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Hochbegabt in der Kita: Wenn kleine Köpfe groß denken

Ob der leicht schrullige Erfinder Dr. Emmett Brown aus Zurück in die Zukunft, der sozial unbeholfene Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory oder auch der exzentrische Sherlock Holmes aus der gleichnamigen Serie - sie alle verbindet ein bestimmtes Merkmal: Hochbegabung. Alle drei sind Charaktere mit einer außergewöhnlich hohen Intelligenz und verkörpern Archetypen für die mediale Darstellung von Hochbegabung: exzentrisch, eigenwillig, sozial etwas unbeholfen, meist einzelgängerisch und stets ein wenig zwischen Genie und Wahnsinn schwankend.   

Ob der leicht schrullige Erfinder Dr. Emmett Brown aus Zurück in die Zukunft, der sozial unbeholfene Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory oder auch der exzentrische Sherlock Holmes aus der gleichnamigen Serie - sie alle verbindet ein bestimmtes Merkmal: Hochbegabung. Alle drei sind Charaktere mit einer außergewöhnlich hohen Intelligenz und verkörpern Archetypen für die mediale Darstellung von Hochbegabung: exzentrisch, eigenwillig, sozial etwas unbeholfen, meist einzelgängerisch und stets ein wenig zwischen Genie und Wahnsinn schwankend.   

Damit liefern uns die Medien ein sehr einseitiges Bild von Hochbegabung - ein Bild, das nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, welches vielleicht humoristisch gut gelungen sein mag, der Hochbegabung jedoch nicht gerecht wird. Und ein Bild, das dennoch unsere Auffassung von Hochbegabung maßgeblich prägt. Wir möchten daher heute einen anderen, etwas weiteren Blick auf Hochbegabung werfen - mit einem Fokus auf Hochbegabung im frühen Kindesalter und natürlich der Frage, wie dies in der frühkindlichen Bildung erkannt und gefördert werden kann.  

Hochbegabung: Definition, Dimensionen, Deutung

Wie der Begriff “Hochbegabung” schon nahelegt, beschreibt er die Eigenschaft, besonders begabt zu sein. Zumeist verbinden wir dies mit einem sehr hohen IQ, also einer ausgeprägten kognitiven Leistungsfähigkeit. Doch tatsächlich kann sich Hochbegabung in verschiedenen Dimensionen zeigen: Man kann etwa im künstlerischen, musischen, kreativen oder sportlichen Bereich hochbegabt sein, ebenso sind soziale, emotionale oder psychomotorische Hochbegabungen möglich. Eine Begabung in einem dieser Bereiche - beispielsweise im Künstlerischen - bedeutet dabei nicht automatisch, dass man auch in anderen Gebieten eine außergewöhnliche Begabung hat. Allen Formen der Hochbegabung ist jedoch gemeinsam, dass die betreffende Person besonders schnell und meist mühelos außergewöhnliche Leistungen im entsprechenden Bereich erzielt. Im Folgenden werden wir uns jedoch primär auf die kognitive Hochbegabung konzentrieren.  

Um Hochbegabung zu definieren, wird meist eine psychometrische Definition herangezogen, die auf dem Intelligenzquotienten (IQ) basiert. Ein etablierter Grenzwert für die Diagnose von Hochbegabung ist ein IQ von über 130 - ein Wert, den nur etwa 2% einer Altersgruppe erreichen. Diese Definition ist jedoch umstritten, insbesondere in Bezug auf Kinder, denn zum einen gibt es im Alltag kaum merkliche Unterschiede zwischen Kindern mit einem IQ von 125 und solchen mit einem IQ von über 130. Zum anderen ist der Kreis der Kinder, die deutlich überdurchschnittliche Fähigkeiten aufzeigen, wesentlich größer als diese 2%. Und gerade für Kita-Kinder gilt zudem, dass sie sich noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung befinden. Eine Messung des IQs ist in diesem Alter daher nur bedingt aussagekräftig. Aussagekräftiger sind hier viel eher ein klar erkennbarer Entwicklungsvorsprung gegenüber Gleichaltrigen sowie ein wahrgenommenes Potenzial, das auf eine mögliche Hochbegabung hindeutet.

Hochbegabung im Kita-Alter erkennen und verstehen

Wie also genau zeigt sich Hochbegabung im Kita-Alter und an welchen Punkten lässt sie sich festmachen?  

Hochbegabung kann sich in diesem Alter auf ganz unterschiedlichen Ebenen bemerkbar machen. Entscheidend ist dabei stets der Vergleich zu Gleichaltrigen und zur alterstypischen Entwicklung. Beginnen wir zunächst einmal mit den kognitiven Merkmalen. 

Anzeichen für Hochbegabung

Ein mögliches Anzeichen für Hochbegabung ist schnelles und effektives Lernen: Das Kind eignet sich neues Wissen in hoher Geschwindigkeit an, erfasst Informationen schnell, verarbeitet sie effizient und kann sich Inhalte - unabhängig von ihrer Komplexität - leicht merken. Dies kann sich beispielsweise darin zeigen, dass das Kind frühzeitig die Uhr lesen kann. Ein weiteres Merkmal kann ein ausgeprägtes logisches Verständnis sein. Dieses wird etwa in kognitiven Transferleistungen deutlich: dem Erkennen von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, der Übertragung von Denk- und Lösungsstrategien auf neue Fragestellungen, dem Verknüpfen von Informationen sowie der Fähigkeit, komplexe Probleme eigenständig zu lösen. So kann ein Kind beim Bauen eines Turms mit Klötzen erkennen, dass manche Klötze schwerer und größer sind als andere. Es versteht, dass der Turm umkippen wird, wenn diese schweren Klötze oben verbaut werden und entscheidet sich deshalb , zunächst ein stabiles Fundament zu legen und den Turm nach oben hin schmaler zu gestalten. 

Nicht selten zeichnen sich hochbegabte Kinder zudem durch einen großen Wissensdurst und eine ausgeprägte Neugier aus. Sprachlich verfügen sie häufig über einen umfangreichen, altersuntypischen Wortschatz, verwenden komplexe Satzstrukturen und erkennen feine Bedeutungsnuancen in der Sprache. In Gesprächen können sie differenziert und logisch argumentieren. Manche zeigen bereits früh Interesse am Lesen und Schreiben oder beherrschen diese Fähigkeiten bereits. Allerdings ist hierbei hinzuzufügen, dass dies kein Alleinstellungsmerkmal für Hochbegabung ist. Denn viele Kinder entwickeln vor Schuleintritt ein solches Interesse und bringen sich Lesen und Schreiben teilweise selbst bei. Aber meistens basiert dies auf Imitation, indem sie etwa Buchstaben kopieren und nachzeichnen oder beim Lesen anhand bereits bekannter Buchstaben ganze Wörter erraten. Bei hochbegabten Kindern geschieht dieser Prozess jedoch oft sinnerfassend und selbstständig. Ähnliches gilt für mathematische Fähigkeiten: Zwar begeistern sich viele Kinder im Kita-Alter für Zahlen und Rechenaufgaben, doch hochbegabte Kinder zeigt hier in der Regel ein tieferes, altersuntypisches Verständnis mathematischer und logischer Zusammenhänge, welches sie eigenständig erworben haben.  

