinen bis hin zur monatlichen Trägerabrechnung. Aktuell zeigt sich jedoch, dass die Software erhebliche Funktionsstörungen aufweist. Besonders betroffen ist die Vergabe und Bearbeitung von Kita-Gutscheinen: Berlinweit kommt es zu gravierenden Problemen und Verzögerungen, die Eltern, Kinder, Jugendämter und Kita-Träger vor erhebliche Herausforderungen stellen.
Die massiven Probleme mit der ISBJ-Software sind nicht neu: Bereits seit März 2023 dokumentieren die Mitglieder des VKMK - Der Kitaverband regelmäßig Störungen und Unstimmigkeiten im System, wie etwa fehlerhafte Abrechnungen, und melden diese an die Senatsverwaltung. Doch bislang trafen die Auswirkungen primär die Kita-Träger. Mit dem jüngsten Update weiten sich die Probleme jedoch nun auch auf Eltern, Kinder und Jugendämter aus - eine Entwicklung, die aus Sicht des Verbandes besonders alarmierend ist. “Dass sich die Fehler trotz aufwändiger Modernisierung weiter verschärfen, ist ein fatales Signal.” macht Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, deutlich.
Schon seit Langem kämpfen die Jugendämter in mehreren Berliner Bezirken mit Personalmangel - bei gleichzeitig hoher Arbeitsbelastung. Die aktuellen Einschränkungen im ISBJ-System treffen sie daher besonders hart. Gleichzeitig stehen viele Eltern nun vor der Frage, ob und wie sie ihre Kinder ohne Gutschein überhaupt in einer Kita anmelden können. “Jetzt trifft das Problem, welches unsere Träger schon seit Jahren erleiden und ertragen dürfen, auch Jugendämter und Eltern. Es entstehen unnötige Mehrbelastungen an allen Stellen, die vermeidbar wären, wenn das ISBJ technisch zuverlässig funktionieren würde.” so Lars Békési. Zur Einordnung der Ursachen ergänzt Békési: “Man muss sich das ISBJ vorstellen wie ein Einfamilienhaus, das vor über 20 Jahren gebaut wurde. Im Laufe der Zeit wurde immer wieder etwas Neues angebaut - um es zu verbessern, aber oft ohne Plan und manchmal mit wechselnden Verantwortlichen. Heute ist das Haus so verwinkelt und unübersichtlich, dass kaum noch jemand weiß, wo man eingreifen kann, ohne dabei an anderer Stelle Schaden anzurichten. ”
Auch Kita-Träger sind weiterhin und zunehmend massiv von den Störungen betroffen. Die Mitglieder des VKMK berichten von fehlerhaften Abrechnungen, verursacht durch falsche oder unvollständige Daten im System. Zusätzlich geraten viele Träger unter finanziellen Druck: Ohne ausgestellte Gutscheine erhalten sie keine Zahlungen vom Land Berlin und müssen in Vorleistung gehen - ohne Klarheit, wann eine Refinanzierung erfolgt. “Trotz dieser Herausforderungen ist es wichtig, dass Eltern wissen: Unsere Kita-Träger stehen weiterhin zuverlässig an der Seite der Familien. Auch ohne aktuell gültigen Kita-Gutschein werden Kinder aufgenommen - denn das Wohl der Kinder steht für uns an erster Stelle und sie können am wenigsten für eine nicht funktionierende Software.” unterstreicht Lars Békési.
Berliner Unternehmen fordern längere Kita-Betreuungszeiten: VKMK fordert Unterstützung von Wirtschaft zur Realisierung
Wie eine Umfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer ergeben hat, fordern mehr als 50% der 500 befragten Unternehmen in Berlin eine Ausweitung der Betreuungszeiten in Kindertagesstätten. 27% gaben sogar den Wunsch an, die Betreuungszeiten der Kinder von sechs bis 18 Uhr zu erweitern. Grund hierfür ist, dass viele Eltern ihre Arbeitszeiten aufgrund der Betreuung ihrer Kinder einschränken, teilweise sogar aufgeben müssen.
Wie eine Umfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer ergeben hat, fordern mehr als 50% der 500 befragten Unternehmen in Berlin eine Ausweitung der Betreuungszeiten in Kindertagesstätten. 27% gaben sogar den Wunsch an, die Betreuungszeiten der Kinder von sechs bis 18 Uhr zu erweitern. Der Hintergrund dieser Forderung liegt in den eingeschränkten Arbeitszeiten vieler Eltern, die ihre Berufstätigkeit oft reduzieren oder sogar aufgeben müssen, um die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Diese Einschränkungen tragen nicht nur zum anhaltenden Fachkräftemangel bei, sondern beeinträchtigen auch die wirtschaftliche Stabilität der Region.
Doch die Herausforderungen, mit denen die Berliner Unternehmen konfrontiert sind, spiegeln sich auch in den Kindertagesstätten wider. Hier verzeichnet sich ebenfalls ein signifikanter Anstieg des Bedarfs an qualifiziertem Fachpersonal, der bislang nur bedingt gedeckt werden konnte. Dies erschwert die Möglichkeit, die geforderten erweiterten Betreuungszeiten anzubieten. Trotz der Tatsache, dass die Kindertagesstätten in Berlin bereits 90% der angehenden Pädagoginnen und Pädagogen ausbilden, verbleiben nach Abschluss der Ausbildung nur etwa 50% in diesem Berufsfeld. Diese Abwanderung von Fachkräften beeinflusst direkt die Fähigkeit der Kitas, die benötigten Betreuungszeiten sicherzustellen.
„Um längere Öffnungszeiten in unseren Einrichtungen zu ermöglichen und damit den Bedürfnissen der Berliner Unternehmen gerecht zu werden, benötigen wir Unterstützung“, betont Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK. „Ohne ausreichend qualifiziertes Personal können unsere Kitas keine erweiterten Betreuungszeiten anbieten. Wenn unsere Kindertagesstätten dem Wunsch der Unternehmen entgegenkommen sollen, fordern wir im Gegenzug eine finanzielle Beteiligung der Wirtschaft bei der Ausbildung neuer Fachkräfte.“, erklärt Békési weiter.
Um die Anforderungen der Unternehmen mit der Realität in den Kitas in Einklang zu bringen, sind gemeinsame Lösungen erforderlich. Nur durch enge Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung kann eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Berliner Unternehmen erreicht und die personellen Kapazitäten der Kitas langfristig gesichert werden.
Kita-Streiks in Berlin: Verdi und die Frage nach dem wahren Ziel
Die Gewerkschaft Verdi intensiviert ihre Arbeitskampfmaßnahmen in den Berliner Kita-Eigenbetrieben und kündigt nun einen einwöchigen Streik vom 8. bis 12. Juli an. Dies erfolgt nach bereits mehrtägigen, wiederholten Streiks. Diese Ankündigung stößt auf immer lauter werdende Kritik von Seiten des Senats, der Eltern, der Landeselternvertretung (LEAK) und der Kita-Eigenbetriebe selbst, wodurch die grundlegende Frage aufgeworfen wird: Für wen ist dieser Streik eigentlich gedacht?
Die Gewerkschaft Verdi intensiviert ihre Arbeitskampfmaßnahmen in den Berliner Kita-Eigenbetrieben und kündigt nun einen einwöchigen Streik vom 8. bis 12. Juli an. Dies erfolgt nach bereits mehrtägigen, wiederholten Streiks. Diese Ankündigung stößt auf immer lauter werdende Kritik von Seiten des Senats, der Eltern, der Landeselternvertretung (LEAK) und der Kita-Eigenbetriebe selbst, wodurch die grundlegende Frage aufgeworfen wird: Für wen ist dieser Streik eigentlich gedacht?
