KitaFöG-Entwurf: Kitaverband VKMK empfiehlt gezielte Nachbesserungen für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit
Aktuell wird im Rahmen eines vorparlamentarischen und parlamentarischen Verfahrens das Gesetz zur Förderung von Kindern in Kindertagesstätten und Kindertagespflege (KitaFöG) überarbeitet. Ziel der Anpassung ist eine Implementierung des Kita-Chancenjahres (in das KitaFöG), welches besonders sprach-förderbedürftige Kinder besser in das Berliner Kita-System integrieren soll. Der entsprechende Entwurf liegt dem Kitaverband VKMK bereits vor und wurde verbandsintern bewertet. Aus Sicht des Verbandes stellt dieser einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar - bleibt stellenweise jedoch lückenhaft.
Aktuell wird im Rahmen eines vorparlamentarischen und parlamentarischen Verfahrens das Gesetz zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege (KitaFöG) überarbeitet. Ziel der Anpassung ist eine Implementierung des Kita-Chancenjahres (in das KitaFöG), welches besonders sprach-förderbedürftige Kinder besser in das Berliner Kita-System integrieren soll. Der entsprechende Entwurf liegt dem Kitaverband VKMK bereits vor und wurde verbandsintern bewertet. Aus Sicht des Verbandes stellt dieser einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar - bleibt stellenweise jedoch lückenhaft.
Ein Element des Entwurfs stellt die Neufassung des §13 KitaFöG dar, der die Vertragspartner für die verbindlichen Vereinbarungen über die Qualitätssicherung und Finanzierung der Tageseinrichtungen neu definiert. Neben “den Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege und dem Dachverband der Kinder- und Schülerläden” dürfen künftig auch weitere Verbände teilnehmen - sofern sie Träger der freien Jugendhilfe im Umfang von mindestens 10.000 Plätzen vertreten und seit mindestens zehn Jahren in Berlin tätig sind.
Lars Békési, Geschäftsführer des VKMKs, begrüßt diese Anpassung grundsätzlich: „Erstmals wird der bislang exklusive Kreis gesetzlich geöffnet – ein entscheidender Schritt zur Anerkennung langjähriger Forderungen des VKMK nach breiterer Teilhabe, einer pluralistischen Trägerlandschaft und mehr Finanzierungsgerechtigkeit.“ Gleichzeitig äußert er Kritik: „Die Hürde für eine Beteiligung ist mit 10.000 Plätzen und zehn Jahren Tätigkeit äußerst hoch. Für kleinere, spezialisierte Trägerverbände bleibt sie faktisch unüberwindbar, was die Zugangskriterien weiterhin exklusiv macht. Besonders problematisch ist die explizite Nennung eines einzelnen Verbandes – eine nicht nachvollziehbare Privilegierung, die aus Gründen der Neutralität des Gesetzgebers und des Gleichbehandlungsgrundsatzes gestrichen werden muss.“
Kritisch zu bewerten ist in der Novelle zum KitaFöG zudem, dass mit der geplanten Einführung des sogenannten Partizipationszuschlags künftig ausschließlich der Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT) als Kriterium für Sprachförderung gilt. Lars Békési mahnt: „Diese Regelung greift zu kurz und birgt die Gefahr struktureller Diskriminierung. Kinder mit Sprachförderbedarf und nicht-deutscher Herkunft, die keinen BuT-Anspruch haben, werden von der notwendigen Förderung ausgeschlossen.“
Er warnt weiter: „Unterschiedliche Förderbedarfe werden gegeneinander ausgespielt, anstatt jedem Kind eine chancengerechte Förderung entsprechend seines individuellen Bedarfs zu gewährleisten. Deshalb muss im weiteren parlamentarischen Prozess dringend eine geeignete Überarbeitung im Bereich des angedachten Partizipationszuschlages erfolgen.“
Die vom Senat angekündigte kostenneutrale Umsetzung des Partizipationszuschlags erscheint vor dem Hintergrund kontinuierlich steigender Förderbedarfe ebenfalls fragwürdig. Békési macht klar: „Bleibt die Finanzierung trotz wachsender Bedarfe unverändert, bedeutet das Sparen auf Kosten der Kinder und ihrer Chancengerechtigkeit.“ Der VKMK hat den Berliner Senat bereits mehrfach auf diese Problematik hingewiesen, doch entsprechende Empfehlungen finden sich im aktuellen Entwurf nicht wieder.
Ein weiterer Punkt in der Neufassung betrifft die Verbesserung des Personalschlüssels im U3-Bereich - ein grundsätzlich richtiger Schritt hin zu besseren Bildungs- und Betreuungsbedingungen und einer Entlastung des Fachpersonals. Allerdings greift auch dieser Ansatz zu kurz: Die eigentliche Mehrbelastung liegt derzeit vor allem im Ü3-Bereich - etwa durch die längere Verweildauer der Kinder sowie durch den deutlichen Anstieg unterschiedlicher Förderbedarfen. In einem nächsten Schritt sollte daher auch der Ü3-Bereich in den Blick genommen und der Personalschlüssel entsprechend angepasst werden.
Der Entwurf stellt eine solide Grundlage für den weiteren parlamentarischen Prozess dar. Dennoch sind Nachbesserungen und die Konkretisierung einzelner Punkte erforderlich, um verbleibende Lücken zu schließen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass im weiteren Verlauf entsprechende Optimierungen erfolgen - sodass eine gerechte, inklusive und vielfältige Kita-Landschaft nachhaltig gewahrt und widergespiegelt wird.
Der Kita-Platz-Ausbau: Städtebauliche Verträge und die Herausforderungen des demographischen Wandels
Diese Woche wurde im Tagesspiegel eine bisher unbekannte und diskussionswürdige Zahl zur Kita-Platz-Situation in Berlin veröffentlicht: Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) erwähnte am 5. September in der 42. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie im Abgeordnetenhaus, dass zu Beginn des Kita-Jahres 2024/2025 etwa 34.300 Kita-Plätze ungenutzt seien, wovon der Tagesspiegel am 07. Oktober berichtete.
