Das muss Kai Wegner unbedingt noch schaffen: Frühkindliche Bildung sichern
Anlässlich der Sommerpressekonferenz des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner und dem Beginn des letzten Regierungsjahres des Schwarz-Roten Senats hat der Tagesspiegel in seiner Rubrik “3:1” drei zentrale Punkte hervorgehoben, die unter Kai Wegner bislang ungelöst geblieben sind und dringend angegangen werden müssen.
Anlässlich der Sommerpressekonferenz des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner und dem Beginn des letzten Regierungsjahres des Schwarz-Roten Senats hat der Tagesspiegel in seiner Rubrik “3:1” drei zentrale Punkte hervorgehoben, die unter Kai Wegner bislang ungelöst geblieben sind und dringend angegangen werden müssen.
Der VKMK - Der Kitaverband möchte diese drei Punkte um einen wesentlichen Aspekt ergänzen, der bereits seit Jahren aufgeschoben wird, sich zunehmend zuspitzt und maßgeblich über die Zukunft Berlins entscheidet: die deutliche Verschärfung der finanziellen Schieflage der Berliner Kita-Trägern.
Bereits 2017 zeigte eine Gestehungskostenanalyse: Die Sachkosten für Kitas liegen rund 30% über den vom Land Berlin erstatteten Mitteln - insbesondere aufgrund hoher Mietkosten. Was ist seitdem passiert? Inflation, gestiegene Mietpreise, Nebenkostenexplosion - aber keine ausreichende Anpassung der Sachkostenpauschale für Kita-Träger.
Und so kommt es, dass das Land Berlin in seiner Pauschale mit rund 6,50€ pro Quadratmeter kalkuliert und diesen Betrag an die Träger auszahlt, während die tatsächlichen Gewerbemieten im Durchschnitt bei knapp 29,00€ pro Quadratmeter liegen. Mit viel Flexibilität und Kreativität konnten die Kita-Träger diese Schere bislang noch überbrücken. Doch nun verschärft der Geburtenrückgang die Lage weiter: Die Sachkostenpauschale ist direkt an die Anzahl der Kinder gekoppelt - weniger Kinder bedeuten somit weniger Geld. Die Quadratmeter der Kita aber müssen natürlich weiterhin bezahlt werden - unabhängig davon, wie viele Kinder dort betreut werden.
Berlin muss seine Kita-Finanzierung endlich an die realen Gewerbemietkosten anpassen. Alles andere gefährdet frühkindliche Bildung – und damit die Chancengerechtigkeit einer ganzen Generation.
Kita-Mieten steigen unaufhaltsam, Sachkostenpauschale bleibt zurück: VKMK fordert dringende Anpassung zur Entlastung der Kita-Träger
Seit Jahren warnt der Kitaverband VKMK eindringlich vor drastischen Folgen der unzureichenden Finanzierung der Mietkosten für Kita-Träger durch die Sachkostenpauschale des Landes Berlin – und seit Jahren wird dies ignoriert. Während die Mietpreise kontinuierlich steigen, hinkt die Sachkostenpauschale weit hinter dieser Entwicklung her, zu Lasten der gemeinnützigen Kita-Träger.
Seit Jahren warnt der Kitaverband VKMK eindringlich vor drastischen Folgen der unzureichenden Finanzierung der Mietkosten für Kita-Träger durch die Sachkostenpauschale des Landes Berlin – und seit Jahren wird dies ignoriert. Während die Mietpreise kontinuierlich steigen, hinkt die Sachkostenpauschale weit hinter dieser Entwicklung her, zu Lasten der gemeinnützigen Kita-Träger.
„Aktuell sind in der Pauschale wohl knapp 6,50 Euro pro Quadratmeter veranschlagt“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK. „Angesichts der Mietpreisentwicklung ist dieser Betrag bereits seit langem vollkommen unzureichend.” Eine aktuelle Auswertung des Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmensverbands (BBU) zeigt, dass die Neuvertragsmieten bei den BBU-Mitgliedsunternehmen im Zeitraum von Juni 2023 bis Juni 2024 um 7% auf durchschnittlich 8,59 Euro pro Quadratmeter gestiegen sind – 2 Euro mehr als Berliner Kitas pro Quadratmeter erstattet bekommen. Für Gewerbeflächen, wie sie Kitas benötigen, liegen die Mieten in Berlin bei Neuvertragsmieten sogar bei 29 Euro und mehr.
