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Runder Tisch Kita: VKMK fordert pragmatische Entlastungsmaßnahmen für Kitas in Berlin

Am heutigen Tag, den 08. November, findet auf Einladung von Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, der Runde Tisch Kita statt. Dies ist eine Antwort der Senatsverwaltung auf die Forderungen Verdis nach Entlastung des pädagogischen Personals in den Kita-Eigenbetrieben in Berlin.

Am heutigen Tag, den 08. November, findet auf Einladung von Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, der Runde Tisch Kita statt. Dies ist eine Antwort der Senatsverwaltung auf die Forderungen Verdis nach Entlastung des pädagogischen Personals in den Kita-Eigenbetrieben in Berlin. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Bezirke, Gremien, Verbände und Bündnisse, der Gewerkschaften, der Elternschaft sowie der Kita-Eigenbetriebe will die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bei dem Runden Tisch Belastungsfaktoren und Entlastungsmöglichkeiten im Kita-Alltag identifizieren und erörtern. 

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, erläutert: „Angesichts der angespannten Haushaltslage in Berlin schlagen wir effiziente, pragmatische und schnell wirksame Entlastungsmaßnahmen vor, die das Land Berlin kaum bis gar nichts kosten oder als wertvolle Investitionen wirken. Die Erhöhung der Schließtage verursacht keine zusätzlichen Ausgaben für das Land, steigert aber die Qualität der frühkindlichen Bildung erheblich. Diese zusätzlichen Schließtage schaffen für Kita-Träger dringend benötigte Kapazitäten, um den stetig wachsenden Anforderungen in der Elternarbeit und den zunehmenden Herausforderungen in der täglichen Beziehungsarbeit mit den Kindern gerecht zu werden. Sie bieten den Teams Zeit und Raum für Austausch, gezielte Fort- und Weiterbildungen sowie Teamstärkung. Gleichzeitig profitieren die pädagogischen Fachkräfte von wichtigen Entlastungsmomenten, in denen sie in Ruhe an der Weiterentwicklung der internen und externen Qualitätsstandards arbeiten können. Wer schnelle und wirksame Entlastung erzielen will, sollte diese Maßnahme als ersten Schritt in Betracht ziehen.“

Neben dem Vorschlag zur Erhöhung der Schließtage wird der VKMK weitere Entlastungsmaßnahmen in die Diskussion einbringen.

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Finanzsenator plant Gehaltserhöhung für Landesbeamte und Kita-Pädagogen:innen weiterhin ohne Hauptstadtzulage

Finanzsenator Stefan Evers (CDU) plant, den Tarifabschluss für Landesbeschäftigte (TV-L) vom Dezember 2023 auf die rund 58.000 Beamten des Landes Berlin zu übertragen. „Es geht um die Handlungs- und Zukunftsfähigkeit unserer Stadt“, erklärte Evers am Mittwoch. „Attraktive Arbeitsbedingungen und eine wettbewerbsfähige Besoldung sind ein Schlüssel dafür.“ Der VKMK  kann das Bestreben nach besseren finanziellen Rahmenbedingungen für die Landesbediensteten nachvollziehen. Er weist jedoch darauf hin, dass der Tarifvertrag (TV-L) und die darin fest verankerte Hauptstadtzulage auch für die Pädagogen:innen in den Berliner Kitas ausgehandelt wurden.

Finanzsenator Stefan Evers (CDU) plant, den Tarifabschluss für Landesbeschäftigte (TV-L) vom Dezember 2023 auf die rund 58.000 Beamten des Landes Berlin zu übertragen. „Es geht um die Handlungs- und Zukunftsfähigkeit unserer Stadt“, erklärte Evers am Mittwoch. „Attraktive Arbeitsbedingungen und eine wettbewerbsfähige Besoldung sind ein Schlüssel dafür.“

Der VKMK  kann das Bestreben nach besseren finanziellen Rahmenbedingungen für die Landesbediensteten nachvollziehen. Er weist jedoch darauf hin, dass der Tarifvertrag (TV-L) und die darin fest verankerte Hauptstadtzulage auch für die Pädagogen:innen in den Berliner Kitas ausgehandelt wurden. Diese erleben jedoch weiterhin eine erhebliche Ungleichbehandlung, da ihnen die Hauptstadtzulage in Höhe von 150 Euro (brutto) monatlich vorenthalten wird. Den Pädagogen:innen wurde vom Berliner Senat die Hauptstadtzulage versprochen. Seit Februar versucht der Senat jedoch mit dem Hinweis, „es fänden aktuell redaktionelle Nachverhandlungen der Tarifpartner statt“, dieses Versprechen zu umgehen.

