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Chancengerechtigkeit in der Kita: VKMK warnt vor möglicher Benachteiligung durch geplanten Partizipationszuschlag

Der Koalitionsvertrag 2023-2026 zwischen CDU und SPD sieht eine zielgerichtete Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung vor, um die Mittel dort einzusetzen, wo der Bedarf am größten ist. Damit soll die klassische “Gießkannen”-Politik beendet werden, ein Ansatz, den auch der Kitaverband VKMK unterstützt. Gleichzeitig warnt der VKMK jedoch davor, dass diese Neuausrichtung nicht dazu führen darf, sich lediglich auf eine Gruppe mit Förderbedarf zu konzentrieren und damit Gruppen an Kindern mit unterschiedlich begründeten Förderbedarfen gegeneinander auszuspielen.

Der Berliner Koalitionsvertrag 2023-2026 zwischen CDU Berlin und SPD Berlin sieht eine zielgerichtete Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung vor. Ziel ist es, die verfügbaren Mittel dort einzusetzen, wo der Bedarf am größten ist. Konkret heißt es im Vertrag: “Das erfolgreiche Bundesprogramm der Sprach-Kitas werden wir mit Mitteln des Kita-Qualitätsgesetzes als Landesprogramm weiterführen, weitere Instrumente der Sprachförderung verstetigen sowie eine Fortentwicklung der Zuschlagstatbestände mit einer stärkeren Fokussierung auf sozial benachteiligte Kinder, insbesondere hinsichtlich der Sprachbildung, ermöglichen.” (KOA-Vertrag 2023-2026). Damit soll die klassische “Gießkannen”-Politik in Berlin beendet werden. Ein Ansatz, den auch der Kitaverband VKMK unterstützt. Gleichzeitig warnt der VKMK jedoch davor, dass diese Neuausrichtung nicht dazu führen darf, sich ausschließlich auf eine Gruppe mit Förderbedarf zu konzentrieren und andere Kindergruppen mit unterschiedlichen Förderbedarfen zu vernachlässigen. Ein konkretes Beispiel stellt dabei der für 2025/2026 geplante Partizipationszuschlag dar. 

Der Partizipationszuschlag ist eine neue Wortschöpfung des Senats für Bildung, Jugend und Familie. Dieser Zuschlag soll ausschließlich an den Anspruch auf Bildung- und Teilhabe (BuT) gekoppelt werden und damit gezielt Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien unterstützen. Dies bedeutet jedoch, dass Zuschläge für die Bildung und Betreuung von Kindern nicht deutscher Herkunft (ndH) entfallen, sofern diese keinen BuT-Anspruch haben. Dabei benötigen auch diese Kinder häufig besondere Sprachförderung, um gleiche Bildungschancen zu erhalten und ihren Bildungsweg erfolgreich zu meistern. Derzeit erhalten Kita-Träger einen Zuschlag, wenn mehr als 40% der betreuten Kinder nicht deutscher Herkunft sind. Viele Mitglieder des VKMK argumentieren, dass diese Quote bereits zu hoch angesetzt ist. Ein Zuschlag sollte bereits ab dem ersten Kind nicht deutscher Herkunft gewährt werden, da die sprachlichen Herausforderungen und die entsprechende Förderung unabhängig von der Anzahl der betroffenen Kinder bestehen.

Die neu geregelte Verteilung der Zuschläge könnte somit eine bedeutende Gruppe von Kindern benachteiligen. Besonders in Berlin entspricht es nicht der Realität, dass alle ndH-Kinder ohne BuT-Anspruch aus wohlhabenden Familien stammen, die sich private Nachhilfe leisten können. Ein erheblicher Anteil dieser Kinder hat keinen BuT-Anspruch, benötigt aber dennoch gezielte Fördermaßnahmen. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: “Durch die Einführung des Partizipationszuschlags besteht die Gefahr, dass Gruppen mit unterschiedlichen Förderbedarfen gegeneinander ausgespielt werden. Es ist nicht gerechtfertigt, die Förderung von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf zu reduzieren, nur weil ihr Bedarf nicht sozioökonomisch begründet ist. Ein solches Vorgehen widerspricht den Prinzipien der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Unseres Erachtens impliziert die Formulierung ‘mit einer stärkeren Fokussierung…’ weder die alleinige Fortentwicklung der Zuschlagstatbestände auf einen BuT-Bezug noch das Ziel, Kinder ohne soziale Benachteiligung, aber mit notwendigem Sprachförderbedarf, von einer gezielten Förderung auszuschließen.”