Eine vom VKMK-Der Kitaverband erneut durchgeführte Umfrage unter Mitgliedern bestätigt diese alarmierende Lage: „Unsere Kita-Träger zahlen im Schnitt 16,50 Euro pro Quadratmeter, in einigen Fällen sogar bis zu 27 Euro. Die Kluft zwischen Realität und Pauschale ist eklatant“, so Békési.
Noch prekärer wird die Situation in Anbetracht des Geburtenrückgangs und der geplanten Verbesserung des Personalschlüssels im U3-Bereich, da die Sachkosten direkt an die Kinderzahl gekoppelt sind. „Weniger Kinder bedeuten weniger Geld, bei gleichbleibenden Quadratmetern. Ob ein Raum belegt ist oder nicht- die Miete muss bezahlt werden. Unsere gemeinnützigen Kita-Träger haben keine finanziellen Reserven, um das weitere Jahre aufzufangen“, betont Békési.
Die laufenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung der Kitas in Berlin bietet jetzt die Chance, endlich diesen Missstand zu korrigieren. “Der Senat muss die Realität endlich anerkennen und die Sachkostenpauschale anpassen. Kita-Träger dürfen nicht weiterhin die Zeche für steigende Kosten zahlen. Frühkindliche Bildung darf nicht zum finanziellen Risiko werden!“, fordert Békési eindringlich.
Auch auf Bundesebene könnten mit dem angekündigten 100 Mrd. EURO Sondervermögen für Infrastruktur könnten sich neue finanzielle positive Spielräume ergeben. „Wenn der Bund sich stärker engagiert und im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes dem Land Berlin zusätzliche Mittel bereitstellt, würde das nicht nur die Qualität der frühkindlichen Bildung steigern, sondern es ist nur die einzige Rechtfertigung für die Verlagerung der Finanzierungslasten auf die kommenden Generationen. Damit könnte Berlin auch endlich eine angemessene Sachkostenpauschale finanzieren, ohne andere Bereiche zu belasten.“, erklärt Békési.
Die Zeit drängt: Ohne eine schnelle und nachhaltige Anpassung der Sachkostenpauschale, droht eine massive Verschlechterung der Kita-Landschaft in Berlin. Qualität,Stabilität und Verlässlichkeit der frühkindlichen Bildung stehen auf dem Spiel.
VKMK schlägt gerechtere Sachkostenpauschale vor
Während die öffentliche Debatte um die Verbesserung der frühkindlichen Bildung vor allem Entlastungsmaßnahmen für Kita-Teams in den Fokus rückt, bleibt ein zentrales Problem weiterhin unbeachtet: die unzureichende Sachkostenpauschale. Sie ist das finanzielle Fundament jeder Kita – und muss dringend an die realen Kosten angepasst werden.
Während die öffentliche Debatte um die Verbesserung der frühkindlichen Bildung vor allem Entlastungsmaßnahmen für Kita-Teams in den Fokus rückt, bleibt ein zentrales Problem weiterhin unbeachtet: die unzureichende Sachkostenpauschale. Sie ist das finanzielle Fundament jeder Kita – und muss dringend an die realen Kosten angepasst werden.
Warum ist die Sachkostenpauschale so entscheidend?
Gute Bildung braucht stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, die nur mit ausreichender Finanzierung gewährleistet werden können. Doch bereits in Zeiten voller Kitas reichte die Sachkostenpauschale nicht aus: Viele Träger mussten seit Jahren eine Unterfinanzierung von bis zu 30 % ausgleichen.
„Jetzt, da die Geburtenzahlen das dritte Jahr in Folge sinken, verschärft sich die Situation weiter. Weniger Kinder in den Kitas bedeuten weniger Mittel aus der Sachkostenpauschale – während Miet- und Betriebskosten unverändert hoch bleiben.“, so Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.
Zwar wurde die Pauschale in der Vergangenheit regelmäßig in kleinen Schritten erhöht, doch die massiven Preissteigerungen in nahezu allen Bereichen sind darin bis heute nicht adäquat berücksichtigt. Die Folge: Auch 2025 bleibt die chronische Unterfinanzierung der Kita-Träger bestehen – mit einem Defizit von mindestens 10 bis 15 %.
Ein besonders Beispiel ist hierfür die Kita-Verpflegung: Die Elternbeteiligung für das Mittagessen beträgt seit 2013 unverändert 23 Euro monatlich, während das Land Berlin aktuell knapp 57,41 Euro pro Kind beisteuert – ein Betrag, der angesichts steigender Lebensmittel- und Personalkosten nicht mehr ausreicht. Pro Betreuungstag stehen so lediglich 3,82 Euro zur Verfügung – eine Summe, aus der nicht nur das Essen selbst, sondern auch Personal, Kücheninfrastruktur, Geschirr und Reinigung finanziert werden müssen. Zudem schreibt die Qualitätsvereinbarung für Berliner Kitas (QVTAG) die tägliche Bereitstellung von frischem Obst, Gemüse und ungesüßten Getränken vor – zusätzliche Kosten, die in der Pauschale nicht berücksichtigt sind.
