Blog, Presse VKMK Blog, Presse VKMK

Zwischen Kinderwunsch und Geburtenrückgang

Die Anzahl der Geburten geht von Jahr zu Jahr zurück: Während 2021 die Geburtenzahl noch bei 1,58 Kindern pro Frau lag, sank sie 2024 auf 1,35 - und damit auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Berlin bildet dabei mit 1,21 Kindern pro Frau das bundesweite Schlusslicht. Das wirft natürlich die Frage auf, ob sich junge Erwachsene ein Leben mit Kind immer weniger vorstellen können. Dass diese Entwicklung jedoch kein Spiegel des tatsächlichen Kinderwunsches unter jungen Erwachsenen ist, zeigen Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus den Jahren 2023 und 2024. Laut diesen hat sich der Kinderwunsch in den vergangenen Jahren kaum verändert: Im Schnitt wünschten sich Frauen 1,76 Kinder und Männer 1,74 Kinder.  

Die Anzahl der Geburten geht von Jahr zu Jahr zurück: Während 2021 die Geburtenzahl noch bei 1,58 Kindern pro Frau lag, sank sie 2024 auf 1,35 - und damit auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Berlin bildet dabei mit 1,21 Kindern pro Frau das bundesweite Schlusslicht. Das wirft natürlich die Frage auf, ob sich junge Erwachsene ein Leben mit Kind immer weniger vorstellen können. Dass diese Entwicklung jedoch kein Spiegel des tatsächlichen Kinderwunsches unter jungen Erwachsenen ist, zeigen Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus den Jahren 2023 und 2024. Laut diesen hat sich der Kinderwunsch in den vergangenen Jahren kaum verändert: Im Schnitt wünschten sich Frauen 1,76 Kinder und Männer 1,74 Kinder.  

Heute, am Weltkindertag, möchten wir uns genau mit diesem Thema beschäftigen: Warum entscheiden sich immer mehr junge Erwachsene gegen ein Kind, obwohl der Wunsch für ein Leben mit Kind eigentlich vorhanden ist? Was bedarf es, um die oft offensichtliche Differenz zwischen Kinderwunsch und gelebter Realität zu überbrücken? Und was kann Deutschland - und insbesondere Berlin - tun, damit Kinder sicher und wohlbehütet aufwachsen können?

Warum Wohnraum über Kinderwünsche entscheidet

Die Gründe, weshalb sich immer mehr junge Menschen gegen ein Leben mit Kindern entscheiden, sind zwar natürlich sehr individuell, doch es gibt einige zentrale Faktoren, die bei vielen eine Rolle spielen  - allen voran die Wohnsituation. Denn: Wohnen - insbesondere in Großstädten wie Berlin - ist längst nicht mehr familiengerecht. So beträgt die Fläche einer durchschnittlichen Mietwohnung in Berlin 68,2 m2 und verfügt über 2,5 Zimmer. Lediglich 17,4% der Wohnungen in Berlin haben mehr als vier Zimmer. Dies hat zur Folge, dass fast die Hälfte der Vier-Personen-Haushalte in einer zu kleinen Wohnung leben. Neben dem Platzmangel erschweren auch die Mietpreise in Berlin die Realisierung eines Kinderwunsches, denn diese steigen seit Jahren nahezu exorbitant an. Allein im vergangenen Jahr erhöhte sich die durchschnittliche Nettokaltmiete um 5,5% auf 13,03€ pro Quadratmeter - bundesweit betrug diese Steigerung “nur” 4,5% auf 9,00€. Besonders betroffen sind Haushalte mit mittlerem oder geringem Einkommen, Alleinerziehende, Mehrkindfamilien und zugewanderte Familien. In Extremfällen führt diese Situation zur Wohnungslosigkeit: 2025 waren mehr als die Hälfte aller untergebrachten Wohnungslosen in Berlin Familienmitglieder. Und so kommt es, dass immer mehr Familien sich dazu entscheiden, aus Berlin ins Umland zu ziehen oder junge Paare ihren Kinderwunsch aufgrund der Wohnsituation aufgeben. 

