Zwischen Theorie und Praxis: Warum die gesetzlich vorgeschriebene Personalausstattung in Berliner Kitas nicht mehr ausreicht
Zur Bewertung der Qualität der frühkindlichen Bildung wird oftmals die Fachkraft-Kind-Relation herangezogen. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Kinder von einer einzelnen Fachkraft betreut werden. Wissenschaftliche Empfehlungen für diese Relation variieren dabei je nach Alter der Kinder und der Gruppenzusammensetzung.
Zur Bewertung der Qualität der frühkindlichen Bildung wird oftmals die Fachkraft-Kind-Relation herangezogen. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Kinder von einer einzelnen Fachkraft betreut werden. Wissenschaftliche Empfehlungen für diese Relation variieren dabei je nach Alter der Kinder und der Gruppenzusammensetzung.
Laut der Bertelsmann Stiftung sollte das Verhältnis in einer Gruppe mit ausschließlich Kindern unter drei Jahren (U3) bei 1:3 liegen, um eine hochwertige Bildung und Betreuung zu gewährleisten. In der Realität sieht es jedoch anders aus. So liegt das derzeitige Fachkraft-Kind-Verhältnis in U3-Gruppen in Berlin bei 1:5,2 (Stand 01.03.2022). Unter Berücksichtigung der mittelbaren pädagogischen Arbeit, die etwa im Durchschnitt 25% der Arbeitszeit beansprucht, verschlechtert sich das Verhältnis auf 1:6,9. Mittelbare pädagogische Arbeit umfasst Aufgaben wie das Erstellen von Dokumentationen, Vorbereitungen und Elterngespräche. Für Gruppen mit Kindern über drei Jahre (Ü3) empfiehlt die Bertelsmann Stiftung eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:7,5. Das aktuelle Verhältnis in Berlin beträgt 1:7,6, was den empfohlenen Standards nahezu vollständig entspricht. Nach Berücksichtigung der mittelbaren pädagogischen Arbeit sinkt das Verhältnis jedoch auf 1:10 Diese Zahlen verdeutlichen, dass die tatsächliche Arbeitslast für Pädagog*innen erheblich höher ist, als es das nominale Personal-Kind-Verhältnis vermuten lässt.
Obwohl die Fachkraft-Kind-Relation, insbesondere im Ü3-Bereich, nahe an den wissenschaftlichen Empfehlungen liegt, wird bei der Berechnung die mittelbare pädagogische Arbeit nicht angemessen berücksichtigt und mit einberechnet. Die Zunahme administrativer Aufgaben und Dokumentationen in den letzten Jahren hat die Arbeitsbelastung der pädagogischen Fachkräfte in diesem Bereich jedoch erheblich erhöht. Dies führt dazu, dass die Zeit für die direkte Arbeit mit den Kindern oft reduziert werden muss. Um dem entgegenzuwirken, muss der Mehraufwand für diese mittelbare pädagogische Arbeit realistisch in die Personalberechnung einfließen. Eine angemessene und realistische Berücksichtigung von Personalausfällen durch Krankheiten, Schwangerschaften oder Urlaubstagen ist ebenso erforderlich.
Die Personalausstattung, aus der die Personal-Kind-Relation hervorgeht, ist gesetzlich im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) verankert und schreibt eine Personalausstattung von 100% vor. Jedoch ist dies aufgrund der oben genannten Faktoren inzwischen unzureichend. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, erklärt: “Angesichts der steigenden Anforderungen an pädagogische Fachkräfte ist eine 100%-Personalausstattung nicht mehr ausreichend. Diese Regelung ist veraltet und entspricht nicht den aktuellen Ansprüchen und Herausforderungen der frühkindlichen Bildung. Um eine stabile und qualitativ hochwertige Bildungsarbeit in Berliner Kitas zu gewährleisten und den Betreuungswünschen der Eltern gerecht zu werden, ist die Einführung und dauerhafte Sicherung einer 120%-Personalausstattung zwingend erforderlich.” Der Kitaverband VKMK fordert bereits seit langem eine Erhöhung und Anpassung der Personalausstattung in der frühkindlichen Bildung. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, diese Forderungen in die Tat umzusetzen. Die bevorstehenden Verhandlungen der “Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder” (RV Tag) bieten eine bedeutende Gelegenheit, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Personalausstattung zu beschließen und somit die Qualität der frühkindlichen Bildung nachhaltig zu sichern.
Berliner Unternehmen fordern längere Kita-Betreuungszeiten: VKMK fordert Unterstützung von Wirtschaft zur Realisierung
Wie eine Umfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer ergeben hat, fordern mehr als 50% der 500 befragten Unternehmen in Berlin eine Ausweitung der Betreuungszeiten in Kindertagesstätten. 27% gaben sogar den Wunsch an, die Betreuungszeiten der Kinder von sechs bis 18 Uhr zu erweitern. Grund hierfür ist, dass viele Eltern ihre Arbeitszeiten aufgrund der Betreuung ihrer Kinder einschränken, teilweise sogar aufgeben müssen.
Wie eine Umfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und der Industrie- und Handelskammer ergeben hat, fordern mehr als 50% der 500 befragten Unternehmen in Berlin eine Ausweitung der Betreuungszeiten in Kindertagesstätten. 27% gaben sogar den Wunsch an, die Betreuungszeiten der Kinder von sechs bis 18 Uhr zu erweitern. Der Hintergrund dieser Forderung liegt in den eingeschränkten Arbeitszeiten vieler Eltern, die ihre Berufstätigkeit oft reduzieren oder sogar aufgeben müssen, um die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Diese Einschränkungen tragen nicht nur zum anhaltenden Fachkräftemangel bei, sondern beeinträchtigen auch die wirtschaftliche Stabilität der Region.
Doch die Herausforderungen, mit denen die Berliner Unternehmen konfrontiert sind, spiegeln sich auch in den Kindertagesstätten wider. Hier verzeichnet sich ebenfalls ein signifikanter Anstieg des Bedarfs an qualifiziertem Fachpersonal, der bislang nur bedingt gedeckt werden konnte. Dies erschwert die Möglichkeit, die geforderten erweiterten Betreuungszeiten anzubieten. Trotz der Tatsache, dass die Kindertagesstätten in Berlin bereits 90% der angehenden Pädagoginnen und Pädagogen ausbilden, verbleiben nach Abschluss der Ausbildung nur etwa 50% in diesem Berufsfeld. Diese Abwanderung von Fachkräften beeinflusst direkt die Fähigkeit der Kitas, die benötigten Betreuungszeiten sicherzustellen.
„Um längere Öffnungszeiten in unseren Einrichtungen zu ermöglichen und damit den Bedürfnissen der Berliner Unternehmen gerecht zu werden, benötigen wir Unterstützung“, betont Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK. „Ohne ausreichend qualifiziertes Personal können unsere Kitas keine erweiterten Betreuungszeiten anbieten. Wenn unsere Kindertagesstätten dem Wunsch der Unternehmen entgegenkommen sollen, fordern wir im Gegenzug eine finanzielle Beteiligung der Wirtschaft bei der Ausbildung neuer Fachkräfte.“, erklärt Békési weiter.
Um die Anforderungen der Unternehmen mit der Realität in den Kitas in Einklang zu bringen, sind gemeinsame Lösungen erforderlich. Nur durch enge Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung kann eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Berliner Unternehmen erreicht und die personellen Kapazitäten der Kitas langfristig gesichert werden.
Kita-Qualität im Fokus: VKMK begrüßt Fortführung des Kita-Qualitätsgesetzes und Maßnahmen zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung
Wie bereits aus dem Haushaltsplan des Bundes für 2025 bekannt wurde, werden auch für die Jahre 2025/2026 jeweils zwei Milliarden Euro für die Weiterentwicklung der Qualität in den Kitas vom Bund bereitgestellt. Seit gestern liegt dem Kitaverband VKMK hierzu der Referentenentwurf zum „3. Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“ vor.
