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10 Jahre VKMK – Fragen und Antworten an die Gründerin Frau Dr. Gabriela Pfändner-Morrice

Vor zehn Jahren gründete Frau Dr. Gabriela Pfändner-Morrice den Verband kleiner und mittelgroßer Kitaträger (VKMK), um eine starke Stimme für kleine und mittelgroße Träger der freien Jugendhilfe in Berlin zu schaffen. Im Interview spricht Frau Dr. Pfändner-Morrice über die Gründe für die Gründung, die Ziele und Visionen sowie die Entwicklungen und Erfolge des VKMK in den letzten zehn Jahren.

Vor zehn Jahren gründete Frau Dr. Gabriela Pfändner-Morrice den Verband kleiner und mittelgroßer Kitaträger (VKMK), um eine starke Stimme für kleine und mittelgroße Träger der freien Jugendhilfe in Berlin zu schaffen. In einem spannenden Interview gibt sie Einblicke in die Entstehungsgeschichte des VKMK, die Herausforderungen und Erfolge der letzten Dekade sowie ihre persönlichen Visionen für die Zukunft.

VKMK: Warum hast Du Dich vor 10 Jahren entschieden, den VKMK zu gründen?

Gabriela Pfändner-Morrice: Zunächst – wie kam es zu diesem Namen: Wir haben dem Verband diesen Namen gegeben nach dem Vorbild des Verbandes der KMU – der Vertretung kleiner und mittlerer Wirtschaftsunternehmen -, die bis zu 250 Mitarbeiter haben. Die Gründungshistorie des VKMK beginnt mit der Anregung der damaligen Ansprechpartnerin der GLS Bank, ein Netzwerk mit anderen kleinen und mittelgroßen Trägern der freien Jugendhilfe zu gründen zwecks Erfahrungsaustausch in Bezug auf Organisation, Verwaltung und Themen, die sich aus der RV-Tag und den Anforderungen des Senats ergaben. Dieses Netzwerk mit dem Namen NIKI gründete ich zusammen mit einigen anderen GLS Kunden dieses Bereichs bereits im Jahre 2011. Mit der Sozietät „Die Kitarechtler“, ebenfalls aus diesem Netzwerk, entstand dann die Idee zur Gründung eines Verbandes zur Vertretung der kleinen und mittleren Kitaträger. In meiner täglichen Arbeit war ich immer wieder darauf gestoßen, dass in Berlin eine Vertretung der kleinen und mittleren Träger der freien Jugendhilfe in Politik und der Verwaltung fehlte mit den entsprechenden Auswirkungen. Diese Betriebsgrößen im Kitabereich hatten bislang weder durch den DaKs noch durch die großen Träger wie Fröbel oder den Paritätischen Wohlfahrtsverband eine Stimme im politischen Geschehen. Wir waren von der Größe zu klein für die Paritätischen und zu groß für den DaKs. Die Belange und Besonderheiten dieser Träger fanden insofern keinerlei Berücksichtigung in allen Verhandlungen zwischen den bisherigen Kitaverbänden und dem Senat. Ich hatte als kleiner Kitaträger der freien Jugendhilfe begonnen, aber ich hatte die Vision zu wachsen und mittelgroß zu werden und damit im Bezirk den Eltern und Kindern mehr als nur die ersten 30 Plätze anbieten zu können. Es war mein Anliegen, in den Behörden und in der Politik den Blick zu schärfen für Bedingungen dieser Träger und damit auch den Ausbau der Kitaplätze zu stützen. Die kleinen und mittleren, oftmals aus zunächst aus eigenem Bedarf gegründeten, inhaberinitiierten Unternehmungen, die sich damals in einer bis dahin seltener genutzten Rechtsform der gemeinnützigen GmbH gründeten, brauchten eine Stimme. Denn die bislang häufig genutzte Rechtsform des Vereins war auf Dauer nicht geeignet, um die für einen Ausbau der dringend benötigten Kitaplatz-Kapazitäten notwendige Kontinuität und Stabilität zu gewährleisten.23.04.2024

VKMK: Welche Visionen und Ziele hattest Du bei der Gründung des VKMK im Sinn?

Gabriela Pfändner-Morrice: Am 31.10.2013 fand die Ursprungsversammlung zur Gründung des Verbandes statt mit dem Ziel, den kleinen und mittleren Trägergruppen mit ihren größenspezifischen Themen und Konstellationen Gehör zu verschaffen bei der Aushandlung der Verordnungen der RV-Tag zwischen dem Senat, dem DaKs und den großen Wohlfahrtsverbänden. Insbesondere ging es darum, diesen Kleinen und Mittelgroßen Trägern einen Platz an dem sogenannten „Runden Tisch“ zu verschaffen.

VKMK: Welche Veränderungen oder Verbesserungen hast Du durch die Gründung angestrebt?

Gabriela Pfändner-Morrice: In den RV-Tag Verhandlungen waren die spezifischen Erfordernisse einer gemeinnützigen GmbH bis dahin nicht vertreten worden. Die besonderen Notwendigkeiten der kleinen und mittleren Träger der freien Jugendhilfe sind auch finanzieller Natur. Es ging und geht um die Verbesserung der Finanzierung insbesondere der Personal- und Sachkostenpauschale. Die Mieten für Räumlichkeiten am freien Markt steigen unaufhörlich, ebenso steigen die Gehaltserwartungen der Mitarbeiter auf Grund der Knappheit an Fachkräften am Markt. Im Wettbewerb mit den Eigenbetrieben, die oftmals in städtischen Immobilien tätig sind, müssen die Freien Träger in unserer Größenordnung den sich verändernden Verhältnissen stellen und den Betreuungsauftrag in einem immer schwieriger werdenden finanziellen und personellen Umfeld erfüllen.

VKMK: Wie bewertest Du heute, nach 10 Jahren, Dein persönliches und kollektives Wirken?

Gabriela Pfändner-Morrice: Mit dieser Initialzündung von damals sind inzwischen feste Netzwerke entstanden zwischen den Trägern, die die Kitalandschaft in Berlin extrem bereichern: Mit Konzepten einer Klangschalenpädagogik, bilinguale Kitas in verschiedenen Sprachen, Bewegung, vegan…… Der Austausch läuft exzellent und gerade in der Corona-Krise hat sich ein großer Zusammenhalt gezeigt. Die gegenseitige Unterstützung wirkt bis heute nach.

VKMK: Inwiefern haben sich die ursprünglichen Ziele des VKMK aus Deiner Sicht in dieser Zeit verwirklicht?

Gabriela Pfändner-Morrice: Wir werden in Zukunft mit am Runden Tisch vertreten sein und damit haben sich meine Ziele hundertprozentig verwirklicht.

VKMK: Wie empfindest Du die Entwicklung des VKMK seit seiner Gründung bis heute?

Gabriela Pfändner-Morrice: Der Verband hat eine ausgezeichnete Entwicklung innerhalb der bestehenden Konstellation zwischen alteingesessenem Paritätischen Wohlfahrtsverband und DaKS genommen. Das Mitgliederwachstum und die Verfestigung der Kontakte zum Senat haben die Erwartungen übertroffen. Durch die sehr kompetente Geschäftsführung ist es gelungen, eine Wissensbasis aufzubauen, die exakt auf gemeinnützige GmbHs zugeschnitten ist.

VKMK: Welche Rolle hat der VKMK in Deinem persönlichen und beruflichen Leben gespielt?

Gabriela Pfändner-Morrice: Anfangs mit viel Enthusiasmus gestartet, hat es doch viel Zeiteinsatz und mentale Kraft erfordert, diese Grundstruktur aufzubauen. Ich kann bis heute aus dem angesammelten Wissensschatz für meinen täglichen Informationsbedarf schöpfen.

VKMK: Was bedeutet für Dich die Zusammenarbeit und das Engagement im VKMK?

Gabriela Pfändner-Morrice: Zu einigen Trägern sind persönliche und freundschaftliche Bande entstanden mit viel Austausch und gegenseitiger Unterstützung. Das ist mir sehr viel wert.