Kinderwunsch in unsicheren Zeiten

Neben der angespannten Wohnsituation tragen auch die aktuellen Krisen ihren Teil zum Geburtenrückgang bei. Während es in der Anfangszeit der Corona-Pandemie noch einen kleinen Anstieg der Geburten in Deutschland gab, kehrte sich dieser Trend seit 2022 ins Gegenteil und die Zahlen sinken seither kontinuierlich. Zusätzlich zu den Unsicherheiten, die die Pandemie mit sich brachte, kam der Krieg in der Ukraine hinzu - ein Krieg, der auch in Deutschland viele Fragen zur Sicherheit aufwarf. Gleichzeitig macht sich der Klimawandel zunehmend in Deutschland, unter anderem durch Überschwemmungen und Waldbrände, bemerkbar. Begleitet werden diese Krisen von steigenden Lebenshaltungskosten und der wachsenden Angst vor Armut, insbesondere vor Altersarmut. Diese Sorge trifft vor allem Mütter: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung verdienen Mütter von einem Kind im Laufe ihres Lebens im Schnitt 40% weniger als kinderlose Frauen. Bei mehreren Kindern können die Einbußen sogar bis zu 70% betragen. 

Die unsichtbare Mehrarbeit von Eltern

Um die hohen Mieten und gestiegenen Lebenshaltungskosten bezahlen zu können und zugleich für das Alter vorzusorgen, sind viele Eltern beide berufstätig. Die Mehrheit der Mütter arbeitet dabei in Teilzeit, leistet gleichzeitig jedoch mehr Aufwand für Care-Arbeit. Dass die Teilzeitarbeit dennoch kaum Entlastung im Familienalltag bringt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts: Mütter und Väter leisten im Schnitt 57,5 Stunden Arbeit pro Woche und damit rund 10 Stunden mehr als kinderlose Männer und Frauen. Verschärft wird diese Belastung in Berlin zusätzlich durch lange Wegzeiten zu Kitas, Schulen, Freizeitangeboten und Ämtern aufgrund des knappen Wohnraums sowie einer überlasteten Infrastruktur. Dadurch fehlt vielen Eltern wertvolle Zeit mit ihren Kindern. Erschwerlich kommt hinzu, dass Care-Arbeit in der Gesellschaft nach wie vor zu wenig anerkannt wird und die dahinterstehende Belastung oft übersehen bleibt. Kaum verwunderlich also, dass sich 70% der Eltern erschöpft oder ausgebrannt fühlen, laut einer von der Kaufmännischen Krankenkasse in Auftrag gegebenen forsa-Umfrage. Zwei Drittel der befragten Eltern gaben dabei an, dass der Stress insbesondere in den vergangenen Jahren zugenommen hat. 

Es darf jedoch nicht sein, dass Familien - und damit auch Kinder - solchen Belastungen ausgesetzt sind und junge Erwachsene aufgrund dieser Faktoren ihren Kinderwunsch aufgeben. Was braucht es also, um ein kind- und familiengerechtes Leben zu ermöglichen und Wunsch und Realität zusammenzuführen?

Von Wohnraum bis Elternzeit: Rahmenbedingungen für Familien verbessern

Insbesondere in Berlin ist dringend ein Ausbau von bezahlbarem und familiengerechten Wohnraum notwendig. Das bedeutet: größere Wohnungen, flexible Grundrisse, eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus und vor allem faire Mietpreise. Familien sollten nicht mehr in beengten Räumlichkeiten wohnen müssen - Kinder brauchen ihre eigenen Zimmer und Rückzugsorte. Dies sollte kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit sein, da die Wohnsituation nicht nur das aktuelle Wohlbefinden beeinflusst, sondern auch langfristig die Psyche, die Gesundheit und die schulischen Leistungen. 