Seit 2020 nimmt das Land Berlin bewusst eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der knapp 30.000 Beschäftigten bei den freien Trägern in Kauf, die mit dem aktuellen Tarifabschluss vom Dezember 2023 eigentlich beendet sein sollte. Dennoch deuten Senatsmitglieder seit Monaten an, dass im Haushalt kein Geld mehr für die Erfüllung des Versprechens zur Verfügung stünde. Angesichts dessen, dass 89% aller Berliner Kitas von freien Trägern betrieben werden, ist dieses „Zweierlei Maß“ nicht nachvollziehbar.

Der VKMK fordert daher die politischen Verantwortlichen dringend auf, ihr Versprechen einzulösen und die Hauptstadtzulage auch den Beschäftigten freier Träger auszuzahlen. „Sollte diese Ungleichbehandlung weiterhin bestehen bleiben, verliert der CDU-geführte Senat nicht nur seine Glaubwürdigkeit, sondern verursacht auch eine zunehmende Not bei den Pädagogen:innen. Vor allem wird er sich den Unmut der Berliner Wirtschaft und der Eltern zuziehen, die um die Zuverlässigkeit der frühkindlichen Bildung und Betreuung bangen müssen. Wenn der Finanzsenator zurecht die Rahmenbedingungen für die Berliner Landesbeamten verbessern will, muss er zugleich sein Wort halten und die Hauptstadtzulage an alle Berliner Pädagogen: innen in den Kitas auszahlen“, betont eindringlich VKMK-Geschäftsführer Lars Békési.

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Herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung: Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz droht zu scheitern

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Inhalt des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Das Qualitätsentwicklungsgesetz hat das Ziel, erstmals deutschlandweit verbindliche Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen festzulegen. Diese Standards, die durch einen umfassenden Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis entwickelt wurden, fokussieren auf drei zentrale Aspekte: eine fundierte Betreuungsrelation, die Förderung der sprachlichen Bildung und Sprachförderung sowie die Bereitstellung eines bedarfsgerechten Ganztagsangebots. Das Vorhaben zielt darauf ab, Chancengleichheit in der Bildung und damit die Grundlage für eine starke und leistungsfähige Gesellschaft zu schaffen. 

Gründe, weshalb das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz notwendig ist

Die Entscheidung der Bundesregierung, in der frühkindlichen Bildung Einsparmaßnahmen zu tätigen, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen für die individuelle Entwicklung und die Gesellschaft offensichtlicher denn je ist. Erst vergangenes Jahr verdeutlichte die PISA-Studie die Dringlichkeit, jetzt in frühkindliche Bildung zu investieren, um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren. Auch die durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steigende, jedoch ungedeckte Nachfrage nach Kindertagesbetreuungsplätzen sollte ein Zeichen für die Relevanz der frühkindlichen Betreuung in der Gesellschaft sein. 

Individuelle Bildung und Entwicklung durch das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz

Laut einer Studie der KKH ist die Anzahl der Sprach- und Sprechstörungen unter Kindern und Jugendlichen von 2011 bis 2021 um nahezu 60% gestiegen.* Durch gezielte Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung, wie sie im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes vorgesehen ist, ließe sich dieser besorgniserregende Trend umkehren. Eine frühzeitige Förderung könnte vielen Kindern und Jugendlichen helfen, später keine schwerwiegenden Schwierigkeiten aufgrund von Sprach- oder Sprechstörungen im Bildungsweg zu erfahren.

Des Weiteren belegen Studien deutlich, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Bildungschancen erheblich verbessert. So steigt die Wahrscheinlichkeit für Kinder, ein Gymnasium zu besuchen, mit der Teilhabe an einem Betreuungsangebot von 36% auf 50%, laut Bertelsmann Stiftung. Besonders bemerkbar macht sich dieser Anstieg bei Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien, deren Wahrscheinlichkeit auf einen höheren Bildungsabschluss um rund 65% steigt.** 

Zudem besteht in der frühkindlichen Bildung das Potential, die Kinderarmut zu bekämpfen. Die aktuellen Zahlen belegen, dass knapp 20% der Kinder in Deutschland von Armut bedroht sind. Durch den Ausbau frühkindlicher Bildung und Betreuung kann, laut Institut der Deutschen Wirtschaft, die Kinder- und Bildungsarmut um knapp 4%-Punkte reduziert werden.***