Auch die Interessen des Kindes können sich deutlich von denen seiner Altersgenossen entscheiden. So zeigen hochbegabte Kinder oft schon früh eine Faszination für komplexe, ethische oder philosophische Fragestellungen - wie etwa zu Leben und Tod, Politik, Gerechtigkeit oder auch Umweltfragen. 

Sozial-emotionale Aspekte

Nun wissen wir etwas mehr darüber, wie sich Hochbegabung im Kita-Alltag zeigen kann. Doch wie steht es eigentlich um die sozial-emotionalen Merkmale? Bringen hochbegabte Kinder - ähnlich wie die eingangs beschriebenen medialen Charaktere - tatsächlich auch eine gewisse Eigenwilligkeit, Exzentrik, soziale Unzulänglichkeit und Isolation mit sich? 

In der Forschung wird ein solches Bild nicht bestätigt. Zwar kann es durchaus vorkommen, dass ihr Wissensdurst und ihre altersuntypische Ausdrucksweise bei anderen für Verwunderung und vielleicht auch Unverständnis sorgen. Manche hinterfragen zudem gerne Autoritäten - oft aus einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn heraus - oder haben einen starken Wunsch nach Mitbestimmung, besonders in eigenen Angelegenheiten. Ebenso ziehen es hochbegabte Kinder oft vor, sich lieber mit älteren Kindern oder Erwachsenen zu unterhalten und zu spielen als mit Gleichaltrigen, aufgrund einer besseren kognitiven Passung. Doch psychische oder soziale Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Hochbegabung konnte die Forschung nicht nachweisen.  

Wird einem hochbegabten Kind jedoch vermittelt, dass seine Hochbegabung und die damit verbundenen Fähigkeiten “nicht normal” seien, oder wird es nicht angemessen gefördert und in seinen Bedürfnisse unterstützt, kann dies mitunter zu Frustration, Unterforderung, geringem Selbstwertgefühl, Leistungsverweigerung, Isolation oder Rückzug führen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, auch hochbegabte Kinder in ihren individuellen Bedürfnissen ernst zu nehmen und gezielt zu fördern. 

Die asynchrone Entwicklung

Ebenfalls ist es eine falsche Annahme, dass eine hochbegabte Person - insbesondere im Kindesalter - in allen Bereichen überdurchschnittlich begabt ist. So kann ein Kind, das sprachlich weit voraus ist und vielleicht schon eigenständig lesen kann, gleichzeitig einen motorischen Förderbedarf haben. Dieses Phänomen wird als asynchrone Entwicklung bezeichnet. Oft werden solche Unterschiede als nicht stimmig und widersprüchlich empfunden: dem Kind wird vorgehalten, “es müsse das doch besser können”, oder seine besonderen Fähigkeiten werden relativiert. Beim Kind selbst können diese Entwicklungsunterschiede zu Frustration und Selbstzweifel führen, sei es aufgrund eigener Ansprüche an sich selbst oder wegen der Erwartungshaltung anderer. Wichtig ist daher, solche Unterschiede als normal zu akzeptieren, um das Kind in seiner Entwicklung nicht zu hemmen oder zu verunsichern. 

Warum im Kita-Alter Beobachtung oft mehr verrät als ein Test

Besteht die Vermutung auf Hochbegabung, wird für eine genaue Diagnostik meist ein IQ-Test durchgeführt. Doch wie bereits erwähnt, ist dieser im Kita-Alter nur begrenzt aussagekräftig. Ein IQ-Test im frühen Kindesalter kann zwar durchaus aktuelle kognitive Stärken abbilden, liefert jedoch nur eingeschränkt Hinweise auf die langfristige Entwicklung. Und auch für die pädagogische Arbeit ist das Ergebnis eines IQ-Tests nur unzureichend gewinnbringend. Wesentlich hilfreicher sind gezielte Beobachtungen, Gespräche sowie ein Austausch zwischen Eltern, Kita und gegebenenfalls externe Fachleute wie Psycholog:innen, um das Kind umfassend zu verstehen und gezielt fördern zu können. 

Bei der Beobachtung sollte der Fokus vor allem auf den Stärken des Kindes und den individuellen Bedürfnissen liegen, um nicht aufgrund einer asynchronen Entwicklung falsche Schlüsse zu ziehen. Sinnvoll ist es, das Kind in unterschiedlichen Situationen zu beobachten -  möglichst unter Einbezug verschiedener Perspektiven und gegebenenfalls mithilfe einer videogestützten Analyse, mit anschließender kollegialer Fallberatung. 

Für die Beobachtung können bewusst Anlässe geschaffen werden, die Rückschlüsse auf die kognitive Begabung des Kindes zulassen. Dies kann beispielsweise in Form von Problemlöseaufgaben geschehen, etwa wenn die Kinder Alltagsmaterialien, wie Papier, Stifte und Klebeband erhalten, mit der Aufgabe, daraus eine Brücke zu bauen, die ein Spielzeugauto tragen kann. Auch Projektarbeiten mit viel Freiraum zur Eigenständigkeit eignen sich - zum Beispiel der Bau eines Wasserfilters aus Naturmaterialien. Ebenso hilfreich sind Aktivitäten rund um ein besonderes Interessengebiet, wie etwa Dinosaurier. 

In solchen Situationen lässt sich beobachten, wie das Kind mit den Aufgaben umgeht: ob es komplexe Aufgaben schnell begreift, selbstständig logische Schlussfolgerungen zieht, kreative Lösungen entwickelt, Ursache-Wirkung erkennt oder ob sein Wissen deutlich über dem altersgleichen Niveau liegt. 

Auch Gespräche können wertvolle Hinweise auf die kognitiven Fähigkeiten liefern. Besonders hilfreich sind dabei offene Fragestellungen, die das Kind dazu anregen, Zusammenhänge zu erkennen, logisch zu argumentieren und seine Gedanken klar zu strukturieren. Solche Fragen können beispielsweise sein: “Warum denkst du, haben Ameisenbären so eine lange Nase?”, “Warum kippt der Turm, wenn wir den großen Holzklotz jetzt oben drauf legen?”, “Wie bist du auf diese Idee gekommen?” oder “Wie würdest du dieses Problem lösen, wenn wir jetzt kein Klebeband hätten?” 

Zur Beobachtung eignen sich auch die gängigen Instrumente in Kitas, wie etwa Sprachlerntagebücher oder BeoKiz. Allerdings sind diese Verfahren meist stärker auf Entwicklungsrückstände ausgerichtet. Sie ermöglichen daher eine sehr gute Differenzierung im unteren Leistungsbereich, bieten jedoch kaum feine Unterscheidungsmöglichkeiten im oberen Bereich. Auch die allgemeine Beobachtung kann natürlich keine eindeutige Diagnose ersetzen - zumal sich die Kinder noch mitten in der Entwicklung befinden und viele zwar eine hohe Begabung und eine schnelle Aufgabenbewältigung zeigen,ohne tatsächlich hochbegabt zu sein. Dennoch sind solche Maßnahmen wertvoll, um die individuellen Bedürfnisse eines Kindes besser zu erkennen und eine stärkenorientierte Förderung zu ermöglichen - nicht nur für hochbegabte Kinder. 

