Unsere Kitas sind voller wunderschöner, inspirierender Geschichten – Geschichten von engagierten Fachkräften, die sich tagtäglich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Kinder einsetzen, und Geschichten von Kindern, die mit staunenden und leuchtenden Augen jeden Tag etwas Neues lernen und erleben. Doch bleiben uns diese Geschichten leider zumeist verwehrt. Denn statt dieser positiven Erlebnisse sind es oft die Horrorgeschichten, die in den Medien verbreitet werden – Geschichten von Überlastung, Kindeswohlgefährdung und Aufbewahrung statt Bildung. Szenarien, die jedoch nicht der allgemeinen Realität in den Kitas und der Arbeit unserer Fachkräfte entsprechen. Aus diesem Grund möchten wir heute den schönen kleinen und großen Erlebnisse, die sich jeden Tag in unseren Kitas ereignen, Raum geben und sie in den Vordergrund stellen. Wir haben hierfür einige Pädagog:innen aus unserem Verband gebeten, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit uns zu teilen. Ihre Geschichten zeigen, wie wertvoll und bereichernd die Arbeit in einer Kita wirklich ist.
Eine starke Erziehungspartnerschaft
Die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern spielt eine zentrale Rolle in der pädagogischen Arbeit. Nicht immer kann es einfach sein, eine starke Partnerschaft mit den Eltern aufzubauen, da sie viel Vertrauen erfordert. Umso schöner ist es, zu hören, wie stark die Zusammenarbeit, das Vertrauen und die Wertschätzung zwischen Eltern und Fachkräften in den Kitas unserer Mitglieder ist. Sie berichten von gemeinsamen Gartentagen, bei denen Eltern und Fachkräfte zusammen anpacken, Eltern, die bei den Fachkräften um Rat für besondere Situationen im Familienalltag fragen, Eltern, die zu den Geburtstagen von Teammitgliedern liebevoll Kuchen backen und Eltern, die auch mal den Fachkräften ein offenes Ohr schenken, wenn sie merken, dass sie etwas belastet.
Doch die Erziehungspartnerschaft verlangt oft nicht nur viel Vertrauen, sondern auch Verständnis in schwierigen Zeiten, wie der Pandemie: “Jegliche Unterstützung während und nach Corona – das Verständnis und die Geduld der Eltern bei Reduzierungen, Kürzungen der Öffnungszeiten und ähnlichem – waren entscheidend. Statt Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Demütigungen hatten wir offene, konstruktive Gespräche und gemeinsame Lösungsfindungen.”, erinnert sich eine Fachkraft.
Wie wichtig eine starke Erziehungspartnerschaft auch für die Entwicklung der Kinder ist, zeigt uns auch eine ganz besondere Geschichte aus einer Kita. Eine Pädagogin erzählt von zwei Kindern, die von Schwerstmehrfachbehinderung betroffen waren. „Zu Beginn hörten wir von den Eltern oft Sätze wie ‚Mein Kind kann nichts‘ oder ‚Ich habe Angst, wie es in der Schule werden soll und was passiert, wenn ich nicht mehr da bin‘. Spätestens als am Ende der Kita-Zeit für diese zwei Kinder feststand, dass sie in Regelschulen eingeschult werden - wenn auch mit Assistenz - , konnte man zweimal mehr davon sprechen, dass die Partnerschaft zwischen Kita und Eltern und Therapeut:innen gelungen ist.“
Gemeinsam stark im Team
Doch natürlich ist nicht nur die Zusammenarbeit mit den Eltern von großer Bedeutung, sondern ebenso das Miteinander im Team. Kollegialität und Zusammenhalt im Team sind wichtige Bestandteile, um gemeinsam Herausforderungen und schwierige Zeiten gut meistern zu können. Wie dies in der Praxis aussehen kann, berichtet eine Fachkraft aus ihrem Alltag: “Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt und Fürsorge gegenüber jedem Einzelnen – sei es durch das Abnehmen von Kindern mit Auffälligkeiten, um mal durchzuatmen, das Verzichten auf Vorbereitungszeiten oder Freiräume, um andere nicht allein stehen zu lassen - es könnte einem selbst ja auch einmal so ergehen - , oder kleine Aufmerksamkeiten der Kitaleitung zur Motivation und Anerkennung.“ Insgesamt wird häufig große Wertschätzung für die Unterstützung durch den Träger oder das Leitungsteam geäußert: “Wir haben ein gut funktionierendes Leitungsteam, welches das gesamte Team in regelmäßigen Teamsitzungen unterstützt und an allen Herausforderungen gemeinsam arbeitet.” In einer weiteren Kita sorgt der Träger dafür, dass sich das Team auf das Wesentliche konzentrieren kann: „Unser Träger kümmert sich um sehr viele Pflichten jenseits der Pädagogik und der "Arbeit am Kind", damit unser Team die "wirkliche" Arbeit leisten kann.” Und auch wenn einmal nicht alles rund läuft, gibt es Wege damit konstruktiv umzugehen: ”Reden und sehen. Wir versuchen eine positive Fehlerkultur zu leben.”