Das erklärte Ziel der Streiks ist die Durchsetzung eines separaten sogenannten Entlastungs-Tarifvertrags für die Kita-Eigenbetriebe, um die angespannte Personalsituation durch einen besseren Betreuungsschlüssel zu lösen. Allerdings ist die Personalausstattung nicht Bestandteil eines Tarifvertrags und aufgrund der Mitgliedschaft Berlins in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder kann der Senat keinen eigenständigen Tarifvertrag durchsetzen, ohne die Mitgliedschaft zu riskieren. Diese Position wurde bereits wiederholt von Senatsseite an Verdi kommuniziert. Und selbst wenn Berlin einen gesonderten Tarifvertrag für die Kita-Eigenbetriebe umsetzen könnte, würden die Forderungen Verdis weiterhin gegen bestehendes Recht verstoßen, denn die Personalausstattung ist gesetzlich in §11 des Kindertagesförderungsgesetzes (KiföG) verankert. Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, verdeutlicht: “Eine Änderung des Gesetzes dauert mindestens ein Jahr. Dies ist Verdi bekannt. Demnach zielen Verdis Forderungen darauf ab, vom Senat Rechtsbrüchigkeit zu verlangen, was an Groteskheit grenzt.”
Békési sieht aufgrund dessen auch einen Verstoß gegen das Streikrecht: “Diese Art des Streiks ist kaum mit dem Streikrecht - welches an sich sinnvoll und berechtigt ist - vereinbar. Arbeitskämpfe sind nur zulässig, wenn sie angemessen, notwendig und verhältnismäßig sind, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Persönlich sehe ich auch keinen Ermessensspielraum mehr bei Verdi, da Ermessen nicht vorliegen kann, wenn Verdi wissentlich gesetzliche Normen zur Personalaustattung ignoriert. Selbst wenn der Senat wollte, kann er keinen Tarifvertrag schließen, der gegen diese Norm verstößt.” Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im Herbst Wahlen bei Verdi anstehen, erscheinen die Streiks noch einmal in einem anderen Licht. Lars Békési betont: “Wenn es ihnen wirklich um inhaltliche Verbesserungen ginge - welche wir sodann unterstützen - dann würde Verdi auf die kommenden Verhandlungen zur „Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder“ (RV-Tag) im Frühjahr 2025 einwirken, denn das ist der einzig richtige Ort und Zeitpunkt.”
Angesichts dieser Umstände erscheint das Ausmaß des Streiks noch unangemessener. Leidtragende sind wieder zuallererst die Kinder, Eltern und Pädagog*innen. Der VKMK unterstützt die Notwendigkeit zur Entlastung des pädagogischen Fachpersonals und die Verbesserung der Rahmenbedingungen. Jedoch lehnen wir die von Verdi beschrittenen Wege und Mittel ab, da sie nur den Sozialfrieden innerhalb der pädagogischen Kitateams und vor allem die einheitliche Finanzierungssystematik von Eigenbetrieben sowie Freien Trägern zerstören.
Ein politischer Neujahrsvorsatz für die Gesundheit unserer Kinder? - Die Kraft der richtigen Ernährung
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Wir hoffen auf einen politischen Neujahrsvorsatz für die Gesundheit und die Bildung unserer Kinder.
Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Einer der häufigsten Vorsätze betrifft unsere Gesundheit, und insbesondere die Ernährung steht oft im Mittelpunkt dieser Bestrebung. Wir sind uns alle der essenziellen Rolle bewusst, die eine ausgewogene Ernährung für unser Wohlbefinden spielt. Doch nicht nur die eigene Ernährung ist von höchster Wichtigkeit, sondern auch diese der Kinder. Den eigenen Vorsatz hier zu legen, ist oftmals nicht ausreichend, da die „gesunde Ernährung“ der Kinder kollektiv umgesetzt wird, in einem Zusammenspiel aus Familie und Einrichtungen.
Eine offene Kommunikation zwischen Eltern und den Kinderbetreuungseinrichtungen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Kinder vollumfänglich mit den richtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt werden – denn gute Ernährung beginnt nicht erst an der Kita-Tür, sondern schon am Frühstückstisch zu Hause. Ebenso wichtig sind die politischen Weichen, die ein problembefreites Umsetzen dieser Ernährung zulassen müssen.
Die Auswirkungen mangelhafter Ernährung auf Kinder
Eine unzureichende Versorgung mit den richtigen Nährstoffen kann sich bei Kindern auf verschiedene Weisen bemerkbar machen. Häufig führt eine unausgewogene Ernährung zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die für das Wachstum und die Entwicklung unerlässlich sind. Dies kann sich in einem geschwächten Immunsystem äußern, was dazu führt, dass Kinder anfälliger für Infektionen und Krankheiten werden. Neben den direkten Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit kann eine unzureichende Ernährung ebenso die kognitive Entwicklung beeinträchtigen. Kinder, die nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt sind, könnten Schwierigkeiten entwickeln, sich zu konzentrieren, und daraufhin mit einer verminderten Lernfähigkeit und Gedächtniskapazität konfrontiert sein. Ebenso kann sich eine unausgewogene Ernährung auf das Energielevel der Kinder auswirken, was zu Müdigkeit, Erschöpfung und einer allgemeinen Abnahme der Leistungsfähigkeit führen kann. Sogar das Verhalten und die Stimmung können von der Ernährung beeinflusst werden. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Unausgeglichenheit können auftreten, wenn die Zufuhr der Nährwerte nicht ausreichend gedeckt ist.
Chancengleichheit bedeutet, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft oder finanziellen Situation die gleiche Bildungschance erhalten sollte. Dies beinhaltet auch, dass alle Kinder mit vollem Magen und bestmöglicher Versorgung in die Bildungseinrichtungen kommen und in dieser verweilen können. Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein grundlegender Bestandteil der Chancengleichheit. Nur wenn die Grundbedürfnisse jedes Kindes erfüllt sind, kann eine faire Bildungsgleichheit gewährleistet werden.
Die Herausforderungen der täglichen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in den freien Kitaträgern Berlins
Berlin hat mit der Verankerung des Berliner Bildungsprogramms im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFÖG) seit 2005 eine klare Haltung zur Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung eingenommen.