Volkswirtschaftlicher Nutzen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Investitionen in die frühkindliche Bildung sind nicht nur für die individuelle Entwicklung der Kinder von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Volkswirtschaft. Jeder in die Kita investierte Euro generiert einen dreifachen bis vierfachen direkten volkswirtschaftlichen Gewinn durch ein gesteigertes Familieneinkommen, höhere Steuereinnahmen und zusätzliche Beiträge für die Sozialversicherung. Langfristig betrachtet ergibt sich durch den verbesserten Bildungsstand und das daraus resultierende höhere Lebenseinkommen der Bevölkerung eine reale fiskalische Rendite von 8% bis 13% für die Investitionen in frühkindliche Bildung.****

All dies ist jedoch nur möglich, wenn die frühkindliche Bildung durch den Bund und die Länder gefördert wird, in Form eines Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes und einer ausreichenden Finanzierung zur Umsetzung dessen. Eine vernachlässigte frühkindliche Bildung kann langfristig zu massiven ökonomischen Einbrüchen führen. Die Kernpunkte des Qualitätsentwicklungsgesetzes bergen ein erhebliches Potenzial zur Verbesserung der Qualität frühkindlicher Bildung und zur Prävention von Bildungsunterschieden und Sprachdefiziten. Umso wichtiger ist es, dass das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz bald in Kraft tritt. Der Kitaverband VKMK e.V. appelliert daher an den Bund, keine unüberlegten Einsparmaßnahmen zu tätigen und die Zukunft durch Bildung auch weiterhin zu unterstützen. Das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz sollte nicht als Option betrachtet werden, sondern als eine unverzichtbare Verpflichtung zum Wohl und zur Entwicklung unserer Kinder.

*Eddy statt Teddy: Immer mehr Kinder ringen um Worte. (o. D.). KKH. https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/sprachprobleme

** Fritschi, T., Oesch, T., BASS – Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG & Bertelsmann Stiftung. (2008). Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Volkswirtschaftlicher_Nutzen_von_fruehkindlicher_Bildung_in_Deutschland.pdf

*** Anger, C., Plünnecke, A. & Institut der deutschen Wirtschaft Köln. (2008). Frühkindliche Förderung. In Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Beiträge zur Ordnungspolitik. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Analysen/PDF/Positionen/Positionen_35.pdf

**** Kahl, R. (2012, 6. Februar). Bildung wirkt langsam, aber mächtig. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-01/oecd-bildungsausgaben/seite-2

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Jedes vierte Kind von Armut betroffen. Eine Analyse der erschreckenden Zahlen aus Berlin.

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie veröffentlichte kürzlich erschütternde Statistiken. Im Jahr 2022 waren etwa ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in der Stadt Berlin von Armut betroffen. Diese Zahlen sind mehr als bloße statistische Fakten – sie repräsentieren das Leben und die Zukunftschancen junger Menschen.

Berlin wird oftmals mit vielen Dingen verbunden: Ein pulsierendes, urbanes Stadtgefühl, in dem Kreativität, Kultur und Lebensfreude aufeinandertreffen. Was wohl die wenigsten mit Berlin direkt in Verbindung setzen würden, ist Kinderarmut. Die Realität, die aktuelle Studien hierzu aufweisen, ist jedoch erschreckend und alarmierend.

In einer schriftlichen Anfrage von Katrin Seidel (Die Linke) an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wurden kürzlich erschütternde Statistiken veröffentlicht, die das Ausmaß und die Auswirkungen der Kinderarmut in Berlin im Jahr 2022 beleuchten. Diese Zahlen eröffnen einen tiefen Einblick in die Notwendigkeit, dringende Maßnahmen zu ergreifen, um die Zukunft unserer jungen Generation zu sichern.

Die Zahlen sprechen für sich.

Die statistischen Daten der Senatsverwaltung sind ein Weckruf für die Gesellschaft. Im Jahr 2022 lebten insgesamt 154.889 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Berlin, in Bedarfsgemeinschaften, die Arbeitslosengeld II (ALG II) bezogen, nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II). In 57.859 Fällen handelte es sich um Kinder aus Haushalten, in denen mindestens ein erwerbstätiges Elternteil vorhanden war. Dies zeigt wieder einmal deutlich, dass Kinderarmut nicht nur diejenigen betrifft, deren Eltern arbeitssuchend sind, sondern auch Familien, in denen Erwerbstätigkeit nicht ausreicht, um aus der Armutsspirale herauszukommen. Die Gesamt-Zahl der Betroffenen entspricht etwa einem Viertel aller Kinder und Jugendlichen in der Stadt Berlin. Diese Zahlen sind mehr als bloße statistische Fakten – sie repräsentieren das Leben und die Zukunftschancen junger Menschen.

