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Und dann ist der Kollaps da. 

"Und dann ist der Kollaps da".

Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen zum Jahresende. Der Personalmangel lässt keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.

Seit Jahren wird der Aufschrei aus den Bildungsträgern lauter und lauter, nun droht der Kollaps.

Dass die Freien Kitaträger in Berlin unter dem stetigen Totsparen ächzen, ist keine Neuigkeit, doch statt einer mehr als dringend benötigten Entlastung und Unterstützung, wurde systematisch in die ohnehin schon leeren Töpfe geschaut und abgewogen, wie die übrigen, bereits deutlich zu geringen Gelder, den zusätzlichen Mehrbelastungen noch standhalten können.  Starke Kostenexplosionen, erhöhte, krankheitsbedingte Ausfälle und allgemeiner Personalmangel sind nur einige der vielen Problematiken, mit denen sich die Kitas im Alltag auseinandersetzen müssen, ohne eine Lösung in Sicht. 

Die Konsequenzen hierfür sind nicht mehr denk-, sondern deutlich spürbar geworden: 

Statt freundlicher Weihnachtsgrüße erhielten erste Eltern die Hiobsbotschaft: die Kitatüren für unter Dreijährige schließen gezwungenermaßen zum Jahresende - und werden sich nicht mehr öffnen. Der Personalmangel lässt schlichtweg keine Betreuung und Bildungsarbeit mehr zu.  

Die Kindertagesstätten sind das sinnbildlich unterernährte Pferd vor dem Karren, das unter der Mehrbelastung zittert und wankt. Dennoch wird rigoros eine Last nach der anderen addiert; schließlich bewegt es sich ja noch. Die Frage eines Kollapses war selbsterklärend nie “wenn”, sondern “wann”. 

Das politische Agieren hier gleicht nicht einmal mehr einer regelrechten Blindheit dem aktuellen Ist-Zustand und den möglichen Konsequenzen gegenüber, sondern schierer Ignoranz, die sich in etlichen Handlungen und Nicht-Handlungen widerspiegelt. 

Die aktuellen Beispiele unterstreichen dies: Die Senatsjugendverwaltung teilte am Montag mit, dass den rund 2800 Berliner Kindertagesstätten unter der Berücksichtigung der Entwicklung des Verbraucherpreisindex Berlin eine Erhöhung von 8,33% zum 1. Januar erhielten. Zusätzlich, um die gestiegenen Energiekosten abzufedern und die Handlungsfähigkeit der Kindertagesstätten zu erhalten, stellt das Land Berlin eine einmalige Energiekostenpauschale in Höhe von 300 Euro pro belegten Kitaplatz. 

Botschaften und Zahlen, die auf den ersten Blick natürlich hoffnungserregend wirken, bei genauerer Betrachtung jedoch eher einem kleinen Trostpflaster gleichen, das eine riesige Schnittwunde bedecken soll. 

Mit gerade einmal mit ca. 75 Euro mehr zum Vorjahr sollen die Berliner Kitaträger das fortwährend wachsende Kitasystem mit all seinen Betreuungs- und Bildungsaufgaben aufrechterhalten.  Diese Berechnung ist ein Verstecken hinter den formalen Vertragsgrundlagen und zeigt schonungslos die Fehlkalkulierungen an allen Ecken und Enden, die den aktuellen Bedürfnissen kaum gerechnet werden können

Weder eine angemessene Berücksichtigung des seit Jahren steigenden Bruttomietzins, der mit 11 Euro pro m2 und deutlich mehr deutlich über dem in der Sachkostenpauschale bemessenen Wert von 6 Euro liegt - noch in der Belastung der Kitateams, die durchschnittlich 11-12 Kinder gleichzeitig betreuen, entgegen dem Fachkraft-Kind-Schlüssels von 1 zu 3 - noch in der Entlohnung der Fachkräfte, ist eine realistische Bewertung der momentanen Lage der Kitaträger ersichtlich, von einer Wertschätzung derer ganz zu schweigen. Ein Inflationsausgleich, der sich an werten vergangener Monate entlanghangelt, und den aktuellen Ist-Zustand kaum realistisch abbildet, ist der berüchtigte letzte Tropfen.

Nicht überraschend können insbesondere die kleinen Kitas, die 50 % aller Kitaplätze in Berlin ausmachen, den aktuellen Mehrkosten kaum noch standhalten.

Wir sprechen von einem regelrechten Verfall eines fundamentalen Bildungsträgers, der bis heute politisch sowie gesellschaftlich nicht als “erste Bildungsinstitution” akzeptiert wird. 

