Presse VKMK Presse VKMK

Kita-Träger: Politik liefert Placebos statt Lösungen

Das neue Kita-Jahr ist bereits angelaufen, die politische Sommerpause nimmt allmählich ihr Ende und Berlin startet mit einem politischen Placebo in das neue Kitajahr. Was als Qualitätsoffensive verkauft wird, entpuppt sich als Flickwerk: finanziell unsicher, pädagogisch unzureichend und digital blockiert.   

Das neue Kita-Jahr ist bereits angelaufen, die politische Sommerpause nimmt allmählich ihr Ende und Berlin startet mit einem politischen Placebo in das neue Kitajahr. Was als Qualitätsoffensive verkauft wird, entpuppt sich als Flickwerk: finanziell unsicher, pädagogisch unzureichend und digital blockiert.   

U3-Schlüssel: Mogelpackung statt Qualitätssteigerung

Die groß angekündigte Verbesserung im U3-Bereich (Kinder unter 3 Jahren) entpuppt sich als Mogelpackung. Statt echter Qualitätssteigerung wird lediglich auf den bundesweiten Durchschnitt angepasst – weit entfernt von wissenschaftlich empfohlenen Standards. Und zusätzlich wirft die Finanzierung erhebliche Fragen auf.” kritisiert Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK - Der Kitaverband. Der Senat kündigte an, dass mit dieser Maßnahme eingesparte Mittel durch sinkende Kinderzahlen im System verbleiben und zur Entlastung pädagogischer Fachkräfte beitragen sollen. Fakt ist jedoch: Die Maßnahme kostet laut Senatsverwaltung rund 125 Millionen Euro. 48 Millionen Euro davon werden 2026 durch den Bund im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes kofinanziert. Gleichzeitig belaufen sich die Einsparungen durch den Rückgang der Kinderzahlen auf etwa 270 Millionen Euro. Problematisch dabei: Das Kita-Qualitätsgesetz läuft Ende 2026 aus. “Es gibt keine Antwort, wie Berlin die Millionen danach finanzieren will. Damit droht ein Rückschlag für die gesamte frühkindliche Bildung.“, erklärt Békési. Doch auch unabhängig von der Finanzierungsfrage bleibt die Verbesserung des U3-Schlüssels ein lose geklebtes Pflaster auf einer Platzwunde. Schon von Beginn an hat die Branche kommuniziert, dass die Hauptbelastung der Fachkräfte im Ü3-Bereich (Kinder von 3-6 Jahren) liegt - bedingt durch eine längere Verweildauer der Kinder, gestiegene Ansprüche an die frühkindliche Bildung, wachsende Förderbedarfe und zunehmende soziale Herausforderungen. In diesem Bereich bleibt die Politik jedoch untätig.

Mit dem Partizipationszuschlag gegen Chancengerechtigkeit

Diese Mehrbelastung wird sich zudem durch eine weitere geplante Maßnahme noch intensivieren: Ab dem 01. Januar 2026 soll der sogenannte Partizipationszuschlag eingeführt werden. Kitas erhalten darüber zusätzliches Personal finanziert, wenn besonders viele Kinder aus sozioökonomisch prekären Verhältnissen kommen. Doch anstatt Chancengerechtigkeit zu schaffen, öffnet der Partizipationszuschlag Lücken: Die Zuschläge werden ausschließlich an den Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) gekoppelt. Damit profitieren nur Kinder aus Familien mit Sozialtransferleistungen - Kinder aus Minijob- oder Niedriglohnfamilien fallen durchs Raster. Zudem wird der Zuschlag erst gezahlt, wenn mindestens 20% der Kinder in einer Einrichtung BuT-Leistungen beziehen. Gleichzeitig werden bisherige Zuschläge für Kinder nicht deutscher Herkunft gestrichen sowie die Brennpunktzulage. 