Bildungsungleichheit ab den ersten Kinderschuhen.

Kinderarmut prägt und formt die Bildungs- und Entwicklungschancen der Betroffenen nachhaltig. Sie hat langfristige Auswirkungen auf ihre beruflichen Chancen und ihre soziale Integration. Geformt wird dies bereits im frühkindlichen Alter.

Laut einer aktuellen Studie des Berliner Instituts für Frühpädagogik und Familienforschung (BIFF) haben nur 40% der Kinder aus armutsgefährdeten Familien Zugang zu Kindertagesstätten, verglichen mit 85% der Kinder aus finanziell gesicherten Haushalten. Dieser erhebliche Unterschied führt schon im kleinsten Alter zu einer Ungleichheit im Bildungsniveau und einem möglichen, nachhaltigen Rückstand für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen.


Frühkindliche Bildung als Schlüssel zur sozialen Mobilität.

Frühkindliche Bildung wird oft als ein Schlüssel zur sozialen Mobilität betrachtet, da sie die Grundlage für spätere Bildungserfolge legt. Kinder, die frühzeitig eine qualitativ hochwertige Bildung erhalten, haben bessere Chancen, in der Schule erfolgreich zu sein und später erfolgreiche Berufswege einzuschlagen. Leider haben Kinder aus benachteiligten Familien nicht die gleiche Möglichkeit, von diesem Vorteil zu profitieren. Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass nur 25% der Kinder aus einkommensschwachen Familien die erforderlichen Bildungsabschlüsse erreichen, während es bei Kindern aus finanziell gut situierten Familien 70% sind. Diese Diskrepanz verfestigt die soziale Ungleichheit und schränkt die Aufstiegschancen der betroffenen Kinder ein.

Alleinerziehende und finanzielle Belastungen

Die Daten verdeutlichen auch die schwierige Lage alleinerziehender Haushalte. Im Dezember 2022 lebten mehr als 70.000 Kinder und Jugendliche in Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften, die ALG II bezogen. Diese Haushalte sind oft besonders anfällig für finanzielle Belastungen und stehen vor der Herausforderung, den Lebensunterhalt ihrer Kinder zu sichern.

Multiprofessionelle Teams als Lösungsansatz für Chancengerechtigkeit

Die Herausforderungen der Kinderarmut erfordern eine ganzheitliche Herangehensweise. Die Integration multiprofessioneller Teams in Bildungseinrichtungen ist ein vielversprechender Lösungsansatz. Diese Teams setzen sich aus Fachkräften verschiedener Disziplinen zusammen, um eine umfassende Unterstützung für Kinder und Jugendliche zu gewährleisten. Sie bieten nicht nur pädagogische Betreuung, sondern auch Unterstützung bei sozialen, emotionalen und gesundheitlichen Bedürfnissen. Die vielseitige Expertise dieser Teams kann dazu beitragen, die Bildungsqualität und Chancengerechtigkeit zu fördern.

Die vielen Träger des VKMK arbeiten schon seit Jahren mit genau solchen Teams und unterstreichen durch ihre Eindrucke die Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit dieser Zusammensetzung. Einige von ihnen waren Teil des Pilotprojektes "Multiprofessionelle Teams”, ausgearbeitet vom Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung, das sich mit den Veränderungen, Problematiken und Chancen bezüglich dieser Thematik beschäftigt hat, um eine optimale Förderung in der frühkindlichen Entwicklung anzustreben.

Einblicke in das Projekt, sowie die Erkenntnisse und Resumées findet ihr hier.

Insbesondere angesichts des aktuellen Fachkräftemangels ist die Entlastung pädagogischer Fachkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben von großer Bedeutung. Gezielte Maßnahmen zur Entlastung können sicherstellen, dass diese Fachkräfte ihre Hauptaufgaben effektiv erfüllen können, während andere Fachkräfte sich um unterstützende Aufgaben kümmern. Dies trägt zur Verbesserung der Bildungsqualität und zur Effizienz der Unterstützungsmaßnahmen bei. Die Integration multiprofessioneller Teams kann dazu beitragen, die Bildungschancen für alle Kinder zu verbessern, unabhängig von ihrer finanziellen Situation.