Diese Woche wurde im Tagesspiegel eine bisher unbekannte und diskussionswürdige Zahl zur Kita-Platz-Situation in Berlin veröffentlicht: Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) erwähnte am 5. September in der 42. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie im Abgeordnetenhaus, dass zu Beginn des Kita-Jahres 2024/2025 etwa 34.300 Kita-Plätze ungenutzt seien, wovon der Tagesspiegel am 07. Oktober berichtete. Wie diese Zahl, die im Juni noch bei 9.000 lag, zustande kommt, ist bislang noch nicht geklärt. Trotz dieser Unklarheiten wirft die Aussage eines Überschusses an Kita-Plätzen Fragen auf, denn die Fakten sprechen für sich: Die Geburtenzahlen sinken seit Jahren, zahlreiche Kita-Träger berichten von einer rückläufigen Nachfrage, und viele Einrichtungen stehen bereits vor dem Problem unbesetzter Plätze. Einige Kitas sind nun bestrebt, ihre freien Plätze zu belegen, während vor allem Kleinstträger sich bereits Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft machen müssen, sollten sie dauerhaft nicht mehr alle Plätze vergeben können. Doch anstatt auf diese Herausforderung mit angepassten Maßnahmen zu reagieren, setzt die Stadt Berlin den Kita-Ausbau weiter fort.
In Zeiten des Kita-Platz-Mangels wurde in städtebaulichen Verträgen festgelegt, Kitas in Neubauprojekte zu integrieren, um die wachsende Nachfrage nach Betreuungsplätzen zu decken. Doch trotz des inzwischen rückläufigen Bedarfs werden weiterhin im Rahmen solcher Verträge neue Kitas gebaut. Dies führte allein zwischen 2023 und 2024 zu einem Anstieg der Kita-Plätze um 1,3 %. Um das Platzangebot an den tatsächlichen Bedarf anzupassen, setzt das Land Berlin auf verschiedene Beobachtungs- und Steuerungsinstrumente: Der Kindertagesstättenentwicklungsplan (KEP) 2023/2024 bis 2027/2028 analysiert die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung im Vergleich zum verfügbaren Platzangebot, um daraus den zukünftigen Bedarf an Kita-Plätzen zu ermitteln. Ergänzend dazu teilt der Kita-Förderatlas die Bezirksregionen Berlins in fünf Kategorien nach Dringlichkeit des Platzausbaus ein, um die Verteilung der Fördermittel zielgerichtet und bedarfsgerecht zu steuern. Infolgedessen wurden die Mittelvergabe bereits angepasst und der Kita-Ausbau entsprechend reduziert. (Allerdings wird kritisiert, dass diese Steuerungsinstrumente nicht flächendeckend genug sind und noch präziser auf die regionalen Unterschiede eingehen müssen, um den Kita-Platzausbau effizienter zu gestalten.)
Dennoch befinden sich aktuell Maßnahmen zur Schaffung von 11.000 zusätzlichen Betreuungsplätzen bis 2027 in der Umsetzung, darunter auch Projekte, die auf Basis städtebaulicher Verträge realisiert werden. Städtebauliche Verträge werden oft Jahre im Voraus ausgehandelt und sind rechtsverbindlich, was eine nachträgliche Revision erschwert. Wie im KEP zu lesen ist liegt “[D]ie gemäß neuer Bevölkerungsvorausberechnung 2021-2040 zu erwartende Anzahl der Kinder unter 7 Jahren [...] deutlich unter der bisherigen Prognose. Bis zum Jahr 2027 wird nunmehr eine um rund 14.700 geringere Zahl von Kindern im Alter 0 bis unter 7 Jahren erwartet.”. Diese Differenz verdeutlicht, dass bei Abschluss der heute noch gültigen städtebaulichen Verträge von einem deutlich höheren Bedarf an Kita-Plätzen ausgegangen wurde.
Die Mitglieder des Kitaverbands VKMK beobachten den fortgesetzten Ausbau mit wachsendem Unverständnis. Statt die finanziellen Mittel in die mancherorts benötigte Sanierung und Instandhaltung bestehender Einrichtungen zu investieren, fließen die Gelder weiterhin in den Bau neuer Kitas, für die es inzwischen kaum Nachfrage mehr gibt. Aus den Reihen des Verbands wird daher verstärkt eine nachhaltigere Verwendung öffentlicher Mittel gefordert. Lars Békési, Geschäftsführer des Verbandes, betont nachdrücklich: “Die Anpassung der Maßnahmen erfolgt nicht schnell genug, was zu einem gegenwärtig ineffizienten Umgang mit Steuergeldern führt. Anstatt diese sinnvoll und nachhaltig einzusetzen, werden sie zum Fenster rausgeworfen. Es wäre weitaus effizienter, die vorhandene Infrastruktur zu stärken oder nach nachhaltigen Lösungen zu suchen.” Ein möglicher Ansatz, der innerhalb des VKMK diskutiert wird, ist die Etablierung von Mehrgenerationenkonzepten. Durch diese Konzepte könnte die im Rahmen städtebaulicher Verträge geschaffene soziale Infrastruktur flexibel an die Herausforderungen des demografischen Wandels angepasst werden. Dies würde eine proaktive Vorbereitung auf unvorhergesehene Geburtenrückgänge sowie auf mögliche Anstiege der Geburtenzahlen ermöglichen. Gleichzeitig würden sowohl Senioren als auch Kinder von einem generationenübergreifenden Miteinander profitieren.
Neuste OECD-Studie: eine hausgemachte Perspektivlosigkeit?
Die jüngsten Ergebnisse einer OECD-Studie haben Deutschland in Bezug auf Bildungsabschlüsse in ein zwielichtiges Licht gerückt. Während die Zahl der Abschlüsse auf höherem Niveau stieg, nahm die Kluft zwischen denen, die keinen Sekundarschulabschluss erreichen, und denen mit tertiären Bildungsabschlüssen zu. Die Fakten sind alarmierend, aber sie weisen auf ein tiefer liegendes Problem hin - die konstante Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildung.
Die jüngsten Ergebnisse einer OECD-Studie haben Deutschland in Bezug auf Bildungsabschlüsse in ein zwielichtiges Licht gerückt. Während die Zahl der Abschlüsse auf höherem Niveau stieg, nahm die Kluft zwischen denen, die keinen Sekundarschulabschluss erreichen, und denen mit tertiären Bildungsabschlüssen zu. Die Fakten sind alarmierend, aber sie weisen auf ein tiefer liegendes Problem hin - die konstante Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildung.
Die OECD-Studie, die kürzlich veröffentlicht wurde, zeigt, dass Deutschland eines der beiden untersuchten Länder ist, in denen der Anteil der 25- bis 34-jährigen Bevölkerung ohne Abschluss im Sekundarbereich II gestiegen ist. Dieser Anstieg von 13 auf 16 Prozent zwischen 2015 und 2022 verdeutlicht, dass viele junge Menschen den Bildungsweg nicht erfolgreich abschließen können.
Aber warum ist das so?