VKMK: Welche Hoffnungen und Erwartungen hast Du für die Zukunft des VKMK?

Gabriela Pfändner-Morrice: Durch den Platz am Runden Tisch werden wir den Beitrag, den die kleinen und mittelgroßen Träger zur Kitalandschaft in Berlin leisten, noch weiter stärken und auf eine noch solidere Grundlage stellen. Damit in Zukunft die angebotenen Kitaplätze in Berlin erhalten und in aller Vielfalt auch noch ausgebaut werden können.

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Finanzsenator plant Gehaltserhöhung für Landesbeamte und Kita-Pädagogen:innen weiterhin ohne Hauptstadtzulage

Finanzsenator Stefan Evers (CDU) plant, den Tarifabschluss für Landesbeschäftigte (TV-L) vom Dezember 2023 auf die rund 58.000 Beamten des Landes Berlin zu übertragen. „Es geht um die Handlungs- und Zukunftsfähigkeit unserer Stadt“, erklärte Evers am Mittwoch. „Attraktive Arbeitsbedingungen und eine wettbewerbsfähige Besoldung sind ein Schlüssel dafür.“ Der VKMK  kann das Bestreben nach besseren finanziellen Rahmenbedingungen für die Landesbediensteten nachvollziehen. Er weist jedoch darauf hin, dass der Tarifvertrag (TV-L) und die darin fest verankerte Hauptstadtzulage auch für die Pädagogen:innen in den Berliner Kitas ausgehandelt wurden.

Finanzsenator Stefan Evers (CDU) plant, den Tarifabschluss für Landesbeschäftigte (TV-L) vom Dezember 2023 auf die rund 58.000 Beamten des Landes Berlin zu übertragen. „Es geht um die Handlungs- und Zukunftsfähigkeit unserer Stadt“, erklärte Evers am Mittwoch. „Attraktive Arbeitsbedingungen und eine wettbewerbsfähige Besoldung sind ein Schlüssel dafür.“

Der VKMK  kann das Bestreben nach besseren finanziellen Rahmenbedingungen für die Landesbediensteten nachvollziehen. Er weist jedoch darauf hin, dass der Tarifvertrag (TV-L) und die darin fest verankerte Hauptstadtzulage auch für die Pädagogen:innen in den Berliner Kitas ausgehandelt wurden. Diese erleben jedoch weiterhin eine erhebliche Ungleichbehandlung, da ihnen die Hauptstadtzulage in Höhe von 150 Euro (brutto) monatlich vorenthalten wird. Den Pädagogen:innen wurde vom Berliner Senat die Hauptstadtzulage versprochen. Seit Februar versucht der Senat jedoch mit dem Hinweis, „es fänden aktuell redaktionelle Nachverhandlungen der Tarifpartner statt“, dieses Versprechen zu umgehen.

Seit 2020 nimmt das Land Berlin bewusst eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der knapp 30.000 Beschäftigten bei den freien Trägern in Kauf, die mit dem aktuellen Tarifabschluss vom Dezember 2023 eigentlich beendet sein sollte. Dennoch deuten Senatsmitglieder seit Monaten an, dass im Haushalt kein Geld mehr für die Erfüllung des Versprechens zur Verfügung stünde. Angesichts dessen, dass 89% aller Berliner Kitas von freien Trägern betrieben werden, ist dieses „Zweierlei Maß“ nicht nachvollziehbar.

Der VKMK fordert daher die politischen Verantwortlichen dringend auf, ihr Versprechen einzulösen und die Hauptstadtzulage auch den Beschäftigten freier Träger auszuzahlen. „Sollte diese Ungleichbehandlung weiterhin bestehen bleiben, verliert der CDU-geführte Senat nicht nur seine Glaubwürdigkeit, sondern verursacht auch eine zunehmende Not bei den Pädagogen:innen. Vor allem wird er sich den Unmut der Berliner Wirtschaft und der Eltern zuziehen, die um die Zuverlässigkeit der frühkindlichen Bildung und Betreuung bangen müssen. Wenn der Finanzsenator zurecht die Rahmenbedingungen für die Berliner Landesbeamten verbessern will, muss er zugleich sein Wort halten und die Hauptstadtzulage an alle Berliner Pädagogen: innen in den Kitas auszahlen“, betont eindringlich VKMK-Geschäftsführer Lars Békési.

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Lebendige Vielfalt: Einblick in die Welt des 'Kleinen Fratz' und die Kraft der kulturellen Diversität in der frühkindlichen Bildung

Am Tag der kulturellen Vielfalt hatten wir das Vergnügen, mit Grit Nierich zu sprechen, der Geschäftsführerin des Kita-Trägers "Kleiner Fratz" in Berlin. In unserem Gespräch tauchten wir ein in die faszinierende Welt der gelebten kulturellen Vielfalt innerhalb ihrer Einrichtungen. Dabei erklärte sie nicht nur, wie sie in den Kitas aktiv die kulturelle Diversität fördern, sondern auch, wie sie Sensibilität im Umgang damit kultivieren und mit den Herausforderungen umgehen, die sich möglicherweise ergeben können. Grits Worte sind durchdrungen von einer tiefen Überzeugung und Leidenschaft für dieses Thema, die sich tagtäglich in den Kitas manifestieren. Insbesondere für Kinder kann gelebte kulturelle Vielfalt eine große Bereicherung sein.

Am Tag der kulturellen Vielfalt hatten wir das Vergnügen, mit Grit Nierich zu sprechen, der Geschäftsführerin des Kita-Trägers "Kleiner Fratz" in Berlin. In unserem Gespräch tauchten wir ein in die faszinierende Welt der gelebten kulturellen Vielfalt innerhalb ihrer Einrichtungen. Dabei erklärte sie nicht nur, wie sie in den Kitas aktiv die kulturelle Diversität fördern, sondern auch, wie sie Sensibilität im Umgang damit kultivieren und mit den Herausforderungen umgehen, die sich möglicherweise ergeben können. Grits Worte sind durchdrungen von einer tiefen Überzeugung und Leidenschaft für dieses Thema, die sich tagtäglich in den Kitas manifestieren. Insbesondere für Kinder kann gelebte kulturelle Vielfalt eine große Bereicherung sein. Durch den Kontakt mit unterschiedlichen Kulturen und Traditionen erfahren die Kinder eine Bereicherung für ihren Intellekt und gleichzeitig wird ihre Toleranz gefördert. "Kulturelle Vielfalt macht das Denken weit," erklärt Nierich. Ein zentrales Anliegen beim Kleinen Fratz ist es, Kindern von Anfang an Toleranz und Empathie zu vermitteln. "Kinder gehen unbefangen miteinander um und haben noch keine Klischees," fährt Nierich fort. Die Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte sei es, diese unvoreingenommene Haltung zu unterstützen und Klischees abzubauen. 

Die Vielfalt im Team beim Kleinen Fratz

Die multikulturelle Zusammensetzung der Teams ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit bei "Kleiner Fratz". "Unsere Teams sind so weit wie möglich multikulturell aufgestellt," erklärt Nierich. Dieser Ansatz entstand aus Wertschätzung und Toleranz gegenüber den Menschen selbst. "Wichtig ist uns der Mensch, und so sind wir multikulturell geworden, ohne dass es unsere Absicht war." Diese unbewusste Entwicklung spiegelt sich auch in der Verwaltung wider, die ebenfalls multikulturell aufgestellt ist. Die Herausforderung besteht darin, eine ausgewogene Mischung in den Teams all ihrer Kitas in Berlin zu gewährleisten, damit Kinder vielfältige Perspektiven kennenlernen. "Es ist uns wichtig, dass Kinder verschiedene Kulturen kennenlernen und nicht nur in ihren eigenen gefangen bleiben," betont Nierich. 

