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Ehrliche Chancengerechtigkeit statt Subventionierung: VKMK fordert Kurskorrektur beim kostenlosen Mittagessen

Die Diskussion um den Doppelhaushalt 2026/2027 nimmt langsam Fahrt auf – und damit auch die Frage, welche Maßnahmen fortgeführt werden können, ohne die Qualität zu beeinträchtigen, und welche realistisch gesehen nicht länger umsetzbar sind. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel setzt sich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch unter anderem mit der kostenlosen Bildungspolitik des Berliner Senats auseinander und stellt klar:  “Gute Bildung gibt es nicht kostenlos.”. Ein zentraler Punkt der Debatte ist unter anderem das kostenlose Mittagessen an Schulen. Der Kitaverband VKMK unterstützt diese Haltung vollumfänglich.

Die Diskussion um den Doppelhaushalt 2026/2027 nimmt langsam Fahrt auf – und damit auch die Frage, welche Maßnahmen fortgeführt werden können, ohne die Qualität zu beeinträchtigen, und welche realistisch gesehen nicht länger umsetzbar sind. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel setzt sich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch unter anderem mit der kostenlosen Bildungspolitik des Berliner Senats auseinander und stellt klar:  “Gute Bildung gibt es nicht kostenlos.”. Ein zentraler Punkt der Debatte ist unter anderem das kostenlose Mittagessen an Schulen. Der Kitaverband VKMK unterstützt diese Haltung vollumfänglich.

„Kostenfreies Mittagessen in Schulen ist eine Sozialleistung, die dort ankommt, wo sie nötig ist – bei sozial schwächeren Familien. Es darf jedoch nicht sein, dass diese Sozialleistung auch von wohlhabenden Familien beansprucht wird – auf Kosten der Steuerzahler. Das widerspricht der Chancengerechtigkeit. Wohlhabende Eltern würden diese Mehrleistung gerne selbst tragen, können es jedoch derzeit nicht. Wir brauchen eine klare Trennung: Sozialleistungen gehören dorthin, wo sie gebraucht werden, Bildungsleistungen müssen dort sinnvoll und nachhaltig investiert werden, wo sie echte Bildungs- und Entwicklungschancen schaffen.“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.

Ebenso gegen die Chancengerechtigkeit geht es, dass in den Bildungseinrichtungen, in denen Mittagessen tatsächlich eine Bildungsleistung ist, das Essen für die Kinder kostenpflichtig ist – in den Kitas. In Kitas lernen Kinder beim Mittagessen wichtige Kompetenzen – von motorischen über soziale bis hin zu Fähigkeiten zur Selbstwirksamkeit. “Es ist ein Widerspruch, dass Familien von Kita-Kindern das Mittagessen als Bildungsleistung zahlen müssen, während es ab der Schulzeit, wo es zu einer Sozialleistung wird, als zu große Bürde für alle Familien gilt. Entweder sorgt man im Sinne der Chancengleichheit für kostenloses Mittagessen für alle Kinder oder – wenn der Haushalt dies nicht zulässt – eben nicht“, betont Békési.

Hinzu kommt, dass Kitas bei der Bereitstellung des Mittagessens chronisch unterfinanziert sind. Der Senat steuert pro Kind und Monat lediglich 57,41 Euro bei, während die Eltern 23 Euro zahlen müssen. Damit stehen pro Betreuungstag nur 3,82 Euro zur Verfügung – wobei realistisch gesehen die tatsächlichen Kosten bei rund 5 Euro liegen.

Die Finanzierung des Mittagessens in Schulen und Kitas stellt sowohl für das Land als auch für Familien und Träger eine große Herausforderung dar – und wie bei den Koalitionsverhandlungen zu sehen war, auch für den Bund. Alle Beteiligten wären froh, wenn alle Kinder regionales, gesundes und ausgewogenes Mittagessen bekommen“, erklärt Békési. Er fährt fort: „Um das besser umsetzen zu können, wäre es wichtig, dass der Senat den Trägern eine ehrliche und realistische Ausfinanzierung der tatsächlichen Kosten ermöglicht. Ebenso sollte im Sinne einer nachhaltigen und effizienten Lösungssuche gemeinsam mit der künftigen Ministerin des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Zuge des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes geprüft werden, wie Träger bei der Bereitstellung des Mittagessens – beispielsweise in der Ausstattung – unterstützt werden können.