Wenn Hochbegabung unerkannt bleibt

Bleibt eine Hochbegabung bei einem Kind lange unentdeckt oder wird nicht angemessen gefördert, kann dies erhebliche Auswirkungen auf seine Entwicklung haben: Fehlt die Passung zwischen den Bedürfnissen des Kindes und den pädagogischen Angeboten, kann es sich unterfordert und gelangweilt fühlen. Häufig führt dies zu Frustration oder dem Druck, sich den anderen Kindern anpassen zu müssen. Ein Beispiel: Ein Kind verfügt aufgrund seiner Hochbegabung bereits über einen sehr großen Wortschatz und komplexe Satzstrukturen, die von den anderen Kindern jedoch nicht immer verstanden werden. Um dazuzugehören, passt es sich an, spricht nur noch in kurzen Sätzen und reduziert bewusst seine sprachlichen Fähigkeiten. 

Langfristig können daraus negative Verstimmungen bis hin zu Depression, Entwicklungshemmungen und sogenanntes “Underachievement” entstehen. Unter “Underachievement” versteht man, wenn ein hochbegabtes Kind - oder allgemein eine überdurchschnittlich intelligente Person - deutlich unter seinen eigentlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten bleibt. Meist zeigt sich dies im Schulalter, wenn eine dauerhafte Unterforderung besteht und die Leistungen messbar werden. Im Kita-Alter können sich erste Anzeichen von “Underachievement” durch Rückzug, Isolation, geringe Beteiligung an Aktivitäten, reduzierte Spielfreude und sinkende Motivation zeigen. 

Inklusiv und partizipativ: Hochbegabte Kinder im Kita-Alltag fördern

Wie kann es also im Kita-Alltag sichergestellt werden, dass hochbegabte Kinder angemessen gefördert und unterstützt werden? Benötigt es dafür spezielle Konzepte?

Die gute Nachricht ist: Nein. Im Grunde genommen ist die Hochbegabtenförderung im Kita-Alter bereits Teil einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung - vorausgesetzt sie wird inklusiv und partizipativ gestaltet. 

Denn die Inklusionspädagogik basiert auf dem Prinzip, jedes Kind in seiner Einzigartigkeit zu sehen, seine individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten zu stärken und ihm die Möglichkeit zu geben, sein volles Potenzial zu entfalten. Das schließt alle Kinder ein - unabhängig davon, welchen Entwicklungsstand, Förderbedarf oder besondere Begabungen sie haben. Damit hochbegabte Kinder in diesem Rahmen qualitativ gefördert werden können, braucht es vor allem vier Voraussetzungen: Erstens eine fundierte Aufklärung über Hochbegabung, um Anzeichen frühzeitig zu erkennen und asynchrone Entwicklungen nicht fehlzudeuten. Zweitens eine reflektierte und wertschätzende Grundhaltung der pädagogischen Fachkräfte gegenüber den individuellen Fähigkeiten und Unterschieden der Kinder. Drittens eine gute Erziehungspartnerschaft mit den Eltern des Kindes sowie einen kontinuierlichen Austausch, um ein umfassendes Bild vom Kind zu erlangen. Und viertens eine stärkenorientierte Beobachtung, um Fördermaßnahmen passgenau und entwicklungsförderlich gestalten zu können. 

Und ein erster wichtiger Ansatzpunkt für eine passgenaue Förderung ist die Partizipation. Durch den direkten und dialogischen Einbezug erhalten auch hochbegabte Kinder die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und den Kita-Alltag aktiv mitzugestalten. Sie erleben, dass ihre Interessen und Perspektiven gehört und berücksichtigt werden, und werden gleichzeitig angeregt, über ihre eigenen Bedürfnisse zu reflektieren: Was möchte ich? Was ist umsetzbar? Was könnte auch den anderen Kindern gefallen? Zudem bietet eine partizipative Grundhaltung die optimale Voraussetzung für Offenheit gegenüber allen Themen, Fragen und Gesprächen. Wie bereits beschrieben, bieten sich gerade in solchen Gesprächs- und Diskussionsrunden hervorragende Möglichkeiten, Kinder mit gezielten, offenen Fragen zum Nachdenken, Schlussfolgern und Philosophieren anzuregen - etwa mit Fragen rund um das Thema Gerechtigkeit wie: “Was ist gerecht? Kann etwas für dich gerecht sein, aber für jemand anderen nicht?”. 

Förderliche Aktivitäten und Rahmenbedingungen können darüber hinaus Projektarbeiten, Kleingruppenarbeiten, Aktivitäten rund um Interessensgebiete des Kindes sowie die Bereitstellung vielfältiger und unterschiedlich komplexer Materialien und Spiele sein. Doch die vielleicht wichtigste förderliche Aktivität ist das freie Spiel: Hier kann das Kind eigenständig auf seinem individuellen Niveau erkunden, erforschen und entdecken, eigene Ideen und Projekte entwickeln und das Spiel selbst an seine Bedürfnisse und Fähigkeiten anpassen. Für manche Kinder kann es zudem sinnvoll sein, zeitweise Kita-Gruppen mit älteren Kindern zu besuchen, um Spiel- und Gesprächspartner:innen zu haben, die sich auf einem ähnlichen kognitiven Niveau befinden. In Einzelfällen kann auch gemeinsam mit den Eltern eine frühere Einschulung erwogen werden - insbesondere, wenn das Kind bereits schulrelevante Fähigkeiten sicher beherrscht. Dennoch bietet gerade die Kita mit ihrem ganzheitlichen Bildungsansatz und der Ausrichtung auf individuelle Förderung den idealen Rahmen für hochbegabte Kinder. 

So einfach und nahezu schon beiläufig dies klingen mag, ist es in der Praxis leider oft nicht. Denn wie bei der individuellen Förderung aller Kinder gilt auch hier: Gute Rahmenbedingungen sind entscheidend. Kleine Gruppen, ausreichend Personal und genügend Zeit sind Grundvoraussetzungen, um hochbegabte Kinder - ebenso wie alle anderen Kinder auch - angemessen fördern zu können. Sind diese gegeben, ist die Basis geschaffen, damit alle Kinder ihr volles Potenzial entfalten und ihren individuellen Lebens- und Bildungsweg bestmöglich beginnen können.


Quellen:

Arnold, D. & Preckel, F. (2011). Hochbegabte Kinder klug begleiten. Ein Handbuch für Eltern. Weinheim: Beltz.

begabt-hochbegabt.info - Hochbegabung bei Kindern. (n.d.). https://www.begabt-hochbegabt.info/hochbegabung/hochbegabung-erkennen/hochbegabung-bei-kindern/.
Dreger, B., & Thurmann, B. (2024). Wie es ist, hochbegabt zu sein. Herder.de. https://www.herder.de/kiga-heute/fachmagazin/archiv/2017-47-jg/11-12-2017/wie-es-ist-hochbegabt-zu-sein-kognitiv-begbate-kinder-erkennen-foerdern-begleiten-1/.

Koop, Christine (07.2017) Hochbegabte Kinder in der Kita – Grundlagen für die Elternberatung. KiTa Fachtexte. https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_Koop_2017_HochbegabteKinder.pdf.

Maciejewski, C. (2023). Hochbegabung bei Kindern erkennen und begleiten. ndr.de. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Hochbegabung-bei-Kindern-erkennen-und-begleiten%2Chochbegabung100.html?.

Riese, J. (2024). Woran Eltern erkennen, dass ihr Kind hochbegabt ist – und wann sie etwas unternehmen sollten. Sonntagsblatt. https://www.sonntagsblatt.de/artikel/familie/woran-eltern-erkennen-dass-ihr-kind-hochbegabt-ist-und-wann-sie-etwas-unternehmen.