Über Grenzen hinaus: Interkultureller Austausch und Weiterbildung

Um die Sensibilität der Mitarbeiter zu stärken, werden regelmäßige Weiterbildungen und internationale Besuche organisiert. "Wir waren bereits in verschiedenen Ländern wie Polen, der Ukraine, Nordirland, Chile, Frankreich, Costa Rica und Peru", erzählt Grit stolz. Bei den Besuchen in anderen Einrichtungen können wertvolle Erkenntnisse gewonnen und internationale Bildungsansätze in die eigenen Kitas integriert werden. "Es ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen und von anderen Kulturen zu lernen."  betont sie. Auch bei Dingen, die auf den ersten Blick vielleicht unverständlich oder seltsam wirken, wird im Kleinen Fratz hinterfragt und diskutiert. "Wir wollen eine Sensibilisierung der Menschen für andere Werte erreichen. Wir wollen ihnen zeigen, dass nicht nur das eigene Wertgefühl zählt, sondern auch die anderen", erklärt Nierich. Anstatt über andere hinweg zu urteilen, wird der Austausch gesucht. Die Weiterbildungen des Kleinen Fratz reichen von Schulungen mit der Roma-Vereinigung Amaro Foro bis hin zu Fachtagen und Demonstrationen. "Wir schauen immer, wo Problemlagen liegen und gucken dann, welche Träger in diesen Bereichen Weiterbildungen anbieten", erklärt Nierich. Auf diese Weise stärken die pädagogischen Fachkräfte kontinuierlich ihre interkulturelle Kompetenz und erweitern ihren Horizont.

Ein Höhepunkt des interkulturellen Austauschs war die Zusammenarbeit mit einer Partnerkita in Cayamarca, Peru. "Was wir geschafft haben, ist, die Peruaner, unsere Partnerkita aus Cayamarca, nach Deutschland, nach Berlin zu holen," erzählt Nierich. "da haben wir Kost und Logis gestellt." Die Partnerkita ist Bestandteil der Städtepartnerschft Treptow/Köpenick-Cajamarca. Diese gegenseitigen Besuche haben zu einem intensiven Austausch von Wissen und Erfahrungen geführt. "Vier Kollegen sind jetzt nach Peru gereist und haben dort mitgearbeitet in den Einrichtungen. Sie sind richtig eingetaucht und konnten sehen, was die Peruaner aus dem gemacht haben, was sie aus Deutschland mitgenommen haben. Das war zum Beispiel das freie Spiel, das kannten sie nicht. Genauso wie Funktionsräume, die sie sich jetzt eingerichtet haben. Und genauso haben wir viel aus Peru mitgenommen. Das System ist dort sehr verschult. Lehrer sind in den Kitas mit den pädagogischen Fachkräften gleichgestellt. Dort bedeutet Kita wirklich Bildung." Trotz finanzieller Herausforderungen bemüht sich der Kleine Fratz weiterhin, den interkulturellen Austausch zu fördern. "Ich würde wahnsinnig gerne alle Erasmus-Länder hier zu uns nach Deutschland einladen", gesteht Nierich. "Wir versuchen es immer wieder, aber meistens fehlt es an finanziellen Mitteln, vor allem für die Flugtickets."

Der Kleine Fratz bei den Lakota

Eine besondere Inspiration für Nierichs pädagogische Arbeit ist ihre ehrenamtliche Tätigkeit für die Lakota: "Unser Engagement kommt ehrlicherweise durch unsere ehrenamtliche Arbeit im Reservat in Nordamerika, bei den indigenen Völkern," erklärt sie weiter. "Der Besuch vor Ort hat einfach die Augen geöffnet. Die Lebensbedingungen dort... und dann sitzt man hier in Deutschland und schimpft über irgendetwas. Man wird dadurch gut geerdet." Die ehrenamtliche Arbeit des Kleinen Fratz umfasst Besuche von Festen wie den Karl-May-Festspielen und Indianer- und Trapper-Festivals, wo sie indianischen Schmuck verkaufen und im wahrsten Sinne des Wortes für das Projekt trommeln, um Unterstützer und Spender zu finden. "Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für die Situation der indigenen Völker zu schärfen und ihre Traditionen zu unterstützen", erklärt Nierich. "Dort geht es wirklich um harte Lebensbedingungen, um Holz und Propan für den Winter, also eher um Überlebensbedingungen. Vielen Familien fehlt es von der Socke, über die Unterwäsche bis hin zur Mütze, einfach an allem. Es ist leider wirklich ein Dritte-Welt-Bereich in den USA." Sie und ihr Team setzen sich auch vor Ort in South Dakota für die Bedürfnisse der Gemeinden ein: "Wir sind auch vor Ort in South Dakota, so dass man sie direkt unterstützen kann." 

Überwindung von Herausforderungen und Förderung des Verständnisses

"Manchmal bedeutet kulturelle Vielfalt für mich aber auch einfach aushalten. Dass man diese aushalten muss, wenn man zwar die Hintergründe kennt, sich schon belesen hat, Weiterbildung gemacht hat, aber es trotzdem nicht versteht oder nicht in seinen Kontext hineinbringen kann", beginnt Grit Nierich nachdenklich. Sie beschreibt die Herausforderungen, die damit einhergehen, die Vielschichtigkeit verschiedener Kulturen zu verstehen und anzunehmen. Besonders in der Bildung können Hindernisse auftreten, die es zu überwinden gilt. Grit Nierich führt an, dass es manchmal schwierig sein könne, Entscheidungen zu akzeptieren, die sich negativ auf die Bildungschancen von Kindern auswirken. Sie erklärt: "Ich verstehe ganz einfach nicht, warum das Kind nicht in die Kita geschickt wird, obwohl es die deutsche Sprache noch nicht kann." Für Pädagogen kann es frustrierend sein, wenn andere Prioritäten gesetzt werden und dadurch die Bedeutung frühkindlicher Bildung vernachlässigt wird. Dennoch betont Grit, dass es wichtig sei, mit den Eltern zusammenzuarbeiten, um die Situation zu verbessern. "Wir arbeiten definitiv mit den Eltern daran, dass dieser Zustand nicht so bleibt", erklärt sie entschieden.

Um effektiv kommunizieren zu können, ist es für Grit von großer Bedeutung, die Hintergründe und Lebensumstände der Familien zu verstehen. Weiterbildungen spielen dabei eine zentrale Rolle. "Als erstes ist die Weiterbildung wichtig: Woher kommen diese Menschen, warum haben sie genau diese Rituale und Familienkonstellationen? Wie sehen diese überhaupt aus, wie leben sie in ihrer Gemeinschaft und wie leben sie innerhalb der Familie", erklärt sie. Durch dieses erweiterte Wissen kann sie auf Augenhöhe kommunizieren und den Dialog mit den Familien auf eine fundierte Basis stellen. Damit die entsprechenden Familien erreicht werden, hat der Kleine Fratz verschiedene Projekte initiiert, unter anderem für die Beratung von Familien aus Südosteuropa. Diese Projekte dienen als niederschwellige Anlaufstelle, um den Familien direkte und unkomplizierte Unterstützung zu bieten. "Wir schauen, dass wir die Familien unterstützen können, also gerade die Familie, die sonst nicht in der normalen Beratungsstelle ankommen", erklärt Grit. Darüber hinaus betreibt das Kleine Fratz ein Familienzentrum, in dem Familien von einem multikulturellen Team beraten werden können. Diese Projekte ermöglichen es den Familien, ihre Anliegen anzusprechen und Lösungen für ihre individuellen Herausforderungen zu finden.

Ein weiteres Thema, das im Kleinen Fratz sensibel behandelt wird, ist das Aufkommen von rechtem Gedankengut: "Rechtes Gedankengut haben wir auch manchmal in der Kita, über die Eltern," erläutert Nierich besorgt. Diese sensiblen Themen werden beim Kleinen Fratz intensiv behandelt:  "Das wird erst mal von den pädagogischen Fachkräften aufbereitet und dann wird mit den Kindern ins Gespräch gegangen," erklärt sie und betont die Bedeutung, solche Vorfälle nicht unbehandelt zu lassen. Ein zentraler Ansatz dafür ist die Nutzung von Literatur und die Schaffung von offenen Diskussionsräumen. "Der erste Weg ist, wo kommen wir denn alle her? Wir hängen eine Weltkarte auf und jeder schaut, ob er es weiß. Dann machen wir eine Pinnnadel dort rein und schauen, wie weit das von Berlin weg ist", beschreibt Grit. Dabei werden Fragen gestellt wie: Warst du schon einmal dort? Kommen deine Eltern von dort? Wie ist das Leben in anderen Ländern? Was sind typische Rituale und Feste dieses Landes? Durch spielerische Annäherungen an das Thema lernen die Kinder, die Vielfalt der Welt zu schätzen und kulturelle Unterschiede zu respektieren. "Für Kinder machen diese kleinen Unterschiede nichts am gemeinsamen Spielen oder Lernen aus. Es ist egal, wie du aussiehst, ob blaue Augen oder braune. Das Wichtigste ist, dass wir alle Menschen sind und miteinander spielen können.", betont Grit. Abschließend fasst sie es mit einer Weisheit der Lakota zusammen: "Wir sind alle miteinander verwandt."

