Früh übt sich: Kita-Ernährungsbildung als Schlüssel gegen Lebensmittelverschwendung
Heute ist der Internationale Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverluste und -verschwendung. Ein Tag, der uns daran erinnert, wie kostbar Lebensmittel sind und dass ihr Vorhandensein keineswegs selbstverständlich ist. Zugleich ist es ein Anlass, um unser eigenes Verhalten im Umgang mit Lebensmittel zu hinterfragen. Denn nach wie vor ist Lebensmittelverschwendung allgegenwärtig.
Heute ist der Internationale Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverluste und -verschwendung. Ein Tag, der uns daran erinnert, wie kostbar Lebensmittel sind und dass ihr Vorhandensein keineswegs selbstverständlich ist. Zugleich ist es ein Anlass, um unser eigenes Verhalten im Umgang mit Lebensmittel zu hinterfragen. Denn nach wie vor ist Lebensmittelverschwendung allgegenwärtig: Global werden jährlich über eine Milliarde Tonnen Nahrungsmittel weggeworfen - etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion. In Deutschland sind es etwa 11 Millionen Tonnen. Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht - sowohl global als auch in Deutschland - in privaten Haushalten, mit einem Anteil von rund 60%. Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel werden wertvolle Ressourcen verschwendet: Wasser, Energie, Ackerfläche und viele weitere Rohstoffe, die für die Produktion benötigt werden. Zudem werden dabei klimaschädliche Emissionen verursacht, die angesichts dieser Verschwendung vollkommen unnötig entstehen. Und zu guter Letzt geht Lebensmittelverschwendung immer auch mit einer ethischen Dimension einher: Während für die einen der Überfluss an Lebensmitteln selbstverständlich ist, ist es für andere das Hungern.
Teure Lebensmittelverschwendung an Berliner Schulen
Ein Blick nach Berlin zeigt, wie früh Verschwendung beginnt: Knapp ein Drittel des kostenlosen Schulessens landet im Müll - was somit den globalen Trend widerspiegelt. Der Senat investiert dafür jährlich rund 180 Millionen Euro. Das heißt: Lebensmittel im Wert von etwa 60 Millionen Euro werden schlicht weggeworfen.
Die Frage drängt sich auf: Warum investieren wir nicht stärker in Prävention statt in Verschwendung?
Frühkindliche Ernährungsbildung für eine nachhaltige Zukunft
Die entscheidende Stellschraube liegt in der frühen Bildung. In der Kita ist Essen weit mehr als Versorgung – es ist Bildungsarbeit. Kinder lernen beim gemeinsamen Essen Wertschätzung, Achtsamkeit und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Sie üben, eigene Bedürfnisse einzuschätzen und Reste zu vermeiden. Genau hier entstehen Essgewohnheiten, die ein Leben lang tragen und Verschwendung nachhaltig reduzieren können.
Unsere Mitglieder setzen diese Ernährungsbildung bereits tagtäglich in ihren Einrichtungen um. Doch angesichts steigender Lebensmittelpreise erschweren die vom Senat zur Verfügung gestellten Mittel eine Umsetzung, die der Bedeutung dieses Bildungsauftrags gerecht wird. Eine Anhebung der Verpflegungspauschale ist daher überfällig. Nach mehr als zehn Jahren bedeutet dies auch, den Elternbeitrag von 23 Euro auf 35 Euro anzupassen. Entscheidend ist: Nur durch ausreichende Investitionen in Ernährungsbildung können Kinder gesund aufwachsen, Lebensmittelverschwendung konsequent verringert und nachhaltige Ernährungsgewohnheiten in der gesamten Gesellschaft verankert werden.
Quellen:
Berliner Bildungssenatorin stellt kostenloses Schulessen und Schülerticket zur Diskussion. (n.d.). Rbb24 Website. https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/07/schulessen-schuelerticket-berlin-in-frage-gestellt.html.
Lebensmittelverschwendung: Folgen für Umwelt, Ressourcen, Welternährung | Verbraucherzentrale.de. (n.d.). Verbraucherzentrale.de. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittelverschwendung-folgen-fuer-umwelt-ressourcen-welternaehrung-59565.
Lebensmittelabfälle in Deutschland: Aktuelle Zahlen nach Sektoren. (2025, June 6). BMEL. https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/studie-lebensmittelabfaelle-deutschland.html.