Rost, D. H. (2013). Hochbegabte und hochleistende Kinder. Begabungsforschung und Förderung. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Urban, M. (2007). Frühe Hochbegabung erkennen und fördern. München: Reinhardt Verlag.

Vock, H. (2021). Hochbegabung im Kindergarten. Das Kita-Handbuch. https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/kinder-mit-besonderen-beduerfnissen-integration/hochbegabte-kinder/hochbegabung-im-kindergarten/.

Ziegler, A. & Stoeger, H. (2012). Diagnostik von Hochbegabung. In: Heller, K. A. et al. (Hrsg.), Begabungsdiagnostik.

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Kinderarmut in Deutschland: Mit frühkindlicher Bildung Chancen schaffen

Die am stärksten von Armut betroffene Gruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar.

Die am stärksten von Armut betroffene Altersgruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar. Besonders betroffen sind Kinder aus kinderreichen Familien (30 %), Kinder aus Alleinerziehenden-Haushalten (41 %) und Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss (36,8 %). Zum Vergleich: Nur 5,8 % der Kinder aus Haushalten mit höherem Bildungsabschluss sind von Armut bedroht.

Die weitreichenden Auswirkungen von Armut in der Kindheit

Die Auswirkungen von Armut im Kindesalter sind weitreichend. Eine Langzeitstudie der AWO zeigt, dass 40 bis 57 % der Kinder, die in Armut aufwachsen, materiell unterversorgt sind. Oftmals führen beengte Wohnverhältnisse zu einem Mangel an Rückzugsorten, die sowohl für das Lernen als auch für soziale Interaktionen essentiell sind. Auch die Gesundheit der Kinder ist im Schnitt schlechter als die ihrer Altersgenossen aus sozioökonomisch stabilen Familien. Darüber hinaus hat das ständige Erleben von Armut tiefgreifende psychologische Folgen: Forschungen belegen, dass Kinder aus armen Verhältnissen doppelt so häufig soziale und emotionale Auffälligkeiten zeigen wie Kinder aus sozioökonomisch stabilen Familien. Diese durch Armut begünstigten Lebensumstände führen häufig zu einer multiplen Belastung der Kinder, was sich wiederum negativ auf die Bildungsbiographie auswirken kann. Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen kämpfen häufiger mit Rückschlägen in ihrer schulischen Laufbahn, erleben die Schule als überfordernd und schließen ihre Bildungskarriere oft mit einem niedrigeren Abschluss ab. Dies führt dazu, dass viele in einen Teufelskreis der Armut geraten: Die AWO-Studie hat nachgewiesen, dass 36 % der Kinder, die im Alter von sechs Jahren arm waren, auch im Erwachsenenleben arm bleiben. 

Wege aus der Armut

Dennoch zeigen die Zahlen, dass nicht alle von diesem Schicksal betroffen sind. Schlüsselkomponenten, die einen Ausbruch aus der Armut ermöglichen können, sind unter anderem die bestehende innere familiäre Unterstützung, die Resilienz und Bewältigungsfähigkeit der Eltern sowie externe Fördermaßnahmen. Besonders hervorzuheben ist bei dem letzten Punkt die entscheidende Rolle der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Die ersten Lebensjahre sind für die spätere Entwicklung und den Bildungsweg unserer Kinder von zentraler Bedeutung. Kinder, die in armen Verhältnissen aufwachsen und deren familiäre Umgebung aus sozioökonomischen Gründen nicht die erforderlichen Kapazitäten oder Ressourcen zur Förderung besitzen, benötigen außerhalb der Familie Unterstützung, um ihre Fähigkeiten zu entdecken, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und die Herausforderungen, die durch sozioökonomische Ungleichheiten bedingt sind, zu überwinden. In der öffentlichen Diskussion wird frühkindlicher Bildung eine essentielle Bedeutung zugeschrieben: Es wird argumentiert, dass sie frühzeitige Ungleichheiten abbaut und Kindern aus bedürftigen Verhältnissen einen chancengerechten Start in ihr Leben ermöglicht. 

Wie frühkindliche Bildung den Unterschied macht

Die Frage, wie sich diese Effekte konkret bestimmen lassen, haben viele Wissenschaftler:innen untersucht. Eine exemplarische Analyse für Nordrhein-Westfalen belegt, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Teilhabe- und Entwicklungschancen von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen erheblich verbessert. Noch deutlicher wird der Erfolg der frühkindlichen Bildung zum Ausgleich von Ungleichheiten in einer weiteren Studie. Diese zeigt auf, dass ein Kita-Besuch für Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien zu höheren kognitiven Kompetenzen, unter anderem im Bereich Mathematik, Wortschatz und Kategorisierung führt. Im Vergleich dazu profitieren Kinder aus höhergestellten Haushalten von einem Kita-Besuch gleichermaßen oder sogar weniger stark als von ihrem familiären Umfeld. Allgemein konnte die Studie zeigen, dass sich die sozial-emotionalen Kompetenzen bei jedem Kind, unabhängig von der Herkunft, bei einem Kita-Besuch verbessern. 

Eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft

Diese Erkenntnisse verdeutlichen das immense Potenzial von Kitas, um frühe Ungleichheiten abzumildern. Zwar werden sie niemals in der Lage sein, Armut und deren Folgen vollständig zu beseitigen, doch spielen sie eine wesentliche Rolle in der Prävention. Langfristig wirkt sich dies auch positiv auf unsere Volkswirtschaft aus: Durch bessere Qualifikationen und höhere Bildungsabschlüsse steigt das Gesamteinkommen der Bevölkerung, während die Ausgaben für Nachqualifizierungen und staatliche Hilfeleistungen gesenkt werden können. Eine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt daher, dass Investitionen in frühkindliche Bildung stets einen hohen Gewinn bringen und deutlich effektiver sind als spätere Bildungsinvestitionen.

Zahlreiche Expertinnen und Experten betonen immer wieder die entscheidende Rolle, die frühkindliche Bildung für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit einnimmt. Gleichzeitig wurde die Politik bereits oft dazu aufgefordert, mehr in die frühkindliche Bildung zu investieren, damit dieses Potenzial alle erreicht und dementsprechend genutzt werden kann. Auch der Kitaverband VKMK appelliert bereits seit geraumer Zeit an den Senat, die Qualitätsoffensive in der frühkindlichen Bildung konsequent weiter auszubauen.  Die Zusicherung des dritten Kita-Qualitätsgesetzes mit einer finanziellen Unterstützung des Bundes für die nächsten zwei Jahre, bewertet der VKMK bereits als großen Erfolg. Dennoch bedarf es weiterhin eines stärkeren und insbesondere langfristigen Fokus auf die frühkindliche Bildung. Frühkindliche Bildung kann nur effektiv gelingen, wenn sie qualitativ hochwertig ist. Neben der Sprachförderung und -bildung, der Fachkraft-Kind-Relation und der Fachkraftgewinnung und -bindung fordert der VKMK, die bereits mit dem dritten Kita-Qualitätsgesetz versprochenen, aber nicht umgesetzten, bundesweit einheitlichen und verpflichtenden Qualitätsstandards festzulegen und ein bundesweites Monitoring einzuführen. Darüber hinaus fordert der VKMK vom Senat, im Hinblick auf die Qualität der frühkindlichen Bildung und die Schaffung von Chancengleichheit in den kommenden Jahren keine Einsparungen bei den Personalzuschlägen vorzunehmen. Solche Einsparungen könnten die Unterstützung der Kinder mit besonderen Förderbedarfen erheblich einschränken und langfristige Auswirkungen auf ihren Bildungsweg haben.

