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Allergien und Nahrungsmittelpräferenzen in Kitas - Inklusion muss gelebt werden dürfen.

Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.

In Berlin, einer Stadt voller Vielfalt und kultureller Reichhaltigkeit, steht die frühkindliche Betreuung vor der Herausforderung, die Bedürfnisse von Familien und Kindern mit unterschiedlichen Ernährungsvorstellungen und Allergien angemessen zu berücksichtigen. Während die Kindertagesstätten sich bemühen, ein unterstützendes und förderndes Umfeld zu schaffen, stellen Allergien eine Herausforderung dar, die über die rein physischen Aspekte hinausgeht. Für Kinder mit Allergien geht es nicht nur um das Vermeiden bestimmter Lebensmittel, sondern auch um ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und die Gewährleistung ihrer vollen Integration in den Kita-Alltag.

Vielfalt in Allergiegraden und die einheitliche Sicherheitsgewährleistung

Allergien manifestieren sich in einer Vielzahl von Erscheinungsformen, von leichten Unverträglichkeiten bis hin zu schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Reaktionen. Während einige Kinder auf bestimmte Lebensmittel oder Umweltfaktoren mit milden Symptomen reagieren, können andere von schweren allergischen Reaktionen betroffen sein, die sofortiges Handeln erfordern.

Trotz dieser Unterschiede ist es von entscheidender Bedeutung, dass unabhängig vom Schweregrad sämtlicher Allergien ein einheitlicher Sicherheitsrahmen in Kitas gewährleistet wird. Selbst bei vermeintlich milden Allergien ist eine sorgfältige Überwachung, die Vermeidung der auslösenden Stoffe und die Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung von großer Bedeutung, um das Wohlbefinden und die Gesundheit aller Kinder zu schützen.

Essentielle Bedeutung der Kommunikation bei starken Allergien

Besonders bei starken oder lebensbedrohlichen Allergien wird die Notwendigkeit einer präzisen und umfassenden Kommunikation zwischen Eltern, Ärzten und dem Kita-Personal zu einem unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Managements. Eine starke Allergie kann nicht nur die Ernährung der Kinder beeinflussen, sondern erfordert auch eine genaue Kenntnis der spezifischen Auslöser, der potenziellen Reaktionen und der adäquaten Notfallmaßnahmen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, die das detaillierte Wissen über die Allergie ihres Kindes haben, den betreuenden Ärzten, die wichtige Informationen und Behandlungsempfehlungen bereitstellen, und dem Kita-Personal, das tagtäglich für das Wohlbefinden der Kinder verantwortlich ist, ist von entscheidender Bedeutung. Diese kooperative Partnerschaft gewährleistet nicht nur die umgehende Reaktion im Notfall, sondern ermöglicht auch eine präventive Planung und einen sicheren Umgang mit potenziellen Allergenen im Kita-Umfeld.

Unsere freien Kitaträger in Berlin handeln stets proaktiv, um die Lebensmittelversorgung für Kinder mit lebensbedrohlichen Allergien sicherzustellen. Hier sind einige der Schritte, die sie unternehmen:

Es wird eine klare Kommunikation mit den Erziehungsberechtigten gepflegt. Eltern werden gebeten, die Allergien ihrer Kinder im Detail zu beschreiben und das Kita-Personal über spezifische Auslöser und Symptome zu informieren. Allergene werden konsequent vermieden. Die Kitas stellen sicher, dass allergieauslösende Lebensmittel separat von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden, um Kontaminationen zu vermeiden. Diese Lebensmittel werden in der Küche gekennzeichnet, getrennt gelagert und zubereitet. Das Kita-Personal ist mit Notfallplänen vertraut und wird geschult, um im Falle einer allergischen Reaktion sofortige Hilfe zu leisten. Sie kennen die Symptome und wissen, wie sie im Notfall Medikamente wie beispielsweise Epinephrin richtig anwenden. Es wird auch eine Sensibilisierung in der Gruppe durchgeführt. Kinder im verbalen Alter werden sensibilisiert, um das Verständnis für die Allergie eines Mitschülers zu fördern und versehentliche Expositionen zu minimieren.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist für präventive Maßnahmen unerlässlich. Die Eltern werden über die Schwere der Allergie informiert und gebeten, keine Lebensmittel, die potenzielle Allergene enthalten, mit ihren Kindern in die Kita zu bringen. Diese präventive Maßnahme trägt dazu bei, das Risiko einer versehentlichen Exposition gegenüber Allergenen zu minimieren und schafft ein sichereres Umfeld für alle Kinder in den Kitas.

