Dringender Appell für Bildungswende bleibt ungehört: Demonstration am internationalen Tag des Kindes kaum beachtet
Vergangenes Wochenende fanden in Berlin drei Demonstrationen statt. Während die Fahrraddemonstration zur Verkehrswende und die Proteste gegen die hohen Mietpreise umfassend medial begleitet wurden, blieb der Bildungsprotest unter dem Motto „Bildung braucht Demokratie!“ weitgehend unbeachtet.
Vergangenes Wochenende fanden in Berlin drei Demonstrationen statt. Während die Fahrraddemonstration zur Verkehrswende und die Proteste gegen die hohen Mietpreise umfassend medial begleitet wurden, blieb der Bildungsprotest unter dem Motto „Bildung braucht Demokratie!“ weitgehend unbeachtet.
Der Bildungsprotest der Initiative “Bildungswende JETZT!” fand am 01. Juni zum internationalen Tag des Kindes statt, um auf die dringende Notwendigkeit einer Bildungsreform aufmerksam zu machen, mit der allen Kindern ein chancengerechter Zugang zu hochwertiger Bildung ermöglicht werden kann. Etwa 3.000 Menschen nahmen an der Demonstration teil.
Die Dringlichkeit dieser Forderungen wird durch besorgniserregende Zahlen deutlich: Jedes fünfte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet, während der Bedarf an sprachlicher Förderung bei über 80% der Nicht-Kita Kinder äußerst hoch ist. Zudem erfordert die Integration von Geflüchteten eine weitreichende Unterstützung durch chancengerechte Bildung, da 51% Schwierigkeiten beim Zugang zum Bildungssystem haben. Demnach ist es unerlässlich, eine umfassende und nachhaltige Bildungsreform zu initiieren, um sicherzustellen, dass diese vulnerable Bevölkerungsgruppen Zugang zur Bildung erhalten und nicht am Rand der Gesellschaft zurückgelassen werden.
Trotz des zeitlichen Abstands zum vergangenen Wochenende sind die Pädagog*innen und Mitglieder des Kitaverbands VKMK nach wie vor tief enttäuscht über die mangelnde Resonanz und die geringe Aufmerksamkeit, die den Kindern am internationalen Tag des Kindes zuteil wurde. Grit Nierich, Vorsitzende des Verbands und Geschäftsführerin des „Kleinen Fratz“, unterstreicht die essenzielle Bedeutung der frühkindlichen Bildung als unverzichtbares Fundament für eine stabile Gesellschaft: "In der Diskussion über gesellschaftliche Themen darf niemals vergessen werden, dass die frühkindliche Bildung das Grundgerüst für alles bildet."
Ebenso äußert sich Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betroffen über die geringe Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder an ihrem besonderen Tag: "Es ist bedauerlich, wie wenig Beachtung den Anliegen der Kinder und ihrer Bedürfnisse an ihrem besonderen Tag entgegengebracht wurde. Um den Weg für unsere Kinder in eine vielversprechende Zukunft zu ebnen, müssen wir sicherstellen, dass Bildung als höchste Priorität in unserer Gesellschaft verankert ist. Ohne eine hochwertige frühkindliche Bildung steht langfristig nicht nur der sozioökonomische Wohlstand, sondern auch die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft auf dem Spiel. In diesem Kontext werden Mieten und Verkehrspolitik zu sekundären Anliegen."
Personalmangel an Kitas: VKMK fordert langfristige Lösungen statt Zeitarbeit
Am Mittwoch, den 10.04.2024, wurde in der Abendschau des rbbs ein Beitrag über Zeitarbeit in Berliner Kitas* ausgestrahlt, für welchen der rbb zu Recherchezwecken auf den VKMK zugekommen ist. Anlässlich dieses Beitrags bezieht der VKMK ebenfalls Stellung zu dieser Thematik, mit besonderem Bezug auf den betriebswirtschaftlichen Aspekt, welcher in dem Beitrag unerwähnt blieb.
Am Mittwoch, den 10.04.2024, wurde in der Abendschau des rbbs ein Beitrag über Zeitarbeit in Berliner Kitas* ausgestrahlt, für welchen der rbb zu Recherchezwecken auf den VKMK zugekommen ist. Anlässlich dieses Beitrags bezieht der VKMK ebenfalls Stellung zu dieser Thematik, mit besonderem Bezug auf den betriebswirtschaftlichen Aspekt, welcher in dem Beitrag unerwähnt blieb.
Bereits seit längerer Zeit verfolgt der VKMK die Entwicklung im Bereich der Personalausstattung in Kindertageseinrichtungen. Personalmangel, verkürzte Arbeitszeiten und krankheitsbedingte Ausfälle führen an vielen Kitas in Deutschland vermehrt zu personellen Engpässen.
Hinzu kommt die verstärkte Neigung pädagogischer Fachkräfte, sich an Arbeitnehmerüberlassungsunternehmen zu wenden. Dieser Trend erklärt sich durch die vermeintlich höhere Flexibilität bei gleichzeitig geringerer Verantwortung, die das Zeitarbeitsmodell bietet – Aspekte, die viele Kitaträger aufgrund der komplexen Ansprüche und strukturellen Vorgaben frühkindlicher Bildung nicht in gleichem Maße bieten können.
Diese Entwicklungen in Bezug auf das pädagogische Personal führen dazu, dass Kitaträger aufgrund unvorhergesehener Ereignisse, wie Kündigungen, Schwangerschaft oder Krankheitsfälle oftmals unter der vom Senat festgelegten 100% Personalausstattung liegen, womit sie Gefahr laufen finanzielle Sanktionen auferlegt zu bekommen. Folglich sehen sich Kitaträger bei personellen Engpässen gezwungen, auf Arbeitnehmerüberlassung zurückzugreifen, um sowohl finanzielle Sanktionen als auch personelle Schwierigkeiten zu vermeiden. Allerdings belaufen sich die Kosten für einen Zeitarbeiter auf 48 Euro pro Stunde. Ein hoher Betrag, der nicht refinanziert wird. Auf Dauer gesehen, ist es Kitaträgern somit unmöglich Zeitarbeiter einzustellen ohne dabei in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Die Regelung der Finanzierung einer Personalausstattung von 100% stellt somit eine Zwickmühle für Kitaträger dar, die in beide Richtungen Kitas in wirtschaftliche Miseren stürzen kann. Eine Erhöhung der Finanzierung der Personalausstattung von 115% ist daher unumgänglich, um die Qualität der frühkindlichen Bildung und Betreuung langfristig zu sichern.
Darüber hinaus stehen die Anforderungen an die Qualität der frühkindlichen Bildung im Widerspruch zum Prinzip der Zeitarbeit. Kontinuität und Verlässlichkeit spielen eine zentrale Rolle in diesem sensiblen Bereich. Kinder benötigen feste Bezugspersonen, auf die sie sich verlassen können und die sie langfristig in ihrer Entwicklung unterstützen und begleiten. Die kurzfristigen Einsätze von Zeitarbeitskräften können diesen Anforderungen nicht gerecht werden.
Der VKMK betont daher, dass der Einsatz von Zeitarbeitskräften lediglich eine kurzfristige Lösung für personelle Engpässe darstellt, jedoch keine nachhaltige Lösung für die zugrundeliegende Herausforderung der Fachkräftebindung und -gewinnung. Eine langfristige Lösung erfordert dringend eine Finanzierung einer Personalausstattung von 115%, wie es bereits in Schulen üblich ist. Dadurch könnten Kitaträger flexibel und zeitnah auf kurzfristige Personalausfälle reagieren und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von Zeitarbeit verringern. Dies führt nicht nur zur Entlastung im Personalmanagement und den finanziellen Ressourcen, sondern sichert auch die Qualität der frühkindlichen Bildung nachhaltig.
*https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20240410_1930/zeitarbeit-auch-in-kitas.html
Allergien und Nahrungsmittelpräferenzen in Kitas - Inklusion muss gelebt werden dürfen.
Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.
In Berlin, einer Stadt voller Vielfalt und kultureller Reichhaltigkeit, steht die frühkindliche Betreuung vor der Herausforderung, die Bedürfnisse von Familien und Kindern mit unterschiedlichen Ernährungsvorstellungen und Allergien angemessen zu berücksichtigen. Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.