Wie bereits aus dem Haushaltsplan des Bundes für 2025 bekannt wurde, werden auch für die Jahre 2025/2026 jeweils zwei Milliarden Euro für die Weiterentwicklung der Qualität in den Kitas vom Bund bereitgestellt. Seit gestern liegt dem Kitaverband VKMK hierzu der Referentenentwurf zum „3. Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“ vor. Aus diesem Entwurf geht klar hervor, dass der Fokus auf der Gewinnung und Sicherung von Fachkräften, der Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation sowie der kontinuierlichen Qualitätssteigerung in der frühkindlichen Bildung liegt. Aufgrund dieser Priorisierung der Qualität werden Maßnahmen zur Entlastung der Eltern bei den Kostenbeiträgen nach einer Übergangszeit von einem halben Jahr nicht weiter verfolgt. Der VKMK begrüßt ausdrücklich diese Schwerpunktsetzung, die das Ziel verfolgt, das Qualitätsniveau in den Kitas bundesweit anzugleichen und allen Kindern gleiche Start- und Bildungschancen sowie gleichwertige Lebensverhältnisse zu ermöglichen.
Für Berlin bedeutet die fortsetzende Finanzierung des Kita-Qualitätsgesetzes durch den Bund, dass wichtige Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots für Kinder mit komplexen Unterstützungsbedarfen, zur Förderung der sprachlichen Bildung und zur praxisunterstützenden Fachberatung zur Sicherung von Fachkräften weitergeführt werden können. Diese Handlungsfelder waren bereits im Zeitraum 2023/2024 zentrale Bestandteile des Kitaqualitätsgesetzes zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung im Land Berlin. Die bis vor kurzem bestehende Unklarheit über die Finanzierung und Fortführung des Kita-Qualitätsgesetzes brachte viele Kita-Träger in eine gewisse Unsicherheit. Die Frage, ob diese wichtigen Programme und Maßnahmen in den kommenden Jahren weiterhin finanziell unterstützt werden, führte zu großen Ungewissheiten. Mit der nun zugesicherten Finanzierung und Fortführung des Gesetzes herrscht diesbezüglich endlich Klarheit und Erleichterung.
Der VKMK sieht in dieser Entwicklung ein großes Potenzial zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse und zur Sicherstellung, dass jedes Kind durch qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung die bestmöglichen Startchancen und individuelle Förderung erhält. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, unterstreicht: „Um gleichwertige Lebensverhältnisse zu gewährleisten, ist es essenziell, das Kita-Qualitätsgesetz fortzuführen und die Mittel auf die kontinuierliche Verbesserung der Bildungsqualität zu konzentrieren, anstatt sie für Beitragsfreiheit zu verwenden. Wir unterstützen diesen Ansatz nachdrücklich und stehen bereit, gemeinsam an dessen Weiterentwicklung zu arbeiten.“
Politik für Kinder – Mit Kindern: CDU-Kindergipfel zum Kita-Chancenjahr
Heute veranstaltete die CDU-Fraktion Berlin im Abgeordnetenhaus den Kindergipfel, bei dem das bevorstehende Kita-Chancenjahr 2025/2026 im Mittelpunkt stand. Der Kindergipfel zeichnete sich durch eine inklusive Podiumsdiskussion aus, bei denen sowohl Kinder als auch Pädagog*innen und Geschäftsführer von Kita-Betrieben zu Wort kamen.
Heute veranstaltete die CDU-Fraktion Berlin im Abgeordnetenhaus den Kindergipfel, bei dem das bevorstehende Kita-Chancenjahr 2025/2026 im Mittelpunkt stand. Der Kindergipfel zeichnete sich durch eine inklusive Podiumsdiskussion aus, bei denen sowohl Kinder als auch Pädagog*innen und Geschäftsführer von Kita-Betrieben zu Wort kamen. Zu den prominenten Diskutant*innen gehörten neben der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Katharina Günther-Wünsch, unter anderem auch Roman Simon (CDU Fraktion Berlin), Milena Lauer (BeKi) sowie Stefan Spieker (IHK Berlin-Vizepräsident & Geschäftsführer Fröbel) und Guido Lange (LEAK).
Ein besonderes Highlight war die aktive Teilnahme von Kindern aus fünf Berliner Kitas, die als Delegierte vertreten waren. Vom Kitaverband VKMK nahm die Kita Kleiner Fratz Spandau teil, begleitet von Geschäftsführerin Grit Nierich. Vor der Diskussion hatten die Kinder-Delegierten die Gelegenheit, sich direkt mit politischen Pat*innen auszutauschen und ihre Wünsche an die zu äußern. Diese wurden anschließend in der Podiumsdiskussion an Katharina Günther-Wünsch und Roman Simon übergeben. Die Wünsche reichten von einem Pool auf dem Dach bis hin zu mehr Erzieher*innen in den Kitas. Lisa Knack, Abgeordnete der CDU-Fraktion, fungierte dabei als Patin für die Kinder der Kita Kleiner Fratz, deren Hauptanliegen die Forderung nach mehr Personal war.
Der Gipfel war geprägt von Partizipation und Miteinander. Das inklusive Format des Events gewährleistete, dass die Stimmen und Anliegen aller Beteiligten der frühkindlichen Bildung in Berlin gehört und ernst genommen wurden. Es wurde nicht nur über Kinder geredet, sondern mit den Kindern. Senatorin Katharina Günther-Wünsch kündigte an, dass die CDU-Fraktion Berlin plant, regelmäßig ähnliche Formate stattfinden zu lassen, um gemeinsam Lösungen für Herausforderungen zu finden und umzusetzen – ein starkes Zeichen für mehr Kooperation in der Zukunft.
Der Kitaverband VKMK lobt insbesondere die Initiative der CDU-Fraktion zur Einführung des Kita-„Willkommensgutscheins“ im Rahmen des Kita-Chancenjahres 2025/26. Die Bedeutung dieser Maßnahme wurde auch beim Gipfel von den Diskutant*innen besonders hervorgehoben. Der Gutschein, der in mehrere Sprachen übersetzt wird, wird automatisch allen Kindern im Alter von drei Jahren zugestellt und dient als Kita-Gutschein für sieben Stunden tägliche Betreuung. Diese Neuerung soll Barrieren im Zugang zur frühkindlichen Bildung abbauen, da keine Behördengänge mehr erforderlich sind, um den Gutschein zu beantragen. Familien erhalten somit deutlich früher Informationen und Zugang zu den Angeboten der frühkindlichen Bildung in Berlin. Der VKMK erachtet diese Reform als wesentliches Herzstück des Kita-Chancenjahres und als Quantensprung in der frühkindlichen Bildung in Berlin.
Jedes Kind zählt: Für Vielfalt und Inklusion in der frühkindlichen Bildung
Inklusion ist mehr als nur ein pädagogisches Konzept – sie sollte eine Selbstverständlichkeit und Normalität sein, sagt Monika Lapinski, Fachberaterin für Inklusion beim Kitaträger "Kleiner Fratz" in Berlin. In einem aufschlussreichen Interview spricht Lapinski über ihre langjährige Arbeit in der frühkindlichen Bildung und die tief verwurzelte Überzeugung, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Herkunft, wertvolle Beiträge leisten kann.
Inklusion ist mehr als nur ein pädagogisches Konzept – sie sollte eine Selbstverständlichkeit und Normalität sein, sagt Monika Lapinski, Fachberaterin für Inklusion beim Kitaträger "Kleiner Fratz" in Berlin. In einem aufschlussreichen Interview spricht Lapinski über ihre langjährige Arbeit in der frühkindlichen Bildung und die tief verwurzelte Überzeugung, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Herkunft, wertvolle Beiträge leisten kann. Lapinski teilt ihre Erfahrungen und Erfolge, wie sie Kindern, die sich schwer taten, zu kommunizieren, neue Kommunikationsfähigkeiten vermittelte, und wie sie durch die Einführung offener Strukturen und individueller Angebote die Selbstständigkeit und das Wohlbefinden der Kinder förderte. Dieses Interview beleuchtet nicht nur die Herausforderungen und Erfolge ihrer Arbeit, sondern auch ihre visionäre Herangehensweise an Inklusion, die sie als eine Herzensangelegenheit und eine gemeinschaftliche Verantwortung aller Beteiligten betrachtet.