Investition ist Prävention.  

Um die Prävention von Kinderarmut zu stärken, ist eine gezielte Investition in die Kitasozialarbeit von zentraler Bedeutung. Ein Vorschlag hierfür könnte sein, einen Betrag von 2 Euro pro Kind pro Tag für eine fünftägige Betreuungswoche zu reservieren. Bei rund 190.000 Kitakindern in Berlin würde diese Investition einen bedeutsamen Präventionsfonds bilden. Dieser Fonds könnte gezielt eingesetzt werden, um sozial benachteiligten Kindern frühzeitig zusätzliche Unterstützung zu bieten und ihre Bildungs- und Entwicklungschancen zu verbessern.

Die Umsetzung eines solchen Vorhabens erfordert jedoch eine klare Zielsetzung und einen strukturierten Umsetzungsweg. Bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode sollte das klare Ziel formuliert werden, die Prävention von Kinderarmut durch verstärkte Investitionen in die Kitasozialarbeit zu fördern. Hierzu gehören diverse, zukunftsorientierte Lösungsansätze - wie unter anderem:

  • Eine Bedarfsanalyse: Ermittlung der tatsächlichen Bedürfnisse und Herausforderungen in den Kitas, um die gezielte Unterstützung zu gewährleisten.

  • Der Aufbau innerhalb der Teams: Schaffung von multiprofessionellen Teams, die in den Kitas tätig sind und sozial benachteiligten Kindern individuelle Unterstützung bieten.

  • Fokus auf Qualifizierungen: Weiterbildung der Fachkräfte, um sicherzustellen, dass sie die erforderlichen Fähigkeiten haben, um auf die Bedürfnisse der Kinder angemessen einzugehen.

  • Fortlaufende Evaluierung und Anpassung: Regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen und Anpassung des Ansatzes basierend auf den gesammelten Erfahrungen.

Indem wir die Kitasozialarbeit stärken und gezielte Investitionen als Prävention von Kinderarmut einsetzen, setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Bildungs- und Zukunftschancen der Kinder in Berlin nachhaltig zu verbessern. Dieser Ansatz sollte als dringendes Ziel bis zum Ende der Legislaturperiode festgehalten und umgesetzt werden.

Ein Appell für die Zukunft

Die vorgelegten Statistiken sind mehr als nur Zahlen – sie sind ein Appell für die Zukunft unserer Kinder. Kinderarmut ist eine Realität, die wir nicht ignorieren können. Es liegt an uns, aktiv zu werden, um eine chancengerechtere Zukunft für alle Kinder in Berlin zu gestalten.

Dieser Appell sollte nicht nur in Worten bestehen, sondern auch in den Haushaltsverhandlungen seinen Platz finden. Hier haben die einzelnen Abgeordneten die Chance und Verantwortung, etwas Nachhaltiges zu verändern. Indem sie gezielt Ressourcen für die Kitasozialarbeit und die Stärkung der multiprofessionellen Teams bereitstellen, können sie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Lebensperspektiven der jungen Generation zu verbessern. Nur durch gemeinsames Handeln können wir sicherstellen, dass die Zukunft Berlins von inklusiver Bildung und gleichen Möglichkeiten geprägt ist.

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Warme Worte statt finanzieller Mittel

Ein Bereich, der seit Jahren systematisch tot gespart wurde, ist nun am
Ende seiner Kapazität angekommen. Warme Worte und Augenverschließen an dieser Stelle bringen fatale Zukunftsperspektiven mit sich, nicht nur für die Kinder, sondern für uns alle. Um dies zu umgehen, fordern wir ein Zukunftssicherungsprogramm.

Genug geredet. Wo bleiben die Taten?

Wir erinnern uns an den Beginn der Corona-Pandemie; der Notstand
des Pflege,- und Gesundheitspersonals wurde der Allgemeinbevölkerung noch nie so deutlich widergespiegelt, wie damals, als es für die eigene Person relevant wurde.