Vielfalt in Allergiegraden und die einheitliche Sicherheitsgewährleistung
Allergien manifestieren sich in einer Vielzahl von Erscheinungsformen, von leichten Unverträglichkeiten bis hin zu schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Reaktionen. Während einige Kinder auf bestimmte Lebensmittel oder Umweltfaktoren mit milden Symptomen reagieren, können andere von schweren allergischen Reaktionen betroffen sein, die sofortiges Handeln erfordern.
Trotz dieser Unterschiede ist es von entscheidender Bedeutung, dass unabhängig vom Schweregrad sämtlicher Allergien ein einheitlicher Sicherheitsrahmen in Kitas gewährleistet wird. Selbst bei vermeintlich milden Allergien ist eine sorgfältige Überwachung, die Vermeidung der auslösenden Stoffe und die Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung von großer Bedeutung, um das Wohlbefinden und die Gesundheit aller Kinder zu schützen.
Essentielle Bedeutung der Kommunikation bei starken Allergien
Besonders bei starken oder lebensbedrohlichen Allergien wird die Notwendigkeit einer präzisen und umfassenden Kommunikation zwischen Eltern, Ärzten und dem Kita-Personal zu einem unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Managements. Eine starke Allergie kann nicht nur die Ernährung der Kinder beeinflussen, sondern erfordert auch eine genaue Kenntnis der spezifischen Auslöser, der potenziellen Reaktionen und der adäquaten Notfallmaßnahmen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, die das detaillierte Wissen über die Allergie ihres Kindes haben, den betreuenden Ärzten, die wichtige Informationen und Behandlungsempfehlungen bereitstellen, und dem Kita-Personal, das tagtäglich für das Wohlbefinden der Kinder verantwortlich ist, ist von entscheidender Bedeutung. Diese kooperative Partnerschaft gewährleistet nicht nur die umgehende Reaktion im Notfall, sondern ermöglicht auch eine präventive Planung und einen sicheren Umgang mit potenziellen Allergenen im Kita-Umfeld.
Unsere freien Kitaträger in Berlin handeln stets proaktiv, um die Lebensmittelversorgung für Kinder mit lebensbedrohlichen Allergien sicherzustellen. Hier sind einige der Schritte, die sie unternehmen:
Es wird eine klare Kommunikation mit den Erziehungsberechtigten gepflegt. Eltern werden gebeten, die Allergien ihrer Kinder im Detail zu beschreiben und das Kita-Personal über spezifische Auslöser und Symptome zu informieren. Allergene werden konsequent vermieden. Die Kitas stellen sicher, dass allergieauslösende Lebensmittel separat von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden, um Kontaminationen zu vermeiden. Diese Lebensmittel werden in der Küche gekennzeichnet, getrennt gelagert und zubereitet. Das Kita-Personal ist mit Notfallplänen vertraut und wird geschult, um im Falle einer allergischen Reaktion sofortige Hilfe zu leisten. Sie kennen die Symptome und wissen, wie sie im Notfall Medikamente wie beispielsweise Epinephrin richtig anwenden. Es wird auch eine Sensibilisierung in der Gruppe durchgeführt. Kinder im verbalen Alter werden sensibilisiert, um das Verständnis für die Allergie eines Mitschülers zu fördern und versehentliche Expositionen zu minimieren.
Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist für präventive Maßnahmen unerlässlich. Die Eltern werden über die Schwere der Allergie informiert und gebeten, keine Lebensmittel, die potenzielle Allergene enthalten, mit ihren Kindern in die Kita zu bringen. Diese präventive Maßnahme trägt dazu bei, das Risiko einer versehentlichen Exposition gegenüber Allergenen zu minimieren und schafft ein sichereres Umfeld für alle Kinder in den Kitas.
Differenzierter Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen in Kitas
Im Gegensatz zu schweren Allergien und Stoffwechselerkrankungen erfordern leichte Allergien oder die Ablehnung bestimmter Lebensmittel aus religiösen oder anderen Gründen in Kitas oft eine differenziertere Herangehensweise. Während strenge Maßnahmen für starke Allergien unerlässlich sind, können bei leichten Allergien oder Lebensmittelpräferenzen aus religiösen Gründen alternativere Strategien umgesetzt werden, die die Diversität aller vor Ort berücksichtigen kann.
Der Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen erfordert zwar besondere Aufmerksamkeit, ermöglicht aber in der Regel eine größere Flexibilität bei der Auswahl der Mahlzeiten und Lebensmittel, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein offener Dialog zwischen Eltern, Kita-Personal und gegebenenfalls Gesundheitsexperten ist auch hier unabdingbar, um die spezifischen Bedürfnisse jedes Kindes zu verstehen und zu berücksichtigen und so eine unterstützende Umgebung zu schaffen, in der alle Kinder gleichberechtigt teilhaben können.
Beispiel einer diversifizierten Lebensmittelvergabe an einem gemeinsamen Tisch in der Kita:
An einem gemeinsamen Tisch in der Kita könnte die Lebensmittelversorgung so gestaltet werden, dass sie sowohl den Bedürfnissen von Kindern mit leichten Allergien oder spezifischen Ernährungspräferenzen als auch den religiösen Richtlinien entspricht:
Klare Kennzeichnung: Alle Lebensmittel sind deutlich gekennzeichnet, um die Unterscheidung zwischen allergenfreien, religiös akzeptablen und anderen Produkten zu ermöglichen.
Getrennte Speisen und Utensilien: Es werden separate Speisen und Utensilien für Kinder mit Allergien oder religiösen Präferenzen bereitgestellt, um jegliche Kontamination zu vermeiden. Dies schließt die Verwendung von separaten Löffeln, Schalen oder Behältern ein.
Alternative Optionen: Neben den Hauptgerichten werden alternative Optionen bereitgehalten, die den religiösen Anforderungen entsprechen oder als Ersatz für allergenhaltige Lebensmittel dienen. Diese werden klar ausgewiesen und ansprechend präsentiert.
Angepasste Portionsgrößen: Die Portionen werden entsprechend den Bedürfnissen jedes Kindes angepasst, um sicherzustellen, dass keinerlei ungewollte Lebensmittel in Kontakt kommen und um sicherzustellen, dass jedes Kind die benötigte Menge erhält.
Offene Kommunikation: Das Kita-Personal ist stets ansprechbar, um Fragen der Kinder zu den angebotenen Lebensmitteln zu beantworten. Eltern haben die Möglichkeit, im Voraus Informationen über spezielle Anforderungen oder Einschränkungen mitzuteilen und sich auch über den Speiseplan der Kita im Vorfeld über die geplanten Mahlzeiten und darin enthaltenen Allergenen und Zusatzstoffen zu informieren.
Die Herausforderungen der Nahrungsbereitstellung und der Gedanke der Inklusion
Es ist wichtig anzumerken, dass die Sorgfalt bei den Lebensmitteln selbsterklärend auch einen Mehraufwand mit sich bringt. Nicht nur personell, sondern auch in den Kosten. Separate Lagerungen in zusätzlichen Schränken und Boxen sowie individuelle Zubereitungen sind vonnöten.
Wie bereits in unserem vorherigen Artikel betont (Hier geht es zum Artikel!), ist die Herausforderung, eine ausgewogene Ernährung aufgrund finanzieller Engpässe in Kitas sicherzustellen, ein bestehendes Dilemma. Die Bemühungen, eine Ernährung zu fördern, die nicht nur den gesundheitlichen Aspekten gerecht wird, sondern auch Inklusion und Vielfalt reflektiert, verschärfen diese Schwierigkeiten zusätzlich. Es wird zunehmend kompliziert, die Grundsätze der Inklusion zu predigen, während gleichzeitig politische Hindernisse und finanzielle Engpässe die Essensversorgung in Kitas einschränken. Die Forderung nach einer Ernährung, die die Vielfalt und die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, erfordert nicht nur ein Umdenken in der Essenspolitik, sondern auch eine verstärkte Unterstützung seitens der politischen Entscheidungsträger, um sicherzustellen, dass die Essensversorgung keine Barrieren für eine inklusive Umgebung in Kitas schafft.
