Mit Bildung aus der Armut: Warum frühe Förderung über Chancen entscheidet
Jedes Jahr wird weltweit am 17. Oktober der Internationale Tag zur Überwindung von Armut begangen – und daran erinnert, dass Armut auch weiterhin ein ungelöstes globales Problem darstellt. Ein Problem, das sich selbst in den reichen Industrienationen findet und ein Problem, das auch in Deutschland viele Kinder und Jugendliche betrifft. Laut offiziellen Zahlen ist jedes fünfte Kind unter 18 Jahren von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Kinderarmut ist damit ein drängendes gesellschaftliches Problem.
Jedes Jahr wird weltweit am 17. Oktober der Internationale Tag zur Überwindung von Armut begangen – und daran erinnert, dass Armut auch weiterhin ein ungelöstes globales Problem darstellt. Ein Problem, das sich selbst in den reichen Industrienationen findet und ein Problem, das auch in Deutschland viele Kinder und Jugendliche betrifft. Laut offiziellen Zahlen ist jedes fünfte Kind unter 18 Jahren von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Kinderarmut ist damit ein drängendes gesellschaftliches Problem.
Dimensionen und Aspekte von Armut
Armut kann in ihrer Form und Dimension sehr unterschiedlich aussehen. So werden bei der Definition von Armut drei verschiedene Grade unterschieden: einmal die absolute Armut, bei der die wesentlichen Grundbedürfnisse – wie Ernährung und ein Dach über dem Kopf – nicht erfüllt werden. Dann gibt es die relative Armut, die eine Form der Armut im Verhältnis zum Durchschnitt eines Landes beschreibt: Man gilt als relativ arm, wenn das Einkommen unter 60 % des mittleren Einkommens im Land liegt. Und schließlich beschreibt die gefühlte Armut, welche auf einem subjektiven Empfinden basiert – etwa, wenn man sich sozial ausgegrenzt fühlt, keine soziale Teilhabe erlebt oder mit dem Wohlstand des Umfelds nicht mithalten kann.
Kinderarmut resultiert in der Regel aus der Armut des elterlichen Haushalts und kann sich in verschiedenen Aspekten und Dimensionen zeigen: von einer unzureichenden Grundausstattung – wie Kleidung, Ernährung sowie Lern- und Spielmaterialien – über gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgrund unzureichender Gesundheitsvorsorge bis hin zu psychischen Belastungen, die beispielsweise aus beengten Wohnverhältnissen entstehen, wenn sich die Eltern keine größere Wohnung leisten können. Kinderarmut kann sich weiterhin auch in sozialer Ausgeschlossenheit, wenigen sozialen Kontakten, mangelnder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und einem eingeschränkten Zugang zu Bildung äußern.
Die Folgen von Kinderarmut
Armutserfahrungen bereits in der Kindheit zu machen, kann einen ein Leben lang verfolgen und – statistisch gesehen – über Generationen hinweg fortsetzen. Weshalb ist das so? Eine der Hauptursachen hierfür liegt in der Bildung, beziehungsweise den Bildungschancen.
In Deutschland wird der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Bildungsleistungen zunehmend stärker, wie unter anderem der IQB-Bildungstrend regelmäßig aufzeigt. Im IQB-Bildungstrend 2021 wurde diese Korrelation zwischen sozialer Herkunft und Leistungen bei Schüler:innen der Primarstufe in allen getesteten Kompetenzbereichen zuletzt besonders deutlich: Kinder aus Familien mit niedrigem sozialem Status erzielten signifikant schlechtere Ergebnisse in den Bereichen Lesen, Zuhören und Mathematik im Vergleich zu Gleichaltrigen aus Familien mit höherem sozialem Status. Auch in der Häufigkeit der besuchten Schulformen zeigt sich damit ein deutliches Ungleichgewicht: Nur 26,7 % der Kinder aus Familien mit niedrigem sozialem Status besuchen ein Gymnasium, während der Anteil bei Kindern aus privilegierteren Familien mit 59,8 % mehr als doppelt so hoch ist.