Mehr als eine Milliarde Tonnen Lebensmittelabfälle weltweit. (n.d.). Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/landwirtschaft-fischerei/Foodwaste.html#:~:text=Rund%201%2C05%20Milliarden%20Tonnen,wurde%20in%20privaten%20Haushalten%20erzeugt..
Wer Chancengleichheit sagt, darf beim Kita-Essen nicht schweigen
Herr Saleh hat Recht: Die Lebenshaltungskosten in dieser Stadt sind für viele Familien zu einer realen Belastung geworden. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Doch wenn man auf diese Krise mit Symbolpolitik antwortet, riskiert man das Gegenteil von Gerechtigkeit.
Ein Beitrag von Lars Békési, Geschäftsführer VKMK – Der Kitaverband
Herr Saleh hat Recht: Die Lebenshaltungskosten in dieser Stadt sind für viele Familien zu einer realen Belastung geworden. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Doch wenn man auf diese Krise mit Symbolpolitik antwortet, riskiert man das Gegenteil von Gerechtigkeit.
Im jüngsten Tagesspiegel-Beitrag verkündet der SPD-Fraktionsvorsitzende stolz den Fortbestand der Gebührenfreiheit für Kitas, Hortbetreuung und Schulessen. Was auf den ersten Blick nach sozialem Fortschritt klingt, zeigt bei genauerer Betrachtung gravierende Schwächen – vor allem im frühkindlichen Bereich.
Kita-Kinder zahlen weiter – Schulessen bleibt gratis?
Seit über einem Jahrzehnt zahlen Berliner Eltern monatlich 23 € für das Kita-Mittagessen hinzu – unabhängig von der Entwicklung der Lebensmittelpreise, der Inflation oder der Haushaltslage der Familien. Währenddessen ist das Schulessen vollständig beitragsfrei – auch für die Kinder von Besserverdienenden. Diese Regelung ist nicht nur inkonsequent, sondern ungerecht und geht zudem zu Lasten der Kitaträger, die allein die Kostensteigerungen bei der Verpflegung der Kita- Kinder auffangen müssen.
Die Kita ist die erste und wichtigste Bildungseinrichtung im Leben eines Kindes. Und das gemeinsame Mittagessen ist integraler Bestandteil des pädagogischen Alltags: Hier geht es um mehr als Sättigung – es geht um Teilhabe, Gemeinschaft, motorische Fähigkeiten, Sprache, soziale Regeln. Das Essen in der Kita ist Teil des Bildungsauftrags, nicht bloß ein „Verpflegungsmodul“.
Wenn das Land Berlin das Schulessen vollständig aus Steuergeldern finanziert, gleichzeitig aber im Kita-Bereich weiterhin von den Eltern das veraltete Teilentgelt von 23 € zur Mittagsversorgung des Kindes verlangt, entsteht ein gefährlicher Bruch in der bildungspolitischen Logik.
Fehlanreize und Ressourcenverschwendung
Ein pauschal beitragsfreies Schulessen ist eine sozialpolitische Maßnahme – keine bildungspolitische. Als solche müsste sie eigentlich zielgenau wirken. Doch was wir erleben, ist eine Gießkannenpolitik: In den Schulen profitieren viele Familien, die den Beitrag problemlos selbst leisten könnten. Gleichzeitig berichten Träger und Schulen von massenhaft weggeworfenem Essen. Das ist nicht nur ineffizient – es untergräbt die soziale Legitimation öffentlicher Leistungen.
Was wir brauchen: Treffsicherheit statt Symbolpolitik
Soziale Leistungen sollten dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Der VKMK fordert daher ein sozial gestuftes Modell: Familien mit BerlinPass oder Anspruch auf BuT-Leistungen erhalten das Schul- und Kitaessen kostenfrei. Alle anderen beteiligen sich angemessen. Diese soziale Treffsicherheit ist sodann echte Gerechtigkeit für Kinder, Eltern und Kitas.
Gleichzeitig braucht es eine vollständige Neuberechnung der Kita-Verpflegungspauschalen. Derzeit bleiben nach Abzug aller Kosten oft nur etwa 3,60 € pro Kind und Tag für Lebensmittel übrig – ein Betrag, der mit den Anforderungen an gesunde, nachhaltige Ernährung und fairen Löhnen kaum mehr vereinbar ist.