Quellen: 

Chassé, Karl August; Zander, Margherita & Rasch, Konstanze (2003): Meine Familie ist arm. Wie Kinder im Grundschulalter Armut erleben und bewältigen. Opladen: Leske + Budrich.

Groos, T., Jehles, N., Bertelsmann Stiftung & ZEFIR. (2015). Der Einfluss von Armut auf die Entwicklung von Kindern. In Schriftenreihe Arbeitspapiere Wissenschaftliche Begleitforschung „Kein Kind Zurücklassen!“ (3. korrigierte Auflage). Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/03_Werkstattbericht_Einfluss_von_Armut_final_Auflage3_mU.pdf.

Hock, Beate; Holz, Gerda & Wüstendörfer, Werner (2000b): Frühe Folgen – langfristige Konsequenzen? Armut und Benachteiligung im Vorschulalter. Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Holz, Gerda; Richter, Antje; Wüstendörfer, Werner & Giering, Dietrich (2006): Zukunftschancen für Kinder!? - Wirkung von Armut bis zum Ende der Grundschulzeit. Endbericht der 3. AWO-ISS-Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt e.V. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Kahl, R. (2012, 6. Februar). Bildung wirkt langsam, aber mächtig. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-01/oecd-bildungsausgaben/seite-2.

Kleinert, C., Baier, T., Ghirardi, G. & Triventi, M. (2024). Auswirkungen des Kitabesuchs auf kognitive und sozial-emotionale Kompetenzen von Kindern. In Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Oslo University, European University Institute & University of Milan, Forschung Kompakt(S. 2). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://www.lifbi.de/Portals/2/Publikationen/Transferberichte/LIfBi%20Forschung%20kompakt/LIfBi-Forschung-kompakt_05_Kita.pdf.

Laubstein, Claudia; Holz, Gerda; Dittmann, Jörg & Sthamer, Evelyn (2012): Von alleine wächst sich nichts aus. Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I. Abschlussbericht der 4. Phase der Langzeitstudie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Laubstein, C., Holz, G., Seddig, N. & Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.  (2015). Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche: Erkenntnisse aus empirischen Studien in  Deutschland. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_WB_Armutsfolgen_fuer_Kinder_und_Jugendliche_2016.pdf

Statista. (2024a, Juni 19). Von Armut bedrohte Kinder in den EU-Ländern nach Bildungsgrad der Eltern 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1220616/umfrage/kinderarmut-in-der-eu-nach-bildungsgrad-der-eltern/.

Statista. (2024b, September 11). Armutsgefährdungsquote in Deutschland nach Alter 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/419433/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland-nach-alter/.

Statista. (2024c, September 16). Armutsgefährdungsquote in Deutschland nach Haushaltstypen 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/436185/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland-nach-haushaltstyp/.

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Politik versus Praxis: Die Wichtigkeit lokaler Expertise in der frühkindlichen Bildung.

Der jüngste Kitagipfel verdeutlichte erneut die kritische Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung. In den letzten Jahren wiederholte sich dieses Muster: Entscheidungen wurden ohne Konsultation derjenigen getroffen, die die täglichen Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hautnah erleben. Wir brauchen ehrliche, offene Dialoge, um zielgerichtete Lösungen umsetzen zu können!

Hinhören und Hinsehen, für die richtigen Lösungsansätze in der frühkindlichen Bildung.

Im Zuge des letzten Kitagipfels wurde dem VKMK eines wieder deutlich: Die Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und praktischer Umsetzung in der frühkindlichen Bildung ist eine Thematik von entscheidender Bedeutung. Wir haben es in den letzten Jahren leider viel zu oft erleben müssen; Politische Entscheidungen werden getroffen, ohne diejenigen zu konsultieren, die die täglichen Herausforderungen und Möglichkeiten in der frühkindlichen Bildung aus erster Hand erleben. Die Folge sind Maßnahmen, die oft an den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und des pädagogischen Personals vorbeigehen.

Die Kita-Experten, bestehend aus Erzieher:innen, Leiter:innen und anderen pädagogischen Fachkräften, sowie vertretenden Verbänden, wie dem VKMK, bringen eine unverzichtbare Perspektive ein. Ihre Erfahrungen sind ein unschätzbares Kapital, das bei der Gestaltung von Richtlinien und Programmen berücksichtigt werden muss. Ihre Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern, pädagogischen Bedürfnissen und praktischen Herausforderungen sind von unschätzbarem Wert für die Schaffung effektiver, nachhaltiger Bildungsstrukturen.

Die Kluft zwischen Politik und Praxis führt seit Jahren zu Problemen auf mehreren Ebenen:

  • Unzureichende Ressourcenallokation: Oftmals sind politische Entscheidungen nicht im Einklang mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Kitas. Sie konzentrieren sich auf die Behebung akuter Symptomatiken und übersehen dabei, teilweise gänzlich, die Wurzel des Problems. Dies führt zu unzureichenden Lösungsansätzen, wie mangelnder Finanzierung und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten für die Fachkräfte und letztendlich auch die Kinder.

  • Mangelnde Berücksichtigung von pädagogischen Bedürfnissen: Die Entwicklung von Bildungsprogrammen ohne Einbeziehung der Kita-Experten kann dazu führen, dass die pädagogischen Anforderungen nicht erfüllt werden. Dies kann die Qualität der Bildung beeinträchtigen und langfristig die Bildungschancen der Kinder mindern.

"Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen." - Johann Wolfgang von Goethe.

Die Hohe Kunst des Zuhören ist gefragt, bei der Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Wie es sich manifestieren kann, wenn dies nicht entsprechend umgesetzt wird, zeigen diese beiden Beispiele der vergangenen Monate:

Beispiel 1: Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung

Ein exemplarisches Missverständnis zeigt sich in der Forderung nach mehr Stellen in der frühkindlichen Bildung. Das eigentliche Problem liegt nicht in einem Mangel an Stellenausschreibungen, sondern viel mehr in der Tatsache, dass es an qualifizierten Fachkräften mangelt, die sich bewerben oder langfristig in diesen Positionen bleiben möchten. Hierbei spielt die Unterfinanzierung eine entscheidende Rolle, indem sie die Arbeit vor Ort unattraktiv gestaltet, dass viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt werden. Die eigentliche Lösung erfordert daher eine deutlich stärkere Finanzierung, die die tatsächlichen Herausforderungen der Kitas berücksichtigt und die Attraktivität des Berufsstandes durch angemessene Wertschätzung steigert, sodass wir mehr Personal anziehen und langfristig halten können Der simple Stellenausbau wäre somit nicht die vollumfängliche Lösung.