Die Einbindung der Förderung gesunder Essgewohnheiten als verbindlicher Bestandteil des pädagogischen Programms betont das deutlich vorhandene Bewusstsein der politischen Bildungslandschaft Berlins. Die verstärkte Hervorhebung des Bereichs „Gesundheit“ im aktualisierten Berliner Bildungsprogramm von 2014 spiegelt dieses Engagement ebenfalls wider und unterstreicht nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Bildung und dem Wohlbefinden durch eine gesunde Ernährung, sondern sieht auch die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. Das Programm sieht vor, dass das Lernen in der Kita nicht nur durch formale Aktivitäten, sondern auch durch die Gestaltung des Kita-Alltags gefördert wird, wozu auch die Einahme fester Mahlzeiten gehören. Sie stellen einen integralen Bestandteil des Kita-Alltags dar und bieten eine wiederkehrende Struktur. Die pädagogische Gestaltung und Begleitung hierbei wird als wichtiger Beitrag zur Ernährungsbildung anerkannt und betont. Doch, die bloße Anerkennung dieses Aspekts allein reicht nicht aus, wenn die finanziellen Strukturen nicht entsprechend angeknüpft und geschaffen werden, um eine vollumfängliche Umsetzung zu gewährleisten. Denn, obwohl die essenzielle Wichtigkeit der Ernährung unserer Kleinsten sichtbar deutlich unterstrichen ist, gestaltet sich die tägliche Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in Kindertagesstätten in Berlin dennoch als eine enorm herausfordernde Aufgabe. Die zugewiesenen Mittel ca. 3,50 Euro pro Kind und Tag erweisen sich als nicht ausreichend für das Sicherstellen einer qualitativ hochwertige Verpflegung, inkludiert die Verwendung dieses Betrages doch schlussendlich nicht nur das Decken der Lebensmittelkosten, sondern auch jene der grundlegenden Betriebsausgaben wie Personalkosten, Materialien und Infrastruktur. Diese finanzielle Begrenzung erschwert es den Kitas erheblich, ihre Bestrebungen nach gesunder Ernährung aufrechtzuerhalten.
Die freien Kitaträger in Berlin stehen vor einem wahren Balanceakt, wenn sie täglich versuchen, ausreichende und gesunde Mahlzeiten anzubieten, während sie gleichzeitig mit begrenzten finanziellen Ressourcen jonglieren müssen. Dies führt zu Kompromissen, die sich auf die Qualität und Quantität der angebotenen Speisen auswirken können und somit die Herausforderungen bei der Umsetzung einer nahrhaften Verpflegung für die Kinder verstärken.
Leere Töpfe lassen keinen Raum für Kompromisse
Diese Situation bildet nur eine weitere Facette des unterfinanzierten frühkindlichen Bildungssystems, das sich an einer Vielzahl von Herausforderungen reiht. Die begrenzten finanziellen Ressourcen lassen keine Spielräume für Ausweichmethoden auf andere Ressourcen mehr zu. Insbesondere im Zuge der Inflation hat sich diese Krise nochmals verschärft. Die Gelder wurden bisweilen nur zögerlich angepasst und sogar die Inflationsausgleichprämie musste vorerst, von jenen, die ihren Mitarbeiter:innen diese stark benötigte Auszahlung gewährleisten wollten, aus den eigenen Geldern der freien Kitaträger gestemmt werden. Politische Lösungsansätze in diesem Bereich ließen zu lange auf sich warten und die Prozesse bis zur tatsächlichen finanziellen Umsetzung erstrecken sich bis heute.
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und ihre Auswirkungen
Im Oktober 2023 fällte das Bundesverwaltungsgericht eine bahnbrechende Entscheidung. Nach einer Klage der Private Kant-Schulen gGmbH, vertreten durch die Kanzlei DOMBERT Rechtsanwälte, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass diese Obergrenze für monatliche Zuzahlungen der Eltern, die in Berlin für zusätzliche Leistungen freier Träger von Kindertagesstätten galt, nicht mit dem Grundsatz der gleichheitsgerechten Beteiligung der freien Jugendhilfeträger am staatlichen System der Kindertagesstättenfinanzierung vereinbar ist. Diese wegweisende Entwicklung eröffnet nun Kitaträgern die Möglichkeit, transparent aufzuzeigen, dass bestimmte Angebote über die zuvor festgelegte Obergrenze hinausgehen und eine erhöhte finanzielle Beteiligung der Eltern erfordern könnten. Eine Erleichterung für Kitaträger und Eltern, da es ihnen die Chance eröffnet, der Unterfinanzierung selbst die Stirn zu bieten und die gewünschte Qualität aufrechtzuerhalten, die sie sich für ihre Kinder wünschen. Dennoch darf dies nicht als finale Lösung betrachtet werden. Vielmehr sollten die politisch zur Verfügung gestellten Mittel an die realen Ausgaben angeglichen werden, um eine erfolgreiche Basis in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten. Zusatzzahlungen sollten nur für tatsächlich anspruchsvolle Zusatzleistungen genutzt werden können, nicht aber für das Aufrechterhalten der Bildungsqualität an und für sich. Diese Verantwortung muss politisch getragen werden, nicht aber an die Kitaträger und Eltern weitergereicht.
Ziele für eine hochwertige Verpflegung in Kitas
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Besonders große Probleme, insbesondere solche finanzieller Natur, können weder aufgeschoben noch durch Gespräche allein gelöst werden - sie erfordern unverzügliches Handeln. Das erneute Auftreten bereits bekannter Herausforderungen unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Lösungen nicht nur zu erkennen, sondern sie auch effizient und effektiv umzusetzen, um den anhaltenden Schwierigkeiten im frühkindlichen Bildungssystem entgegenzuwirken. Eine vollumfängliche Ernährung unserer Kleinsten sollte keine Herausforderung darstellen, sondern sich als die Basis der Förderung verstehen.
Für das Jahr 2024 ist es daher von entscheidender Bedeutung, dass die Anliegen der freien Kitaträger deutlicher Gehör finden, als bisweilen. Die Diskrepanz zwischen den identifizierten Lösungsansätzen und ihrer tatsächlichen Umsetzung muss unsererseits adressiert werden können. Es bedarf einer verstärkten Plattform für die freien Kitaträger, um ihre Anliegen und Herausforderungen effektiver kommunizieren zu dürfen. Nur durch ein verstärktes politisches Engagement und eine verbesserte Einbeziehung dieser Träger in die Diskussionen und Umsetzungen von Lösungen können die bestehenden Hindernisse im Jahre 2024 wirksam angegangen werden. Wir sind weiterhin entschlossen, den aktiven Austausch, Ideengebungen und die kontinuierliche Lösungsfindung voranzutreiben. Trotz der bestehenden Hindernisse bleiben wir bereit, innovative Ansätze zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Ernährung unserer Kleinsten nicht länger eine Herausforderung, sondern eine selbstverständliche Grundlage in ihrer Entwicklung darstellt.
Politik versus Praxis: Die Wichtigkeit lokaler Expertise in der frühkindlichen Bildung.
Der jüngste Kitagipfel verdeutlichte erneut die kritische Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung. In den letzten Jahren wiederholte sich dieses Muster: Entscheidungen wurden ohne Konsultation derjenigen getroffen, die die täglichen Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hautnah erleben. Wir brauchen ehrliche, offene Dialoge, um zielgerichtete Lösungen umsetzen zu können!
Hinhören und Hinsehen, für die richtigen Lösungsansätze in der frühkindlichen Bildung.
Im Zuge des letzten Kitagipfels wurde dem VKMK eines wieder deutlich: Die Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und praktischer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung ist eine Thematik von entscheidender Bedeutung. Wir haben es in den letzten Jahren leider viel zu oft erleben müssen; Politische Entscheidungen werden getroffen, ohne diejenigen zu konsultieren, die die täglichen Herausforderungen und Möglichkeiten in der frühkindlichen Bildung aus erster Hand erleben. Die Folge sind Maßnahmen, die oft an den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und des pädagogischen Personals vorbeigehen.
Die Kita-Experten, bestehend aus Erzieher:innen, Leiter:innen und anderen pädagogischen Fachkräften, sowie vertretenden Verbänden, wie dem VKMK, bringen eine unverzichtbare Perspektive ein. Ihre Erfahrungen sind ein unschätzbares Kapital, das bei der Gestaltung von Richtlinien und Programmen berücksichtigt werden muss. Ihre Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern, pädagogischen Bedürfnissen und praktischen Herausforderungen sind von unschätzbarem Wert für die Schaffung effektiver, nachhaltiger Bildungsstrukturen.