Wer die hart arbeitende Mitte dieser Stadt entlasten will, muss dort ansetzen, wo reale Belastung entsteht – und das ist im frühkindlichen Bereich. Familien mit Kita-Kindern haben Anspruch auf gleiche Anerkennung, gleiche Unterstützung und gleiche Standards.
Und wenn der Koalitionspartner des aktuellen Berliner Senates Bildung wirklich als Investition in die Zukunft versteht, dann darf er die Kita nicht länger als nachgelagerten Versorgungsbereich behandeln.
Die Gebührenfreiheit darf kein Dogma sein. Sie braucht Zielgenauigkeit, soziale Fairness – und den Mut zur Differenzierung.Denn echte Chancengleichheit beginnt nicht in der Schulmensa – sondern am Mittagstisch der Kita.
Adipositas bei Kindern: Frühkindliche Bildung als Schlüssel zur Prävention
Die Krankenkasse DAK hat kürzlich Daten zu Adipositas unter Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, die ein erschreckendes Bild zeichnen: Im Jahr 2023 wurden 4,6% aller Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 17 Jahren aufgrund einer Adipositas-Diagnose medizinisch behandelt. Auffällig sind dabei insbesondere soziale Unterschiede: So erhalten Kinder aus sozial benachteiligten Familien rund 36% häufiger eine Adipositas-Diagnose als Kinder aus besser gestellten Familien. Noch auffälliger zeigt sich dieser Trend bei Mädchen: Sie sind aus benachteiligten Verhältnissen sogar 39% häufiger betroffen als Mädchen aus privilegierteren Verhältnissen.
Die Krankenkasse DAK hat kürzlich Daten zu Adipositas unter Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, die ein erschreckendes Bild zeichnen: Im Jahr 2023 wurden 4,6% aller Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 17 Jahren aufgrund einer Adipositas-Diagnose medizinisch behandelt. Auffällig sind dabei insbesondere soziale Unterschiede: So erhalten Kinder aus sozial benachteiligten Familien rund 36% häufiger eine Adipositas-Diagnose als Kinder aus besser gestellten Familien. Noch auffälliger zeigt sich dieser Trend bei Mädchen: Sie sind aus benachteiligten Verhältnissen sogar 39% häufiger betroffen als Mädchen aus privilegierteren Verhältnissen.
Folgen von Adipositas für Körper und Psyche
Die Folgen sind gravierend und vielschichtig. Zum einen geht Adipositas nach wie vor häufig mit gesellschaftlicher Stigmatisierung einher, die das seelische Wohlbefinden der betroffenen Kinder erheblich beeinträchtigen kann. Zum anderen zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend, wie stark die Ernährungsweise unsere psychische Gesundheit beeinflusst. Sie wirkt sich unter anderem auf die Schlafqualität, die Regenerationsfähigkeit, den Umgang mit Stress, die Konzentrationsfähigkeit und die Leistungsfähigkeit des Gehirns aus. Auch mögliche Zusammenhänge zwischen Ernährung und psychischen Erkrankungen wie Depression werden erforscht. Natürlich ist Ernährung nicht der einzige Einflussfaktor - doch sie spielt eine wesentliche Rolle für die psychische Gesundheit.
Gleichzeitig wird auch die körperliche Gesundheit bei Adipositas stark beeinflusst: Der Bewegungsapparat, insbesondere Gelenke und Knochen, wird übermäßig belastet. Daraus können langfristig zu Hüft-, Knie- und Rückenproblemen entstehen. Bewegung wird als anstrengender empfunden, die Hemmschwelle für körperliche Aktivität steigt - und ein Teufelskreis entsteht, der Adipositas weiter verstärken und verfestigen kann. Zudem steigt das Risiko für chronische Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Leiden, Bluthochdruck, Diabetes, während gleichzeitig die Lebenserwartung sinkt.
