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Wenn Sprache fehlt: Warum frühe Förderung über Bildungs- und Lebenschancen entscheidet

Kurz bevor die großen Sommerferien starteten und die Phase der Einschulung in wenigen Wochen bevorstand, rückten die Meldungen über Sprachförderbedarfe bei Kindern wieder verstärkt in den Fokus der Berichterstattung. Die aktuellsten öffentlichen Zahlen der Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass zum Schuljahr 2022/2023 jedes dritte Kind (32,9%) in Berlin einen Sprachförderbedarf aufwies. Zum Vergleich: 2013 lag dieser Anteil noch bei 25,5%.

Kurz bevor die großen Sommerferien starteten und die Phase der Einschulung in wenigen Wochen bevorstand, rückten die Meldungen über Sprachförderbedarfe bei Kindern wieder verstärkt in den Fokus der Berichterstattung. Die aktuellsten öffentlichen Zahlen der Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass zum Schuljahr 2022/2023 jedes dritte Kind (32,9%) in Berlin einen Sprachförderbedarf aufwies. Zum Vergleich: 2013 lag dieser Anteil noch bei 25,5%. Eine Datenauswertung des rbb gemeinsam mit Correctiv.Lokal verdeutlicht zudem große Differenzen zwischen den einzelnen Bezirken. Während in Kreuzberg-Nord bei 59,7% der Kinder ein Sprachförderbedarf festgestellt wurde - womit dieser Kiez Spitzenreiter ist - hatten in Reinickendorf-Nord nur 11% er angehenden Erstklässler:innen Sprachdefizite. 

Doch der hohe Sprachförderbedarf bei Kindern ist nicht auf Berlin beschränkt, sondern ein länderübergreifendes Phänomen. So hat in Hamburg die Sprachtestung von Viereinhalbjährigen für das Schuljahr 2023/2024 ergeben, dass 31,7% der Kinder einen Förderbedarf in diesem Bereich haben. In Baden-Württemberg lag der Anteil unter den angehenden Erstklässler:innen für das Schuljahr 2022/2023 bei 27,4%. In Bayern zeigte die erstmals landesweit durchgeführte Sprachstandserhebung bei Vierjährigen, dass rund jedes fünfte Kind betroffen ist. Und auch mit dem Eintritt in das Schulsystem nimmt der Anstieg der Sprachförderbedarfe kein Ende, da Sprache die Grundvoraussetzung ist, um dem Unterricht angemessen folgen zu können - unabhängig von der Fachrichtung. Starten Kinder bereits mit Sprachdefiziten in die Schule, werden sie schnell abgehängt. Zeit, um diese Rückstände im regulären Unterricht aufzuholen, fehlt meist. Aus diesem Grund sind sowohl die Analyse möglicher Ursachen als auch eine frühzeitige und qualitativ hochwertige Sprachförderung inzwischen unerlässlich. 

Die Ursachen für den gestiegenen Sprachförderbedarf bei Kindern sind multifaktoriell und wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. In gesellschaftlichen Debatten wird diese Entwicklung nicht selten mit einer steigenden Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund erklärt. Doch diese Begründung greift bei weitem zu kurz. 

Die Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2022/2023 im Bezirks Berlin-Mitte verdeutlicht exemplarisch, wie komplex die Ursachen sind. Dort wiesen 47,5% der Kinder Sprachdefizite auf - knapp 15 Prozentpunkte über dem berlinweiten Durchschnitt. Von ihnen stammten 77,2% aus Familien mit niedrigem sozialen Status und nur 24,3% aus Familien mit hohem sozialen Status. 61,0% der Kinder mit Sprachförderbedarf hatten einen täglichen Medienkonsum von mehr als einer Stunde, während es bei maximal einer Stunde lediglich 37,9% waren. Die Daten zeigen außerdem: ein längerer Kita-Besuch verringert das Risiko für Sprachdefizite. So hatten 83,5% der Kinder mit Sprachdefiziten höchstens zwei Jahren oder gar keine Kita besucht, während unter den Kindern mit einer Kitabesuchsdauer von mehr als zwei Jahren nur 40,2% Sprachdefizite aufwiesen. 