Ebenso wichtig sind kindgerechte Wohnumfelder mit ausreichend Grünflächen, Spielplätzen und einer guten Infrastruktur, damit Schulen und Kitas leicht erreichbar sind. Dabei gilt es auch zu verhindern, dass Kitas aufgrund des Geburtenrückgangs schließen müssen - nur so bleibt eine flächendeckende Kita-Versorgung garantiert und Eltern werden von langen Wegzeiten entlastet. 

Um finanzielle Belastungen und damit verbundene Sorgen zu mindern, braucht es zudem eine Weiterentwicklung von Elterngeld und Elternzeit sowie die Förderung einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit. Für Frauen darf es kein finanzielles Risiko sein, Kinder zu bekommen. Schweden beispielsweise zeigt, wie es gehen kann: Dort stehen Eltern pro Kind 480 Tage Elternzeit zu, davon je 90 Tage exklusiv für jedes Elternteil. Während 390 Tagen erhalten Eltern rund 80% ihres Einkommens. Flexible Arbeitszeitmodelle und eine gute Kita-Infrastruktur ergänzen das System - mit dem Ergebnis, dass Mütter in Schweden überdurchschnittlich häufig und umfangreich erwerbstätig sind.

Auch bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben können Familien entlastet werden: Durch weniger Bürokratie und bessere, funktionierende digitale Services. Die dadurch gewonnene Zeit können Eltern sinnvoller mit ihren Kindern verbringen. 

Der Geburtenrückgang ist kein Spiegel eines fehlenden Kinderwunschs unter jungen Menschen, sondern die Folge struktureller Probleme. Sie erschweren die Familiengründung und lassen viele junge Menschen in eine unsichere Situation versetzen, ob sie sich Kinder überhaupt leisten können und ob sie Kindern überhaupt ein gutes Aufwachsen garantieren können. Besonders in Berlin verdichten sich diese Probleme durch Wohnungsknappheit, hohe Mieten und eine hohe Belastung durch doppelte Berufstätigkeit. Der Weltkindertag sollte nun Anlass sein, nicht nur heute, sondern an jedem anderen Tag auch, eine Gesellschaft zu gestalten, in der Kinderbekommen kein Risiko mehr darstellt. Kinder müssen in einer sicheren, schützenden, kind- und familiengerechten Umgebung aufwachsen können - und dafür braucht es eine mutige Familien-, Sozial- und Bildungspolitik. Denn Kinder sind unsere Zukunft, und es sollte außer Frage stehen, jedem Kind ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. 

Quellen: 

BERLINER BEIRAT FÜR FAMILIENFRAGEN, Schmitz, G., & Erdoğan, K. (2025). FAMILIEN IM ZEITENWANDEL STÄRKEN BERLINER FAMILIENBERICHT 2025. https://www.familienbeirat-berlin.de/fileadmin/Berliner%20Familienberichte/Familienbericht_2025/BBFF_FB2025_web.pdf

Eltern-Burnout statt Familienglück? (n.d.). KKH. https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/elternstress2024

Ergebnisse des Mikrozensus in Berlin und Brandenburg – Wohnsituation. (n.d.). https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/f-i-2-4j

Mietspiegel für Berlin 2025. (2025). Immobilienscout24. https://www.immobilienscout24.de/immobilienpreise/berlin/berlin/mietspiegel?mapCenter=52.507023%2C13.424545%2C10.091951738445271

Pannen, A. (2024, December 8). Hohe Mieten, marode Schulen, fehlende Radwege: Berlin vergrault seine Familien. Tagesspiegel. https://www.tagesspiegel.de/berlin/hohe-mieten-marode-schulen-fehlende-radwege-berlin-vergrault-seine-familien-12785951.html

Rückgang der Geburtenziffer schwächte sich 2024 deutlich ab. (n.d.). Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/07/PD25_259_12.html

Schweden führt Elterngeld für Grosseltern ein. (2024). Pro Familia Schweiz. https://www.profamilia.ch/aktuelles/aktuell?view=article&id=2835:schweden-fuehrt-elterngeld-fuer-grosseltern-ein&catid=9#:~:text=So%20bekommen%20Eltern%20in%20Schweden,bekommen%20gerade%20einmal%202%20Wochen.. 