Es ist von entscheidender Bedeutung zu erkennen, dass die alleinige Verantwortung für den Bildungserfolg nicht nur in den Schuljahren verankert werden sollte. Tatsächlich beginnt die entscheidende Phase für die Bildung eines Kindes viel früher, in den ersten Lebensjahren. Hier werden die Grundlagen für die Bildungslaufbahn gelegt, und diese Phase kann als eine Art Fundament betrachtet werden, auf dem der gesamte Bildungsaufbau erfolgen wird.
Erkennen von Herausforderungen und gezieltes Fördern von Stärken sind hier die Essenzen der späteren Entwicklung.
Kognitive Entwicklung: In den frühen Jahren werden die kognitiven Fähigkeiten eines Kindes geformt. Dies umfasst grundlegende Fertigkeiten wie das Erkennen von Buchstaben, Zahlen und Formen. Diese Grundlagen sind entscheidend für das spätere Verständnis komplexerer Konzepte in den höheren Bildungsjahren.
Sprachliche Entwicklung: Die Entwicklung der Sprache ist ein Schlüsselelement für den Bildungserfolg. In den ersten Lebensjahren erwerben Kinder nicht nur ihre Muttersprache, sondern legen auch den Grundstein für das Erlernen weiterer Sprachen. Frühzeitige Förderung in diesem Bereich kann die sprachlichen Fähigkeiten stärken, was sich positiv auf das spätere Lesen, Schreiben und Verstehen komplexer Texte auswirkt.
Soziale und emotionale Kompetenzen: Die frühkindliche Phase ist entscheidend für die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten wie Empathie, Kooperation und Konfliktlösung. Diese Kompetenzen sind nicht nur im schulischen Umfeld wichtig, sondern begleiten ein Individuum auch sein ganzes Leben lang und beeinflussen sein Verhalten und seine Beziehungen.
Lernmotivation und Selbstvertrauen: In den frühen Jahren wird auch die Lernmotivation und das Selbstvertrauen eines Kindes geprägt. Kinder, die positive Erfahrungen mit dem Lernen und Entdecken machen, entwickeln oft eine innere Motivation, Wissen zu erwerben. Umgekehrt können negative Erfahrungen in dieser Phase das Lerninteresse beeinträchtigen.
Fähigkeiten zur Problemlösung: Die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden, wird in den ersten Lebensjahren geschult. Diese Fähigkeiten sind entscheidend für die Bewältigung komplexer Aufgaben und Herausforderungen in der späteren Schullaufbahn und im Berufsleben.
Kinder, die in mehrsprachigen Haushalten aufwachsen, stehen oft vor besonderen Herausforderungen im Bildungssystem Deutschlands. Die OECD-Studie spricht von einem starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem anschließenden Bildungserfolg. Dieser Zusammenhang betrifft nicht nur den Zugang zu Bildungsressourcen, sondern auch die gesellschaftliche Wahrnehmung von kultureller Vielfalt. Die Fähigkeit, mehrere Sprachen zu beherrschen, ist eine bemerkenswerte Stärke, die aufgrund ihrer enormen Vorteile gefördert werden sollte. Leider wird diese Stärke in einem Bildungssystem, das primär auf die Dominanz der vorherrschenden Unterrichtssprache, in diesem Fall Deutsch, ausgerichtet ist, oft nicht entsprechend gewürdigt und daraus resultierende Herausforderungen werden nicht entsprechend berücksichtigt.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese scheinbaren Verzögerungen im Spracherwerb in einem klaren Kontext stehen: Kinder aus mehrsprachigen Haushalten erwerben nicht nur eine, sondern mehrere Sprachen parallel. Dies erfordert zusätzliche geistige Anstrengungen und Ressourcen, die oft übersehen werden. Leider wird diesen Kindern häufig nicht die gezielte Förderung und Unterstützung gewährt, die sie benötigen, um auf dem gleichen Niveau wie ihre monolingualen Mitschülerinnen und Mitschüler zu sein. Die Folgen dieses Mangels an Förderung und letztendlich auch an Anerkennung sind tiefgreifend. Kinder aus mehrsprachigen Haushalten können sich unsicher fühlen und sich selbst als weniger fähig wahrnehmen, da sie im System frühzeitig die Botschaft erhalten, dass sie in bestimmten Bereichen nicht ausreichende Leistung vollbringen. Diese anhaltende Unsicherheit und das Gefühl der Unterlegenheit können sich negativ auf ihre Lernmotivation, ihr Selbstvertrauen und ihre schulische Leistung auswirken.
Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht bei den Kindern, sondern im Bildungssystem selbst. Das System muss dringend umgestaltet werden, um die besonderen Bedürfnisse und Potenziale mehrsprachiger Kinder zu erkennen und zu fördern. Wenn dies nicht geschieht, setzen wir Kinder von Anfang an dem Risiko der Perspektivlosigkeit aus, da sie fälschlicherweise annehmen könnten, dass der Fehler bei ihnen oder gar ihrer Mehrsprachigkeit liegt, nicht aber bei dem ausgelegten Bildungssystem, das nicht in der Lage ist, angemessen auf die klaren Chancen zu reagieren, die die Multilingualität bietet.
In einer Zeit, in der die Globalisierung unsere Welt immer stärker vernetzt und die Bildung zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für individuellen und gesellschaftlichen Erfolg wird, ist es zweifellos von unschätzbarem Wert, einen höheren Bildungsgrad zu erreichen. Ein solcher Abschluss eröffnet nicht nur Perspektiven in Deutschland, sondern auch international und ermöglicht den Zugang zu globalen Chancen. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Gesellschaft vielfältig und facettenreich ist. Nicht alle streben nach den gleichen Zielen und Idealen und es ist von großer Wichtigkeit, die Bedürfnisse und Potenziale aller Individuen ausreichend zu berücksichtigen.
In dieser multikulturellen und multilingualen Gesellschaft ist es entscheidend, auch diejenigen zu motivieren und Perspektiven zu setzen, die nicht zwangsläufig einen höheren Bildungsgrad anstreben. Eine breite Palette von beruflichen Förderungen und Entfaltungsmöglichkeiten sollte perspektivisch zur Verfügung stehen, um den individuellen Interessen und Fähigkeiten gerecht zu werden. Nicht jede/r Schüler*in ist auf dem Weg zur Universität oder dem akademischen Erfolg, und das ist keineswegs ein Zeichen von Mangel an Ambition oder Fähigkeiten. Es gibt viele hochintelligente, talentierte Menschen, die andere Wege wählen, sei es in der beruflichen Bildung, kreativen Künsten oder anderen Bereichen, die gleichermaßen wertvoll und bedeutend für unsere Gesellschaft sind. Es ist an der Zeit, eine Bildungspolitik zu fördern, die Vielfalt und Inklusion schätzt und die unterschiedlichen Bildungsziele und Lebenswege gleichermaßen unterstützt. Wir müssen die individuellen Stärken und Potenziale aller erkennen und ihnen die Möglichkeit geben, ihr Bestes zu entfalten, unabhängig von ihrem gewählten Bildungsweg.