Dies zeigt, dass trotz der Herausforderungen im Kita-Alltag ein starkes Miteinander, Vertrauen, Respekt und gegenseitige Unterstützung der Schlüssel sind, um Lösungen zu finden und gemeinsam bestmöglich für die Kinder da zu sein.
Leuchtende Kinderaugen: Besondere Erlebnisse in der Kita
Der Kita-Alltag besteht aus lauter kleinen und großen besonderen Momenten, die Kinderaugen zum Leuchten bringen und es gibt immer wundervolle Erlebnisse, die die Kinder zum strahlen bringen: von spannenden Waldtagen und kreativen Musikprojekten über besondere Ausflüge bis hin zu jeglichen Aktivitäten, bei denen sie sich bewegen, fühlen und experimentieren können. Erst kürzlich, zur Faschingszeit, fand ein solches besonderes Ereignis statt: “Die Kinder präsentierten sich stolz in ihren Kostümen, wie auf einem roten Teppich.”, erzählt eine Fachkraft. Ein weiteres Highlight, das in einer Kita regelmäßig stattfindet, ist das „Kinderhotel“: Einmal im Monat übernachten die Kinder unter einem bestimmten Motto von Freitag auf Samstag in der Kita.
Doch nicht nur diese großen Ereignisse bereiten Kindern eine besondere Freude, auch die kleinen Momente können Großes bewegen. Es sind die Augenblicke, in denen sich die Kinder gehört, gesehen und anerkannt fühlen – sei es im Morgenkreis oder bei allem was situationsbedingt direkt aufgegriffen und umgesetzt wird. „Die leuchtenden Augen der Kinder beobachten wir nicht nur bei besonderen Ideen oder Aktivitäten“, sagt eine Fachkraft. “Das Bemerkenswerte ist vielmehr, dass wir bereits in vielen - scheinbar nicht besonderen - Kita-Alltagssituationen mit glücklichen Kinderaugen erfreut werden. Auch und gerade dies zeigt, dass die wertvolle Tätigkeit von Pädagog:innen nicht zuletzt aus den Alltagssituationen einen Zauber entfalten kann.”
Berührende Geschichten aus dem Kita-Alltag
Wie wertvoll die Arbeit unserer Fachkräfte und Kitas ist, zeigt sich in den vielen berührenden und beeindruckenden Geschichten aus dem Alltag. Geschichten, die zeigen, dass die pädagogische Arbeit weit über die Bildung und Betreuung hinausgeht und essentiell für die Entwicklung, die Startchancen und das Wohlbefinden der Kinder ist. Ein besonderes Beispiel hierfür kommt von einer Fachkraft, die von ihrer Arbeit mit einem Kind mit Trisomie 21 berichtete: “Wir betreuen ein Kind mit Trisomie 21 und am Anfang war eine Kommunikation mit dem Kind so gut wie unmöglich. Es war zwei Jahre alt, rumänischer Herkunft, verstand kein Wort deutsch, weinte viel, biss und schubste andere Kinder. Jetzt ist das Kind 4 Jahre und mit Unterstützung einer Heilpädagogin konnten Strukturen, Kommunikationshilfsmittel und vieles mehr erarbeitet werden, die ein entspanntes Umgehen mit diesem Kind in der Gemeinschaft möglich machen. Spielen mit anderen Kindern war bis vor Kurzem nicht möglich. Jetzt spielt sie, beziehungsweise auch andere Kinder mit ihr zusammen. Sie umarmt andere Kinder und Erzieher:innen. Sie zeigt auf Bilder, wenn sie etwas möchte und auch wenn sie nur lautiert, nimmt sie auf eine angenehme Art mit allen Kontakt auf. Es ist so schön zu sehen, wie dieses Kind sich entwickelt hat und wir es auch in einer schwierigen und personell engen Situation geschafft haben, so etwas Wundervolles zu erreichen.”