Trotz Geburtenrückgang: Lust auf Nachwuchs bleibt groß. (2025, July 30). tagesschau.de. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/kinderwunsch-100.html

Wetter, B., Bönke, Glaubitz, Göbler, Harnack, Pape, Manuela Barišić, & Valentina Sara Consiglio. (2020). Was es sie kostet, Mutter zu sein. Beschäftigung Im Wandel. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/200616_Kurzexpertise_MotherhoodLifetimePenaltyFINAL.pdf

Vergleich: Elternzeit Schweden + Deutschland. (n.d.). Hannoversche Lebensversicherung AG. https://www.hannoversche.de/wissenswert/elternzeit-in-schweden

Zahlen, Daten, Fakten. (n.d.). Berlin.de. https://www.berlin.de/sen/soziales/besondere-lebenssituationen/wohnungslose/statistik/

Zeitverwendungserhebung 2022. (n.d.). Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Zeitverwendung/Ergebnisse/_inhalt.html

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

Das muss Kai Wegner unbedingt noch schaffen: Frühkindliche Bildung sichern

Anlässlich der Sommerpressekonferenz des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner und dem Beginn des letzten Regierungsjahres des Schwarz-Roten Senats hat der Tagesspiegel in seiner Rubrik “3:1” drei zentrale Punkte hervorgehoben, die unter Kai Wegner bislang ungelöst geblieben sind und dringend angegangen werden müssen.  

Anlässlich der Sommerpressekonferenz des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner und dem Beginn des letzten Regierungsjahres des Schwarz-Roten Senats hat der Tagesspiegel in seiner Rubrik “3:1” drei zentrale Punkte hervorgehoben, die unter Kai Wegner bislang ungelöst geblieben sind und dringend angegangen werden müssen.  

Der VKMK - Der Kitaverband möchte diese drei Punkte um einen wesentlichen Aspekt ergänzen, der bereits seit Jahren aufgeschoben wird, sich zunehmend zuspitzt und maßgeblich über die Zukunft Berlins entscheidet: die deutliche Verschärfung der finanziellen Schieflage der Berliner Kita-Trägern.  

Bereits 2017 zeigte eine Gestehungskostenanalyse: Die Sachkosten für Kitas liegen rund 30% über den vom Land Berlin erstatteten Mitteln - insbesondere aufgrund hoher Mietkosten. Was ist seitdem passiert? Inflation, gestiegene Mietpreise, Nebenkostenexplosion - aber keine ausreichende Anpassung der Sachkostenpauschale für Kita-Träger. 

Und so kommt es, dass das Land Berlin in seiner Pauschale mit rund 6,50€ pro Quadratmeter kalkuliert und diesen Betrag an die Träger auszahlt, während die tatsächlichen Gewerbemieten im Durchschnitt bei knapp 29,00€ pro Quadratmeter liegen. Mit viel Flexibilität und Kreativität konnten die Kita-Träger diese Schere bislang noch überbrücken. Doch nun verschärft der Geburtenrückgang die Lage weiter: Die Sachkostenpauschale ist direkt an die Anzahl der Kinder gekoppelt - weniger Kinder bedeuten somit weniger Geld. Die Quadratmeter der Kita aber müssen natürlich weiterhin bezahlt werden - unabhängig davon, wie viele Kinder dort betreut werden. 

Berlin muss seine Kita-Finanzierung endlich an die realen Gewerbemietkosten anpassen. Alles andere gefährdet frühkindliche Bildung – und damit die Chancengerechtigkeit einer ganzen Generation.

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

VKMK drängt auf schnelle Umsetzung des TV-L Tarifabschlusses für Berliner Kitaträger vor Weihnachten

Der VKMK appelliert an den Berliner Senat, nicht nur die zweistufigen Anpassungen, sondern auch nunmehr die Hauptstadtzulage in die Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder (RV-Tag) innerhalb der nächsten zwei Wochen zu integrieren und umzusetzen.

