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Kein Raum für weitere schlechte Kompromisse.  

Diesen Donnerstag, 27.04.2023 um 12 Uhr, stellt die CDU nach 11.782 Tagen nunmehr erneut den Regierenden Bürgermeister von Berlin. Auch, wenn Änderungen und erste Dialoge hoffnungsvoll stimmen, ist bereits heute klar: Die aktuelle Kitakrise kann nicht mehr auf 100 Tage Einarbeitung des neuen Senats warten.

Die aktuelle Kitakrise kann nicht mehr auf 100 Tage Einarbeitung des neuen Senats warten.

Diesen Donnerstag, 27.04.2023 um 12 Uhr, wird eine bedeutende Veränderung in der politischen Landschaft Berlins eintreten.  Die CDU stellt nach 11.782 Tagen nunmehr erneut den Regierenden Bürgermeister von Berlin. 

Zeitgleich wechselt nach 9955 Tagen auch die Ressourceverantwortung für Bildung, Jugend und Familie von der SPD  in die Hände von Frau Katharina Günther-Wünsch (CDU). Mit ihrem Eintreten übernimmt die Senatorin nicht nur eine enorme Verantwortung für die Zukunft der Stadt, ihre Kinder und Familien, sondern auch einen Berg an Herausforderungen, der das Ergebnis vieler politischer (Fehl-)Entscheidungen der vergangenen Jahre widerspiegelt. 

Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Kitaträger und deren Kitateams ist nur ein wichtiger Schritt, der unverzüglich umgesetzt werden muss, um den drohenden Kollaps zu verhindern. Laut aktueller Studien gibt es nicht nur große Herausforderungen, hier ausreichend Betreuungsplätze anzubieten; auch die Qualität der Bildung hat durch die aktuelle Krise nachhaltige Veränderungen erlebt, die sich negativ in den Bildungserfolgen der Kinder abzeichnen. 

Gleichzeitig gibt es große Unterschiede in der Bildungsbeteiligung und dem Bildungserfolg zwischen Kindern. Insbesondere Kinder aus sozio-ökonomischen benachteiligten und bildungsfernen Familien haben oft schlechtere Bildungschancen. 

Vor allem eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung kann zu einem Angleich des Bildungsstandes der Kinder und somit zu besseren schulischen Leistungen führen, sondern auch langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft aufweisen. Unausgeschöpfte Potenziale der Kinder von heute sind unausgeschöpfte Potenziale von Berufswegen, Karrieren und letztendlich einer wettbewerbsfähigen Wissensgesellschaft & Wirtschaft von morgen.  

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: „Bund, Länder und Kommunen müssen ihre Anstrengungen noch stärker bündeln und sich dafür einsetzen, dass unser Bildungssystem das Versprechen einer fairen und chancengerechten Gesellschaft endlich erfüllt.“  

Es ist von größter Bedeutung, dass Kinder unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung haben. Dies gelingt nur, wenn bessere Rahmenbedingungen für Kitaträger und deren Kitateams geschaffen werden. Konkret müssen Entlastungen bei der Arbeitsbelastung erfolgen, insbesondere bei nichtpädagogischer Verwaltungsarbeit.

Zudem müssen die Kitateams durch weitere Fachberatungsangebote beim Ausbau der Qualität in der Bildungsarbeit gestärkt werden. Das Kitachancenjahr, wie es im Koalitionsvertrag steht, muss durch pragmatische Lösungsschritte eingelöst werden. Sämtliche Akteure auf Bezirksebene, Gesundheitsamt, Schulamt, Jugendamt und Landesebene sowie Fachkräfte und Fachverbände müssen gemeinsam Prozessoptimierungen lokalisieren und gemeinsame Umsetzungen beschließen. Hierbei müssen auch alle Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden. Die Signale der letzten Monate und Woche der nunmehr neuen Senatorin stimmen uns optimistisch. Die Erwartungen sind hoch und müssen natürlich an den Rahmen der Möglichkeiten angeglichen werden.

Wir als Verband der freien unabhängigen kleinen und mittelgroßen Kitaträger stehen unterstützend bereit, um durch den Dialog mit den beteiligten Akteuren, schnelle, zielgerichtete und insbesondere langfristige Ergebnisse zu erzielen. 

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Wenn 2 sich Streiten, ist wohl "der Ausländer" Schuld?

Der Verband der kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) möchte auf einen Artikel des Fokus aufmerksam machen, der unter dem Titel „Du mir nix sagen, du deutsch!“: Zoff mit Migranten-Jungs im Kindergarten" veröffentlicht wurde. Wir sind der Meinung, dass dieser Artikel nicht nur hochgradig Fremdenfeindlichkeit fördert, sondern auch den Zustand in den Kitas in ein absolut falsches Licht rückt.

Der Verband der kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) möchte auf einen Artikel des Fokus aufmerksam machen, der unter dem Titel „Du mir nix sagen, du deutsch!“: Zoff mit Migranten-Jungs im Kindergarten" veröffentlicht wurde. Wir sind der Meinung, dass dieser Artikel nicht nur hochgradig Fremdenfeindlichkeit fördert, sondern auch den Zustand in den Kitas in ein absolut falsches Licht rückt und die Problematik bei den Kindern mit Migrationshintergrund selbst verankert, nicht aber bei der Politik.

Hierzu möchten wir gerne Stellung beziehen. 