Die ausreichende Bereitstellung von Ressourcen und finanziellen Mitteln für frühkindliche Bildungseinrichtungen ist von entscheidender Bedeutung. Die frühkindliche Bildung sollte nicht nur als Vorbereitung auf spätere Schuljahre angesehen werden, sondern als eine Institution, in der Kinder ihre Stärken erkennen und ausbauen sowie Herausforderungen selbstbewusst überkommen können.
Die momentane Situation, der sich viele Kitas gegenüberstehen sehen, erschwert dies leider erheblich. Eine anhaltende Unterfinanzierung und der Personalmangel erschweren die individuelle Förderung jedes Kindes ungemein. Nicht selten bleiben Herausforderungen somit unentdeckt oder erhalten nicht die notwendige, individuelle Aufmerksamkeit. So können sie sich weiterentwickeln und ausbauen und werden oftmals erst in den schulischen Jahren deutlich sichtbar, bei erheblichen Leistungsdifferenzen zu den Mitschülerinnen und Mitschülern. Die nun notwendigen Förderungen, um die Defizite erfolgreich zu überkommen, sind mannigfaltig. Die Herausforderungen, die sich dadurch persönlich und im Selbstwert des Kindes verankern, werden von außen oftmals unterschätzt. Wir benötigen einen Rahmen, in dem die Einzigartigkeit der Kinder wahrgenommen und gefördert werden kann. Nur so können wir sicherstellen, dass Kinder ihren eigenen Bildungsweg gestalten, basierend auf persönlichen Entscheidungen und Stärken, nicht aber auf Begrenzungen und Perspektivlosigkeit. Es liegt an uns, diese Veränderungen in der Bildung zu bewirken, indem wir die Bedeutung der frühkindlichen Bildung anerkennen, die Vielfalt der Bildungswege schätzen und die Chancen für jedes Kind gleichermaßen öffnen. Nur so können wir sicherstellen, dass Bildung nicht eine Quelle der Begrenzung ist, sondern ein Weg zur Entfaltung des vollen Potenzials eines jeden Einzelnen, und damit zur Stärkung unserer Gesellschaft als Ganzes.
Eine Gesellschaft, in der Menschen die Möglichkeit haben, sich in ihren Stärken zu entfalten, unabhängig von ihrem Bildungsgrad, würde eine unglaubliche Vielfalt an Talenten, Fähigkeiten und Ideen hervorbringen. Es ist an der Zeit, die frühkindliche Bildung und individuelle Förderung als Investition in unsere gemeinsame Zukunft zu betrachten, denn wenn jeder sein volles Potenzial ausschöpfen kann, werden wir alle davon profitieren.
MINT: Entdecken, Lernen und Wachsen.
Dass Kinder vor intrinsischer Neugier, Entdeckertum und Fantasie sprühen, ist nichts Neues. Was vielen jedoch nicht bewusst ist, ist der unschätzbare Wert, den diese Eigenschaften mit sich bringen, nicht nur für die Kindheit, sondern auch für die fortlaufende Entwicklung bis ins späte Erwachsenenalter. Die Initiative MINT möchte an genau diesem Potenzial ansetzen.
Dass Kinder vor intrinsischer Neugier, Entdeckertum und Fantasie sprühen, ist nichts Neues. Was vielen jedoch nicht bewusst ist, ist der unschätzbare Wert, den diese Eigenschaften mit sich bringen, nicht nur für die Kindheit, sondern auch für die fortlaufende Entwicklung bis ins späte Erwachsenenalter.
Die Initiative MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) arbeitet genau mit dieser Chance auf Förderung. Seit 2006 bereits bietet die bundesweite Bildungsinitiative Kitas, Hort-Einrichtungen und Grundschulen die Möglichkeit an diesem Forschungs- und Fortbildungsprogramm zu partizipieren.
Ziel: Kinder bereits frühzeitig für MINT-Themen zu begeistern und ihre Neugier und ihr Interesse an diesen Bereichen zu wecken, sowie optimale Förderung zu gewährleisten, sei es durch gestellte Materialien, Schulungen und Anleitungen für Erzieher:innen.
Doch nicht nur die Schwerpunkts-Bereiche allgemein profitieren hiervon, sondern die Förderung lässt sich vielschichtig verzeichnen. Durch Forschung lernen Kinder, kritisch zu denken und Probleme aktiv anzugehen. Sie lernen, Fragen zu stellen, Hypothesen aufzustellen, Experimente zu entwerfen und Daten zu analysieren. Dieser Prozess fördert nicht nur ihre kognitiven Fähigkeiten, sondern ermöglicht es ihnen auch, ihre Vorstellungskraft und ihre Fähigkeit zur Lösung komplexer Probleme zu entwickeln.
Gerade die Möglichkeit, eigene Forschungsprojekte zu wählen, ermöglicht es Kindern, ihre Interessen und ihre Leidenschaften individuell zu entdecken. Diese persönliche Verbindung zu ihrem Forschungsgebiet fördert nicht nur ihr Engagement in eben diesem, sondern auch ihre Lernmotivation und ihr Selbstvertrauen allgemein.
Forschung erfordert zudem oft kreative Problemlösungen. Kinder lernen, Hindernisse zu überwinden, Flexibilität zu zeigen und alternative Lösungswege zu finden, im Alleingang oder in der Gruppe. In vielen Fällen erfordert Forschung Zusammenarbeit und den Austausch von Ideen mit anderen. Dies ist von unschätzbarem Wert für die künftige Entwicklung. Kinder, die die Möglichkeit haben, gemeinsam zu forschen, lernen, im Team zu arbeiten, Konflikte zu lösen und ihre Gedanken und Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Dies fördert ihre sozialen Kompetenzen, ihre Kommunikationsfähigkeiten und ihre Fähigkeit, in Gruppen erfolgreich zu arbeiten. Dies wäre nicht nur in der akademischen Welt, sondern auch im späteren Leben von absolut eklatant für einen erfolgreichen Werdegang.