Differenzierter Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen in Kitas

Im Gegensatz zu schweren Allergien und Stoffwechselerkrankungen erfordern leichte Allergien oder die Ablehnung bestimmter Lebensmittel aus religiösen oder anderen Gründen in Kitas oft eine differenziertere Herangehensweise. Während strenge Maßnahmen für starke Allergien unerlässlich sind, können bei leichten Allergien oder Lebensmittelpräferenzen aus religiösen Gründen alternativere Strategien umgesetzt werden, die die Diversität aller vor Ort berücksichtigen kann.

Der Umgang mit leichten Allergien und Lebensmittelpräferenzen erfordert zwar besondere Aufmerksamkeit, ermöglicht aber in der Regel eine größere Flexibilität bei der Auswahl der Mahlzeiten und Lebensmittel, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein offener Dialog zwischen Eltern, Kita-Personal und gegebenenfalls Gesundheitsexperten ist auch hier unabdingbar, um die spezifischen Bedürfnisse jedes Kindes zu verstehen und zu berücksichtigen und so eine unterstützende Umgebung zu schaffen, in der alle Kinder gleichberechtigt teilhaben können.

Beispiel einer diversifizierten Lebensmittelvergabe an einem gemeinsamen Tisch in der Kita:

An einem gemeinsamen Tisch in der Kita könnte die Lebensmittelversorgung so gestaltet werden, dass sie sowohl den Bedürfnissen von Kindern mit leichten Allergien oder spezifischen Ernährungspräferenzen als auch den religiösen Richtlinien entspricht:

  1. Klare Kennzeichnung: Alle Lebensmittel sind deutlich gekennzeichnet, um die Unterscheidung zwischen allergenfreien, religiös akzeptablen und anderen Produkten zu ermöglichen.

  2. Getrennte Speisen und Utensilien: Es werden separate Speisen und Utensilien für Kinder mit Allergien oder religiösen Präferenzen bereitgestellt, um jegliche Kontamination zu vermeiden. Dies schließt die Verwendung von separaten Löffeln, Schalen oder Behältern ein.

  3. Alternative Optionen: Neben den Hauptgerichten werden alternative Optionen bereitgehalten, die den religiösen Anforderungen entsprechen oder als Ersatz für allergenhaltige Lebensmittel dienen. Diese werden klar ausgewiesen und ansprechend präsentiert.

  4. Angepasste Portionsgrößen: Die Portionen werden entsprechend den Bedürfnissen jedes Kindes angepasst, um sicherzustellen, dass keinerlei ungewollte Lebensmittel in Kontakt kommen und um sicherzustellen, dass jedes Kind die benötigte Menge erhält.

  5. Offene Kommunikation: Das Kita-Personal ist stets ansprechbar, um Fragen der Kinder zu den angebotenen Lebensmitteln zu beantworten. Eltern haben die Möglichkeit, im Voraus Informationen über spezielle Anforderungen oder Einschränkungen mitzuteilen und sich auch über den Speiseplan der Kita im Vorfeld über die geplanten Mahlzeiten und darin enthaltenen Allergenen und Zusatzstoffen zu informieren.

Die Herausforderungen der Nahrungsbereitstellung und der Gedanke der Inklusion

Es ist wichtig anzumerken, dass die Sorgfalt bei den Lebensmitteln selbsterklärend auch einen Mehraufwand mit sich bringt. Nicht nur personell, sondern auch in den Kosten. Separate Lagerungen in zusätzlichen Schränken und Boxen sowie individuelle Zubereitungen sind vonnöten.