Der VKMK plädiert daher für einen Fördermechanismus, der keine Gruppe mit bestehenden Förderbedarfen ausschließt. Im Sinne der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit sollten alle Kinder entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse Zugang zu den notwendigen Fördermaßnahmen erhalten. Es darf keine Gruppe mit Förderbedarf vernachlässigt werden, um eine faire und gerechte Bildungspolitik für alle Kinder sicherzustellen. Eine Gewichtung der Fördermittel kann eine mögliche Lösung sein, aber der vollständige Ausschluss einer Gruppe mit Förderbedarf ist nicht akzeptabel. In Bezug auf die Verteilung der Zuschläge sieht Békési zudem die Notwendigkeit, eine weitere Herausforderung anzugehen: „Eine zentrale Aufgabe bei der Neugestaltung der Personalszuschläge wird es auch sein, diese automatisch im Rahmen des Kita-Chancenjahres an den Willkommensgutschein zu koppeln. Kinder, die diesen Willkommensgutschein erhalten, benötigen in der Regel nicht nur Sprachförderung, sondern auch weitere Unterstützungsmaßnahmen.“ Der VKMK appelliert an die politischen Verantwortlichen, bei der Umsetzung der neuen Zuschläge die Prinzipien der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Nur so kann eine gerechte und inklusive Bildungspolitik für alle Kinder gewährleistet werden.

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CDU und SPD stellen ihren Koalitionsvertrag "Für Berlin das Beste" vor

CDU und SPD stellen ihren Koalitionsvertrag "Für Berlin das Beste" vor.

Diese Pressemitteilung wurde mithilfe von ChatGPT, einer Sprach-KI von OpenAI, erstellt

Pressemitteilung*

Berlin, 3. April 2023 - Die CDU und SPD haben heute ihren Koalitionsvertrag für die neue Legislaturperiode vorgestellt. Der Verband für Freie Kitaträger (VKMK) begrüßt insbesondere die Schwerpunkte im Bereich frühkindliche Bildung und die Ankündigung, dass sich die CDU dem Ressort Bildung, Jugend und Familie widmen wird.

Der Koalitionsvertrag enthält verschiedene Maßnahmen zur Stärkung der Kitas, wie die Entlastung von Kitaleitungen durch zusätzliche Verwaltungsassistenzen, weitere Schritte für die Kita-Sozialarbeit und ein Extra-Budget für schwierige Situationen. Zudem wird eine Verbesserung des Personalschlüssels angestrebt und die Sprach-Kitas werden mithilfe der Bundesgelder aus dem Kita-Qualitätsgesetz weitergeführt. Auch eine Werbekampagne zur Attraktivität des Berufsbildes für Erzieherkräfte ist geplant.

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont, dass ein Koalitionsvertrag zunächst nur allgemeine Schwerpunkte skizziert und eine bessere Ausgestaltung im Anschluss erfolgen muss. Er fordert, dass die künftigen Senatoren für Finanzen und Bildung, Jugend und Familie sicherstellen müssen, dass die Sprach-Kitas über die Regelfinanzierung 2025 des Landes Berlin erfolgen und dass ein klarer Fahrplan sowie eine finanzielle Unterlegung für die Umsetzung der Kitasozialarbeit festgeschrieben werden. Zudem dürfen die Rahmenbedingungen für Kita-Träger nicht vergessen werden. Kita-Träger benötigen mehr Beinfreiheit und eine bessere finanzielle Ausstattung, um den steigenden Kosten bei Gewerbemieten, Lebensmitteln und Energiekosten standhalten zu können.

Der VKMK wird sich weiterhin eng mit der kommenden Senatorin für Bildung, Jugend und Familie austauschen, um für bestmögliche Rahmenbedingungen zu werben. Der Verband steht bereit, um gemeinsam mit der neuen Senatorin die vielfältigen Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung zu lösen.

*Diese Pressemitteilung wurde mithilfe von ChatGPT, einer Sprach-KI von OpenAI, erstellt.

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Was wir von den Koalitionsverhandlungen erwarten.

