Kita-Finanzierung: RVTag schafft keine Entlastung – Berliner Kitas müssen weiterhin am Limit operieren
Der VKMK – Der Kitaverband bewertet den Abschluss der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung der Berliner Kitas zurückhaltend.
Der VKMK – Der Kitaverband bewertet den Abschluss der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung der Berliner Kitas zurückhaltend.
Die mehrstufige Anpassung der Sachkostenpauschale gleicht lediglich Teile des aktuellen Kostenniveaus aus. Künftige Kostensteigerungen, etwa bei Mieten, Nebenkosten und Instandhaltung, werden dadurch nicht refinanziert.
„Das Kita-System funktioniert noch, wobei bereits rund 2.000 Plätze durch Insolvenzen einzelner Träger verloren gegangen sind und weitere etwa 2.500 Plätze derzeit von einer Schließung bedroht sind. Die weiterhin geöffneten Einrichtungen operieren ohne nennenswerte finanzielle Reserven“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.
Hinzu kommt die demografische Entwicklung: Die kindbezogene Finanzierung trifft auf sinkende Geburtenzahlen. Békési: „Weniger Kinder bedeuten für Träger geringere Einnahmen bei gleichbleibenden Fixkosten“
Das RVTag-Ergebnis ist gegenwärtig weder eindeutig positiv noch negativ. „Die Finanzierung bleibt weiterhin eine wesentliche Herausforderung, auf die Träger ihre Planung ausrichten müssen“, betont Békési abschließend.
Zwischen Kinderwunsch und Geburtenrückgang
Die Anzahl der Geburten geht von Jahr zu Jahr zurück: Während 2021 die Geburtenzahl noch bei 1,58 Kindern pro Frau lag, sank sie 2024 auf 1,35 - und damit auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Berlin bildet dabei mit 1,21 Kindern pro Frau das bundesweite Schlusslicht. Das wirft natürlich die Frage auf, ob sich junge Erwachsene ein Leben mit Kind immer weniger vorstellen können. Dass diese Entwicklung jedoch kein Spiegel des tatsächlichen Kinderwunsches unter jungen Erwachsenen ist, zeigen Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus den Jahren 2023 und 2024. Laut diesen hat sich der Kinderwunsch in den vergangenen Jahren kaum verändert: Im Schnitt wünschten sich Frauen 1,76 Kinder und Männer 1,74 Kinder.
Die Anzahl der Geburten geht von Jahr zu Jahr zurück: Während 2021 die Geburtenzahl noch bei 1,58 Kindern pro Frau lag, sank sie 2024 auf 1,35 - und damit auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Berlin bildet dabei mit 1,21 Kindern pro Frau das bundesweite Schlusslicht. Das wirft natürlich die Frage auf, ob sich junge Erwachsene ein Leben mit Kind immer weniger vorstellen können. Dass diese Entwicklung jedoch kein Spiegel des tatsächlichen Kinderwunsches unter jungen Erwachsenen ist, zeigen Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus den Jahren 2023 und 2024. Laut diesen hat sich der Kinderwunsch in den vergangenen Jahren kaum verändert: Im Schnitt wünschten sich Frauen 1,76 Kinder und Männer 1,74 Kinder.
Heute, am Weltkindertag, möchten wir uns genau mit diesem Thema beschäftigen: Warum entscheiden sich immer mehr junge Erwachsene gegen ein Kind, obwohl der Wunsch für ein Leben mit Kind eigentlich vorhanden ist? Was bedarf es, um die oft offensichtliche Differenz zwischen Kinderwunsch und gelebter Realität zu überbrücken? Und was kann Deutschland - und insbesondere Berlin - tun, damit Kinder sicher und wohlbehütet aufwachsen können?