Eine Unterstützung der Pädagog:innen findet in Form von Schulungen und Austauschmöglichkeiten statt. So können Erzieherinnen und Erziehern, ihre Kenntnisse in den MINT-Bereichen erweitern und innovative Lehrmethoden erlernen, für ein noch inspirierenderes und forschungsfreundlicheres Umfeld in den Kitas.
Wie jedes Jahr, findet MINT auch in diesem Jahr statt und kann von den frühkindlichen Bildungsinsitutionen genutzt werden. Wir legen diese Initiative allen pädagogischen Fachkräften wärmstens ans Herz. Durch die Integration von MINT-Aktivitäten im Kita-Alltag können Kinder nicht nur frühzeitig mit den Grundlagen von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik vertraut gemacht werden, sondern auch ihr Interesse an diesen Bereichen entdecken und entwickeln. Pädagogische Schulungen, Projektkonzepte und experimentelle Materialien, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind, ergeben hier eine Möglichkeit an diversen Ressourcen, die nicht ungenutzt gelassen werden sollten.
Die transformative Rolle der Digitalisierung in deutschen Kitas.
Insbesondere der Einzug der Digitalisierung in den frühkindlichen Institutionen löst teilweise bei Personal und Eltern noch Fragezeichen aus. Blicken wir gemeinsam auf die vielen Möglichkeiten, die sich in der Digitalisierung verbergen, für Eltern, Kinder und Fachpersonal.
Die fortschreitende Digitalisierung trifft vielerorts noch auf gespaltene Meinungen. Während die einen händeringend schon seit Jahren darauf gewartet haben, stehen die anderen dem Ganzen mit einigen Bedenken gegenüber. Insbesondere der Einzug in den frühkindlichen Institutionen löst teilweise bei Personal und Eltern noch Fragezeichen aus. Blicken wir gemeinsam auf die vielen Möglichkeiten, die sich in der Digitalisierung verbergen.
Wie sieht eine digitalisierte Kita überhaupt aus?
Kinder, die vor einem Touchscreen Bildschirm sitzen und für sich alleine lernen? Ein Bild, das viele besorgte Eltern letztlich doch noch haben. Die Wahrheit sieht, ein Glück, aber anders aus.
Digitale Medien können und sollen vielmehr als Ergänzung zu traditionellen pädagogischen Ansätzen fungieren und das Bildungserlebnis der Kinder bereichern, nicht aber das pädagogische Fachpersonal ersetzen. Im Gegenteil. Viel mehr kann und soll es dabei unterstützen, das Personal zu entlasten.
Die digitalen Lösungen bieten unter anderem Möglichkeiten, das pädagogische Personal bei administrativen Aufgaben zu unterstützen und Raum für persönliche Betreuung und Förderung zu schaffen. Digitale Lösungen erleichtern die Bewältigung von Papierarbeit, Bürokratie und organisatorischen Aufgaben. Durch die Automatisierung von Routineaufgaben können Erzieher*innen mehr Zeit für individuelle Förderung und die Bedürfnisse der Kinder aufbringen. Digitale Medien ermöglichen auch eine effizientere Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Eltern, indem sie digitale Plattformen und Apps für den Austausch von Informationen und die Organisation von Elterngesprächen nutzen.
Eine ausgewogene Nutzung und ein verantwortungsvoller Umgang sind hierbei entscheidend. Eine umfassende Medienbildung, sowohl für Kinder als auch für Pädagog*innen und Eltern, kann dabei helfen, einen bewussten und sinnvollen Umgang mit digitalen Medien zu gewährleisten.
Wie kann eine gezielte Förderung in den frühkindlichen Institutionen mittels Digitalisierung aussehen?
Eine Reihe von Studien belegt, dass der gezielte Einsatz digitaler Medien einen positiven Einfluss auf die kognitive, sprachliche und motorische Entwicklung junger Kinder haben kann.
So hat beispielsweise eine Studie von Kabali (2015) aufgezeigt, dass der Einsatz von Lern-Apps bei Vorschulkindern das Alphabetwissen und das phonologische Bewusstsein verbessert. Eine Meta-Analyse von Hirsh-Pasek (2016) ergab, dass das Verwenden von interaktiven E-Books bei Kindern im Vorschulalter, dabei helfen kann, ihren Wortschatz zu erweitern und ihre Fähigkeit zur narrativen Gestaltung zu intensivieren. Die Pionierarbeit der Universität Oslo (2017) demonstrierte, dass digitale Spiele, die eine körperliche Aktivität erfordern, die motorischen Fertigkeiten sowie die Hand-Auge-Koordination von Vorschulkindern erheblich verbessern können.
Diese akademischen Studien, zusammen mit vielen weiteren, verdeutlichen eindrücklich den positiven Einfluss digitaler Medien auf verschiedene Aspekte der frühkindlichen Entwicklung. Durch die individuelle Anpassung von Lerninhalten und -geschwindigkeiten können digitale Medien auf die Bedürfnisse und das Entwicklungstempo jedes einzelnen Kindes eingehen. Vernünftig und durch das Fachpersonal überwacht eingesetzt, kann die Digitalisierung dabei helfen, die frühkindliche Förderung noch persönlicher zu gestalten.
Interkulturelles Verständnis
Digitale Lösungen können helfen este Brücken zu schlagen, für jene Kinder, die beispielsweise neu in einem Land angekommen sind und sich vor den ersten Startschwierigkeiten sehen aufgrund der Sprachdefizite. Wir waren bereits im Gespräch mit einer Software (Polylino), die genau hier unterstützen kann.
Selektiver Inhalt für die Kinder mit personalisierten Auswahlmöglichkeiten bezüglich der Sprache, kann Integration vereinfachen und interkulturelles Verständnis kreieren. Ein Prozess, der für die Kinder alleine oftmals durchaus schwieriger gestaltet ist..
Die Rolle der Digitalisierung in Zeiten der Kitakrise
Insbesondere in Zeiten der Kitakrise, in denen Personalmangel herrscht und die Betreuungssituation herausfordernd ist, kann eine vorangeschrittene Digitalisierung eine entscheidende Rolle spielen. Digitale Lösungen können dabei unterstützen, dem staatlichen Förderauftrag nachzugehen, trotz begrenzter personeller Ressourcen. Die Digitalisierung kann aber nicht nur in der Krise Abhilfe schaffen, sondern auch als wichtiges Instrument genutzt werden, in der Umsetzung der Ziele des Gute-Kita-Gesetzes. Durch den gezielten Einsatz digitaler Medien können die Qualitätsstandards erhöht, Bildungsprozesse unterstützt und die pädagogische Arbeit weiterentwickelt werden. Die Digitalisierung bietet das Potenzial, die Entfaltungsmöglichkeiten jedes einzelnen Kindes zu unterstützen und eine inklusive Bildung zu gewährleisten.