Beispiel 2: Mangelnde Sprachentwicklung bei Kleinkindern

Ein weiteres Beispiel betrifft die mangelnde Sprachentwicklung bei Kindern vor dem Eintritt in das Grundschulalter. Politiker:innen neigen dazu, dieses Problem mit der Multilingualität vor Ort zu verknüpfen und fordern zuletzt sogar teilweise Einschränkungen im Bereich der Migration. Allerdings weisen pädagogische Fachkräfte seit Jahren darauf hin, dass sie unter den aktuellen Bedingungen ihr Bildungsangebot teilweise nicht vollständig ausführen können. Das pädagogische Fachpersonal leidet unter der Unterfinanzierung, die zu personellen Problemen und Überlastung führt, was wiederum die gezielte Förderung einzelner Kinder beeinträchtigt. Das dies symptomatisch in den Förderungsständen der Kinder sichtbar wird, war lediglich eine Frage der Zeit. Die eigentliche Lösung liegt erneut in einer deutlich stärkeren Finanzierung, die die finanziellen Bedürfnisse an die tatsächlichen Herausforderungen anpasst, dem Fachkräftemangel entgegenwirkt und gezieltere Förderungen zulässt.

Diese Beispiele sind lediglich zwei von vielen, die verdeutlichen, wie eine unzureichende Kommunikation mit den betroffenen Akteuren zu Trugschlüssen, falschen Lösungsansätzen und letztlich auch Fehlinvestitionen führt. Diese Situation ähnelt dem schnellen Überstreichen einer maroden Wand, ohne den eigentlichen Schaden an der Struktur zu beheben. Obwohl einige Lösungsansätze zunächst vielversprechend erscheinen mögen, bleibt das zugrundeliegende Problem ungelöst. Das temporäre "Lösen" der Situation erlaubt der eigentlichen Problematik sich weiter auszubreiten, was langfristig zu weitaus größeren Schäden und umfangreicheren Kosten führen kann. Eine effektive Lösung erfordert eine tiefgreifende Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Kita-Experten. Die Schaffung von Plattformen für regelmäßigen Austausch, die direkte Einbindung der Fachkräfte in Entscheidungsprozesse und die aktive Integration ihrer Perspektiven in politische Diskussionen sind von entscheidender Bedeutung. Unser Verband setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass die freien Kitaträger, die wir vertreten, in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, gehört und anerkannt werden. Wir nehmen es positiv zur Kenntnis, dass wir nun mehr in entsprechende Dialoge eingebunden werden. Dies repräsentiert symbolisch einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Wir möchten an dieser Stelle jedoch ebenso vehement betonen, dass diese Dialoge weit über die Symbolik hinausgehen müssen, um hier tatsächlich etwas zu bewirken. Ein ehrlicher Austausch, und insbesondere die Offenheit sich hier mit den Herausforderungen tatsächlich zielgerichtet auseinandersetzen zu wollen, ist absolut von Nöten, um schlussendlich auch tatsächliche, realistische Lösungen zu formen.

Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann eine frühkindliche Bildungspolitik entwickelt werden, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.

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Weltkindertag: Eine Hommage an Unsere Pädagogischen Held*innen

Am 20. September feiern wir den Weltkindertag. Und während wir diesen Tag natürlich den Kindern widmen, die unsere Zukunft repräsentieren - so möchten wir ihn auch nutzen um an all jene zu erinnern, die fundamental dazu beitragen, dass eben diese Kinder, ihr volles Potenzial erkunden und entfalten können: die pädagogischen Fachkräfte.

Am 20. September feiern wir den Weltkindertag. Und während wir diesen Tag natürlich den Kindern widmen, die unsere Zukunft repräsentieren - so möchten wir ihn auch nutzen um an all jene zu erinnern, die fundamental dazu beitragen, dass eben diese Kinder, ihr volles Potenzial erkunden und entfalten können: die pädagogischen Fachkräfte.

Diese engagierten Menschen in Kindertagesstätten, Krippen, Schulen und Pflegeeinrichtungen leisten Tag für Tag Großartiges. Sie schaffen eine sichere und anregende Umgebung, in der Kinder lernen, wachsen und spielen können. Sie sind nicht nur Pädagogen, sondern auch Zuhörer, Tröster und Vorbilder für unsere Kleinen. Ihr Einfluss reicht weit über die Kita hinaus und prägt die Zukunft unserer Gesellschaft.

Jedoch ist es nahezu unmöglich, über ihre hingebungsvolle Arbeit zu sprechen, ohne gleichzeitig auf die herausfordernden Bedingungen hinzuweisen, die viele Fachkräfte heute akut belasten. Unterbezahlung und Personalmangel verwandeln oft den Beruf, den sie aus voller Leidenschaft gewählt haben, in einen wahren Balanceakt. Trotz ihrer herausragenden fachlichen Qualifikationen und ihres persönlichen Engagements sehen sich viele von ihnen gezwungen, ihre wertvolle Arbeit aufzugeben. Die alarmierend hohen Abwanderungsraten in diesem Berufsfeld verdeutlichen diese akute Problematik.

Pädagogische Fachkräfte sind nicht nur Expert*innen in der Bildung, sondern auch Schlüsselfiguren in der sozialen Entwicklung unserer Kinder. Sie fördern wichtige soziale Kompetenzen wie Empathie, Teamarbeit und Konfliktlösung, die für ein erfolgreiches und erfülltes Leben unverzichtbar sind. Sie unterstützen Kinder dabei, ihre Neugier zu wecken und ihre kreativen Fähigkeiten zu entfalten. In einer sich ständig wandelnden und zunehmend komplexen Welt sind diese Fähigkeiten von unschätzbarem Wert.

Wir sollten den Weltkindertag daher nicht nur als Gelegenheit sehen, unsere Kinder zu feiern, sondern auch als Anlass, um all die pädagogischen Fachkräfte zu würdigen, die Tag für Tag ihre Zeit, Energie und Liebe in die Bildung und Betreuung unserer Kinder investieren. Ihre Arbeit ist nicht nur eine Berufung, sondern eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation.

Es ist an der Zeit, die Bedingungen für pädagogische Fachkräfte zu verbessern und sicherzustellen, dass sie die Unterstützung und Wertschätzung erhalten, die sie verdienen. Wenn wir die Qualität der frühkindlichen Bildung verbessern und sicherstellen, dass pädagogische Fachkräfte unter optimalen Bedingungen arbeiten können, investieren wir in eine bessere Zukunft für uns alle.

Der Weltkindertag erinnert uns daran, dass Kinder unsere kostbarste Ressource sind und dass diejenigen, die sich um sie kümmern, unsere höchste Anerkennung verdienen. Lasst uns diesen Tag nutzen, um unsere Dankbarkeit und Wertschätzung für die pädagogischen Fachkräfte auszudrücken, die so unermüdlich daran arbeiten, unsere Kinder auf ihren Lebensweg vorzubereiten und ihnen dabei zu helfen, die besten Versionen von sich selbst zu werden.

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Kein Kind ist mehr sicher.

Vermehrt liest man Clickbait Schlagzeilen, mit reißerischen Titeln. “Tatort Kita” - “Kein Kind ist mehr sicher.” Die Misere der Kitakrise wird verzerrt und profitable, journalistisch aufgearbeitet. Die zugrundeliegenden Probleme, die seit Jahren absehbar waren, werden oft vernachlässigt, Lösungsansätze gekonnt ignoriert.

Vermehrt liest man Clickbait Schlagzeilen, mit reißerischen Titeln. “Tatort Kita” - “Kein Kind ist mehr sicher.” Die Misere der Kitakrise wird verzerrt und profitable, journalistisch aufgearbeitet. Die zugrundeliegenden Probleme, die seit Jahren absehbar waren, werden oft vernachlässigt, Lösungsansätze gekonnt ignoriert. Wir möchten uns heute der Gefahr von Clickbait-Journalismus zuwenden.

