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Kita-Eingewöhnung: Die erste große Trennung und wie sie gut gelingt

Mal ist es ein Jobwechsel, mal ein Umzug in eine andere Stadt, ein neuer Freundeskreis oder auch der Übergang von der Schule ins Berufsleben: Das Leben ist voller Veränderungen und Eingewöhnungen in neue Lebenssituationen und -umstände. Manchmal fällt uns dieser Wandel leicht, manchmal schwer - doch ein kleiner, bestimmter Übergang prägt maßgeblich, wie wir im Laufe unseres Lebens solche Umstellungen bewältigen: Der Start in die Kita. Dieser Übergang steht vielen Kindern nun kurz bevor, manche befinden sich bereits mitten im Prozess.

Mal ist es ein Jobwechsel, mal ein Umzug in eine andere Stadt, ein neuer Freundeskreis oder auch der Übergang von der Schule ins Berufsleben: Das Leben ist voller Veränderungen und Eingewöhnungen in neue Lebenssituationen und -umstände. Manchmal fällt uns dieser Wandel leicht, manchmal schwer - doch ein kleiner, bestimmter Übergang prägt maßgeblich, wie wir im Laufe unseres Lebens solche Umstellungen bewältigen: Der Start in die Kita. Dieser Übergang steht vielen Kindern nun kurz bevor, manche befinden sich bereits mitten im Prozess. Dabei handelt es sich um eine besonders sensible Phase, in der sich viele Kinder erstmals außerhalb ihres gewohnten familiären Umfelds zurechtfinden müssen. “Die Eingewöhnung ist die Einführungs- und Bewältigungsphase in der Kinderbetreuung, in der sich Kinder an ihre Krippe beziehungsweise Kindertagesstätte als neue Umgebung gewöhnen und vertraut machen und Beziehungen und Bindungen zu den Pädagog:innen und anderen Kindern aufbauen. Die Eingewöhnung ist ein wichtiger Grundstein bei allen Übergängen und ist als ein gemeinsamer Prozess von Kita und Familie zu verstehen.” erklärt Claudia Thoma-Krüger, Fachberaterin des VKMK-Mitglieds kids in berlin kiB gUG, die Bedeutung dieser Phase. Um diesen wichtigen Schritt gut zu begleiten, sind sowohl Familien als auch Pädagog:innen auf vielen Ebenen gefordert. 

Was Familien bei der Eingewöhnung beachten sollten, wie sie sich gemeinsam auf diese Phase vorbereiten können, welche Rolle eine starke Erziehungspartnerschaft dabei spielt und was alles zu einer gelungenen Eingewöhnung beiträgt - darüber hat der VKMK mit der Expertin Claudia Thoma-Krüger gesprochen. 

Kindzentriert und bedürfnisorientiert: So gelingt die Eingewöhnung

Ein zentraler Faktor für eine gelingende Eingewöhnung ist der Aufbau einer sicheren Bindung. Claudia Thoma-Krüger beobachtet in ihrer Arbeit, dass “das Bewusstsein für die Bedeutung einer sicheren Bindung in der frühen Kindheit hat deutlich zugenommen.” Dies wird durch diverse Forschungsergebnisse untermauert: Während in diversen Studien bei Kindern in der außerfamiliären Kinderbetreuung generell ein Anstieg des Cortisolspiegels im Tagesverlauf beobachtet wurde, zeigte sich in einer Studie differenzierter, dass der Cortisolspiegel bei Kindern mit einer hohen Bindungssicherheit zu ihrer Hauptbetreuungsperson in der Kindertageseinrichtung im Laufe des Tages abfällt - unabhängig von anderen Faktoren, wie mütterliche Beziehung und Betreuungsqualität.* Dies verdeutlicht, welchen Einfluss die Qualität der Bindung und Beziehung zu den Pädagog:innen auf das Stresserleben der Kinder hat. Dieses gewachsene Bewusstsein für die Bedeutung emotionaler Sicherheit spiegelt sich natürlich auch in der Eingewöhnungspraxis wider: “In den vergangenen Jahren hat sich die Eingewöhnungspraxis in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Sie wird nicht mehr nur als organisatorischer Start in die Betreuung gesehen, sondern als sensibler, bindungsrelevanter Übergang, der entscheidend für das Wohlbefinden und die Entwicklung des Kindes ist.” 

Neben einer stärkeren bindungsorientierten Ausrichtung hat sich auch eine deutlich individualisierte Gestaltung des Eingewöhnungsprozesses etabliert: “Während früher häufig ein starrer Zeitplan verfolgt wurde, orientieren sich heutige Modelle zunehmend an den Bedürfnissen und dem Tempo des einzelnen Kindes – und auch an dem der Eltern. Das Berliner, Münchener und Tübinger Modell dienen dabei vielerorts als Grundlage, werden aber flexibel angepasst.” erläutert Claudia Thoma-Krüger. Alle drei Modelle basieren auf einem kindzentrierten Ansatz, dem Einbezug von Bezugsperson, dem Aufbau sicherer Bindungen und einer starken Erziehungspartnerschaft. Der Eingewöhnungsprozess wird dabei kontinuierlich beobachtet und bei Bedarf flexibel an die Bedürfnisse des Kindes angepasst. 

Gerade diese Flexibilität und Bedürfnisorientierung machen die drei Modelle besonders praxistauglich - insbesondere in Zeiten, in denen sich die Anforderungen an die Eingewöhnung deutlich gewandelt haben. Claudia Thoma-Krüger berichtet von ihren Erfahrungen hierzu: “Zum einen zeigt sich, dass familiäre Strukturen vielfältiger geworden sind, was eine differenziertere Herangehensweise erfordert und ein hohes Maß an Austausch zwischen Elternschaft und Pädagog:innen erfordert. Zum anderen erleben wir in der Praxis häufiger kürzere Vorbereitungszeiten und einen erhöhten Druck auf Eltern, beruflich schnell wieder verfügbar zu sein. Das kann dazu führen, dass Eingewöhnungsphasen verkürzt werden sollen – was nicht immer mit dem tatsächlichen Bedarf des Kindes übereinstimmt.” Diese Entwicklungen machen deutlich, dass sich die Eingewöhnung nicht nur am Kind orientieren muss, sondern auch an den vielfältigen Lebensrealitäten der Familien. Fachkräfte und Kitas sind daher zunehmend gefordert, Eingewöhnungsprozesse sowohl kindzentriert als auch familienbezogen und zugleich institutionell umsetzbar zu gestalten. Claudia fasst zusammen: “Insgesamt lässt sich sagen, dass die Eingewöhnungspraxis sensibler, differenzierter und bindungsorientierter geworden ist – gleichzeitig aber auch unter neuen äußeren Rahmenbedingungen steht, die von Fachkräften ein hohes Maß an Flexibilität, Beobachtungsgabe und Kommunikation verlangen.”

Eingewöhnung braucht Zusammenarbeit: Die Bedeutung der Erziehungspartnerschaft

Nun haben wir erfahren, welche Bedeutung die Bindung und Beziehung zwischen Kind und Fachkraft für das Wohlbefinden des Kindes hat. Doch die Bindungsarbeit reicht noch viel weiter und beginnt im Grunde mit einer guten Beziehung zwischen Kita und Eltern. “Eine gute vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft ist die wichtigste Voraussetzung für eine gelingende Eingewöhnung. Es ist die Basis für eine positive Zusammenarbeit.” macht Claudia Thoma-Krüger deutlich. Damit diese Erziehungspartnerschaft von Anfang an gut gelingen kann, werden Familien bereits vor dem eigentlichen Start der Eingewöhnung umfassend durch die Kita vorbereitet. “Ganz wichtig für die Erziehungsberechtigten sind umfassende Informationen der Kindertagesstätte zum Modell und Ablauf der Eingewöhnung. Diese werden im Idealfall in einem ersten Gespräch zwischen der Bezugserzieherin und den Eltern erläutert. Eltern erfahren, dass der Eingewöhnungsprozess zeitlich individuell auf das Kind abgestimmt wird und die einzelnen Phasen der Trennung mit den Eltern besprochen und in Orientierung am Kind erfolgen. In der Regel erhalten alle Eltern schriftliche Informationen, beispielsweise im Rahmen eines Willkommensbriefes, über das Eingewöhnungsmodell der Kindertagesstätte. Sie erfahren auch, dass sehr elternbezogene Kinder länger für die Eingewöhnung brauchen und Urlaub oder besondere Belastungssituationen - zum Beispiel Umzug, Geburt eines Geschwisterkindes - nicht in dieser Zeit liegen sollten”, erklärt Claudia und betont damit auch, inwiefern Familien ihren eigenen Alltag an die Eingewöhnungsphase anpassen müssen. 