Wie bereits in unserem vorherigen Artikel betont (Hier geht es zum Artikel!), ist die Herausforderung, eine ausgewogene Ernährung aufgrund finanzieller Engpässe in Kitas sicherzustellen, ein bestehendes Dilemma. Die Bemühungen, eine Ernährung zu fördern, die nicht nur den gesundheitlichen Aspekten gerecht wird, sondern auch Inklusion und Vielfalt reflektiert, verschärfen diese Schwierigkeiten zusätzlich. Es wird zunehmend kompliziert, die Grundsätze der Inklusion zu predigen, während gleichzeitig politische Hindernisse und finanzielle Engpässe die Essensversorgung in Kitas einschränken. Die Forderung nach einer Ernährung, die die Vielfalt und die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, erfordert nicht nur ein Umdenken in der Essenspolitik, sondern auch eine verstärkte Unterstützung seitens der politischen Entscheidungsträger, um sicherzustellen, dass die Essensversorgung keine Barrieren für eine inklusive Umgebung in Kitas schafft.

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“Frühkindliche Bildungspolitik ist Investitionspolitik”

Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus. Vielmehr erwarten wir eine echte Verantwortungsübernahme. Während frühkindliche Institutionen sich vor Problemfeldern kaum retten können, schafft der Berliner Senat es bisher immer wieder, diese zu übergehen und andere Themen zu priorisieren.

“Die Förderung zur Entwicklung von Kompetenzen, die wir heute ignorieren und aufschieben, sind Defizite, die sich irgendwann nicht nur privat, im Leben und den Zukunftschancen der individuellen Kinder bemerkbar machen, sondern eben auch, unvermeidlich; gesellschaftlich.”

Ein Interview mit Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK

Herr Békési, als Geschäftsführer des VKMK sind Sie mit beiden Seiten regelmäßig im Austausch; der politischen und der betroffenen Seite, in dem Fall: den Kindertagesstätten in Berlin. Wo sehen Sie die größte Diskrepanz in der Kommunikation?

Lars Békési: Gesagtes bzw. Versprochenes und die tatsächliche Umsetzung dessen sind oftmals nicht übereinstimmend. Im Gegenteil; große Missstände werden regelmäßig thematisch übergangen, in Sitzungen sogar übersprungen - und, wenn sie doch als Diskussionspunkt auf dem Tisch landen, dann oftmals im Zuge einer bevorstehenden Wahlkampagne. Das klingt auf den ersten Blick wunderbar, wirkt beinahe hoffnungserregend. Doch dann streichen die Wochen und Monate ins Land und allen wird wieder einmal bewusst, dass hinter den schönen Worten leider keinerlei Absichten zu Taten standen.

Die Politik überspringt die Kitas immer wieder und legt den Fokus größtenteils erst im Schulalter an, was ein absolut fataler Gedankenfehler ist. “

Bei der Verteilung der Haushaltsgelder wurden die Kitaträger kaum bis gar nicht thematisiert. Wie haben Sie und die Kita-Träger darauf reagiert?

Lars Békési: Es war in vielerlei Hinsichten eine herbe Enttäuschung. Die Tatsache, dass die Kita-Träger nicht einmal mehr ausführlich besprochen und bedacht wurden, war für uns erschreckend. Es wirkte wie eine Selbstverständlichkeit, dass hier keinerlei Unterstützung stattfinden wird. So selbstverständlich, dass es nicht einmal mehr eines offenen Gesprächs bedarf. Während die Koalitionsrunde vom 19.09 noch Hoffnung auf Hilfe schürte, gingen die Kitaträger in der Diskussion um die Haushaltsgelder leer aus. Wissend, dass sie den finanziellen Belastungen bereits vor der starken Inflation kaum gewachsen waren.

Die Politik überspringt die Kitas immer wieder und legt den Fokus größtenteils erst im Schulalter an, was ein absolut fataler Gedankenfehler ist. Anstelle hier eine gleichmäßige Verteilung und Gewichtung anzustreben, gibt es hier deutliche Diskrepanzen. Denn, während die Kitaträger beispielsweise in leere Töpfe blicken, ohne Aussicht auf Hilfe, erhalten Schulen auch einmal Ad-Hoc-Finanzierungen im mehrstelligen Millionen-Bereich.

Sie denken hier vermutlich an die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark in Pankow, für die Frau Giffey 40 Millionen Euro veranlasst hat?