Wer also aus einem sozioökonomisch gut aufgestellten Haushalt stammt und Eltern mit einem höheren Bildungsgrad hat, hat deutlich größere Chancen, selbst einen erfolgreichen Bildungs- und Karriereweg einzuschlagen – und infolgedessen ein höheres Lebenseinkommen zu erzielen als Kindern aus sozioökonomisch schwachen und/oder bildungsfernen Haushalten. Und so ergibt sich das ernüchternde Bild, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verfestigung von Armut relativ hoch ist. Drastisch formuliert: Die Herkunft entscheidet über den Bildungsweg und der Bildungsweg darüber, welche Herkunft man seinen eigenen Kindern weitergibt.
Mit frühkindlicher Bildung zu mehr Chancengerechtigkeit
Doch die Studien und Statistiken zeigen auch, dass es Mittel und Wege gibt, diese Wahrscheinlichkeiten zu durchbrechen. Denn: Frühkindliche Bildung beeinflusst langfristig das Bildungsniveau von Kindern und damit ihre Schulleistungen, beruflichen Chancen und nicht zuletzt ihr Lebenseinkommen. So zeigt die BiKS-Studie, dass qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung nicht nur mit guten mathematischen und sprachlichen Kompetenzen in der Grundschule in Zusammenhang steht, sondern sich auch in der weiterführenden Schule durch bessere Leistungen sowie eine positive sozial-emotionale Entwicklung bemerkbar macht. Darüber hinaus haben Fritschi und Oesch in ihrer Studie „Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland“ modellhaft berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs durch den Besuch eines frühkindlichen Bildungsangebots im Durchschnitt von etwa 38 % auf 50 % steigt – bei Kindern aus Familien mit niedrigem sozialem Status sogar auf rund 65 %.
Frühe Sprachbildung und -förderung als Schlüssel für Bildungserfolg und soziale Teilhabe
Mehrere Studien konzentrieren sich dabei besonders auf einen Aspekt der frühkindlichen Entwicklung und Bildung, der zunehmend an Bedeutung gewinnt und inzwischen bundesweit einen Schwerpunkt bildungspolitischer Bemühungen darstellt: die Sprachbildung und -förderung. Sprachliche Kompetenzen gelten als zentral für die individuelle Entwicklung, den Bildungserfolg und die soziale Teilhabe. Über Sprache treten wir in Beziehung – mit anderen und mit uns selbst. Durch Sprache können wir uns ausdrücken, unsere Gefühle, Erfahrungen und Gedanken mitteilen. Je besser wir Sprache beherrschen, desto komplexere Sachverhalte können wir intellektuell erfassen. Sprache ist die Grundlage aller weiteren Wissensbereiche. Nur über Sprache können wir lernen, unser Wissen erweitern und uns die Welt erschließen. Der Grundstein für sprachliche Fähigkeiten wird bereits in den ersten Lebensjahren gelegt. Die BiKS-Studie zeigt dass sich bereits im Alter von zwei Jahren erhebliche Unterschiede in den sprachlichen Fähigkeiten von Kindern zeigen – je nach sozialer Herkunft. Kinder aus einkommensschwachen Familien verfügen im Durchschnitt über einen geringeren Wortschatz sowie ein eingeschränkteres grammatikalisches Wissen. Wenn sich diese sprachlichen Defizite über den Bildungsweg hinweg fortsetzen, belegen die Ergebnisse der LEO-Studie, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Schulabschluss zu erreichen, bei geringer Literalität deutlich sinkt – ebenso wie die Chance auf eine stabile Erwerbsbiografie. Darüber hinaus verdienen Erwachsene mit niedrigeren Lesekompetenzen im Durchschnitt rund 1.100 Euro weniger im Monat als Personen mit höheren Lesekompetenzen.