Die prekäre Lage der Kitaträger: Ein alarmierender Blick auf Deutschlands Betreuungssystem
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Ein bundesweiter Blick auf die aktuelle Situation, von München, über Köln, bis nach Hamburg und Berlin, zeigt eine verhängnisvolle Kluft zwischen politischem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung. Die frühkindliche Bildung in Deutschland ist unterfinanziert. Die Probleme, die vor 20 Jahren bereits aktuell waren, sind es heute immer noch - nur : noch gravierender. Wir brauchen Handlungen statt warmer Worte. Jetzt.
München atmet auf: Eine neue Härtefall-Regelung kommt den finanziell gebeutelten Kitaträgern entgegen, die um ihre Existenz bangten. Die Regelung ermöglicht Kitaträgern, die wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, einen entsprechenden Antrag auf Unterstützung in der benötigten Höhe zu stellen. Die Stadt München möchte damit verhindern, dass Kitaplätze eingestellt werden müssen. Dieses gibt vielen Kitaträgern zwar Hoffnung, aber es ist schlussendlich nur ein Trostpflaster, das den Blick auf das wesentliche Problem verschleiert: Die Finanzierung der frühkindlichen Bildung wurde über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt, und die Auswirkungen sind deutschlandweit spürbar.
Bremen sorgte zuletzt für alarmierende Schlagzeilen. Es belegte bei einem bundesweiten Vergleich, den letzten Platz in der Betreuungssituation. Demnach ist etwa jede zweite Mutter mit einem Kind im Krippen- oder Kita-Alter nicht erwerbstätig, da Betreuungsplätze schlichtweg fehlen. Wohlfahrtsvereine rund um Hamburg schlugen zuletzt vor Weihnachten 2023 noch einmal Alarm, Nordrhein-Westfalen beschreibt die aktuelle Lage als „unzumutbar“ und in Berlin überschlagen sich die Artikel und Hilferufe ebenfalls seit Jahren. Völlig gleich, in welches Bundesland man schaut, die Kita-Krise ist bereits da und breitet sich unentwegt weiterhin aus.
Zeit für Realitätssinn: Die bedenklichen Folge der Unterfinanzierung
Es ist an der Zeit, der Realität ins Auge zu sehen und die drastischen Auswirkungen der chronischen Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildung zu begreifen. Wir stehen vor einem erschreckenden Fachkräftemangel, der zu einem drastischen Rückgang der Betreuungsangebote und erhöhten Krankenständen führt. Das ohnehin knappe Angebot an qualifizierten Fachkräften schrumpft weiterhin, während sich die Bewerbungszahlen rapide verringern. Diese Tendenzen in der Personalbeschaffung und -bindung sind nachhaltig beunruhigend. Die neuesten Ergebnisse der Pisa-Studie bestätigen, was für viele Pädagogen:innen schon längst eine bittere Erkenntnis darstellte; die spürbare Abnahme der Bildungsqualität in Deutschland. Dieser Abwärtstrend ist nun auch nachweislich belegbar. Es ist ein letzter gravierender Weckruf, ein eindringlicher Hinweis darauf, dass das Fehlen angemessener finanzieller Mittel unweigerlich zu einem fortwährenden Qualitätsverlust führt.
Die herausfordernde Realität für pädagogische Fachkräfte
Der Beruf der pädagogischen Fachkraft ist eine Berufung, die viele von Herzen ausüben. Die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen und die Arbeit mit den Kindern geben viele von ihnen als Etwas von unschätzbarem Wert an. Doch der Arbeitsalltag erschwert ihnen die Freude am Beruf. Bereits 2022 äußerte der damalige Berliner FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf, dass die erschreckend hohe Anzahl von Krankmeldungen der Fachkräfte in frühkindlichen Einrichtungen als "besonderes Vorkommnis" an die Senatsverwaltung für Jugend gemeldet wurde. Doch Abhilfe gab es nicht. Im Jahr 2023 erlebten die Krankenstände in diesem Bereich in Berlin einen weiteren, bedauerlichen Anstieg. Überlastung und Personalmangel stellen für viele Fachkräfte eine erhebliche Belastung dar und führen nicht selten auch zu Burn-Out und langfristigen Ausfällen. Diese Realität bringt viele engagierte Fachkräfte an ihre Grenzen und zwingt sie schlussendlich zur Kapitulation; sie verlassen den Beruf, der ihnen so viel bedeutet hat.
Forderungen aus der Politik im Wandel der Jahre und der Mangel an Lösungsumsätzen.
Seit mindestens zwei Jahrzehnten ist das Problem der Unterfinanzierung und der Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung kein unbekanntes Thema mehr. Es scheint kein Erkenntnisproblem auf Seiten der Fachkräfte, der Eltern, der Wissenschaft oder der Verwaltungen zu sein, sondern ein Defizit in der tatsächlichen Umsetzung. Politiker:innen verschiedener Parteien haben über die Jahre hinweg auf die Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hingewiesen, doch die Verantwortungsübernahme der akuten Lösungsumsetzung wurde stets vermisst.
Die derzeitige Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) äußerte zuletzt 2023 nach den erschreckenden Ergebnissen der Pisa-Studie, die Dringlichkeit eines aktiven Vorgehens, um die Bildungskrise zu bewältigen und verankerte ihren Fokus hier auch bei den frühkindlichen Institutionen. Ihre Stimme reiht sich in eine lange Kette ähnlicher Anmerkungen ein, die über die letzten zwei Jahrzehnte zu hören waren.
Bereits 2007 betonte Ursula von der Leyen (CDU) in einem Interview, dass viele Fachkräfte Hamburg, trotz teils besserer Arbeitsangebote von Firmen in anderen Regionen, nicht verlassen wollten. Der Grund war simpel; Hamburg stellte 2007 die Spitze dar, für Betreuungsangebote in Kindertagesstätten und ermöglichte den Fachkräften somit die Work-Familien-Balance, die sie brauchten. Von der Leyen sah darin keineswegs nur Lob für Hamburg. Vielmehr deutete sie es als ein alarmierendes Signal für andere Bundesländer und forderte einen schnellstmöglichen Ausbau von Stellen und Betreuungsplätzen, im Bereich frühkindliche Bildung.
Auch Annette Schavan (CDU) äußerte sich 2009 zur dringenden Notwendigkeit, die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte zu erleichtern, um dem damals bereits sichtbaren Personalmangel in Kitas entgegenzuwirken. Die ehemalige Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte 2014 bundesweit einheitliche Standards für Kitas, sowohl in Bezug auf Bildungsqualität als auch Arbeitsbedingungen des Personals. Im Zuge dessen erörterte Schwesig ebenfalls ein Problem, das sich bis heute nicht beheben ließ. Im Interview mit „Deutschlandfunk“, betonte sie das bisherige „Schuldzuweisungsspiel“, das sie als ehemalige Landesministerin aktiv miterlebt hatte und ermahnte diese Dynamik final zu beenden. Ihr Ziel war es, konstruktiv an einem Tisch zusammenzukommen und zu klären, was bundesweit gestemmt werden kann. Dabei sollte nicht nur über die Kosten, sondern auch über die Finanzierungsgrundlagen gesprochen werden. Sie erwähnte die Dringlichkeit, nicht nur um Geld zu kämpfen, sondern auch klare Vorstellungen zu haben, wie die Umsetzung aussehen soll, damit diese schnellstmöglich beginnen kann.
2018 brachten die aktuelle Bundesministerin Lisa Paus und Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) ihre Unterstützung für eine Demonstration gegen die Berliner Kita-Krise zum Ausdruck. Paus betonte, dass bereits seit einem Jahrzehnt Eltern, Träger, Gewerkschaften und Verbände für eine nachhaltige Verbesserung der Kita-Qualität und der Kindertagespflege kämpfen würden. Sie warnte davor, dass die aktuelle Notlage einen Rückschlag in alte Missstände bedeuten könnte. Der damalige Bundesfinanzminister, und heutige Bundeskanzler, Olaf Scholz, wurde direkt aufgefordert, zusätzliche Mittel bereitzustellen, da die bisherigen finanziellen Zusagen für den versprochenen Ausbau und eine echte Qualitätsoffensive nicht ausreichten, sie wollten Handlungen sehen. Seit 25. April 2022 ist Paus Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Enttäuschende Schlagzeilen und trügerische Hoffnung
Im Jahr 2024 stehen wir erneut vor den gleichen Meldungen, denselben Schlagzeilen und drängenden Problemen – nur erscheinen sie nun noch drastischer als je zuvor. Bundesweit breitet sich eine Welle von Symptomen aus, die der Kita-Krise ein deutliches Gesicht geben. Sogar Hamburg, lange Zeit als Ausnahme gesehen, ist von den Auswirkungen schon lange nicht mehr gefeit.
