Von Anfang an harmonisch: Wie Musik in der frühkindlichen Bildung die soziale und sprachliche Entwicklung fördert
Egal, ob in Europa, Afrika oder Asien, ob jung oder alt, arm oder reich, es gibt etwas, das uns alle verbindet: die Musik. Musik ist ein universelles Ausdrucksmedium, das Kommunikation, Kooperation und ein ganzheitliches Erleben der Sinne ermöglicht. Jeder Mensch ist von Natur aus mit einer gewissen musikalischen Fähigkeit ausgestattet. Schon in jungen Jahren werden musikalische Grundkompetenzen entwickelt. Wird diese Fähigkeit frühzeitig aktiviert und gefördert, kann sie eine Vielzahl positiver Auswirkungen auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen haben, wodurch Musik zu einem elementaren Bestandteil der frühkindlichen Bildung wird.
"Es ist eigenartig, aber aus neurowissenschaftlicher Sicht spricht alles dafür, dass die nutzloseste Leistung, zu der Menschen befähigt sind – und das ist unzweifelhaft das unbekümmerte, absichtslose Singen – den größten Nutzeffekt für die Entwicklung von Kindergehirnen hat."
- Prof. Dr. Gerald Hüther, Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universität Göttingen und Mannheim/Heidelberg
Egal, ob in Europa, Afrika oder Asien, ob jung oder alt, arm oder reich, es gibt etwas, das uns alle verbindet: die Musik. Musik ist ein universelles Ausdrucksmedium, das Kommunikation, Kooperation und ein ganzheitliches Erleben der Sinne ermöglicht. Jeder Mensch ist von Natur aus mit einer gewissen musikalischen Fähigkeit ausgestattet. Schon in jungen Jahren werden musikalische Grundkompetenzen entwickelt. Wird diese Fähigkeit frühzeitig aktiviert und gefördert, kann sie eine Vielzahl positiver Auswirkungen auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen haben, wodurch Musik zu einem elementaren Bestandteil der frühkindlichen Bildung wird.
Die Magie der Musik: Wie frühe Klänge die Entwicklung von Kindern fördern
Lange Zeit wurde der sogenannte Mozart-Effekt in der Diskussion um die Auswirkung von Musik auf die Entwicklung und den IQ von Kindern angeführt. Das führte dazu, dass manche Eltern ihre Kinder bereits während der Schwangerschaft mit Sonaten und Symphonien berieselten. Dass klassische Musik einen direkten Einfluss auf den IQ hat, wurde inzwischen weitestgehend widerlegt. Dennoch ist die Rolle von Musik unbestreitbar für die Entwicklung der Kinder. Bereits während der Schwangerschaft konnten Untersuchungen belegen, dass Babys auf Musik und Klänge reagieren. Im ersten Lebensjahr beginnen Kinder dann bereits Rhythmen, Melodik, Tempo und Tonhöhe wahrzunehmen und auf deren Veränderungen zu reagieren. Sie zeigen sich sehr empfänglich für musikalische Eigenschaften und verstehen Kommunikation als eben solche. So geht die intuitive, elterliche Kommunikation automatisch auf diese Fähigkeiten und Bedürfnisse von Kleinkindern ein, da sie von besonders ausgeprägten musikalischer Qualität geprägt ist: Sie kennzeichnet sich durch Wiederholungen, Melodik, Rhythmik und Tempo. Die Kommunikation der Kleinkinder weist ebenfalls wesentliche musikalische Eigenschaften auf, sowohl vor als auch nach dem Erwerb der Sprache. Musik ermöglicht ihnen somit bereits in jungen Jahren, sozial zu interagieren und ihre Verfassung auszudrücken. Ein Grund hierfür ist, dass Musik und Sprache eng miteinander zusammenhängen und viele übereinstimmende Areale in unserem Gehirn teilen. Musik erleichtert nicht nur von klein auf soziale Interaktionen und den emotionalen Ausdruck, sondern fördert auch den Spracherwerb. Durch Singen und Musizieren lernen Kinder spielerisch Sprachelemente kennen, vertiefen ihr phonologisches Bewusstsein und ihr Verständnis für Wortbedeutungen und Satzstrukturen. Da in den meisten Kindertagesstätten regelmäßig musiziert und gesungen wird, sei es im Rahmen eines Morgenkreises, bei speziellen Musikstunden oder als kurze musikalische Zwischeneinlage im Tagesablauf, unterstützt die frühkindliche Bildung die Entwicklung der Kinder auf vielfältige und spielerische Weise. Die Kinder profitieren dabei nicht nur von der Freude und dem Spaß am Musizieren, sondern erweitern dadurch ihre Sprachfähigkeit zunehmend.
Musik als universelle Sprache
Musik hilft nicht nur Kindern beim Erwerb der Sprache, sondern dient gleichzeitig auch als universelle Sprache, die Menschen aller Altersgruppen, Herkünfte und Bildungsniveaus verbindet und keine Barrieren kennt. Melodien können jeden emotional berühren, selbst ohne den Text zu verstehen. Beim gemeinsamen Singen und Musizieren in einer Kita lernen Kinder zudem aufeinander zu achten und einander zuzuhören. Dabei werden das Miteinander, das Gemeinschaftsgefühl sowie die sozialen Fähigkeiten von Kindern gefördert. Da Musik so vielfältig ist wie unsere Welt, ermöglicht das Erlernen von Musik aus unterschiedlichen Kulturen in der Kita den Kindern bereits in jungen Jahren, ein breites kulturelles Bewusstsein zu entwickeln. Durch diese musikalische Vielfalt lernen sie, kulturelle Unterschiede zu schätzen und zu respektieren. Musik fördert Toleranz, Integration und Inklusion, indem sie eine wortlose Weltsprache darstellt, die universell verstanden wird und Menschen weltweit verbindet. Die emotionalen Zustände, die durch Musik ausgelöst werden, tragen zur Bildung von Gemeinschaftsgefühl, kultureller Identität, Spiel und Kooperation bei und unterstützen somit das soziale Miteinander auf vielfältige Weise.