Unter dem Strich bedeutet dies: 60.400 Kinder nicht deutscher Herkunft werden künftig bei der Förderung ebenso auf der Strecke bleiben wie Kinder, deren Familien nicht arm genug für BuT-Leistungen sind, aber auch nicht reich genug, um Förderung privat zu finanzieren - oder auch Kinder in einer Einrichtung mit nur 19,9% BuT-Anteil. Das hat mit Chancengerechtigkeit nichts zu tun. Das ist schlicht eine Sparmaßnahme auf dem Rücken der Kinder.” so Lars Békési. Darüber hinaus bleibt offen, wie der Partizipationszuschlag finanziert werden soll, wenn die Zahl der BuT-Kinder steigt und erheblich vom Basisjahr 2024 abweicht. 

Dauerprovisorium statt Digitalisierung

Seit mindestens 30 Monaten begleitet Kita-Träger, Jugendämter und Kita-Aufsicht zudem das grandiose Scheitern der vom Land Berlin vorgehaltenen ISBJ-Software. Statt funktionierender Digitalisierung erleben Träger, Jugendämter und Kitaaufsichten ein Dauerprovisorium: Versprechungen, Ankündigungen – und dann doch wieder Systeme, die nicht stabil laufen. Die Leidtragenden sind die Beschäftigten, die sich längst wie Versuchskaninchen fühlen. „Wir reden hier nicht über kleine technische Probleme, sondern über ein strukturelles Versagen: Eine Verwaltung, die an unzureichende Dienstleister gebunden ist, weil offenbar schlecht verhandelte Verträge keinen Ausstieg zulassen – und eine Politik, die es hinnimmt.“, erklärt Lars Békési. Die Folge: Anstatt sich auf ihr Kerngeschäft - die Sorge um das Kindeswohl - konzentrieren zu können, müssen sich Träger, Jugendämter und Kitaaufsicht regelmäßig mit Fehlermeldungen herumschlagen. 

Berlins Kitas brauchen dringend echte Verbesserungen, keine politischen Placebos. Notwendig sind eine verlässliche Finanzierung von Maßnahmen, verbesserte Personalschlüssel, die sich an wissenschaftlichen Standards orientieren - auch im Ü3-Bereich - , eine Förderung, die tatsächlich chancengerecht ist und endlich eine funktionierende digitale Infrastruktur. 

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

Kinderarmut in Deutschland: Mit frühkindlicher Bildung Chancen schaffen

Die am stärksten von Armut betroffene Gruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar.

Die am stärksten von Armut betroffene Altersgruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar. Besonders betroffen sind Kinder aus kinderreichen Familien (30 %), Kinder aus Alleinerziehenden-Haushalten (41 %) und Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss (36,8 %). Zum Vergleich: Nur 5,8 % der Kinder aus Haushalten mit höherem Bildungsabschluss sind von Armut bedroht.

Die weitreichenden Auswirkungen von Armut in der Kindheit

Die Auswirkungen von Armut im Kindesalter sind weitreichend. Eine Langzeitstudie der AWO zeigt, dass 40 bis 57 % der Kinder, die in Armut aufwachsen, materiell unterversorgt sind. Oftmals führen beengte Wohnverhältnisse zu einem Mangel an Rückzugsorten, die sowohl für das Lernen als auch für soziale Interaktionen essentiell sind. Auch die Gesundheit der Kinder ist im Schnitt schlechter als die ihrer Altersgenossen aus sozioökonomisch stabilen Familien. Darüber hinaus hat das ständige Erleben von Armut tiefgreifende psychologische Folgen: Forschungen belegen, dass Kinder aus armen Verhältnissen doppelt so häufig soziale und emotionale Auffälligkeiten zeigen wie Kinder aus sozioökonomisch stabilen Familien. Diese durch Armut begünstigten Lebensumstände führen häufig zu einer multiplen Belastung der Kinder, was sich wiederum negativ auf die Bildungsbiographie auswirken kann. Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen kämpfen häufiger mit Rückschlägen in ihrer schulischen Laufbahn, erleben die Schule als überfordernd und schließen ihre Bildungskarriere oft mit einem niedrigeren Abschluss ab. Dies führt dazu, dass viele in einen Teufelskreis der Armut geraten: Die AWO-Studie hat nachgewiesen, dass 36 % der Kinder, die im Alter von sechs Jahren arm waren, auch im Erwachsenenleben arm bleiben. 