Im weiteren Verlauf stehen “Pädagog:innen und Eltern in einem regelmäßigen Austausch darüber stehen, wie sich das Kind in der Kindertagesstätte verhält und was es gegebenenfalls noch braucht, um sich weiterhin in die neue Umgebung zu integrieren. Informationen über Gepflogenheiten aus dem familiären Umfeld spielen dabei auch eine große Rolle. Ein stabiler Austausch zwischen Pädagog:innen trägt zu einer wertschätzenden Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern bei und begünstigt den Eingewöhnungsverlauf.” Dies klingt in der Theorie oft einfach, erfordert in der Praxis jedoch ein hohes Maß an Offenheit, Transparenz und gegenseitigem Vertrauen - sowohl vonseiten der Eltern als auch den pädagogischen Fachkräften. Damit diese anspruchsvolle Beziehung gelingen kann, braucht es ein einfühlsames, respektvolles und auch selbstreflexives Miteinander. “Zentral ist, dass Eltern sich ernst genommen und einbezogen fühlen – ihre Perspektiven, Sorgen und Anregungen sollten gehört und wertgeschätzt werden. Transparenz im pädagogischen Handeln sowie regelmäßige Gespräche auf Augenhöhe fördern Vertrauen und Verständnis. Verlässlichkeit, Empathie und eine wertschätzende Haltung gegenüber der Familie schaffen die Basis für eine stabile Zusammenarbeit, in der das Kind im Mittelpunkt steht”, beschreibt Claudia einen wichtigen Aspekt der pädagogischen Arbeit, der auch über die Eingewöhnungsphase hinaus von großer Bedeutung ist.

Gelingt es nicht, eine stabile und tragfähige Erziehungspartnerschaft aufzubauen, kann das zu Missverständnissen und Herausforderungen während der Eingewöhnung führen. Claudia weist darauf hin: “Insbesondere die Einhaltung von Absprachen zwischen Pädagog:innen und Erziehungsberechtigen sind ein wichtiger Bestandteil während der Eingewöhnung und die gesamte Zeit. Missverständnisse in der Eingewöhnung von Kindern in Kitas können sich auf verschiedene Aspekte beziehen, sowohl auf Seiten der Eltern als auch der Kinder und des pädagogischen Personals. Wichtig ist, dass Eltern und Pädagog:innen offen kommunizieren, um solche Missverständnisse zu vermeiden und eine positive Eingewöhnung zu ermöglichen. Eine fehlende Vorbereitung des Kindes und die fehlende Berücksichtigung der kindlichen Bedürfnisse führen zu Problemen in der Eingewöhnung. Es ist normal, dass es in der Eingewöhnung Rückschritte gibt. Diese sollten nicht als Misserfolg gewertet, sondern als Teil des Prozesses betrachtet werden. Unzureichende Berücksichtigung der Familiengeschichte und – kultur kann auf Seiten der pädagogischen Fachkräfte zu Missverständnissen führen. Es ist wichtig, die individuelle Familiengeschichte und -kultur der Kinder zu berücksichtigen, um eine kultursensible Eingewöhnung zu gewährleisten.”

Wie Eltern die Eingewöhnung mitgestalten

Angesichts der hohen Bedeutung einer gelungenen Erziehungspartnerschaft und Zusammenarbeit sind auch die Eltern in besonderer Weise gefordert. Claudia Thoma-Krüger beschreibt, was pädagogische Fachkräfte von Eltern benötigen, um das Kind bestmöglich in dem Prozess begleiten zu können: “In erster Linie benötigen pädagogische Fachkräfte die Unterstützung seitens der Eltern bei Absprachen zur Eingewöhnung, die durch eine positive Einstellung der Eltern und das Vertrauen in die Arbeit der Pädagog:innen geprägt ist. Während des Eingewöhnungsprozesses sollten Eltern geduldig sein und ihrem Kind die Zeit geben, die es braucht, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Eltern sollten sich aktiv am Eingewöhnungsprozess beteiligen, Fragen stellen und ihre Beobachtungen mit den Pädagog:innen im persönlichen Gespräch teilen. Wichtig sind Hinweise zu Gepflogenheiten des Kindes, beispielsweise wie lässt sich ein Kind trösten, wie sind die Schlafgewohnheiten des Kindes oder auch ob Allergien bestehen. Hilfreich sind das Mitgeben von persönlichen Gegenständen, wie zum Beispiel ein Lieblingsstofftier oder ähnliches. Sollten sich Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung zeigen, ist es wichtig, offen mit den Pädagog:innen darüber zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Auch Besonderheiten hinsichtlich der Familiengeschichte und – kultur erleichtern den Eingewöhnungsprozess, da auch kultursensible Faktoren berücksichtigt werden können.”

Trennungsschmerzen in der Eingewöhnung: Wenn Loslassen schwerfällt

Doch selbst wenn die Kita die Familien bestmöglich auf die Eingewöhnung vorbereitet und die Eltern wiederum die Kita mit allen notwendigen Informationen und ihrer Unterstützung begleiten, sind weder Kinder noch Eltern vor möglichen Trennungsschmerzen gefeit. In der Regel starten Familien in die Eingewöhnung mit dem Bewusstsein, dass Trennungsschmerzen vor allem beim Kind auftreten können. Deshalb sind sowohl das Berliner als auch das Münchener sowie das Tübinger Modell so gestaltet, dass sie individuell auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen und sich an dessen Fähigkeiten, mit der Trennung umzugehen, orientieren. Wie sich ein solcher Trennungsschmerz äußern kann und wovon er abhängig ist, führt Claudia aus: “Die Reaktionen von Kindern in der Eingewöhnungsphase in einer Kita sind vielfältig und hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Alter des Kindes, seiner bisherigen Betreuungserfahrung und seinem individuellen Temperament. Viele Kinder reagieren auf die Trennung von den Eltern mit Weinen und dem Wunsch, an den Eltern festzuhalten. Dies ist ein normales Bindungsverhalten und zeigt, dass das Kind seine Bezugspersonen vermisst und sich unsicher fühlt.” Im Sinne der Erziehungspartnerschaft stimmen sich Eltern und Fachkräfte dann dementsprechend zum weiteren Verlauf der Eingewöhnung ab: “Eltern und Pädagog:innen verständigen sich während der Eingewöhnung entsprechend zu den zeitlichen Trennungsversuchen und passen diese an. Eltern sollten ihren Kindern positiv begegnen und das Kind bestärken. Nachdem sich die anfängliche Aufregung gelegt hat, zeigen viele Kinder Interesse an den Spielmaterialien, der Umgebung und den anderen Kindern in der Gruppe. Indem die pädagogischen Fachkräfte das einzugewöhnende Kind beobachten, können sie auf das Kind eingehen und beispielsweise die Kontaktaufnahme mit anderen Kindern fördern.”