Es müsse etwas geändert werden, und zwar schnell. Das Thema wurde
groß. Von den Dächern wurde gejubelt und geklatscht, als Dank an das Personal, dessen tägliche Arbeitsleistung viel mehr einer unterbezahlten Aufopferung gleicht.
Und dann? Der Jubel wurde leiser. Das Klatschen ward immer seltener und schließlich gar nicht mehr wahrzunehmen und irgendwann wurde das Thema beiseite gelegt und begraben, noch bevor eine ansatzweise adäquate Lösung gefunden wurde. Es gab neue Themen, die in den Vordergrund gerückt sind.


Der Notstand im Gesundheitssystem ist nach, wie vor, existent.
Nur nicht mehr in den Köpfen derer, die nicht akut davon betroffen sind.

Ähnlich ist es mit der Unterstützung der Kitaträger Berlin.
Es handelt sich hier schon lange nicht mehr um eine komplizierte Lage, die mit etwas Geschick lösbar wäre. Es ist auch das ungeliebte Kind des amtierenden Rot-Grünen Senates. Das Thema, das oftmals nicht einmal mehr Beachtung findet und in vielen Sitzungen sogar unerwähnt bleibt. Vielleicht, weil die
Betroffenen selber wissen; uns sind die Lösungen ausgegangen.

Ein Bereich, der seit Jahren systematisch tot gespart wurde, ist nun am Ende seiner Kapazität angekommen.

Man kann nicht mehr temporär in die Gelder des einen Topfes greifen, um akute Bredouillen zu überstehen; denn die Töpfe sind leer.

Auch hier, wurde zu Beginn der Corona-Pandemie endlich die benötige Aufmerksamkeit generiert und der Gesellschaft fiel stirnrunzelnd auf, dass es zu wenig Räumlichkeiten gibt, zu wenig Personal, zu wenig finanzielle Mittel. Und obwohl es hier nicht zu Applaus und großen Danksagungen an die Kindertagesstätten kam, so kam es zumindest zu einer neuen Beachtung und Priorisierung, auch auf politischer Ebene.

Es solle sich etwas ändern; Gelder müssen beschaffen und neu verteilt werden. Auch hier; warme Worte. An diese Worte haben sich die Kitaträger
verzweifelt gehalten. Schliesslich gaben sie Hoffnung. Diese Hoffnung wich nun der kalten Realität: Der Senat hat beschlossen, die Kitaträger in Berlin vorerst nicht bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Vielmehr lässt man sie mit den enormen Kostenexplosionen alleine, auf sich gestellt.

Die Haushaltsgelder hier würden nicht einmal an die aktuell stark angestiegenen Inflationsrate angeglichen werden. Während Unterstützungen im Fern,- oder Nahverkehr generiert werden, findet keine Unterstützung vor Ort, in Berlin, bei der Generation statt, die unser Zukunftsträger ist.

Die Kitaträger stehen vor einer inflationären und strukturellen Mehrbelastung bei 0 Euro Zuschuss.


Wie soll frühkindliche Bildung funktionieren, geschweige denn erfolgreich umgesetzt werden, wenn die finanziellen Mittel hierfür einfach nicht zur Verfügung gestellt werden?

Wie soll man Kindern ausreichend Zukunftsperspektiven und Entwicklungschancen geben, wenn wir nicht einmal beantworten können, wie wir alle ausreichend sättigen können, mit viel zu wenig Verpflegungsgeld?

Wie sollen wir Bildung fördern können, mit viel zu wenig Personal?
Und wie sollen wir qualifiziertes Personal langfristig halten können, wenn ihre Perspektiven Überbelastung und Unterbezahlung sind?

Viel zu lange schon wird den Kitaträgern nichts als warme Worte angeboten.
Wir fordern, dass endlich Taten folgen.

Die Kinder von heute sind die Zukunft von morgen. Und deren Entwicklungs,- und Entfaltungsmöglichkeiten, werden uns spätestens dann in der eigenen Realität einholen, wenn sie zu der nächsten aktiven steuerpflichtigen Generation herangewachsen sind. Warme Worte und Augenverschließen an dieser Stelle bringen fatale Zukunftsperspektiven mit sich, nicht nur für die Kinder, sondern für uns alle.


Um dies zu umgehen, fordern wir ein Zukunftssicherungsprogramm.


Die Kitaträger müssen endlich die benötigte finanzielle Förderung
erhalten, die ihnen schon lange versprochen wurde.

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Ungesundes Essen oder leere Teller?