Seit Jahren überschlagen sich die Neuigkeiten zu der nicht enden wollenden Kitakrise. Unterschiedliche Finanzierungssysteme in den Ländern und Kommunen führen stets zur Unterfinanzierung im großen Stil, und daraus resultierend zu einem starken Fachkräftemangel, damit verbundener Überbelastung, hohen Krankenständen und letztendlich einem Einschränken des Bildungsangebotes. Die Bildungs- und Betreuungsarbeit kann schon lange nicht mehr so gewährleistet werden, wie sie sollte. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo mancherorts nicht einmal mehr der Aufsichtspflicht vollends nachgegangen werden, geschweige denn jedes Kind sich auf einem sicheren Kitaplatz wägen kann.

Dieses Problem ist selbst kreiert und die mannigfaltigen Symptome waren schon lange absehbar. 

Nicht überraschend, denn leider schon viel zu oft gesehen, tauchen in diesen problematischen Zeiten Artikel auf, die sich nicht mit dem Kernproblem auseinandersetzen möchten, sondern stattdessen nach einer Art Sündenbock lechzen, der als Katalysator dienen muss, um dem Frust und der angestauten Wut endlich Luft machen zu können. In diesem Fall trifft es, wie sehr oft, Menschen mit Migrationshintergrund.

Doch nun geht es sogar einen Schritt weiter; ihre Kinder sind Schuld. Kinder im frühkindlichen Alter. 

 "Du mir nix sagen - Du Deutsch". Chapeau. Es ist schon eine Leistung innerhalb eines Titels, diverse fremdenfeindliche Botschaften verstecken zu können. Man müsse beinahe den Hut ziehen, wenn es nicht so traurig wäre. Die gezielte Ablehnung der “gutmütigen Förderung” Deutschlands, ausgehend von Kindern im Kleinkindalter. Und das nicht nur aus kindlichem Trotz der Förderung gegenüber, nein, die Ablehnung ist, so wird es implementiert, geboren aus ihrer "Antideutschen" Haltung. Der gesamte Artikel setzt sich mit einem Limit der Toleranz diesen Kindern gegenüber auseinander und endet mit einem Statement, das die Verzerrung bestens unterstreicht:  

“Sie kenne viele Kolleginnen, die anfangs offen waren für neue Kulturen und die sich darauf gefreut hatten, Kinder anderer Herkunft in das deutsche Kita-System einzugliedern. Doch mittlerweile würden sich immer mehr von ihnen fragen: „Wofür machen wir das, wenn der Dank von der anderen Seite eh nicht da ist?“” 

Die “anfängliche Offenheit gegenüber neuen Kulturen” ist nun bereits etwas, das nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand deutlich in der Vergangenheitsform besprochen wird, sondern offen gegenüber Journalisten. Denn schließlich wird ihnen für diese Offenheit nicht gebührend Dank entgegengebracht.   

Keinem deutschen Kind würde man “Dankbarkeit” abfordern für zielgerichtete Förderung.

Wenn die kleine Lena-Marie in einer ADHS-Überstimulierung zu Wut greifen würde, würde vermutlich mit Verständnis agiert, nicht aber ein Limit an Toleranz verbalisiert werden, das erreicht wäre - schließlich würde ihr Verhalten nicht genügend Dankbarkeit repräsentieren.

Genauso wenig sollte es hier ein "Limit" an Toleranz geben, sofern Schwierigkeiten auftreten, bei Kindern mit Migrationshintergrund. Diese sollen und müssen dasselbe Förderungssprektrum erhalten, das ebenso Offenheit für Individualität lassen sollte. 

Wir sind der Überzeugung/Meinung, dass solche Artikel gefährlich und verzerrend sind, da sie einseitige und stereotype Bilder von Kindern mit Migrationshintergrund zeichnen und damit Rassismus fördern. Wir sind ebenfalls der Meinung, dass wir einem akuten Problem gegenüberstehen, wenn Erzieher:innen bereits öffentlich ihre Ablehnung für Kinder aus bestimmten Herkunftsländern äußern. 

Der Artikel liest sich, als wäre das Kernproblem in den Kitas momentan “das ausländische Kind”, wissend, dass sich seit Jahren die Artikel überschlagen zu akuten Förderungsdefiziten bei Kindern aus Familien mit sozialökonomischen Problemen.

Diese Förderungs-Defizite machen sich sprachlich aber auch in der Entwicklung bemerkbar und betreffen Kinder aus Deutschen Familien ebenso stark.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Kitakrise in erster Linie eine Folge von politischen  Versäumnissen ist. Die Unterfinanzierung, Unterbesetzung und hohe Krankenstände in Kitas sind kein Zufall, sondern das Ergebnis von politischen  Prioritäten gegen eine gut ausgestattete frühkindliche Bildung. Es ist deshalb kontraproduktiv, sich auf einen Sündenbock zu konzentrieren und die Schuld bei einer bestimmten Gruppe von Kindern oder Eltern zu suchen. Stattdessen sollten alle Beteiligten - Politiker:innen, Kitaträger, Erzieher:innen, Eltern - gemeinsam daran arbeiten, Lösungen für die Kitakrise zu finden und umzusetzen. Eine erfolgreiche Integration von Kindern mit Migrationshintergrund gehört dabei genauso dazu wie die Förderung aller anderen Kompetenzen. Nur so können wir sicherstellen, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft - die bestmögliche Förderung/Bildung und Betreuung erhalten. 

Artikel wie dieser sind starke Warnschüsse und zeigen offen, wie kaputtgespart und überfordert das System “frühkindliche Bildung” bereits ist. 

Wir fordern daher alle Beteiligten auf, gemeinsam daran zu arbeiten, eine positive und respektvolle Umgebung für alle Kinder zu schaffen, die die Vielfalt und Individualität der Kinder berücksichtigt. Nur so können wir eine erfolgreiche Integration und eine erfolgreiche Zukunft für alle Kinder gewährleisten. 


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Was wir von den Koalitionsverhandlungen erwarten.