Wege aus der Armut

Dennoch zeigen die Zahlen, dass nicht alle von diesem Schicksal betroffen sind. Schlüsselkomponenten, die einen Ausbruch aus der Armut ermöglichen können, sind unter anderem die bestehende innere familiäre Unterstützung, die Resilienz und Bewältigungsfähigkeit der Eltern sowie externe Fördermaßnahmen. Besonders hervorzuheben ist bei dem letzten Punkt die entscheidende Rolle der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Die ersten Lebensjahre sind für die spätere Entwicklung und den Bildungsweg unserer Kinder von zentraler Bedeutung. Kinder, die in armen Verhältnissen aufwachsen und deren familiäre Umgebung aus sozioökonomischen Gründen nicht die erforderlichen Kapazitäten oder Ressourcen zur Förderung besitzen, benötigen außerhalb der Familie Unterstützung, um ihre Fähigkeiten zu entdecken, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und die Herausforderungen, die durch sozioökonomische Ungleichheiten bedingt sind, zu überwinden. In der öffentlichen Diskussion wird frühkindlicher Bildung eine essentielle Bedeutung zugeschrieben: Es wird argumentiert, dass sie frühzeitige Ungleichheiten abbaut und Kindern aus bedürftigen Verhältnissen einen chancengerechten Start in ihr Leben ermöglicht. 

Wie frühkindliche Bildung den Unterschied macht

Die Frage, wie sich diese Effekte konkret bestimmen lassen, haben viele Wissenschaftler:innen untersucht. Eine exemplarische Analyse für Nordrhein-Westfalen belegt, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Teilhabe- und Entwicklungschancen von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen erheblich verbessert. Noch deutlicher wird der Erfolg der frühkindlichen Bildung zum Ausgleich von Ungleichheiten in einer weiteren Studie. Diese zeigt auf, dass ein Kita-Besuch für Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien zu höheren kognitiven Kompetenzen, unter anderem im Bereich Mathematik, Wortschatz und Kategorisierung führt. Im Vergleich dazu profitieren Kinder aus höhergestellten Haushalten von einem Kita-Besuch gleichermaßen oder sogar weniger stark als von ihrem familiären Umfeld. Allgemein konnte die Studie zeigen, dass sich die sozial-emotionalen Kompetenzen bei jedem Kind, unabhängig von der Herkunft, bei einem Kita-Besuch verbessern. 

Eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft

Diese Erkenntnisse verdeutlichen das immense Potenzial von Kitas, um frühe Ungleichheiten abzumildern. Zwar werden sie niemals in der Lage sein, Armut und deren Folgen vollständig zu beseitigen, doch spielen sie eine wesentliche Rolle in der Prävention. Langfristig wirkt sich dies auch positiv auf unsere Volkswirtschaft aus: Durch bessere Qualifikationen und höhere Bildungsabschlüsse steigt das Gesamteinkommen der Bevölkerung, während die Ausgaben für Nachqualifizierungen und staatliche Hilfeleistungen gesenkt werden können. Eine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt daher, dass Investitionen in frühkindliche Bildung stets einen hohen Gewinn bringen und deutlich effektiver sind als spätere Bildungsinvestitionen.