Die Kluft zwischen Politik und Praxis führt seit Jahren zu Problemen auf mehreren Ebenen:
Unzureichende Ressourcenallokation: Oftmals sind politische Entscheidungen nicht im Einklang mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Kitas. Sie konzentrieren sich auf die Behebung akuter Symptomatiken und übersehen dabei, teilweise gänzlich, die Wurzel des Problems. Dies führt zu unzureichenden Lösungsansätzen, wie mangelnder Finanzierung und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten für die Fachkräfte und letztendlich auch die Kinder.
Mangelnde Berücksichtigung von pädagogischen Bedürfnissen: Die Entwicklung von Bildungsprogrammen ohne Einbeziehung der Kita-Experten kann dazu führen, dass die pädagogischen Anforderungen nicht erfüllt werden. Dies kann die Qualität der Bildung beeinträchtigen und langfristig die Bildungschancen der Kinder mindern.
"Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen." - Johann Wolfgang von Goethe.
Die Hohe Kunst des Zuhören ist gefragt, bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Wie es sich manifestieren kann, wenn dies nicht entsprechend umgesetzt wird, zeigen diese beiden Beispiele der vergangenen Monate:
Beispiel 1: Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung
Ein exemplarisches Missverständnis zeigt sich in der Forderung nach mehr Stellen in der frühkindlichen Bildung. Das eigentliche Problem liegt nicht in einem Mangel an Stellenausschreibungen, sondern viel mehr in der Tatsache, dass es an qualifizierten Fachkräften mangelt, die sich bewerben oder langfristig in diesen Positionen bleiben möchten. Hierbei spielt die Unterfinanzierung eine entscheidende Rolle, indem sie die Arbeit vor Ort unattraktiv gestaltet, dass viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt werden. Die eigentliche Lösung erfordert daher eine deutlich stärkere Finanzierung, die die tatsächlichen Herausforderungen der Kitas berücksichtigt und die Attraktivität des Berufsstandes durch angemessene Wertschätzung steigert, sodass wir mehr Personal anziehen und langfristig halten können Der simple Stellenausbau wäre somit nicht die vollumfängliche Lösung.
Beispiel 2: Mangelnde Sprachentwicklung bei Kleinkindern
Ein weiteres Beispiel betrifft die mangelnde Sprachentwicklung bei Kindern vor dem Eintritt in das Grundschulalter. Politiker:innen neigen dazu, dieses Problem mit der Multilingualität vor Ort zu verknüpfen und fordern zuletzt sogar teilweise Einschränkungen im Bereich der Migration. Allerdings weisen pädagogische Fachkräfte seit Jahren darauf hin, dass sie unter den aktuellen Bedingungen ihr Bildungsangebot teilweise nicht vollständig ausführen können. Das pädagogische Fachpersonal leidet unter der Unterfinanzierung, die zu personellen Problemen und Überlastung führt, was wiederum die gezielte Förderung einzelner Kinder beeinträchtigt. Das dies symptomatisch in den Förderungsständen der Kinder sichtbar wird, war lediglich eine Frage der Zeit. Die eigentliche Lösung liegt erneut in einer deutlich stärkeren Finanzierung, die die finanziellen Bedürfnisse an die tatsächlichen Herausforderungen anpasst, dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und gezieltere Förderungen zulässt.
Diese Beispiele sind lediglich zwei von vielen, die verdeutlichen, wie eine unzureichende Kommunikation mit den betroffenen Akteuren zu Trugschlüssen, falschen Lösungsansätzen und letztlich auch Fehlinvestitionen führt. Diese Situation ähnelt dem schnellen Überstreichen einer maroden Wand, ohne den eigentlichen Schaden an der Struktur zu beheben. Obwohl einige Lösungsansätze zunächst vielversprechend erscheinen mögen, bleibt das zugrundeliegende Problem ungelöst. Das temporäre "Lösen" der Situation erlaubt der eigentlichen Problematik sich weiter auszubreiten, was langfristig zu weitaus größeren Schäden und umfangreicheren Kosten führen kann. Eine effektive Lösung erfordert eine tiefgreifende Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Kita-Experten. Die Schaffung von Plattformen für regelmäßigen Austausch, die direkte Einbindung der Fachkräfte in Entscheidungsprozesse und die aktive Integration ihrer Perspektiven in politische Diskussionen sind von entscheidender Bedeutung. Unser Verband setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die freien Kitaträger, die wir vertreten, in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, gehört und anerkannt werden. Wir nehmen es positiv zur Kenntnis, dass wir nun mehr in entsprechende Dialoge eingebunden werden. Dies repräsentiert symbolisch einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wir möchten an dieser Stelle jedoch ebenso vehement betonen, dass diese Dialoge weit über die Symbolik hinausgehen müssen, um hier tatsächlich etwas zu bewirken. Ein ehrlicher Austausch, und insbesondere die Offenheit sich hier mit den Herausforderungen tatsächlich zielgerichtet auseinandersetzen zu wollen, ist absolut von Nöten, um schlussendlich auch tatsächliche, realistische Lösungen zu formen.
Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann eine frühkindliche Bildungspolitik entwickelt werden, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.
Die Kunst des Zuhörens: Senatorin Günther-Wünsch bittet zum Kita-Gipfel
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor. Senatorin Günter-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die große Kunst des Hinhörens: Der erste Schritt zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung liegt im Zuhören bei den richtigen Akteuren
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor.
Senatorin Günther-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die Vergangenheit zeigt bedauerlicherweise, dass solche wichtigen Gelegenheiten versäumt wurden, was zu vorhersehbaren und schwerwiegenden Konsequenzen führte.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Sachkostenpauschale als Teil über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) in Berlin. Ursprünglich entwickelt, um die Finanzierung von frühkindlichen Einrichtungen langfristig sicherzustellen, erwiesen sich diese Teile dieser Pauschale in den folgenden Jahren als wesentlicher Engpass.
Finanzkonzepte benötigen regelmäßige Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse, eine Überprüfung, die trotz offensichtlicher Veränderungen, einschließlich wirtschaftlicher Aspekte, wiederholt versäumt wurde.
Erst 2017 wurde eine Gestehungskostenanalyse in Auftrag gegeben, die zeigte, dass Kitas mit einer Unterfinanzierung von fast 30% zu kämpfen hatten, hauptsächlich aufgrund stark gestiegener Mietkosten, die in der Sachkostenpauschale nicht berücksichtigt wurden.
Insbesondere kleinere und mittelgroße Kitaträger litten unter höheren Mietkosten im Vergleich zu größeren Institutionen.
Trotz dieses neuen Wissens ignorierten die damaligen Akteure in der Senatsverwaltung und ihre ausgewählten Verhandlungspartner im Rahmen ihrer 2017 laufenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) diese dramatische Unterfinanzierung und schufen nur eine Teilreparatur.
Es erfolgte für den Zeitraum von 2018 bis 2021 eine leichte stufenweise Erhöhung der Sachkostenpauschale um insgesamt 10%, doch konnte die massive Unterfinanzierung bei weitem nicht kompensiert werden.
Die kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger hatten weiterhin mit steigenden Gewerbemiet- & Immobilienunterhaltungskosten und zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu kämpfen.
Einzig der VKMK reagierte auf diese Herausforderungen, indem er mit seiner Expertengruppe eine nachhaltige Lösung entwickelte: die "Clusterlösung".