Kulturelle Vielfalt als Bereicherung in der frühkindlichen Bildung 

Im Kleinen Fratz, wird kulturelle Vielfalt nicht nur gelebt, sondern auch als eine Bereicherung für die frühkindliche Bildung gesehen. Eine Besonderheit, die sich in einer Vielzahl von gesprochenen Sprachen widerspiegelt. "Durch die Bank bestimmt 30 Sprachen", schätzt Grit Nierich. "Das Spektrum reicht von europäischen Sprachen bis hin zu den verschiedensten Dialekten und Stammessprachen. Ich glaube, aus Europa ist alles vertreten bei uns. Dann die arabischen Sprachen, auch mit den ganz verschiedenen Ausrichtungen, von Hocharabisch bis zu allen anderen Kombinationen. Kinder mit afrikanischem Hintergrund sprechen oftmals Französisch, dann noch eine indigene Sprache oder Stammessprache, manchmal noch Englisch, also es gibt wirklich Kinder, die schon dreisprachig aufwachsen." Um diese Vielfalt zu unterstützen, werden im Kleinen Fratz verschiedene Ressourcen eingesetzt. So nutzen sie beispielsweise die Vorlese-App Polylino, um den Kindern Geschichten in ihrer Muttersprache zu präsentieren. "Das Kind, das jetzt Deutsch spricht, hört Arabisch und findet das total interessant und das Kind, das arabisch spricht, ist total stolz, dass jetzt in seiner Muttersprache vorgelesen wird.", beschreibt Grit. Diese Interaktionen zwischen den Kindern fördern eine Atmosphäre der Neugierde und Toleranz. Das Zusammensein mit Kindern aus unterschiedlichen Kulturen kann auch positive Auswirkungen auf den Erwerb weiterer Sprachen haben. "Ich kann mir vorstellen, dass es eine Offenheit gegenüber dem Erlernen anderer Sprachen gibt", erklärt Grit. "Weil man in der Kita schon sieht, dass es viele verschiedene Sprachen gibt, weil man vielleicht auch mit Kindern in der Kita war, die zweisprachig aufwachsen. So findet man vielleicht selbst einen Gefallen an der Vielfalt der Sprache und entwickelt eine höhere Bereitschaft, eine andere Sprache zu lernen."

Die kulturelle Vielfalt wirkt sich jedoch nicht nur auf den Erwerb von Sprachfähigkeiten aus, sondern hat auch Auswirkungen auf andere Bereiche der Bildung. So werden durch das Kennenlernen anderer Kulturen geographische und gesellschaftskundliche Kenntnisse gefördert: "Dann natürlich auch das Wissen über Geographie und Gesellschaftskunde. Dadurch, dass man viele andere Kinder aus anderen Ländern kennt, hat man vielleicht schon mal von Nigeria oder Peru gehört, weiß wo das in etwa liegt und was besonders für dieses Land ist. So entsteht eben eine Offenheit diesen Fächern gegenüber, weil sie keine fremden Themen anbringen. Man hat ja schon Berührungspunkte damit gehabt." betont Grit. Die Vielfalt in den Kitas bereitet Kinder auf neue soziale Umgebungen vor. "Wenn man schon die Toleranz aus der Kita mitbringt, kann man auch in der Schule eine große Toleranz beweisen, gegenüber den Mitschülern und den Lehrern." betont Grit.

Einen entscheidenden Beitrag zur Förderung der kulturellen Vielfalt leisten ausgewählte Materialien: "Spielzeug und Bücher nehmen mit die größte Rolle bei der Förderung der kulturellen Vielfalt ein, weil es genau die Dinge sind, womit die Kinder den ganzen Tag umgehen und womit sie lernen," erklärt Grit mit Nachdruck. "Beispielsweise wenn sie Familie spielen, in der Puppenecke mit Puppen, die verschiedene Hautfarben haben." Die Vielfalt in den Spielmaterialien und Büchern ermöglicht es den Kindern, verschiedene Kulturen optisch zu erkunden. "Am besten kann man das ja wirklich auch über Bücher vermitteln.” Die Auswahl an Literatur spielt eine entscheidende Rolle, um Kindern die Vielfalt der Welt näherzubringen. "Wichtig ist wirklich die Literatur und nicht nur vorzulesen, sondern über die Bücher zu sprechen," betont Grit. "Es gibt beispielsweise viele Bücher über Flucht, geschrieben für Kleine, für Dreijährige. Und diese Bücher beschreiben dann, was es mit Kindern macht, wenn sie in ein fremdes Land kommen, wenn sie feststellen, dass dort die Menschen alle anders aussehen und auch noch komisch sprechen. Solche Bücher sensibilisieren Kinder schon in frühen Jahren für die Hintergründe anderer Menschen."

Auch Eltern, deren Kinder eine kulturell vielfältige Kita besuchen, können viel aus dieser Erfahrung mitnehmen und lernen. "Wenn es darum geht, kulturelle Vielfalt im Kleinen Fratz zu leben und umzusetzen, reagieren die Eltern sehr positiv", berichtet Grit Nierich. Die Einbeziehung der Eltern bei Aktivitäten wie Festen, dem Vorlesen in ihrer Muttersprache oder dem Teilen traditioneller Gerichte wird von den Eltern begrüßt. Alle tragen dazu bei, dass diese Feste zu einem besonderen Erlebnis werden. Durch solche Veranstaltungen können Vorurteile abgebaut und das Verständnis füreinander gefördert werden. Selbst in Bezirken mit geringerer kultureller Vielfalt, wie beispielsweise Pankow, ist die Offenheit groß.

Von Erfahrungen lernen: Empfehlungen für Kitas auf dem Weg zur kulturellen Vielfalt

Für Kitas, die gerade erst ihre ersten Schritte in Richtung kulturelle Vielfalt unternehmen, empfiehlt Grit den Austausch mit anderen Einrichtungen. Durch den Besuch von Modellprojekten oder Konsultationskitas können wertvolle Einblicke gewonnen werden. "Dort hineinzuschauen und zu fragen, wie habt ihr das gemacht?", ermutigt sie. Es geht darum, von den Erfahrungen anderer zu lernen und Fehler zu vermeiden. "Die Fehler, die man selbst schon einmal gemacht hat, muss ja nicht ein anderer wiederholen", betont sie. Durch den Dialog mit anderen Einrichtungen können bewährte Praktiken erörtert werden, um gemeinsam bessere Lösungen zu finden. "Der offene Austausch mit anderen Kitas und Trägern ist für uns ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit", betont Grit. Gemeinsam kann man an der Weiterentwicklung der Fachpraxis arbeiten und die Potenziale der kulturellen Vielfalt noch besser nutzen.

Im Kleinen Fratz wird die Vielfalt der Kulturen nicht nur als Bereicherung betrachtet, sondern aktiv gelebt. Es ist ein lebendiger Ort, an dem Kinder und ihre Familien unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu bereichern. Hierbei steht das Ziel im Vordergrund, den Kindern eine offene und tolerante Haltung mit auf den Weg zu geben und ihnen die Schönheit und Vielfalt der Welt näherzubringen, wie Grit betont.