Inklusion als Herzstück: Monika Lapinskis Weg zur Vielfalt in der frühkindlichen Bildung
„Ich habe Erziehungswissenschaften auf Magister studiert vor langen, langen Jahren,“ erinnert sich Lapinski. „Das war ein ziemlich trockenes Studium und dann bin ich irgendwann in der offenen Jugendarbeit gelandet.“ Schon früh zeigte sich ihre Affinität zur Beratung, die sich durch ihre gesamte Karriere zog. In der Jugendarbeit unterstützte sie Jugendliche und junge Erwachsene unterschiedlichster Herkunft bei Anträgen, Amtstelefonaten und Gesprächen. Doch Lapinski wollte mehr. „Irgendwann hat mir das nicht ausgereicht und ich wollte in den Kita-Bereich gehen,“ erzählt sie. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten, da sie damals als überqualifiziert galt, fand sie schließlich eine Anstellung in einem Kindergarten in Spandau. Dort arbeitete sie mit Kindern und Familien aus diversen Lebenswelten und mit unterschiedlichen Ressourcen und Ängsten. Ihr Wechsel zum Kitaträger Kleiner Fratz markierte einen bedeutenden Schritt in ihrem Berufsweg. Dort machte sie eine Weiterbildung zur Sprachförderkraft über das Deutsche Jugendinstitut und war dann als Sprachförderkraft in der Krippe tätig. „Ich konnte Kinder dazu bringen, die im Kita-Alltag nicht wirklich offen waren für eine Kommunikation, zu sprechen,“ berichtet sie stolz. Dabei war ihr besonders wichtig, dass die Kinder sich wohlfühlten und keinen Druck verspürten. „Das Kind muss sich gut fühlen in der Kita-Gemeinschaft, in der Gruppe mit den Kindern, mit allen Erwachsenen. Es muss Zeit haben, es darf keinen Druck verspüren. All das sind natürlich die Vorteile, um das Kind zur Sprache zu bringen.“ Ihre Bemühungen trugen Früchte: Kinder, die zuvor Schwierigkeiten hatten, sich sprachlich auszudrücken, entwickelten neue Kommunikationsfähigkeiten. Nach ihrer Zeit in der Sprachförderung übernahm sie die Leitung einer Kita des Kleinen Fratz` in Spandau. Dort stellte sie schnell fest, dass das bestehende System der strengen Gruppenarbeit und der zeitlich getakteten Angebote nicht den Bedürfnissen der Kinder entsprach. „Manche Kinder, die in die Kita kamen, wollten nicht gleich frühstücken. Sie mussten erst mal ankommen, sich orientieren,“ erklärt sie. Ihr erster Schritt als Leitung war die Einführung eines offenen Frühstücks, um den Kindern mehr Flexibilität und Selbstständigkeit zu ermöglichen. Diese Veränderung war nur der Anfang ihrer Vision einer offenen Arbeit in der Kita. „Ich war immer ein Fan von einer offenen Arbeit mit Funktionsräumen, mit unterschiedlichen Angeboten, die die Kinder nutzen können.“ Durch behutsame, aber stetige Veränderungen führte Lapinski ihr Team zur offenen Arbeit. „Wir haben erst einmal mit einem offenen Tag in der Woche angefangen. Irgendwann waren es zwei und dann fünf Tage.“ Diese Methode ermöglichte es den Kindern, selbstbestimmt zu entscheiden, welches Angebot sie nutzen wollten und bei welcher Fachkraft sie sein wollten. Die offene Struktur förderte nicht nur die Selbstständigkeit der Kinder, sondern auch ihre Kommunikation untereinander und mit den Erwachsenen. „Die Kinder konnten sich gut orientieren, weil wir mit ihnen sehr viel kommuniziert haben,“ betont Lapinski. Dabei spielten auch technische Hilfsmittel wie Bilder und Walkie-Talkies eine Rolle, die die Kommunikation zwischen den Fachkräften über die verschiedenen Räume hinweg erleichterten und die die Kinder ab einem gewissen Zeitpunkt auch selbst nutzten, um ihre Wünsche zu äußern. Schließlich erreichte Lapinski alle Ziele, die sie sich in der Kita gesetzt hatte. „Ich habe jetzt in der Kita alle Ziele erreicht, die ich mir gesetzt habe. Wir haben das offene Konzept, das super funktioniert.“ Ihr Erfolgsrezept? Eine flexible, kinderzentrierte Herangehensweise, die sowohl das pädagogische Personal als auch die Kinder unterstützt und fördert.
Kreativer Freiraum: Der Tagesablauf einer inklusiven Kita
Diese flexible und kinderzentrierte Herangehensweise spiegelt sich auch im täglichen Ablauf der inklusiven Kita wider. „Die Kinder kommen erstmal in der Kita an, verabschieden sich von den Eltern und gehen zu den Fachkräften,“ beginnt Lapinski. Je nach Bedürfnis können die Kinder entweder frühstücken oder direkt ins Freispiel gehen. „Die Kinder, die frühstücken wollen, gehen frühstücken, die nicht frühstücken wollen, weil sie es vielleicht schon zu Hause gemacht haben, können erstmal in einem Raum ins Freispiel gehen.“ Der Morgenkreis ist ebenfalls flexibel gestaltet und findet je nach Lust der Kinder in unterschiedlichen Räumen oder im Garten statt. Er wird auch thematisch variabel gestaltet, sei es als Bewegungs- oder Musik-Morgenkreis oder um über ein bestimmtes Thema zu sprechen. Parallel zum Morgenkreis gibt es verschiedene Angebote und das Freispiel. „Die Kinder entscheiden, je nachdem, was an dem Tag angeboten wird, wozu sie Lust haben. Manchmal kamen die Kinder auch mit eigenen Ideen.“ Kein Kind wird gezwungen, eine bestimmte Zeit in einem Raum zu bleiben, was ihnen die Freiheit gibt, sich nach ihren Interessen zu orientieren. Die Angebote werden in Kleingruppen durchgeführt, was eine intensivere Betreuung ermöglicht. „Die Fachkraft ist nochmal anders im Sein mit den Kindern.“ erläutert Lapinski. Dadurch fühlen sich die Kinder mehr gesehen und geschätzt. Das Mittagessen ist ebenfalls flexibel gestaltet, mit einem Zeitfenster von ein bis zwei Stunden, in dem die Kinder selbst entscheiden können, wann sie essen möchten. „Manche Kinder sind schon ziemlich früh essen gegangen und blieben an dem Tisch sitzen, bis das Essen gänzlich vorbei war, weil sich die Gesprächspartner immer gewechselt haben und sie immer neue Themen hatten.“ Am Nachmittag liegt der Fokus mehr auf dem Freispiel, wobei je nach Wetterlage unterschiedliche Aktivitäten angeboten werden. „Entweder geht es dann in den Bewegungsraum, wo Bewegungsparcours aufgebaut sind, oder bei gutem Wetter in den Buddelkasten. Es gibt Fußballangebote und verschiedene Ausflüge.“ Besondere Angebote wie das Reiten und tiergestützte Pädagogik spielen eine wichtige Rolle in der Inklusion. „Die Kinder sind damals, ich glaube zweimal in der Woche, zum Reiten gegangen, dort lernten sie den Umgang mit den Pferden,“ berichtet Lapinski. Außerdem gibt es eine Kollegin, die mit einem Therapiehund arbeitet und kleine Einheiten mit ausgewählten Kindern durchführt. Lapinski betont die Wichtigkeit von Flexibilität und guter Absprache unter den Fachkräften, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. „Oftmals wird argumentiert, dass offene Arbeit nicht für Kinder mit Teilhabebedarfen geeignet ist, weil die Kinder da verloren gehen. Oder dass offene Arbeit pures Chaos bedeutet. Nein! Natürlich muss da eine gute Struktur herrschen und gute Absprachen müssen auch gegeben sein, aber es funktioniert.“ Zum Schluss des Tages erfolgt die Abholzeit. „Die Kinder haben dann, wenn die Eltern kamen, ganz schnell erzählt, was sie so alles gemacht haben. Oder es gab ein kurzes Tür- und Angelgespräch zwischen Fachkraft und Eltern.“
Inklusion als Selbstverständlichkeit und Normalität
Der strukturierte, aber flexible Tagesablauf in der Kita spiegelt die Grundsätze wider, die Lapinski in ihrer inklusiven Arbeit umsetzt. Dabei geht ihre Auffassung von Inklusion als Normalität weit über die organisatorischen Aspekte hinaus und prägt die gesamte pädagogische Philosophie. „Für mich ist es wichtig, dass sich jeder wohlfühlt,“ beginnt Lapinski. Sie sieht Inklusion nicht als ein spezifisches pädagogisches Konzept, sondern als eine grundlegende Selbstverständlichkeit. „Ich habe immer die Welt als Ganzes gesehen. Ich habe mir nie dabei gedacht, dass dies jetzt ein Aspekt der Inklusion ist,“ beginnt Lapinski. „Es sollte eine natürliche Akzeptanz dafür gegeben sein, dass jeder eigene Bedürfnisse hat, eigene Wünsche hat und einfach jeder auf seine Art besonders ist.“ Ihre eigenen Erfahrungen als Jugendliche, die mit 14 Jahren aus Polen nach Deutschland kam und kein Deutsch sprach, haben ihre Empathie und ihr Verständnis für Kinder und Familien in ähnlichen Situationen tief geprägt. „Ich weiß, was dieser Druck bedeutet. Ich weiß, was diese Ausgrenzung bedeuten kann, dieses sich nicht zugehörig fühlen und sich immer anpassen zu müssen, um akzeptiert zu werden.“ Diese persönlichen Erlebnisse führten dazu, dass Lapinskis Herangehensweise geprägt von tiefem Einfühlungsvermögen ist und der Überzeugung, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Herkunft, wertvolle Beiträge leisten kann. „Wir sind ja alle anders, wir sind ja alle verschieden und trotzdem haben wir Gemeinsamkeiten.