Frühe Prävention in der Kita
Frühzeitige Prävention ist deshalb essentiell - und sollte unabhängig von der sozialen Herkunft allen Kindern zugutekommen. Vor diesem Hintergrund nehmen Schulen und Kitas eine entscheidende Rolle ein: Sie stellen Orte dar, an denen Ernährungsbildung altersgerecht vermittelt und gesunde Mahlzeiten für alle Kinder zugänglich gemacht werden können. Damit leisten sie nicht nur einen Beitrag zur körperlichen und psychischen Gesundheit, sondern fördern auch eine ganzheitliche Entwicklung und die Lebensperspektive der Kinder
Gesunde Ernährung zum Sparpreis
In der Praxis stehen Kitas jedoch vor großen Herausforderungen, denn die Rahmenbedingungen erschweren den Trägern eine adäquate Umsetzung. So stehen in Berlin Kitas - nach der Sachkostenpauschale - aktuell lediglich 3,83€ pro Kind und Betreuungstag für die Verpflegung zur Verfügung. Eine Summe, die es fast unmöglich macht, täglich ein gesundes und ausgewogenes Essen anzubieten. Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, betont: „Der Gesetzgeber steht hier in der Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern. Er muss sicherstellen, dass jedes Kind die Möglichkeit und Chance hat, gesund aufzuwachsen und sich gut zu entwickeln. Doch derzeit wird diese Verantwortung nur unzureichend wahrgenommen. Stattdessen wird die Hauptlast auf die Träger abgewälzt, indem ihnen ein zu knappes Budget zur Verfügung gestellt wird - und sie dann zusehen müssen, wie sie dennoch eine gesunde Verpflegung finanzieren können.“
Bewegungsmangel bei Kindern
Neben der Ernährung spielt auch Bewegung eine zentrale Rolle. Verschiedene Studien zeigen übereinstimmend, dass Kinder sich - insbesondere seit der Corona-Pandemie - sich deutlich zu wenig bewegen. Ein im vergangenem Jahr veröffentlichter Bericht der WHO zeigt auf, dass lediglich 15% der Mädchen und 25% der Jungen im Schulalter die von der WHO empfohlenen 60 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Tag erreichen. Auch hier werden soziale Unterschiede deutlich: Kinder aus privilegierteren Familien erfüllen diese Bewegungsempfehlung im Durchschnitt häufiger.
Bewegung braucht Platz - und Personal
Auch in diesem Zusammenhang ist die Kita ein entscheidender Ort, um Kinder frühzeitig für Bewegung zu begeistern, ihnen die Bedeutung von Bewegung zu vermitteln und einen chancengerechten Zugang zu sportlichen und körperlichen Aktivitäten zu ermöglichen. Doch auch hier fehlen häufig die nötigen Voraussetzungen: Die finanzielle Ausstattung über die Sachkostenpauschale sowie die personelle Ausstattung erschweren eine adäquate Umsetzung. Denn Bewegung braucht Raum - Raum, der angesichts hoher Mietpreise und einer unzureichenden Deckelung durch die Sachkostenpauschale oft nicht vorhanden ist. Und Bewegung braucht Personal - pädagogische Fachkräfte, die Aktivitäten professionell begleiten und Kinder mit unterschiedlichen Förderbedarfen dabei unterstützen können.
„Es geht dabei um Rahmenbedingungen, die es den Trägern ermöglichen, allen Kindern - unabhängig von ihrer Herkunft - eine gesunde und ganzheitliche Entwicklung zu gewährleisten und ihnen die besten Startchancen für ihr Leben zu bieten. Chancen, die weit über die Zeit in der Kita hinausreichen.“, so Békési. Und weiter: „ Angesichts dieser Tragweite ist es notwendig, dass die Gesetzgeber Rahmenbedingungen schaffen, unter denen die Anforderungen an die frühkindliche Bildung auch erfüllt werden können. Und dazu zählen eindeutig eine Anpassung der Sachkostenpauschale sowie eine Erhöhung der Personalausstattung.“
Ehrliche Chancengerechtigkeit statt Subventionierung: VKMK fordert Kurskorrektur beim kostenlosen Mittagessen
Die Diskussion um den Doppelhaushalt 2026/2027 nimmt langsam Fahrt auf – und damit auch die Frage, welche Maßnahmen fortgeführt werden können, ohne die Qualität zu beeinträchtigen, und welche realistisch gesehen nicht länger umsetzbar sind. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel setzt sich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch unter anderem mit der kostenlosen Bildungspolitik des Berliner Senats auseinander und stellt klar: “Gute Bildung gibt es nicht kostenlos.”. Ein zentraler Punkt der Debatte ist unter anderem das kostenlose Mittagessen an Schulen. Der Kitaverband VKMK unterstützt diese Haltung vollumfänglich.