Blicken wir nun nur auf den Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, zeigt sich ein ähnliches Bild: Berlinweit hatten 41,4% der Kinder mit Migrationshintergrund Defizite in der deutschen Sprache, in Berlin-Mitte 54,7%. Unter den Kindern mit Migrationshintergrund aus Familien mit niedrigem sozialen Status in Berlin-Mitte verfügten lediglich 24,1% über gute bis sehr gute Deutschkenntnisse. Bei Kindern aus Familien mit hohem sozialen Status lag dieser Anteil dagegen bei 66,1%. Und auch die Dauer des Kitabesuchs hat hier einen erheblichen Einfluss: Nur 14,1% der Kinder mit Migrationshintergrund, die maximal zwei Jahren eine Kita besucht hatten, wiesen gute bis sehr gute Deutschkenntnisse auf. Bei Kindern mit Migrationshintergrund, die länger als zwei Jahre in einer Kita waren, stieg der Anteil dagegen auf 53,3%. 

Daraus lässt sich schließen, dass sowohl der Sozialstatus als auch die Dauer des Kitabesuchs erhebliche Auswirkungen auf die Sprachfähigkeit von Kindern haben. Wird dem nicht frühzeitig entgegengewirkt, drohen langfristige Folgen für Bildungs- und Lebensweg: Kinder starten mit Sprachdefiziten in die Schule, können dem Unterricht nur schwer folgen, erzielen dadurch schlechtere Leistungen - und haben später geringere berufliche Chancen. Besonders Kinder aus Familien mit niedrigem sozialen Status laufen so Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten, der sich auch weiter auf die nächste Generation übertragen kann.   

Doch Sprachdefizite hemmen Kinder nicht nur im schulischen Kontext, sondern auch in der Entwicklung ihrer persönlichen Stärken und Potenziale. Denn über Sprache treten sie mit der Umwelt in Kontakt, können Erlebtes ausdrücken, reflektieren, darüber sprechen und es besser verstehen. Sprache beeinflusst zudem die kognitive Entwicklung: Je differenzierter wir Sprache beherrschen, desto differenzierter sind auch unsere Gedanken und desto besser können wir komplexe Zusammenhänge verstehen und Lösungen für Probleme finden. Außerdem ermöglicht es die Sprache, Beziehungen aufzubauen, soziale Interaktionen zu gestalten, Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. 

Wie wichtig Sprache ist, ist längst kein Geheimnis mehr - ebenso wenig wie der wachsende Sprachförderbedarf bei Kindern. Deshalb gibt es sowohl auf Landes- als auch Bundesebene große Anstrengungen, um Kinder frühzeitig sprachlich zu fördern. 

In Berlin wurde mit dem Kitajahr 2025/2026 das “Kita-Chancenjahr” eingeführt. Es verpflichtet Kinder, die keine Kita besuchen und bei einer obligatorischen Sprachstandserhebung im Alter von 4,5 Jahren Sprachdefizite aufweisen, mindestens ein Jahr vor Einschulung ein Angebot zur Sprachförderung für jeweils 35 Wochenstunden wahrzunehmen. Hintergrund dieser Maßnahme ist, dass in Berlin etwa 80% der Nicht-Kita-Kinder einen Sprachförderbedarfe haben. 