Warum Wohnraum über Kinderwünsche entscheidet
Die Gründe, weshalb sich immer mehr junge Menschen gegen ein Leben mit Kindern entscheiden, sind zwar natürlich sehr individuell, doch es gibt einige zentrale Faktoren, die bei vielen eine Rolle spielen - allen voran die Wohnsituation. Denn: Wohnen - insbesondere in Großstädten wie Berlin - ist längst nicht mehr familiengerecht. So beträgt die Fläche einer durchschnittlichen Mietwohnung in Berlin 68,2 m2 und verfügt über 2,5 Zimmer. Lediglich 17,4% der Wohnungen in Berlin haben mehr als vier Zimmer. Dies hat zur Folge, dass fast die Hälfte der Vier-Personen-Haushalte in einer zu kleinen Wohnung leben. Neben dem Platzmangel erschweren auch die Mietpreise in Berlin die Realisierung eines Kinderwunsches, denn diese steigen seit Jahren nahezu exorbitant an. Allein im vergangenen Jahr erhöhte sich die durchschnittliche Nettokaltmiete um 5,5% auf 13,03€ pro Quadratmeter - bundesweit betrug diese Steigerung “nur” 4,5% auf 9,00€. Besonders betroffen sind Haushalte mit mittlerem oder geringem Einkommen, Alleinerziehende, Mehrkindfamilien und zugewanderte Familien. In Extremfällen führt diese Situation zur Wohnungslosigkeit: 2025 waren mehr als die Hälfte aller untergebrachten Wohnungslosen in Berlin Familienmitglieder. Und so kommt es, dass immer mehr Familien sich dazu entscheiden, aus Berlin ins Umland zu ziehen oder junge Paare ihren Kinderwunsch aufgrund der Wohnsituation aufgeben.
Kinderwunsch in unsicheren Zeiten
Neben der angespannten Wohnsituation tragen auch die aktuellen Krisen ihren Teil zum Geburtenrückgang bei. Während es in der Anfangszeit der Corona-Pandemie noch einen kleinen Anstieg der Geburten in Deutschland gab, kehrte sich dieser Trend seit 2022 ins Gegenteil und die Zahlen sinken seither kontinuierlich. Zusätzlich zu den Unsicherheiten, die die Pandemie mit sich brachte, kam der Krieg in der Ukraine hinzu - ein Krieg, der auch in Deutschland viele Fragen zur Sicherheit aufwarf. Gleichzeitig macht sich der Klimawandel zunehmend in Deutschland, unter anderem durch Überschwemmungen und Waldbrände, bemerkbar. Begleitet werden diese Krisen von steigenden Lebenshaltungskosten und der wachsenden Angst vor Armut, insbesondere vor Altersarmut. Diese Sorge trifft vor allem Mütter: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung verdienen Mütter von einem Kind im Laufe ihres Lebens im Schnitt 40% weniger als kinderlose Frauen. Bei mehreren Kindern können die Einbußen sogar bis zu 70% betragen.
Die unsichtbare Mehrarbeit von Eltern
Um die hohen Mieten und gestiegenen Lebenshaltungskosten bezahlen zu können und zugleich für das Alter vorzusorgen, sind viele Eltern beide berufstätig. Die Mehrheit der Mütter arbeitet dabei in Teilzeit, leistet gleichzeitig jedoch mehr Aufwand für Care-Arbeit. Dass die Teilzeitarbeit dennoch kaum Entlastung im Familienalltag bringt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts: Mütter und Väter leisten im Schnitt 57,5 Stunden Arbeit pro Woche und damit rund 10 Stunden mehr als kinderlose Männer und Frauen. Verschärft wird diese Belastung in Berlin zusätzlich durch lange Wegzeiten zu Kitas, Schulen, Freizeitangeboten und Ämtern aufgrund des knappen Wohnraums sowie einer überlasteten Infrastruktur. Dadurch fehlt vielen Eltern wertvolle Zeit mit ihren Kindern. Erschwerlich kommt hinzu, dass Care-Arbeit in der Gesellschaft nach wie vor zu wenig anerkannt wird und die dahinterstehende Belastung oft übersehen bleibt. Kaum verwunderlich also, dass sich 70% der Eltern erschöpft oder ausgebrannt fühlen, laut einer von der Kaufmännischen Krankenkasse in Auftrag gegebenen forsa-Umfrage. Zwei Drittel der befragten Eltern gaben dabei an, dass der Stress insbesondere in den vergangenen Jahren zugenommen hat.
Es darf jedoch nicht sein, dass Familien - und damit auch Kinder - solchen Belastungen ausgesetzt sind und junge Erwachsene aufgrund dieser Faktoren ihren Kinderwunsch aufgeben. Was braucht es also, um ein kind- und familiengerechtes Leben zu ermöglichen und Wunsch und Realität zusammenzuführen?