Worauf viele Eltern allerdings nicht vorbereitet sind, ist ihr eigener Trennungsschmerz. Denn auch für sie bedeutet die Eingewöhnung eine Phase der Umstellung, die für Erwachsene durchaus ebenso emotional herausfordernd sein kann. Viele Eltern geben ihr Kind zum ersten Mal für mehrere Stunden in die Obhut einer anderen Person, mit dem Bewusstsein, dass dies nun zum Alltag gehört. Um mit diesen Gefühlen gut umzugehen, rät Claudia Thoma-Krüger: “Eltern sollten ihre eigenen Gefühle ernst nehmen, aber zugleich reflektieren, wie sie damit umgehen. Unsicherheit und Trennungsschmerz sind ganz normal – besonders beim ersten Kita-Start. Wichtig ist, diese Emotionen nicht auf das Kind zu übertragen. Ein klarer, zugewandter Abschied gibt dem Kind Orientierung und Vertrauen. Gespräche mit den pädagogischen Fachkräften können helfen, Sorgen abzubauen und Sicherheit zu gewinnen. Auch der Austausch mit anderen Eltern wirkt oft entlastend. Es darf dabei Raum für Gefühle geben – aber ebenso, dass das Vertrauen, das Loslassen auch wachsen bedeutet: für das Kind und für die Eltern.” Gelingt es Eltern nicht, ihre eigenen Unsicherheiten und den eigenen Trennungsschmerz zu regulieren, kann sich das wiederum auf das Kind und den Eingewöhnungsprozess auswirken, erklärt Claudia weiter: “Unsicherheiten von Erziehungsberechtigten können sich auf verschiedene Weisen auf Kinder auswirken, oft in Form von erhöhter Ängstlichkeit, Unsicherheit im Verhalten oder Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. Kinder spiegeln oft die Emotionen ihrer Eltern wider und können deren Ängste und Unsicherheiten übernehmen. Überbehütende Eltern, die aus Angst vor Gefahren zu viel Kontrolle ausüben, können die Entwicklung von Selbstständigkeit und Entscheidungsfähigkeit des Kindes einschränken.”

Den Übergang bewusst gestalten: Vorbereitung auf die Kita-Eingewöhnung

Auch wenn die Eingewöhnung für Eltern und Kinder zunächst wie ein Sprung ins kalte Wasser erscheinen mag, bedeutet das nicht, dass man sich nicht darauf vorbereiten könnte. Eine gute Vorbereitung kann helfen, die neue Situation besser zu bewältigen. Wie diese aussehen kann, beschreibt Claudia: “Eltern können den Start in die Kita zuhause auf liebevolle und spielerische Weise vorbereiten. Auch vorab Besuche in der Kita ermöglichen es dem Kind, die Räumlichkeiten und Pädag:innen kennenzulernen. Abschiedsrituale können den Übergang erleichtern und dem Kind Sicherheit geben. Wichtig ist vor allem, dem Kind Sicherheit zu geben und positive Erwartungen zu wecken. Das kann durch Gespräche über die Kita, gemeinsame Bilderbuchbetrachtungen oder kleine Rollenspiele geschehen, in denen Alltagssituationen wie das Verabschieden, Spielen oder Essen nachgespielt werden. Auch der Aufbau eines stabilen Tagesrhythmus hilft, sich an neue Abläufe zu gewöhnen. Zudem stärkt es das Kind, wenn es im Alltag zunehmend kleine Aufgaben selbstständig übernehmen darf – etwa beim Anziehen oder Aufräumen. Abwechselnde Betreuung des Kindes und Unternehmungen durch ein Elternteil befördern das Aushalten von kurzen Trennungen. Die Überlegung zur Durchführung der Eingewöhnung durch das Elternteil, zu dem das Kind sich nicht so sehr hingezogen fühlt, kann die Eingewöhnung erleichtern. Vor allem aber brauchen Kinder die Zuversicht ihrer Eltern: Wer selbst Vertrauen in die neue Situation hat, vermittelt Sicherheit.”

Eingewöhnung bedeutet weit mehr, als ein Kind einfach in der Kita abzugeben. Es ist ein vielschichtiger, sensibler und sehr komplexer Prozess, der nicht nur das kindliche Erleben des Kita-Alltags beeinflusst, sondern auch langfristige Auswirkungen auf die Fähigkeit des Kindes hat, mit Übergängen, Stresssituationen und Veränderungen im weiteren Verlauf seines Lebens umzugehen. Es ist eine Phase, die nicht nur für Kinder herausfordernd ist, sondern ebenso für ihre Eltern und die pädagogischen Fachkräfte. Es ist ein Schritt, der von allen Beteiligten viel abverlangt: Vertrauen, Offenheit, Empathie, Feingefühl und gegenseitiges Verständnis. Mit der Zeit ist der Anspruch an eine gelingende Eingewöhnung gestiegen: Pädagog:innen sind gefordert, den Prozess zunehmend zu individualisieren, um den vielfältigen Bedürfnissen aller Familien gerecht zu werden. Gleichzeitig stehen Eltern vor der Aufgabe, die Eingewöhnung aktiv mitzugestalten - trotz eigener steigender Belastungen, möglichen Trennungsschmerzen und Unsicherheiten. Eingewöhnung ist eine Phase, die in ihrer Tiefe und Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte, denn sie legt den Grundstein für sichere, außerfamiliäre Beziehungen, Bildungsprozesse, Resilienz und die weitere Entwicklung des Kindes.

Wir wünschen allen Familien, Kindern und Pädagog:innen gelingende Eingewöhnungen und einen guten Start in diese wichtige gemeinsame Zeit.

Mehr Informationen zu dem Berliner, Münchener und Tübinger Modell: https://vkmk.de/presse/2025/8/6/eingewhnungsmodelle-in-der-kita-berliner-mnchener-und-tbinger-ansatz-im-vergleich

*Badanes LS, Dmitrieva J, Watamura SE. Understanding Cortisol Reactivity across the Day at Child Care: The Potential Buffering Role of Secure Attachments to Caregivers. Early Child Res Q. 2012 Jan;27(1):156-165. doi: 10.1016/j.ecresq.2011.05.005. PMID: 22408288; PMCID: PMC3295236. 

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Eingewöhnungsmodelle in der Kita: Berliner, Münchener und Tübinger Ansatz im Vergleich

Die Eingewöhnung in eine Kindertageseinrichtung stellt für Kinder und ihre Familien eine bedeutende Übergangsphase dar. Sie markiert nicht nur den Beginn eines neuen Lebensabschnitts, sondern ist auch entscheidend für die weitere Entwicklung des Kindes. Um diesen Übergang so behutsam und kindgerecht wie möglich zu gestalten, haben sich verschiedene Modelle etabliert, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und jeweils eigene methodische Ansätze verfolgen. Zu den bekanntesten gehören das Berliner Modell, das Münchener Modell und das Tübinger Modell.

Die Eingewöhnung in eine Kindertageseinrichtung stellt für Kinder und ihre Familien eine bedeutende Übergangsphase dar. Sie markiert nicht nur den Beginn eines neuen Lebensabschnitts, sondern ist auch entscheidend für die weitere Entwicklung des Kindes. Um diesen Übergang so behutsam und kindgerecht wie möglich zu gestalten, haben sich verschiedene Modelle etabliert, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und jeweils eigene methodische Ansätze verfolgen. Zu den bekanntesten gehören das Berliner Modell, das Münchener Modell und das Tübinger Modell. Im Folgenden werden die Modelle näher vorgestellt und miteinander verglichen.

Das Berliner Modell

Das Berliner Eingewöhnungsmodell basiert auf der Bindungstheorie von John Bowlby. Es verfolgt einen kindzentrierten Ansatz, der sich an den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Kindes orientiert. Die Dauer der Eingewöhnung wird entsprechend flexibel gestaltet und variiert je nach Reaktion und Verhalten des Kindes. In der Regel dauert sie ein bis drei Wochen, mindestens jedoch drei Tage. 

1. Die Grundphase

Die Grundphase umfasst in der Regel drei Tage. Während dieser Zeit besucht das Kind gemeinsam mit einem Elternteil für etwa ein bis zwei Stunden täglich die Kita. Das Kind lernt die neue Umgebung kennen und die Fachkraft nimmt vorsichtig den ersten Kontakt auf. Das Elternteil bleibt im Hintergrund, übernimmt jedoch alle pflegerischen Aufgaben. Die Fachkraft beginnt bereits in dieser Phase mit der intensiven Beobachtung, um den weiteren Verlauf der Eingewöhnung einschätzen und gegebenenfalls anpassen zu können.