Qualitätsversprechen und deren Verbesserungen können nur umgesetzt werden, wenn endlich der Qualitätsreduktion der Rücken zugekehrt wird. Die momentanen Koalitionsverhandlungen könnten hier Hoffnung erwecken - doch erste Ergebnisse bringen bereits Zweifel.

Während die Tage vor der ersten Koalitionsverhandlung von Unsicherheiten geprägt waren, wirkten die ersten Schwarz-Rot-Verhandlungen doch recht optimistisch stimmend. Man wolle gemeinsam an einem Strang ziehen und die (frühe) Bildung auf richtige Wege bringen. So der Konsens der ersten Sitzungen. Doch erste Anzeichen einer Unstimmigkeit sendet ausgerechnet der noch JStS mit einem Tweet “Ich will nur anmerken, dass die SPD-Seite paritätisch besetzt war. Das geht immer einher mit Fachwissen. Und es sollte uns allen nicht schmecken, wenn die gesellschaftlichen Realitäten sich nicht widerspiegeln.“ 

Der frühkindliche Bildungssektor ist mannigfaltigen Herausforderungen ausgesetzt und das bereits seit Jahren. Unterfinanzierung, Kostenexplosionen, sinkende Bewerberzahlen, stetig steigende Abgänge, immense Krankenstände. 



Wir fordern, dass sich die Kita-Situation für Kita-Teams, Kinder und Kitaträger in Berlin endlich nachhaltig verbessert. Investitionsverhandlungen, Bildungsverhandlungen, Zukunftsverhandlungen müssen die frühkindliche Bildung endlich intensiv mit einbeziehen. 

 

Qualitätsversprechen und deren Verbesserungen können nur umgesetzt werden, wenn endlich der Qualitätsreduktion der Rücken zugekehrt wird. Dies ist kurzfristig umsetzbar, durch schnelle Hilfsmittel, wie eine deutliche Entlastung der Pädagog:innen von nicht pädagogischen Verwaltungsaufgaben. Eine deutlich einheitliche praxisbezogener Ausbildung für die künftigen Fachkräfte. Sowie eine echte Herstellung der Bildungsteilhabegerechtigkeit für alle Kinder durch die flächendeckende Einführung der Kitasozialarbeit. Nur so können wir realistisch die unterschiedlichen Start- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Kinder berücksichtigen und von einer gerechten Bildungsverteilung überhaupt erst sprechen.

Gerade nach ununterbrochenen 27 Jahren SPD-Bildungs- & Jugendsenatoren:innen erwarten wir, dass die Koalitionsverhandlungen im Rahmen der Dachgruppen-Gespräche in einem klaren vertraglichen Bekenntnis zur Beseitigung der Fehlentwicklungen mittels kluger Investitionspolitik münden. 

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Der Bildungsgipfel 2023 - Eine Chance für den benötigten Weckruf?

“Bildung muss eine Chance für alle sein - unabhängig von der sozialen Herkunft” Ein Versprechen, das sich in den Zahlen und Statistiken bisweilen nicht wiederfinden lässt. Kann der diesjährige Bildungsgipfel als Weckruf dienen?

Diesen Dienstag, 14.03.2023 und Mittwoch, 15.03.2023, findet der Bildungsgipfel 2023 in Berlin statt, der als eine Erneuerung des Aufstiegs-Versprechen dienen soll:

“Bildung muss eine Chance für alle sein - unabhängig von der sozialen Herkunft”. - Ein Versprechen, das sich in den Zahlen und Statistiken bisweilen nicht wiederfinden lässt. 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung äußerte sich ernüchtert: “Die Ergebnisse der jüngsten Untersuchungen zum Kompetenzstand von Kindern und Jugendlichen sind alarmierend. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist nach wie vor zu hoch.”

Neue Wege müssen beschritten werden, alte hinter sich gelassen, und man solle auch den Mut finden, auszuprobieren, um dem Versprechen auf Bildungschancen endlich Taten folgen zu lassen - so das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Berlins Bildungsministerin zitierte zum Auftakt eine Zeile aus dem Film “Sonne und Beton”:

“Manche starten drei Meter vor dem Ziel, andere starten mit drei Bleisäcken, 10 Meter vor dem Start.”

Bei so viel Einsicht dem aktuellen Ist-Zustand gegenüber, so viel Anerkennung der gesellschaftlichen Unterschiede, die Bildungsgleichheit nur dann umsetzbar werden lässt, wenn die individuellen, mannigfaltigen Herausforderungen mit einbezogen werden, ist es stark verwunderlich, dass hier im Vorfeld nicht jene stark mit einbezogen wurden, die vor Ort sind - sich mit den Problemfeldern tagtäglich auseinandersetzen und transparenten Einblick geben können, woran es mangelt und wo starker Bedarf umgehend gedeckt werden sollte.

Der Bildungsgipfel stieß bereits vor dem Auftakt auf scharfe Kritik. In einem gemeinsamen Appell äußerten sich 50 Stiftungen, Verbände, Gewerkschaften und Bildungsträger zu dem Treffen und betitelten dieses als zu “unambitioniert.” Hessens Schulminister sprach von Unprofessionalität.

Bei einer Vielzahl an Herausforderungen, denen sich sämtliche Bildungsinstitutionen, völlig gleich dem Altersabschnitt,  tagtäglich stellen müssen, ist ein Mangel an Qualität in der Bildungsvermittlung schon immer eine Frage des “wann?” gewesen. Und dieses “wann” ist nun einmal schon lange angekommen, eingetreten und hat sich in den Einrichtungen breit gemacht.