Von Wohnraum bis Elternzeit: Rahmenbedingungen für Familien verbessern
Insbesondere in Berlin ist dringend ein Ausbau von bezahlbarem und familiengerechten Wohnraum notwendig. Das bedeutet: größere Wohnungen, flexible Grundrisse, eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus und vor allem faire Mietpreise. Familien sollten nicht mehr in beengten Räumlichkeiten wohnen müssen - Kinder brauchen ihre eigenen Zimmer und Rückzugsorte. Dies sollte kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit sein, da die Wohnsituation nicht nur das aktuelle Wohlbefinden beeinflusst, sondern auch langfristig die Psyche, die Gesundheit und die schulischen Leistungen.
Ebenso wichtig sind kindgerechte Wohnumfelder mit ausreichend Grünflächen, Spielplätzen und einer guten Infrastruktur, damit Schulen und Kitas leicht erreichbar sind. Dabei gilt es auch zu verhindern, dass Kitas aufgrund des Geburtenrückgangs schließen müssen - nur so bleibt eine flächendeckende Kita-Versorgung garantiert und Eltern werden von langen Wegzeiten entlastet.
Um finanzielle Belastungen und damit verbundene Sorgen zu mindern, braucht es zudem eine Weiterentwicklung von Elterngeld und Elternzeit sowie die Förderung einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit. Für Frauen darf es kein finanzielles Risiko sein, Kinder zu bekommen. Schweden beispielsweise zeigt, wie es gehen kann: Dort stehen Eltern pro Kind 480 Tage Elternzeit zu, davon je 90 Tage exklusiv für jedes Elternteil. Während 390 Tagen erhalten Eltern rund 80% ihres Einkommens. Flexible Arbeitszeitmodelle und eine gute Kita-Infrastruktur ergänzen das System - mit dem Ergebnis, dass Mütter in Schweden überdurchschnittlich häufig und umfangreich erwerbstätig sind.
Auch bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben können Familien entlastet werden: Durch weniger Bürokratie und bessere, funktionierende digitale Services. Die dadurch gewonnene Zeit können Eltern sinnvoller mit ihren Kindern verbringen.
Der Geburtenrückgang ist kein Spiegel eines fehlenden Kinderwunschs unter jungen Menschen, sondern die Folge struktureller Probleme. Sie erschweren die Familiengründung und lassen viele junge Menschen in eine unsichere Situation versetzen, ob sie sich Kinder überhaupt leisten können und ob sie Kindern überhaupt ein gutes Aufwachsen garantieren können. Besonders in Berlin verdichten sich diese Probleme durch Wohnungsknappheit, hohe Mieten und eine hohe Belastung durch doppelte Berufstätigkeit. Der Weltkindertag sollte nun Anlass sein, nicht nur heute, sondern an jedem anderen Tag auch, eine Gesellschaft zu gestalten, in der Kinderbekommen kein Risiko mehr darstellt. Kinder müssen in einer sicheren, schützenden, kind- und familiengerechten Umgebung aufwachsen können - und dafür braucht es eine mutige Familien-, Sozial- und Bildungspolitik. Denn Kinder sind unsere Zukunft, und es sollte außer Frage stehen, jedem Kind ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen.
Quellen:
BERLINER BEIRAT FÜR FAMILIENFRAGEN, Schmitz, G., & Erdoğan, K. (2025). FAMILIEN IM ZEITENWANDEL STÄRKEN BERLINER FAMILIENBERICHT 2025. https://www.familienbeirat-berlin.de/fileadmin/Berliner%20Familienberichte/Familienbericht_2025/BBFF_FB2025_web.pdf.
Eltern-Burnout statt Familienglück? (n.d.). KKH. https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/elternstress2024.
Ergebnisse des Mikrozensus in Berlin und Brandenburg – Wohnsituation. (n.d.). https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/f-i-2-4j.
Mietspiegel für Berlin 2025. (2025). Immobilienscout24. https://www.immobilienscout24.de/immobilienpreise/berlin/berlin/mietspiegel?mapCenter=52.507023%2C13.424545%2C10.091951738445271.
Pannen, A. (2024, December 8). Hohe Mieten, marode Schulen, fehlende Radwege: Berlin vergrault seine Familien. Tagesspiegel. https://www.tagesspiegel.de/berlin/hohe-mieten-marode-schulen-fehlende-radwege-berlin-vergrault-seine-familien-12785951.html.