Die Diskussion um den Doppelhaushalt 2026/2027 nimmt langsam Fahrt auf – und damit auch die Frage, welche Maßnahmen fortgeführt werden können, ohne die Qualität zu beeinträchtigen, und welche realistisch gesehen nicht länger umsetzbar sind. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel setzt sich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch unter anderem mit der kostenlosen Bildungspolitik des Berliner Senats auseinander und stellt klar: “Gute Bildung gibt es nicht kostenlos.”. Ein zentraler Punkt der Debatte ist unter anderem das kostenlose Mittagessen an Schulen. Der Kitaverband VKMK unterstützt diese Haltung vollumfänglich.
„Kostenfreies Mittagessen in Schulen ist eine Sozialleistung, die dort ankommt, wo sie nötig ist – bei sozial schwächeren Familien. Es darf jedoch nicht sein, dass diese Sozialleistung auch von wohlhabenden Familien beansprucht wird – auf Kosten der Steuerzahler. Das widerspricht der Chancengerechtigkeit. Wohlhabende Eltern würden diese Mehrleistung gerne selbst tragen, können es jedoch derzeit nicht. Wir brauchen eine klare Trennung: Sozialleistungen gehören dorthin, wo sie gebraucht werden, Bildungsleistungen müssen dort sinnvoll und nachhaltig investiert werden, wo sie echte Bildungs- und Entwicklungschancen schaffen.“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.
Ebenso gegen die Chancengerechtigkeit geht es, dass in den Bildungseinrichtungen, in denen Mittagessen tatsächlich eine Bildungsleistung ist, das Essen für die Kinder kostenpflichtig ist – in den Kitas. In Kitas lernen Kinder beim Mittagessen wichtige Kompetenzen – von motorischen über soziale bis hin zu Fähigkeiten zur Selbstwirksamkeit. “Es ist ein Widerspruch, dass Familien von Kita-Kindern das Mittagessen als Bildungsleistung zahlen müssen, während es ab der Schulzeit, wo es zu einer Sozialleistung wird, als zu große Bürde für alle Familien gilt. Entweder sorgt man im Sinne der Chancengleichheit für kostenloses Mittagessen für alle Kinder oder – wenn der Haushalt dies nicht zulässt – eben nicht“, betont Békési.
Hinzu kommt, dass Kitas bei der Bereitstellung des Mittagessens chronisch unterfinanziert sind. Der Senat steuert pro Kind und Monat lediglich 57,41 Euro bei, während die Eltern 23 Euro zahlen müssen. Damit stehen pro Betreuungstag nur 3,82 Euro zur Verfügung – wobei realistisch gesehen die tatsächlichen Kosten bei rund 5 Euro liegen.
„Die Finanzierung des Mittagessens in Schulen und Kitas stellt sowohl für das Land als auch für Familien und Träger eine große Herausforderung dar – und wie bei den Koalitionsverhandlungen zu sehen war, auch für den Bund. Alle Beteiligten wären froh, wenn alle Kinder regionales, gesundes und ausgewogenes Mittagessen bekommen“, erklärt Békési. Er fährt fort: „Um das besser umsetzen zu können, wäre es wichtig, dass der Senat den Trägern eine ehrliche und realistische Ausfinanzierung der tatsächlichen Kosten ermöglicht. Ebenso sollte im Sinne einer nachhaltigen und effizienten Lösungssuche gemeinsam mit der künftigen Ministerin des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Zuge des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes geprüft werden, wie Träger bei der Bereitstellung des Mittagessens – beispielsweise in der Ausstattung – unterstützt werden können.“
VKMK schlägt gerechtere Sachkostenpauschale vor
Während die öffentliche Debatte um die Verbesserung der frühkindlichen Bildung vor allem Entlastungsmaßnahmen für Kita-Teams in den Fokus rückt, bleibt ein zentrales Problem weiterhin unbeachtet: die unzureichende Sachkostenpauschale. Sie ist das finanzielle Fundament jeder Kita – und muss dringend an die realen Kosten angepasst werden.