Die Erfolgsgeschichte des Kleinen Fratz dient als leuchtendes Beispiel für andere Kitas und Träger. Sie zeigt eindrucksvoll, wie die Förderung kultureller Vielfalt eine inklusive Gemeinschaft schaffen kann. Nur durch einen respektvollen und wertschätzenden Umgang mit verschiedenen Kulturen können wir eine Umgebung schaffen, in der jedes Kind die Möglichkeit hat, sich optimal zu entwickeln und zu entfalten.

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Gemeinsam für eine bessere Bildung: Initiative #NeustartBildungJetzt stellt Konzept für einen “Bildungsdialog für Deutschland” vor

Die Bildungslage in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. Ein gravierender Mangel an Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften in Kitas, steigende Bildungsarmut, abnehmende Bildungsqualität sowie anhaltende Bildungsungerechtigkeit bedrohen die Stabilität des deutschen Bildungssystems auf lange Sicht. Angesichts dieser alarmierenden Entwicklungen ist eine umfassende Bildungsreform dringend erforderlich. In diesem Zusammenhang hat sich eine breit angelegte Initiative formiert, die unter dem Namen #NeustartBildungJetzt im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde.


Die Bildungslage in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. Ein gravierender Mangel an Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften in Kitas, steigende Bildungsarmut, abnehmende Bildungsqualität sowie anhaltende Bildungsungerechtigkeit bedrohen die Stabilität des deutschen Bildungssystems auf lange Sicht. Angesichts dieser alarmierenden Entwicklungen ist eine umfassende Bildungsreform dringend erforderlich.

In diesem Zusammenhang hat sich eine breit angelegte Initiative formiert, die unter dem Namen #NeustartBildungJetzt im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde. Die Initiative hat eine beeindruckende gesellschaftliche Unterstützung erhalten. Insgesamt haben sich nun schon 94 verschiedene Organisationen und Verbände aus dem Bildungs-, Wohlfahrts-, Eltern- und Fachkräftebereich, Gewerkschaften, Stiftungen und Bildungsinitiativen zusammen- geschlossen, um gemeinsam einen Weg für einen Neustart im Bildungssystem zu finden.

Nun präsentiert #NeustartBildungJetzt das Konzept für einen "Bildungsdialog für Deutschland", welches unmittelbar an den Appell für einen Nationalen Bildungsgipfel aus dem März 2023 anknüpft. Das Konzept setzt auf Kooperation und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen politischen Ebenen, der Zivilgesellschaft, Bildungspraxis und der Wissenschaft. Es strebt danach, auch bisher weniger gehörten, aber unmittelbar betroffenen Gruppen, wie Kindern und Jugendlichen, Gehör zu verschaffen und ihre Perspektiven einzubeziehen. Das Ziel ist es, durch die Vielfalt der am Dialog Beteiligten umfassende Lösungen zu erarbeiten.

Die Initiative konzentriert sich darauf, einen konstruktiven Dialogprozess zu fördern, ohne dabei spezifische Reformvorschläge vorzulegen, wie es in der Pressemitteilung von #NeustartBildungJetzt heißt. Die beteiligten Akteure sollen anschließend gemeinsam Handlungsfelder identifizieren. Die inhaltliche Ausarbeitung dieser soll in Fachforen stattfinden, an denen Vertreter verschiedener Institutionen und Personen aus dem Bildungsbereich teilnehmen. Die Ergebnisse dieser Foren sollen dann auf regelmäßigen Spitzentreffen zwischen Vertretern der Zivilgesellschaft und der Politik zusammengetragen und in konkrete Ziele, wie etwa politische Maßnahmen, umgewandelt werden. Aufgrund der Zuständigkeit der Bundesländer für Bildungsfragen wird vorgeschlagen, dass diese den Prozess initiieren, möglicherweise im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz. Die Koordination könnte in den Fachministerkonferenzen der Kultus- sowie Jugend- und Familienminister angesiedelt werden.

Der VKMK, als Mitunterzeichner der Initiative, unterstützt diese aktiv von Anfang an. Der Verband sieht großes Potential in den Forderungen und betrachtet den "Bildungsdialog für Deutschland" als ersten Schritt in die richtige Richtung, um das deutsche Bildungssystem zu reformieren und international konkurrenzfähig zu bleiben. Der VKMK schätzt besonders, dass der Dialogprozess unterschiedliche Stimmen einbezieht, ohne über Köpfe hinweg zu entscheiden, und dass konstruktive Lösungsvorschläge im Fokus stehen. Es wird gehofft, dass dieser Appell auch weiterhin - insbesondere in der Politik - auf Anklang stößt und zu konkreten Maßnahmen führt.

Genaueres zum “Bildungsdialog für Deutschland” finden Sie auf der Website von #NeustartBildungJetzt: https://neustart-bildung-jetzt.de.

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Herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung: Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz droht zu scheitern

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Nach der Bekanntgabe des Bundes keine weiteren Investitionsmittel für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen mehr zur Verfügung zu Stellen, folgt nun ein weiterer herber Rückschlag für die frühkindliche Bildung und Betreuung: Das für 2025 geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz verharrt in einem stagnierenden Zustand und wird aufgrund mangelnder Gelder als Einsparpunkt im Haushaltsplan 2025 gehandelt.

Inhalt des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Das Qualitätsentwicklungsgesetz hat das Ziel, erstmals deutschlandweit verbindliche Qualitätsstandards für Kindertageseinrichtungen festzulegen. Diese Standards, die durch einen umfassenden Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis entwickelt wurden, fokussieren auf drei zentrale Aspekte: eine fundierte Betreuungsrelation, die Förderung der sprachlichen Bildung und Sprachförderung sowie die Bereitstellung eines bedarfsgerechten Ganztagsangebots. Das Vorhaben zielt darauf ab, Chancengleichheit in der Bildung und damit die Grundlage für eine starke und leistungsfähige Gesellschaft zu schaffen. 

Gründe, weshalb das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz notwendig ist

Die Entscheidung der Bundesregierung, in der frühkindlichen Bildung Einsparmaßnahmen zu tätigen, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen für die individuelle Entwicklung und die Gesellschaft offensichtlicher denn je ist. Erst vergangenes Jahr verdeutlichte die PISA-Studie die Dringlichkeit, jetzt in frühkindliche Bildung zu investieren, um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren. Auch die durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steigende, jedoch ungedeckte Nachfrage nach Kindertagesbetreuungsplätzen sollte ein Zeichen für die Relevanz der frühkindlichen Betreuung in der Gesellschaft sein. 

Individuelle Bildung und Entwicklung durch das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz

Laut einer Studie der KKH ist die Anzahl der Sprach- und Sprechstörungen unter Kindern und Jugendlichen von 2011 bis 2021 um nahezu 60% gestiegen.* Durch gezielte Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung, wie sie im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes vorgesehen ist, ließe sich dieser besorgniserregende Trend umkehren. Eine frühzeitige Förderung könnte vielen Kindern und Jugendlichen helfen, später keine schwerwiegenden Schwierigkeiten aufgrund von Sprach- oder Sprechstörungen im Bildungsweg zu erfahren.