In München schwankt die Stimmung zwischen Bangen und einem seufzenden Aufatmen, wenn die Stadt zumindest vorübergehend Kita-Plätze vor der Schließung aufgrund finanzieller Engpässe retten kann. Und in Berlin herrscht eine gewisse Erleichterung, seitdem Kitas seit 26. Oktober 2023 wieder selbst festlegen könnten, ob und welche Zuzahlungen von Eltern übernommen werden können, um das pädagogische Zusatz-Angebot aufrechtzuerhalten. Diese Schlagzeilen, die oftmals von Hoffnungsschimmern, Aufatmen und Erleichterung sprechen, mögen auf den ersten Blick positiv erscheinen, jedoch täuschen sie. Sie zeigen vielmehr, dass die Politik letztlich darin scheitert, die Verantwortung zu übernehmen, um die Kernprobleme zu lösen. Das Aufatmen bezieht sich schlussendlich nie auf eine festgelegte Absicherung bezüglich Betreuungsangeboten und nachhaltigen Finanzierungen, sondern vielmehr darauf, dass das Schlimmste vermieden werden konnte; das Einstellen der Angebote. Keines Wegs darf diese Form von Politik und medialer Berichterstattung davon ablenken, dass diese Lösungen keine Lösungen sind - sondern lediglich Placebos, die an Kitas oder Eltern verteilt werden, damit diese in Eigenregie die Behandlung der akutesten Symptome übernehmen können.
Ein Dialog in Bewegung (?)
Im letzten Jahr ist Bewegung in den Dialog zur frühkindlichen Bildung gekommen. Die freien unabhängigen Kitaträger, u.a. vertreten durch den VKMK (Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger), haben vermehrt Zugang zu den Entscheidungstischen gefunden, von denen sie lange ausgeschlossen waren. Hier können sie endlich ihre drängenden Anliegen vortragen. Doch bereits nach den ersten Gesprächen zeigt sich, dass die Kommunikation vornehmlich auf das Erörtern und Abwägen von Problemen beschränkt bleibt, nicht aber konkrete, tatkräftige Handlungen und verbindliches Engagement seitens der Politik garantiert. Wir können es uns nicht länger erlauben, die Umsetzung von Lösungen aufzuschieben. Über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg haben Kitapersonal, Eltern, die Wissenschaft und sogar politische Instanzen wiederholt ihre Besorgnis, ihre Hilferufe und Warnungen geäußert – doch bisher hat das nicht zu greifbaren Verbesserungen geführt.
Wenngleich es begrüßenswert ist, dass die freien unabhängigen Kitaträger nun Einzug an diesen Gesprächstischen erhalten haben, möchten wir uns doch entschieden davon distanzieren, dies als rein „positiven“ Fortschritt zu bezeichnen. Die Tatsache, dass sie nun gehört werden, markiert eher den „Anfang des Verhandlungsprozesses“ und diesen als endlich „sinnvoll“. Denn ohne Einigkeit über die bestehenden Probleme ist es nahezu unmöglich, wirkungsvolle Lösungen zu entwickeln. Und nur ein Einbeziehen der betroffenen Akteure kann schlussendlich die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis und somit den ersten Schritt in Richtung Lösungsfindung bilden. Ein Einbeziehen der betroffenen Akteure wäre von Anbeginn der Verhandlungen von Nöten gewesen. Unsere Hoffnung ist, dass diese Verhandlungen und die verstärkte Aufmerksamkeit nicht wie vorherige Placebos enden werden. Es bedarf einer dringenden und proaktiven Reaktion, die über bloße Diskussionen hinausgeht. Die offene Berichterstattung und das klare Darlegen des Ist-Zustandes seitens der freien unabhängigen Kitaträger ist eine große Chance. Eine Chance, die zu einem echten Wandel führen kann. Diese Chance muss genutzt werden. Das offene Gehör und die Teilnahme an Verhandlungen sollten nicht nur symbolisch sein, sondern eine echte Grundlage für eine umgehende Verbesserung der Situation in der frühkindlichen Bildung bilden.
Ein politischer Neujahrsvorsatz für die Gesundheit unserer Kinder? - Die Kraft der richtigen Ernährung
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Wir hoffen auf einen politischen Neujahrsvorsatz für die Gesundheit und die Bildung unserer Kinder.
Mit dem Beginn eines neuen Jahres erwächst in vielen von uns der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung. Einer der häufigsten Vorsätze betrifft unsere Gesundheit, und insbesondere die Ernährung steht oft im Mittelpunkt dieser Bestrebung. Wir sind uns alle der essenziellen Rolle bewusst, die eine ausgewogene Ernährung für unser Wohlbefinden spielt. Doch nicht nur die eigene Ernährung ist von höchster Wichtigkeit, sondern auch diese der Kinder. Den eigenen Vorsatz hier zu legen, ist oftmals nicht ausreichend, da die „gesunde Ernährung“ der Kinder kollektiv umgesetzt wird, in einem Zusammenspiel aus Familie und Einrichtungen.
Eine offene Kommunikation zwischen Eltern und den Kinderbetreuungseinrichtungen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Kinder vollumfänglich mit den richtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt werden – denn gute Ernährung beginnt nicht erst an der Kita-Tür, sondern schon am Frühstückstisch zu Hause. Ebenso wichtig sind die politischen Weichen, die ein problembefreites Umsetzen dieser Ernährung zulassen müssen.
Die Auswirkungen mangelhafter Ernährung auf Kinder
Eine unzureichende Versorgung mit den richtigen Nährstoffen kann sich bei Kindern auf verschiedene Weisen bemerkbar machen. Häufig führt eine unausgewogene Ernährung zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die für das Wachstum und die Entwicklung unerlässlich sind. Dies kann sich in einem geschwächten Immunsystem äußern, was dazu führt, dass Kinder anfälliger für Infektionen und Krankheiten werden. Neben den direkten Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit kann eine unzureichende Ernährung ebenso die kognitive Entwicklung beeinträchtigen. Kinder, die nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt sind, könnten Schwierigkeiten entwickeln, sich zu konzentrieren, und daraufhin mit einer verminderten Lernfähigkeit und Gedächtniskapazität konfrontiert sein. Ebenso kann sich eine unausgewogene Ernährung auf das Energielevel der Kinder auswirken, was zu Müdigkeit, Erschöpfung und einer allgemeinen Abnahme der Leistungsfähigkeit führen kann. Sogar das Verhalten und die Stimmung können von der Ernährung beeinflusst werden. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Unausgeglichenheit können auftreten, wenn die Zufuhr der Nährwerte nicht ausreichend gedeckt ist.
Chancengleichheit bedeutet, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft oder finanziellen Situation die gleiche Bildungschance erhalten sollte. Dies beinhaltet auch, dass alle Kinder mit vollem Magen und bestmöglicher Versorgung in die Bildungseinrichtungen kommen und in dieser verweilen können. Eine ausgewogene Ernährung ist daher ein grundlegender Bestandteil der Chancengleichheit. Nur wenn die Grundbedürfnisse jedes Kindes erfüllt sind, kann eine faire Bildungsgleichheit gewährleistet werden.
Die Herausforderungen der täglichen Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in den freien Kitaträgern Berlins
Berlin hat mit der Verankerung des Berliner Bildungsprogramms im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFÖG) seit 2005 eine klare Haltung zur Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung eingenommen.