Während die öffentliche Debatte um die Verbesserung der frühkindlichen Bildung vor allem Entlastungsmaßnahmen für Kita-Teams in den Fokus rückt, bleibt ein zentrales Problem weiterhin unbeachtet: die unzureichende Sachkostenpauschale. Sie ist das finanzielle Fundament jeder Kita – und muss dringend an die realen Kosten angepasst werden.
Warum ist die Sachkostenpauschale so entscheidend?
Gute Bildung braucht stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, die nur mit ausreichender Finanzierung gewährleistet werden können. Doch bereits in Zeiten voller Kitas reichte die Sachkostenpauschale nicht aus: Viele Träger mussten seit Jahren eine Unterfinanzierung von bis zu 30 % ausgleichen.
„Jetzt, da die Geburtenzahlen das dritte Jahr in Folge sinken, verschärft sich die Situation weiter. Weniger Kinder in den Kitas bedeuten weniger Mittel aus der Sachkostenpauschale – während Miet- und Betriebskosten unverändert hoch bleiben.“, so Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.
Zwar wurde die Pauschale in der Vergangenheit regelmäßig in kleinen Schritten erhöht, doch die massiven Preissteigerungen in nahezu allen Bereichen sind darin bis heute nicht adäquat berücksichtigt. Die Folge: Auch 2025 bleibt die chronische Unterfinanzierung der Kita-Träger bestehen – mit einem Defizit von mindestens 10 bis 15 %.
Ein besonders Beispiel ist hierfür die Kita-Verpflegung: Die Elternbeteiligung für das Mittagessen beträgt seit 2013 unverändert 23 Euro monatlich, während das Land Berlin aktuell knapp 57,41 Euro pro Kind beisteuert – ein Betrag, der angesichts steigender Lebensmittel- und Personalkosten nicht mehr ausreicht. Pro Betreuungstag stehen so lediglich 3,82 Euro zur Verfügung – eine Summe, aus der nicht nur das Essen selbst, sondern auch Personal, Kücheninfrastruktur, Geschirr und Reinigung finanziert werden müssen. Zudem schreibt die Qualitätsvereinbarung für Berliner Kitas (QVTAG) die tägliche Bereitstellung von frischem Obst, Gemüse und ungesüßten Getränken vor – zusätzliche Kosten, die in der Pauschale nicht berücksichtigt sind.
„Wer regelmäßig einkauft, weiß: Für 3,82 Euro pro Tag ist ein frisches, gesundes Mittagessen nicht realisierbar. Realistisch sind eher 5 Euro“, so Békési.
Auch die Mietkosten belasten die Träger zunehmend. Allein von 2012 zu 2024 sind die Quadratmeterpreise für Gewerbemietflächen um 123% gestiegen.* Besonders problematisch: Die Sachkostenpauschale ist direkt an die Kinderzahl gekoppelt. Das bedeutet:
Sinkende Kinderzahlen oder eine Verbesserung des Personalschlüssels – eigentlich eine positive Entwicklung – führen paradoxerweise zu weniger finanziellen Mitteln für Miete und Betriebskosten, obwohl die Quadratmeterzahl der Einrichtungen gleich bleibt.
Um die Finanzierung der Kitas nachhaltig zu sichern, schlägt der VKMK eine gezieltere Anpassung der Sachkostenpauschale im Bereich der Mietkosten vor. „Wir setzen uns gegen das Gießkannenprinzip und stattdessen für ein präziseres, bedarfsgerechtes Modell ein, das ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand umgesetzt werden kann“, erklärt Békési. „Kitas in angemieteten Räumen sollten eine höhere Pauschale erhalten als jene in eigenen Immobilien. Ein solches Cluster-Modell könnte durch eine Vergleichsreferenz abgesichert werden, um übermäßige Mietsteigerungen durch Vermieter zu verhindern.“
Der VKMK fordert das Land Berlin auf, bei allen notwendigen Maßnahmen zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Kita-Träger zu vernachlässigen. „Eine faire Sachkostenpauschale ist essenziell, um Kitas langfristig tragfähig zu halten. Nur mit einer sachgerechten Anpassung der Finanzierung können wir die Qualität und Stabilität frühkindlicher Bildung gewährleisten“, betont Békési abschließend.
*Für Büroflächen, Quelle: Statista 2025