2. Der erste Trennungsversuch

Nach der Grundphase erfolgt der erste Trennungsversucht: Das Elternteil verabschiedet sich vom Kind und verlässt den Raum. Wenn das Kind ruhig bleibt oder sich schnell beruhigen lässt, kann die Trennung etwa 30 Minuten dauern. Zeigt das Kind jedoch starke Trennungsängste oder lässt sich nicht beruhigen, sollte die Trennung nur wenige Minuten andauern und ein weiterer Trennungsversuch frühestens in der zweiten Woche stattfinden.  

3. Die Stabilisierungsphase

In der Stabilisierungsphase ist das Elternteil weiterhin in der Kita anwesend, zieht sich aber zunehmend zurück. Gleichzeitig intensiviert die Fachkraft den Kontakt zum Kind und übernimmt schrittweise nun auch pflegerische Aufgaben. Die Trennungszeiten werden je nach Reaktion und Bedürfnis des Kindes langsam ausgedehnt. In dieser Phase sollten alle Pflege- und Routinehandlungen, wie etwa Wickeln, Essen, Einschlafen, mindestens einmal durch die Fachkraft erfolgreich durchgeführt werden, damit das Kind Vertrauen in die Fachkraft aufbauen kann. 

Das Münchener Modell

Das Münchener Eingewöhnungsmodell geht auf ein wissenschaftliches Projekt an Münchner Kinderkrippen unter der Leitung von Kuno Beller zurück. Es basiert auf einem entwicklungspsychologischen Verständnis von Kindern als kompetente Akteure ihrer eigenen Bildungsprozesse. Zentral ist der Gedanke, dass Kinder die Eingewöhnung aktiv mitgestalten und dass Übergänge - sogenannte Transitionen - dann besser bewältigt werden, wenn sie als bedeutsam und potenziell gewinnbringend erlebt werden. Daher legt das Modell großen Wert auf eine längere Kennenlernphase und eine individuell gestaltete Beziehungsentwicklung. Die Eingewöhnung dauert in der Regel vier bis fünf Wochen. 

1. Kennenlernphase

In der Kennenlernphase besucht das Kind gemeinsam mit einem Elternteil täglich für mehrere Stunden die Kita. Es macht sich mit den neuen Räumen, Tagesabläufen, Materialien, den anderen Kindern und der Fachkraft vertraut. In dieser Zeit findet noch keine Trennung statt. Das Kind hat die Möglichkeit, im eigenen Tempo die neue Umgebung zu erkunden. Die Fachkraft beobachten dabei aufmerksam, wie sich das Kind verhält, was es interessiert und welche Bedürfnisse es zeigt.

2. Sicherheitsphase

Auf Grundlage der Beobachtungen aus der ersten Woche beginnt in der Sicherheitsphase der schrittweise Aufbau einer Beziehung zwischen Fachkraft und Kind. Die Fachkraft knüpft gezielt an die Interessen des Kindes an und bietet sich als verlässliche Bezugsperson an, indem die Fachkraft dem Kind zeigt, dass sie in der Lage ist, es gut zu begleiten und in seiner Entwicklung zu stärken. Sie übernimmt nach und nach pflegerische Aufgaben, denen die Eltern in der ersten Phase noch nachkamen. Das Elternteil ist weiterhin anwesend, zieht sich jedoch zunehmend zurück. Auch die anderen Kinder in der Kita werden in dieser Phase gezielt einbezogen, um dem Kind Erfahrungen zu ermöglichen, die Erwachsene ihm nicht in gleicher Weise vermitteln können.

3. Vertrauensphase

In dieser Phase hat das Kind inzwischen ein Grundvertrauen zur Fachkraft aufgebaut und fühlt sich in seiner neuen Umgebung sicher und geborgen. Auch die Eltern haben Vertrauen in die Kita und das pädagogische Personal entwickelt. Auf dieser Basis kann die erste Trennung stattfinden, ohne dass sie als Vertrauensbruch empfunden wird. Die Trennung erfolgt behutsam, individuell abgestimmt und stets unter enger Beobachtung der Reaktion des Kindes.

Das Tübinger Modell

Das Tübinger Modell ist im Gegensatz zum Berliner und Münchener Modell nicht in klar definierte Phasen unterteilt, sondern bietet viel eher ein flexibles Rahmenkonzept, welches sowohl an die Ressourcen der Einrichtung als auch an die individuellen Bedürfnisse der Kinder angepasst werden kann. Der Fokus liegt nicht auf dem Aufbau einer Bindung und Beziehung zu einer Fachkraft, sondern auf dem Kind als aktiver Teil einer Peergroup. Die Eingewöhnung in einer Peer bringt Kindern einen Mehrwert, den Erwachsene in dieser Form nicht leisten können: Sie treten in Interaktion mit Gleichaltrigen, lernen gemeinsam, bauen eigene Regeln und Strukturen auf, entwickeln soziale Kompetenzen und können sich gegenseitig trösten und unterstützen.

Die Eingewöhnung erfolgt in einer Peergroup von etwa drei bis fünf Kindern, begleitet von zwei Fachkräften sowie jeweils einer familiären Bezugsperson pro Kind, für ca. 1 bis 2 Stunden täglich. Die Eingewöhnung in der Peer wird in einem separaten Raum gestartet, der kindgerecht und anregend gestaltet ist. Dort können die Kinder gemeinsam die Umgebung erkunden, spielen und in Kontakt treten. Die familiären Bezugspersonen nehmen zu Beginn aktiv teil, ziehen sich jedoch nach und nach zurück. Dennoch bleiben sie auch weiterhin für ihr Kind als sicherer Rückzugsort anwesend und übernehmen die pflegerischen Aufgaben am Kind.

Die Fachkräfte beobachten kontinuierlich und intensiv die Kinder in der Peer. Sie reflektieren, analysieren das Verhalten der Kinder und bauen ein erstes Bild über deren Bindungsverhalten, Interessen und Bedürfnisse auf. Die Kinder können selbst entscheiden, zu welcher der beiden Fachkräfte es eine Bindung aufbauen möchte - oder ob es vielleicht auch zu beiden eine Beziehung eingehen möchte. Die Fachkräfte bleiben auch nach der Eingewöhnung noch als Bezugsfachkräfte der Kinder erhalten. 

Erste kleine Trennungen können bereits in der zweiten Wochenhälfte erfolgen, allerdings nur, wenn das Kind entsprechende Signale gibt und bereits sichere Beziehungen aufgebaut hat. In der zweiten Woche kann der separate Raum teilweise geöffnet werden und die Kinder können über ihren Rückzugsraum hinaus die Einrichtung erkunden und andere Gruppen besuchen - allerdings stets orientiert an den individuellen Bedürfnissen des Kindes, dem Tempo, den Signalen und Reaktionen. Entsprechend kann es sein, dass nur einzelne Kinder ihren Aktionsradius in dieser Zeit ausweiten.

Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind Beziehungen zu einer oder beiden Fachkräften aufgebaut hat sowie zu anderen Kindern, sich von seiner familiären Bezugsperson lösen kann und vertraut ist mit den anderen Räumen, Regeln, Ritualen und dem Tagesablauf.

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Von Herausforderungen und Glücksmomenten - Geschichten aus dem Kita-Alltag

Unsere Kitas sind voller wunderschöner, inspirierender Geschichten – Geschichten von engagierten Fachkräften, die sich tagtäglich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Kinder einsetzen, und Geschichten von Kindern, die mit staunenden und leuchtenden Augen jeden Tag etwas Neues lernen und erleben. Doch bleiben uns diese Geschichten leider zumeist verwehrt. Denn statt dieser positiven Erlebnisse sind es oft die Horrorgeschichten, die in den Medien verbreitet werden – Geschichten von Überlastung, Kindeswohlgefährdung und Aufbewahrung statt Bildung.