Berlin, 13.12.2023 – Der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) appelliert an den Berliner Senat, den jüngsten Tarifabschluss zwischen der Tarifgemeinschaft der Länder (TV-L) und den Gewerkschaften zeitnah umzusetzen. Der Abschluss, datiert auf den 9. Dezember 2023, markiert einen bedeutenden Schritt für die hochengagierten Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst.

Die Rückkehr Berlins als vollwertiges Mitglied in die Tarifgemeinschaft TV-L und die Übernahme der Hauptstadtzulage von 150 Euro pro Monat als festen Bestandteil des neuen Tarifvertrages stellen wichtige Entwicklungen dar. Zusätzlich beinhaltet der Abschluss eine steuer- und sozialabgabenfreie Inflationsprämie, eine zusätzliche Stadtstaatenzulage sowie eine zweistufige Erhöhung der Entgelte.

Für den VKMK ist es von höchster Dringlichkeit, die verbindliche Finanzierung vor Beginn der Weihnachtsfeiertage zu regeln. Die freien Kitaträger, welche 89,1 % aller Kitaplätze in Berlin bereitstellen, stehen vor der Herausforderung, die erforderlichen finanziellen Mittel für die steuer- und sozialabgabenfreie Inflationsprämie in Höhe von 1.800 Euro pro Beschäftigter/m aufzubringen.

Die aktuelle Regelung des Tarifvertrags berücksichtigt jedoch lediglich pädagogische Fachkräfte und vernachlässigt die Beschäftigten aus Verwaltung und Hauswirtschaft vollumfänglich, ähnlich der vergangenen Corona-Prämie seitens des Berliner Senats. Dies steht im Widerspruch zur gebotenen Wertschätzung und Anerkennung der vielfältigen Arbeit der Kitateams. Weiterhin stellen die bürokratischen Verzögerungen im Umsetzungsprozess ein deutliches Hindernis dar. Obwohl eine unverzügliche Festlegung der Tarifergebnisse in der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder (RV-Tag) innerhalb von zwei Monaten gefordert wird, verursacht diese zeitliche Einschränkung für die freien Träger Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit ihren Mitarbeitenden in der Vorweihnachtszeit.

Der VKMK appelliert an den Berliner Senat, nicht nur die zweistufigen Anpassungen, sondern auch neben der Stadtstaaten-Zulage nunmehr die Hauptstadtzulage in die Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder (RV-Tag) innerhalb der nächsten zwei Wochen zu integrieren und umzusetzen.

Die rechtzeitige Bereitstellung der Mittel für die Inflationsausgleichsprämie vor dem 1. Januar 2024 wäre zudem ein bedeutendes Zeichen der Wertschätzung für die Beschäftigten in der frühkindlichen Bildung.

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

Und dann ist der Kollaps da. 

"Und dann ist der Kollaps da".

Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen zum Jahresende. Der Personalmangel lässt keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.

Seit Jahren wird der Aufschrei aus den Bildungsträgern lauter und lauter, nun droht der Kollaps.

Dass die Freien Kitaträger in Berlin unter dem stetigen Totsparen ächzen, ist keine Neuigkeit, doch statt einer mehr als dringend benötigten Entlastung und Unterstützung, wurde systematisch in die ohnehin schon leeren Töpfe geschaut und abgewogen, wie die übrigen, bereits deutlich zu geringen Gelder, den zusätzlichen Mehrbelastungen noch standhalten können.  Starke Kostenexplosionen, erhöhte, krankheitsbedingte Ausfälle und allgemeiner Personalmangel sind nur einige der vielen Problematiken, mit denen sich die Kitas im Alltag auseinandersetzen müssen, ohne eine Lösung in Sicht. 

Die Konsequenzen hierfür sind nicht mehr denk-, sondern deutlich spürbar geworden: 

Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen gezwungenermaßen zum Jahresende - und werden sich nicht mehr öffnen. Der Personalmangel lässt schlichtweg keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.  