“ Sie stellte sich stets eine Welt vor, in der alle voneinander lernen und sich bereichern. „Alle gemeinsam und alle schöpfen voneinander, alle lernen voneinander. Dass jeder sich bereichert fühlt durch diesen gemeinsamen Kontakt, dass Ängste abgebaut werden und die Lust auf den Kontakt gefördert wird,“ betont sie. Lapinskis Verständnis von Inklusion geht weit über gesetzliche Grundlagen hinaus. „Ich habe die Welt einfach mit dem Herzen gesehen. Und so habe ich gearbeitet,“ sagt sie. Lapinski betont dabei, dass es fatal wäre, etwas als „Normalität“ zu betrachten und von jedem zu erwarten, sich anzupassen. „Was macht das mit einem Menschen? Das führt zu dem Gefühl, man ist nicht richtig, man ist nicht genug, man ist fehl am Platz, man ist falsch.“ In ihrer Rolle als Fachberaterin setzt Lapinski sich vehement gegen Ausgrenzung ein, auch wenn sie von pädagogischen Fachkräften ausgeht. „Ich habe es immer sehr abgelehnt, wenn ich merkte oder mitbekommen habe, dass es zu Ausgrenzung kam. Da habe ich sofort eingegriffen, weil ich diese Ungerechtigkeit einfach nicht ertragen habe.“ Ihre Vision von Inklusion erfordert eine gemeinschaftliche Verantwortung aller Beteiligten. „Es geht darum, dass es eine Gleichberechtigung gibt, dass jedes Kind die gleichen Zugangsmöglichkeiten bekommt, dass kein Kind ausgegrenzt wird.“ Diese Verantwortung schließt die Sensibilisierung für die Bedürfnisse und Barrieren aller ein, um eine faire und inklusive Umgebung zu schaffen. „Es geht darum, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen und zu schauen, was wir tun können, damit diese Bedürfnisse oder die Besonderheiten, die wir ja alle haben, gut in den Alltag eingebunden werden. Ich versuche mich dabei immer in den Menschen hineinzuversetzen, in seine Umwelt, mit seinen Barrieren, um zu verstehen.“ Dabei ist Flexibilität entscheidend. “Man kann Inklusion nicht als ein festgeschriebenes Konzept sehen. Das Konzept Inklusion muss immer flexibel sein.” Sie gibt Beispiele aus der Praxis, wie die Bereitstellung von Gebetsräumen für Kolleginnen oder die Anpassung der Ernährung für Kinder: „Wenn eine Kollegin zu einer bestimmten Tageszeit beten möchte oder vielleicht auch beten muss, dann bekommt sie natürlich den Raum und die Zeit, um das tun zu können.“ Lapinski betont die Wichtigkeit, auch finanzielle Barrieren zu überwinden, um Teilhabe zu ermöglichen. „Wenn eine Kita-Fahrt geplant ist und wir eine Familie haben, die sich die Kosten nicht leisten kann, dann bezahlt die Kita das.“ Sie erinnert sich an einen Fall, bei dem die Kita die Reisekosten für einen Jungen mit hohen Teilhabebedarfen übernommen hat, um seine Ausgrenzung zu verhindern. Ein weiteres Beispiel für diese Flexibilität ist die Gestaltung des Kita-Tages für Kinder mit Gesundheitsproblemen. „Man muss immer gucken, wie kann ich das gestalten, damit das Kind gut reinkommt, damit das Kind die Zeit, die es in der Kita hat, auch gut verbringen kann.“ Sie schlägt vor, Kinder bei Bedarf zunächst in einem separaten Raum ankommen zu lassen und dann erst zu den Angeboten zu begleiten. Manchmal ist es notwendig, die Betreuungszeiten an die Bedarfe des Kindes anzupassen und sich nicht ganz starr an die Stunden gemäß des Kitagutscheins zu halten, um Überforderung zu vermeiden. Auch hier ist ein sehr intensiver Austausch mit den Eltern und gemeinsame Überlegungen von höchster Bedeutung. Lapinski betont, dass die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen und dass diese oft selbst die besten Lösungen bieten. „Die Kinder geben immer sehr viel Vorlage. Sie sprechen ja sehr viel mit dem Kita-Personal.“ Durch regelmäßige Kinderkonferenzen werden die Wünsche und Ideen der Kinder gesammelt und ernst genommen. „Wir haben mit den Kindern auch regelmäßig besprochen, wie sie die Kita sehen, was sie sich wünschen. Wir haben das immer verschriftlicht und an die Eltern kommuniziert.“ Diese partizipative Herangehensweise trägt nicht nur zur Zufriedenheit der Kinder bei, sondern erleichtert auch die Akzeptanz von Entscheidungen durch die Eltern. „Das Schöne dabei war, dass wir festgestellt haben, dass die Eltern die Entscheidungen dann besser annehmen konnten, wenn sie von den Kindern kamen. Also wir haben sehr viel Wert auf das Recht des Kindes gelegt.“
Hürden, mit denen inklusive Kitas konfrontiert sind
Doch obwohl diese Herangehensweise innerhalb der Kita erfolgreich umgesetzt wird, stoßen Lapinski und ihr Team immer wieder auf Schwierigkeiten. "Das Recht auf Inklusion ist ein Menschenrecht, und dennoch wird es oft nicht umgesetzt", erklärt Monika Lapinski nachdenklich. Ihre Arbeit in den Einrichtungen zeigt ihr täglich, dass die Herausforderungen weit über die theoretische Anerkennung hinausgehen. "Es ist frustrierend zu sehen, wie Ämter sich gegen die Unterstützung von Kitas und Trägern sträuben", sagt sie und fügt hinzu: "Warum müssen wir immer noch über die Grundlagen von Inklusion diskutieren? Es ist doch nichts Neues daran, dass Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen da sind." Lapinski betont die dringende Notwendigkeit einer Unterstützung durch Politik und Verwaltung. "Wenn jetzt ein Amt aufgesucht wird und wir sagen, das Kind bräuchte eine Eins-zu-Eins-Betreuung, und klar, das Kind hat diesen Paragraphen und da gibt es beispielsweise auch eine Fachkraft für Inklusion und trotzdem ist es nicht zu leisten, nicht bei einer Eins-zu-Eins-Betreuung. Das ist ja mit Inklusion auch nicht gemeint. Und trotzdem brauchen manche Kinder eine Eins-zu-Eins-Beobachtung oder -Begleitung. Ich spreche jetzt nicht von der pädagogischen Arbeit, für die ist ja die Fachkraft für Inklusion natürlich zuständig, beziehungsweise das gesamte Team eigentlich. Dann wird das oft mit dem Argument der Doppel-Finanzierung abgewehrt. Ja das geht nicht, weil das wäre ja dann die Doppel-Finanzierung, wo wir uns fragen, wo wäre da die Doppel-Finanzierung. Und im Umkehrschluss ist es oft so, dass die Betreuungszeiten von Kindern gekürzt werden müssen, weil das Kita-Personal das dann einfach nicht mehr schafft. Ich verstehe nicht, warum sich Ämter dagegen sträuben, dass eine Kita-Begleitung über die Eingliederungshilfe dem Kind zur Seite gestellt wird. Das Kind hat ja einen Anspruch darauf. Das Kind hat einen Anspruch auf Bildung, oder ein Recht auf Bildung, und ein Recht auf soziale Teilhabe. Und beides wird behindert, indem die Hilfen ausbleiben. Und die Kitas und die Träger werden meistens allein gelassen.", stellt sie klar. „Warum arbeiten die Ämter nicht mit den Einrichtungen zusammen? Warum gibt es da kein Miteinander? Warum sieht man da diese Hierarchie so stark?“ Ein zentraler Punkt in Lapinskis Argumentation ist die Notwendigkeit einer gerechten Budgetierung. "Warum können wir nicht ein flexibles Budget haben, das es Kitas ermöglicht, individuelle Bedarfe zu decken? Jede Kita sollte die Mittel haben, um auf die spezifischen Bedürfnisse der Kinder einzugehen, weil im Grunde jede Kita eine Inklusionskita ist", fordert sie. Sie hinterfragt auch die Ausbildung der Fachkräfte: "Warum wird die Zusatzqualifikation für Inklusion nicht bereits in die Ausbildung integriert? Jede Fachkraft sollte in der Lage sein, mit Vielfalt umzugehen." Ein weiterer kritischer Punkt ist die finanzielle Belastung für Träger und Fachkräfte, die sich zusätzliche Qualifikationen leisten müssen. "Die Kosten für Weiterbildungen sind mit dem neuen Curriculum prohibitiv hoch. Hier brauchen wir dringend Unterstützung durch staatliche Zuschüsse oder eine vollständige Finanzierung", betont sie nachdrücklich. Trotz der Herausforderungen sieht Lapinski auch positive Entwicklungen, wie die Überarbeitung des Berliner Teilhabe- und Förderplans. "Das war eine großartige Arbeit, die Sie da gemacht haben. Und auch noch mal dieses Signal zu senden an die Träger, an die Einrichtung, dass diese Arbeit eine gemeinschaftliche Arbeit des Kita-Personals ist.", lobt sie. Dennoch mahnt sie zur Einheitlichkeit in den Verwaltungsprozessen, um die Last der Bürokratie zu verringern. Ihr Engagement für Inklusion ist nicht nur beruflich motiviert, sondern von einer tiefen Überzeugung geprägt, dass jede Kita ein Ort der Inklusion sein sollte. "Es geht nicht nur um die rechtliche Verpflichtung, sondern um eine Frage der Gerechtigkeit und Menschlichkeit", sagt sie abschließend.