Auf Bundesebene wurde bereits kurz nach der Bildung der Koalition deutlich, dass die Sprachförderung einen besonderen Schwerpunkt in der Politik des Ministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter Ministerin Karin Prien einnehmen wird. Karin Prien betonte bereits in den Anfängen der aktuellen Regierungszeit mehrfach, wie wichtig es sei, Kinder in diesem Bereich angemessen zu unterstützen und den Kitas die notwendigen Rahmenbedingungen für eine bedarfsgerechte Sprachförderung zu ermöglichen. Fest verankert wurde dieses Anliegen im Koalitionsvertrag mit der geplanten Einführung einer verpflichtenden Diagnostik des Sprach- und Entwicklungsstandes aller Vierjährigen. Bei festgestelltem Förderbedarf sollen anschließend verpflichtende Sprachfördermaßnahmen durch die Länder greifen. Zudem soll das Konzept der Sprach-Kitas fortgeführt und weiterentwickelt werden, während gleichzeitig das Startchancenprogramm für Schulen nun auch auf Kitas ausgeweitet werden soll. Beide Maßnahmen sollen im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes zusätzlich gefördert werden. Und auch in der Verteilung des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität wird die Stärkung der frühkindlichen Bildung als ein Schwerpunkt deutlich: Insgesamt 3,76 Milliarden Euro sind aus diesem Sondervermögen für 2026 bis 2029 zugesichert worden. Hinzu kommen 1,993 Milliarden Euro im Jahr 2026 über das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz sowie eine Erhöhung der finanziellen Mittel für den Kinder- und Jugendplan um 7,5 Millionen Euro auf insgesamt 251,3 Millionen Euro.

Dies zeigt, dass das Bewusstsein für die Bedeutung frühkindlicher Bildung und Förderung zunehmend wächst - und sich nicht nur in öffentlichen Diskursen, sondern auch in der politischen Prioritätensetzung niederschlägt. All dies sind entscheidende Schritte, um allen Kindern einen guten Start ins Leben sowie Bildungs- und Chancengerechtigkeit zu ermöglichen und ihnen durch die Förderung der Sprache den Schlüssel zur Welt an die Hand zu geben. Es sind Maßnahmen und Investitionen in die Zukunft der Kinder, der Gesellschaft und unseres Landes.     

Nun kommt es jedoch darauf an, den Worten auch Taten folgen zu lassen: Die angekündigten Maßnahmen müssen durch eine langfristige und auskömmliche Finanzierung nachhaltig in der Kita-Landschaft Deutschlands etabliert werden. Nur so kann verhindert werden, dass frühzeitige Sprachförderung - und damit die Zukunft der Kinder - Haushaltseinsparungen zum Opfer fällt und die Bemühungen nach wenigen Jahren ins Leere laufen. Ebenso benötigt es einheitliche, an wissenschaftlichen Empfehlungen orientierte Qualitätsstandards, damit alle Kinder - unabhängig von der Region - Zugang zu hochwertiger Sprachförderung erhalten.  


Quellen: 

Grote, S., Haaga, M., & Kittelberger, T. (2024). KINDERGESUNDHEIT IM LANDKREIS TÜBINGEN: Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung vor und nach der Corona-Pandemie. In Landkreis Tübingen, Landkreis Tübingen [Report]. Landkreis Tübingen. https://www.gesundheitsamt-bw.de/fileadmin/LGA/_DocumentLibraries/SiteCollectionDocuments/01_Themen/GesundheitsdatenBerichte/Kommunale_GBE/ESU-Bericht_2024.pdf 

Heckt, M., Hildenbrand, C., & Carsten Thun. (2024). Vorstellungen viereinhalbjähriger Kinder. https://ifbq.hamburg.de/wp-content/uploads/sites/803/2025/02/Bericht-VVV23_24_2411_IfBQ.pdf 

Bezirksamt Mitte von Berlin. (2024) Einschulungsuntersuchungen Berlin-Mitte Schuljahr 2022/2023 Faktenblatt 2: Soziales Umfeld und soziale Integration

Bezirksamt Mitte von Berlin. (2024). Einschulungsuntersuchungen Berlin-Mitte Schuljahr 2022/2023 Faktenblatt 5: Gesundheit und Entwicklung.