Die Einbindung der Förderung gesunder Essgewohnheiten als verbindlicher Bestandteil des pädagogischen Programms betont das deutlich vorhandene Bewusstsein der politischen Bildungslandschaft Berlins. Die verstärkte Hervorhebung des Bereichs „Gesundheit“ im aktualisierten Berliner Bildungsprogramm von 2014 spiegelt dieses Engagement ebenfalls wider und unterstreicht nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Bildung und dem Wohlbefinden durch eine gesunde Ernährung, sondern sieht auch die Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. Das Programm sieht vor, dass das Lernen in der Kita nicht nur durch formale Aktivitäten, sondern auch durch die Gestaltung des Kita-Alltags gefördert wird, wozu auch die Einahme fester Mahlzeiten gehören. Sie stellen einen integralen Bestandteil des Kita-Alltags dar und bieten eine wiederkehrende Struktur. Die pädagogische Gestaltung und Begleitung hierbei wird als wichtiger Beitrag zur Ernährungsbildung anerkannt und betont. Doch, die bloße Anerkennung dieses Aspekts allein reicht nicht aus, wenn die finanziellen Strukturen nicht entsprechend angeknüpft und geschaffen werden, um eine vollumfängliche Umsetzung zu gewährleisten. Denn, obwohl die essenzielle Wichtigkeit der Ernährung unserer Kleinsten sichtbar deutlich unterstrichen ist, gestaltet sich die tägliche Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in Kindertagesstätten in Berlin dennoch als eine enorm herausfordernde Aufgabe. Die zugewiesenen Mittel ca. 3,50 Euro pro Kind und Tag erweisen sich als nicht ausreichend für das Sicherstellen einer qualitativ hochwertige Verpflegung, inkludiert die Verwendung dieses Betrages doch schlussendlich nicht nur das Decken der Lebensmittelkosten, sondern auch jene der grundlegenden Betriebsausgaben wie Personalkosten, Materialien und Infrastruktur. Diese finanzielle Begrenzung erschwert es den Kitas erheblich, ihre Bestrebungen nach gesunder Ernährung aufrechtzuerhalten.
Die freien Kitaträger in Berlin stehen vor einem wahren Balanceakt, wenn sie täglich versuchen, ausreichende und gesunde Mahlzeiten anzubieten, während sie gleichzeitig mit begrenzten finanziellen Ressourcen jonglieren müssen. Dies führt zu Kompromissen, die sich auf die Qualität und Quantität der angebotenen Speisen auswirken können und somit die Herausforderungen bei der Umsetzung einer nahrhaften Verpflegung für die Kinder verstärken.
Leere Töpfe lassen keinen Raum für Kompromisse
Diese Situation bildet nur eine weitere Facette des unterfinanzierten frühkindlichen Bildungssystems, das sich an einer Vielzahl von Herausforderungen reiht. Die begrenzten finanziellen Ressourcen lassen keine Spielräume für Ausweichmethoden auf andere Ressourcen mehr zu. Insbesondere im Zuge der Inflation hat sich diese Krise nochmals verschärft. Die Gelder wurden bisweilen nur zögerlich angepasst und sogar die Inflationsausgleichprämie musste vorerst, von jenen, die ihren Mitarbeiter:innen diese stark benötigte Auszahlung gewährleisten wollten, aus den eigenen Geldern der freien Kitaträger gestemmt werden. Politische Lösungsansätze in diesem Bereich ließen zu lange auf sich warten und die Prozesse bis zur tatsächlichen finanziellen Umsetzung erstrecken sich bis heute.
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und ihre Auswirkungen
Im Oktober 2023 fällte das Bundesverwaltungsgericht eine bahnbrechende Entscheidung. Nach einer Klage der Private Kant-Schulen gGmbH, vertreten durch die Kanzlei DOMBERT Rechtsanwälte, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass diese Obergrenze für monatliche Zuzahlungen der Eltern, die in Berlin für zusätzliche Leistungen freier Träger von Kindertagesstätten galt, nicht mit dem Grundsatz der gleichheitsgerechten Beteiligung der freien Jugendhilfeträger am staatlichen System der Kindertagesstättenfinanzierung vereinbar ist. Diese wegweisende Entwicklung eröffnet nun Kitaträgern die Möglichkeit, transparent aufzuzeigen, dass bestimmte Angebote über die zuvor festgelegte Obergrenze hinausgehen und eine erhöhte finanzielle Beteiligung der Eltern erfordern könnten. Eine Erleichterung für Kitaträger und Eltern, da es ihnen die Chance eröffnet, der Unterfinanzierung selbst die Stirn zu bieten und die gewünschte Qualität aufrechtzuerhalten, die sie sich für ihre Kinder wünschen. Dennoch darf dies nicht als finale Lösung betrachtet werden. Vielmehr sollten die politisch zur Verfügung gestellten Mittel an die realen Ausgaben angeglichen werden, um eine erfolgreiche Basis in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten. Zusatzzahlungen sollten nur für tatsächlich anspruchsvolle Zusatzleistungen genutzt werden können, nicht aber für das Aufrechterhalten der Bildungsqualität an und für sich. Diese Verantwortung muss politisch getragen werden, nicht aber an die Kitaträger und Eltern weitergereicht.
Ziele für eine hochwertige Verpflegung in Kitas
Es ist ein wiederkehrendes Dilemma: Wir erkennen und diskutieren fortwährend Problemfelder und Herausforderungen, jedoch fehlt es oft an der sinnvollen Umsetzung von Lösungen. Besonders große Probleme, insbesondere solche finanzieller Natur, können weder aufgeschoben noch durch Gespräche allein gelöst werden - sie erfordern unverzügliches Handeln. Das erneute Auftreten bereits bekannter Herausforderungen unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Lösungen nicht nur zu erkennen, sondern sie auch effizient und effektiv umzusetzen, um den anhaltenden Schwierigkeiten im frühkindlichen Bildungssystem entgegenzuwirken. Eine vollumfängliche Ernährung unserer Kleinsten sollte keine Herausforderung darstellen, sondern sich als die Basis der Förderung verstehen.
Für das Jahr 2024 ist es daher von entscheidender Bedeutung, dass die Anliegen der freien Kitaträger deutlicher Gehör finden, als bisweilen. Die Diskrepanz zwischen den identifizierten Lösungsansätzen und ihrer tatsächlichen Umsetzung muss unsererseits adressiert werden können. Es bedarf einer verstärkten Plattform für die freien Kitaträger, um ihre Anliegen und Herausforderungen effektiver kommunizieren zu dürfen. Nur durch ein verstärktes politisches Engagement und eine verbesserte Einbeziehung dieser Träger in die Diskussionen und Umsetzungen von Lösungen können die bestehenden Hindernisse im Jahre 2024 wirksam angegangen werden. Wir sind weiterhin entschlossen, den aktiven Austausch, Ideengebungen und die kontinuierliche Lösungsfindung voranzutreiben. Trotz der bestehenden Hindernisse bleiben wir bereit, innovative Ansätze zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Ernährung unserer Kleinsten nicht länger eine Herausforderung, sondern eine selbstverständliche Grundlage in ihrer Entwicklung darstellt.
Ein symbolischer Tag im Bereich der frühkindlichen Bildung
Berlin - ein symbolischer Tag für die frühkindliche Bildung! Gestern versammelten sich beim Kitagipfel unter anderem der VKMK und Bildungssenatorin Günther-Wünsch, um über die Demokratiebildung und die Herausforderungen in Kitas zu diskutieren. Doch während Lob für das Engagement erklingt, plädieren wir ebenfalls für einen tieferen Blick, um echte Veränderungen zu bewirken – Jetzt mehr erfahren!
Der VKMK begrüßt das politische Engagement betont jedoch die Notwendigkeit einer tiefergehenden Diskussion im Dialog.
Berlin, 28. November 2023 – Gestern war ein bedeutsamer Tag für die frühkindliche Bildung, an dem der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK), sowie eine Vielzahl seiner Vereins-, und Vorstandsmitglieder, aktiv teilnehmen und mitwirken konnte. Zum einen fand das 12. Plenum in der Frühpädagogik - symbolisch - im jüdischen Museum statt, welches sich auf die Frage konzentrierte "Wie bildet man eine Demokratie? Mitwirkung von Kita-Kindern als Zukunftsaufgabe". Gleichzeitig wurde der Kita-Gipfel einberufen. Bei beiden Veranstaltungen war die Bildungssenatorin Günther-Wünsch aktiv anwesend.