Lars Békési: Richtig. Verstehen Sie mich hier nicht falsch; es ist natürlich sinnvoll, dass die regierende Bürgermeisterin Berlins, gemeinsam mit ihrer Fachsenatorin, das Gespräch wahrgenommen hat und persönlich am Gymnasium in Pankow erschienen ist und es ist ebenfalls beruhigend, dass sie den Zustand des Gebäudes als ebenso unzumutbar empfunden hat, wie die Lehrkräfte, Kinder und Jugendlichen. Die finanzielle Hilfestellung, die dem Gymnasium in Pankow zugesichert wurde, ist wichtig, richtig und längst überfällig gewesen. Nur sollte die helfende Hand nicht nur dort agieren, wo am lautesten gebrüllt wird, wissend, dass diverse Institutionen auf ebenso angesetzte Hilfestellungen zwingend und dringend angewiesen sind. Gerade, wenn die wirtschaftliche Lage absolutes Abwägen veranlasst, was die Verteilung von Finanzierungen betrifft, sollte man Ad-Hoc-Entscheidungen tunlichst vermeiden. Der Aufschrei nach einer Beseitigung des unwürdigen Zustandes in Pankow war absolut nicht neu. Er ist nun nur eben unüberhörbar laut geworden. Für die Zukunft gilt es zu vermeiden; Entscheidungen so lange aufzuschieben, bis sie zu politischen Spontan-Reaktionen zwingen, die nicht durchdacht scheinen, in Anbetracht des Gesamtkontextes. 

Das Hauptproblem ist eine deutliche Unterfinanzierung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus.”

Vor welcher Problematik stehen die Kitaträger momentan denn insbesondere?

Lars Békési: Würden wir nun anfangen aufzuzählen, wo die Folgen des Totsparens bereits so gravierend sind, dass man nicht mehr von Handlungsbedarf, sondern viel eher von Notstand sprechen müsste, wären wir vermutlich vor dem Morgengrauen kaum fertig. Das Hauptproblem ist eine deutliche Unterfinanzierung. Die Symptome dessen breiten sich seit Jahren in allen vorstellbaren Bereichen aus.

Angefangen beim Frühstückstisch: Kitas müssen sich die Frage stellen, wie man mangels vernünftiger Finanzierung hier überhaupt noch Qualität versprechen kann. Dass alle Kinder satt werden müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. Nur wie viel Qualität ist hier gleichzeitig noch umsetzbar, bei derart geringen finanziellen Mitteln und derart hohen Mehrkosten? 

Und während die UNESCO Kommission, bei der Weltkonferenz (14. - 16. November 2022) lautstark die Wichtigkeit frühkindlicher Bildung unterstrichen hat und bis 2030 allen Kindern den Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung sichern möchte, blickt man in Berlin in leere Gesichter, bei der immer wieder auftauchenden Frage: "Wann werden die für sprachliche Bildung im frühkindlichen Alter angesetzten 13,4 Millionen Euro überführt, die der Bund bisher jährlich in seiner Regelfinanzierung gestellt hat?"

Anstelle des wissenschaftlich empfohlenen Fachkraft-Kind-Schlüssels von 1 zu 3, müssen die Kita-Teams seit langem in den Kindertagesstätten jeweils 10-12 Kinder, oder mehr, gleichzeitig betreuen und dabei zugleich die individuelle Kompetenzförderung für jedes einzelne Kind abbilden, bei einer öffentlichen Wertschätzung und einem Gehalt, die/das ihren mannigfachen Bildungsaufgaben oft kaum im Ansatz gerecht wird. Ein Abgang von gut ausgebildeten Fachkräften, den wir seit Jahren beobachten müssen, ist also absolut keine Zufälligkeit sondern eine Reaktion auf die Arbeitssituation, die ohnehin schon unzureichend war, aufgrund von Covid, stetig steigenden Verwaltungsaufgaben, sowie Mehr-Ausfällen aber zu einem Ding der Unzumutbarkeit geworden ist. Die körperliche und seelische Überlastung der Fachkräfte hat als natürliche Konsequenz zu einem Abwandern der Beschäftigten geführt, was eine zusätzliche Mehrbelastung durch den Personalmangel nur verstärken wird. Dies sind nur einige Beispiele, von vielen, die verdeutlichen, wie gravierend die aktuelle Lage ist und welche Folgen diese Unterfinanzierung mit sich bringt.