Unsere Kitas sind voller wunderschöner, inspirierender Geschichten – Geschichten von engagierten Fachkräften, die sich tagtäglich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Kinder einsetzen, und Geschichten von Kindern, die mit staunenden und leuchtenden Augen jeden Tag etwas Neues lernen und erleben. Doch bleiben uns diese Geschichten leider zumeist verwehrt. Denn statt dieser positiven Erlebnisse sind es oft die Horrorgeschichten, die in den Medien verbreitet werden – Geschichten von Überlastung, Kindeswohlgefährdung und Aufbewahrung statt Bildung. Szenarien, die jedoch nicht der allgemeinen Realität in den Kitas und der Arbeit unserer Fachkräfte entsprechen. Aus diesem Grund möchten wir heute den schönen kleinen und großen Erlebnisse, die sich jeden Tag in unseren Kitas ereignen, Raum geben und sie in den Vordergrund stellen. Wir haben hierfür einige Pädagog:innen aus unserem Verband gebeten, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit uns zu teilen. Ihre Geschichten zeigen, wie wertvoll und bereichernd die Arbeit in einer Kita wirklich ist.

Eine starke Erziehungspartnerschaft

Die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern spielt eine zentrale Rolle in der pädagogischen Arbeit. Nicht immer kann es einfach sein, eine starke Partnerschaft mit den Eltern aufzubauen, da sie viel Vertrauen erfordert. Umso schöner ist es, zu hören, wie stark die Zusammenarbeit, das Vertrauen und die Wertschätzung zwischen Eltern und Fachkräften in den Kitas unserer Mitglieder ist. Sie berichten von gemeinsamen Gartentagen, bei denen Eltern und Fachkräfte zusammen anpacken, Eltern, die bei den Fachkräften um Rat für besondere Situationen im Familienalltag fragen, Eltern, die zu den Geburtstagen von Teammitgliedern liebevoll Kuchen backen und Eltern, die auch mal den Fachkräften ein offenes Ohr schenken, wenn sie merken, dass sie etwas belastet. 

Doch die Erziehungspartnerschaft verlangt oft nicht nur viel Vertrauen, sondern auch Verständnis in schwierigen Zeiten, wie der Pandemie: “Jegliche Unterstützung während und nach Corona – das Verständnis und die Geduld der Eltern bei Reduzierungen, Kürzungen der Öffnungszeiten und ähnlichem – waren entscheidend. Statt Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Demütigungen hatten wir offene, konstruktive Gespräche und gemeinsame Lösungsfindungen.”, erinnert sich eine Fachkraft. 

Wie wichtig eine starke Erziehungspartnerschaft auch für die Entwicklung der Kinder ist, zeigt uns auch eine ganz besondere Geschichte aus einer Kita. Eine Pädagogin erzählt von zwei Kindern, die von Schwerstmehrfachbehinderung betroffen waren. „Zu Beginn hörten wir von den Eltern oft Sätze wie ‚Mein Kind kann nichts‘ oder ‚Ich habe Angst, wie es in der Schule werden soll und was passiert, wenn ich nicht mehr da bin‘. Spätestens als am Ende der Kita-Zeit für diese zwei Kinder feststand, dass sie in Regelschulen eingeschult werden - wenn auch mit Assistenz - , konnte man zweimal mehr davon sprechen, dass die Partnerschaft zwischen Kita und Eltern und Therapeut:innen gelungen ist.“

Gemeinsam stark im Team

Doch natürlich ist nicht nur die Zusammenarbeit mit den Eltern von großer Bedeutung, sondern ebenso das Miteinander im Team. Kollegialität und Zusammenhalt im Team sind wichtige Bestandteile, um gemeinsam Herausforderungen und schwierige Zeiten gut meistern zu können. Wie dies in der Praxis aussehen kann, berichtet eine Fachkraft aus ihrem Alltag: “Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt und Fürsorge gegenüber jedem Einzelnen – sei es durch das Abnehmen von Kindern mit Auffälligkeiten, um mal durchzuatmen, das Verzichten auf Vorbereitungszeiten oder Freiräume, um andere nicht allein stehen zu lassen - es könnte einem selbst ja auch einmal so ergehen - , oder kleine Aufmerksamkeiten der Kitaleitung zur Motivation und Anerkennung.“ Insgesamt wird häufig große Wertschätzung für die Unterstützung durch den Träger oder das Leitungsteam geäußert: “Wir haben ein gut funktionierendes Leitungsteam, welches das gesamte Team in regelmäßigen Teamsitzungen unterstützt und an allen Herausforderungen gemeinsam arbeitet.” In einer weiteren Kita sorgt der Träger dafür, dass sich das Team auf das Wesentliche konzentrieren kann: „Unser Träger kümmert sich um sehr viele Pflichten jenseits der Pädagogik und der "Arbeit am Kind", damit unser Team die "wirkliche" Arbeit leisten kann.” Und auch wenn einmal nicht alles rund läuft, gibt es Wege damit konstruktiv umzugehen: ”Reden und sehen. Wir versuchen eine positive Fehlerkultur zu leben.”

Dies zeigt, dass trotz der Herausforderungen im Kita-Alltag ein starkes Miteinander, Vertrauen, Respekt und gegenseitige Unterstützung der Schlüssel sind, um Lösungen zu finden und gemeinsam bestmöglich für die Kinder da zu sein.

Leuchtende Kinderaugen: Besondere Erlebnisse in der Kita

Der Kita-Alltag besteht aus lauter kleinen und großen besonderen Momenten, die Kinderaugen zum Leuchten bringen und es gibt immer wundervolle Erlebnisse, die die Kinder zum strahlen bringen: von spannenden Waldtagen und kreativen Musikprojekten über besondere Ausflüge bis hin zu jeglichen Aktivitäten, bei denen sie sich bewegen, fühlen und experimentieren können. Erst kürzlich, zur Faschingszeit, fand ein solches besonderes Ereignis statt: “Die Kinder präsentierten sich stolz in ihren Kostümen, wie auf einem roten Teppich.”, erzählt eine Fachkraft. Ein weiteres Highlight, das in einer Kita regelmäßig stattfindet, ist das „Kinderhotel“: Einmal im Monat übernachten die Kinder unter einem bestimmten Motto von Freitag auf Samstag in der Kita.

Doch nicht nur diese großen Ereignisse bereiten Kindern eine besondere Freude, auch die kleinen Momente können Großes bewegen. Es sind die Augenblicke, in denen sich die Kinder gehört, gesehen und anerkannt fühlen – sei es im Morgenkreis oder bei allem was situationsbedingt direkt aufgegriffen und umgesetzt wird. „Die leuchtenden Augen der Kinder beobachten wir nicht nur bei besonderen Ideen oder Aktivitäten“, sagt eine Fachkraft. “Das Bemerkenswerte ist vielmehr, dass wir bereits in vielen - scheinbar nicht besonderen - Kita-Alltagssituationen mit glücklichen Kinderaugen erfreut werden. Auch und gerade dies zeigt, dass die wertvolle Tätigkeit von Pädagog:innen nicht zuletzt aus den Alltagssituationen einen Zauber entfalten kann.” 

Berührende Geschichten aus dem Kita-Alltag

Wie wertvoll die Arbeit unserer Fachkräfte und Kitas ist, zeigt sich in den vielen berührenden und beeindruckenden Geschichten aus dem Alltag. Geschichten, die zeigen, dass die pädagogische Arbeit weit über die Bildung und Betreuung hinausgeht und essentiell für die Entwicklung, die Startchancen und das Wohlbefinden der Kinder ist. Ein besonderes Beispiel hierfür kommt von einer Fachkraft, die von ihrer Arbeit mit einem Kind mit Trisomie 21 berichtete: “Wir betreuen ein Kind mit Trisomie 21 und am Anfang war eine Kommunikation mit dem Kind so gut wie unmöglich. Es war zwei Jahre alt, rumänischer Herkunft, verstand kein Wort deutsch, weinte viel, biss und schubste andere Kinder. Jetzt ist das Kind 4 Jahre und mit Unterstützung einer Heilpädagogin konnten Strukturen, Kommunikationshilfsmittel und vieles mehr erarbeitet werden, die ein entspanntes Umgehen mit diesem Kind in der Gemeinschaft möglich machen. Spielen mit anderen Kindern war bis vor Kurzem nicht möglich. Jetzt spielt sie, beziehungsweise auch andere Kinder mit ihr zusammen. Sie umarmt andere Kinder und Erzieher:innen. Sie zeigt auf Bilder, wenn sie etwas möchte und auch wenn sie nur lautiert, nimmt sie auf eine angenehme Art mit allen Kontakt auf. Es ist so schön zu sehen, wie dieses Kind sich entwickelt hat und wir es auch in einer schwierigen und personell engen Situation geschafft haben, so etwas Wundervolles zu erreichen.” 