Rückgang der Geburtenziffer schwächte sich 2024 deutlich ab. (n.d.). Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/07/PD25_259_12.html.
Schweden führt Elterngeld für Grosseltern ein. (2024). Pro Familia Schweiz. https://www.profamilia.ch/aktuelles/aktuell?view=article&id=2835:schweden-fuehrt-elterngeld-fuer-grosseltern-ein&catid=9#:~:text=So%20bekommen%20Eltern%20in%20Schweden,bekommen%20gerade%20einmal%202%20Wochen..
Trotz Geburtenrückgang: Lust auf Nachwuchs bleibt groß. (2025, July 30). tagesschau.de. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/kinderwunsch-100.html.
Wetter, B., Bönke, Glaubitz, Göbler, Harnack, Pape, Manuela Barišić, & Valentina Sara Consiglio. (2020). Was es sie kostet, Mutter zu sein. Beschäftigung Im Wandel. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/200616_Kurzexpertise_MotherhoodLifetimePenaltyFINAL.pdf.
Vergleich: Elternzeit Schweden + Deutschland. (n.d.). Hannoversche Lebensversicherung AG. https://www.hannoversche.de/wissenswert/elternzeit-in-schweden.
Zahlen, Daten, Fakten. (n.d.). Berlin.de. https://www.berlin.de/sen/soziales/besondere-lebenssituationen/wohnungslose/statistik/.
Zeitverwendungserhebung 2022. (n.d.). Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Zeitverwendung/Ergebnisse/_inhalt.html.
Das muss Kai Wegner unbedingt noch schaffen: Frühkindliche Bildung sichern
Anlässlich der Sommerpressekonferenz des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner und dem Beginn des letzten Regierungsjahres des Schwarz-Roten Senats hat der Tagesspiegel in seiner Rubrik “3:1” drei zentrale Punkte hervorgehoben, die unter Kai Wegner bislang ungelöst geblieben sind und dringend angegangen werden müssen.
Anlässlich der Sommerpressekonferenz des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner und dem Beginn des letzten Regierungsjahres des Schwarz-Roten Senats hat der Tagesspiegel in seiner Rubrik “3:1” drei zentrale Punkte hervorgehoben, die unter Kai Wegner bislang ungelöst geblieben sind und dringend angegangen werden müssen.
Der VKMK - Der Kitaverband möchte diese drei Punkte um einen wesentlichen Aspekt ergänzen, der bereits seit Jahren aufgeschoben wird, sich zunehmend zuspitzt und maßgeblich über die Zukunft Berlins entscheidet: die deutliche Verschärfung der finanziellen Schieflage der Berliner Kita-Trägern.
Bereits 2017 zeigte eine Gestehungskostenanalyse: Die Sachkosten für Kitas liegen rund 30% über den vom Land Berlin erstatteten Mitteln - insbesondere aufgrund hoher Mietkosten. Was ist seitdem passiert? Inflation, gestiegene Mietpreise, Nebenkostenexplosion - aber keine ausreichende Anpassung der Sachkostenpauschale für Kita-Träger.
Und so kommt es, dass das Land Berlin in seiner Pauschale mit rund 6,50€ pro Quadratmeter kalkuliert und diesen Betrag an die Träger auszahlt, während die tatsächlichen Gewerbemieten im Durchschnitt bei knapp 29,00€ pro Quadratmeter liegen. Mit viel Flexibilität und Kreativität konnten die Kita-Träger diese Schere bislang noch überbrücken. Doch nun verschärft der Geburtenrückgang die Lage weiter: Die Sachkostenpauschale ist direkt an die Anzahl der Kinder gekoppelt - weniger Kinder bedeuten somit weniger Geld. Die Quadratmeter der Kita aber müssen natürlich weiterhin bezahlt werden - unabhängig davon, wie viele Kinder dort betreut werden.
Berlin muss seine Kita-Finanzierung endlich an die realen Gewerbemietkosten anpassen. Alles andere gefährdet frühkindliche Bildung – und damit die Chancengerechtigkeit einer ganzen Generation.
Kleine Schritte, große Lücken: Kitas brauchen mehr als kosmetische Verbesserung
Während die Berliner Morgenpost die Kita-Politik des Senats auf der Ampel-Skala optimistisch zwischen Grün und Gelb einordnet, weist der VKMK mit Nachdruck auf die weiterhin gravierenden Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hin.