Eine weitere Fachkraft berichtet von den Momenten, in denen deutlich wird, wie wichtige die Arbeit nicht nur für die Kinder, sondern für die ganze Familie ist: “Die wiederholte rührende Dankbarkeit der Eltern, insbesondere der Eltern von Kindern, die von Behinderung betroffenen - auch mehrfach schwerstbehinderten - betroffen sind, wenn diese Kinder unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status, nicht nur in unserer Kita aufgenommen werden, sondern über die Zeit hinweg kontinuierlich - teils sehr erstaunliche - Fortschritte machen. Nicht selten haben diese Eltern kafkaeske 'Kämpfe' auch und gerade mit Behörden hinter sich und freuen sich, wenn sie bei den entsprechenden Behörden- und Verwaltungsverfahren von unserer Kita, beziehungsweise von unserem Träger Unterstützung erhalten. Nicht selten haben Eltern - auch und gerade aus diesem Kreis - bei landeseigenen Betrieben erfahren müssen, dass ihre Kinder dort nicht aufgenommen oder nicht weiter betreut werden können, etwa wegen Überlastung oder Überforderung. In die Gesichter dieser Kinder - egal aus welchen anderen Kulturen sowie Regionen dieser Erde sie stammen - und deren Eltern zu schauen, ist eine besondere Freude.” Die Auswirkungen der inklusiven Arbeit reichen jedoch weit über das individuelle hinaus: “In unserer mehrsprachigen und inklusiven Kita haben wir solche Bilder häufiger, dass Kinder sich um einander kümmern; besonders rührend ist, wenn Kinder mit Diagnosen aus dem autistischen Spektrum zusammen mit Kindern ohne besondere Herausforderungen sich um unsere schwerstmehrfachbehinderten Kinder kümmern und mit ihnen gemeinsam feiern.” Solch inklusive Arbeit in den Kitas ist nicht nur der Grundstein für die individuelle Entwicklung und den späteren Lebensweg der Kinder von großer Bedeutung, sondern für unsere gesamte, zukünftige Gesellschaft. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass Respekt, Toleranz und Zusammenhalt bereits in jungen Jahren selbstverständlich werden - etwas, wovon so mancher Erwachsene sich eine Scheibe abschneiden kann.
Von kleinen Gesten und großer Wirkung – Warum die Kita-Arbeit so bereichernd ist
In dieser Arbeit fließt nicht nur viel Energie und Hingabe von den Pädagog:innen zu den Kindern, sondern auch von den Kindern zurück. Sie zeigen ihre Dankbarkeit und Wertschätzung auf ihre ganz eigene, berührende Weise. Eine Pädagogin erinnert sich an einen besonderen Tag, an dem viele Kinder krank waren: „Zur Mittagsruhe blieben nur noch drei Kinder übrig – eine äußerst seltene Situation. Zwei Kinder waren der Meinung, dass es nun endlich genug Platz gibt, damit auch Ihre Erzieherin sich zur Mittagszeit hinlegen kann und holten sogleich zwei Matratzen für sie.” Ein weiteres rührendes Erlebnis aus dem Kita-Alltag berichtet eine weitere Fachkraft: „Als ich nach einer längeren Auszeit wegen eines Trauerfalls wieder in die Kita kam, war die Freude der Kinder so groß, dass sie mich fast umgerannt haben.”
Jeder Tag in der Kita hält neue Überraschungen bereit. Es gibt Herausforderungen, Momente der Erschöpfung, aber auch Augenblicke voller Wärme und Glück: “Es ist sehr anstrengend und herausfordernd. Manchmal weiß man nicht, wie man die Dinge schaffen soll. Wenn einer krank wird, kann es schonmal sehr sehr herausfordernd sein. Aber wir sind ein gutes Team, das sich möglichst gegenseitig zu unterstützen versucht. Wir haben wundervolle Kinder und wir haben sehr entspannte Eltern. Wenn dich ein Kind in den Arm nimmt und sagt ‘nur noch mal kurz drücken’, damit es gut in den Tag starten kann und du merkst, dass das ein Moment ist, der dich glücklich macht, dann bist du hier richtig. Egal wie schlecht es dir geht, wenn ein Kind dich anstrahlt oder Quatsch mit dir macht, wird es dir besser gehen. Die Arbeit mit Kindern ist der beste Trost und der beste emotionale Aufbau, den ich selbst je erlebt habe.”
Diese Geschichten zeigen, wie besonders, wundervoll und facettenreich die pädagogische Arbeit ist. Es sind Geschichten von Erfolg, Zusammenarbeit, Dankbarkeit und Freude – Geschichten, die jeden Tag in der Kita passieren. Und es sind die Geschichten, die erzählt werden sollten. Natürlich gibt es zahlreiche Herausforderungen im Kita-Alltag - nicht zuletzt aufgrund struktureller Defizite, die einer unzureichenden Bildungspolitik in der frühkindlichen Bildung zugrunde liegen und dringend einer Verbesserung bedürfen. Doch trotz schwieriger Rahmenbedingungen, personeller Engpässe und anderer Hürden setzen sich unsere Fachkräfte und Kitas mit unermüdlichem Einsatz dafür ein, den Kindern ein sicheres und förderliches Umfeld für ihre Entwicklung zu schaffen. Und wer darüber nachdenkt, in der Kita zu arbeiten, dem sei ein Satz einer Fachkraft besonders ans Herz gelegt: „Einfach machen!“.