Eine weitere Fachkraft berichtet von den Momenten, in denen deutlich wird, wie wichtige die Arbeit nicht nur für die Kinder, sondern für die ganze Familie ist: “Die wiederholte rührende Dankbarkeit der Eltern, insbesondere der Eltern von Kindern, die von Behinderung betroffenen - auch mehrfach schwerstbehinderten - betroffen sind, wenn diese Kinder unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status, nicht nur in unserer Kita aufgenommen werden, sondern über die Zeit hinweg kontinuierlich - teils sehr erstaunliche - Fortschritte machen. Nicht selten haben diese Eltern kafkaeske 'Kämpfe' auch und gerade mit Behörden hinter sich und freuen sich, wenn sie bei den entsprechenden Behörden- und Verwaltungsverfahren von unserer Kita, beziehungsweise von unserem Träger Unterstützung erhalten. Nicht selten haben Eltern - auch und gerade aus diesem Kreis - bei landeseigenen Betrieben erfahren müssen, dass ihre Kinder dort nicht aufgenommen oder nicht weiter betreut werden können, etwa wegen Überlastung oder Überforderung. In die Gesichter dieser Kinder - egal aus welchen anderen Kulturen sowie Regionen dieser Erde sie stammen - und deren Eltern zu schauen, ist eine besondere Freude.” Die Auswirkungen der inklusiven Arbeit reichen jedoch weit über das individuelle hinaus: “In unserer mehrsprachigen und inklusiven Kita haben wir solche Bilder häufiger, dass Kinder sich um einander kümmern; besonders rührend ist, wenn Kinder mit Diagnosen aus dem autistischen Spektrum zusammen mit Kindern ohne besondere Herausforderungen sich um unsere schwerstmehrfachbehinderten Kinder kümmern und mit ihnen gemeinsam feiern.” Solch inklusive Arbeit in den Kitas ist nicht nur der Grundstein für die individuelle Entwicklung und den späteren Lebensweg der Kinder von großer Bedeutung, sondern für unsere gesamte, zukünftige Gesellschaft. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass Respekt, Toleranz und Zusammenhalt bereits in jungen Jahren selbstverständlich werden - etwas, wovon so mancher Erwachsene sich eine Scheibe abschneiden kann.

Von kleinen Gesten und großer Wirkung – Warum die Kita-Arbeit so bereichernd ist

In dieser Arbeit fließt nicht nur viel Energie und Hingabe von den Pädagog:innen zu den Kindern, sondern auch von den Kindern zurück. Sie zeigen ihre Dankbarkeit und Wertschätzung auf ihre ganz eigene, berührende Weise. Eine Pädagogin erinnert sich an einen besonderen Tag, an dem viele Kinder krank waren: „Zur Mittagsruhe blieben nur noch drei Kinder übrig – eine äußerst seltene Situation. Zwei Kinder waren der Meinung, dass es nun endlich genug Platz gibt, damit auch Ihre Erzieherin sich zur Mittagszeit hinlegen kann und holten sogleich zwei Matratzen für sie.” Ein weiteres rührendes Erlebnis aus dem Kita-Alltag berichtet eine weitere Fachkraft: „Als ich nach einer längeren Auszeit wegen eines Trauerfalls wieder in die Kita kam, war die Freude der Kinder so groß, dass sie mich fast umgerannt haben.”

Jeder Tag in der Kita hält neue Überraschungen bereit. Es gibt Herausforderungen, Momente der Erschöpfung, aber auch Augenblicke voller Wärme und Glück: “Es ist sehr anstrengend und herausfordernd. Manchmal weiß man nicht, wie man die Dinge schaffen soll. Wenn einer krank wird, kann es schonmal sehr sehr herausfordernd sein. Aber wir sind ein gutes Team, das sich möglichst gegenseitig zu unterstützen versucht. Wir haben wundervolle Kinder und wir haben sehr entspannte Eltern. Wenn dich ein Kind in den Arm nimmt und sagt ‘nur noch mal kurz drücken’, damit es gut in den Tag starten kann und du merkst, dass das ein Moment ist, der dich glücklich macht, dann bist du hier richtig. Egal wie schlecht es dir geht, wenn ein Kind dich anstrahlt oder Quatsch mit dir macht, wird es dir besser gehen. Die Arbeit mit Kindern ist der beste Trost und der beste emotionale Aufbau, den ich selbst je erlebt habe.” 

Diese Geschichten zeigen, wie besonders, wundervoll und facettenreich die pädagogische Arbeit ist. Es sind Geschichten von Erfolg, Zusammenarbeit, Dankbarkeit und Freude – Geschichten, die jeden Tag in der Kita passieren. Und es sind die Geschichten, die erzählt werden sollten. Natürlich gibt es zahlreiche Herausforderungen im Kita-Alltag - nicht zuletzt aufgrund struktureller Defizite, die einer unzureichenden Bildungspolitik in der frühkindlichen Bildung zugrunde liegen und dringend einer Verbesserung bedürfen. Doch trotz schwieriger Rahmenbedingungen, personeller Engpässe und anderer Hürden setzen sich unsere Fachkräfte und Kitas mit unermüdlichem Einsatz dafür ein, den Kindern ein sicheres und förderliches Umfeld für ihre Entwicklung zu schaffen. Und wer darüber nachdenkt, in der Kita zu arbeiten, dem sei ein Satz einer Fachkraft besonders ans Herz gelegt: „Einfach machen!“.

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Die Kunst der Eingewöhnung

Das neue Kita-Jahr ist gestartet und viele Eltern bringen ihren Nachwuchs nun das erste Mal in eine Kindertageseinrichtung. Für viele Familien stellt dies einen großen Schritt und eine sehr sensible Zeit dar: Das Kind verlässt oftmals zum ersten Mal für eine längere Zeit das gewohnte Umfeld familiärer Geborgenheit.

Das neue Kita-Jahr ist gestartet und viele Eltern bringen ihren Nachwuchs nun das erste Mal in eine Kindertageseinrichtung. Für viele Familien stellt dies einen großen Schritt und eine sehr sensible Zeit dar: Das Kind verlässt oftmals zum ersten Mal für eine längere Zeit das gewohnte Umfeld familiärer Geborgenheit. Es lernt viele fremde Menschen kennen, zu denen es neue Beziehungen aufbauen darf, und muss gleichzeitig lernen, sich an eine komplett neue Umgebung, mit anderen Regeln, Routinen und Tagesabläufen zu gewöhnen. Doch nicht nur für Kinder ist dies eine Herausforderung. Auch Eltern befinden sich zu dieser Zeit in einem Lern- und Umgewöhnungsprozess: Sie lassen ihr Kind nun das erste Mal los und übergeben es in die Hand einer anderen Person. Da dies eine solch emotionale und sensible Phase ist, die viele Chancen, aber auch Risiken in sich birgt, bedarf es eines besonderen Feingefühls und einer bedachten Herangehensweise, um den Prozess der Eingewöhnung erfolgreich zu gestalten.