Der VKMK begrüßt mit Nachdruck die gestrige Aufmerksamkeit für die frühkindliche Bildung in Berlin und würdigt die Bemühungen, insbesondere von Senatorin Günther Wünsch, Raum für Diskurse zu schaffen, um die Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam anzugehen. Die Teilnahme am Kita-Gipfel erlaubte unserem Verband wertvolle Einblicke zu teilen, die zu einem realistischeren Verständnis der Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung beitragen können. Im Verlauf dieser Veranstaltung wurde jedoch offenkundig, dass trotz des erkennbaren Engagements zur Bewältigung diverser Problemfelder der notwendige Tiefgang in den Diskussionen, um den eigentlichen Ursprüngen der Herausforderungen auf den Grund zu gehen, oftmals, bedauerlicherweise, vernachlässigt blieb.
"Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Entwicklung und Umsetzung einiger Lösungsansätze Zeit und angemessene Ressourcen erfordern. In manchen Fällen kann es verlockend sein, vorerst den Fokus auf oberflächliche Problembehebungen zu legen, um schnellstmöglich sichtbare Veränderungen zu bewirken. Doch dies ändert nichts an der Bedeutung, sich intensiv mit den zugrundeliegenden Kernproblemen auseinanderzusetzen, um Lösungswege zu erarbeiten, die langfristig zu tatsächlichen Veränderungen und Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung führen können", betonte Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. "Es ist von fundamentaler Wichtigkeit, dass kommende Diskussionen und Sitzungen einen stärkeren Fokus auf einen direkten und tiefgründigeren Austausch legen.“
Wir begrüßen die Entwicklung, die es ermöglicht, die Stimmen und Perspektiven der freien Kitaträger, wie sie durch unseren Verband repräsentiert werden, aktiv in derartige Diskussionen einzubinden, um einen realistischen Ist-Zustand abzubilden. Es ist jedoch essenziell, dass dieser Einbezug nicht nur symbolischer Natur ist, sondern dass ihre Anliegen, Herausforderungen und Lösungsansätze ausreichend Gehör finden, und angenommen werden. Ein solcher Dialog und Austausch sollt durch eine sichtbare Interaktion geprägt sein, um langfristige und wirkungsvolle Lösungen zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung zu gestalten. Wir blicken hoffnungsvoll in die kommenden Sitzungen diesbezüglich.
Die Kunst des Zuhörens: Senatorin Günther-Wünsch bittet zum Kita-Gipfel
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor. Senatorin Günter-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die große Kunst des Hinhörens: Der erste Schritt zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung liegt im Zuhören bei den richtigen Akteuren
Der bevorstehende Kitagipfel am 27.11.2023 in Berlin steht als entscheidender Moment für die frühkindliche Bildung in Berlin bevor.
Senatorin Günther-Wünsch setzt hiermit ihr Versprechen als neu ernannte Jugendsenatorin um, indem sie allen involvierten Stakeholdern im Bereich der frühkindlichen Bildung die Möglichkeit bietet, den aktuellen Stand zu evaluieren und gemeinsam bedeutende Lösungsansätze zu erarbeiten.
Die Vergangenheit zeigt bedauerlicherweise, dass solche wichtigen Gelegenheiten versäumt wurden, was zu vorhersehbaren und schwerwiegenden Konsequenzen führte.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Sachkostenpauschale als Teil über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) in Berlin. Ursprünglich entwickelt, um die Finanzierung von frühkindlichen Einrichtungen langfristig sicherzustellen, erwiesen sich diese Teile dieser Pauschale in den folgenden Jahren als wesentlicher Engpass.
Finanzkonzepte benötigen regelmäßige Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse, eine Überprüfung, die trotz offensichtlicher Veränderungen, einschließlich wirtschaftlicher Aspekte, wiederholt versäumt wurde.
Erst 2017 wurde eine Gestehungskostenanalyse in Auftrag gegeben, die zeigte, dass Kitas mit einer Unterfinanzierung von fast 30% zu kämpfen hatten, hauptsächlich aufgrund stark gestiegener Mietkosten, die in der Sachkostenpauschale nicht berücksichtigt wurden.
Insbesondere kleinere und mittelgroße Kitaträger litten unter höheren Mietkosten im Vergleich zu größeren Institutionen.
Trotz dieses neuen Wissens ignorierten die damaligen Akteure in der Senatsverwaltung und ihre ausgewählten Verhandlungspartner im Rahmen ihrer 2017 laufenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) diese dramatische Unterfinanzierung und schufen nur eine Teilreparatur.
Es erfolgte für den Zeitraum von 2018 bis 2021 eine leichte stufenweise Erhöhung der Sachkostenpauschale um insgesamt 10%, doch konnte die massive Unterfinanzierung bei weitem nicht kompensiert werden.
Die kleinen und mittelgroßen freien Kitaträger hatten weiterhin mit steigenden Gewerbemiet- & Immobilienunterhaltungskosten und zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu kämpfen.
Einzig der VKMK reagierte auf diese Herausforderungen, indem er mit seiner Expertengruppe eine nachhaltige Lösung entwickelte: die "Clusterlösung".
Basierend auf dem Grundgedanken der Hamburger Finanzierungskonstruktion integriert die "Clusterlösung" eine differenzierte Betrachtung der IST-Situation der Gewerbeflächen der jeweiligen Kita-Träger in die Ausgestaltung der Sachkostenpauschale. Durch die Unterstützung verschiedener Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses konnten weitere relevante Daten zu den Bruttomietzinsen für soziale Träger in landeseigenen Wohnbaugesellschaften erfragt werden.
Hierbei ergab sich, dass die Mietzinsen für Gewerbeflächen der landeseigenen Wohnbaugesellschaften im Durchschnitt über 10 Euro pro Quadratmeter lagen, während die Kita-Träger lediglich eine Finanzierung von etwa 5 Euro pro Quadratmeter erhielten. Diese Diskrepanz verdeutlichte bereits damals die erheblichen finanziellen Herausforderungen, denen die betroffenen Einrichtungen gegenüberstanden.
Herausforderungen, die in den vergangenen Jahren zunehmend zu Lasten der Fachkräfte gingen.
Um dem Scheinargument- Phänomen der "Miethaie" und des " Miet-Monopoly" entgegenzuwirken, integrierte der VKMK in seine "Clusterlösung" das Modell einer wiederkehrenden Abfrage des Bruttomietzinses pro Quadratmeter bei landeseigenen Wohnbaugesellschaften. Dieser Wert dient als Grundlage für die Einberechnung in die Sachkostenpauschale, um den Einrichtungen eine finanzielle Grundlage zu bieten, die ihren tatsächlichen Herausforderungen gerecht wird.
Diese konkreten Beispiele unterstreichen nicht nur unsere langjährige Arbeit und Bemühungen, realistische Lösungsansätze zu bieten, sondern auch den gravierenden politischen Fehler, betroffene Akteure unzureichend zu berücksichtigen.
„Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: "Wir bieten der Jugendsenatsverwaltung seit Jahren fundierte Lösungen an. Unser Clustermodell ist ein solcher gezielter Lösungsansatz, der jedoch in den Jahren der SPD-Ressortverantwortung ignoriert wurde. Lösungen, die betroffene Stakeholder nicht angemessen einbeziehen, führen letztlich immer zu höchsten Gerichtsurteilen, die dann eine Unverhältnismäßigkeit bis hin zur Verfassungswidrigkeit im Handeln der Jugendsenatsverwaltung attestieren.“
Die konzertierte Anstrengung von Senatorin Günter-Wünsch gemeinsam mit allen Interessengruppen in einen Dialog einzutreten, verspricht langfristige Fortschritte in der effizienten Ressourcennutzung und nachhaltigen Verbesserungen im Bereich der frühkindlichen Bildung.
Der Unterschied zwischen Fachkräftemangel und -verlust in der Frühkindlichen Bildung
In vielen Diskussionen und öffentlichen Wahrnehmungen dominiert die Vorstellung eines akuten Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung. Die logische Schlussfolgerung erscheint dabei simpel: Stellenausbau als Lösung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine viel komplexere Realität. Der einfache Appell nach mehr Stellen erweist sich als zu oberflächlich, da er die Wurzeln des Problems unberücksichtigt lässt.