Karin Prien: Wir stärken Kinder, Familien und Bildung. (2025). BMBFSFJ. https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/karin-prien-wir-staerken-kinder-familien-und-bildung-268286

Sprachtest für Vierjährige: Rund jedes fünfte angehende Vorschulkind fällt durch. (2025) News4teachers. https://www.news4teachers.de/2025/07/sprachtest-fuer-vorschulkinder-rund-jedes-fuenfte-kind-faellt-durch/

Meyer A. (2025) Schulanfänger in Berlin haben oft große Sprachdefizite. (n.d.). Rbb24 Website. https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/08/grosse-sprachdefizite-bei-berliner-schulanfaengern.html

CDU, CSU, SPD. (2025). Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD [Report]. https://www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf

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BeoKiz: Richtige Ziele, falsche Umsetzung.

BeoKiz: Scheitern eines Berliner Digitalprojekts für die frühkindliche Bildung aufgrund falscher Umsetzung - VKMK fordert mehr Expertise und Ressourcen für erfolgreiche zukunftsorientierte digitale Projekte in der frühkindlichen Bildung.

Die Mitglieder des VKMK sind tief enttäuscht über das Scheitern des Berliner Digital-Projektes BEOkiZ, da die zuständige Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie die geplante digitale Umsetzung nicht zum angedachten Startpunkt realisieren kann.  

BeoKiz hatte das Ziel, die frühkindliche Sprachbildungsarbeit auf ein neues Niveau zu heben. Hierfür sollten digitale Strukturen eingesetzt werden, um die Bereiche der Diagnostik, Förderung und Einbindung von Eltern sowie der Fachkräfte-Weiterbildung zu optimieren. Durch eine qualitativ hochwertige Umsetzung dieser Maßnahmen sollten sowohl eine Verbesserung der pädagogischen Arbeit als auch eine Entlastung des Kitateams erreicht werden. Genau dieses Ziele begrüßen wir als Verband ausdrücklich. Umso bedauerlicher ist nicht nur das allgemeine Scheitern des Projektes, sondern, dass eben genau dieses Scheitern bereits im Vorfeld absehbar war.

Der ehemalige rot-grün-rote Senat hatte es versäumt, vor dem Beginn des Projektes ausreichend Experten:innen für die Senatsjugendverwaltung zu gewinnen. Die Verantwortung für das Scheitern des Projekts kann daher nicht allein dem bestehenden Personal zugeschrieben werden, das größtenteils aus klassischen Verwaltungsexperten besteht. Viel mehr, wird wieder einmal deutlich, dass die Verwaltung dringend mehr Ressourcen und Kompetenzen benötigt, um zukunftsorientierte digitale Projekte erfolgreich durchzuführen.

Aber auch die Ausarbeitung dieser Konzepte zur Umsetzung der BeoKiz-Tools, benötigt die entsprechenden Kompetenzen, die dabei helfen, auch die aktuelle Situation in den Bildungseinrichtungen zu berücksichtigen. Kitas sehen sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, insbesondere einem ausgeprägten Personalmangel.

“Die jetzige geplante papierbasierte Implementierung von BeoKiz trägt weder zur Entlastung der Kitateams bei, noch bietet sie einen qualitativen Mehrwert, so Lars Békési Geschäftsführer des VKMK.

Stattdessen führt sie lediglich zu zusätzlicher Mehr- und Doppelarbeit im bestehenden System des Sprachlerntagebuchs. Die Erarbeitung und das Erlernen neuer Verfahren ist, wenngleich lösungsorientiert, ebenso eine Herausforderung für alle Kitateams, aufgrund des akuten Personalmangels momentan schlichtweg vielerorts nicht umsetzbar ist.  

Es ist der neuen Senatorin zuempfehlen, dass ihre Verwaltung, falls sie nicht die notwendigen Experten intern hat, die Verantwortung in der Form wahrnimmt, dass eine Zusammenarbeit mit den relevanten Experten:innen aus der freien Wirtschaft und allen Fachverbänden von Kitaträgern ermöglicht wird, um die frühkindliche Bildung in Berlin im Bereich der unterstützenden Digitalisierungzu verbessern.  

  

Der VKMK mir seiner langjährigen Erfahrung im Bereich der unterstützenden Digitaliserung ist bereit und steht zur Zusammenarbeit mit allen Beteiligten bereit, um die frühkindliche Bildung in Berlin auf eine höhere Ebene zu bringen. 