Fazit:
Digitalisierung ist viel mehr als nur ein Touchscreen-Bildschirm, vielmehr spielt sie eine transformative Rolle in den deutschen Kitas. Es soll als Hilfestellung dienen für das Fachpersonal, als Brücke für interkulturelles Verständnis, als persönliche Unterstützung bei Förderungsbedarf und als Sprachtool, das Integration vereinfachen kann. Es ist wichtig, die Potenziale der Digitalisierung zu erkennen und sie verantwortungsbewusst einzusetzen. Dies betrifft nicht nur die Bildungsinstitutionen selbst, sondern auch den Gebrauch zuhause. Gezielte Schulungen des Fachpersonals, nicht nur bezüglich der Förderungsmöglichkeiten, sondern auch bezüglich der Mediennutzung allgemein sind hier unabdingbar, um eine erfolgreiche, sinnvolle, lösungsorientierte Umsetzung zu gewährleisten. Genauso sollte den Eltern Weiterbildungsmaterial zur Verfügung gestellt werden, um auch in den eigenen vier Wänden den richtigen Zugang zu den richtigen Tools zu finden.
Indem wir die Chancen der Digitalisierung nutzen und etwaigen Bedenken einfühlsam begegnen, können wir eine zukunftsweisende und ganzheitliche frühkindliche Bildung gewährleisten, die individuelle Förderung erleichtern und Chancengleichheit in den Bildungswegen zugänglicher machen.
Gute Absichten ≠ Gute Ergebnisse.
Die derzeitige Debatte um eine potenzielle Vorverlegung des Schuleintritts bei Sprachproblemen, wie sie in Baden-Württemberg erörtert wird, ist eher ein pragmatischer Gedanke, der sich zwar mit der frühzeitigen Förderung auseinandersetzt, jedoch die bereits bestehenden frühkindlichen Bildungsinstitutionen ausklammert; die Kitas.
Warum die aktuellen Erkenntnisse der Iglu-Studie eklatant wichtig waren - die Lösungsvorschläge jedoch am Ziel vorbeizuschnellen drohen.
Die jüngsten Resultate der Iglu-Studie illustrieren auf alarmierende Weise, dass jede/r vierte Viertklässler/in in Deutschland das erforderliche Mindestniveau in puncto Lesekompetenz nicht erlangt. Die Befunde werfen ein grelles Licht auf die bestehenden Herausforderungen des deutschen Bildungssystems und verdeutlichen unmissverständlich die Notwendigkeit konkreter Maßnahmen zur Verbesserung der Lesekompetenz sowie der allgemeinen Bildungsqualität. Zugleich unterstreichen sie den dringenden Bedarf an frühzeitiger Förderung und gezielten Interventionen, die bereits im Vorschulalter die sprachliche Entwicklung sowie die Lese- und Schreibfertigkeiten der Kinder stärken.
Die derzeitige Debatte um eine potenzielle Vorverlegung des Schuleintritts bei Sprachproblemen, wie sie in Baden-Württemberg erörtert wird, ist eher ein pragmatischer Gedanke, der sich zwar mit der frühzeitigen Förderung auseinandersetzt, jedoch die bereits bestehenden frühkindlichen Bildungsinstitutionen ausklammert; die Kitas.
Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind von entscheidender Bedeutung für seine ganzheitliche Entwicklung. In dieser sensiblen Phase werden grundlegende Kompetenzen und Fähigkeiten geformt, die die Basis für zukünftiges Lernen, Denken und Verhalten legen. Hier wird der Grundstein gelegt für die sprachliche, kognitive, soziale, emotionale und motorische Entwicklung des Kindes.
Es ist daher wichtig anzuerkennen, dass die Qualität der Betreuung und Bildung in den frühkindlichen Institutionen einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder hat. Eine umfassende Förderung, die individuelle Bedürfnisse berücksichtigt, eine anregende Lernumgebung bietet und qualifizierte pädagogische Fachkräfte umfasst, legt den Grundstein für spätere Kompetenzen und einen erfolgreichen Bildungsweg. Es ist bei derlei wissenschaftlichen Erkenntnissen beinahe redundant zu unterstreichen, welche wichtige Rolle die frühkindlichen Institutionen in der Entwicklung der Kinder spielen.
Dennoch spiegelt die aktuelle Situation in den Kitas Deutschlands, insbesondere auch Berlin, deutlich wider, dass diese Erkenntnisse (noch) nicht ausreichend angenommen und auf zukunftsorientierte, gute Lösungsansätze gestoßen sind.
Wir stehen seit Jahren vor einer sich immer weiter zuspitzenden "Kitakrise", die von Personalmangel, Unterfinanzierung und Überbelastung geprägt ist. Das Personal in den Kitas ist häufig nicht ausreichend, um den steigenden Bedarf an individueller Förderung und pädagogischer Unterstützung zu decken. Kaum verwunderlich ist es also, dass ein Vermitteln von Kompetenzen hier oftmals nicht ausreichend stattfinden kann, was sich spätestens ab dem Grundschulalter deutlich bemerkbar macht.
Wir begrüßen die Idee frühzeitige Förderung bereits gezielt vor dem Grundschulalter umsetzen zu können, sowie den gezielten Fokus auf frühkindlicher Bildung - möchten jedoch vehement darauf hinweisen, dass es es mit den Kitas bereits Institutionen gibt, die eben genau dies verfolgen: einen gesetzlichen Förderauftrag. Es sind Institutionen mit gut ausgebildetem, hoch kompetentem Personal, welches diesem Förderauftrag erfolgreich nachgehen möchte und könnte, wenn die Rahmenbedingungen dafür nur endlich auch entsprechend verändert und an die momentanen Herausforderungen angeglichen werden würden.
Grundvoraussetzung hierfür ist die Anerkennung der Kitas als Bildungsinstitutionen, um die notwendigen Ressourcen bereitzustellen, die eine angemessene Betreuung und Förderung der Kinder sicherstellen können. Dazu gehört eine ausreichende finanzielle Unterstützung, um eine angemessene Personalausstattung zu gewährleisten und die Fachkräfte aus- sowie weiterzubilden. Es bedarf auch einer gesicherten und verstärkten Kooperation zwischen Kitas, Grundschulen und anderen Bildungseinrichtungen, um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen, die individuellen Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen und anschlussfähige Bildungsprozesse gestalten zu können.