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Was wir von den Koalitionsverhandlungen erwarten.

Qualitätsversprechen und deren Verbesserungen können nur umgesetzt werden, wenn endlich der Qualitätsreduktion der Rücken zugekehrt wird. Die momentanen Koalitionsverhandlungen könnten hier Hoffnung erwecken - doch erste Ergebnisse bringen bereits Zweifel.

Während die Tage vor der ersten Koalitionsverhandlung von Unsicherheiten geprägt waren, wirkten die ersten Schwarz-Rot-Verhandlungen doch recht optimistisch stimmend. Man wolle gemeinsam an einem Strang ziehen und die (frühe) Bildung auf richtige Wege bringen. So der Konsens der ersten Sitzungen. Doch erste Anzeichen einer Unstimmigkeit sendet ausgerechnet der noch JStS mit einem Tweet “Ich will nur anmerken, dass die SPD-Seite paritätisch besetzt war. Das geht immer einher mit Fachwissen. Und es sollte uns allen nicht schmecken, wenn die gesellschaftlichen Realitäten sich nicht widerspiegeln.“ 

Der frühkindliche Bildungssektor ist mannigfaltigen Herausforderungen ausgesetzt und das bereits seit Jahren. Unterfinanzierung, Kostenexplosionen, sinkende Bewerberzahlen, stetig steigende Abgänge, immense Krankenstände. 



Wir fordern, dass sich die Kita-Situation für Kita-Teams, Kinder und Kitaträger in Berlin endlich nachhaltig verbessert. Investitionsverhandlungen, Bildungsverhandlungen, Zukunftsverhandlungen müssen die frühkindliche Bildung endlich intensiv mit einbeziehen. 

 

Qualitätsversprechen und deren Verbesserungen können nur umgesetzt werden, wenn endlich der Qualitätsreduktion der Rücken zugekehrt wird. Dies ist kurzfristig umsetzbar, durch schnelle Hilfsmittel, wie eine deutliche Entlastung der Pädagog:innen von nicht pädagogischen Verwaltungsaufgaben. Eine deutlich einheitliche praxisbezogener Ausbildung für die künftigen Fachkräfte. Sowie eine echte Herstellung der Bildungsteilhabegerechtigkeit für alle Kinder durch die flächendeckende Einführung der Kitasozialarbeit. Nur so können wir realistisch die unterschiedlichen Start- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Kinder berücksichtigen und von einer gerechten Bildungsverteilung überhaupt erst sprechen.

Gerade nach ununterbrochenen 27 Jahren SPD-Bildungs- & Jugendsenatoren:innen erwarten wir, dass die Koalitionsverhandlungen im Rahmen der Dachgruppen-Gespräche in einem klaren vertraglichen Bekenntnis zur Beseitigung der Fehlentwicklungen mittels kluger Investitionspolitik münden. 

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Koalitionsverhandlungen in Berlin. Eine Chance für die frühkindliche Bildung?

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik. Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Gestern war der Auftakt der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin. Erste Besprechungen machen wieder einmal deutlich; der totgesparte Sektor der frühkindlichen Bildung erhält zu wenig Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik.

Wir blicken sorgen- und hoffnungsvoll zugleich in die kommenden Wochen.

Während die Tage vor der Schwarz-Rot-Verhandlung ein Gefühl von Unsicherheit verbreiteten, scheinen die ersten Verhandlungen diese ein wenig mindern zu können. Während sich Einigkeit in vielen Bereichen finden lassen konnte, bezüglich einer Verbesserung des Ist-Zustandes in Berlin und optimistische Worte von Giffey durchklangen; “Vieles lasse sich aufbauen, was schon von Rot-Grün-Rot vorbereitet worden ist.” , wurden andere Sorgen hingehen gestärkt:

Deutlich wurde, dass der Fokus der Bildung wieder einmal nicht auf den frühkindlichen Institutionen liegen würde, sondern abermals erst ab dem Grundschulalter an Wichtigkeit zu erfassen sei. Ein Fataler Fehler, der sich seit Jahren in einem steten Abbau des Kita-Sektors deutlich widerspiegelt. Ernüchternde Worte kamen ebenfalls von CDU-Generalsekretär Stefan Evers hin: "Wir haben nicht nur wenig Zeit. Wir haben auch wenig Geld."