Wir hoffen, dass nicht nur die scharfe Kritik, sondern auch die Diskussionen, Gespräche, Erkenntnisse der kommenden 2 Tage, hier zumindest ein Augenöffnen bewirken und endlich erkenntlich machen:

Chancengleichheit und erfolgreiche Bildung sind eine Investitions-Frage

Gute Investitionen können nur dann umgesetzt werden, wenn die betroffenen Akteure direkt in den Prozess integriert werden. Nur so können wir die Problemfelder offen betrachten und Lösungen finden, die nicht nur temporär, sondern von Dauer sind. 

Wie können wir hoffen, Bildungschancen endlich gerecht umzusetzen, wenn wir nicht einmal dem Vorhaben, hier vernünftig zu agieren, die gerechte Chance einräumen, die es nun einmal benötigt? 

Die Bildungsinstitutionen verdienen eine Chance gehört zu werden, integriert zu werden, an der Umsetzung beteiligt zu sein. Nur so lässt sich die Chance auf Bildungsgleichheit langfristig umsetzen.


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Koalitionsverhandlungen in Berlin. Eine Chance für die frühkindliche Bildung?

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik. Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik.

Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Während die Tage vor der Schwarz-Rot-Verhandlung ein Gefühl von Unsicherheit verbreiteten, scheinen die ersten Verhandlungen diese ein wenig mindern zu können. Während sich Einigkeit in vielen Bereichen finden lassen konnte, bezüglich einer Verbesserung des Ist-Zustandes in Berlin und optimistische Worte von Giffey durchklangen; “Vieles lasse sich aufbauen, was schon von Rot-Grün-Rot vorbereitet worden ist.” , wurden andere Sorgen hingehen gestärkt:

Deutlich wurde, dass der Fokus der Bildung wieder einmal nicht auf den frühkindlichen Institutionen liegen würde, sondern abermals erst ab dem Grundschulalter an Wichtigkeit zu erfassen sei. Ein Fataler Fehler, der sich seit Jahren in einem steten Abbau des Kita-Sektors deutlich widerspiegelt. Ernüchternde Worte kamen ebenfalls von CDU-Generalsekretär Stefan Evers hin: "Wir haben nicht nur wenig Zeit. Wir haben auch wenig Geld."

Genau dies ist aber zwingend benötigt, um in den Kitas Berlins ein Umkehren der Abwärtsspirale endlich umsetzen zu können; eine zukunftsorientierte Investitionspolitik, die ausreichend finanzielle Ressourcen bereitstellt, um den mannigfaltigen Herausforderungen im Ansatz gerecht zu werden.

Wir blicken hoffnungsvoll, aber auch mit Sorge auf die kommenden Verhandlungen.

Der Sektor der frühkindlichen Bildung blickt seit Jahren in Finanzierungsmöglichkeiten, die immer schmaler und schmaler werden, den Kostenexplosionen nicht im Ansatz standhalten können und erfährt als Lösung immer wieder nur Ad-Hoc-Aktionen, die das gröbste Übel, weiterhin hinauszögern sollen. Kalkulierte, zukunftsorientierte Lösungsansätze, um das sinkende Schiff nicht nur zeitweise über Wasser zu halten, sondern wieder seetauglich, geschweige denn gut ausgerüstet losfahren zu lassen, fehlen bisweilen vergebens.

Sinkende Bewerberzahlen, hohe Abgänge, große Krankenstände und Überbelastung sind die Alltäglichkeiten, mit denen sich die Erzieherinnen und Erzieher in der frühkindlichen Bildung auseinandersetzen. Die Unterfinanzierung im großen Stil ermöglicht hier schlichtweg keine Auswege mehr und endet sogar darin, dass sich viele Kitas in Berlin nicht einmal mehr neue Auszubildende leisten können. Die Erzieher:innen von heute verlassen das Schiff und den Erzieher:innen von morgen bleibt buchstäblich der Zutritt verwehrt.

Wie soll qualitativ hochwertige Bildung in diesem Kontext stattfinden können?

Wie soll ein Erzieher oder eine Erzieherin sich dessen überhaupt in ausreichendem Umfang annehmen können, wenn die Problemfelder des Kita-Alltages derart mannigfaltig sind?

Investitionsverhandlungen, Bildungsverhandlungen, Zukunftsverhandlungen, all dies darf nicht geschehen, ohne die frühkindliche Bildung hier nicht nur teilhaben zu lassen, sondern durchaus in den Mittelpunkt vieler Diskussionen zu rücken.

Gerade die CDU, die sich mit dem Programm “beste Bildung für Berlin” hier fundamental an einer Verbesserung der Bildungssituation einsetzen möchte, sollte deutlich machen, dass diese Bildung nicht erst ab der Grundschule beginnen darf, sondern weitaus vorher, im Kita-Alter bereits fundamental wichtig ist.

Wir hoffen und fordern zugleich, dass sich die Kita-Situation in Berlin endlich ändert. Dass die neuen Gespräche zu augenöffnenden Momenten führen, in denen der Ist-Zustand des frühkindlichen Bildungssektor endlich in seiner porösen, heruntergewirtschafteten Struktur wahrgenommen wird, damit hier endlich grundlegende Änderungen eintreten können.

Das Gerüst muss in seiner Struktur gefestigt werden, um ausreichend Qualitätsversprechen umsetzen zu können - und letztendlich auch: Qualitätsverbesserung

Dies geht nur mit ausreichend finanziellen Mitteln. Mittel, die nicht als Trostpflaster für schnelle Heilung sorgen sollen, sondern Mittel, die zielgerichtet die Problemfelder von heute angehen und eliminieren und gleichzeitig den Bezug zu den Herausforderungen der Zukunft mit einkalkulieren. Ein Entscheiden hier muss, zwingend, die betroffenen Institutionen besser einbeziehen, um einen transparenten Einblick in die Problemfelder zu erhalten und hier gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die nicht nur sinnvoll, sondern auch zukunftsträchtig sind.