Zahlreiche Expertinnen und Experten betonen immer wieder die entscheidende Rolle, die frühkindliche Bildung für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit einnimmt. Gleichzeitig wurde die Politik bereits oft dazu aufgefordert, mehr in die frühkindliche Bildung zu investieren, damit dieses Potenzial alle erreicht und dementsprechend genutzt werden kann. Auch der Kitaverband VKMK appelliert bereits seit geraumer Zeit an den Senat, die Qualitätsoffensive in der frühkindlichen Bildung konsequent weiter auszubauen.  Die Zusicherung des dritten Kita-Qualitätsgesetzes mit einer finanziellen Unterstützung des Bundes für die nächsten zwei Jahre, bewertet der VKMK bereits als großen Erfolg. Dennoch bedarf es weiterhin eines stärkeren und insbesondere langfristigen Fokus auf die frühkindliche Bildung. Frühkindliche Bildung kann nur effektiv gelingen, wenn sie qualitativ hochwertig ist. Neben der Sprachförderung und -bildung, der Fachkraft-Kind-Relation und der Fachkraftgewinnung und -bindung fordert der VKMK, die bereits mit dem dritten Kita-Qualitätsgesetz versprochenen, aber nicht umgesetzten, bundesweit einheitlichen und verpflichtenden Qualitätsstandards festzulegen und ein bundesweites Monitoring einzuführen. Darüber hinaus fordert der VKMK vom Senat, im Hinblick auf die Qualität der frühkindlichen Bildung und die Schaffung von Chancengleichheit in den kommenden Jahren keine Einsparungen bei den Personalzuschlägen vorzunehmen. Solche Einsparungen könnten die Unterstützung der Kinder mit besonderen Förderbedarfen erheblich einschränken und langfristige Auswirkungen auf ihren Bildungsweg haben.

Quellen: 

Chassé, Karl August; Zander, Margherita & Rasch, Konstanze (2003): Meine Familie ist arm. Wie Kinder im Grundschulalter Armut erleben und bewältigen. Opladen: Leske + Budrich.

Groos, T., Jehles, N., Bertelsmann Stiftung & ZEFIR. (2015). Der Einfluss von Armut auf die Entwicklung von Kindern. In Schriftenreihe Arbeitspapiere Wissenschaftliche Begleitforschung „Kein Kind Zurücklassen!“ (3. korrigierte Auflage). Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/03_Werkstattbericht_Einfluss_von_Armut_final_Auflage3_mU.pdf.

Hock, Beate; Holz, Gerda & Wüstendörfer, Werner (2000b): Frühe Folgen – langfristige Konsequenzen? Armut und Benachteiligung im Vorschulalter. Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Holz, Gerda; Richter, Antje; Wüstendörfer, Werner & Giering, Dietrich (2006): Zukunftschancen für Kinder!? - Wirkung von Armut bis zum Ende der Grundschulzeit. Endbericht der 3. AWO-ISS-Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt e.V. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Kahl, R. (2012, 6. Februar). Bildung wirkt langsam, aber mächtig. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-01/oecd-bildungsausgaben/seite-2.

Kleinert, C., Baier, T., Ghirardi, G. & Triventi, M. (2024). Auswirkungen des Kitabesuchs auf kognitive und sozial-emotionale Kompetenzen von Kindern. In Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Oslo University, European University Institute & University of Milan, Forschung Kompakt(S. 2). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://www.lifbi.de/Portals/2/Publikationen/Transferberichte/LIfBi%20Forschung%20kompakt/LIfBi-Forschung-kompakt_05_Kita.pdf.

Laubstein, Claudia; Holz, Gerda; Dittmann, Jörg & Sthamer, Evelyn (2012): Von alleine wächst sich nichts aus. Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I. Abschlussbericht der 4. Phase der Langzeitstudie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Laubstein, C., Holz, G., Seddig, N. & Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.  (2015). Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche: Erkenntnisse aus empirischen Studien in  Deutschland. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_WB_Armutsfolgen_fuer_Kinder_und_Jugendliche_2016.pdf

Statista. (2024a, Juni 19). Von Armut bedrohte Kinder in den EU-Ländern nach Bildungsgrad der Eltern 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1220616/umfrage/kinderarmut-in-der-eu-nach-bildungsgrad-der-eltern/.