In der Pressekonferenz mit dem Berliner Senat, am 01. November 2022, wurde es bereits deutlich: Die Kitaträger in Berlin werden trotz aussergewöhnlicher Mehrbelastungen aufgrund der aktuellen Krisen keine dringend benötigte Entlastung in den letzten Wochen des Jahres 2022 erhalten.

Die möglichen Konsequenzen für das Sparen am falschen Ende

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In der Pressekonferenz mit dem Berliner Senat, am 01. November 2022, wurde es bereits deutlich: Die Kitaträger in Berlin werden trotz aussergewöhnlicher Mehrbelastungen, aufgrund der aktuellen Krisen und Kostenexplosionen, keine dringend benötigte Entlastung in den letzten Wochen des Jahres 2022 erhalten.

Was bedeutet das für die Kleinsten unter uns?

Wenn man sich nicht gerade mit der Thematik auseinandersetzen möchte, oder muss, durch den eigenen Familienzuwachs, birgt gerade das Verständnis für die Verteilung der finanziellen Mittel, bei vielen Mitbürger/-innen einige Fragezeichen. Es ist ein Thema von vielen, das oftmals unerwähnt bleibt und im Chaos der Veränderungen um uns herum fast unterzugehen scheint.

Es macht keine auffälligen Schlagzeilen - und das ist beinahe nicht verwunderlich: schließlich gibt es hier seit 10 Jahren keine großen Änderungen. Doch gerade das ist der Stolperstein, der für Irritation sorgen sollte, sobald man ihn einmal etwas länger betrachtet.

Während der Otto-Normalverbraucher schon ächzt, beim Gedanken an den nächsten Wocheneinkauf und den Anblick der gestiegenen Lebensmittelpreise, müssen die Kitaträger dafür sorgen, dass die Teller weiterhin voll bleiben. Die Portionen müssen stimmen, die Qualität natürlich auch und das mit finanziellen Mitteln, die den gestiegenen Nahrungsmittelpreisen kaum noch standhalten können.

Im Rahmen der Pauschale erhalten die Kitaträger für die Verpflegung der Kinder einen Beitrag von ca. 65,88 Euro pro Monat, je Kind. Dies entspricht bei einer 5-tägigen Betreuung, ca. 3,29 Euro am Tag. Ein Wert, der sich aus zwei Teilbeträgen zusammensetzt: 23 Euro werden von den Eltern monatlich selbst entrichtet, sofern sie imstande sind, die finanzielle Belastung umzusetzen. Familien mit Anspruchsberechtigung auf den Berlinpass-BuT, werden hier vollständig entlastet. Dieser Wert wurde 2012 festgelegt und blieb seitdem unverändert. Die übrigen 42,88 Euro entrichtet das Land Berlin.


Aber was wird von diesen 65,88 Euro überhaupt gedeckt?

Simpel gesagt: alles, was mit der Verpflegung der Kinder in Verbindung gebracht werden kann.

Hierzu zählen natürlich nicht nur die Lebensmittel an und für sich, sondern auch:

Die Personalkosten für die Zubereitung, das Abräumen und die Reinigung, die natürlich an den Mindestlohn gebunden sind, sowie die einfachen Kosten für: Material, Energieversorgung und die genutzte Infrastruktur.

Die Kitaträger stehen hier zunehmend vor einem Drahtseil-Akt, bei den Versuchen qualitativ hochwertiges Essen, in ausreichenden Portionen auf den Tisch zu bringen, während gleichzeitig die entstandenen Zusatzkosten gedeckt werden müssen.


Die wachsenden Kosten der letzten Jahre, insbesondere mit Blick auf die momentane wirtschaftliche Lage, können und werden diese Unterschiede weiterhin gravierend verstärken und bringen das Fachpersonal in eine zunehmende Bredouille.

Wie viel Qualität ist noch umsetzbar mit wenig finanziellen Mitteln?

Kindertagesstätte, die ohne Zusatzfinanzierung der Eltern auskommen, und mit den vorgegebenen 65,88 Euro pro Kind hausieren, stellen sich diese Frage nicht erst seit diesem Jahr.

Ein Betrag, der den aktuellen Anstiegen nicht mehr standhalten kann, führt zwangsläufig zu einer Reduzierung in der Qualität des Essens oder in der Größe der Portionen.

Das Land Berlin muss die Verteilung der Haushaltsgelder neu beleuchten und den heutigen Problematiken und Anstiegen anpassen, damit wir nicht in eine zunehmende Ungleichheit geraten, die bereits bei den Tellern, am Frühstückstisch beginnt.


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