Die vermehrte Häufung von Schlagzeilen bezüglich der Situation in Kindertagesstätten wirft ein Licht auf die aktuelle Situation, doch bedarf es einer differenzierteren Betrachtung, um die wirklichen Probleme anzugehen. Der Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger (VKMK) betont, dass diese Schlagzeilen zwar schockieren, aber oft nur die Spitze des Eisbergs darstellen.

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, äußert sich zu dieser Thematik: "Die Wahrnehmung gewaltfreier Erziehung hat sich im Laufe der Zeit stark verändert, und das spiegelt sich natürlich in den heutigen Nachrichten wider. Die Sensibilität für dieses Thema ist gestiegen, was absolut begrüßenswert ist. Dennoch sollten wir nicht den Fehler machen, daraus zu schließen, dass die tatsächlichen Übergriffe in Kitas “drastisch” zugenommen haben."

Die Schlagzeilen neigen dazu, den Fokus auf das Personal und das Image des Erzieher-Berufes zu legen, während die zugrunde liegenden Probleme, die seit Jahren absehbar waren, oft vernachlässigt werden. Békési betont: "Es ist enttäuschend, dass solche Schlagzeilen anstatt der drängenden politischen Probleme und Lösungsansätze die Aufmerksamkeit erregen. Die Kita-Krise ist keine Überraschung, sondern ein Resultat von hausgemachten Schwierigkeiten."

Der VKMK repräsentiert zahlreiche Kitas, die Mitglieder des Verbandes sind und eine klare Sicht auf die Realitäten haben. "Unsere Mitglieder fühlen sich inmitten dieser Schlagzeilen oft wie im falschen Film", sagt Békési. "Die wirklichen Probleme werden kaum diskutiert, geschweige denn Lösungsansätze aufgezeigt, obwohl diese regelmäßig von den Kitaverbänden selbst publiziert werden.”

Der VKMK mitsamt seiner angeschlossenen Träger bemüht sich kontinuierlich, ihre Erfahrungen und zukunftsorientierten Lösungsansätze zu teilen. Trotz aller Anstrengungen haben diese jedoch bisher nicht das nötige Gehör gefunden, um in der praktischen Umsetzung angemessen berücksichtigt zu werden. “Es ist bedauerlich, dass die drängenden Probleme und notwendigen Veränderungen oft im Schatten solcher aufsehenerregenden Artikel bleiben. Statt oberflächlicher Sensationsberichterstattung sollten wir den Blick auf die tatsächlichen Herausforderungen richten. Es ist an der Zeit, die politischen Missstände anzugehen."

Artikel, wie der kürzlich im  "die Tagespost" (“Tatort Kita”) erschienene, heben zwar die gegenwärtigen Herausforderungen hervor, mit denen Kitas konfrontiert sind, darunter Personalmangel, Qualitätsfragen und gewaltfreie Erziehung - nutzen diese Misere aber gleichsam um mit reißerischen Schlagzeilen bezüglich Kindeswohl Aufmerksamkeit zu generieren.  Die Komplexität dieser Aspekte sind jedoch kaum beleuchtet, geschweige denn, dass eine umfassende Analyse stattfindet oder nachhaltige Lösungen diskutiert werden.

An dieser Stelle möchten wir nachdrücklich betonen, dass das Ansehen des Berufsbildes der "Pädagogischen Fachkraft" bereits durch spürbare Überlastung und finanzielle Unterfinanzierung in den vergangenen Jahren erheblich gelitten hat. Die aktuell aufkommenden Schlagzeilen drohen, diese bereits angespannte Situation weiter zu verschärfen. "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir dringend neues, kompetentes und qualifiziertes Personal gewinnen, sowie ausbilden können.", erklärt Békési. "Unser Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, die Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen zu verbessern, um den Beruf wieder attraktiver zu gestalten. Durch Schlagzeilen, die sich Profit aus der Misere erhoffen, ist niemandem geholfen. Nicht den Erzieher*innen, nicht den Kindern, nicht der frühkindlichen Bildung.”

Der VKMK appelliert an die Medien und die Gesellschaft, eine tiefere Perspektive einzunehmen und die eigentlichen Ursachen der aktuellen Situation anzugehen. Statt oberflächlicher Sensationsmeldungen sind nachhaltige Lösungen gefragt, um eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung zu gewährleisten.



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Dem Berliner Senat fehlt ein echter Plan

Unklare Formulierungen für „konkrete Anlässe“ und selbst wenn alles klappt, funktioniert es nicht. Dem Berliner Senat fehlt ein echter Plan.

Das heute erschienene 36. Trägerschreiben sollte Antworten bezüglich der Umsetzung der politischen Vorgaben zur Pandemie-Bekämpfung liefern. Der Wille, die Betreuung für alle Kinder solang wie möglich anzubieten, kann nur Berge versetzen, wenn es einen konkreten und funktionierenden Plan gibt. Leider ist in diesem Schreiben kein kohärentes Konzept zu erkennen und es bleiben erneut viele dringende Fragen offen.

Unklare Formulierungen für „konkrete Anlässe“

Zu den offenen Fragen gehört zum Beispiel die Berliner Teststrategie. Künftig sollen die Kinder einbezogen werden, „wenn hierfür ein konkreter Anlass gegeben ist“. Dieser konkrete Anlass wird jedoch nicht weiter definiert. Kinder mit Erkältungssymptomen hingegen werden von der Betreuung ausgeschlossen, wenn kein aktueller negativer Schnelltest vorgezeigt werden kann – dies umfasst auch einen von den Eltern durchgeführten Selbsttest. Der Senat erwartet eine Lieferung von 500.000 Selbsttests für Kita-Kinder allerdings frühestens Mitte April. Wie diese Vorgaben in der Zwischenzeit umgesetzt werden soll, bleibt völlig offen. Die von der Senatsverwaltung empfohlenen Testzentren, dürften morgens um sechs jedoch schwer zu finden sein.  

Weiter unten im Trägerschreiben heißt es dann für Fachkräfte: „Eine Deklarierung der bereits verteilten Schnelltests (…) als Selbsttests ist bislang leider nicht erfolgt“.  Damit bleibt die versprochene Möglichkeit für MitarbeiterInnen, sich selbst schnell im häuslichen Umfeld testen zu können, weiterhin unerfüllt.

Selbst wenn alles klappt, funktioniert es nicht

Aber auch mit vorhandenen Selbsttests ist an eine Umsetzung der Vorgaben des Senats nicht zu denken. Laut Trägerschreiben sollte einem Kind mit Erkältungssymptomen der Zutritt verweigert werden, woraufhin die Eltern einen Test bekommen würden. Für die 15 Minuten, die ein Schnelltest mindestens benötigt, müsste den Eltern allerdings ein seperater Raum zur Verfügung gestellt werden – und zwar für jedes einzelne Kind.

Dieses Szenario setzt obendrein voraus, dass die Organisation durch den Senat bei den Lieferketten funktioniert. Die bisherigen Schnelltests wurden zumindest zwei Wochen später als angekündigt geliefert. Des Weiteren soll die Verteilung ab Mitte April zukünftig durch die bezirklichen Jugendämter erfolgen. Es bleibt abzuwarten, ob der erneute Übergang der Zuständigkeiten und die Verteilung reibungslos verlaufen werden.

Sozialunternehmen können es besser!