Basierend auf dem Grundgedanken der Hamburger Finanzierungskonstruktion integriert die "Clusterlösung" eine differenzierte Betrachtung der IST-Situation der Gewerbeflächen der jeweiligen Kita-Träger in die Ausgestaltung der Sachkostenpauschale. Durch die Unterstützung verschiedener Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses konnten weitere relevante Daten zu den Bruttomietzinsen für soziale Träger in landeseigenen Wohnbaugesellschaften erfragt werden.
Hierbei ergab sich, dass die Mietzinsen für Gewerbeflächen der landeseigenen Wohnbaugesellschaften im Durchschnitt über 10 Euro pro Quadratmeter lagen, während die Kita-Träger lediglich eine Finanzierung von etwa 5 Euro pro Quadratmeter erhielten. Diese Diskrepanz verdeutlichte bereits damals die erheblichen finanziellen Herausforderungen, denen die betroffenen Einrichtungen gegenüberstanden.
Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu Lasten der Fachkräfte gingen.
Um dem Scheinargument- Phänomen der "Miethaie" und des " Miet-Monopoly" entgegenzuwirken, integrierte der VKMK in seine "Clusterlösung" das Modell einer wiederkehrenden Abfrage des Bruttomietzinses pro Quadratmeter bei landeseigenen Wohnbaugesellschaften. Dieser Wert dient als Grundlage für die Einberechnung in die Sachkostenpauschale, um den Einrichtungen eine finanzielle Grundlage zu bieten, die ihren tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird.
Diese konkreten Beispiele unterstreichen nicht nur unsere langjährige Arbeit und Bemühungen, realistische Lösungsansätze zu bieten, sondern auch den gravierenden politischen Fehler, betroffene Akteure unzureichend zu berücksichtigen.
„Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: "Wir bieten der Jugendsenatsverwaltung seit Jahren fundierte Lösungen an. Unser Clustermodell ist ein solcher gezielter Lösungsansatz, der jedoch in den Jahren der SPD-Ressortverantwortung ignoriert wurde. Lösungen, die betroffene Stakeholder nicht angemessen einbeziehen, führen letztlich immer zu höchsten Gerichtsurteilen, die dann eine Unverhältnismäßigkeit bis hin zur Verfassungswidrigkeit im Handeln der Jugendsenatsverwaltung attestieren.“
Die konzertierte Anstrengung von Senatorin Günter-Wünsch gemeinsam mit allen Interessengruppen in einen Dialog einzutreten, verspricht langfristige Fortschritte in der effizienten Ressourcennutzung und nachhaltigen Verbesserungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.
Kitakrise 2022 / 2023 - Ein Interview Mit Lars Békési
“Warme Worte, kalte Aussichten". Wir lassen das Jahr 2022 Revue-Passieren, mit dem Geschäftsführer des VKMK, Lars Békési und besprechen die Hürden des vergangenen Jahres, sowie die Hoffnungen für das kommende.
Ein Revue-Passieren des Jahres 2022 mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.
“Warme Worte, kalte Aussichten”
Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie in Berlin, bezeichnete in ihrer Weihnachtsgrußkarte an die Kitaträger Berlins, das Jahr 2022, als ein Jahr der Krisen und Herausforderungen, welches gleichzeitig aber ein Zusammenwachsen in den Kitas und Kitaträgern deutlich zeigte. Wie stehen Sie zu diesem Ansatz, Herr Békési?
Lars Békési: Natürlich ist es schön einen Weihnachtsgruß zu erhalten - in diesem Jahr hatte er aber einen faden Beigeschmack. Die Krisen, von denen Frau Busse gesprochen hat, sind real und noch lange nicht gelöst. Das Zusammenrücken, von dem sie spricht, sehe ich kritisch. Metaphorisch gesprochen; in einem sinkenden Boot klammern sich die Insassen vermutlich auch aneinander und versuchen verzweifelt, das Unvermeidbare hinauszuzögern - es ändert aber nichts an dem tatsächlichen Sinken. Eine Hilfestellung, ein aktives Eingreifen, wäre hier das einzig Vernünftige - nicht aber ein symbolisches Applaudieren an den noch halbwegs intakten Zustand der Insassen, während man dabei zusieht, wie das Boot weiterhin zerstört wird.
Das sinkende Boot, symbolisch für den Verfall der frühkindlichen Bildungsträger. Welche Entscheidungen haben Sie in diesem Jahr insbesondere als fatal einstufen können?
Lars Békési: Am Ende sind es nicht nur die tatsächlich ausgeführten Handlungen, sondern auch die vielen verpassten Gelegenheiten Verantwortung zu übernehmen und hier die richtigen Schritte zu gehen.
Ein Paradebeispiel sind die Sprach-Kitas in Berlin. Während Anfang des Jahres noch die regierende Bürgermeisterin, gemeinsam mit Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, feierlich die Bändchen zerschnitt, bei der Eröffnung diverser Sprach-Kitas, konnte sich im Hintergrund nicht geeignet werden, wer hier die finanzielle Verantwortung übernehmen wird, sobald der Bund die Anschubsfinanzierung, wie geplant, beendet. Anstelle frühzeitig eine solide Lösung gemeinschaftlich zu beschließen, wurden die Sprach-Kitas viel eher als politische Spielmasse durch zahlreiche Ländern gegenüber dem Bund instrumentalisiert, in der Hoffnung, dass es hier, mittels diverser Druckmittel eben doch zu einer Weiterfinanzierung in altbekannter Struktur durch den Bund kommen kann.
So etwas kann und darf nicht passieren, in einer vernünftigen verantwortungsvollen Bildungspolitik.
Eine Lösung hierfür scheint es bis heute nicht zu geben?
Lars Békési: Und genau das ist eben das Problem. Es sind nicht die aktiven Handlungen, die hier das Boot zum Sinken bringen. Es sind viele passive Entscheidungen. Das Weiterreichen von Verantwortlichkeiten, das Übergehen von Problemfeldern, in der Hoffnung, sie würden von alleine verschwinden, oder jemand anderes würde sich ihrer annehmen. Die Wichtigkeit von Bildung, insbesondere das Augenmerk auf den Jüngsten, wird unfassbar gerne betont und in Wahlkampagnen natürlich auch gezielt instrumentalisiert - die Wirklichkeit zeichnet aber ein Bild der Vernachlässigung und des Wegduckens vor Verantwortlichkeiten, das uns nun einholt, mit drastischen Konsequenzen.
Während im Herbst keine substanziellen Lösungen durch den Berliner Senat gefunden werden konnte, um die 13,4 Millionen Euro für die bestehenden Sprach-Kitas umsetzen zu können, wurde im AGH- im Rahmen des Nachtragshaushaltes gleichzeitig das Freigeben von zusätzlichen 500 Millionen Euro besiegelt, für die Reduzierung des A-B Tickets in Berlin - einem Ticket, von dem nicht einmal die Anwohner:innen im Berliner Stadtrand , die wirklich darauf angewiesen wären, profitieren können. So sieht keine verantwortungsbewusste Politik aus - und schon gar keine mit Zukunftsperspektiven. Erst, als das Schließen der Sprach-Kitas dann tatsächlich vor der Tür stand, wurde sich notgedrungen nach einer Lösung umgesehen, die, für uns absolut nicht überraschend, letztendlich so aussah, dass an die ohnehin schon leeren Töpfe der Kitas gegangen wird, um eine Ad-Hoc-Finanzierung für die kommenden 6 Monate mit Ach und Krach umsetzen zu können. Eine Lösung mit Perspektive für die darauffolgende Zeit ist bis heute nicht auffindbar. Ich denke, das unterstreicht sehr gut, weshalb weihnachtliche Grüße, mit einem Lob gegenüber des “Zusammenrückens” innerhalb der Kita-Teams und Kitaträger, eher auf Irritation stoßen.