Der Unterschied zwischen Fachkräftemangel und -verlust in der Frühkindlichen Bildung
Warum eine nachhaltige Lösung mehr als nur einen Stellenausbau erfordert.
Die Debatte um Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung ist häufig von zwei Begriffen geprägt: Fachkräftemangel und -verlust. Doch zwischen dem schlichten Mangel an Arbeitskräften und dem tatsächlichen Abgang von Fachkräften aufgrund von Arbeitsbedingungen existieren entscheidende Unterschiede. Diese Begriffe umfassen nicht nur eine quantitative Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage nach Fachkräften, sondern auch qualitative Herausforderungen, die den Berufszweig prägen.
In vielen Diskussionen und öffentlichen Wahrnehmungen dominiert die Vorstellung eines akuten Fachkräftemangels in der frühkindlichen Bildung. Die logische Schlussfolgerung erscheint dabei simpel: Stellenausbau als Lösung. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine viel komplexere Realität. Der einfache Appell nach mehr Stellen erweist sich als zu oberflächlich, da er die eigentlichen Wurzeln des Problems unberücksichtigt lässt. Die Nuance zwischen den Begrifflichkeiten und die dementsprechend daraus unterschiedlich benötigten Lösungsansätzen werden oftmals nicht einmal politisch wahrgenommen, trotz vorliegender Zahlen und Fakten.
Der Fachkräftemangel beschreibt den quantitativen Aspekt, bei dem die Nachfrage nach ausgebildeten Fachkräften das vorhandene Angebot übersteigt. Dies resultiert in unbesetzten Stellen und kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, darunter niedrige Anreize, Ausbildungsmängel und demografische Veränderungen. Im Gegensatz dazu bezieht sich der Fachkräfteverlust auf qualitative Aspekte, die den Abgang erfahrener Fachkräfte aufgrund unzureichender Arbeitsbedingungen beschreiben. Dies führt zu hohen Fluktuationsraten, Burnout und Frustration in der Branche.
Die frühkindliche Bildung weist Zweierlei deutlich auf: einen Mangel an Arbeitskräften, sowie eine bedenkliche Fluktuation aufgrund unzureichender Arbeitsbedingungen. Und, während sich der Fachkräfteverlust und der Fachkräftemangel als zwei deutlich unterschiedliche Herausforderungen erweisen, die jeweils verschiedene Lösungsansätze erfordern, stimmen sie letztendlich doch in einem Punkt überein: Beide sind nicht durch einen simplen, großflächigen Stellenausbau zu lösen, wie es oft politisch angestrebt wird. Dieses Vorgehen gleicht dem Auftischen weiterer Schüsseln an einem Tisch, an dem ohnehin schon niemand Platz nehmen will, und selbst die gnädigsten Gourmets langsam gehen, weil das Essen schlichtweg nicht schmeckt. Es ergibt wenig Sinn, mehr Stellen zu schaffen, wenn die Arbeitsbedingungen und die Attraktivität des Berufs für potenzielle Fachkräfte nicht ansprechend sind. Die Herausforderung liegt somit nicht darin, dass es nicht genug Stellen gibt, sondern darin, dass die Bedingungen und Strukturen, die das Arbeitsumfeld formen, nicht attraktiv genug sind, um Fachkräfte langfristig zu halten oder neue anzuziehen.
“Dieses Vorgehen gleicht dem Auftischen weiterer Schüsseln an einem Tisch, an dem ohnehin schon niemand Platz nehmen will.”
Beinahe 3000 pädagogische Fachkräfte verlassen jährlich ihren Beruf. Fachkräfte, die dringend durch Neuzugänge besetzt werden müssten. Von den ca. 10.000 Auszubildenden, die sich heute für die dreijährige Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft entscheiden, tätigen jedoch, statistisch gesehen, lediglich etwa ein Viertel den Sprung in eine feste Anstellung in einer Kita. Diese Zahl verdeutlicht ein drängendes Problem: viele brechen die Ausbildung vorzeitig ab oder entscheiden sich nach Abschluss für einen anderen Karriereweg, haben sie doch aus erster Hand die Vielzahl von Herausforderungen erlebt, die mit dem Beruf einhergehen.Von jenen, die den Schritt in den Kita-Alltag wagen, tun viele dies zögerlich und mit Einschränkungen. Insbesondere die Work-Life-Balance erweist sich als schwer zu bewältigen, und viele sehen sich gezwungen, nur als Teilzeitkräfte tätig zu sein, um hier auch den eigenen Anforderungen gerecht zu werden.
Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass Personen, die in der frühkindlichen Bildung tätig sind, ihren Beruf einzig und allein aus tiefer Leidenschaft und Überzeugung wählen müssen. Diese Annahme wird oft mit dem Argument untermauert, dass die Liebe zur Arbeit und die Bedeutung des Berufs so groß sind, dass die Bezahlung oder die Konditionen letztendlich nicht ausschlaggebend sein können. Und es mag richtig sein, Stimmen aus den Kitas sind einhellig: Das Personal schätzt seine Arbeit, betont die Bedeutung des Austauschs mit den Kindern und empfindet tiefe Erfüllung in der Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit. Doch die Konditionen und Wertschätzungen finanzieller Art spielen in der Erfüllung ebenso eine zentrale Rolle, wie in jedem weiteren Berufsfeld auch. Es ist daher umso bedauerlicher zu sehen, dass Menschen, die sich aus persönlicher Überzeugung für eine berufliche Laufbahn entschieden haben, sich letztendlich gezwungen sehen, diesen Weg zu verlassen, aufgrund der Konditionen. Es ist nicht eine Frage des individuellen Engagements der Fachkräfte, sondern vielmehr ein strukturelles Problem, das dringend angegangen werden muss.
Trotz des immens wichtigen Bildungsauftrags, der die Kernkompetenzen der Kinder für ihr späteres Erwachsenenleben festlegt und fördert, wird die frühkindliche Bildung nach wie vor nicht in ihrer Bedeutung und Wichtigkeit ausreichend anerkannt. Dies spiegelt sich in den bestehenden Rahmenbedingungen wider, die weit hinter dem zurückbleiben, was erforderlich wäre, um eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zu gewährleisten. Um neue Fachkräfte zu generieren und Stellen nachhaltig zu besetzen benötigen wir einen Facettenreichen Lösungsansatz.
Diese Lösungsansätze zielen darauf ab, nicht nur den akuten Mangel an Fachkräften zu bekämpfen, sondern auch langfristig eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung sicherzustellen, die den Anforderungen und Bedürfnissen der Kinder gerecht wird.
Man sagt so schön; "Das Gegenteil von gut ist gutgemeint." Dieser Satz verdeutlicht, dass gutgemeinte Absichten nicht zwangsläufig zu effektiven Lösungen führen. Eine sinnvolle und gezielte Hilfestellung, die benötigt und erwünscht ist, erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den Betroffenen. Es ist unerlässlich zu verstehen, wie eine lösungsorientierte Hilfe für sie tatsächlich aussehen könnte, bevor Maßnahmen in einem gemeinsamen Verständnis angegangen werden. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die gebündelten Kräfte an den Stellen eingesetzt werden, die den dringendsten Bedarf haben. Politiker und Politikerinnen sollten verstärkt auf den Austausch mit den direkten Akteuren der frühkindlichen Bildung setzen, um offene Dialoge proaktiv zu fördern und ihre Erfahrungen, Daten und Erkenntnisse in Entscheidungsprozesse miteinfließen zu lassen. Der KitaGipfel bietet genau diese Möglichkeit. Er kann dazu beitragen, bestehende Missstände zu korrigieren und die Schritte zu setzen, die wir benötigen, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen: eine deutliche Verbesserung der frühkindlichen Bildungslandschaft - mit pädagogischen Fachkräften, die nicht nur gerne in diesem Berufsfeld tätig sind, sondern vor allem; langfristig bleiben möchten.
Bundesverwaltungsgericht entscheidet über Zuzahlungsbegrenzung von freiwilligen Elternbeiträgen
Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht über einen bedeutsamen Fall verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf.