Nur so kann ein Herumreißen des Ruders in diesem Sektor noch stattfinden, nur so kann die pädagogische Arbeit im frühkindlichen Alter wieder attraktiv gestaltet werden, um Bewerber:innen anzuziehen und qualifizierte Fachkräfte zu halten. Nur so lässt sich eine erfolgreiche Bildung umsetzen, die alle dringend benötigten Kompetenzen in unseren Kindern verankern kann, die sie im späteren Erwachsenenalter umsetzen müssen.

Wir hoffen auf einen gemeinsamen Konsens in diesem Rahmen, damit wir mit sicherem, gefestigten Blick in eine Zukunft schauen können, die Bildungschancen nicht nur predigt, sondern auch (er)lebt.


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Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. - Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. Wir fordern Lösungen. Jetzt.

Lisa Henriette Huber, Referentin Presse- & Öffentlichkeitsarbeit & Lars Békési, Geschäftsführer,
 Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e.V.

Was vor wenigen Jahren noch als überspitzte Androhung wahrgenommen wurde, ist mittlerweile bitterer Ernst geworden: Das große Kita-Fachkräfte-Sterben. An diesem Montag hat die amtierende Jugendsenatorin (SPD) wiederholt bewiesen, dass es großen Bedarf an neuen Impulsen gibt, für zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Bereich der Freien Träger. Und während Berlin sich bisher sehr zurückhaltend äußerte und den großen Personalmangel eher vorsichtig und meist negierend thematisierte, so gab es dieses Mal, von Senat eine doch sehr überraschend ehrliche Antwort: Nach einer schriftliche Anfrage vom VKMK an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, um Antworten auf künftige Maßnahmen bezüglich der fortlaufenden Unterbesetzung zu suchen, erhielten wir erstmals eingestehende Worte: 

“Dem Senat ist bewusst, dass Phasen der Über- und Unterschreitung des Personalschlüssels systembedingt sind. Im Falle anhaltender Personalunterschreitungen sind jedoch die Kitaträger gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. (...)”

Und, wenngleich es beinahe tröstend ist, die lang ersehnte, wenn auch noch milde formulierte Anerkennung dessen zu erhalten, was wir seit langem als Realität wahrnehmen, so sieht man doch wieder dasselbe, alte Problem, das schon seit Jahren zu keiner gewinnbringenden Lösung führt:

Die Weitergabe der Verantwortlichkeit für das Suchen und Finden einer Lösung. 

Ein strukturell abgebauter und systematisch unterfinanzierter Sektor bricht zusammen und die Symptomatiken, die hierbei selbsterklärend zum Vorschein treten, sollen von den Betroffenen – ohne ausreichend finanzieller Mittel - selbst bekämpft werden. Wir blicken seit Jahren, bei einem wachsenden System, in sich immer weiter leerende Finanzierungstöpfe, die immer größeres Wachstum an Abgängen von qualifizierten Pädagog:innen verursachen und zu immer mehr schrumpfenden Bewerbungszahlen für neue Auszubildende führen. Ein Strudel, der die Qualität der pädagogischen Arbeit seit Jahren in die Tiefe saugt. Wer heute noch Pädagog:in werden möchte, muss Überbelastung und Unterfinanzierung im großen Stil erwarten.  

Dieser Alltag spiegelt keine Ausnahme, sondern die Regel wider. Und selbst wenn hochmotivierte Kräfte an der Tür klopfen und sich dem Dilemma annehmen möchten, so müssen sich immer mehr Kitas Berlins eingestehen: "Die Gelder für Personal sind schlichtweg nicht da.”  Wir sind über “Bitten” und “Wünschen” schon lange hinaus. Es wird Zeit, dass die klaren Formulierungen an Bedarf von den Kitas endlich Gehör finden und Handlungen und Verantwortungsübernahme stattfinden - seitens der Politik.

“Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer.”

Das System, wie es bis heute umgesetzt wurde, ist nicht zukunftsfähig. Statt Kitaplatz Ausbau zu betreiben, wie es momentan dringend und zwingend nötig wäre, finden wir uns in einer Reduktion der Berliner Kitas wieder, da ein Verkleinern auf Grund von finanziellen Zusatzbelastungen und dem massiven Personalmangel für viele unumgänglich geworden ist.  Die Konsequenzen des Nichts-Tun klopfen nicht mehr an der Tür, sondern sind bereits im Haus, mitten im Kinderzimmer und sorgen hier für mannigfaltige Probleme, die wir gesellschaftlich in die Zukunft tragen.  Diese Kinder von heute, denen es in den Kitas an Raum und Platz und Entfaltungsmöglichkeiten mangelt, um die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben, die es im späteren Alter bedarf, sind die Erwachsenen von Morgen. Die Erwachsenen, die unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes lenken und formen werden.

Es wird Zeit, dass sich die Koalitionäre des neuen Senates ihrer Verantwortung dieser Zukunft bewusst werden - und handeln.  

 

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Prävention gegen Jugendgewalt beginnt bei den Jüngsten.

Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden.

Beim zweiten Gipfel gegen Jugendgewalt, der am 22.02.2023 in Berlin auf Einladung der regierenden Bürgermeisterin stattfand, wurden konkrete Maßnahmen vorgestellt und thematisiert zur Prävention von Jugendgewalt für die kommenden 2 Jahre (2023-2024). 