Die Kindertagesstätten sind das sinnbildlich unterernährte Pferd vor dem Karren, das unter der Mehrbelastung zittert und wankt. Dennoch wird rigoros eine Last nach der anderen addiert; schließlich bewegt es sich ja noch. Die Frage eines Kollapses war selbsterklärend nie “wenn”, sondern “wann”. 

Das politische Agieren hier gleicht nicht einmal mehr einer regelrechten Blindheit dem aktuellen Ist-Zustand und den möglichen Konsequenzen gegenüber, sondern schierer Ignoranz, die sich in etlichen Handlungen und Nicht-Handlungen widerspiegelt. 

Die aktuellen Beispiele unterstreichen dies: Die Senatsjugendverwaltung teilte am Montag mit, dass den rund 2800 Berliner Kindertagesstätten unter der Berücksichtigung der Entwicklung des Verbraucherpreisindex Berlin eine Erhöhung von 8,33% zum 1. Januar erhielten. Zusätzlich, um die gestiegenen Energiekosten abzufedern und die Handlungsfähigkeit der Kindertagesstätten zu erhalten, stellt das Land Berlin eine einmalige Energiekostenpauschale in Höhe von 300 Euro pro belegten Kitaplatz. 

Botschaften und Zahlen, die auf den ersten Blick natürlich hoffnungserregend wirken, bei genauerer Betrachtung jedoch eher einem kleinen Trostpflaster gleichen, das eine riesige Schnittwunde bedecken soll. 

Mit gerade einmal mit ca. 75 Euro mehr zum Vorjahr sollen die Berliner Kitaträger das fortwährend wachsende Kitasystem mit all seinen Betreuungs- und Bildungsaufgaben aufrechterhalten.  Diese Berechnung ist ein Verstecken hinter den formalen Vertragsgrundlagen und zeigt schonungslos die Fehlkalkulierungen an allen Ecken und Enden, die den aktuellen Bedürfnissen kaum gerechnet werden können

Weder eine angemessene Berücksichtigung des seit Jahren steigenden Bruttomietzins, der mit 11 Euro pro m2 und deutlich mehr deutlich über dem in der Sachkostenpauschale bemessenen Wert von 6 Euro liegt - noch in der Belastung der Kitateams, die durchschnittlich 11-12 Kinder gleichzeitig betreuen, entgegen dem Fachkraft-Kind-Schlüssels von 1 zu 3 - noch in der Entlohnung der Fachkräfte, ist eine realistische Bewertung der momentanen Lage der Kitaträger ersichtlich, von einer Wertschätzung derer ganz zu schweigen. Ein Inflationsausgleich, der sich an werten vergangener Monate entlanghangelt, und den aktuellen Ist-Zustand kaum realistisch abbildet, ist der berüchtigte letzte Tropfen.

Nicht überraschend können insbesondere die kleinen Kitas, die 50 % aller Kitaplätze in Berlin ausmachen, den aktuellen Mehrkosten kaum noch standhalten.

Wir sprechen von einem regelrechten Verfall eines fundamentalen Bildungsträgers, der bis heute politisch sowie gesellschaftlich nicht als “erste Bildungsinstitution” akzeptiert wird. 

Das Bild der Kitas gleicht weiterhin in der öffentlichen Wahrnehmung einem veralteten Denkmuster, das wissenschaftlich schon seit Jahrzehnten überholt wurde. In den Kindertagesstätten werden schlussendlich jene Grundlagen und Kompetenzen gelegt und verankert, die für die persönliche und damit verbunden auch berufliche Weiterentwicklung, sowie den Werdegang des Kindes, fundamental wichtig sind. Wenn man es kurz und prägnant ausdrücken möchte: 

Hier wird der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Zukunft des Erwachsenen von morgen. 

Doch, wie viel Qualität und Kompetenzen sind vermittelbar, bei derart großem Personalmangel? Wie viel Raum für Förderung bleibt bei all dem, gepaart mit zusätzlichen finanziellen Sorgen?   