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Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte.

erfolgreiche Integration mit Chancengleichheit.

Das vom Bund angesetzte Sprachförderprogramm „Sprach-Kita“ sollte zum Ende dieses Jahres auslaufen und erhielt nun vom Bund eine Übergangsfrist, bis Mitte 2023. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.

Aber wie wird diese aussehen?

Wer übernimmt die Verantwortung für die Sprach-Kitas in Berlin?

Eine Nachricht, die nicht nur die Kitaträger in Berlin erschütterte, sondern auch die vielen Familien, die davon betroffen sind. Das vom Bund angesetzte Sprachförderprogramm „Sprach-Kita“ erhält nach einer Gesamtzeit von 11 erfolgreichen Jahren einen offiziellen Finanzierungsstopp. Eine Förderung, die bis heute dankbar und erfolgreich angenommen wurde.

Gerade für Kinder, die in mehrsprachigen Familienhaushalten aufwachsen und Deutsch nicht als erste Muttersprache erlebt haben, ist diese Förderung unverzichtbar für die Entwicklung und damit auch erfolgreiche Integration mit Chancengleichheit.

Das Förderungsprogramm sollte zum Ende dieses Jahres auslaufen und erhielt nun vom Bund eine Übergangsfrist, bis Mitte 2023. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.

Aber wie wird diese Lösung aussehen?

SPD-Chef in Berlin, Raed Saleh, positionierte sich hierzu entrüstet und appellierte an das Finanz- und das Familienministerium, dies zu korrigieren. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) solle sich hierzu klar positionieren. Wissend, dass das grüne BMFSFJ zuvor die Gelder für den Fortgang der Förderung gestrichen hatte und dem Finanzminister hier, im Rahmen der Ampel-Regierung, nicht diverse Entscheidungen freistehen.

Saleh betonte die außerordentliche Wichtigkeit dieser Förderung und wies darauf hin, dass diese unverzichtbar sei für ausreichende Zukunftsperspektiven der Kinder. Kurz zuvor positionierte sich auch Aziz Bozkurt (SPD), Jugend-Staatssekretär, klar im Interview mit dem RBB und betonte, dass Sprachförderung oberste Priorisierung erfahren sollte.

Eine klare Haltung, die sich auf den ersten Blick nicht nur gut liest, sondern vielleicht beinahe so deuten lässt, als wären der SPD bei der Entwicklung und Ausgangslage des Sprachförderungsprogramms die Hände ebenso verzweifelt gebunden, wie den betroffenen 351 Sprachkitas in Berlin.

Fast scheint dabei unterzugehen, dass Raed Saleh, als Chef der SPD in Berlin, hier als fundamentaler Entscheidungsträger, man könnte sogar sagen "Strippenzieher", agieren kann und muss.

Das Spachförderungsprogramm startete vor 11 Jahren als Projekt. Der Bund stellte Berlin hierfür, als Anschubfinanzierung, Fördergelder mit einer aktuell jährlichen Höhe von 13,4 Millionen Euro bereit. Dieses Projekt wurde bisher nicht als fester Bestandteil in der frühkindlichen Bildung integriert, sondern stets nur als Projekt in diverse "Verlängerungen" gegeben. Dass diese Verlängerungen irgendwann ein Ende finden würden, dürfte niemanden, der sich mit der Thematik auseinandergesetzt hat, überraschen. Sehr überraschend dagegen ist, dass nach so vielen Jahren, die Personen, mit der entsprechenden politischen Verantwortlich,-und Handlungsfähigkeit, sich hier beider zu entziehen scheinen.

Die 13,4 Millionen Euro, die jährlich in Berlin für den Fortgang der Sprach-Kitas zur Sprachförderung genutzt werden, können kurzerhand durch die Regierungspartei SPD in das Parlament gebracht, diskutiert und umgesetzt werden. Schließlich liegt die Verantwortung der Bildungsgelder seit 26 Jahren in den Händen der SPD-SenatorenInnen für Bildung, Jugend und Familie.