Barrieren überwinden und Teilhaberechte stärken
Die Notwendigkeit, die Umsetzung von Inklusion zu unterstützen, wird immer dringlicher angesichts des kontinuierlich steigenden Bedarfs. Monika Lapinski erläutert: "Der Bedarf an Inklusion ist steigend, und die Anforderungen an das Personal nehmen kontinuierlich zu.” Ein möglicher Grund hierfür: “Ein Aspekt ist sicherlich die veränderte Elternschaft. Viele Eltern übertragen die Erziehungsverantwortung zunehmend auf die Kitas, nutzen jedoch die zahlreichen Angebote für Eltern nicht ausreichend. Die Verantwortlichkeit liegt aber hauptsächlich bei den Eltern. Die Kita sollte nur ergänzend und beratend tätig sein." Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklungen verstärkt. "Kinder kamen nach der Pandemie mit zusätzlichen Bedarfen zurück. Es war eine Ausnahmesituation, die das Verhalten vieler Kinder verändert hat. Wir beobachten vermehrt herausforderndes Verhalten, und die Diagnose von Autismus-Spektrum-Störungen oder ADHS nimmt zu. Oft fragen wir uns, ob es wirklich Autismus ist oder vielleicht etwas anderes, das bislang unentdeckt blieb." Ein zentraler Punkt in Lapinskis Ansatz ist die Ablehnung der Etikettierung von Kindern. "Jedes Kind hat einen Förderbedarf, jedes Kind ist besonders. Die Etikettierung als 'Integrationskind' oder 'I-Kind' lenkt die Aufmerksamkeit auf die Unzulänglichkeiten und setzt die Kinder unter Druck. Behinderungen im Alltag des Kindes sind das Ergebnis von Barrieren, sei es räumlich oder strukturell, und nicht das Problem des Kindes selbst." Auch im Gespräch mit Eltern klärt Lapinski häufig Missverständnisse über den Begriff "Behinderung" auf. "Behinderung ist ein Symptom von gesellschaftlichen und systemischen Unzulänglichkeiten, nicht ein Makel des Kindes. Wenn Eltern verstehen, dass die Herausforderungen ihrer Kinder in den Barrieren der Umgebung begründet liegen, ändert sich oft ihre Wahrnehmung." Lapinski betont, dass Inklusion nicht nur eine Frage der gesetzlichen Voraussetzungen ist, sondern vor allem eine der Haltung. "Die Haltung im Team ist entscheidend. Ein offenes Team entwickelt Ideen und Lösungswege, um alle Kinder aufzunehmen, unabhängig von ihren Beeinträchtigungen. Inklusion bedeutet, Barrieren zu überwinden und jedem Kind sein Teilhaberecht zu ermöglichen."
Über die Stille sprechen: Nonverbale Kommunikation als Zeichen wahrnehmen
Lapinski betont, dass Inklusion mehr bedeutet, als nur Kinder aus verschiedenen Ländern aufzunehmen oder deren unterschiedliche Fähigkeiten anzuerkennen. "Inklusion bedeutet, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen, diese zu erkennen und darauf zu reagieren. Das gilt besonders für Kinder, die die verbale Sprache nicht beherrschen. Oft wird aus Hilflosigkeit oder Unsicherheit weggeguckt, wenn ein Kind sich nicht verbal äußern kann. Dabei kommunizieren diese Kinder so viel über Blickkontakt, Mimik, Gestik und Körpersprache. Wir müssen uns die Zeit nehmen, diese Zeichen zu erkennen und zu verstehen." Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist die Videographie. "Wir haben in unserer Kita Videosequenzen von den Kindern gemacht und diese gemeinsam ausgewertet. Dadurch sieht man so viel mehr und kann einen Perspektivwechsel erreichen. Es hilft, das Bild vom Kind zu überdenken und zu hinterfragen, ob das Kind wirklich immer den Morgenkreis oder das Mittagessen stört oder ob wir die guten Situationen übersehen. Wir tendieren oft dazu, zu urteilen und zu werten. Davon müssen wir wegkommen und stattdessen auf die nonverbale Kommunikation der Kinder achten." Lapinski erläutert weiter, dass auch aggressive Verhaltensweisen oft Missverständnisse sind. "Kinder senden Signale, dass etwas für sie nicht stimmt. Anstatt das Verhalten als aggressiv zu werten, sollten wir versuchen zu verstehen, was das Kind uns mitteilen möchte. Oft sind wir hilflos und verlassen die Situation, lassen das Kind allein. Aber wir müssen hinschauen und erkennen, wann das Kind kooperieren möchte und es in diesen Momenten begleiten. Das führt zu einem anderen Kontakt und das vermeintlich negative Verhalten nimmt ab." Bei herausforderndem Verhalten sind Gespräche mit den Eltern unerlässlich. "Die Eltern sind wichtige Gesprächspartner. Wenn ein Kind uns herausfordert, schauen wir zuerst, was im Kita-Alltag geändert werden kann. Wenn das Verhalten anhält oder intensiver wird, brauchen wir Experten wie Ärzte oder Therapeuten. Wir unterstützen die Familien, sich auf den Weg zu machen, indem wir Entwicklungsberichte schreiben und die Eltern beraten, wohin sie sich wenden können. Manchmal stellen wir auch den Kontakt her, wenn die Eltern unsicher sind." Die enge Zusammenarbeit mit den Eltern und anderen Akteuren ist essenziell. "Es ist ein ganzes System, das zusammenarbeitet, um das Beste für das Kind zu erreichen. Nur so kann Inklusion funktionieren. Auch wenn Eltern anfangs Schwierigkeiten haben, zu akzeptieren, dass ihr Kind Teilhabebedarfe hat, sind sie am Ende oft dankbar, dass die Kita hartnäckig war und Unterstützung initiiert hat." Abschließend betont Lapinski, dass Inklusion bereits in der frühkindlichen Bildung beginnen muss, um langfristig positive Auswirkungen auf den Bildungs- und Lebensweg der Kinder zu haben. "Ein inklusives Konzept in der frühkindlichen Bildung kann präventiv wirken und dazu beitragen, dass Kinder später weniger Schwierigkeiten haben. Wir müssen die Strukturen und Haltungen in unseren Kitas so gestalten, dass alle Kinder die Unterstützung und Anerkennung erhalten, die sie brauchen." Lapinski sieht die Kita als optimalen Ort für Inklusion und Prävention späterer sozialer Probleme. „Die Kinder sind so achtsam mit allem, was um sie herum passiert,“ sagt sie. „Dieses vielfältige Miteinander fördert unglaublich stark das soziale Verhalten der Kinder.“ Sie hebt hervor, dass Kinder in den frühen Jahren sehr offen und anpassungsfähig sind und dass Vorurteile und Ausgrenzungen erst später, oft beeinflusst durch das Elternhaus, entstehen. „Die Inklusion in der Kita ist aus meiner Sicht am besten möglich, weil für die Kinder ist ja alles so selbstverständlich.“
Sprungbrett zur Vielfalt: Wie eine Kita geflüchteten Kindern den Start erleichtert