Des Weiteren belegen Studien deutlich, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Bildungschancen erheblich verbessert. So steigt die Wahrscheinlichkeit für Kinder, ein Gymnasium zu besuchen, mit der Teilhabe an einem Betreuungsangebot von 36% auf 50%, laut Bertelsmann Stiftung. Besonders bemerkbar macht sich dieser Anstieg bei Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien, deren Wahrscheinlichkeit auf einen höheren Bildungsabschluss um rund 65% steigt.** 

Zudem besteht in der frühkindlichen Bildung das Potential, die Kinderarmut zu bekämpfen. Die aktuellen Zahlen belegen, dass knapp 20% der Kinder in Deutschland von Armut bedroht sind. Durch den Ausbau frühkindlicher Bildung und Betreuung kann, laut Institut der Deutschen Wirtschaft, die Kinder- und Bildungsarmut um knapp 4%-Punkte reduziert werden.***

Volkswirtschaftlicher Nutzen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes

Investitionen in die frühkindliche Bildung sind nicht nur für die individuelle Entwicklung der Kinder von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Volkswirtschaft. Jeder in die Kita investierte Euro generiert einen dreifachen bis vierfachen direkten volkswirtschaftlichen Gewinn durch ein gesteigertes Familieneinkommen, höhere Steuereinnahmen und zusätzliche Beiträge für die Sozialversicherung. Langfristig betrachtet ergibt sich durch den verbesserten Bildungsstand und das daraus resultierende höhere Lebenseinkommen der Bevölkerung eine reale fiskalische Rendite von 8% bis 13% für die Investitionen in frühkindliche Bildung.****

All dies ist jedoch nur möglich, wenn die frühkindliche Bildung durch den Bund und die Länder gefördert wird, in Form eines Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes und einer ausreichenden Finanzierung zur Umsetzung dessen. Eine vernachlässigte frühkindliche Bildung kann langfristig zu massiven ökonomischen Einbrüchen führen. Die Kernpunkte des Qualitätsentwicklungsgesetzes bergen ein erhebliches Potenzial zur Verbesserung der Qualität frühkindlicher Bildung und zur Prävention von Bildungsunterschieden und Sprachdefiziten. Umso wichtiger ist es, dass das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz bald in Kraft tritt. Der Kitaverband VKMK e.V. appelliert daher an den Bund, keine unüberlegten Einsparmaßnahmen zu tätigen und die Zukunft durch Bildung auch weiterhin zu unterstützen. Das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz sollte nicht als Option betrachtet werden, sondern als eine unverzichtbare Verpflichtung zum Wohl und zur Entwicklung unserer Kinder.

*Eddy statt Teddy: Immer mehr Kinder ringen um Worte. (o. D.). KKH. https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/sprachprobleme

** Fritschi, T., Oesch, T., BASS – Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG & Bertelsmann Stiftung. (2008). Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Volkswirtschaftlicher_Nutzen_von_fruehkindlicher_Bildung_in_Deutschland.pdf

*** Anger, C., Plünnecke, A. & Institut der deutschen Wirtschaft Köln. (2008). Frühkindliche Förderung. In Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Beiträge zur Ordnungspolitik. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Analysen/PDF/Positionen/Positionen_35.pdf

**** Kahl, R. (2012, 6. Februar). Bildung wirkt langsam, aber mächtig. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-01/oecd-bildungsausgaben/seite-2

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Ein Jahr schwarz-roter Koalition in Berlin: Bürokratieabbau in der frühkindlichen Bildung bleibt ein unerfülltes Versprechen

Vor einem Jahr wurde der gemeinsame Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD unterzeichnet, womit seitdem ein schwarz-roter Senat die Regierungsgeschäfte in Berlin führt. Innerhalb dieses Jahres haben sich signifikante positive Entwicklungen ergeben, insbesondere im Bereich der Kommunikation. Anstatt unilateral zu entscheiden, werden wichtige Stimmen nun angehört und aktiv in Entscheidungsprozesse integriert. Der Kitaverband VKMK betrachtet dabei Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch als maßgeblich für die Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich der frühkindlichen Bildung, da sie eine erfolgreiches und respektvolles Miteinander zwischen Verband und der politischen Ebene ermöglicht. Trotz dieser Fortschritte steht der schwarz-rote Senat bis dato nach wie vor vor der scheinbar unüberwindbaren Aufgabe, die fest verankerten bürokratischen Strukturen in Berlin zu lockern. 

Vor einem Jahr wurde der gemeinsame Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD unterzeichnet, womit seitdem ein schwarz-roter Senat die Regierungsgeschäfte in Berlin führt. Innerhalb dieses Jahres haben sich signifikante positive Entwicklungen ergeben, insbesondere im Bereich der Kommunikation. Anstatt unilateral zu entscheiden, werden wichtige Stimmen nun angehört und aktiv in Entscheidungsprozesse integriert. Der Kitaverband VKMK betrachtet dabei Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch als maßgeblich für die Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich der frühkindlichen Bildung, da sie eine erfolgreiches und respektvolles Miteinander zwischen Verband und der politischen Ebene ermöglicht. Trotz dieser Fortschritte steht der schwarz-rote Senat bis dato nach wie vor vor der scheinbar unüberwindbaren Aufgabe, die fest verankerten bürokratischen Strukturen in Berlin zu lockern. 

Deutschland, und insbesondere Berlin, leiden unter dem berechtigten Ruf der überbordenden Bürokratie. Tagtäglich sehen sich Bürger*innen und Unternehmen mit komplexen und zeitraubenden bürokratischen Prozessen konfrontiert. Ein symbolisches Beispiel dieses Bürokratiemonsters in Berlin sind die langen Wartezeiten für die Online-Terminbuchungen in den Bürgerämtern. Auch der Bau des Hauptstadtflughafens veranschaulicht die langwierigen Prozesse, die in sämtlichen Bereichen der Stadt zu finden sind. Dass dies den Arbeitsablauf und den Fortschritt beeinträchtigt, ist auch dem Senat bewusst. Als Reaktion auf diese Herausforderung hat er das Vorhaben einer Bürokratieentlastung ins Leben gerufen, wobei die Digitalisierung als Schlüssel zur Reduzierung bürokratischer Hürden betrachtet wird. Trotz klar definierter Pläne und Maßnahmen bleibt die Umsetzung in einigen Bereichen hinter den Erwartungen zurück.

Bürokratische Odysee in der frühkindlichen Bildung

Davon betroffen ist natürlich auch die frühkindliche Bildung. Hier zeigt sich deutlich, dass die erhoffte Entlastung durch Digitalisierung bisher nicht erreicht wurde. Im Gegenteil: Die Einführung digitaler Systeme führte paradoxerweise zu einer Zunahme der Belastung für pädagogische Fachkräfte und Kitaträger. Täglich müssen sie sich auch weiter durch eine Vielzahl verschiedener Dokumente und Formulare kämpfen, um den bürokratischen Anforderungen gerecht zu werden.

Geburtsurkunde und Kita-Gutschein: Ein bürokratischer Spießrutenlauf für Eltern 

Der bürokratische Irrsinn in der frühkindlichen Bildung beginnt für Eltern praktisch schon kurz nach dem Kreißsaal. Um ihr Kind in einer Kita anmelden zu können, benötigen sie eine Geburtsurkunde. Doch diese erhalten Eltern nicht automatisch oder können sie bereits im Krankenhaus beantragen. Stattdessen müssen sie sich zunächst zum zuständigen Standesamt begeben, Formulare ausfüllen und dann bis zu acht Monate auf die Ausstellung der Geburtsurkunde warten. Als ob das nicht schon genug wäre, kommt der bürokratische Hürdenlauf beim Kita-Gutschein hinzu. Dieser muss von den Eltern im Jugendamt beantragt werden, erfordert ein weiteres Formular sowie den Nachweis der Geburtsurkunde und verschlingt einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit. Ein Aufwand, den sich keine der beteiligten Parteien leisten kann und der durch effizientere und durchdachtere Lösungen eigentlich überflüssig wäre.

Die Papierflut im digitalen Zeitalter

Sind die Kinder einmal nach diesem Marathon in der Kita angemeldet, beginnt für die pädagogischen Fachkräfte der bürokratische Albtraum. Ein Beispiel stellt die Dokumentation und Beobachtung der Kinder in ihrer Entwicklung dar. Fast 20 Jahre mussten die Fachkräfte hierfür im sogenannten Sprachlerntagebuch regelmäßig in schriftlicher Form die Dokumentation über die sprachliche Entwicklung der Kinder erheben. Dieses Verfahren, inklusive der vor der Einschulung zu durchführenden Statuserhebung QuaSta wurden bereits 2020 von der Köller-Kommission als defizitär eingestuft. Als Antwort darauf soll in diesem Jahr das BEOKiz-Verfahren eingeführt werden. Neben dem größeren Bezug zum Berliner Bildungsprogramm sollte BEOKiz zusätzlich die Dokumentation und Beobachtung vereinfachen und vereinheitlichen. Doch trotz aller Möglichkeiten der Digitalisierung und der modernen Technologien entschied man sich dafür, BEOKiz vorläufig in Papierform zu implementieren. Eine digitale Version ist erst ab 2028 geplant. Eine Entlastung stellt dies für die Fachkräfte nicht dar, sondern führt stattdessen zu einem erheblichen Mehraufwand. Abgesehen davon erschwert die analoge Dokumentation eine einfache Weitergabe relevanter Informationen beim Übergang zur Schule, wenn für jedes Kind mehrere Ordner an Papier anfällt. 