Sie erwähnen von diesem Vorgehen nicht mehr überrascht zu sein. Stehen Sie dem kommenden Jahr ebenfalls ernüchtert gegenüber?
Lars Békési:
Wenn man die Erfahrungswerte der vergangenen Jahre, insbesondere des letzten Rot-Grün-Rot-Jahres, bewertet - bleibt einem nur Ernüchterung übrig.
Es war ganz klar ein verschwendetes Jahr, in Bezug auf die frühkindliche Bildungspolitik. Trotzdem bleiben wir positiv und werden uns weiterhin stark für relevante Themen einsetzen. Die Liste der Lösungen sind unserseits bereits mehrfach benannt worden. Es muss hier aber eine Änderung hinter den Kulissen geben, damit diese letztendlich auch spürbar bei den Kindern und den Kitateams in allen Kindertagesstätten zu sehen ist.
Wie hoffen Sie, könnte man einen Schritt in Richtung Besserung gehen?
Lars Békési: Die vielfältige Fremdbestimmung der Kita-Träger durch die Senatsverwaltung, mit ihren knapp 60 Trägerscheiben der letzten Pandemie-Jahre, ist nicht sinnvoll. Wir wünschen uns die notwendige Beinfreiheit, hier Entscheidungen deutlicher zu bestimmen und mehr Gehör finden zu können, damit wichtige Themen nicht untergehen - oder hinausgezögert werden, bis die Katastrophe vor der Tür steht . Wir brauchen hier situationsgerechte Lösungen. Beispielsweise eine vollumfängliche Entlastung der Kitateams von fachfremder Verwaltungsarbeit, eine 100%ige Anrechnung der mittelbaren pädagogischen Arbeit, oder etwa eine angemessene, qualitätsvollere Ausgestaltung der Ausbildungsinhalte. Diese Forderungen sind nicht neu, sondern wohlbekannt. Der, nach der Wahlwiederholung neugewählte Senat, muss hier endlich die Umsetzung gestalten. Das beginnt selbsterklärend bereits bei den Haushaltsverhandlungen und der Festschreibung entsprechender Titel.
Welche Problematiken, befürchten Sie, könnten im kommenden Jahr entstehen oder verstärkt werden, sofern sich politisch keine Änderung abzeichnet?
Lars Békési: Das Hauptproblem ist natürlich eine deutliche Unterfinanzierung, gepaart mit einer deutlichen Überlastung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus und zeichnen sich insbesondere in einem stetigen Abgang von qualifizierten Fachkräften ab. Die Tendenz hier ist weiterhin abnehmend. Die Verantwortlichkeiten bleiben natürlich bestehen, aber aufgrund der aktuellen Lage müssen sie unter weniger Fachkräften aufgeteilt werden. Überbelastung führt zu Mehr-Ausfällen, was wiederum zu weiterer Überlastung führt. Wenn die Bedingungen eines Berufes so strukturiert sind, dass selbst darauf spezialisierte Fachkräfte freiwillig das Feld verlassen, ist das selbstverständlich auch keine Grundlage, um neue Fachkräfte mit den richtigen Kompetenzen anzuwerben und langfristig zu binden.
Wir befinden uns bereits in einer Spirale nach unten und am Grund warten drastische Konsequenzen auf uns:
Einbruch der Qualität von Verpflegung und Bildung, sowie verkürzte Öffnungszeiten oder deutlich weniger Angebot, an die vielen Familien, die verzweifelt darauf angewiesen sind. Dies sind Probleme, die nicht neu sind, sondern gekonnt seit Jahren übergangen und ausgesessen werden. Die Kostenexplosionen der vergangenen Monate haben diese nur zusätzlich gravierend verstärkt. Das frühkindliche Bildungssystem ist ein völlig überlastetes und erschöpftes System, das in 2022 weiterhin ausbluten musste mit keiner Perspektive, dass sich hier etwas im kommenden Jahr ändern wird. Dass wir irgendwann an das Ende der Kapazität gekommen werden und einen fatalen Kollaps erleben werden, ist keine Frage des “ob / wenn”, sondern des “wann.”
Was wünschen Sie sich für das Jahr 2023?
Lars Békési:
Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus.
Die Dringlichkeit des aktuellen, mehrfachen Notstandes muss anerkannt werden, um hier Problematiken der Zukunft zu vermeiden. Wir müssen das Kernproblem behandeln, nicht nur die Symptome dessen - die unvermeidbar immer wieder auftauchen und selbsterklärend schwerwiegender ausarten werden, wenn wir das Grundproblem nicht systematisch und lösungsorientiert angehen. Frühkindliche Bildungspolitik ist das Fundament der Investitionspolitik. Eine Investition in die Kinder ist eine Investition in die Zukunft. Wir erwarten im Jahr 2023 eine echte Verantwortungsübernahme zur Umsetzung dieser Investitionspolitik seitens der Politik und mehr Entscheidungsfreiheit für die Kita-Träger. An dieser Stelle verweise ich natürlich auf die Möglichkeit hier aktiv mitzureden und mitzugestalten, die sich im kommenden Februar bietet.
Am 12.02.2023 findet die Wahlwiederholung zum Berliner Abgeordnetenhaus statt.
Wir hoffen auf ein reges Beteiligen der Berliner Wähler:innen, um so politisch, in Zukunft bessere und bewusste Entscheidungen in der frühkindlichen Bildungspolitik treffen zu können.
“Frühkindliche Bildungspolitik ist Investitionspolitik”
Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus. Vielmehr erwarten wir eine echte Verantwortungsübernahme. Während frühkindliche Institutionen sich vor Problemfeldern kaum retten können, schafft der Berliner Senat es bisher immer wieder, diese zu übergehen und andere Themen zu priorisieren.
“Die Förderung zur Entwicklung von Kompetenzen, die wir heute ignorieren und aufschieben, sind Defizite, die sich irgendwann nicht nur privat, im Leben und den Zukunftschancen der individuellen Kinder bemerkbar machen, sondern eben auch, unvermeidlich; gesellschaftlich.”
Ein Interview mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK
Herr Békési, als Geschäftsführer des VKMK sind Sie mit beiden Seiten regelmäßig im Austausch; der politischen und der betroffenen Seite, in dem Fall: den Kindertagesstätten in Berlin. Wo sehen Sie die größte Diskrepanz in der Kommunikation?
Lars Békési: Gesagtes bzw. Versprochenes und die tatsächliche Umsetzung dessen sind oftmals nicht übereinstimmend. Im Gegenteil; große Missstände werden regelmäßig thematisch übergangen, in Sitzungen sogar übersprungen - und, wenn sie doch als Diskussionspunkt auf dem Tisch landen, dann oftmals im Zuge einer bevorstehenden Wahlkampagne. Das klingt auf den ersten Blick wunderbar, wirkt beinahe hoffnungserregend. Doch dann streichen die Wochen und Monate ins Land und allen wird wieder einmal bewusst, dass hinter den schönen Worten leider keinerlei Absichten zu Taten standen.