An dieser Stelle können wir nur wiederholt auf die Kompetenz der Freien Kita-Träger verweisen. Die bisherige Aufrechterhaltung der frühkindlichen Bildung in Berlin ist in großen Teilen den Sozialunternehmen zu verdanken, die eigenständig und zeitnah gehandelt haben, um ein funktionierendes Hygienekonzept für ihre MitarbeiterInnen und Kinder umzusetzen. Die Senatsverwaltung hingegen hing den Entwicklungen vor Ort stets nur hinterher.

Bei einer Kostenpauschale für Infektionsschutz- & Hygienmaßnahmen könnten die Freien Träger durch ihre Erfahrung und das Gebot der Wirtschaftlichkeit preiswerter und schneller Tests organisieren. Aufgrund ihres Wissens um die Bedürfnisse in ihren Einrichtungen, hätten sie sich dabei beispielsweise für die „Spucktests“ oder „Lollytests“ anstelle der „Nasenbohrertests“ entschieden. All das wäre effizienter im Sinne der Pandemie-Bekämpfung und sparsamer in Bezug auf die verwendeten Steuergelder.

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Kita-Öffnung - wieder ein Bildungsangebot für alle Kinder

Bildungsangebot für alle Kinder

Lars Békési, Geschäftsführer der VKMK: „Wir als Verband begrüßen es deshalb außerordentlich, dass alle Kinder wieder ein Bildungsangebot erhalten werden und wir damit beginnen können, die Lockdown-Schäden in den Kinderseelen zu mildern.“

Am kommenden Dienstag, 9.3.21 werden die Berliner Kindertagesstätten vom Notbetrieb wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb wechseln. Wir begrüßen diesen Schritt halten und ihn im Hinblick auf die Kinder für unverzichtbar. Gleichzeitig stellt dieser Öffnungsschritt eine Herausforderung für einige Berliner Kita-Träger dar.

Führende Mediziner beschreiben regelmäßig die Infektionslage in Schulen und Kitas. So auch im Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Ihr Empfehlungen lautet, möglichst schnell die Bildungseinrichtungen zu öffnen. Dafür gibt zwei Gründe. Einerseits ist der bereits erfolgte Entwicklungsschaden der Kinder so groß, dass eine Öffnung zwingend notwendig ist. Auch wenn die Schäden nicht zu beheben sind, müssen zumindest weitere Schäden vermieden werden. Andererseits haben Studien ein geringes Infektionsrisiko belegt, solange die Hygienemaßnahmen befolgt wurden.

Deshalb unterstützen wir den Senat bei seiner Entscheidung, die Kitas zur nächsten Woche zu öffnen. Das in Zeitungen zu lesende Chaos wird sich bei unseren Mitgliedern nicht einstellen. Als Sozialunternehmer haben sie bereits über die gesamte Pandemie hinweg Lösungen gefunden und Maßnahmen eingeleitet – in den meisten Fällen noch bevor sie Anweisungen der Senatsverwaltung erhalten haben. So wurden zum Beispiel Masken und Schnelltests schneller und preiswerter beschafft, als es der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie möglich war.

Hygieneschutz anpassen

Ein Ergebnis, das die medizinischen Studien zur Pandemie grundsätzlich zeigen, betrifft den Hygieneschutz. Solange die Hygieneregeln eingehalten werden, bleiben die Infektionszahlen in den Bildungseinrichtungen im Rahmen. Zusätzlich empfehlen Ärzte, unter anderen Prof. Dr. Klaus- Dieter Zastrow (Klinikum Ernst von Bergmann), eine Desinfektion des Rachenraums mittels eines Schleimhautdesinfektionsmittels, wie es z.B. von Zahnärzten seit Jahrzehnten verwendet wird.

Wenn Mund-Nasen-Masken, häufiges Testen und Desinfizieren des Rachenraums zum Hygienekonzept gehören, ist das Infektionsrisiko sehr niedrig und eine pädagogische Arbeit wieder möglich.

Lars Békési, Geschäftsführer der VKMK: „Wir als Verband begrüßen es deshalb außerordentlich, dass alle Kinder wieder ein Bildungsangebot erhalten werden und wir damit beginnen können, die Lockdown-Schäden in den Kinderseelen zu mildern.“

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Bildungschancen sichern

Kapazitäten prüfen - Impfangebot aus überschüssigen Dosen unterbreiten

Die Verlegung der Kita-Fachkräfte in die Stufe 2 der Impfkampagne reicht bei weitem nicht aus, den Mitarbeiterschutz in den Kindergärten zu gewährleisten, da mit den Impfungen frühestens im Juni zu rechnen ist. Deshalb muss dieser besonders gefährdeten Berufsgruppe - ohne die kein anderer systemrelevanter Betriebaufrechterhaltenwerden könnte - zeitnah ein Impfangebot unterbreitet werden. Dabei könnten beispielsweise die nicht verwendeten Impfdosen der Stufe 1 benutzt werden.

In diesen bewegten Zeiten werden zunehmend die Kleinsten unserer Gesellschaft übergangen. Welche Probleme dabei in der frühkindlichen Bildung entstehen und welche Lösungsvorschläge der VKMK hat, wird im Folgenden erläutert.

Gleiche Chancen für alle VorschülerInnen

Leider wird auch in diesem Jahr die Vorschuluntersuchung pandemie-bedingt erneut ausgesetzt. Doch viele VorschülerInnen haben derzeit noch nicht einmal die Möglichkeit, an Bildungsangeboten in ihren Kitas teilzunehmen, um sich gezielt auf weiterführenden Weg der schulischen Herausforderung vorzubereiten. Weil die 60-Prozent-Obergrenze bei der Auslastung in Berliner Kindergärten für alle Kinder gilt, erhalten VorschülerInnen unter Umständen keine Betreuung, wenn ihre Eltern nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten und die Obergrenze in der Einrichtung bereits erreicht ist.

Dadurch haben diese Kinder nicht die gleichen Bildungschancen. Der VKMK fordert deshalb, dass alle VorschülerInnen aus der Obergrenzen-Berechnung herausgenommen werden und ihren notwendigen Zugang zur Bildung erhalten. Die in der Folge höhere Auslastung führt allerdings zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Dieser Gefahr kann nicht nur mit den geplanten Schnelltests begegnet werden.

Kapazitäten prüfen - Impfangebot aus überschüssigen Dosen unterbreiten

Die Verlegung der Kita-Fachkräfte in die Stufe 2 der Impfkampagne reicht bei weitem nicht aus, den Mitarbeiterschutz in den Kindergärten zu gewährleisten, da mit den Impfungen frühestens im Juni zu rechnen ist. Deshalb muss dieser besonders gefährdeten Berufsgruppe - ohne die kein anderer systemrelevanter Betriebaufrechterhaltenwerden könnte - zeitnah ein Impfangebot unterbreitet werden. Dabei könnten beispielsweise die nicht verwendeten Impfdosen der Stufe 1 benutzt werden.

Dadurch könnten sich unsere Kita-Fachkräfte vor Infektionen schützen und zum anderen entfallen die Probleme mit den Obergrenzen bei der Auslastung. Am Wichtigsten wäre jedoch nicht nur der Mehrwert für die mehrfachbelasteten Eltern, sondern auch für die Berliner Unternehmen, da sich die Eltern gezielt auf ihre Arbeit konzentrieren könnten, während ihre Kinder in der ersten Bildungseinrichtung eine altersgerechte Förderung erhalten.

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