Im Rahmen des Gespräches hob Monika Lapinski auch ein herausragendes Projekt hervor, bei dem Inklusion erfolgreich in ihrer Kita umgesetzt wurde. "Als ich die Leitungsposition übernahm, erhielten wir eine Anfrage vom Bezirksamt Spandau für ein sogenanntes Sprungbrett-Angebot. Ziel war es, geflüchtete Kinder mit Kita-Kindern in Kontakt zu bringen, um ihnen den Alltag zu erleichtern und soziale Kontakte zu fördern," erzählt Lapinski. "Meine erste Reaktion war einfach zu sagen: Ja, das machen wir. Ich hatte viele Ideen und Vorstellungen, wie das funktionieren könnte, und teilte diese mit meinem Team." Zu Lapinskis Überraschung stieß ihr Vorschlag auf große Zustimmung und Kreativität innerhalb des Teams. "Das Team war begeistert und brachte viele eigene Ideen ein. Sie schlugen vor, Räume zu öffnen, Leseangebote zu machen, Theater zu spielen, zu tanzen und zu basteln. Die positive Reaktion des Teams war überwältigend und zeigte, dass wir auf dem richtigen Weg waren." Die Umsetzung des Angebots begann bald, und die geflüchteten Kinder nahmen an drei Nachmittagen pro Woche für zwei bis drei Stunden an den Kita-Aktivitäten teil, zunächst in Begleitung ihrer Eltern und später von Betreuern. "Die Kinder haben gemeinsam mit unseren Kita-Kindern gespielt, gegessen, gelacht und sich integriert. Besonders beeindruckend war, wie schnell sie die deutsche Sprache lernten und sich in die Gruppe einfügten," berichtet Lapinski. Einige dieser Kinder erhielten später auch reguläre Kita-Plätze. "Es brauchte keine große Eingewöhnung, weil die Kinder schon da waren und sich wohlfühlten. Anfangs hatten wir Schwierigkeiten mit der Akzeptanz der Elternschaft. Viele Eltern hatten Vorurteile und Ängste, dass Dinge gestohlen oder kaputt gemacht würden," erinnert sich Lapinski. Durch offene Gespräche und Elterncafés, die die Interaktion und den Austausch förderten, gelang es Lapinski und ihrem Team, diese Vorbehalte zu überwinden. "Ich habe den Eltern erklärt, dass diese geflüchteten Familien Schutz und Akzeptanz suchen, genauso wie wir es uns wünschen würden, wenn wir ins Ausland gingen. Diese Offenheit hat schließlich dazu geführt, dass die Eltern die Vielfalt und die Vorteile der Inklusion erkannten." Mit der Zeit entwickelten sich die Elterncafés zu Selbstläufern, organisiert und begleitet von den Elternvertretern selbst. "Die Elterncafés führten zu schönen Gesprächen und stärkten das gegenseitige Verständnis und den Respekt," berichtet Lapinski. "Bei unseren Festen waren die geflüchteten Kinder und ihre Familien immer eingeladen und fühlten sich zunehmend wohler." Ein besonderer Erfolg des Sprungbrett-Angebots war die Integration eines Betreuers der geflüchteten Kinder, der später als Erzieherhelfer in der Kita anfing und sich mittlerweile als fester Bestandteil im Träger etabliert hat. "Es freut mich sehr, dass aus dieser Initiative langfristige Verbindungen und berufliche Perspektiven entstanden sind," sagt Lapinski abschließend.
Gemeinsam stark für Inklusion
Bei der Betrachtung der Erfolge des Zentrums beschreibt Monika leidenschaftlich entscheidende Momente, in denen inklusive Prinzipien in die Tat umgesetzt wurden. "Ich freue mich immer, wenn ein Team mir von einer Familie berichtet, die Betreuung für ein Kind mit spezifischen Bedarfen sucht. Selbst wenn uns eine spezialisierte Fachkraft fehlt, nehmen wir das Kind mit offenen Armen auf. Das verkörpert für mich unsere Mission. Es geht darum jedes Kind so anzunehmen, wie es ist." Sie betont die nahtlose Integration inklusiver Praktiken durch das Team, trotz unterschiedlicher Expertisen. "Teams, die diese Ethik verkörpern, benötigen möglicherweise immer noch Unterstützung von Behörden, aber sie setzen sich mit einer unerschütterlichen Hingabe für Inklusion ein", bemerkt Monika und unterstreicht die Widerstandsfähigkeit des Teams im Umgang mit bürokratischen Herausforderungen. Sie erzählt von prägenden Momenten mit ihren Kollegen. "Der Moment, in dem ich sehe, wie sehr sich meine Kollegen über die Entwicklungsschritte eines Kindes freuen, hat immer einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Ihr Stolz und ihre empathische Kommunikation sind wirklich ermutigend", teilt sie mit, ihre Stimme voller Bewunderung für das Engagement des Teams und deren Leistungen im Kita-Setting. Sie erinnert sich daran, wie gemeinsame Reflexionen unter Kollegen zu innovativen Lösungen geführt haben. "Diese Diskussionen entfachen oft lebhafte Debatten, die in Lösungen voller Hoffnung münden. Es ist unglaublich befriedigend, unseren gemeinsamen Weg hin zu mehr Inklusion zu beobachten", reflektiert Monika herzlich. Im Hinblick auf ihre Zukunftswünsche für die Inklusion drücken Monikas Worte Dringlichkeit und Hoffnung aus. "Mein Wunsch ist es, dass Gesellschaft und Kita-Profis jeden Einzelnen mit all seiner Einzigartigkeit offen und ohne Angst annehmen", betont sie. An die Politik gerichtet, unterstreicht sie die Notwendigkeit einer echten Anerkennung der Herausforderungen, denen Familien mit Kindern mit Behinderungen gegenüberstehen. "Familien müssen oft ein Labyrinth durchqueren, um auf essentielle Dienste zuzugreifen. Sie verdienen klare Wege und uneingeschränkte Unterstützung, nicht finanzielle Barrieren", stellt sie bestimmt fest. Monika fordert eine Überprüfung der Personalquoten und betrachtet die Investition in Kita-Einrichtungen als Bildungsinstitutionen als wesentlich. "Es sollte nicht dem Glück überlassen sein, in welche Einrichtung ein Kind gelangt. Jedes Kind verdient Zugang zu qualitativ hochwertiger Betreuung und Bildung. Kinder können nicht fünf oder zehn Jahre auf angemessene Unterstützung warten. Diese brauchen sie sofort. Die Kita-Jahre sind prägend und legen den Grundstein für ihre Zukunft", betont sie leidenschaftlich. Mit dem Ende unseres Gesprächs strahlt Monikas unerschütterliches Engagement für eine inklusive frühkindliche Bildung durch. "Lasst uns diese entscheidenden Jahre der Kindheit wertschätzen, indem wir unsere Kitas mit vollem Herzen unterstützen", schließt sie und hinterlässt einen nachhallenden Appell zum Handeln, der über unser Interview hinaus nachklingt.
Kita-Streiks in Berlin: Verdi und die Frage nach dem wahren Ziel
Die Gewerkschaft Verdi intensiviert ihre Arbeitskampfmaßnahmen in den Berliner Kita-Eigenbetrieben und kündigt nun einen einwöchigen Streik vom 8. bis 12. Juli an. Dies erfolgt nach bereits mehrtägigen, wiederholten Streiks. Diese Ankündigung stößt auf immer lauter werdende Kritik von Seiten des Senats, der Eltern, der Landeselternvertretung (LEAK) und der Kita-Eigenbetriebe selbst, wodurch die grundlegende Frage aufgeworfen wird: Für wen ist dieser Streik eigentlich gedacht?