“Die Politik überspringt die Kitas immer wieder und legt den Fokus größtenteils erst im Schulalter an, was ein absolut fataler Gedankenfehler ist. “
Bei der Verteilung der Haushaltsgelder wurden die Kitaträger kaum bis gar nicht thematisiert. Wie haben Sie und die Kita-Träger darauf reagiert?
Lars Békési: Es war in vielerlei Hinsichten eine herbe Enttäuschung. Die Tatsache, dass die Kita-Träger nicht einmal mehr ausführlich besprochen und bedacht wurden, war für uns erschreckend. Es wirkte wie eine Selbstverständlichkeit, dass hier keinerlei Unterstützung stattfinden wird. So selbstverständlich, dass es nicht einmal mehr eines offenen Gesprächs bedarf. Während die Koalitionsrunde vom 19.09 noch Hoffnung auf Hilfe schürte, gingen die Kitaträger in der Diskussion um die Haushaltsgelder leer aus. Wissend, dass sie den finanziellen Belastungen bereits vor der starken Inflation kaum gewachsen waren.
Die Politik überspringt die Kitas immer wieder und legt den Fokus größtenteils erst im Schulalter an, was ein absolut fataler Gedankenfehler ist. Anstelle hier eine gleichmäßige Verteilung und Gewichtung anzustreben, gibt es hier deutliche Diskrepanzen. Denn, während die Kitaträger beispielsweise in leere Töpfe blicken, ohne Aussicht auf Hilfe, erhalten Schulen auch einmal Ad-Hoc-Finanzierungen im mehrstelligen Millionen-Bereich.
Sie denken hier vermutlich an die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark in Pankow, für die Frau Giffey 40 Millionen Euro veranlasst hat?
Lars Békési: Richtig. Verstehen Sie mich hier nicht falsch; es ist natürlich sinnvoll, dass die regierende Bürgermeisterin Berlins, gemeinsam mit ihrer Fachsenatorin, das Gespräch wahrgenommen hat und persönlich am Gymnasium in Pankow erschienen ist und es ist ebenfalls beruhigend, dass sie den Zustand des Gebäudes als ebenso unzumutbar empfunden hat, wie die Lehrkräfte, Kinder und Jugendlichen. Die finanzielle Hilfestellung, die dem Gymnasium in Pankow zugesichert wurde, ist wichtig, richtig und längst überfällig gewesen. Nur sollte die helfende Hand nicht nur dort agieren, wo am lautesten gebrüllt wird, wissend, dass diverse Institutionen auf ebenso angesetzte Hilfestellungen zwingend und dringend angewiesen sind. Gerade, wenn die wirtschaftliche Lage absolutes Abwägen veranlasst, was die Verteilung von Finanzierungen betrifft, sollte man Ad-Hoc-Entscheidungen tunlichst vermeiden. Der Aufschrei nach einer Beseitigung des unwürdigen Zustandes in Pankow war absolut nicht neu. Er ist nun nur eben unüberhörbar laut geworden. Für die Zukunft gilt es zu vermeiden; Entscheidungen so lange aufzuschieben, bis sie zu politischen Spontan-Reaktionen zwingen, die nicht durchdacht scheinen, in Anbetracht des Gesamtkontextes.
“Das Hauptproblem ist eine deutliche Unterfinanzierung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus.”
Vor welcher Problematik stehen die Kitaträger momentan denn insbesondere?
Lars Békési: Würden wir nun anfangen aufzuzählen, wo die Folgen des Totsparens bereits so gravierend sind, dass man nicht mehr von Handlungsbedarf, sondern viel eher von Notstand sprechen müsste, wären wir vermutlich vor dem Morgengrauen kaum fertig. Das Hauptproblem ist eine deutliche Unterfinanzierung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus.
Angefangen beim Frühstückstisch: Kitas müssen sich die Frage stellen, wie man mangels vernünftiger Finanzierung hier überhaupt noch Qualität versprechen kann. Dass alle Kinder satt werden müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. Nur wie viel Qualität ist hier gleichzeitig noch umsetzbar, bei derart geringen finanziellen Mitteln und derart hohen Mehrkosten?
Und während die UNESCO Kommission, bei der Weltkonferenz (14. - 16. November 2022) lautstark die Wichtigkeit frühkindlicher Bildung unterstrichen hat und bis 2030 allen Kindern den Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung sichern möchte, blickt man in Berlin in leere Gesichter, bei der immer wieder auftauchenden Frage: "Wann werden die für sprachliche Bildung im frühkindlichen Alter angesetzten 13,4 Millionen Euro überführt, die der Bund bisher jährlich in seiner Regelfinanzierung gestellt hat?"
Anstelle des wissenschaftlich empfohlenen Fachkraft-Kind-Schlüssels von 1 zu 3, müssen die Kita-Teams seit langem in den Kindertagesstätten jeweils 10-12 Kinder, oder mehr, gleichzeitig betreuen und dabei zugleich die individuelle Kompetenzförderung für jedes einzelne Kind abbilden, bei einer öffentlichen Wertschätzung und einem Gehalt, die/das ihren mannigfachen Bildungsaufgaben oft kaum im Ansatz gerecht wird. Ein Abgang von gut ausgebildeten Fachkräften, den wir seit Jahren beobachten müssen, ist also absolut keine Zufälligkeit sondern eine Reaktion auf die Arbeitssituation, die ohnehin schon unzureichend war, aufgrund von Covid, stetig steigenden Verwaltungsaufgaben, sowie Mehr-Ausfällen aber zu einem Ding der Unzumutbarkeit geworden ist. Die körperliche und seelische Überlastung der Fachkräfte hat als natürliche Konsequenz zu einem Abwandern der Beschäftigten geführt, was eine zusätzliche Mehrbelastung durch den Personalmangel nur verstärken wird. Dies sind nur einige Beispiele, von vielen, die verdeutlichen, wie gravierend die aktuelle Lage ist und welche Folgen diese Unterfinanzierung mit sich bringt.
“Der Grundbaustein für Kompetenzen wird nun einmal im frühkindlichen Alter gelegt. Genau dort, wo momentan ein rigoroses Ignorieren und Abbauen stattfindet.”
Welche Folgen machen Ihnen hier die größten Sorgen?
Lars Békési: Kurz gesagt: Die fatale Unterschätzung von frühkindlicher Bildung und die möglichen Konsequenzen dessen für die Zukunft. Die Kernkompetenzen eines Menschen werden im Altersabschnitt zwischen 0 und 6 Jahren gelegt. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern ein wissenschaftliches Gut, das der Gesellschaft seit Jahrzehnten zur Verfügung steht.
Wir alle kennen den Spruch: “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr”. In diesem Fall sprechen wir nicht von Manieren oder diversen Kleinigkeiten, sondern sprachlichen Fähigkeiten, kognitiven Herangehensweisen, strukturiertem Arbeiten, Förderung von Stärken und Bearbeiten von Defiziten. In Kitas werden die Grundlagen gelegt, für eine erfolgreiche Zukunft der Kinder. Und, wovor viele erfolgreich die Augen verschließen; diese Kinder werden irgendwann die wirtschaftlichen Stützpfeiler unserer Gesellschaft, wenn sie herangewachsen und im Berufsleben angekommen sind.
Die Förderung zur Entwicklung von Kompetenzen, die wir heute ignorieren und aufschieben, sind dann Defizite, die sich irgendwann nicht nur privat, im Leben und den Zukunftschancen der individuellen Kinder bemerkbar machen, sondern eben auch, unvermeidlich; gesellschaftlich.