Qualitätsversprechen und deren Verbesserungen können nur umgesetzt werden, wenn endlich der Qualitätsreduktion der Rücken zugekehrt wird. Die momentanen Koalitionsverhandlungen könnten hier Hoffnung erwecken - doch erste Ergebnisse bringen bereits Zweifel.

Während die Tage vor der ersten Koalitionsverhandlung von Unsicherheiten geprägt waren, wirkten die ersten Schwarz-Rot-Verhandlungen doch recht optimistisch stimmend. Man wolle gemeinsam an einem Strang ziehen und die (frühe) Bildung auf richtige Wege bringen. So der Konsens der ersten Sitzungen. Doch erste Anzeichen einer Unstimmigkeit sendet ausgerechnet der noch JStS mit einem Tweet “Ich will nur anmerken, dass die SPD-Seite paritätisch besetzt war. Das geht immer einher mit Fachwissen. Und es sollte uns allen nicht schmecken, wenn die gesellschaftlichen Realitäten sich nicht widerspiegeln.“ 

Der frühkindliche Bildungssektor ist mannigfaltigen Herausforderungen ausgesetzt und das bereits seit Jahren. Unterfinanzierung, Kostenexplosionen, sinkende Bewerberzahlen, stetig steigende Abgänge, immense Krankenstände. 



Wir fordern, dass sich die Kita-Situation für Kita-Teams, Kinder und Kitaträger in Berlin endlich nachhaltig verbessert. Investitionsverhandlungen, Bildungsverhandlungen, Zukunftsverhandlungen müssen die frühkindliche Bildung endlich intensiv mit einbeziehen. 

 

Qualitätsversprechen und deren Verbesserungen können nur umgesetzt werden, wenn endlich der Qualitätsreduktion der Rücken zugekehrt wird. Dies ist kurzfristig umsetzbar, durch schnelle Hilfsmittel, wie eine deutliche Entlastung der Pädagog:innen von nicht pädagogischen Verwaltungsaufgaben. Eine deutlich einheitliche praxisbezogener Ausbildung für die künftigen Fachkräfte. Sowie eine echte Herstellung der Bildungsteilhabegerechtigkeit für alle Kinder durch die flächendeckende Einführung der Kitasozialarbeit. Nur so können wir realistisch die unterschiedlichen Start- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Kinder berücksichtigen und von einer gerechten Bildungsverteilung überhaupt erst sprechen.

Gerade nach ununterbrochenen 27 Jahren SPD-Bildungs- & Jugendsenatoren:innen erwarten wir, dass die Koalitionsverhandlungen im Rahmen der Dachgruppen-Gespräche in einem klaren vertraglichen Bekenntnis zur Beseitigung der Fehlentwicklungen mittels kluger Investitionspolitik münden. 

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Koalitionsverhandlungen in Berlin. Eine Chance für die frühkindliche Bildung?

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik. Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik.

Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Während die Tage vor der Schwarz-Rot-Verhandlung ein Gefühl von Unsicherheit verbreiteten, scheinen die ersten Verhandlungen diese ein wenig mindern zu können. Während sich Einigkeit in vielen Bereichen finden lassen konnte, bezüglich einer Verbesserung des Ist-Zustandes in Berlin und optimistische Worte von Giffey durchklangen; “Vieles lasse sich aufbauen, was schon von Rot-Grün-Rot vorbereitet worden ist.” , wurden andere Sorgen hingehen gestärkt:

Deutlich wurde, dass der Fokus der Bildung wieder einmal nicht auf den frühkindlichen Institutionen liegen würde, sondern abermals erst ab dem Grundschulalter an Wichtigkeit zu erfassen sei. Ein Fataler Fehler, der sich seit Jahren in einem steten Abbau des Kita-Sektors deutlich widerspiegelt. Ernüchternde Worte kamen ebenfalls von CDU-Generalsekretär Stefan Evers hin: "Wir haben nicht nur wenig Zeit. Wir haben auch wenig Geld."

Genau dies ist aber zwingend benötigt, um in den Kitas Berlins ein Umkehren der Abwärtsspirale endlich umsetzen zu können; eine zukunftsorientierte Investitionspolitik, die ausreichend finanzielle Ressourcen bereitstellt, um den mannigfaltigen Herausforderungen im Ansatz gerecht zu werden.