Transitionsprozesse in der Eingewöhnung 

Eine erfolgreiche Eingewöhnung ist nicht nur entscheidend für den unmittelbaren Kita-Aufenthalt, sondern auch für das zukünftige Leben des Kindes. Es ist für die meisten Kinder die erste größere Transition, die sie erleben. Nach dem IFP Transitionsmodell von Griebel und Niesel vollzieht sich dieser Übergang auf drei Ebenen: Auf der individuellen Ebene bewältigen Kinder starke Gefühle und entwickeln ein verändertes Selbstbild. Auf der interaktionellen Ebene erleben sie die Trennung von vertrauten Bezugspersonen und müssen neue Beziehungen aufbauen. Auf der kontextuellen Ebene geht es darum, sich in einer neuen, ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Dieser gesamte Prozess ist natürlicherweise mit Stress und Unsicherheiten verbunden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten beispielsweise einen deutlichen Anstieg des Stresshormons Cortisol bei Kleinkindern, die von ihren Eltern getrennt werden. Es gibt Wissenschaftler:innen, die sogar von dem Erleben einer echten Krise sprechen. Dabei wird von den Kindern viel Bewältigungsfähigkeit und Resilienz abverlangt. Die Art und Weise, wie Kinder diese erste größere Transition erleben, wie viel Unterstützung und Sicherheit sie dabei erhalten, kann langfristige Auswirkungen auf ihren Umgang mit zukünftigen Übergängen, Stresssituationen und Veränderungen haben. Wichtig ist deshalb, dass das Kind schnell lernt, sichere Bindungen zu seinen neuen Bezugspersonen in der Kita aufzubauen, den Fachkräften. Daher ist es entscheidend, dass das Kind in den Fachkräften Menschen findet, die seine Bedürfnisse wahrnehmen und ihm Verständnis und Unterstützung, vor allem in unangenehmen Situationen, entgegenbringen. Doch nicht nur die Kinder erleben bei der Eingewöhnung eine Transition, sondern auch die Eltern, wie Isabell Springmann, Kindheitspädagogin und Pädagogische Gesamtleiterin und Fachberatung bei W & W Wunderkids Berlin, betont. Sie müssen sich zunächst an die neue Situation gewöhnen, die damit verbundenen Gefühle wie Trauer und Sorge verarbeiten und ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Fachkräften sowie zu den neuen Lebensumständen aufbauen. Die Fachkräfte haben daher die verantwortungsvolle Aufgabe, nicht nur die Kinder einzugewöhnen, sondern auch die Eltern in diesem Prozess einfühlsam zu unterstützen. Wie Eltern mit diesem Übergang umgehen, hat einen erheblichen Einfluss auf den Eingewöhnungsprozess ihrer Kinder. Isabell erklärt: „Eltern sind nicht nur Unterstützer des Übergangs ihrer Kinder, sondern erleben dabei einen eigenen Übergang und haben maßgeblich Einfluss auf eine gelungene Eingewöhnung. Trennungsängste der Eltern können nur durch den Vertrauensaufbau in die Kita und das Fachpersonal abgebaut werden. Dies bildet eine wesentliche Grundlage dafür, dass Kinder dann Bindungen zu den Erzieherinnen aufbauen können.” In diesem Zusammenhang verweist Isabell auch auf das IFP-Transitionsmodell: „Transitionskompetenz ist nach Griebel und Niesel die Kompetenz des gesamten sozialen Systems, sprich aller am Prozess Beteiligten.“ Dies unterstreicht, dass eine erfolgreiche Eingewöhnung nicht nur von den Kindern abhängt, sondern auch von der aktiven Teilnahme und Unterstützung der Eltern sowie der Fachkräfte. Eine gelungene Eingewöhnungsphase, in der alle Parteien harmonisch kooperieren, bildet die Basis für eine starke Bildungs- und Erziehungspartnerschaft und ist entscheidend für einen erfolgreichen frühkindlichen Bildungsprozess. 

Ziele einer erfolgreichen Eingewöhnung

Wie gut die Eingewöhnung funktioniert hat, kann sich unter anderem darin zeigen, ob sich das Kind nach der Trennung von den Eltern von der Fachkraft trösten lässt, ob es sich bereitwillig schlafen legen lässt und ob es sich von der Fachkraft wickeln lässt. Neben dem Erleben von sicheren Beziehungen ist ein weiteres Ziel, dass das Kind sich in seiner neuen Umgebung lernt, zurechtzufinden und sich wohlfühlen kann, dass es die Kita als einen sicheren, geschützten Raum wahrnimmt. Dies bedeutet, dass das Kind Neugierde zeigt, die Räumlichkeiten erkundet, mit anderen Kindern spielt, am Gruppengeschehen teilnimmt und sich an die neuen Regeln und Routinen anpasst. In diesem Kontext betont Isabell Springmann auch die entscheidende Rolle einer gelungenen Eingewöhnung für die weiteren Bildungsprozesse der Kinder: “Kinder benötigen das Gefühl der Sicherheit, das durch eine gute und sichere Bindung zu den pädagogischen Fachkräften entsteht, um sich so frei und sicher zu fühlen, dass sie sich explorieren die Welt aneignen und Bildungsimpulse aufgreifen können. Kurzum, eine gelungene Eingewöhnung ist die essentielle Basis für Bildungsprozesse.” Eine gelungene Eingewöhnung bildet somit nicht nur den Startpunkt, sondern auch das Fundament für eine positive und nachhaltige Entwicklung der Kinder.

Die Folgen mangelnder Eingewöhnung

Wie wichtig eine sanfte Eingewöhnung ist, konnten bereits verschiedene Studien aufzeigen, darunter auch Untersuchungen eines Berliner Forschungsteams um H. J. Laewen und B. Andres. In ihrer Studie wiesen sie nach, dass eine unzureichende Eingewöhnung erhebliche gesundheitliche, verhaltensbezogene und entwicklungspsychologische Folgen für Kinder haben kann. Kinder, die ohne angemessene Eingewöhnung in die Kita kommen, waren demnach in den ersten Monaten ihres Kita-Besuchs bis zu viermal häufiger krank. Zusätzlich zeigten Kinder, die nicht ausreichend eingewöhnt werden, verstärkt ängstliches Verhalten. Diese Kinder hatten Schwierigkeiten, sich in ihre neue Umgebung einzufinden und Bindungen aufzubauen. Besonders gravierende machten sich diese Auswirkungen bei Kindern unter zwei Jahren bemerkbar. 

Der Weg zur gelungenen Eingewöhnung

Die Eingewöhnung ist von Kita zu Kita meist unterschiedlich und auch abhängig von den der Kita zur Verfügung stehenden Ressourcen. Dennoch gibt es ein paar allgemeingültige Faktoren, die essentiell für eine gelungene Eingewöhnung sind. In den meisten Fällen ist zu Beginn eine, beziehungsweise nur wenige Fachkräfte für das Kind zuständig, damit es nicht überfordert wird und erstmal eine sichere und stabile Bindung zu einer fremden Person aufbauen kann, bevor weitere Personen ins Spiel kommen. Dabei sind intensive Gespräche und eine enge Zusammenarbeit mit der Familie wichtig, damit die Fachkraft sowohl das Familienkonzept, als auch die Form der bisher erlebten Beziehungen und die individuellen Bedürfnisse des Kindes kennen und verstehen lernt. Insbesondere in Berlin ist dabei der Umgang mit der Vielfalt von Familien ein sehr wichtiger Aspekt in diesem Prozess, da unsere Gesellschaft eine breite Palette an unterschiedlichsten Familienkonzepten aufzuweisen hat. Die Reflexion über das eigene Bild von Familien und die Offenheit gegenüber verschiedenen kulturellen Hintergründen sind entscheidend, um die unterschiedlichen Lebenswelten der Familien besser zu verstehen und anzuerkennen. Mit diesen Erkenntnissen kann dann der Eingewöhnungsprozess in der Kita an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden. Die Eingewöhnung selbst ist ein strukturierter Prozess, der vom pädagogischen Team sorgfältig geplant und ausgeführt wird. Optimalerweise werden pro Woche nur wenige Kinder neu aufgenommen, um das Team nicht zu überlasten und den Kindern genügend individuelle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Personalressourcen dafür zur Verfügung stehen. In den ersten Tagen sollte dann das Kind von einem Elternteil begleitet werden. Nach und nach wird diese Zeit reduziert, bis das Kind das erste Mal alleine Zeit in der Kita verbringt. 

Modelle der Eingewöhnung

Um die Eingewöhnung gut zu strukturieren, wird in sehr vielen Kitas auf zwei etablierte Eingewöhnungmodelle zurückgegriffen: Das Berliner und das Münchener Eingewöhnungmodell. 