Digitales Fachverfahren ISBJ-Kita: Zwischen Versprechen und Realität

Um die Verwaltungsaufgaben im Bereich der Berliner Jugendhilfe zu bündeln, wurde vor knapp 20 Jahren die allgemeine Funktion “Integrierte Software Berliner Jugendhilfe (ISBJ)” eingeführt. Die ISBJ fungiert als Dach aller IT-Fachverfahren der Jugendhilfe und ist eine verpflichtende Infrastruktur für Kita-Träger. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Abwicklung verschiedener administrativer Aufgaben, von der An- und Abmeldung von Kindern, über die Berechnung der Elternbeiträge bis hin zur monatlichen Träger-Abrechnung. Obwohl der ursprüngliche Gedanke hinter der ISBJ lobenswert ist, führt die zunehmende Anforderung von Datenerhebungen außerhalb dieser Plattform zu einer Fragmentierung der administrativen Aufgaben anstatt zu einer Bündelung. Erschwert wird die Arbeit mit der ISBJ zudem durch eine Serie von Fehlern, die mit dem letzten großen Update Anfang März 2024 auf der Plattform auftraten. Seitdem häufen sich Probleme, Fehlermeldungen und Störungen. Personaldaten können nicht mehr ordnungsgemäß eingetragen werden, und teilweise werden bereits eingetragene Daten nicht gespeichert. Die Ist-Soll-Werte des Fachpersonals werden völlig falsch angezeigt, was es für die Leitung und die Überprüfung durch die Kita-Aufsicht schwierig macht, eine verlässliche Personalplanung zu erstellen. Auf mehrfache Nachfragen beim Senat, ob einzelner Träger oder unsererseits als Verband bei der zuständigen Senatsverwaltung, wann diese massiven Störungen bereinigt werden sollen, erhalten alle Fragenden immer wieder vertröstende Aussagen. Nunmehr will die SenBJF zum Beginn des nächsten Kita-Jahrs - also August - die vollumfängliche und störungsfreie Nutzung der Integrierten Software Berliner Jugendhilfe (ISBJ) den Kita-Trägern wieder zusichern. Angesichts unserer Erfahrungen der letzten Jahre bleiben wir jedoch skeptisch.

Die bürokratische Fragmentierung für Kita-Träger

Wie bereits angedeutet, wird zunehmend der kluge Pfad der Bündelung und Digitalisierung verlassen und es entstehen wieder vermehrt Nebenschauplätze des Bürokratieauswuchses. Dazu zählen betriebsbezogene Meldungen, Personalmeldungen und Meldungen bei besonderen Vorkommnissen, welche separat und direkt an die entsprechende Kita-Aufsicht in der für Jugend zuständigen Senatsverwaltung gesendet werden müssen, da sie nicht in das ISBJ integriert sind. Die Umständlichkeit dieser Vorgehensweise wird besonders deutlich bei Meldungen über besondere Vorkommnisse. Aufgrund inkompatibler Dateiformate müssen diese manuell ausgedruckt, unterzeichnet, gestempelt und per Fax, Mail oder Post der Kita-Aufsicht zugeschickt werden. Hinzu kommen die Meldungen, die die Träger dem Gesundheitsamt übermitteln müssen. Dabei herrscht eine Uneinheitlichkeit bei den Meldebögen und den inhaltlichen Strukturen der Bezirke zu ein und demselben Themenfeld. Dies wurde besonders während der Corona-Pandemie offensichtlich, da verschiedene Bezirke unterschiedliche Anforderungen und Vorgehensweisen hatten. 

Zusätzlich zu all diesen bürokratischen Meldungen, sind Träger verpflichtet, regelmäßig Statistiken auszufüllen, wie die Kinder- und Jugendhilfestatistik, welche im Anschluss an das Landesamt für Statistik übermittelt werden müssen. Der Kita-Alltag ist somit geprägt von einem Dschungel aus Formularen, Meldungen und Dokumentationen. Die Einführung einer digitalen Lösung wie dem ISBJ war ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch führte sie nicht zur erhofften Bündelung, sondern zu einer massiven Fragmentierung bürokratischer Prozesse. Eine Vereinheitlichung und Digitalisierung all dieser würde nicht nur den Trägern helfen, Zeit zu sparen, sondern auch den Behörden.

Der unsichtbare Zeitfresser Bürokratie

Die Kitaträger des Kitaverbands VKMK stemmen sich von Beginn gegen diese Fragmentierung, indem sie gezielt für ihre Bedürfnisse entwickelte Software-Lösungen einführen. Dennoch zeigt eine Umfrage des VKMK deutlich, dass der Bürokratieauswuchs der letzten Jahre diese geschaffene Effizienzen wieder auffrisst. Im Durchschnitt wird so eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden lediglich für die Abwicklung bürokratischer Prozesse benötigt. Diese Zeit wird nicht durch das Land Berlin refinanziert und fällt letztlich zu Lasten der pädagogischen Arbeit. Die Folgen davon sind regelmäßige Überstunden und Unzufriedenheit beim Personal, da die eigentliche Arbeit mit den Kindern durch all diese Anforderungen zu kurz kommt.

Es bedarf einer ganzheitlichen Strategie, die alle bürokratischen Verfahren eines Kita-Betriebs unter einem Dach vereint und die Prozesse drastisch vereinfacht. Bis dies nicht eingetreten ist, fordert der VKMK daher zusätzlich eine Entlastung des pädagogischen Fachpersonals durch die Einstellung und Finanzierung von kaufmännischem Verwaltungspersonal in Kindertageseinrichtungen. Diese Forderung stellt der VKMK nunmehr ununterbrochen seit sieben Jahren und dennoch wurde sie bis dato nicht richtig umgesetzt. Stattdessen nehmen die Verwaltungsaufgaben stetig zu und die Integration von Verwaltungskräften geschieht nur halbherzig. Zwar plant der Senat nun im Zuge der Verwaltungsreform einen einheitlichen Zuständigkeitskatalog, um die Verwaltung in Berlin effizienter zu gestalten und dem “Behörden-Pingpong” ein Ende zu setzen, doch werden die bürokratischen Aufgaben für Kita-Träger nach wie vor bestehen bleiben, wodurch der Appell an den Senat weiterhin aktuell bleibt. 

Der VKMK fordert das nicht zum Spaß oder aus Eigennutz, sondern aus pädagogischen Gründen, aus Gründen des Gesundheitsschutzes für unsere Beschäftigten und aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen. Wir können den Euro nur einmal ausgeben und daher wollen wir ihn für die Qualität der frühkindlichen Arbeit am Kind und nicht für das Befüllen von Exceltabellen, auszudruckenden Melde-Fragebögen etc. ausgeben. Wir erwarten daher vom Senat ein Ende mit halbherzigen Lösungen oder hausgemachten digitalen Ineffizienzen und stattdessen das Implementieren ganzheitlicher, durchdachter Strategien, die das pädagogisches Fachpersonal spürbar von dem Auswuchs an Verwaltungsarbeiten entlasten. Nur so kann die Qualität der frühkindlichen Betreuung und Bildung verbessert und gewährleistet werden.

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Personalmangel an Kitas: VKMK fordert langfristige Lösungen statt Zeitarbeit

Am Mittwoch, den 10.04.2024, wurde in der Abendschau des rbbs ein Beitrag über Zeitarbeit in Berliner Kitas* ausgestrahlt, für welchen der rbb zu Recherchezwecken auf den VKMK zugekommen ist. Anlässlich dieses Beitrags bezieht der VKMK ebenfalls Stellung zu dieser Thematik, mit besonderem Bezug auf den betriebswirtschaftlichen Aspekt, welcher in dem Beitrag unerwähnt blieb. 