Es ist an der Zeit, dass frühkindliche Bildung einen höheren Stellenwert erhält und die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die Qualität und die Rahmenbedingungen in den Kitas zu verbessern. Nur so können wir sicherstellen, dass alle Kinder die Chance haben, ihre Potenziale voll auszuschöpfen und erfolgreich in ihre schulische Laufbahn zu starten.
Wir als Verband stehen für weitere Diskussionen und Maßnahmen zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung zur Verfügung und hoffen auf eine verstärkte Zusammenarbeit aller relevanten Akteure, um diese wichtige Herausforderung anzugehen
Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. - Wir fordern Lösungen. Jetzt.
Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. Wir fordern Lösungen. Jetzt.
Lisa Henriette Huber, Referentin Presse- & Öffentlichkeitsarbeit & Lars Békési, Geschäftsführer,
Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e.V.
Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. An diesem Montag hat die amtierende Jugendsenatorin (SPD) wiederholt bewiesen, dass es großen Bedarf an neuen Impulsen gibt, für zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Bereich der Freien Träger. Und während Berlin sich bisher sehr zurückhaltend äußerte und den großen Personalmangel eher vorsichtig und meist negierend thematisierte, so gab es dieses Mal, von Senat eine doch sehr überraschend ehrliche Antwort: Nach einer schriftliche Anfrage vom VKMK an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, um Antworten auf künftige Maßnahmen bezüglich der fortlaufenden Unterbesetzung zu suchen, erhielten wir erstmals eingestehende Worte:
“Dem Senat ist bewusst, dass Phasen der Über- und Unterschreitung des Personalschlüssels systembedingt sind. Im Falle anhaltender Personalunterschreitungen sind jedoch die Kitaträger gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. (...)”
Und, wenngleich es beinahe tröstend ist, die lang ersehnte, wenn auch noch milde formulierte Anerkennung dessen zu erhalten, was wir seit langem als Realität wahrnehmen, so sieht man doch wieder dasselbe, alte Problem, das schon seit Jahren zu keiner gewinnbringenden Lösung führt:
Die Weitergabe der Verantwortlichkeit für das Suchen und Finden einer Lösung.
Ein strukturell abgebauter und systematisch unterfinanzierter Sektor bricht zusammen und die Symptomatiken, die hierbei selbsterklärend zum Vorschein treten, sollen von den Betroffenen – ohne ausreichend finanzieller Mittel - selbst bekämpft werden. Wir blicken seit Jahren, bei einem wachsenden System, in sich immer weiter leerende Finanzierungstöpfe, die immer größeres Wachstum an Abgängen von qualifizierten Pädagog:innen verursachen und zu immer mehr schrumpfenden Bewerbungszahlen für neue Auszubildende führen. Ein Strudel, der die Qualität der pädagogischen Arbeit seit Jahren in die Tiefe saugt. Wer heute noch Pädagog:in werden möchte, muss Überbelastung und Unterfinanzierung im großen Stil erwarten.
Dieser Alltag spiegelt keine Ausnahme, sondern die Regel wider. Und selbst wenn hochmotivierte Kräfte an der Tür klopfen und sich dem Dilemma annehmen möchten, so müssen sich immer mehr Kitas Berlins eingestehen: "Die Gelder für Personal sind schlichtweg nicht da.” Wir sind über “Bitten” und “Wünschen” schon lange hinaus. Es wird Zeit, dass die klaren Formulierungen an Bedarf von den Kitas endlich Gehör finden und Handlungen und Verantwortungsübernahme stattfinden - seitens der Politik.
“Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer.”
Das System, wie es bis heute umgesetzt wurde, ist nicht zukunftsfähig. Statt Kitaplatz Ausbau zu betreiben, wie es momentan dringend und zwingend nötig wäre, finden wir uns in einer Reduktion der Berliner Kitas wieder, da ein Verkleinern auf Grund von finanziellen Zusatzbelastungen und dem massiven Personalmangel für viele unumgänglich geworden ist. Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer und sorgen hier für mannigfaltige Probleme, die wir gesellschaftlich in die Zukunft tragen. Diese Kinder von heute, denen es in den Kitas an Raum und Platz und Entfaltungsmöglichkeiten mangelt, um die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben, die es im späteren Alter bedarf, sind die Erwachsenen von Morgen. Die Erwachsenen, die unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes lenken und formen werden.
Es wird Zeit, dass sich die Koalitionäre des neuen Senates ihrer Verantwortung dieser Zukunft bewusst werden - und handeln.
Musik in der frühkindliche Bildung
Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.
Warum Musik in der frühkindlichen Kompetenzförderung nicht außer Acht gelassen werden sollte.
Auch wir Erwachsenen kennen es gut. Bei mancher Musik konzentriert es sich am besten, andere ist motivierend - wieder andere lässt einen endlich entspannen, nach einem langen Tag. In Cafés läuft Jazz, in Bars Upbeats und in manchen U-Bahn-Stationen laufen klassische Klänge, in der Hoffnung, die Kriminalität vor Ort zu senken.
“Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.”
Musik ist überall um uns herum und hat einen größeren Einfluss, als uns oftmals bewusst ist. Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.
Während der “Mozart Effekt”, eine veraltete Studie von 1993, von der University of California, die besagte; Kinder, die regelmäßig mit klassischer Musik beschallt werden würden, sich zu intelligenteren Erwachsenen mausern, bereits seit langem widerlegt ist, so zeigen aktuelle Studien (wie diese, der Universität Halle*) dennoch; Musik hat einen positiven Einfluss auf die Motorik und Sprachentwicklung, was den Kindern in der allgemeinen Entwicklung und letztendlich auch im Erwachsenenalter zugute kommen kann.
Prof. Doktor Stefan Koelsch von der Freien Universität Berlin untersucht seit Jahren die Neurokognition von Musik und Sprache, Musik und Emotion, sowie die Entwicklungsaspekte von Sprach- und Musikkognition. Er erklärte 2020 in einem Interview mit dem MDR**;
“Unser Gehirn reagiert auf Sprache und auf Tonfolgen mit fast identischen Aktivitätsmustern. Musik fördert Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, intelligentes Denken, sensomotorische Funktionen, Emotion und auch soziale Funktionen.”
Der Effekt sei hierbei ähnlich zum Lesetraining oder aktiver Sprachförderung. Könne nur eben, mit Musik, auch passiv erreicht werden. Dies nicht zu nutzen, sei eine verpasste Chance in der aktiven Entwicklungsförderung.