Während die Berliner Morgenpost die Kita-Politik des Senats auf der Ampel-Skala optimistisch zwischen Grün und Gelb einordnet, weist der VKMK mit Nachdruck auf die weiterhin gravierenden Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hin.
„Die geplante Anpassung des Personalschlüssels im U3-Bereich auf nahezu des Bundesdurchschnittes ist ein Schritt – mehr aber auch nicht“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. „Der wissenschaftlich empfohlene Wert von 1:3 wird weiterhin deutlich verfehlt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen im Ü3-Bereich – durch zusätzliche Förderbedarfe der Kinder und zunehmend komplexe Elterngespräche.“ Diese erhebliche Mehrbelastung der Fachkräfte im Ü3-Bereich wird jedoch bei den geplanten Maßnahmen nicht ausreichend berücksichtigt.
Hinzu kommt: Sinkende Kinderzahlen bedeuten zugleich weniger Mittel aus der öffentlichen Finanzierung. Da die Kita-Betriebskosten in Berlin über eine Sachkostenpauschale pro Kind gedeckt werden, verringern sich mit jedem fehlenden Kind auch die Beiträge zur Deckung laufender Fixkosten wie Miete, Unterhalt und Ausstattung. Die wirtschaftliche Belastung der Träger wächst dadurch erheblich. Wird dies in der Sachkostenpauschale nicht ausreichend berücksichtigt und entsprechend angepasst, werden die Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zunehmend gefährdet.
„Von einer grünen Bewertung zu sprechen, verkennt die tatsächlichen Herausforderungen in den Kitas.“, betont Békési. „Berlin braucht jetzt ein umfassendes Personal- und Finanzierungspaket, das den realen Anforderungen gerecht wird.”
Der VKMK fordert daher weiterhin eine Anpassung der Sachkostenpauschale, um die gestiegenen Miet-, Betriebs- und Energiekosten zu decken. Aktuell reichen die Pauschalen nicht aus, um die Kitas finanziell tragfähig zu halten. Zudem muss die Kita-Sozialarbeit flächendeckend eingeführt werden, um benachteiligte Kinder und solche mit besonderem Förderbedarf sowie deren Eltern besser zu unterstützen.
Nur durch entschlossenes Handeln können die Fachkräfte endlich wieder den Raum erhalten, den sie für ihre wichtige pädagogische Arbeit brauchen – und allen Kindern wird die Förderung zuteil, die sie verdienen.
Der Kita-Platz-Ausbau: Städtebauliche Verträge und die Herausforderungen des demographischen Wandels
Diese Woche wurde im Tagesspiegel eine bisher unbekannte und diskussionswürdige Zahl zur Kita-Platz-Situation in Berlin veröffentlicht: Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) erwähnte am 5. September in der 42. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie im Abgeordnetenhaus, dass zu Beginn des Kita-Jahres 2024/2025 etwa 34.300 Kita-Plätze ungenutzt seien, wovon der Tagesspiegel am 07. Oktober berichtete.
Diese Woche wurde im Tagesspiegel eine bisher unbekannte und diskussionswürdige Zahl zur Kita-Platz-Situation in Berlin veröffentlicht: Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) erwähnte am 5. September in der 42. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie im Abgeordnetenhaus, dass zu Beginn des Kita-Jahres 2024/2025 etwa 34.300 Kita-Plätze ungenutzt seien, wovon der Tagesspiegel am 07. Oktober berichtete. Wie diese Zahl, die im Juni noch bei 9.000 lag, zustande kommt, ist bislang noch nicht geklärt. Trotz dieser Unklarheiten wirft die Aussage eines Überschusses an Kita-Plätzen Fragen auf, denn die Fakten sprechen für sich: Die Geburtenzahlen sinken seit Jahren, zahlreiche Kita-Träger berichten von einer rückläufigen Nachfrage, und viele Einrichtungen stehen bereits vor dem Problem unbesetzter Plätze. Einige Kitas sind nun bestrebt, ihre freien Plätze zu belegen, während vor allem Kleinstträger sich bereits Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft machen müssen, sollten sie dauerhaft nicht mehr alle Plätze vergeben können. Doch anstatt auf diese Herausforderung mit angepassten Maßnahmen zu reagieren, setzt die Stadt Berlin den Kita-Ausbau weiter fort.