Am Mittwoch, den 10.04.2024, wurde in der Abendschau des rbbs ein Beitrag über Zeitarbeit in Berliner Kitas* ausgestrahlt, für welchen der rbb zu Recherchezwecken auf den VKMK zugekommen ist. Anlässlich dieses Beitrags bezieht der VKMK ebenfalls Stellung zu dieser Thematik, mit besonderem Bezug auf den betriebswirtschaftlichen Aspekt, welcher in dem Beitrag unerwähnt blieb. 

Bereits seit längerer Zeit verfolgt der VKMK die Entwicklung im Bereich der Personalausstattung in Kindertageseinrichtungen. Personalmangel, verkürzte Arbeitszeiten und krankheitsbedingte Ausfälle führen an vielen Kitas in Deutschland vermehrt zu personellen Engpässen. 

Hinzu kommt die verstärkte Neigung pädagogischer Fachkräfte, sich an Arbeitnehmerüberlassungsunternehmen zu wenden. Dieser Trend erklärt sich durch die vermeintlich höhere Flexibilität bei gleichzeitig geringerer Verantwortung, die das Zeitarbeitsmodell bietet – Aspekte, die viele Kitaträger aufgrund der komplexen Ansprüche und strukturellen Vorgaben frühkindlicher Bildung nicht in gleichem Maße bieten können.

Diese Entwicklungen in Bezug auf das pädagogische Personal führen dazu, dass Kitaträger aufgrund unvorhergesehener Ereignisse, wie Kündigungen, Schwangerschaft oder Krankheitsfälle oftmals unter der vom Senat festgelegten 100% Personalausstattung liegen, womit sie Gefahr laufen finanzielle Sanktionen auferlegt zu bekommen. Folglich sehen sich Kitaträger bei personellen Engpässen gezwungen, auf Arbeitnehmerüberlassung zurückzugreifen, um sowohl finanzielle Sanktionen als auch personelle Schwierigkeiten zu vermeiden. Allerdings belaufen sich die Kosten für einen Zeitarbeiter auf 48 Euro pro Stunde. Ein hoher Betrag, der nicht refinanziert wird. Auf Dauer gesehen, ist es Kitaträgern somit unmöglich Zeitarbeiter einzustellen ohne dabei in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Die Regelung der Finanzierung einer Personalausstattung von 100% stellt somit eine Zwickmühle für Kitaträger dar, die in beide Richtungen Kitas in wirtschaftliche Miseren stürzen kann. Eine Erhöhung der Finanzierung der Personalausstattung von 115% ist daher unumgänglich, um die Qualität der frühkindlichen Bildung und Betreuung langfristig zu sichern.

Darüber hinaus stehen die Anforderungen an die Qualität der frühkindlichen Bildung im Widerspruch zum Prinzip der Zeitarbeit. Kontinuität und Verlässlichkeit spielen eine zentrale Rolle in diesem sensiblen Bereich. Kinder benötigen feste Bezugspersonen, auf die sie sich verlassen können und die sie langfristig in ihrer Entwicklung unterstützen und begleiten. Die kurzfristigen Einsätze von Zeitarbeitskräften können diesen Anforderungen nicht gerecht werden.

Der VKMK betont daher, dass der Einsatz von Zeitarbeitskräften lediglich eine kurzfristige Lösung für personelle Engpässe darstellt, jedoch keine nachhaltige Lösung für die zugrundeliegende Herausforderung der Fachkräftebindung und -gewinnung. Eine langfristige Lösung erfordert dringend eine Finanzierung einer Personalausstattung von 115%, wie es bereits in Schulen üblich ist. Dadurch könnten Kitaträger flexibel und zeitnah auf kurzfristige Personalausfälle reagieren und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von Zeitarbeit verringern. Dies führt nicht nur zur Entlastung im Personalmanagement und den finanziellen Ressourcen, sondern sichert auch die Qualität der frühkindlichen Bildung nachhaltig.

*https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20240410_1930/zeitarbeit-auch-in-kitas.html

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Kitabeschäftigte demonstrieren für gerechte Hauptstadtzulage: Kampf gegen Ausgrenzung seitens des Senats

Am kommenden Donnerstag, dem 11.04.2024, werden mehrere tausend Beschäftigte freier Träger in Berlin für die sofortige Auszahlung der bereits zugesagten Hauptstadtzulage durch den Senat demonstrieren. Allein aus dem Kitaverband VKMK haben bereits jetzt schon über 600 Mitarbeitende zugesagt. Dieser verbandsübergreifende Protest ist eine Reaktion auf die anhaltende Ausgrenzung der Beschäftigten freier Träger von der bereits seit November 2020 gewährten Hauptstadtzulage in Höhe von 150 Euro brutto pro Monat für Angestellte des öffentlichen Dienstes und Beschäftigte der Kitaeigenbetriebe des Landes Berlin. 

Am kommenden Donnerstag, dem 11.04.2024, werden mehrere tausend Beschäftigte freier Träger in Berlin für die sofortige Auszahlung der bereits zugesagten Hauptstadtzulage durch den Senat demonstrieren. Allein aus dem Kitaverband VKMK haben bereits jetzt schon über 600 Mitarbeitende zugesagt. Dieser verbandsübergreifende Protest ist eine Reaktion auf die anhaltende Ausgrenzung der Beschäftigten freier Träger von der bereits seit November 2020 gewährten Hauptstadtzulage in Höhe von 150 Euro brutto pro Monat für Angestellte des öffentlichen Dienstes und Beschäftigte der Kitaeigenbetriebe des Landes Berlin. 

Trotz des aktuellen Tarifabschlusses (TV-L), bei dem die Hauptstadtzulage als fester Tarifvertragsbestandteil festgelegt wurde, und wiederholter Versprechungen seitens des Senats im vergangenen Dezember wurde im Februar bekannt, dass die Beschäftigten der freien Träger weiterhin von dieser Zulage ausgeschlossen bleiben sollen. Der Paragraph 8 der RV-Tag ist zudem in seiner Ausgestaltung hierzu ebenfalls eindeutig. Demnach müssen die „vereinbarten Tarifergebnisse des Landes Berlin in ihren jeweils zutreffenden Teilen auf die Personalkosten für das Fachpersonal in Kindertagesstätten angewandt“ werden.

Die freien Träger wollen ihrerseits ihrer Verpflichtung aus dem Paragraph 4 der RV-Tag nachkommen und ihren Beschäftigten eine ortsübliche und angemessene Bezahlung gewährleisten. 

„Die Tatsache, dass sowohl die Beschäftigten freier Träger, die immerhin 89 % aller Kitaplätze in Berlin bereitstellen, als auch die Beschäftigten der Kitaeigenbetriebe des Landes Berlin gemeinsam den Bildungsauftrag des Landes erfüllen, unterstreicht die Dringlichkeit einer gerechten Entlohnung sowie Wertschätzung für alle Beschäftigten in der frühkindlichen Bildung,“ sagt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.

Die Auszahlung der Hauptstadtzulage ausschließlich für die Beschäftigten der Kitaeigenbetriebe des Landes Berlin führt jedoch zu einer eklatanten Wettbewerbsverzerrung, da sie die Beschäftigten freier Träger bewusst ausschließt und somit eine unfaire Entlohnung hervorruft. Die Qualität der frühkindlichen Bildung und der Anspruch an die fachpädagogische Arbeit sind in beiden Bereichen identisch. Ein Wettbewerb zu Lasten der Beschäftigten freier Träger im Bildungswesen ist daher nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich für die Qualität der frühkindlichen Bildung. 

Die bevorstehende Demonstration am Donnerstag ist ein entschiedenes Zeichen der Beschäftigten der Kitas in freier Trägerschaft, um auf diese Ungleichbehandlung aufmerksam zu machen. Sie streben nicht nur nach finanzieller Anerkennung für ihre Arbeit, sondern  fordern auch die Wertschätzung und Anerkennung ihrer wichtigen Rolle bei der Sicherung der Qualität frühkindlicher Bildung und somit der Zukunft der Gesellschaft.

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