“Es ist unverständlich, wie diese Situation beinahe schulterzuckend hingenommen werden kann.”
An welche Auswirkungen denken Sie hier?
Lars Békési: Auch hier gilt abermals, dass sämtliche Punkte wohl den Rahmen unseres Gespräches sprengen würden. Wie bereits gesagt; die chronische Unterfinanzierung der Kitas ist das Hauptproblem und dessen Symptomatiken streuen in etliche Bereiche. Überbelastung und nicht ausreichende Entlohnung führen bereits seit Jahren zu einem stetigen Abgang von qualifizierten Fachkräften.
Die Tendenz hier ist weiterhin abnehmend. Die Verantwortlichkeiten bleiben natürlich bestehen, aber aufgrund der aktuellen Lage müssen sie unter weniger Fachkräften aufgeteilt werden. Überbelastung führt zu Mehr-Ausfällen, was wiederum zu weiterer Überlastung führt. Wenn die Bedingungen eines Berufes so strukturiert sind, dass selbst darauf spezialisierte Fachkräfte freiwillig das Feld verlassen, ist das selbstverständlich auch keine Grundlage, um neue Fachkräfte mit den richtigen Kompetenzen anzuwerben und langfristig zu binden. Wir befinden uns bereits in einer Spirale nach unten und am Grund warten drastische Konsequenzen auf uns: Einbruch der Qualität von Verpflegung und Bildung, sowie verkürzte Öffnungszeiten oder deutlich weniger Angebot, an die vielen Familien, die verzweifelt darauf angewiesen sind.
Es ist unverständlich, wie diese Situation beinahe schulterzuckend hingenommen werden kann. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften ist enorm. Diese Fachkräfte sind jedoch zuständig für das Übermitteln und Fördern von essentiellen Kernkompetenzen in den Kindern. Die Grundbausteine für einen erfolgreichen Werdegang können somit oftmals nicht mehr ausreichend gelegt und das birgt natürlich Konsequenzen, die irgendwann auch gesellschaftlich spürbar werden.
Ignorierte Defizite bei Sprache und Bildung verbauen Kindern Zukunftschancen für erfolgreiche und gut qualifizierte Jobs, insbesondere auch im Handwerk oder in den Feldern der Zukunftstechnologien. Diese Berufe sind natürlich nicht nur von Vorteil für die heranwachsenden Kinder selbst, sondern auch auf Landesebene essentiell. Qualifizierte und gebildete Menschen sichern nun einmal, landesweit, eine erfolgreiche Zukunfts-Perspektive.
“Bildungschancen sollten für alle Kinder gegeben sein, um Zukunftsperspektiven zu sichern.”
Der Grundbaustein für die entsprechenden Kompetenzen wird aber nun einmal im frühkindlichen Alter gelegt. Genau dort, wo momentan ein rigoroses Ignorieren und Abbauen stattfindet. Ein erfolgreiches Überkommen der fehlenden Kompetenzen ist für die heranwachsenden Kinder natürlich nicht unmöglich, aber durchaus schwieriger und unwahrscheinlicher, als bei jenen, die hier individuelle Förderung und Hilfestellungen erhalten haben und auf einem guten Fundament aufbauen und wachsen können. Kinder, die keinerlei zusätzliche Bildungsförderung im privaten Rahmen erhalten können, sei es, weil beide Eltern berufstätig sind oder eine Förderung schlicht nicht im Rahmen der privaten Finanzierungsmöglichkeiten liegt, sehen sich hier nicht nur schlechten Startchancen gegenüberstehen, sondern fallen in den darauffolgenden Jahren oftmals immer weiter nach hinten, bis die Kluft nicht mehr überbrückbar ist. Eine erfolgreiche schulische Bildung ist und war noch nie Zufall und sollte niemals abhängig vom finanziellen Rahmen der Eltern sein.
“Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, hier Diskrepanzen bereits im frühkindlichen Alter mehr oder weniger hinnehmen zu müssen.”
Bildungschancen sollten für alle Kinder gegeben sein, um Zukunftsperspektiven zu sichern. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, hier Diskrepanzen bereits im frühkindlichen Alter mehr oder weniger hinnehmen zu müssen, da der finanzielle Rahmen keine Alternativen für Förderungen bietet. Alles, ohne Aussicht auf Besserung, seitens der Politik.
Was wünschen Sie sich hier von Seiten der Politik, um dieser Problematik entgegenzuwirken?
Lars Békési: Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus. Vielmehr erwarten wir eine echte Verantwortungsübernahme. Während frühkindliche Institutionen sich vor Problemfeldern kaum retten können, schafft der Berliner Senat es bisher immer wieder, diese zu übergehen und andere Themen zu priorisieren. Man ist weit entfernt von irgendwelchen Lösungsansätzen, wenn man sich noch in der Frage um die bloße Existenz der Probleme befindet. Ein offenes Anerkennen der Problematik(en) wäre hier der erste Schritt, um konstruktive Diskussionen und Lösungsansätze überhaupt bedenken zu können. Ein regelmäßiger Austausch mit allen Kita-Trägern ist hier unvermeidbar und würde Klarheit für alle Parteien schaffen können.
“Es grenzt hier schon an eine organisierte Verantwortungslosigkeit.”
Weiter brauchen wir: tatsächliche Umsetzungen. Schöne Worte bringen in aktuellen Notständen und Krisensituationen absolut gar nichts. Hierzu ist es wichtig, dass die Verantwortlichkeiten nicht immer wieder hin und her gereicht werden, je nachdem, in welchem Licht sich die Parteien im Rahmen diverser Wahlkampagnen präsentieren möchten, bis es zu unumgehbaren Problematiken kommt. Es grenzt hier schon an eine organisierte Verantwortungslosigkeit, die selbstverständlich drastische Konsequenzen mit sich bringt, die heute bereits nicht mehr diskutierbar sind und für die Zukunft fatale Problematiken bereithalten. Der Fokus des Senates scheint leider nur auf politisch gewinnbringenden Maßnahmen zu liegen, nicht aber auf den richtigen Bausteinen, um aktuelle Probleme zu beheben und schon gar nicht auf den notwendigen Schritten für langfristige, erfolgreiche Resultate.
Gerade bei den großen Krisen der heutigen Zeit, die viele wirtschaftliche Fragezeichen mit sich bringen; bedarf es hier deutlich mehr Durchleuchtung und ebenso mehr Handlungen mit Blick in die Zukunft und Einbezug des Gesamtkontextes, damit es nicht mehr zu Ad-Hoc-Aktionen im Rahmen der finanziellen Förderung, wie in Pankow, kommen muss, sondern vielmehr zu gut durchdachten Lösungswegen, die mehr als nur eine Institution mit einbeziehen.
Kurzum: Wir erwarten als Erstes, dass die Dringlichkeit des aktuellen, mehrfachen Notstandes anerkannt wird, um hier Problematiken der Zukunft zu vermeiden. Als zweites erwarten wir, dass die Unterfinanzierung, bzw. die Politik der “reinen Behandlung von Symptomen”, beendet wird. Wir müssen das Kernproblem endlich ernst nehmen und behandeln. Frühkindliche Bildungspolitik ist das Fundament der Investitionspolitik. Eine Investition in die Kinder ist eine Investition in die Zukunft und die wirtschaftliche Ausgangslage, die eng mit ihnen verwoben sein wird.