In Zeiten des Kita-Platz-Mangels wurde in städtebaulichen Verträgen festgelegt, Kitas in Neubauprojekte zu integrieren, um die wachsende Nachfrage nach Betreuungsplätzen zu decken. Doch trotz des inzwischen rückläufigen Bedarfs werden weiterhin im Rahmen solcher Verträge neue Kitas gebaut. Dies führte allein zwischen 2023 und 2024 zu einem Anstieg der Kita-Plätze um 1,3 %. Um das Platzangebot an den tatsächlichen Bedarf anzupassen, setzt das Land Berlin auf verschiedene Beobachtungs- und Steuerungsinstrumente: Der Kindertagesstättenentwicklungsplan (KEP) 2023/2024 bis 2027/2028 analysiert die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung im Vergleich zum verfügbaren Platzangebot, um daraus den zukünftigen Bedarf an Kita-Plätzen zu ermitteln. Ergänzend dazu teilt der Kita-Förderatlas die Bezirksregionen Berlins in fünf Kategorien nach Dringlichkeit des Platzausbaus ein, um die Verteilung der Fördermittel zielgerichtet und bedarfsgerecht zu steuern. Infolgedessen wurden die Mittelvergabe bereits angepasst und der Kita-Ausbau entsprechend reduziert. (Allerdings wird kritisiert, dass diese Steuerungsinstrumente nicht flächendeckend genug sind und noch präziser auf die regionalen Unterschiede eingehen müssen, um den Kita-Platzausbau effizienter zu gestalten.)
Dennoch befinden sich aktuell Maßnahmen zur Schaffung von 11.000 zusätzlichen Betreuungsplätzen bis 2027 in der Umsetzung, darunter auch Projekte, die auf Basis städtebaulicher Verträge realisiert werden. Städtebauliche Verträge werden oft Jahre im Voraus ausgehandelt und sind rechtsverbindlich, was eine nachträgliche Revision erschwert. Wie im KEP zu lesen ist liegt “[D]ie gemäß neuer Bevölkerungsvorausberechnung 2021-2040 zu erwartende Anzahl der Kinder unter 7 Jahren [...] deutlich unter der bisherigen Prognose. Bis zum Jahr 2027 wird nunmehr eine um rund 14.700 geringere Zahl von Kindern im Alter 0 bis unter 7 Jahren erwartet.”. Diese Differenz verdeutlicht, dass bei Abschluss der heute noch gültigen städtebaulichen Verträge von einem deutlich höheren Bedarf an Kita-Plätzen ausgegangen wurde.
Die Mitglieder des Kitaverbands VKMK beobachten den fortgesetzten Ausbau mit wachsendem Unverständnis. Statt die finanziellen Mittel in die mancherorts benötigte Sanierung und Instandhaltung bestehender Einrichtungen zu investieren, fließen die Gelder weiterhin in den Bau neuer Kitas, für die es inzwischen kaum Nachfrage mehr gibt. Aus den Reihen des Verbands wird daher verstärkt eine nachhaltigere Verwendung öffentlicher Mittel gefordert. Lars Békési, Geschäftsführer des Verbandes, betont nachdrücklich: “Die Anpassung der Maßnahmen erfolgt nicht schnell genug, was zu einem gegenwärtig ineffizienten Umgang mit Steuergeldern führt. Anstatt diese sinnvoll und nachhaltig einzusetzen, werden sie zum Fenster rausgeworfen. Es wäre weitaus effizienter, die vorhandene Infrastruktur zu stärken oder nach nachhaltigen Lösungen zu suchen.” Ein möglicher Ansatz, der innerhalb des VKMK diskutiert wird, ist die Etablierung von Mehrgenerationenkonzepten. Durch diese Konzepte könnte die im Rahmen städtebaulicher Verträge geschaffene soziale Infrastruktur flexibel an die Herausforderungen des demografischen Wandels angepasst werden. Dies würde eine proaktive Vorbereitung auf unvorhergesehene Geburtenrückgänge sowie auf mögliche Anstiege der Geburtenzahlen ermöglichen. Gleichzeitig würden sowohl Senioren als auch Kinder von einem generationenübergreifenden Miteinander profitieren.