Der Grundbaustein für Kompetenzen wird nun einmal im frühkindlichen Alter gelegt. Genau dort, wo momentan ein rigoroses Ignorieren und Abbauen stattfindet.”

Welche Folgen machen Ihnen hier die größten Sorgen?

Lars Békési: Kurz gesagt: Die fatale Unterschätzung von frühkindlicher Bildung und die möglichen Konsequenzen dessen für die Zukunft.  Die Kernkompetenzen eines Menschen werden im Altersabschnitt zwischen 0 und 6 Jahren gelegt. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern ein wissenschaftliches Gut, das der Gesellschaft seit Jahrzehnten zur Verfügung steht. 

Wir alle kennen den Spruch: “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr”. In diesem Fall sprechen wir nicht von Manieren oder diversen Kleinigkeiten, sondern sprachlichen Fähigkeiten, kognitiven Herangehensweisen, strukturiertem Arbeiten, Förderung von Stärken und Bearbeiten von Defiziten. In Kitas werden die Grundlagen gelegt, für eine erfolgreiche Zukunft der Kinder. Und, wovor viele erfolgreich die Augen verschließen; diese Kinder werden irgendwann die wirtschaftlichen Stützpfeiler unserer Gesellschaft, wenn sie herangewachsen und im Berufsleben angekommen sind. 

Die Förderung zur Entwicklung von Kompetenzen, die wir heute ignorieren und aufschieben, sind dann Defizite, die sich irgendwann nicht nur privat, im Leben und den Zukunftschancen der individuellen Kinder bemerkbar machen, sondern eben auch, unvermeidlich; gesellschaftlich. 

“Es ist unverständlich, wie diese Situation beinahe schulterzuckend hingenommen werden kann.”

An welche Auswirkungen denken Sie hier?

Lars Békési: Auch hier gilt abermals, dass sämtliche Punkte wohl den Rahmen unseres Gespräches sprengen würden. Wie bereits gesagt; die chronische Unterfinanzierung der Kitas ist das Hauptproblem und dessen Symptomatiken streuen in etliche Bereiche. Überbelastung und nicht ausreichende Entlohnung führen bereits seit Jahren zu einem stetigen Abgang von qualifizierten Fachkräften.

Die Tendenz hier ist weiterhin abnehmend. Die Verantwortlichkeiten bleiben natürlich bestehen, aber aufgrund der aktuellen Lage müssen sie unter weniger Fachkräften aufgeteilt werden. Überbelastung führt zu Mehr-Ausfällen, was wiederum zu weiterer Überlastung führt. Wenn die Bedingungen eines Berufes so strukturiert sind, dass selbst darauf spezialisierte Fachkräfte freiwillig das Feld verlassen, ist das selbstverständlich auch keine Grundlage, um neue Fachkräfte mit den richtigen Kompetenzen anzuwerben und langfristig zu binden. Wir befinden uns bereits in einer Spirale nach unten und am Grund warten drastische Konsequenzen auf uns: Einbruch der Qualität von Verpflegung und Bildung, sowie verkürzte Öffnungszeiten oder deutlich weniger Angebot, an die vielen Familien, die verzweifelt darauf angewiesen sind.

Es ist unverständlich, wie diese Situation beinahe schulterzuckend hingenommen werden kann. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften ist enorm. Diese Fachkräfte sind jedoch zuständig für das Übermitteln und Fördern von essentiellen Kernkompetenzen in den Kindern. Die Grundbausteine für einen erfolgreichen Werdegang können somit oftmals nicht mehr ausreichend gelegt und das birgt natürlich Konsequenzen, die irgendwann auch gesellschaftlich spürbar werden.

Ignorierte Defizite bei Sprache und Bildung verbauen Kindern Zukunftschancen für erfolgreiche und gut qualifizierte Jobs, insbesondere auch im Handwerk oder in den Feldern der Zukunftstechnologien. Diese Berufe sind natürlich nicht nur von Vorteil für die heranwachsenden Kinder selbst, sondern auch auf Landesebene essentiell. Qualifizierte und gebildete Menschen sichern nun einmal, landesweit, eine erfolgreiche Zukunfts-Perspektive.  

“Bildungschancen sollten für alle Kinder gegeben sein, um Zukunftsperspektiven zu sichern.”