Die ersten Lebensjahre sind prägend für die gesamte Entwicklung eines Kindes. Die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen und erlernten Fähigkeiten begleiten es ein Leben lang. Gerade hier liegt die größte Chance, ungleiche Startbedingungen auszugleichen und Chancengerechtigkeit zu fördern. Frühkindliche Bildung kann damit entscheidend dazu beitragen, den Kreislauf von Armut und sozialer Benachteiligung zu durchbrechen. Soll Armut wirksam und präventiv bekämpft werden, muss daher bei der frühkindlichen Bildung angesetzt und diese gezielt gefördert werden.
Quellen:
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Zander, M. (2020) Kinderarmut | socialnet Lexikon. https://www.socialnet.de/lexikon/Kinderarmut#toc_2.
Kinderarmut in Deutschland: Mit frühkindlicher Bildung Chancen schaffen
Die am stärksten von Armut betroffene Gruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar.
Die am stärksten von Armut betroffene Altersgruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar. Besonders betroffen sind Kinder aus kinderreichen Familien (30 %), Kinder aus Alleinerziehenden-Haushalten (41 %) und Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss (36,8 %). Zum Vergleich: Nur 5,8 % der Kinder aus Haushalten mit höherem Bildungsabschluss sind von Armut bedroht.
Die weitreichenden Auswirkungen von Armut in der Kindheit
Die Auswirkungen von Armut im Kindesalter sind weitreichend. Eine Langzeitstudie der AWO zeigt, dass 40 bis 57 % der Kinder, die in Armut aufwachsen, materiell unterversorgt sind. Oftmals führen beengte Wohnverhältnisse zu einem Mangel an Rückzugsorten, die sowohl für das Lernen als auch für soziale Interaktionen essentiell sind. Auch die Gesundheit der Kinder ist im Schnitt schlechter als die ihrer Altersgenossen aus sozioökonomisch stabilen Familien. Darüber hinaus hat das ständige Erleben von Armut tiefgreifende psychologische Folgen: Forschungen belegen, dass Kinder aus armen Verhältnissen doppelt so häufig soziale und emotionale Auffälligkeiten zeigen wie Kinder aus sozioökonomisch stabilen Familien. Diese durch Armut begünstigten Lebensumstände führen häufig zu einer multiplen Belastung der Kinder, was sich wiederum negativ auf die Bildungsbiographie auswirken kann. Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen kämpfen häufiger mit Rückschlägen in ihrer schulischen Laufbahn, erleben die Schule als überfordernd und schließen ihre Bildungskarriere oft mit einem niedrigeren Abschluss ab. Dies führt dazu, dass viele in einen Teufelskreis der Armut geraten: Die AWO-Studie hat nachgewiesen, dass 36 % der Kinder, die im Alter von sechs Jahren arm waren, auch im Erwachsenenleben arm bleiben.
Wege aus der Armut
Dennoch zeigen die Zahlen, dass nicht alle von diesem Schicksal betroffen sind. Schlüsselkomponenten, die einen Ausbruch aus der Armut ermöglichen können, sind unter anderem die bestehende innere familiäre Unterstützung, die Resilienz und Bewältigungsfähigkeit der Eltern sowie externe Fördermaßnahmen. Besonders hervorzuheben ist bei dem letzten Punkt die entscheidende Rolle der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Die ersten Lebensjahre sind für die spätere Entwicklung und den Bildungsweg unserer Kinder von zentraler Bedeutung. Kinder, die in armen Verhältnissen aufwachsen und deren familiäre Umgebung aus sozioökonomischen Gründen nicht die erforderlichen Kapazitäten oder Ressourcen zur Förderung besitzen, benötigen außerhalb der Familie Unterstützung, um ihre Fähigkeiten zu entdecken, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und die Herausforderungen, die durch sozioökonomische Ungleichheiten bedingt sind, zu überwinden. In der öffentlichen Diskussion wird frühkindlicher Bildung eine essentielle Bedeutung zugeschrieben: Es wird argumentiert, dass sie frühzeitige Ungleichheiten abbaut und Kindern aus bedürftigen Verhältnissen einen chancengerechten Start in ihr Leben ermöglicht.