Statista. (2024b, September 11). Armutsgefährdungsquote in Deutschland nach Alter 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/419433/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland-nach-alter/.

Statista. (2024c, September 16). Armutsgefährdungsquote in Deutschland nach Haushaltstypen 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/436185/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland-nach-haushaltstyp/.

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

Mehr Verbindlichkeit - Neues Kita-Qualitätsgesetz stärkt Fachkräftesicherung und Sprachförderung

Am gestrigen Abend verabschiedete der Bundestag das dritte Kita-Qualitätsgesetz. Das Gesetz definiert sieben Handlungsfelder, von denen drei – im Gegensatz zu bisher einem – für die Bundesländer verpflichtend sind. Diese Felder müssen erfüllt werden, damit die Länder finanzielle Unterstützung des Bundes in Anspruch nehmen können. Die verpflichtenden Bereiche umfassen die Gewinnung und Bindung von Fachkräften, die sprachliche Bildung sowie die Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation.

Am gestrigen Abend verabschiedete der Bundestag das dritte Kita-Qualitätsgesetz. Das Gesetz definiert sieben Handlungsfelder, von denen zwei – im Gegensatz zu bisher einem – für die Bundesländer verpflichtend sind. Diese Felder müssen erfüllt werden, damit die Länder finanzielle Unterstützung des Bundes in Anspruch nehmen können. Die verpflichtenden Bereiche umfassen die Gewinnung und Bindung von Fachkräften sowie die Förderung der sprachlichen Bildung. Ein besonderes Augenmerk liegt im Punkt sprachliche Bildung auf der gezielten Sprachförderung für Kinder in schwierigen Lebenslagen. In Bezug auf das Handlungsfeld Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation soll durch Berücksichtigung von Ausfallzeiten und mittelbarer pädagogischer Arbeit die Personalsituation stabilisiert werden. Bisher fehlende Regelungen zu Krankheitstagen haben das System stark belastet, was nun mit dem neuen Gesetz behoben werden soll. Bevor das Gesetz in Kraft tritt, muss es noch den Bundesrat passieren. Geplant ist, dass es am 1. Januar 2025 rechtskräftig wird.

Der Kitaverband VKMK begrüßt die Verabschiedung des dritten Kita-Qualitätsgesetzes ausdrücklich und hebt besonders die auf den letzten Metern errungene Verbindlichkeit zur Fachkräftegewinnung und -bindung als entscheidende Neuerung hervor. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont, dass das Gesetz das Resultat intensiver Vorarbeit ist: „Es ist erfreulich, dass diese umfangreiche Vorbereitung der AG frühkindliche Bildung, der Expertengremien und Expertendialoge im Gesetz Berücksichtigung findet und diese Bemühungen anerkennt.“ Allerdings bringt die Novellierung des Gesetzes auch klare Erwartungen an die jeweiligen Bundesländer mit sich. Angesichts der angespannten Haushaltssituation und der geplanten Sparmaßnahmen, die auch den frühkindlichen Bereich betreffen, sieht Békési den Senat in der Verantwortung, trotz finanzieller Engpässe weiterhin aktiv zur Qualitätsverbesserung beizutragen. „Berlin darf sich nicht hinter der jüngst verhängten Haushaltssperre verstecken, während der Bund aktiv handelt. Wir erwarten vom Senat, dass er weiterhin schrittweise Maßnahmen zur Verbesserung der Kita-Qualität umsetzt, statt einen Stillstand mit dem Verweis auf unzureichende Bundesmittel zu rechtfertigen“, mahnt Lars Békési. Er fordert das Land Berlin auf, unverzüglich den Dialog mit allen relevanten Akteuren aufzunehmen. “Gleichzeitig markiert das Kita-Qualitätsgesetz einen entscheidenden Schritt hin zu bundesweit einheitlichen Standards. Nun ist es auch Aufgabe des Berliner Abgeordnetenhauses, das Berliner KitaFöG – insbesondere im Bereich des Personalschlüssels – anzupassen, um in den anstehenden Finanzierungsverhandlungen verbindliche und konkrete Vereinbarungen zu ermöglichen.“, erklärt Békési.