„Wer regelmäßig einkauft, weiß: Für 3,82 Euro pro Tag ist ein frisches, gesundes Mittagessen nicht realisierbar. Realistisch sind eher 5 Euro“, so Békési.
Auch die Mietkosten belasten die Träger zunehmend. Allein von 2012 zu 2024 sind die Quadratmeterpreise für Gewerbemietflächen um 123% gestiegen.* Besonders problematisch: Die Sachkostenpauschale ist direkt an die Kinderzahl gekoppelt. Das bedeutet:
Sinkende Kinderzahlen oder eine Verbesserung des Personalschlüssels – eigentlich eine positive Entwicklung – führen paradoxerweise zu weniger finanziellen Mitteln für Miete und Betriebskosten, obwohl die Quadratmeterzahl der Einrichtungen gleich bleibt.
Um die Finanzierung der Kitas nachhaltig zu sichern, schlägt der VKMK eine gezieltere Anpassung der Sachkostenpauschale im Bereich der Mietkosten vor. „Wir setzen uns gegen das Gießkannenprinzip und stattdessen für ein präziseres, bedarfsgerechtes Modell ein, das ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand umgesetzt werden kann“, erklärt Békési. „Kitas in angemieteten Räumen sollten eine höhere Pauschale erhalten als jene in eigenen Immobilien. Ein solches Cluster-Modell könnte durch eine Vergleichsreferenz abgesichert werden, um übermäßige Mietsteigerungen durch Vermieter zu verhindern.“
Der VKMK fordert das Land Berlin auf, bei allen notwendigen Maßnahmen zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Kita-Träger zu vernachlässigen. „Eine faire Sachkostenpauschale ist essenziell, um Kitas langfristig tragfähig zu halten. Nur mit einer sachgerechten Anpassung der Finanzierung können wir die Qualität und Stabilität frühkindlicher Bildung gewährleisten“, betont Békési abschließend.
*Für Büroflächen, Quelle: Statista 2025
Investieren, um zu sparen: Warum frühkindliche Bildung Priorität haben muss
Seit 2015 sind in Deutschland die bereitgestellten öffentlichen Mittel für die frühkindliche Bildung im Verhältnis zum BIP um 42% gestiegen. Deutschland ist im OECD-Ländervergleich damit unter den Top 10! Und besonders Berlin glänzt als Spitzenreiter bei den Ausgaben für Bildungseinrichtungen. Im Bundesländervergleich belegt die Hauptstadt den ersten Platz und übertrifft auch den OECD-Durchschnitt locker. Doch warum thematisieren wir das am Weltspartag?
Seit 2015 sind in Deutschland die bereitgestellten öffentlichen Mittel für die frühkindliche Bildung im Verhältnis zum BIP um 42% gestiegen. Deutschland ist im OECD-Ländervergleich damit unter den Top 10! Und besonders Berlin glänzt als Spitzenreiter bei den Ausgaben für Bildungseinrichtungen. Im Bundesländervergleich belegt die Hauptstadt den ersten Platz und übertrifft auch den OECD-Durchschnitt locker. Doch warum thematisieren wir das am Weltspartag? Kann man dann überhaupt von einem “Sparen” in der Bildung reden? Unsere Antwort lautet: Ja! Denn wer weiter die Tabellen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder durch scrollt, entdeckt, dass die Ausgaben gar nicht so gut verteilt sind und dass es einen Bereich in Berlin gibt, in dem meisterhaft gespart wird. Und ausgerechnet dabei handelt es sich um den wohl elementarsten Bildungsbereich, der maßgeblich alle weiteren Bildungsbereiche beeinflusst: Die frühkindliche Bildung. Hier liegen die jährlichen Ausgaben für eine Bildungseinrichtung pro Bildungsteilnehmer:in bei 8.800 Euro, womit es Berlin schafft, unter jedem relevanten Durchschnitt zu liegen. Zum Vergleich: Der deutschlandweite Durchschnitt beträgt 11.600 Euro, der OECD-Durchschnitt 8.900 Euro. Zwar sind die Ausgaben in Berlin seit der letzten OECD-Evaluation deutlich angestiegen - von 2019 bis 2023 um 26% (wobei dies im Verhältnis zur gestiegenen Anzahl von Kindern im Bildungssystem betrachtet werden muss) - dennoch wird Berlin damit auch weiterhin nicht den bundesweiten Durchschnitt knacken. Was bedeutet das nun genau für die frühkindliche Bildung?