Und während manche Kita-Teams mit musikalischen Fachkräften gesegnet sind, die kurzerhand zur Gitarre greifen, oder am Klavier in die Tasten hauen können und eigene Lieder einfach selbst entwickeln, so sind die meisten Kitas dennoch auf Musik, aus den Soundanlagen angewiesen - und dies hält leider eine Hürde bereit: die GEMA-Pflicht. Bürokratie und anfallende Kosten schrecken vielerorts davon ab, die musikalische Förderung in vollem Umfang zu nutzen.
Damit dies nicht letztendlich dazu führt, dass die Kita-Zimmer still bleiben, hat die Stadt Hamburg, gemeinsam mit einigen Künstler:innen, eine Alternative entwickelt, die im Dezember 2022 offiziell wurde: Ein staatlich finanzierter Pauschalvertrag mit Künstler:innen, die von nun an in den Kitas Hamburgs in Dauerschleife gehört werden oder deren Noten hier auch selbst verwendet werden können.
Die Hamburger Sozialsenatorin (SPD) verkündete bei der Vertragsunterzeichnung im Musikkindergarten in der Sternschanze:
“Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen, dass mehr Musik gemacht wird. (...) Musik entfaltet Kräfte. Mit der Unterzeichnung des Vertrages heute sprechen wir Anerkennung und Respekt aus für die Mitarbeiter:innen in den Kindertagesstätten, aber auch Respekt und Anerkennung für die Arbeit der Musikautor:innen.”
Die Berliner Kitas haben hierzu noch keine offizielle Lösung finden können, bzw. werden sie bei der Suche nach einer Lösung bisweilen nicht aktiv gefördert und gestützt.
Gerade im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes und der vielseits diskutierten Sprachförderung, ist es sinnvoll, sich mit dieser Art von Entwicklungsförderung auseinanderzusetzen.
Es nicht zu tun, wäre eine verpasste Chance.
* https://opendata.uni-halle.de/bitstream/1981185920/13383/1/Wirkung%20von%20Musik.pdf
** https://www.mdr.de/wissen/macht-musik-fit-und-schlau-100.html
Ungesundes Essen oder leere Teller?
In der Pressekonferenz mit dem Berliner Senat, am 01. November 2022, wurde es bereits deutlich: Die Kitaträger in Berlin werden trotz aussergewöhnlicher Mehrbelastungen aufgrund der aktuellen Krisen keine dringend benötigte Entlastung in den letzten Wochen des Jahres 2022 erhalten.
Die möglichen Konsequenzen für das Sparen am falschen Ende
Presse
In der Pressekonferenz mit dem Berliner Senat, am 01. November 2022, wurde es bereits deutlich: Die Kitaträger in Berlin werden trotz aussergewöhnlicher Mehrbelastungen, aufgrund der aktuellen Krisen und Kostenexplosionen, keine dringend benötigte Entlastung in den letzten Wochen des Jahres 2022 erhalten.
Was bedeutet das für die Kleinsten unter uns?
Wenn man sich nicht gerade mit der Thematik auseinandersetzen möchte, oder muss, durch den eigenen Familienzuwachs, birgt gerade das Verständnis für die Verteilung der finanziellen Mittel, bei vielen Mitbürger/-innen einige Fragezeichen. Es ist ein Thema von vielen, das oftmals unerwähnt bleibt und im Chaos der Veränderungen um uns herum fast unterzugehen scheint.
Es macht keine auffälligen Schlagzeilen - und das ist beinahe nicht verwunderlich: schließlich gibt es hier seit 10 Jahren keine großen Änderungen. Doch gerade das ist der Stolperstein, der für Irritation sorgen sollte, sobald man ihn einmal etwas länger betrachtet.
Während der Otto-Normalverbraucher schon ächzt, beim Gedanken an den nächsten Wocheneinkauf und den Anblick der gestiegenen Lebensmittelpreise, müssen die Kitaträger dafür sorgen, dass die Teller weiterhin voll bleiben. Die Portionen müssen stimmen, die Qualität natürlich auch und das mit finanziellen Mitteln, die den gestiegenen Nahrungsmittelpreisen kaum noch standhalten können.
Im Rahmen der Pauschale erhalten die Kitaträger für die Verpflegung der Kinder einen Beitrag von ca. 65,88 Euro pro Monat, je Kind. Dies entspricht bei einer 5-tägigen Betreuung, ca. 3,29 Euro am Tag. Ein Wert, der sich aus zwei Teilbeträgen zusammensetzt: 23 Euro werden von den Eltern monatlich selbst entrichtet, sofern sie imstande sind, die finanzielle Belastung umzusetzen. Familien mit Anspruchsberechtigung auf den Berlinpass-BuT, werden hier vollständig entlastet. Dieser Wert wurde 2012 festgelegt und blieb seitdem unverändert. Die übrigen 42,88 Euro entrichtet das Land Berlin.
Aber was wird von diesen 65,88 Euro überhaupt gedeckt?
Simpel gesagt: alles, was mit der Verpflegung der Kinder in Verbindung gebracht werden kann.
Hierzu zählen natürlich nicht nur die Lebensmittel an und für sich, sondern auch:
Die Personalkosten für die Zubereitung, das Abräumen und die Reinigung, die natürlich an den Mindestlohn gebunden sind, sowie die einfachen Kosten für: Material, Energieversorgung und die genutzte Infrastruktur.
Die Kitaträger stehen hier zunehmend vor einem Drahtseil-Akt, bei den Versuchen qualitativ hochwertiges Essen, in ausreichenden Portionen auf den Tisch zu bringen, während gleichzeitig die entstandenen Zusatzkosten gedeckt werden müssen.
Die wachsenden Kosten der letzten Jahre, insbesondere mit Blick auf die momentane wirtschaftliche Lage, können und werden diese Unterschiede weiterhin gravierend verstärken und bringen das Fachpersonal in eine zunehmende Bredouille.
Wie viel Qualität ist noch umsetzbar mit wenig finanziellen Mitteln?
Kindertagesstätte, die ohne Zusatzfinanzierung der Eltern auskommen, und mit den vorgegebenen 65,88 Euro pro Kind hausieren, stellen sich diese Frage nicht erst seit diesem Jahr.
Ein Betrag, der den aktuellen Anstiegen nicht mehr standhalten kann, führt zwangsläufig zu einer Reduzierung in der Qualität des Essens oder in der Größe der Portionen.
Das Land Berlin muss die Verteilung der Haushaltsgelder neu beleuchten und den heutigen Problematiken und Anstiegen anpassen, damit wir nicht in eine zunehmende Ungleichheit geraten, die bereits bei den Tellern, am Frühstückstisch beginnt.