Der Grundbaustein für die entsprechenden Kompetenzen wird aber nun einmal im frühkindlichen Alter gelegt. Genau dort, wo momentan ein rigoroses Ignorieren und Abbauen stattfindet. Ein erfolgreiches Überkommen der fehlenden Kompetenzen ist für die heranwachsenden Kinder natürlich nicht unmöglich, aber durchaus schwieriger und unwahrscheinlicher, als bei jenen, die hier individuelle Förderung und Hilfestellungen erhalten haben und auf einem guten Fundament aufbauen und wachsen können. Kinder, die keinerlei zusätzliche Bildungsförderung im privaten Rahmen erhalten können, sei es, weil beide Eltern berufstätig sind oder eine Förderung schlicht nicht im Rahmen der privaten Finanzierungsmöglichkeiten liegt, sehen sich hier nicht nur schlechten Startchancen gegenüberstehen, sondern fallen in den darauffolgenden Jahren oftmals immer weiter nach hinten, bis die Kluft nicht mehr überbrückbar ist. Eine erfolgreiche schulische Bildung ist und war noch nie Zufall und sollte niemals abhängig vom finanziellen Rahmen der Eltern sein.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, hier Diskrepanzen bereits im frühkindlichen Alter mehr oder weniger hinnehmen zu müssen.”

Bildungschancen sollten für alle Kinder gegeben sein, um Zukunftsperspektiven zu sichern. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, hier Diskrepanzen bereits im frühkindlichen Alter mehr oder weniger hinnehmen zu müssen, da der finanzielle Rahmen keine Alternativen für Förderungen bietet. Alles, ohne Aussicht auf Besserung, seitens der Politik.

Was wünschen Sie sich hier von Seiten der Politik, um dieser Problematik entgegenzuwirken?

Lars Békési: Über ein schlichtes “Wünschen” sind wir bereits lange hinaus. Vielmehr erwarten wir eine echte Verantwortungsübernahme. Während frühkindliche Institutionen sich vor Problemfeldern kaum retten können, schafft der Berliner Senat es bisher immer wieder, diese zu übergehen und andere Themen zu priorisieren. Man ist weit entfernt von irgendwelchen Lösungsansätzen, wenn man sich noch in der Frage um die bloße Existenz der Probleme befindet. Ein offenes Anerkennen der Problematik(en) wäre hier der erste Schritt, um konstruktive Diskussionen und Lösungsansätze überhaupt bedenken zu können. Ein regelmäßiger Austausch mit allen Kita-Trägern ist hier unvermeidbar und würde Klarheit für alle Parteien schaffen können.

Es grenzt hier schon an eine organisierte Verantwortungslosigkeit.”

Weiter brauchen wir: tatsächliche Umsetzungen. Schöne Worte bringen in aktuellen Notständen und Krisensituationen absolut gar nichts. Hierzu ist es wichtig, dass die Verantwortlichkeiten nicht immer wieder hin und her gereicht werden, je nachdem, in welchem Licht sich die Parteien im Rahmen diverser Wahlkampagnen präsentieren möchten, bis es zu unumgehbaren Problematiken kommt. Es grenzt hier schon an eine organisierte Verantwortungslosigkeit, die selbstverständlich drastische Konsequenzen mit sich bringt, die heute bereits nicht mehr diskutierbar sind und für die Zukunft fatale Problematiken bereithalten. Der Fokus des Senates scheint leider nur auf politisch gewinnbringenden Maßnahmen zu liegen, nicht aber auf den richtigen Bausteinen, um aktuelle Probleme zu beheben und schon gar nicht auf den notwendigen Schritten für langfristige, erfolgreiche Resultate. 

Gerade bei den großen Krisen der heutigen Zeit, die viele wirtschaftliche Fragezeichen mit sich bringen; bedarf es hier deutlich mehr Durchleuchtung und ebenso mehr Handlungen mit Blick in die Zukunft und Einbezug des Gesamtkontextes, damit es nicht mehr zu Ad-Hoc-Aktionen im Rahmen der finanziellen Förderung, wie in Pankow, kommen muss, sondern vielmehr zu gut durchdachten Lösungswegen, die mehr als nur eine Institution mit einbeziehen.