Musik ist ein Interesse, eine Fähigkeit, die wir bereits vor der Geburt entwickeln und die uns später dabei hilft, wesentliche Grundlagen des sozialen Miteinanders und kognitive Fähigkeiten zu entwickeln. Das Musizieren und Singen ist in den meisten Kitas selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Hierdurch leisten Kitas einen bedeutenden Beitrag dazu, dass Kinder durch die Kraft der Musik ihre sozialen Fähigkeiten erweitern, ein Verständnis für kulturelle Vielfalt entwickeln und ihre sprachlichen Fähigkeiten nachhaltig fördern können. Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung bei der musikalischen Förderung kann daher nicht genug betont werden, da sie die Grundlage für eine umfassende und inklusive Entwicklung der Kinder legt.
Musik in der frühkindliche Bildung
Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.
Warum Musik in der frühkindlichen Kompetenzförderung nicht außer Acht gelassen werden sollte.
Auch wir Erwachsenen kennen es gut. Bei mancher Musik konzentriert es sich am besten, andere ist motivierend - wieder andere lässt einen endlich entspannen, nach einem langen Tag. In Cafés läuft Jazz, in Bars Upbeats und in manchen U-Bahn-Stationen laufen klassische Klänge, in der Hoffnung, die Kriminalität vor Ort zu senken.
“Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.”
Musik ist überall um uns herum und hat einen größeren Einfluss, als uns oftmals bewusst ist. Friedrich Nietzsche sagte schon: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.” Eine Vielzahl an Studien belegt; auch frühkindliche Bildung wäre ohne Musik wohl nicht nur Irrtum, sondern eine verpasste Chance auf gezielte Entwicklungsförderung.
Während der “Mozart Effekt”, eine veraltete Studie von 1993, von der University of California, die besagte; Kinder, die regelmäßig mit klassischer Musik beschallt werden würden, sich zu intelligenteren Erwachsenen mausern, bereits seit langem widerlegt ist, so zeigen aktuelle Studien (wie diese, der Universität Halle*) dennoch; Musik hat einen positiven Einfluss auf die Motorik und Sprachentwicklung, was den Kindern in der allgemeinen Entwicklung und letztendlich auch im Erwachsenenalter zugute kommen kann.
Prof. Doktor Stefan Koelsch von der Freien Universität Berlin untersucht seit Jahren die Neurokognition von Musik und Sprache, Musik und Emotion, sowie die Entwicklungsaspekte von Sprach- und Musikkognition. Er erklärte 2020 in einem Interview mit dem MDR**;
“Unser Gehirn reagiert auf Sprache und auf Tonfolgen mit fast identischen Aktivitätsmustern. Musik fördert Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, intelligentes Denken, sensomotorische Funktionen, Emotion und auch soziale Funktionen.”
Der Effekt sei hierbei ähnlich zum Lesetraining oder aktiver Sprachförderung. Könne nur eben, mit Musik, auch passiv erreicht werden. Dies nicht zu nutzen, sei eine verpasste Chance in der aktiven Entwicklungsförderung.
Und während manche Kita-Teams mit musikalischen Fachkräften gesegnet sind, die kurzerhand zur Gitarre greifen, oder am Klavier in die Tasten hauen können und eigene Lieder einfach selbst entwickeln, so sind die meisten Kitas dennoch auf Musik, aus den Soundanlagen angewiesen - und dies hält leider eine Hürde bereit: die GEMA-Pflicht. Bürokratie und anfallende Kosten schrecken vielerorts davon ab, die musikalische Förderung in vollem Umfang zu nutzen.
Damit dies nicht letztendlich dazu führt, dass die Kita-Zimmer still bleiben, hat die Stadt Hamburg, gemeinsam mit einigen Künstler:innen, eine Alternative entwickelt, die im Dezember 2022 offiziell wurde: Ein staatlich finanzierter Pauschalvertrag mit Künstler:innen, die von nun an in den Kitas Hamburgs in Dauerschleife gehört werden oder deren Noten hier auch selbst verwendet werden können.
Die Hamburger Sozialsenatorin (SPD) verkündete bei der Vertragsunterzeichnung im Musikkindergarten in der Sternschanze:
“Wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen, dass mehr Musik gemacht wird. (...) Musik entfaltet Kräfte. Mit der Unterzeichnung des Vertrages heute sprechen wir Anerkennung und Respekt aus für die Mitarbeiter:innen in den Kindertagesstätten, aber auch Respekt und Anerkennung für die Arbeit der Musikautor:innen.”
Die Berliner Kitas haben hierzu noch keine offizielle Lösung finden können, bzw. werden sie bei der Suche nach einer Lösung bisweilen nicht aktiv gefördert und gestützt.
Gerade im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes und der vielseits diskutierten Sprachförderung, ist es sinnvoll, sich mit dieser Art von Entwicklungsförderung auseinanderzusetzen.
Es nicht zu tun, wäre eine verpasste Chance.
* https://opendata.uni-halle.de/bitstream/1981185920/13383/1/Wirkung%20von%20Musik.pdf
** https://www.mdr.de/wissen/macht-musik-fit-und-schlau-100.html