Wir blicken hoffnungsvoll, aber auch mit Sorge auf die kommenden Verhandlungen.

Der Sektor der frühkindlichen Bildung blickt seit Jahren in Finanzierungsmöglichkeiten, die immer schmaler und schmaler werden, den Kostenexplosionen nicht im Ansatz standhalten können und erfährt als Lösung immer wieder nur Ad-Hoc-Aktionen, die das gröbste Übel, weiterhin hinauszögern sollen. Kalkulierte, zukunftsorientierte Lösungsansätze, um das sinkende Schiff nicht nur zeitweise über Wasser zu halten, sondern wieder seetauglich, geschweige denn gut ausgerüstet losfahren zu lassen, fehlen bisweilen vergebens.

Sinkende Bewerberzahlen, hohe Abgänge, große Krankenstände und Überbelastung sind die Alltäglichkeiten, mit denen sich die Erzieherinnen und Erzieher in der frühkindlichen Bildung auseinandersetzen. Die Unterfinanzierung im großen Stil ermöglicht hier schlichtweg keine Auswege mehr und endet sogar darin, dass sich viele Kitas in Berlin nicht einmal mehr neue Auszubildende leisten können. Die Erzieher:innen von heute verlassen das Schiff und den Erzieher:innen von morgen bleibt buchstäblich der Zutritt verwehrt.

Wie soll qualitativ hochwertige Bildung in diesem Kontext stattfinden können?

Wie soll ein Erzieher oder eine Erzieherin sich dessen überhaupt in ausreichendem Umfang annehmen können, wenn die Problemfelder des Kita-Alltages derart mannigfaltig sind?

Investitionsverhandlungen, Bildungsverhandlungen, Zukunftsverhandlungen, all dies darf nicht geschehen, ohne die frühkindliche Bildung hier nicht nur teilhaben zu lassen, sondern durchaus in den Mittelpunkt vieler Diskussionen zu rücken.

Gerade die CDU, die sich mit dem Programm “beste Bildung für Berlin” hier fundamental an einer Verbesserung der Bildungssituation einsetzen möchte, sollte deutlich machen, dass diese Bildung nicht erst ab der Grundschule beginnen darf, sondern weitaus vorher, im Kita-Alter bereits fundamental wichtig ist.

Wir hoffen und fordern zugleich, dass sich die Kita-Situation in Berlin endlich ändert. Dass die neuen Gespräche zu augenöffnenden Momenten führen, in denen der Ist-Zustand des frühkindlichen Bildungssektor endlich in seiner porösen, heruntergewirtschafteten Struktur wahrgenommen wird, damit hier endlich grundlegende Änderungen eintreten können.

Das Gerüst muss in seiner Struktur gefestigt werden, um ausreichend Qualitätsversprechen umsetzen zu können - und letztendlich auch: Qualitätsverbesserung

Dies geht nur mit ausreichend finanziellen Mitteln. Mittel, die nicht als Trostpflaster für schnelle Heilung sorgen sollen, sondern Mittel, die zielgerichtet die Problemfelder von heute angehen und eliminieren und gleichzeitig den Bezug zu den Herausforderungen der Zukunft mit einkalkulieren. Ein Entscheiden hier muss, zwingend, die betroffenen Institutionen besser einbeziehen, um einen transparenten Einblick in die Problemfelder zu erhalten und hier gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die nicht nur sinnvoll, sondern auch zukunftsträchtig sind.

Nur so kann ein Herumreißen des Ruders in diesem Sektor noch stattfinden, nur so kann die pädagogische Arbeit im frühkindlichen Alter wieder attraktiv gestaltet werden, um Bewerber:innen anzuziehen und qualifizierte Fachkräfte zu halten. Nur so lässt sich eine erfolgreiche Bildung umsetzen, die alle dringend benötigten Kompetenzen in unseren Kindern verankern kann, die sie im späteren Erwachsenenalter umsetzen müssen.

Wir hoffen auf einen gemeinsamen Konsens in diesem Rahmen, damit wir mit sicherem, gefestigten Blick in eine Zukunft schauen können, die Bildungschancen nicht nur predigt, sondern auch (er)lebt.