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

Kita-Qualität im Fokus: VKMK begrüßt Fortführung des Kita-Qualitätsgesetzes und Maßnahmen zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung

Wie bereits aus dem Haushaltsplan des Bundes für 2025 bekannt wurde, werden auch für die Jahre 2025/2026 jeweils zwei Milliarden Euro für die Weiterentwicklung der Qualität in den Kitas vom Bund bereitgestellt. Seit gestern liegt dem Kitaverband VKMK hierzu der Referentenentwurf zum „3. Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“ vor.

Wie bereits aus dem Haushaltsplan des Bundes für 2025 bekannt wurde, werden auch für die Jahre 2025/2026 jeweils zwei Milliarden Euro für die Weiterentwicklung der Qualität in den Kitas vom Bund bereitgestellt. Seit gestern liegt dem Kitaverband VKMK hierzu der Referentenentwurf zum „3. Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“ vor. Aus diesem Entwurf geht klar hervor, dass der Fokus auf der Gewinnung und Sicherung von Fachkräften, der Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation sowie der kontinuierlichen Qualitätssteigerung in der frühkindlichen Bildung liegt. Aufgrund dieser Priorisierung der Qualität werden Maßnahmen zur Entlastung der Eltern bei den Kostenbeiträgen nach einer Übergangszeit von einem halben Jahr nicht weiter verfolgt. Der VKMK begrüßt ausdrücklich diese Schwerpunktsetzung, die das Ziel verfolgt, das Qualitätsniveau in den Kitas bundesweit anzugleichen und allen Kindern gleiche Start- und Bildungschancen sowie gleichwertige Lebensverhältnisse zu ermöglichen. 

Für Berlin bedeutet die fortsetzende Finanzierung des Kita-Qualitätsgesetzes durch den Bund, dass wichtige Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots für Kinder mit komplexen Unterstützungsbedarfen, zur Förderung der sprachlichen Bildung und zur praxisunterstützenden Fachberatung zur Sicherung von Fachkräften weitergeführt werden können. Diese Handlungsfelder waren bereits im Zeitraum 2023/2024 zentrale Bestandteile des Kitaqualitätsgesetzes zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung im Land Berlin. Die bis vor kurzem bestehende Unklarheit über die Finanzierung und Fortführung des Kita-Qualitätsgesetzes brachte viele Kita-Träger in eine gewisse Unsicherheit. Die Frage, ob diese wichtigen Programme und Maßnahmen in den kommenden Jahren weiterhin finanziell unterstützt werden, führte zu großen Ungewissheiten. Mit der nun zugesicherten Finanzierung und Fortführung des Gesetzes herrscht diesbezüglich endlich Klarheit und Erleichterung.

Der VKMK sieht in dieser Entwicklung ein großes Potenzial zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse und zur Sicherstellung, dass jedes Kind durch qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung die bestmöglichen Startchancen und individuelle Förderung erhält. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, unterstreicht: „Um gleichwertige Lebensverhältnisse zu gewährleisten, ist es essenziell, das Kita-Qualitätsgesetz fortzuführen und die Mittel auf die kontinuierliche Verbesserung der Bildungsqualität zu konzentrieren, anstatt sie für Beitragsfreiheit zu verwenden. Wir unterstützen diesen Ansatz nachdrücklich und stehen bereit, gemeinsam an dessen Weiterentwicklung zu arbeiten.“

Weiterlesen