 

Unter dem Namen “Initiative für mehr Respekt - Berlin gegen Jugendgewalt” haben sich die Bezirke, zuständige Senatsmitglieder, die Generalstaatsanwältin in Berlin, die Landesbeauftragte für Integration und Migration, die Polizeipräsidentin in Berlin, die Landeskommission gegen Gewalt, sowie weitere Akteurinnen und Akteure aus der Jugend- und Jugendsozialarbeit, gemeinsam, zum zweiten Mal besprochen. Neben diversen Initiativen, die insbesondere Schüler:innen und Jugendliche betreffen, wurde unter anderem auch über das bereits bestehende Modellprojekt der Kita-Sozialarbeit gesprochen, welches in 16 weitere Standorte, in sozial benachteiligten Quartieren, ausgeweitet werden soll. Die Idee: Problemlagen im Leben des Kindes frühzeitig erkennen, um hier Hilfestellung zu leisten und somit auch den anschließenden Übergang in das Schulsystem zu erleichtern. 

Während wir die Thematisierung und insbesondere das Bedenken der Kindertagesstätte im Zuge dieser Diskussion sehr begrüßen, sowie ebenfalls den allgemeinen Schritt zu mehr Unterstützung von Kindern und Jugendlichen als sehr wichtig und richtig erachten, sogar den direkten Fokus bisweilen hier lange vermisst haben, sind wir doch erstaunt über die sehr zurückhaltenden Maßnahmen, die den Kitas zuteilen werden.  

Das Modellprojekt "Kita Sozialarbeit" wurde bis dato mit einem Budget von ca. 300.000 Euro ins Leben gerufen. Ein kleiner Tropfen auf dem berüchtigten heißen Stein. Und obgleich jede finanzielle Hilfestellung benötigt und somit dankbar angenommen wird, so wird doch recht schnell deutlich, dass die Rahmen des Möglichen bisher, keine nachhaltige Veränderung bewirken können. Denn, wenn man für die 190.000 Kitakinder in Berlin jeweils lediglich 2 Euro pro Tag, pro Kind, bereitstellen würde, um eine deutliche Veränderung anzustreben, so käme man auf einen benötigen Finanzierungsrahmen von ca. 1,9 Millionen Euro.  

Kinder,- und Jugendhilfe sollte keine “Entweder, Oder”-Frage sein. 

Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Insbesondere der Altersabschnitt 0-3 Jahre spielt hier eine immens bedeutsame Rolle. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden. Während es zweifellos unverzichtbar ist, Kindern und Jugendlichen zu helfen, sie zu fördern und zu stützen, insbesondere in sozial benachteiligten Quartieren, ist es ebenso wichtig Kleinkindern, aus den selbigen sozialökonomischen Verhältnissen, die die positive Entfaltung des Kindes beinträchtigen, den Start in das Leben zu ermöglichen, der Möglichkeiten auf etwaige künftige Abwege bereits nachhaltig reduzieren könnte. 

 

Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung.

Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung: Durch Ausgrenzungs- und Frustrationserfahrungen und damit ebenfalls verbunden; vielen weiteren verpassten Chancen auf Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten.  Die Entwicklungsphasen, die stufenweise nach oben führen sollten, um aus einem Kleinkind/Kind einen sozial-integrierten Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen, mit den notwendigen Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben zu bilden, ähneln bei diesen Kindern, oftmals einer Abwärtsspirale. Diese macht sich im Jugendalter schließlich deutlich bemerkbar, durch Wut, die mannigfaltig in Erscheinung treten kann: Gegen sich selbst, berufliche und schulische Entfaltungsmöglichkeiten,  sowie letztlich auch durch emotionale oder körperliche Gewaltausübungen gegenüber u.a. auch anderen Personen. 

Für eine erfolgreiche Umsetzung, die sich positiv in den heranwachsenden Kindern, Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen der Bundesrepublik abzeichnen würde, ist es von äußerster Notwendig hier eben genau dort anzusetzen, wo man die künftige Entwicklung noch deutlich lenken und ändern kann und hierbei sämtliche gesellschaftlichen Sozialschichten zu bedenken, was eine flächendeckende Ausweitung der Kita-Sozialarbeit unverzichtbar macht. 

Eine Anpassung der Finanzierungssummen, sowie ein realistisches Abdecken der aktuellen Problemfelder in den Kitas Berlins ist demnach unerlässlich. 

Eine starke Unterfinanzierung, gepaart mit hoher Überbelastung, führten in den vergangenen Jahren selbsterklärend zu einer Abnahme an Bewerbungen und einem Anstieg an Abgängen. Das Dilemma spiegelt sich im heutigen Personalmangel wider, welcher ohne Zweifel nicht nur auf dem Arbeitsmarkt erkennbar ist, sondern auch in der Qualität der pädagogischen Arbeit und somit auch nachhaltig an den mannigfaltigen Kompetenzen, die den Kleinkindern im Rahmen der Kita hätten vermittelt werden sollen und müssen, und hier jedoch zunehmend an die Grenzen des Möglichen stoßen. Die bisherige Finanzierungssumme, die der Kita-Sozialarbeit zuteilwurde, war bereits nicht ausreichend, um hier qualitativ nachhaltige Veränderungen anstreben zu können. Eine Ausweitung dessen im Zuge des Themas “Berlin gegen Jugendgewalt” sollte hier zu einer einzelnstehenden Diskussion führen, mit einer realistischen Abbildung des aktuellen Finanzierungsrahmens und einem Abgleich dessen mit den aktuellen Problemfeldern.  

Wir erachten eine finanzielle Förderung von mindestens 2 Euro pro Kind, pro Kita-Tag, im Rahmen der Kitasozialarbeit, als unerlässlich um hier aktiv Präventionen gegen Jugendgewalt umsetzen zu können. 

 

Für ein realistisches Abbild der Gesamtsituation in den Kitas Berlins, des benötigten finanziellen Rahmens, sowie nachhaltige Ansätze für Veränderung in der Präventions-Arbeit gegen Jugendgewalt, laden wir den Finanzsenators, sowie die Jugendsenatorin Berlins gerne für ein Gespräch ein. 