Schließlich beinhalten die rund 35.000 Stellen in den Berliner Kitas, über 22.000 Teilzeitstellen, die sich mit einem ohnehin kleineren Budget und einer deutlichen Unterfinanzierung, nun auch noch den Kostenexplosionen gegenüberstehen sehen.

Der Beruf Erzieher:in, in einer Kindertagesstätte, gleicht vielmehr einer großen Abschreckung, als einer Chance auf berufliche und persönliche Verwirklichung. 

Die qualifizierten Fachkräfte bleiben aus, oder verlassen in Scharen das sinkende Schiff. Zurück bleiben wenige, verzweifelte Arbeitskräfte, die das Ruder noch herumreißen versuchen und hier an das Ende ihrer Kräfte kommen. Das sinnbildliche Zugpferd fängt nun also an zu stolpern und ist das erste Mal zusammengebrochen. Die ersten geschlossenen Kitas sollten der letzte Warnschuss sein. Doch statt systematischer Schritte, für eine deutliche Verbesserung der Lage, gibt es viel eher eine Absicherung, dass das Pferd noch atmet und eine anschließende Kleinst-Versorgung, damit der Karren so schnell wie möglich wieder in Gang gesetzt werden kann.

Dieses Zugpferd ist für nichts weiter verantwortlich, als die Kinder von heute in eine erfolgreiche Zukunft von morgen zu bringen, in der sie erlernte Kompetenzen anwenden und diverse Defizite erfolgreich überkommen konnten und können.  Sie stellen am Ende den Grundbaustein für unsere Gesellschaft dar, unsere wirtschaftliche Entwicklung und damit verbundenen Erfolg.  Es ist an der Zeit, dass die Kindertagesstätten als Bildungseinrichtung angesehen und dementsprechend behandelt und finanziert werden.  

Ein Sparen bei den Kindern, ein Sparen bei jenen, die in Zukunft des Land tragen sollen und dies im besten Falle erfolgreich, ist ein Sparen, das wir uns schlussendlich Einfach nicht leisten können.

Weiterlesen
Kita nach Zahlen VKMK Kita nach Zahlen VKMK

KITA nach Zahlen #14

Am 19.9.2022 verkündet der Koalitionsausschuss von SPD, Grünen und Linken: "soziale Träger für 22 & 23 auf Antrag pauschale Einmalzahlungen von bis zu 300 Euro beispielsweise pro betriebserlaubten Platz erhalten" .

Ein guter Ansatz!

Mit dem 30.09.22 kann die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie aber nur verlautbaren: “Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir derzeit noch keine konkreten Angaben zu den Modalitäten etwaiger Ausgleichszahlungen machen können. Die erforderlichen Abstimmungen zwischen den beteiligten Verwaltungen sind noch nicht abgeschlossen. Wir werden alle Träger im Land Berlin informieren, sobald nähere Informationen vorliegen.”

Im Lichte der höchsten Inflation seit 70 Jahren ist hier mehr Umsetzungsgeschwindigkeit seitens der Regierenden Bürgermeisterin geboten, wenn wir in Berlin alle Kitaplätze erhalten wollen.

Weiterlesen
Kita nach Zahlen VKMK Kita nach Zahlen VKMK

KITA nach Zahlen #10

Diese Zahlen entnehmen wir dem Statistischen Bundessamt und beziehen sich auf den Mai 2022.

Wie die Differenz zwischen der allgemeinen Inflation (Verbraucherpreisindex, VPI im Vergleich zum Vorjahresmonat) und den Preissteigerungen im Energie- und Lebensmittelbereich verdeutlichen, lehnen wir den Verbraucherpreisindex als Berechnungsgrundlage für die Sachkosten der Kita ab. Zu viele Bereiche fließen in die Berechnung des VPI ein, die im Kita-Alltag keine Rolle spielen (Radkappen, Alkohol, Tabak etc.) und somit die Sachkosten einer Kita nicht adäquat wiedergeben.

Weiterlesen