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Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. - Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Lisa Henriette Huber, Referentin Presse- & Öffentlichkeitsarbeit & Lars Békési, Geschäftsführer,
 Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e.V.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. An diesem Montag hat die amtierende Jugendsenatorin (SPD) wiederholt bewiesen, dass es großen Bedarf an neuen Impulsen gibt, für zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Bereich der Freien Träger. Und während Berlin sich bisher sehr zurückhaltend äußerte und den großen Personalmangel eher vorsichtig und meist negierend thematisierte, so gab es dieses Mal, von Senat eine doch sehr überraschend ehrliche Antwort: Nach einer schriftliche Anfrage vom VKMK an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, um Antworten auf künftige Maßnahmen bezüglich der fortlaufenden Unterbesetzung zu suchen, erhielten wir erstmals eingestehende Worte: 

“Dem Senat ist bewusst, dass Phasen der Über- und Unterschreitung des Personalschlüssels systembedingt sind. Im Falle anhaltender Personalunterschreitungen sind jedoch die Kitaträger gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. (...)”

Und, wenngleich es beinahe tröstend ist, die lang ersehnte, wenn auch noch milde formulierte Anerkennung dessen zu erhalten, was wir seit langem als Realität wahrnehmen, so sieht man doch wieder dasselbe, alte Problem, das schon seit Jahren zu keiner gewinnbringenden Lösung führt:

Die Weitergabe der Verantwortlichkeit für das Suchen und Finden einer Lösung. 

Ein strukturell abgebauter und systematisch unterfinanzierter Sektor bricht zusammen und die Symptomatiken, die hierbei selbsterklärend zum Vorschein treten, sollen von den Betroffenen – ohne ausreichend finanzieller Mittel - selbst bekämpft werden. Wir blicken seit Jahren, bei einem wachsenden System, in sich immer weiter leerende Finanzierungstöpfe, die immer größeres Wachstum an Abgängen von qualifizierten Pädagog:innen verursachen und zu immer mehr schrumpfenden Bewerbungszahlen für neue Auszubildende führen. Ein Strudel, der die Qualität der pädagogischen Arbeit seit Jahren in die Tiefe saugt. Wer heute noch Pädagog:in werden möchte, muss Überbelastung und Unterfinanzierung im großen Stil erwarten.  

Dieser Alltag spiegelt keine Ausnahme, sondern die Regel wider. Und selbst wenn hochmotivierte Kräfte an der Tür klopfen und sich dem Dilemma annehmen möchten, so müssen sich immer mehr Kitas Berlins eingestehen: "Die Gelder für Personal sind schlichtweg nicht da.”  Wir sind über “Bitten” und “Wünschen” schon lange hinaus. Es wird Zeit, dass die klaren Formulierungen an Bedarf von den Kitas endlich Gehör finden und Handlungen und Verantwortungsübernahme stattfinden - seitens der Politik.

“Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer.”

Das System, wie es bis heute umgesetzt wurde, ist nicht zukunftsfähig. Statt Kitaplatz Ausbau zu betreiben, wie es momentan dringend und zwingend nötig wäre, finden wir uns in einer Reduktion der Berliner Kitas wieder, da ein Verkleinern auf Grund von finanziellen Zusatzbelastungen und dem massiven Personalmangel für viele unumgänglich geworden ist.  Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer und sorgen hier für mannigfaltige Probleme, die wir gesellschaftlich in die Zukunft tragen.  Diese Kinder von heute, denen es in den Kitas an Raum und Platz und Entfaltungsmöglichkeiten mangelt, um die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben, die es im späteren Alter bedarf, sind die Erwachsenen von Morgen. Die Erwachsenen, die unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes lenken und formen werden.

Es wird Zeit, dass sich die Koalitionäre des neuen Senates ihrer Verantwortung dieser Zukunft bewusst werden - und handeln.  

 

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Der rot-grün-rote Koalitionsvertrag für Berlin 

Wir möchten an dieser Stelle zuerst den drei beteiligten Parteien zur Fertigstellung des Koalitionsvertrags mit der Überschrift “Zukunftshauptstadt Berlin – sozial - ökologisch - vielfältig - wirtschaftsstark” gratulieren. Wir wünschen allen beteiligten Abgeordneten und kommenden Senatsmitgliedern viel Erfolg in den kommenden fünf Jahren. Aufgrund der bestehenden Pandemie können wir uns in der Frühen Bildung keine hunderttägige Eingewöhnung leisten, sondern müssen umgehend zum Wohle der Jüngsten sofort die vor uns liegenden Herausforderungen angehen.