Die Gewerkschaft Verdi intensiviert ihre Arbeitskampfmaßnahmen in den Berliner Kita-Eigenbetrieben und kündigt nun einen einwöchigen Streik vom 8. bis 12. Juli an. Dies erfolgt nach bereits mehrtägigen, wiederholten Streiks. Diese Ankündigung stößt auf immer lauter werdende Kritik von Seiten des Senats, der Eltern, der Landeselternvertretung (LEAK) und der Kita-Eigenbetriebe selbst, wodurch die grundlegende Frage aufgeworfen wird: Für wen ist dieser Streik eigentlich gedacht?
Das erklärte Ziel der Streiks ist die Durchsetzung eines separaten sogenannten Entlastungs-Tarifvertrags für die Kita-Eigenbetriebe, um die angespannte Personalsituation durch einen besseren Betreuungsschlüssel zu lösen. Allerdings ist die Personalausstattung nicht Bestandteil eines Tarifvertrags und aufgrund der Mitgliedschaft Berlins in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder kann der Senat keinen eigenständigen Tarifvertrag durchsetzen, ohne die Mitgliedschaft zu riskieren. Diese Position wurde bereits wiederholt von Senatsseite an Verdi kommuniziert. Und selbst wenn Berlin einen gesonderten Tarifvertrag für die Kita-Eigenbetriebe umsetzen könnte, würden die Forderungen Verdis weiterhin gegen bestehendes Recht verstoßen, denn die Personalausstattung ist gesetzlich in §11 des Kindertagesförderungsgesetzes (KiföG) verankert. Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, verdeutlicht: “Eine Änderung des Gesetzes dauert mindestens ein Jahr. Dies ist Verdi bekannt. Demnach zielen Verdis Forderungen darauf ab, vom Senat Rechtsbrüchigkeit zu verlangen, was an Groteskheit grenzt.”
Békési sieht aufgrund dessen auch einen Verstoß gegen das Streikrecht: “Diese Art des Streiks ist kaum mit dem Streikrecht - welches an sich sinnvoll und berechtigt ist - vereinbar. Arbeitskämpfe sind nur zulässig, wenn sie angemessen, notwendig und verhältnismäßig sind, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Persönlich sehe ich auch keinen Ermessensspielraum mehr bei Verdi, da Ermessen nicht vorliegen kann, wenn Verdi wissentlich gesetzliche Normen zur Personalaustattung ignoriert. Selbst wenn der Senat wollte, kann er keinen Tarifvertrag schließen, der gegen diese Norm verstößt.” Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im Herbst Wahlen bei Verdi anstehen, erscheinen die Streiks noch einmal in einem anderen Licht. Lars Békési betont: “Wenn es ihnen wirklich um inhaltliche Verbesserungen ginge - welche wir sodann unterstützen - dann würde Verdi auf die kommenden Verhandlungen zur „Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder“ (RV-Tag) im Frühjahr 2025 einwirken, denn das ist der einzig richtige Ort und Zeitpunkt.”
Angesichts dieser Umstände erscheint das Ausmaß des Streiks noch unangemessener. Leidtragende sind wieder zuallererst die Kinder, Eltern und Pädagog*innen. Der VKMK unterstützt die Notwendigkeit zur Entlastung des pädagogischen Fachpersonals und die Verbesserung der Rahmenbedingungen. Jedoch lehnen wir die von Verdi beschrittenen Wege und Mittel ab, da sie nur den Sozialfrieden innerhalb der pädagogischen Kitateams und vor allem die einheitliche Finanzierungssystematik von Eigenbetrieben sowie Freien Trägern zerstören.
Von Anfang an harmonisch: Wie Musik in der frühkindlichen Bildung die soziale und sprachliche Entwicklung fördert
Egal, ob in Europa, Afrika oder Asien, ob jung oder alt, arm oder reich, es gibt etwas, das uns alle verbindet: die Musik. Musik ist ein universelles Ausdrucksmedium, das Kommunikation, Kooperation und ein ganzheitliches Erleben der Sinne ermöglicht. Jeder Mensch ist von Natur aus mit einer gewissen musikalischen Fähigkeit ausgestattet. Schon in jungen Jahren werden musikalische Grundkompetenzen entwickelt. Wird diese Fähigkeit frühzeitig aktiviert und gefördert, kann sie eine Vielzahl positiver Auswirkungen auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen haben, wodurch Musik zu einem elementaren Bestandteil der frühkindlichen Bildung wird.
"Es ist eigenartig, aber aus neurowissenschaftlicher Sicht spricht alles dafür, dass die nutzloseste Leistung, zu der Menschen befähigt sind – und das ist unzweifelhaft das unbekümmerte, absichtslose Singen – den größten Nutzeffekt für die Entwicklung von Kindergehirnen hat."
- Prof. Dr. Gerald Hüther, Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universität Göttingen und Mannheim/Heidelberg
Egal, ob in Europa, Afrika oder Asien, ob jung oder alt, arm oder reich, es gibt etwas, das uns alle verbindet: die Musik. Musik ist ein universelles Ausdrucksmedium, das Kommunikation, Kooperation und ein ganzheitliches Erleben der Sinne ermöglicht. Jeder Mensch ist von Natur aus mit einer gewissen musikalischen Fähigkeit ausgestattet. Schon in jungen Jahren werden musikalische Grundkompetenzen entwickelt. Wird diese Fähigkeit frühzeitig aktiviert und gefördert, kann sie eine Vielzahl positiver Auswirkungen auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen haben, wodurch Musik zu einem elementaren Bestandteil der frühkindlichen Bildung wird.
Die Magie der Musik: Wie frühe Klänge die Entwicklung von Kindern fördern
Lange Zeit wurde der sogenannte Mozart-Effekt in der Diskussion um die Auswirkung von Musik auf die Entwicklung und den IQ von Kindern angeführt. Das führte dazu, dass manche Eltern ihre Kinder bereits während der Schwangerschaft mit Sonaten und Symphonien berieselten. Dass klassische Musik einen direkten Einfluss auf den IQ hat, wurde inzwischen weitestgehend widerlegt. Dennoch ist die Rolle von Musik unbestreitbar für die Entwicklung der Kinder. Bereits während der Schwangerschaft konnten Untersuchungen belegen, dass Babys auf Musik und Klänge reagieren. Im ersten Lebensjahr beginnen Kinder dann bereits Rhythmen, Melodik, Tempo und Tonhöhe wahrzunehmen und auf deren Veränderungen zu reagieren. Sie zeigen sich sehr empfänglich für musikalische Eigenschaften und verstehen Kommunikation als eben solche. So geht die intuitive, elterliche Kommunikation automatisch auf diese Fähigkeiten und Bedürfnisse von Kleinkindern ein, da sie von besonders ausgeprägten musikalischer Qualität geprägt ist: Sie kennzeichnet sich durch Wiederholungen, Melodik, Rhythmik und Tempo. Die Kommunikation der Kleinkinder weist ebenfalls wesentliche musikalische Eigenschaften auf, sowohl vor als auch nach dem Erwerb der Sprache. Musik ermöglicht ihnen somit bereits in jungen Jahren, sozial zu interagieren und ihre Verfassung auszudrücken. Ein Grund hierfür ist, dass Musik und Sprache eng miteinander zusammenhängen und viele übereinstimmende Areale in unserem Gehirn teilen. Musik erleichtert nicht nur von klein auf soziale Interaktionen und den emotionalen Ausdruck, sondern fördert auch den Spracherwerb. Durch Singen und Musizieren lernen Kinder spielerisch Sprachelemente kennen, vertiefen ihr phonologisches Bewusstsein und ihr Verständnis für Wortbedeutungen und Satzstrukturen. Da in den meisten Kindertagesstätten regelmäßig musiziert und gesungen wird, sei es im Rahmen eines Morgenkreises, bei speziellen Musikstunden oder als kurze musikalische Zwischeneinlage im Tagesablauf, unterstützt die frühkindliche Bildung die Entwicklung der Kinder auf vielfältige und spielerische Weise. Die Kinder profitieren dabei nicht nur von der Freude und dem Spaß am Musizieren, sondern erweitern dadurch ihre Sprachfähigkeit zunehmend.