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Musik in der frühkindliche Bildung

Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.


Warum Musik in der frühkindlichen Kompetenzförderung nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Auch wir Erwachsenen kennen es gut. Bei mancher Musik konzentriert es sich am besten, andere ist motivierend - wieder andere lässt einen endlich entspannen, nach einem langen Tag. In Cafés läuft Jazz, in Bars Upbeats und in manchen U-Bahn-Stationen laufen klassische Klänge, in der Hoffnung, die Kriminalität vor Ort zu senken.

“Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.”

Musik ist überall um uns herum und hat einen größeren Einfluss, als uns oftmals bewusst ist. Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.

Während der “Mozart Effekt”, eine veraltete Studie von 1993, von der University of California, die besagte; Kinder, die regelmäßig mit klassischer Musik beschallt werden würden, sich zu intelligenteren Erwachsenen mausern, bereits seit langem widerlegt ist, so zeigen aktuelle Studien (wie diese, der Universität Halle*) dennoch; Musik hat einen positiven Einfluss auf die Motorik und Sprachentwicklung, was den Kindern in der allgemeinen Entwicklung und letztendlich auch im Erwachsenenalter zugute kommen kann.

Prof. Doktor Stefan Koelsch von der Freien Universität Berlin untersucht seit Jahren die Neurokognition von Musik und Sprache, Musik und Emotion, sowie die Entwicklungsaspekte von Sprach- und Musikkognition. Er erklärte 2020 in einem Interview mit dem MDR**; 

“Unser Gehirn reagiert auf Sprache und auf Tonfolgen mit fast identischen Aktivitätsmustern. Musik fördert Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, intelligentes Denken, sensomotorische Funktionen, Emotion und auch soziale  Funktionen.”

Der Effekt sei hierbei ähnlich zum Lesetraining oder aktiver Sprachförderung. Könne nur eben, mit Musik, auch passiv erreicht werden. Dies nicht zu nutzen, sei eine verpasste Chance in der aktiven Entwicklungsförderung.

Und während manche Kita-Teams mit musikalischen Fachkräften gesegnet sind, die kurzerhand zur Gitarre greifen, oder am Klavier in die Tasten hauen können und eigene Lieder einfach selbst entwickeln, so sind die meisten Kitas dennoch auf Musik, aus den Soundanlagen angewiesen - und dies hält leider eine Hürde bereit: die GEMA-Pflicht. Bürokratie und anfallende Kosten schrecken vielerorts davon ab, die musikalische Förderung in vollem Umfang zu nutzen.

Damit dies nicht letztendlich dazu führt, dass die Kita-Zimmer still bleiben, hat die Stadt Hamburg, gemeinsam mit einigen Künstler:innen, eine Alternative entwickelt, die im Dezember 2022 offiziell wurde: Ein staatlich finanzierter Pauschalvertrag mit Künstler:innen, die von nun an in den Kitas Hamburgs in Dauerschleife gehört werden oder deren Noten hier auch selbst verwendet werden können.

Die Hamburger Sozialsenatorin (SPD) verkündete bei der Vertragsunterzeichnung im Musikkindergarten in der Sternschanze:

“Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen, dass mehr Musik gemacht wird. (...) Musik entfaltet Kräfte. Mit der Unterzeichnung des Vertrages heute sprechen wir Anerkennung und Respekt aus für die Mitarbeiter:innen in den Kindertagesstätten, aber auch Respekt und Anerkennung für die Arbeit der Musikautor:innen.”

Die Berliner Kitas haben hierzu noch keine offizielle Lösung finden können, bzw. werden sie bei der Suche nach einer Lösung bisweilen nicht aktiv gefördert und gestützt.

Gerade im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes und der vielseits diskutierten Sprachförderung, ist es sinnvoll, sich mit dieser Art von Entwicklungsförderung auseinanderzusetzen. 

Es nicht zu tun, wäre eine verpasste Chance.


* https://opendata.uni-halle.de/bitstream/1981185920/13383/1/Wirkung%20von%20Musik.pdf

** https://www.mdr.de/wissen/macht-musik-fit-und-schlau-100.html

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Und dann ist der Kollaps da. 

"Und dann ist der Kollaps da".

Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen zum Jahresende. Der Personalmangel lässt keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.

Seit Jahren wird der Aufschrei aus den Bildungsträgern lauter und lauter, nun droht der Kollaps.

Dass die Freien Kitaträger in Berlin unter dem stetigen Totsparen ächzen, ist keine Neuigkeit, doch statt einer mehr als dringend benötigten Entlastung und Unterstützung, wurde systematisch in die ohnehin schon leeren Töpfe geschaut und abgewogen, wie die übrigen, bereits deutlich zu geringen Gelder, den zusätzlichen Mehrbelastungen noch standhalten können.  Starke Kostenexplosionen, erhöhte, krankheitsbedingte Ausfälle und allgemeiner Personalmangel sind nur einige der vielen Problematiken, mit denen sich die Kitas im Alltag auseinandersetzen müssen, ohne eine Lösung in Sicht. 

Die Konsequenzen hierfür sind nicht mehr denk-, sondern deutlich spürbar geworden: 

Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen gezwungenermaßen zum Jahresende - und werden sich nicht mehr öffnen. Der Personalmangel lässt schlichtweg keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.  

Die Kindertagesstätten sind das sinnbildlich unterernährte Pferd vor dem Karren, das unter der Mehrbelastung zittert und wankt. Dennoch wird rigoros eine Last nach der anderen addiert; schließlich bewegt es sich ja noch. Die Frage eines Kollapses war selbsterklärend nie “wenn”, sondern “wann”. 