Wie frühkindliche Bildung den Unterschied macht
Die Frage, wie sich diese Effekte konkret bestimmen lassen, haben viele Wissenschaftler:innen untersucht. Eine exemplarische Analyse für Nordrhein-Westfalen belegt, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Teilhabe- und Entwicklungschancen von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen erheblich verbessert. Noch deutlicher wird der Erfolg der frühkindlichen Bildung zum Ausgleich von Ungleichheiten in einer weiteren Studie. Diese zeigt auf, dass ein Kita-Besuch für Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien zu höheren kognitiven Kompetenzen, unter anderem im Bereich Mathematik, Wortschatz und Kategorisierung führt. Im Vergleich dazu profitieren Kinder aus höhergestellten Haushalten von einem Kita-Besuch gleichermaßen oder sogar weniger stark als von ihrem familiären Umfeld. Allgemein konnte die Studie zeigen, dass sich die sozial-emotionalen Kompetenzen bei jedem Kind, unabhängig von der Herkunft, bei einem Kita-Besuch verbessern.
Eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft
Diese Erkenntnisse verdeutlichen das immense Potenzial von Kitas, um frühe Ungleichheiten abzumildern. Zwar werden sie niemals in der Lage sein, Armut und deren Folgen vollständig zu beseitigen, doch spielen sie eine wesentliche Rolle in der Prävention. Langfristig wirkt sich dies auch positiv auf unsere Volkswirtschaft aus: Durch bessere Qualifikationen und höhere Bildungsabschlüsse steigt das Gesamteinkommen der Bevölkerung, während die Ausgaben für Nachqualifizierungen und staatliche Hilfeleistungen gesenkt werden können. Eine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt daher, dass Investitionen in frühkindliche Bildung stets einen hohen Gewinn bringen und deutlich effektiver sind als spätere Bildungsinvestitionen.
Zahlreiche Expertinnen und Experten betonen immer wieder die entscheidende Rolle, die frühkindliche Bildung für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit einnimmt. Gleichzeitig wurde die Politik bereits oft dazu aufgefordert, mehr in die frühkindliche Bildung zu investieren, damit dieses Potenzial alle erreicht und dementsprechend genutzt werden kann. Auch der Kitaverband VKMK appelliert bereits seit geraumer Zeit an den Senat, die Qualitätsoffensive in der frühkindlichen Bildung konsequent weiter auszubauen. Die Zusicherung des dritten Kita-Qualitätsgesetzes mit einer finanziellen Unterstützung des Bundes für die nächsten zwei Jahre, bewertet der VKMK bereits als großen Erfolg. Dennoch bedarf es weiterhin eines stärkeren und insbesondere langfristigen Fokus auf die frühkindliche Bildung. Frühkindliche Bildung kann nur effektiv gelingen, wenn sie qualitativ hochwertig ist. Neben der Sprachförderung und -bildung, der Fachkraft-Kind-Relation und der Fachkraftgewinnung und -bindung fordert der VKMK, die bereits mit dem dritten Kita-Qualitätsgesetz versprochenen, aber nicht umgesetzten, bundesweit einheitlichen und verpflichtenden Qualitätsstandards festzulegen und ein bundesweites Monitoring einzuführen. Darüber hinaus fordert der VKMK vom Senat, im Hinblick auf die Qualität der frühkindlichen Bildung und die Schaffung von Chancengleichheit in den kommenden Jahren keine Einsparungen bei den Personalzuschlägen vorzunehmen. Solche Einsparungen könnten die Unterstützung der Kinder mit besonderen Förderbedarfen erheblich einschränken und langfristige Auswirkungen auf ihren Bildungsweg haben.
Quellen:
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