Das Bild der Kitas gleicht weiterhin in der öffentlichen Wahrnehmung einem veralteten Denkmuster, das wissenschaftlich schon seit Jahrzehnten überholt wurde. In den Kindertagesstätten werden schlussendlich jene Grundlagen und Kompetenzen gelegt und verankert, die für die persönliche und damit verbunden auch berufliche Weiterentwicklung, sowie den Werdegang des Kindes, fundamental wichtig sind. Wenn man es kurz und prägnant ausdrücken möchte: 

Hier wird der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Zukunft des Erwachsenen von morgen. 

Doch, wie viel Qualität und Kompetenzen sind vermittelbar, bei derart großem Personalmangel? Wie viel Raum für Förderung bleibt bei all dem, gepaart mit zusätzlichen finanziellen Sorgen?   

Schließlich beinhalten die rund 35.000 Stellen in den Berliner Kitas, über 22.000 Teilzeitstellen, die sich mit einem ohnehin kleineren Budget und einer deutlichen Unterfinanzierung, nun auch noch den Kostenexplosionen gegenüberstehen sehen.

Der Beruf Erzieher:in, in einer Kindertagesstätte, gleicht vielmehr einer großen Abschreckung, als einer Chance auf berufliche und persönliche Verwirklichung. 

Die qualifizierten Fachkräfte bleiben aus, oder verlassen in Scharen das sinkende Schiff. Zurück bleiben wenige, verzweifelte Arbeitskräfte, die das Ruder noch herumreißen versuchen und hier an das Ende ihrer Kräfte kommen. Das sinnbildliche Zugpferd fängt nun also an zu stolpern und ist das erste Mal zusammengebrochen. Die ersten geschlossenen Kitas sollten der letzte Warnschuss sein. Doch statt systematischer Schritte, für eine deutliche Verbesserung der Lage, gibt es viel eher eine Absicherung, dass das Pferd noch atmet und eine anschließende Kleinst-Versorgung, damit der Karren so schnell wie möglich wieder in Gang gesetzt werden kann.

Dieses Zugpferd ist für nichts weiter verantwortlich, als die Kinder von heute in eine erfolgreiche Zukunft von morgen zu bringen, in der sie erlernte Kompetenzen anwenden und diverse Defizite erfolgreich überkommen konnten und können.  Sie stellen am Ende den Grundbaustein für unsere Gesellschaft dar, unsere wirtschaftliche Entwicklung und damit verbundenen Erfolg.  Es ist an der Zeit, dass die Kindertagesstätten als Bildungseinrichtung angesehen und dementsprechend behandelt und finanziert werden.  

Ein Sparen bei den Kindern, ein Sparen bei jenen, die in Zukunft des Land tragen sollen und dies im besten Falle erfolgreich, ist ein Sparen, das wir uns schlussendlich Einfach nicht leisten können.

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Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte.

erfolgreiche Integration mit Chancengleichheit.

Das vom Bund angesetzte Sprachförderprogramm „Sprach-Kita“ sollte zum Ende dieses Jahres auslaufen und erhielt nun vom Bund eine Übergangsfrist, bis Mitte 2023. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.

Aber wie wird diese aussehen?

Wer übernimmt die Verantwortung für die Sprach-Kitas in Berlin?

Eine Nachricht, die nicht nur die Kitaträger in Berlin erschütterte, sondern auch die vielen Familien, die davon betroffen sind. Das vom Bund angesetzte Sprachförderprogramm „Sprach-Kita“ erhält nach einer Gesamtzeit von 11 erfolgreichen Jahren einen offiziellen Finanzierungsstopp. Eine Förderung, die bis heute dankbar und erfolgreich angenommen wurde.

Gerade für Kinder, die in mehrsprachigen Familienhaushalten aufwachsen und Deutsch nicht als erste Muttersprache erlebt haben, ist diese Förderung unverzichtbar für die Entwicklung und damit auch erfolgreiche Integration mit Chancengleichheit.

Das Förderungsprogramm sollte zum Ende dieses Jahres auslaufen und erhielt nun vom Bund eine Übergangsfrist, bis Mitte 2023. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden.

Aber wie wird diese Lösung aussehen?

SPD-Chef in Berlin, Raed Saleh, positionierte sich hierzu entrüstet und appellierte an das Finanz- und das Familienministerium, dies zu korrigieren. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) solle sich hierzu klar positionieren. Wissend, dass das grüne BMFSFJ zuvor die Gelder für den Fortgang der Förderung gestrichen hatte und dem Finanzminister hier, im Rahmen der Ampel-Regierung, nicht diverse Entscheidungen freistehen.