Genau dies ist aber zwingend benötigt, um in den Kitas Berlins ein Umkehren der Abwärtsspirale endlich umsetzen zu können; eine zukunftsorientierte Investitionspolitik, die ausreichend finanzielle Ressourcen bereitstellt, um den mannigfaltigen Herausforderungen im Ansatz gerecht zu werden.

Wir blicken hoffnungsvoll, aber auch mit Sorge auf die kommenden Verhandlungen.

Der Sektor der frühkindlichen Bildung blickt seit Jahren in Finanzierungsmöglichkeiten, die immer schmaler und schmaler werden, den Kostenexplosionen nicht im Ansatz standhalten können und erfährt als Lösung immer wieder nur Ad-Hoc-Aktionen, die das gröbste Übel, weiterhin hinauszögern sollen. Kalkulierte, zukunftsorientierte Lösungsansätze, um das sinkende Schiff nicht nur zeitweise über Wasser zu halten, sondern wieder seetauglich, geschweige denn gut ausgerüstet losfahren zu lassen, fehlen bisweilen vergebens.

Sinkende Bewerberzahlen, hohe Abgänge, große Krankenstände und Überbelastung sind die Alltäglichkeiten, mit denen sich die Erzieherinnen und Erzieher in der frühkindlichen Bildung auseinandersetzen. Die Unterfinanzierung im großen Stil ermöglicht hier schlichtweg keine Auswege mehr und endet sogar darin, dass sich viele Kitas in Berlin nicht einmal mehr neue Auszubildende leisten können. Die Erzieher:innen von heute verlassen das Schiff und den Erzieher:innen von morgen bleibt buchstäblich der Zutritt verwehrt.

Wie soll qualitativ hochwertige Bildung in diesem Kontext stattfinden können?

Wie soll ein Erzieher oder eine Erzieherin sich dessen überhaupt in ausreichendem Umfang annehmen können, wenn die Problemfelder des Kita-Alltages derart mannigfaltig sind?

Investitionsverhandlungen, Bildungsverhandlungen, Zukunftsverhandlungen, all dies darf nicht geschehen, ohne die frühkindliche Bildung hier nicht nur teilhaben zu lassen, sondern durchaus in den Mittelpunkt vieler Diskussionen zu rücken.

Gerade die CDU, die sich mit dem Programm “beste Bildung für Berlin” hier fundamental an einer Verbesserung der Bildungssituation einsetzen möchte, sollte deutlich machen, dass diese Bildung nicht erst ab der Grundschule beginnen darf, sondern weitaus vorher, im Kita-Alter bereits fundamental wichtig ist.

Wir hoffen und fordern zugleich, dass sich die Kita-Situation in Berlin endlich ändert. Dass die neuen Gespräche zu augenöffnenden Momenten führen, in denen der Ist-Zustand des frühkindlichen Bildungssektor endlich in seiner porösen, heruntergewirtschafteten Struktur wahrgenommen wird, damit hier endlich grundlegende Änderungen eintreten können.

Das Gerüst muss in seiner Struktur gefestigt werden, um ausreichend Qualitätsversprechen umsetzen zu können - und letztendlich auch: Qualitätsverbesserung

Dies geht nur mit ausreichend finanziellen Mitteln. Mittel, die nicht als Trostpflaster für schnelle Heilung sorgen sollen, sondern Mittel, die zielgerichtet die Problemfelder von heute angehen und eliminieren und gleichzeitig den Bezug zu den Herausforderungen der Zukunft mit einkalkulieren. Ein Entscheiden hier muss, zwingend, die betroffenen Institutionen besser einbeziehen, um einen transparenten Einblick in die Problemfelder zu erhalten und hier gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die nicht nur sinnvoll, sondern auch zukunftsträchtig sind.

Nur so kann ein Herumreißen des Ruders in diesem Sektor noch stattfinden, nur so kann die pädagogische Arbeit im frühkindlichen Alter wieder attraktiv gestaltet werden, um Bewerber:innen anzuziehen und qualifizierte Fachkräfte zu halten. Nur so lässt sich eine erfolgreiche Bildung umsetzen, die alle dringend benötigten Kompetenzen in unseren Kindern verankern kann, die sie im späteren Erwachsenenalter umsetzen müssen.

Wir hoffen auf einen gemeinsamen Konsens in diesem Rahmen, damit wir mit sicherem, gefestigten Blick in eine Zukunft schauen können, die Bildungschancen nicht nur predigt, sondern auch (er)lebt.


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