Die öffentlichen Mittel für die frühkindliche Bildung fließen in zahlreiche unterschiedliche Posten, von Personalkosten bis hin zu Sachkosten, welche unter anderem für Verpflegung, Verwaltung, Miete, Spiel- und Lernmaterialien verwendet werden sollen. Während die Personalkosten durch den letzten Tarifvertrag eine spürbare Erhöhung erfahren haben, hinken die Sachkosten fröhlich hinterher. Anpassungen? Gab es – doch die konnten mit der Inflation natürlich nicht mithalten. Eine 2017 durchgeführte Analyse der Gestehungskosten zeigte bereits, dass Kitas im Schnitt um 30 % unterfinanziert sind – eine Zahl, die sich seither kaum verändert hat.
In der vergangenen Woche haben wir beleuchtet, wie stark die Kitas in Berlin bei der Bereitstellung von Verpflegung unterfinanziert sind. Heute wollen wir den Fokus auf die Mieten legen, um exemplarisch zu zeigen, wie groß die Lücke in der Finanzierung ist. Derzeit erhalten Kitas in Berlin rund 46 Euro pro Kind und Monat zur Bewirtschaftung bzw. Erhaltung der Gewerbeflächen. Für eine Kita mit 50 Plätzen entspräche dies einem Betrag von 2.300 Euro pro Monat. Gemäß den baulichen Mindeststandards für Kitas müsste diese Einrichtung mindestens 283 Quadratmeter umfassen. Bei einem aktuellen Gewerbemietpreis von durchschnittlich 29 Euro pro Quadratmeter in Berlin ergäbe sich ein realer Brutto-Mietzins von 8.207 Euro. Dies bedeutet, dass das Land Berlin derzeit nur 28 % der realen Kosten des Gewerbemietzinses abdeckt.
Und hier wird die chronische Unterfinanzierung zur pädagogischen Herausforderung. Denn die Qualität der frühkindlichen Bildung hängt, natürlich neben anderen Faktoren, auch von den verfügbaren Ressourcen und Rahmenbedingungen ab. Unsere Kitas sind voller kluger, kreativer Köpfe, die das Beste aus der frühkindlichen Bildung für unsere Kinder, für Chancen- und Bildungsgerechtigkeit herausholen wollen, doch machen es ihnen die Rahmenbedingungen nicht gerade leicht. Und all das, was im frühkindlichen Bereich aufgrund der knappen Finanzierung heute nicht möglich ist, muss später teuer nachgeholt werden. Dies zeigt sich in höheren Kosten für spätere Bildungs- und Sozialsysteme, geringeren Bildungserfolge und langfristig sogar in weniger wirtschaftlicher Produktivität. Die Kluft zwischen den finanziellen Möglichkeiten und den pädagogischen Anforderungen gefährdet damit nicht nur die Zukunft unserer Kinder, sondern auch das gesamte Bildungssystem und letztlich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität.
Politische Entscheidungsträger:innen wissen das – dennoch wird die Priorisierung der frühkindlichen Bildung in der Politik immer wieder verschoben. Dabei ist längst klar, dass die Investition in diesen Bereich langfristig das effektivste und sparsamste Mittel ist, um später Kosten zu vermeiden und gleichzeitig Bildungschancen zu verbessern. Die klügste Investition, die wir heute tätigen können, ist die in unsere Kinder. Jeder in die frühkindliche Bildung investierte Euro ist langfristig eine Ersparnis. Daher unser dringender Appell am heutigen Weltspartag: Spart, indem ihr investiert – in die Zukunft unserer Kinder!
Quellen:
Bildung auf einen Blick 2024 OECD-Indikatoren. (2024). In Oecd. https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2024/09/education-at-a-glance-2024_5ea68448/e7565ada-de.pdf.
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Brugger, P., et al. (2024). Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich Ausgabe 2024 – Tabellenband (Statistisches Bundesamt, Hrsg.). https://statistik.thueringen.de/webshop/pdf/2024/60120_2024_01.pdf.
Themenseite: Gewerbeimmobilien in Berlin. (2024, 18. März). Statista. https://de.statista.com/themen/2518/gewerbeimmobilien-in-berlin/#topicOverview.
KITA nach Zahlen #13
Die Zahlen entnehmen wir einer entsprechenden Aufstellung auf Statista.com. Eine genaue Aufteilung des Anstiegs über die letzen Jahre sehen Sie im unteren Bild.