Musik als universelle Sprache
Musik hilft nicht nur Kindern beim Erwerb der Sprache, sondern dient gleichzeitig auch als universelle Sprache, die Menschen aller Altersgruppen, Herkünfte und Bildungsniveaus verbindet und keine Barrieren kennt. Melodien können jeden emotional berühren, selbst ohne den Text zu verstehen. Beim gemeinsamen Singen und Musizieren in einer Kita lernen Kinder zudem aufeinander zu achten und einander zuzuhören. Dabei werden das Miteinander, das Gemeinschaftsgefühl sowie die sozialen Fähigkeiten von Kindern gefördert. Da Musik so vielfältig ist wie unsere Welt, ermöglicht das Erlernen von Musik aus unterschiedlichen Kulturen in der Kita den Kindern bereits in jungen Jahren, ein breites kulturelles Bewusstsein zu entwickeln. Durch diese musikalische Vielfalt lernen sie, kulturelle Unterschiede zu schätzen und zu respektieren. Musik fördert Toleranz, Integration und Inklusion, indem sie eine wortlose Weltsprache darstellt, die universell verstanden wird und Menschen weltweit verbindet. Die emotionalen Zustände, die durch Musik ausgelöst werden, tragen zur Bildung von Gemeinschaftsgefühl, kultureller Identität, Spiel und Kooperation bei und unterstützen somit das soziale Miteinander auf vielfältige Weise.
Musik ist ein Interesse, eine Fähigkeit, die wir bereits vor der Geburt entwickeln und die uns später dabei hilft, wesentliche Grundlagen des sozialen Miteinanders und kognitive Fähigkeiten zu entwickeln. Das Musizieren und Singen ist in den meisten Kitas selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Hierdurch leisten Kitas einen bedeutenden Beitrag dazu, dass Kinder durch die Kraft der Musik ihre sozialen Fähigkeiten erweitern, ein Verständnis für kulturelle Vielfalt entwickeln und ihre sprachlichen Fähigkeiten nachhaltig fördern können. Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung bei der musikalischen Förderung kann daher nicht genug betont werden, da sie die Grundlage für eine umfassende und inklusive Entwicklung der Kinder legt.
Kita-Streiks in Berlin: Verdi-Forderungen könnten System zerspalten
Die von der Gewerkschaft Verdi initiierten Streiks an den Kita-Eigenbetrieben in Berlin gehen nun in die dritte Woche. Verdi möchte mit diesen Streiks einen gesonderten Tarifvertrag für die kommunalen Kitas erreichen, parallel zu dem bereits bestehenden Tarifvertrag TV-L. Dieser eigenständige Tarifvertrag soll unter anderem einen verbesserten Personalschlüssel durch kleinere Gruppengrößen und einen Ausgleich für die hohe Belastung des pädagogischen Fachpersonals in den kommunalen Kitas Berlins beinhalten.
Die von der Gewerkschaft Verdi initiierten Streiks an den Kita-Eigenbetrieben in Berlin gehen nun in die dritte Woche. Verdi möchte mit diesen Streiks einen gesonderten Tarifvertrag für die kommunalen Kitas erreichen, parallel zu dem bereits bestehenden Tarifvertrag TV-L. Dieser eigenständige Tarifvertrag soll unter anderem einen verbesserten Personalschlüssel durch kleinere Gruppengrößen und einen Ausgleich für die hohe Belastung des pädagogischen Fachpersonals in den kommunalen Kitas Berlins beinhalten.
Während diese Forderungen auf den ersten Blick begründet und lobenswert erscheinen, wird auf den zweiten Blick die sehr einseitige und oberflächliche Vorgehensweise von Verdi deutlich. Ein separater Tarifvertrag würde zu einer Spaltung innerhalb des Berliner Kita-Systems und zur Benachteiligung andere Kitaträger führen. Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, erklärt: “Der Personalmangel und die hohe Belastung betreffen nicht nur die kommunalen Kitas in Berlin, sondern eine Vielzahl von Kindertagesstätten, die jedoch bei den Forderungen Verdis vergessen werden.” Zudem lässt Verdi die rechtlichen Grundlagen, welche die Personalausstattung in Kitas regeln, außer Acht: Berlin ist Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder und kann somit keine eigenständigen Tarifverträge für kommunale Kitabetriebe abschließen. Darüber hinaus ist der Personalschlüssel nicht Bestandteil des Tarifvertrags, sondern separat geregelt in §11 des Kindertagesförderungsgesetzes (KiföG). “Verdi ignoriert somit die rechtlichen und systemischen Rahmenbedingungen des Kita-Systems in Berlin. Gruppengröße und Personalausstattung können nicht, wie Verdi fordert, im Tarifvertrag geregelt werden, da dies nicht mit dem bestehenden Recht vereinbar ist und unser einheitliches System auseinanderdividieren würde.”, so Békési. Weiterhin warnt er: “Die sehr einseitigen Forderungen, die auf eine Spaltung zwischen den Kita-Eigenbetriebe und den Kitas freier Träger abzielen, werden zu Lasten des sozialen Friedens und der Stabilität und Qualität der Bildung und Betreuung unserer Jüngsten gehen.”
Der VKMK beobachtet den Streik nun seit knapp drei Wochen mit zunehmendem Unverständnis und appelliert an Verdi, realistische und rechtlich fundierte Lösungen zu erarbeiten, die das gesamte Kita-System verbessern und nicht den Großteil der Kita-Betriebe und damit auch den Großteil der Kinder und des Fachpersonals übersieht.
Dringender Appell für Bildungswende bleibt ungehört: Demonstration am internationalen Tag des Kindes kaum beachtet
Vergangenes Wochenende fanden in Berlin drei Demonstrationen statt. Während die Fahrraddemonstration zur Verkehrswende und die Proteste gegen die hohen Mietpreise umfassend medial begleitet wurden, blieb der Bildungsprotest unter dem Motto „Bildung braucht Demokratie!“ weitgehend unbeachtet.
Vergangenes Wochenende fanden in Berlin drei Demonstrationen statt. Während die Fahrraddemonstration zur Verkehrswende und die Proteste gegen die hohen Mietpreise umfassend medial begleitet wurden, blieb der Bildungsprotest unter dem Motto „Bildung braucht Demokratie!“ weitgehend unbeachtet.
Der Bildungsprotest der Initiative “Bildungswende JETZT!” fand am 01. Juni zum internationalen Tag des Kindes statt, um auf die dringende Notwendigkeit einer Bildungsreform aufmerksam zu machen, mit der allen Kindern ein chancengerechter Zugang zu hochwertiger Bildung ermöglicht werden kann. Etwa 3.000 Menschen nahmen an der Demonstration teil.
Die Dringlichkeit dieser Forderungen wird durch besorgniserregende Zahlen deutlich: Jedes fünfte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet, während der Bedarf an sprachlicher Förderung bei über 80% der Nicht-Kita Kinder äußerst hoch ist. Zudem erfordert die Integration von Geflüchteten eine weitreichende Unterstützung durch chancengerechte Bildung, da 51% Schwierigkeiten beim Zugang zum Bildungssystem haben. Demnach ist es unerlässlich, eine umfassende und nachhaltige Bildungsreform zu initiieren, um sicherzustellen, dass diese vulnerable Bevölkerungsgruppen Zugang zur Bildung erhalten und nicht am Rand der Gesellschaft zurückgelassen werden.
Trotz des zeitlichen Abstands zum vergangenen Wochenende sind die Pädagog*innen und Mitglieder des Kitaverbands VKMK nach wie vor tief enttäuscht über die mangelnde Resonanz und die geringe Aufmerksamkeit, die den Kindern am internationalen Tag des Kindes zuteil wurde. Grit Nierich, Vorsitzende des Verbands und Geschäftsführerin des „Kleinen Fratz“, unterstreicht die essenzielle Bedeutung der frühkindlichen Bildung als unverzichtbares Fundament für eine stabile Gesellschaft: "In der Diskussion über gesellschaftliche Themen darf niemals vergessen werden, dass die frühkindliche Bildung das Grundgerüst für alles bildet."
Ebenso äußert sich Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betroffen über die geringe Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder an ihrem besonderen Tag: "Es ist bedauerlich, wie wenig Beachtung den Anliegen der Kinder und ihrer Bedürfnisse an ihrem besonderen Tag entgegengebracht wurde. Um den Weg für unsere Kinder in eine vielversprechende Zukunft zu ebnen, müssen wir sicherstellen, dass Bildung als höchste Priorität in unserer Gesellschaft verankert ist. Ohne eine hochwertige frühkindliche Bildung steht langfristig nicht nur der sozioökonomische Wohlstand, sondern auch die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft auf dem Spiel. In diesem Kontext werden Mieten und Verkehrspolitik zu sekundären Anliegen."