Saleh betonte die außerordentliche Wichtigkeit dieser Förderung und wies darauf hin, dass diese unverzichtbar sei für ausreichende Zukunftsperspektiven der Kinder. Kurz zuvor positionierte sich auch Aziz Bozkurt (SPD), Jugend-Staatssekretär, klar im Interview mit dem RBB und betonte, dass Sprachförderung oberste Priorisierung erfahren sollte.

Eine klare Haltung, die sich auf den ersten Blick nicht nur gut liest, sondern vielleicht beinahe so deuten lässt, als wären der SPD bei der Entwicklung und Ausgangslage des Sprachförderungsprogramms die Hände ebenso verzweifelt gebunden, wie den betroffenen 351 Sprachkitas in Berlin.

Fast scheint dabei unterzugehen, dass Raed Saleh, als Chef der SPD in Berlin, hier als fundamentaler Entscheidungsträger, man könnte sogar sagen "Strippenzieher", agieren kann und muss.

Das Spachförderungsprogramm startete vor 11 Jahren als Projekt. Der Bund stellte Berlin hierfür, als Anschubfinanzierung, Fördergelder mit einer aktuell jährlichen Höhe von 13,4 Millionen Euro bereit. Dieses Projekt wurde bisher nicht als fester Bestandteil in der frühkindlichen Bildung integriert, sondern stets nur als Projekt in diverse "Verlängerungen" gegeben. Dass diese Verlängerungen irgendwann ein Ende finden würden, dürfte niemanden, der sich mit der Thematik auseinandergesetzt hat, überraschen. Sehr überraschend dagegen ist, dass nach so vielen Jahren, die Personen, mit der entsprechenden politischen Verantwortlich,-und Handlungsfähigkeit, sich hier beider zu entziehen scheinen.

Die 13,4 Millionen Euro, die jährlich in Berlin für den Fortgang der Sprach-Kitas zur Sprachförderung genutzt werden, können kurzerhand durch die Regierungspartei SPD in das Parlament gebracht, diskutiert und umgesetzt werden. Schließlich liegt die Verantwortung der Bildungsgelder seit 26 Jahren in den Händen der SPD-SenatorenInnen für Bildung, Jugend und Familie.

Ein rein wahltaktisch motivierter öffentlicher Appell an die grüne Bundesfamilienministerin, ersetzt keine öffentliche Debatte.

Es gilt, die Berliner Grünen als Koalitionspartner im Senat bei dieser Thematik zu überzeugen. Stattdessen gleichen die Ansätze viel mehr einem Weiterreichen der Verantwortlichkeiten.


Während zusätzliche 500 Millionen Euro für die Vergünstigungen im Berliner Nahverkehr generiert werden können, wird es zu einem politischen Katz-und-Maus-Spiel, bei der Verantwortlichkeits-Frage, um die 13,4 Millionen Euro für frühkindliche Bildung. Alles, während gleichzeitig immer wieder betont wird, wie unverzichtbar diese Förderungen für die jüngsten Generationen sein.

Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichkeiten für die Finanzierungen hier, dem Bund entzogen und von denjenigen übernommen werden, die als politische Entscheidungsträger für Familien und Bildung in Berlin zuständig sind, damit wir eine schnelle Lösung finden können, die nicht nur den Kindertagesstätten oder den pädagogischen Fachangestellten für Sprachförderung ein Aufatmen geben können, sondern auch den vielen Kindern und Familien, die von dieser Förderung nachhaltig profitieren.







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Experten-Dialog - Wir helfen gern!

Heute vormittag fand im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der erste Experten-Dialog zum Qualitätsentwicklungsgesetz statt. Auch unser Geschäftsführer, Lars Békési war zu diesem Treffen eingeladen worden, um sein Fachwissen einzubringen.

Nach einer kurzen Einführung wurde zunächst der Prozess sowie die zu behandelnden Qualitätsbereich vorgestellt, bevor der dritte Tagespunkt besprochen wurde. Dabei ging es um die Vorstellung der Ausgangslage bei der Betreuungsrelation anhand der Ergebnisse des Monitorings zum Gute-KiTa- Gesetz durch DJI/TU Dortmund sowie einer Expertise zur Betreuungsrelation durch Prof. Strehmel und Prof. Viernickel mit anschließender Diskussion.

Wir haben den Ausführungen der Professoren Strehmel und Viernickel gern zu gehört und uns für unseren Verband sowie den Partner-Verbänden Kindermitte und dem Bayerischen Kita-Verband eingebracht.

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