Am 26. Oktober 2023 wird das Bundesverwaltungsgericht (BVG) über einen bedeutsamen Fall (verhandeln und eine grundlegende Entscheidung treffen. Im Mittelpunkt steht die festgelegte Obergrenze von 90 Euro für Zuzahlungen der Eltern, zu pädagogischen Zusatzleistungen, die das Land Berlin seit 2018 unverändert beibehält. Diese Regelung, die die freiwilligen Elternbeiträge beschränkt, wirft bedeutende Fragen auf. Sie thematisiert, ob sie gegen die Diversität der pädagogischen Angebote freier Träger verstößt und gleichzeitig das elterliche Recht auf Wahlfreiheit in unzulässiger Weise einschränkt.
Wie kam es zu dem Entscheid der Einschränkungen?
Die aktuelle Rechtsverordnung zur Finanzierung der Tagesbetreuung (RVTag) wurde im Jahr 2018 im Land Berlin eingeführt. Eine der zentralen Regelungen dieser Verordnung betrifft Eltern, die ihre Kinder in Kindertagesstätten betreuen lassen. Diese Eltern können freiwillige Beiträge leisten, die oftmals dazu verwendet werden, die Qualität der Betreuungseinrichtungen zu steigern oder zusätzliche Leistungen für ihre Kinder zu finanzieren. Im Rahmen dieser Verordnung führte die RVTag auch eine Zuzahlungsbegrenzung für diese Elternbeiträge ein. Diese Begrenzung setzt die Höchstgrenze auf 90 Euro pro Kind fest. Im Sinne der Gleichberechtigung einkommensschwacher Familien, kann dieser Elternbeitrag im Bedarfsfall vom Staat unterstützt werden, um sicherzustellen, dass diese nicht unverhältnismäßig belastet werden und gleichen Zugang zu den Betreuungsangeboten erhalten.
Genannte Gründe, für die Einführung dieser Begrenzung waren:
1. Soziale Gerechtigkeit: Die Begrenzung soll sicherstellen, dass alle Eltern Zugang zu qualitativ hochwertigen Betreuungseinrichtungen haben, unabhängig von ihrem Einkommen.
2. Vermeidung sozialer Ungleichheit: Ohne Begrenzung könnten einkommensstarke Eltern erheblich höhere Beiträge leisten und ihren Kindern somit ein deutlich anderes Bildungsfeld bieten, als sozial schwache Eltern. Dies würde zu sozialer Ungleichheit führen können.
3. Schutz einkommensschwacher Familien: Die Begrenzung dient dazu, einkommensschwache Familien vor übermäßigen finanziellen Belastungen zu schützen.
Es ist von entscheidender Bedeutung zu unterstreichen, dass die festgelegte Obergrenze von 90 Euro weder auf der Grundlage offizieller Statistiken noch auf belastbaren Zahlen beruht. Darüber hinaus wurde diese Grenze nicht im Rahmen eines gemeinsamen Konsenses mit den Trägern erarbeitet, obwohl dies zu Beginn der Diskussion als unerlässlicher Bestandteil für die Ermittlung einer realistischen Obergrenze angesehen wurde. Dieser Punkt ist von grundlegender Wichtigkeit und ein zentraler Anklagepunkt.
Desweiteren ist dieser willkürlich wirkende Betrag von 90 Euro seit seiner erstmaligen Einführung im Jahr 2018 unverändert geblieben, obwohl sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren erheblich verändert hat.
Die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht:
Das Ablehnen eines offenen Dialoges mit den Trägern, bei der Ermittlung einer realistischen Obergrenze, hat gravierende Folgen mit sich gezogen, welche Schlussendlich zu einer Klage geführt haben:
Einige freie Träger und Elterngruppen haben gegen diese Begrenzung geklagt. Sie argumentieren, dass die Zuzahlungsbegrenzung die Pluralität und Angebotsvielfalt freier Träger einschränkt. Freie Träger bieten oft spezialisierte Dienstleistungen und pädagogische Ansätze an, die von Eltern geschätzt werden, aber zusätzliche Kosten verursachen. Durch die Begrenzung der Elternbeiträge würden diese Einrichtungen finanziell benachteiligt und könnten möglicherweise gezwungen sein, ihre Angebote zu reduzieren oder gar zu schließen. Dies, so die Kläger, verletze das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, die für die bestmögliche Betreuung ihrer Kinder bezahlen möchten.
Einige, weitere Risiken, die im Zuge der Zuzahlungsbegrenzung der Elternbeiträge entstehen können:
1. Qualitätsverlust bei der Bildungsarbeit: Die Begrenzung der Elternbeiträge kann die Qualität und den Umfang der Bildungsarbeit der Betreuungseinrichtungen gefährden, da sie weniger finanzielle Mittel für Personal und Bildungsmaterialien für die Zusatzleistungen zur Verfügung haben.
2. Mangelnde Anpassungsfähigkeit an steigende Kosten: Die Inflation und steigende Betriebskosten führen oftmals dazu, dass Einrichtungen Schwierigkeiten haben, mit den finanziellen Belastungen Schritt zu halten. Hier gibt es keinerlei privaten Entwicklungsrahmen, um dem entgegenzuwirken. Die Konsequenzen, wenn nicht politisch rechtzeitig bedacht und behoben, sind dementsprechend nicht beeinflussbar. Rahmenbedingungen vor Ort, wie beispielsweise das Betreuungs- & Bildungsangebot oder die Lebensmittelqualität, können sich verschlechtern, ohne die Möglichkeit hier zu agieren.
3. Einschränkung der Angebotsvielfalt: Die Begrenzung der Zuzahlungen kann auch dazu führen, dass Betreuungseinrichtungen ihre Angebotsvielfalt reduzieren, spezialisierte Dienstleistungen einstellen müssen, oder sich hier nicht entsprechend weiterentwickeln können.
Die Perspektive unseres Verbandes:
Der VKMK (Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger) sieht die Zuzahlungsbegrenzung als eine Belastung für seine Mitglieder. Obgleich es Gründe gibt, die für diese Begrenzung sprechen, ist es von absoluter Wichtigkeit, dass diese ausreichend beleuchtet und an die aktuellen (insbesondere auch wirtschaftlichen) Herausforderungen angepasst wird. Ein Grundgedanke, geboren in der Idee,Chancengerechtigkeit bereits im Kita-Alter etablieren zu können, sollte nicht in einer Einschränkung oder gar erheblicher Reduzierung der Qualität in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen münden, da sie nicht ausreichend an den realen Ist-Zustand angeglichen ist oder wird.
Es ist von großer Bedeutung zu unterstreichen, dass unser Verband von Anfang an nicht als Fachverband angehört und in die damalige Diskussion mit einbezogen wurden, aufgrund von Entscheidungen des SenBJF, die auf die Initiative der damaligen StS und Senatorin zurückzuführen sind. Bereits zu dieser Zeit haben wir die Unklarheiten und die Rechtfertigung dieses Vorgehens in Frage gestellt und die Entscheidung angezweifelt.
Wir benötigen finanzielle Flexibiltät und Anpassungsfähigkeit, in einer Zeit, die eben dies immer wieder deutlich einfordert. Innovative pädagogische Ansätze, spezielle Betreuungsmodelle oder die bloße Angleichung an die wirtschaftliche Lage, können nicht (über)leben, in einem festgefahrenen, limitierten Rahmen, der keine Entwicklungsmöglichkeiten bietet - oder denen erst sehr zögerlich nachkommen kann.
Die damalig festgelegten 90 Euro, wirkten, ohne untermauernde Beispiele und Zahlen, willkürlich und hätten im Konstrukt Flexibilität bieten müssen, um sich den wachsenden Herausforderungen anpassen zu dürfen, oder hier Adjustierungen vornehmen zu können.
Wir haben dieses Thema diverse Male bereits journalistisch aufgearbeitet. In den folgenden Artikeln, können die mannigfaltigen Herausforderungen der frühkindlichen Bildungsinstitutionen, die unter anderem beinflusst sind durch eben diese Zuzahlungsbegrenzung, noch einmal aufgearbeitet betrachten.
Wir hoffen, dass das Bundesverwaltungsgericht die verschiedenen Interessen und Herausforderungen sorgfältig abwägen wird, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen, welche die Qualität in der frühkindlichen Bildung voranbringen kann.