Das politische Agieren hier gleicht nicht einmal mehr einer regelrechten Blindheit dem aktuellen Ist-Zustand und den möglichen Konsequenzen gegenüber, sondern schierer Ignoranz, die sich in etlichen Handlungen und Nicht-Handlungen widerspiegelt. 

Die aktuellen Beispiele unterstreichen dies: Die Senatsjugendverwaltung teilte am Montag mit, dass den rund 2800 Berliner Kindertagesstätten unter der Berücksichtigung der Entwicklung des Verbraucherpreisindex Berlin eine Erhöhung von 8,33% zum 1. Januar erhielten. Zusätzlich, um die gestiegenen Energiekosten abzufedern und die Handlungsfähigkeit der Kindertagesstätten zu erhalten, stellt das Land Berlin eine einmalige Energiekostenpauschale in Höhe von 300 Euro pro belegten Kitaplatz. 

Botschaften und Zahlen, die auf den ersten Blick natürlich hoffnungserregend wirken, bei genauerer Betrachtung jedoch eher einem kleinen Trostpflaster gleichen, das eine riesige Schnittwunde bedecken soll. 

Mit gerade einmal mit ca. 75 Euro mehr zum Vorjahr sollen die Berliner Kitaträger das fortwährend wachsende Kitasystem mit all seinen Betreuungs- und Bildungsaufgaben aufrechterhalten.  Diese Berechnung ist ein Verstecken hinter den formalen Vertragsgrundlagen und zeigt schonungslos die Fehlkalkulierungen an allen Ecken und Enden, die den aktuellen Bedürfnissen kaum gerechnet werden können

Weder eine angemessene Berücksichtigung des seit Jahren steigenden Bruttomietzins, der mit 11 Euro pro m2 und deutlich mehr deutlich über dem in der Sachkostenpauschale bemessenen Wert von 6 Euro liegt - noch in der Belastung der Kitateams, die durchschnittlich 11-12 Kinder gleichzeitig betreuen, entgegen dem Fachkraft-Kind-Schlüssels von 1 zu 3 - noch in der Entlohnung der Fachkräfte, ist eine realistische Bewertung der momentanen Lage der Kitaträger ersichtlich, von einer Wertschätzung derer ganz zu schweigen. Ein Inflationsausgleich, der sich an werten vergangener Monate entlanghangelt, und den aktuellen Ist-Zustand kaum realistisch abbildet, ist der berüchtigte letzte Tropfen.

Nicht überraschend können insbesondere die kleinen Kitas, die 50 % aller Kitaplätze in Berlin ausmachen, den aktuellen Mehrkosten kaum noch standhalten.

Wir sprechen von einem regelrechten Verfall eines fundamentalen Bildungsträgers, der bis heute politisch sowie gesellschaftlich nicht als “erste Bildungsinstitution” akzeptiert wird. 

Das Bild der Kitas gleicht weiterhin in der öffentlichen Wahrnehmung einem veralteten Denkmuster, das wissenschaftlich schon seit Jahrzehnten überholt wurde. In den Kindertagesstätten werden schlussendlich jene Grundlagen und Kompetenzen gelegt und verankert, die für die persönliche und damit verbunden auch berufliche Weiterentwicklung, sowie den Werdegang des Kindes, fundamental wichtig sind. Wenn man es kurz und prägnant ausdrücken möchte: 

Hier wird der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Zukunft des Erwachsenen von morgen. 

Doch, wie viel Qualität und Kompetenzen sind vermittelbar, bei derart großem Personalmangel? Wie viel Raum für Förderung bleibt bei all dem, gepaart mit zusätzlichen finanziellen Sorgen?   

Schließlich beinhalten die rund 35.000 Stellen in den Berliner Kitas, über 22.000 Teilzeitstellen, die sich mit einem ohnehin kleineren Budget und einer deutlichen Unterfinanzierung, nun auch noch den Kostenexplosionen gegenüberstehen sehen.

Der Beruf Erzieher:in, in einer Kindertagesstätte, gleicht vielmehr einer großen Abschreckung, als einer Chance auf berufliche und persönliche Verwirklichung. 

Die qualifizierten Fachkräfte bleiben aus, oder verlassen in Scharen das sinkende Schiff. Zurück bleiben wenige, verzweifelte Arbeitskräfte, die das Ruder noch herumreißen versuchen und hier an das Ende ihrer Kräfte kommen. Das sinnbildliche Zugpferd fängt nun also an zu stolpern und ist das erste Mal zusammengebrochen. Die ersten geschlossenen Kitas sollten der letzte Warnschuss sein. Doch statt systematischer Schritte, für eine deutliche Verbesserung der Lage, gibt es viel eher eine Absicherung, dass das Pferd noch atmet und eine anschließende Kleinst-Versorgung, damit der Karren so schnell wie möglich wieder in Gang gesetzt werden kann.

Dieses Zugpferd ist für nichts weiter verantwortlich, als die Kinder von heute in eine erfolgreiche Zukunft von morgen zu bringen, in der sie erlernte Kompetenzen anwenden und diverse Defizite erfolgreich überkommen konnten und können.  Sie stellen am Ende den Grundbaustein für unsere Gesellschaft dar, unsere wirtschaftliche Entwicklung und damit verbundenen Erfolg.  Es ist an der Zeit, dass die Kindertagesstätten als Bildungseinrichtung angesehen und dementsprechend behandelt und finanziert werden.  

Ein Sparen bei den Kindern, ein Sparen bei jenen, die in Zukunft des Land tragen sollen und dies im besten Falle erfolgreich, ist ein Sparen, das wir uns schlussendlich Einfach nicht leisten können.

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