Ein rein wahltaktisch motivierter öffentlicher Appell an die grüne Bundesfamilienministerin, ersetzt keine öffentliche Debatte.

Es gilt, die Berliner Grünen als Koalitionspartner im Senat bei dieser Thematik zu überzeugen. Stattdessen gleichen die Ansätze viel mehr einem Weiterreichen der Verantwortlichkeiten.


Während zusätzliche 500 Millionen Euro für die Vergünstigungen im Berliner Nahverkehr generiert werden können, wird es zu einem politischen Katz-und-Maus-Spiel, bei der Verantwortlichkeits-Frage, um die 13,4 Millionen Euro für frühkindliche Bildung. Alles, während gleichzeitig immer wieder betont wird, wie unverzichtbar diese Förderungen für die jüngsten Generationen sein.

Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichkeiten für die Finanzierungen hier, dem Bund entzogen und von denjenigen übernommen werden, die als politische Entscheidungsträger für Familien und Bildung in Berlin zuständig sind, damit wir eine schnelle Lösung finden können, die nicht nur den Kindertagesstätten oder den pädagogischen Fachangestellten für Sprachförderung ein Aufatmen geben können, sondern auch den vielen Kindern und Familien, die von dieser Förderung nachhaltig profitieren.







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Bundesprogramm Sprachförderung läuft zum Ende des Jahres 2022 aus

Wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bekanntgab, soll das Bundes-Programm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ nicht fortgeführt werden. Damit entfallen für Berlin 13,2 Millionen Euro für 300 Sprach-Kitas.

Wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bekanntgab, soll das Bundes-Programm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ nicht fortgeführt werden.  Damit entfallen für Berlin 13,2 Millionen Euro für 300 Sprach-Kitas.

Das Bundesministerium soll laut Senatsverwaltung die Bundesländer am Freitag über die Pläne informiert haben. Offiziell schreibt das Ministerium: „Für die Förderung frühkindlicher Bildung durch verschiedene Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung ist (…) eine Vorsorge in Höhe von bis zu jeweils 2 Milliarden im Bundeshaushalt vorgesehen.“

Die Bundesgelder, die über den Länderfinanzausgleich den Ländern zufließen, sind allerdings nicht mit konkreten Vorgaben versehen, da Bildung zur Hoheit der Länder gehört und diese wiederum auf ihre Unabhängigkeit verweisen. Deshalb begrüßen wir die klarstellende Aussage des Bundesministerin "Die Zuständigkeit im Bereich Kindertagesbetreuung liegt bei den Ländern und kann nicht dauerhaft durch Förderprogramme des Bundes finanziert werden". Zugleich unterstützen wir den Weg, dass das Gute Kita Gesetz in ein Qualitätsgesetz mit einem wesentlichen Schwerpunkt "Sprachförderung" überführt wird, da hiermit auch unseren Forderungen der letzten Jahre entsprochen wird.

Das Land Berlin muss die Sprachförderung sichern

Wir verstehen aber auch das Bedauern der Senatsverwaltung über die Einstellung des Programms zur Sprachförderung und begrüßen den Entschluss der Senatorin, alle Möglichkeiten zu prüfen und die Sprach-Kitas in Berlin notfalls durch Landesmittel absichern zu wollen.

Allerdings können wir nicht unerwähnt lassen, dass das Auslaufen des Bundesprogrammes von Anfang an bekannt war. Deshalb hätten Vorbereitungen getroffen werden müssen, um sich auf das Ende des Bundesprogrammes entsprechend vorzubereiten und eine Absicherung im Landeshaushalt einzufügen. Der VKMK hat bereits frühzeitig auf das Auslaufen der Bundesprogramme hingewiesen und vor möglichen Kürzungen in der Frühen Bildung gewarnt.