Kurzum: Wir erwarten als Erstes, dass die Dringlichkeit des aktuellen, mehrfachen Notstandes anerkannt wird, um hier Problematiken der Zukunft zu vermeiden. Als zweites erwarten wir, dass die Unterfinanzierung, bzw. die Politik der “reinen Behandlung von Symptomen”, beendet wird. Wir müssen das Kernproblem endlich ernst nehmen und behandeln. Frühkindliche Bildungspolitik ist das Fundament der Investitionspolitik. Eine Investition in die Kinder ist eine Investition in die Zukunft und die wirtschaftliche Ausgangslage, die eng mit ihnen verwoben sein wird.





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"Berlinzulage" nur für landeseigene Betriebe - Wettbewerbsverzerrung durch den Senat

Wettbewerbsverzerrung durch den Senat

Durch die beschlossene „Ballungsraumzulage“ werden die Freien Kita-Träger massiv benachteiligt. Gemeinsam mit einer Reihe vergangener Beschlüsse verdeutlicht der Senat, dass die angestrebte Wertschätzung der Freien Träger nur ein Lippenbekenntnis ist.

Berlinzulage nur für landeseigene Betriebe

Der Senat bereitet sich auf die Wahlen vor und verteilt Geschenke. Die beschlossene „Ballungsraumzulage“ wurde auch auf die Kita-Angestellten der landeseigenen Betriebe ausgeweitet. Da das Land aber nur 10% der Kindertagesstätten in Berlin betreibt und der Geldregen auf diese Betriebe beschränkt wird, entsteht hier eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung.

150 Euro monatlich sollen Beamte und Angestellte, die weniger als 5000 Euro im Monat verdienen, zusätzlich erhalten. Darin inbegriffen kann auch ein Monatsticket sein, wenn die Angestellten das wünschen. Da der Senat ohnehin schon die Fahrtkosten der eigenen Betriebe bezahlen will wird hier gleich zweimal Geld für ein Problem ausgegeben. Das Problem der Fahrtkostenfinanzierung haben aber nicht nur die landeseigenen Betriebe!

Damit kann der Senat den sich verschärfenden ErzieherInnenmangel in Berlin nicht lindern. Durch den Wettbewerbsvorteil wird lediglich der Mangel in den landeseigenen Betrieben bekämpft - auf Kosten der anderen 90% der Berliner Kitas. Die geplante Zulage ist also eine sehr preisintensive Art, die Probleme im Land so zu belassen, wie sie sind.

Unsere Forderung an den Berliner Senat 

Entweder der Senat verzichtet darauf, diese Wettbewerbsverzerrung umzusetzen und die bereits schwierige Lage der Freien Träger noch weiter zu verschärfen, oder er weitet die geplante „Ballungsraumzulage“ auf alle Berliner Kitas aus. Letzteres begrüßen wir, denn die Unterfinanzierung der Berliner Kitas wurde ja als Problem richtig erkannt - allein die geplante Zulage wird in dieser Form das Problem nicht lösen können! Deshalb fordern wir auch weiterhin, eine ehrliche und offene Debatte über die echte 100%-Finanzierung aller Berliner Kindertagesstätten zu führen.

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Stellungnahme des VKMK zur Entscheidung des Verfassungsgerichtshof (VerfGH) Berlin vom 25.09.2019

Der Verfassungsgerichtshof (VerfGH) Berlin hat die Beschwerden gegen das Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) abgelehnt. Hierzu nimmt der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger Berlin (VKMK) wie folgt Stellung. 

 

WORUM GEHT ES IN DER ENTSCHEIDUNG? 