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde von dem bereits erwähnten Forschungsteam um Laewen und Andres entwickelt. Es umfasst fünf Phasen, die einen sanften, bedürfnisorientierten, strukturierten und gleichzeitig flexiblen Übergang in die Kindertagesstätte ermöglichen.

1. Informationsphase: Zu Beginn tauschen sich Eltern, bzw. die Bezugspersonen, und Fachkräfte über die Bedürfnisse, Gewohnheiten und Vorlieben des Kindes aus. Gleichzeitig wird der Ablauf der Eingewöhnung erklärt, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen.

2. Grundphase: Das Kind besucht für ein bis zwei Stunden täglich mit einem Elternteil die Kita, um die Umgebung und Routinen, wie den Morgenkreis, kennenzulernen. Die Fachkraft nimmt behutsam Kontakt zum Kind auf, während das Elternteil sich im Hintergrund hält, aber bei pflegerischen Aufgaben aktiv bleibt. Das Modell legt dabei großen Wert auf die Bedürfnisse der Kinder: Wenn das Kind zunächst alles aus der Nähe seiner Bezugsperson beobachten möchte, wird dies dementsprechend respektiert und unterstützt.

3. Erster Trennungsversuch: Nach der Grundphase erfolgt der erste Trennungsversuch, bei dem sich das entsprechende Elternteil für etwa eine halbe Stunde verabschiedet. Die Reaktion des Kindes spielt dabei eine entscheidende Rolle für den weiteren Verlauf der Eingewöhnung. Zeigt das Kind wenig Trennungsangst oder lässt sich schnell beruhigen, kann die Eingewöhnung in etwa einer Woche abgeschlossen werden. Andernfalls wird die Eingewöhnung auf zwei Wochen oder länger verlängert. Nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell geht das Verhalten der Kinder auf ihren Bindungstyp zurück: Einem sicher gebundenen Kind wird die Trennung schwerer fallen, während ein unsicher gebundenes Kind sich schneller in der neuen Umgebung zurechtfindet. In dieser Phase ist es für die Bezugsperson wichtig, ihrem Kind Sicherheit zu vermitteln, auch wenn ihnen dieser Schritt ebenfalls schwerfällt.

4. Stabilisierungsphase: In dieser Zeit zieht sich das Elternteil zunehmend zurück, während die Fachkraft den Kontakt zum Kind intensiviert und es stärker in den Kita-Alltag einbindet. Je nach Reaktion des Kindes wird die Anwesenheit der Bezugsperson weiter reduziert, bis es nur noch gebracht und abgeholt wird. Bei Kindern, bei denen der Trennungsversuch nicht erfolgreich war, wird diese Phase verlängert, bis ein erneuter Trennungsversuch nach einer Woche unternommen wird.

5. Schlussphase: Das Kind kann nun mehrere Stunden täglich allein in der Kita verbringen, ist integriert und hat bereits stabile Beziehungen zu den Fachkräften und anderen Kindern aufgebaut. Die Eltern sind nur noch für Notfälle erreichbar. Für die Fachkräfte bedeutet dies jedoch nicht das Ende der Eingewöhnung, denn sie müssen weiterhin das Vertrauen des Kindes festigen.

Das Münchener Eingewöhnungsmodell wurde von dem Entwicklungspsychologen Kuno Beller und seinem Team entwickelt. Auch dieses Modell zielt darauf ab, den Übergang des Kindes in die Kindertagesstätte möglichst sanft und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt zu gestalten. Allerdings legt es einen stärkeren Fokus auf die Einbeziehung der Eltern, bzw. der Bezugspersonen, in den Kita-Alltag in den ersten Phasen und ist auf einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen angelegt:

1. Vorbereitungsphase: Ähnlich wie im Berliner Modell findet zu Beginn ein Austausch zwischen den Fachkräften und den Eltern des Kindes über wichtige Informationen zum Kind und zur Gestaltung der Eingewöhnung statt.

2. Kennenlernphase: Das Kind verbringt eine Woche täglich mehrere Stunden mit einem Elternteil in der Kita, um die Abläufe und Routinen kennenzulernen, ohne dass eine Trennung stattfindet. Die Fachkraft hält sich zunächst zurück.

3. Sicherheitsphase: Das Elternteil bleibt weiterhin mehrere Stunden mit dem Kind in der Kita, jedoch zieht es sich zunehmend zurück. Währenddessen übernimmt die zuständige Fachkraft allmählich immer mehr pflegerische Aufgaben und beginnt, einen vertrauensvollen Kontakt zum Kind aufzubauen.

4. Vertrauensphase: Der erste Trennungsversuch erfolgt in der dritten oder vierten Woche. Reagiert das Kind positiv, wird die Trennungszeit schrittweise verlängert. Hat das Kind Schwierigkeiten, wird der Versuch nach einigen Tagen wiederholt..

5. Reflexionsphase: In der letzten Phase reflektieren Fachkraft und Eltern den gesamten Eingewöhnungsprozess und besprechen Aspekte, die in Zukunft weiterhin beachtet werden sollten. Im Münchener Modell finden solche Gespräche während des gesamten Prozesses regelmäßig statt, um eine solide Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen der Kita und den Eltern/Bezugspersonen zu etablieren.

Die Eingewöhnung ist ein überaus anspruchsvoller und vielschichtiger Prozess, der Geduld, Feingefühl, Empathie und Vertrauen von allen Beteiligten erfordert. In diesen sensiblen Wochen wird der Grundstein für Bildungsprozesse und zukünftige Übergänge im Leben der Kinder gelegt. Die Art und Weise, wie Kinder, Eltern und Fachkräfte miteinander interagieren, hat nachhaltige Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder und ihren Umgang mit Veränderungen. Der VKMK möchte sich daher bei allen Fachkräften bedanken, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, dass jedes Jahr neue Kinder erfolgreich in unsere Kitas eingewöhnt werden und positive Bindungserfahrungen machen dürfen. Ihre Arbeit trägt maßgeblich dazu bei, dass die neuen Kita-Kinder bestens auf ihren weiteren Lebensweg und zukünftige Übergangssituationen vorbereitet werden. Gleichzeitig fordert der VKMK von der Politik eine stärkere Unterstützung für diese essenzielle Arbeit. Es ist dringend erforderlich, die Rahmenbedingungen durch eine verbesserte Personalausstattung zu optimieren, um den Fachkräften die Entlastung und Zeit zu bieten, die sie benötigen, um ihre Arbeit qualitativ hochwertig ausführen zu können. Nur durch eine starke Zusammenarbeit und das Verständnis für die Komplexität der Eingewöhnung kann sichergestellt werden, dass Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem sie positive Erfahrungen sammeln können.


Quellen: 

Ahnert, L. et. al. (2004): Transition to Child Care: Association With Infant-Mother Attachement, Infant Negative Emotion and Cortisol Elevation. In: Child Development. 75.

Braukhane, K. & Knobeloch, J. (2003). Das Berliner Eingewöhnungsmodell – Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung. In KiTa Fachtexte [Journal-article].  https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_Braukhane_Knobeloch_2011.pdf. 

Griebel, Wilfried und Renate Niesel, 2017. Übergänge verstehen und begleiten: Transitionen in der Bildungslaufbahn von Kindern. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen. 

Laewen, H. J. (1989), Nichtlineare Effekte einer Beteiligung von Eltern am Eingewöhnungsprozeß von Krippenkindern. In: Psychologie in Erziehung und Unterricht. 36(2).

Laewen, H. J.; Andres, B. & Hédervári, É. (2006): Ohne Eltern geht es nicht. Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen. Berlin: Cornelsen Scriptor, 4. Auflage.

S, Christiane. (2024, 11. Juli). Eingewöhnungsmodelle: das Münchener und das Berliner  Modell. Wissen. https://www.kita.de/wissen/eingewoehnungsmodelle/#google_vignette.

Wustmann, C., 2004. Resilienz: Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Weinheim und Basel: Beltz.

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