Falls eine Finanzierung aus Landesgeldern notwendig sein sollte, würden wir vorschlagen, die Gelder für die ineffiziente Brennpunktzulage im Haushalt zu nehmen und in die Sprachförderung zu stecken. Die Sprach-Kitas sind erwiesenermaßen ein Erfolgsprojekt und gehören zu den wichtigsten Maßnahmen, um die versprochene Chancengleichheit in der Bildung zu sichern. 

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Der Bund kann mehr!

Anlässlich der Anhörung im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages

Anlässlich der Anhörung im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages zu dem Antrag der Fraktion DIE LINKE. "Mehr Fachkräfte für gute Kitas und eine starke Kinder- und Jugendhilfe" (Bundestags- Drucksache 19/6421) möchten wir uns heute einmal der Bundesebene im Bildungsbereich widmen. Die Ergebnisse der Anhörung können Sie hier nachlesen.

Was bisher geschah

Der Bund hatte bereits mit Themen wie der Ganztagsbetreuung sein Interesse bekundet, vermehrt den Ausbau der Kinder- und Jugendhilfe aktiv gestalten zu wollen. Allerdings hält er sich bisher bei der Finanzierung der quantitativen und qualitativen Weiterentwicklung zurück. So wurden beispielsweise nur 5,5 Milliarden Euro im „Gute-Kita-Gesetz“ bereitgestellt, was bei einer Laufzeit von vier Jahren auf alle Bundesländer verteilt der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein ist. Zudem wurde dieser Tropfen überwiegend nur für die steuerfinanzierten Kita-Beiträge genutzt und hat somit weder mehr Plätze geschaffen, noch die Qualität in der Kita nachhaltig verbessert.

Gerade die Pandemie hat uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass die Chance aller Kinder auf einen guten Start in die individuelle Bildungskarriere nicht geopfert werden darf. Die noch bestehenden Einschränkungen im Früh-& Spätdienst, die Vorgabe fester Gruppen, der deutliche Mehraufwand in der Verwaltung und Organisation der Abläufe zu den Hygienemaßnahmen sowie der Mehraufwand an Kommunikation zwischen Träger, Erzieher und Eltern gehen vor allem zu Lasten der pädagogischen Arbeit an den Kinder.

Hinzu kommt im Land Berlin noch die Rückzahlungsforderung von 20 Millionen Euro, die euphemistisch als „Solidaritätsbeitrag“ bezeichnet wird.

Kurzum: Es läuft nicht gut im Land Berlin. Trotz aller Bemühungen und Fördergelder fehlen tausende Erzieher und Kita-Plätze.

Die Bundesregierung hat einen Auftrag

Im Rahmen der Zukunftssicherung vertritt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Interessen der Kinder. Damit ist die Bildung nicht in vollem Umfang Sache der Länder. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, sich mehr in der frühkindlichen Bildung zu engagieren.
Wir wünschen uns eine gezielte Qualitätsentwicklung. Das „Gute-Kita-Gesetz“ muss weiterentwickelt und über das Jahr 2022 verlängert werden.

Es sollte besonders in die Struktur- und Prozessqualität investiert werden, wie es beispielsweise beim Bundesprogramm „Sprach-Kita“ erfolgreich umgesetzt wurde. Bei diesem Programm lag der Fokus auf den Netzwerken, der Stärkung der Leitungen, der Verbesserung des Personalschlüssels, dem digitalen Ausbau und der Fachberatung. Auch die „Sprach- Kita“ läuft demnächst aus und sollte unbedingt verlängert werden.

Um eine angemessene Bildung als Grundlage für unsere gesellschaftliche Zukunft zu gewährleisten, müssen nicht nur mehr Gelder für einen nachhaltigen Ausbau bereit gestellt werden. Es sollten auch die vorhandenen Fördersummen effizienter und sinnvoller als bisher verwendet werden. Wie die Teilnehmer der gestrigen Anhörung sind auch wir der Meinung, dass die Qualitätsstandards sowie deren finanzielle Ausstattung auf Bundesebene festgelegt und umgesetzt werden sollten.

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