Wir möchten an dieser Stelle zuerst den drei beteiligten Parteien zur Fertigstellung des Koalitionsvertrags mit der Überschrift “Zukunftshauptstadt Berlin – sozial - ökologisch - vielfältig - wirtschaftsstark” gratulieren. Wir wünschen allen beteiligten Abgeordneten und kommenden Senatsmitgliedern viel Erfolg in den kommenden fünf Jahren. Aufgrund der bestehenden Pandemie können wir uns in der Frühen Bildung keine hunderttägige Eingewöhnung leisten, sondern müssen umgehend zum Wohle der Jüngsten sofort die vor uns liegenden Herausforderungen angehen. 

Leopoldina drängt zum Handeln 

 Die Ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina vom 27. November lässt keinen Zweifel an der Dringlichkeit, Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung einzuleiten. Dabei gilt es allerdings Schließungen im Bildungsbereich nur als letztes Mittel zu wählen: „Eine Aussetzung der Präsenzpflicht und ein Wechselunterricht an Schulen sowie die Schließung von Kitas sollten möglichst vermieden werden.“ Zum einen sei es die Aufgabe der Erwachsenen, die Kinder zu schützen. Zum anderen gehören Kinder nicht zu den Infektionstreibern.  

SPD behält das Bildungsressort

Wir nehmen es als ein gutes Zeichen, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie weiterhin von der SPD geführt wird, da wir uns von dieser Kontinuität einen reibungslosen und schnellen Übergang zwischen den Senator:innen aus der gleichen Partei erwarten. 

Koalitionsvertrag zur Frühen Bildung 

Dem heute veröffentlichten Koalitionsvertrag können wir erste konkrete Pläne für die Frühe Bildung in Berlin entnehmen. So begrüßen wir es, dass die Einführung der Kita-Sozialarbeit sowie eines Budgets für Einrichtungen in schwieriger Lage geprüft wird. Das Prüfen sollte allerdings zeitnah geschehen und zur Umsetzung einer flächendeckenden Kita-Sozialarbeit in allen Berliner Kindertageseinrichtungen führen. Grundsätzlich entspricht auch der Plan, die Digitalisierung weiter voranzutreiben und medienpädagogische Angebote auszubauen, unserer Forderung nach einem Digital-Pakt für die Kita. Hierzu haben wir einen umfangreichen Katalog an Maßnahmen erarbeitet und veröffentlicht. Dazu gehören u.a. eine Anschubfinanzierung zur Anschaffung der Geräte, sowie eine Personal- und Sachkostenpauschale für Fortbildung der Fachkräfte und Wartung der Geräte.  

Zu kritisieren ist allerdings, dass der Koalitionsvertrag kein Wort zum Fachkräftemangel verliert. Dabei sollte bei etwa 50.000 fehlenden Fachkräften allein im Land Berlin in den nächsten Jahren dieses Thema weiterhin eine besondere Stellung im Regierungsplan einnehmen. Die Qualität in der Frühen Bildung ist eng mit dem Betreuungsschlüssel verbunden. Wenn diesem Berufszweig keine Perspektiven für eine Verbesserung der Situation geboten werden, muss mit einem weiteren Abgang gut ausgebildeter Fachkräfte gerechnet werden. 

Ebenso enttäuschend sind die wenigen Aussagen zum Kita-Ausbau. Hierbei soll lediglich der Fokus auch weiterhin auf dem landeseigenen Anteil liegen, was mehr als vier Fünftel der gesamten Kitaplätze in Berlin ausschließt.  

Auch zur 30-prozentigen Unterfinanzierung der kleinen Freien Träger, die in Summe 50% aller Berliner Kitaplätze stellen, lässt die neue Koalition viele Fragen ungeklärt. Vor allem die tatsächlichen Mietkosten von rund 20 Euro pro Quadratmeter, stehen in einem signifikanten Widerspruch zu den knapp 6 Euro, die in der Sachkostenpauschale gewährt werden. Hier sollte mindestens die lang angekündigte Konferenz zur Sachkostenpauschale durchgeführt werden und Lösungen finden, um die soziale Infrastruktur weiter zu verbessern. 