Im Kern wollten die Beschwerdeführer die seit dem 01.09.2018 geltenden Beschränkungen für Zusatzleistungen bei der Kindertagesbetreuung im KitaFöG überprüft wissen. Diese deckeln die monatlichen Beiträge, die von Eltern an die Kita gezahlt werden können. Derzeit gilt eine Obergrenze von 60 Euro im Monat plus Essensausgaben. Damit einhergehend wurde eine Meldepflicht eingeführt, die eine Auflistung über der Zusatzleistungen beinhaltet. Unter anderem führten die Beschwerdeführer an, dass die Regelungen zu Zusatzleistungen ohnehin schon durch Fördervereine der Kitas umgangen werden. Die Klage gegen die geltenden Beschränkungen für Zusatzleistungen wurde nun vom Verfassungsgerichtshof (VerfGH) Berlin abgewiesen. Das Gericht hat sich aber nicht inhaltlich geäußert, sondern in seiner Begründung nur klargestellt, dass die Beschwerdeführer „nicht den regulären Rechtsweg ausgeschöpft haben beziehungsweise, dass die Kläger nicht beschwerdebefugt“ sind. Es hat insbesondere nicht erklärt, dass das geänderte Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) verfassungskonform ist. Die juristische Entscheidung zum Thema ist also noch nicht gefallen. 

WAS IST UNSERE POSITION? 

Der Verfassungsgerichtshof (VerfGH) Berlin hat die Beschwerden gegen das Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) abgelehnt. Hierzu nimmt der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger Berlin (VKMK) wie folgt Stellung. 

 WORUM GEHT ES IN DER ENTSCHEIDUNG? 

Im Kern wollten die Beschwerdeführer die seit dem 01.09.2018 geltenden Beschränkungen für Zusatzleistungen bei der Kindertagesbetreuung im KitaFöG überprüft wissen. Diese deckeln die monatlichen Beiträge, die von Eltern an die Kita gezahlt werden können. Derzeit gilt eine Obergrenze von 60 Euro im Monat plus Essensausgaben. Damit einhergehend wurde eine Meldepflicht eingeführt, die eine Auflistung über der Zusatzleistungen beinhaltet. Unter anderem führten die Beschwerdeführer an, dass die Regelungen zu Zusatzleistungen ohnehin schon durch Fördervereine der Kitas umgangen werden. Die Klage gegen die geltenden Beschränkungen für Zusatzleistungen wurde nun vom Verfassungsgerichtshof (VerfGH) Berlin abgewiesen. Das Gericht hat sich aber nicht inhaltlich geäußert, sondern in seiner Begründung nur klargestellt, dass die Beschwerdeführer „nicht den regulären Rechtsweg ausgeschöpft haben beziehungsweise, dass die Kläger nicht beschwerdebefugt“ sind. Es hat insbesondere nicht erklärt, dass das geänderte Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) verfassungskonform ist. Die juristische Entscheidung zum Thema ist also noch nicht gefallen. 

WAS IST UNSERE POSITION? 

Bei dieser Debatte geht es um die Förderung unserer Kinder. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass sie die gleichen Bildungschancen haben, wie die Kinder in anderen Bundesländern - und das ist noch nicht der Fall. Die angesprochene Finanzierung der Mehrkosten durch einen Förderverein stellt aus unserer Sicht kein Problem dar. Sie ist juristisch umfassend durch das Vereinsrecht gedeckt und wurde darüber hinaus auch ausdrücklich von der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Frau Scheeres, auf der Pressekonferenz vom 11. April 2018 für gut und zulässig befunden. Um die Qualität der Kinderbetreuung in Berlin zu verbessern sowie die Wahlfreiheit der Eltern zu gewährleisten, brauchen wir allerdings die Innovations- und Gestaltungskraft der unabhängigen, freien Träger. Dafür muss es einen gerechten Wettbewerb geben. Bedauerlicherweise werden derzeit die freien Träger gegenüber den staatlichen Eigenbetrieben weiterhin in vielen Bereichen benachteiligt.

WAS FORDERN WIR? 

Für die Lösung der Kita-Krise benötigen wir eine offene und ehrliche Debatte über eine echte „100%-Finanzierung“. Dazu bedarf es unter anderem einer Offenlegung der tatsächlichen Sachkosten sowie einer angemessenen Kostenerstattung der Mieten. Es müssen jetzt die pädagogischen Fachkräfte durch kaufmännische Verwaltungskräfte von den ausufernden Verwaltungslasten befreit werden. Dieses muss durch die Bereitstellung der notwendigen Gelder im kommenden Berliner Haushalt 2020/21 deutlich werden. Des Weiteren müssen die Gelder für die Sprachförderung der Kinder nichtdeutscher Herkunft (NDH) bereits ab dem ersten Kind und nicht erst nach Erreichen einer 40% Quote den Trägern gewährt werden. 

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