Wir stehen bereit 

Wie schon in der Vergangenheit stehen wir auch dem neuen Senat und seiner Verwaltung mit Rat und Tat zur Verfügung und bringen unsere Konzepte und Lösungsvorschläge gern ein. Dafür ist allerdings nötig, dass die Vielfalt der frühkindlichen Bildungslandschaft sich auch in der Besetzung des künftigen Landesjugendhilfeausschusses und dem Unterausschuss „Tagesbetreuung“ widerspiegelt und hierbei der VKMK als Mitglied dieser Gremien durch die künftige Senatorin ebenfalls benannt wird. Nur gemeinsam können wir die Zukunft der Bildung erfolgreich gestalten. 

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Ampel-Koalitionsvertrag: Gute Ansätze in der Frühen Bildung 

Wir gratulieren an dieser Stelle der designierten Bundesministerin für Forschung und Bildung, Frau Bettina Stark-Watzinger, zu ihrer neuen Aufgabe.

In einem Gast-Artikel der Welt schrieb sie im August, die Bildungschancen in Deutschland müssen von dem sozialen Hintergrund entkoppelt werden. Wir freuen uns daher, in den nächsten vier Jahren gemeinsam auf Bund- und Länderebene an dieser Aufgabe zu arbeiten.

Nach zügigen Verhandlungen sind die Koalitionsgespräche abgeschlossen. Deshalb möchten wir einen Blick auf die Pläne in der Frühen Bildung werfen. 

Gute-Kita-Gesetz 

Wir begrüßen es, dass die neue Regierung das “Gute-Kita-Gesetz" in ein echtes Qualitätsentwicklungsgesetz überführen und mit bundesweiten Qualitätsstandards unterfüttern möchte. Als wesentliche Herausforderung - neben der verbindlichen Regelung zu Qualitätsstandards - sehen wir hierbei den damit erforderlichen massiven Fachkräftebedarf. Nur wenn es gelingt, den Personalmangel zu beseitigen, verbessert sich die Qualität in der Frühen Bildung. Als Verband engagieren wir uns dazu nicht nur in Berlin, sondern auch in einer bundesweiten Arbeitsgruppe mit unseren Kollegen:innen in anderen Bundesländern und stehen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bereit. 

Die Weiterentwicklung und Verstetigung der Sprach-Kita ist ebenfalls eine sinnvolle Bestimmung des vorgelegten Koalitionsvertrages, um allen Kindern den notwendigen Kompetenzerwerb “Sprache und Verstehen” für einen erfolgreichen Schulstart zu gewährleisten. 

Digitaler Aufbruch 

“Wir unterstützen die geplanten Digitalisierungsmaßnahmen der Ampel-Koalition im Bildungsbereich, denn weniger Bürokratie ist mehr Zeit für die unmittelbare, direkte Bildungsarbeit am Kind“, sagt Lars Békesi, Geschäftsführer des VKMK. “Da die Kita neben der Familie als Bildungspartner bei dem umfassenden digitalen Aufbruch unverzichtbar ist, muss auch dort ein zielgenauer Digitalpakt seine Wirkung entfalten.  Gerade bei der Digitalisierung im Bildungswesen ist es wichtig, dass Bund und Länder Hand in Hand arbeiten.” (Zum Digital-Pakt Kita, Pressemitteilung vom 15. Oktober 2021)

Willkommen, Frau Stark-Watzinger 

Wir gratulieren an dieser Stelle der designierten Bundesministerin für Forschung und Bildung, Frau Bettina Stark-Watzinger, zu ihrer neuen Aufgabe. 

In einem Gast-Artikel der Welt schrieb sie im August, die Bildungschancen in Deutschland müssen von dem sozialen Hintergrund entkoppelt werden. Wir freuen uns daher, in den nächsten vier Jahren gemeinsam auf Bund- und Länderebene an dieser Aufgabe zu arbeiten. Das ebenfalls FDP-geführte Finanzressort dürfte sicherlich die dafür notwendigen Mittel bereitstellen. Diese belaufen sich in der Frühen Bildung auf rund 20 Milliarden Euro in der kommenden Legislaturperiode, um zukunftsweisende Maßnahmen in der Bildung umzusetzen. 

 

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