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Kinderarmut in Deutschland: Mit frühkindlicher Bildung Chancen schaffen

Die am stärksten von Armut betroffene Gruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar.

Die am stärksten von Armut betroffene Altersgruppe in Deutschland sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, jedoch folgt unmittelbar die alarmierende Zahl von betroffenen Kindern: Jedes vierte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Dies ist nicht nur eine statistische Erkenntnis, sondern stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis für Deutschland dar. Besonders betroffen sind Kinder aus kinderreichen Familien (30 %), Kinder aus Alleinerziehenden-Haushalten (41 %) und Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss (36,8 %). Zum Vergleich: Nur 5,8 % der Kinder aus Haushalten mit höherem Bildungsabschluss sind von Armut bedroht.

Die weitreichenden Auswirkungen von Armut in der Kindheit

Die Auswirkungen von Armut im Kindesalter sind weitreichend. Eine Langzeitstudie der AWO zeigt, dass 40 bis 57 % der Kinder, die in Armut aufwachsen, materiell unterversorgt sind. Oftmals führen beengte Wohnverhältnisse zu einem Mangel an Rückzugsorten, die sowohl für das Lernen als auch für soziale Interaktionen essentiell sind. Auch die Gesundheit der Kinder ist im Schnitt schlechter als die ihrer Altersgenossen aus sozioökonomisch stabilen Familien. Darüber hinaus hat das ständige Erleben von Armut tiefgreifende psychologische Folgen: Forschungen belegen, dass Kinder aus armen Verhältnissen doppelt so häufig soziale und emotionale Auffälligkeiten zeigen wie Kinder aus sozioökonomisch stabilen Familien. Diese durch Armut begünstigten Lebensumstände führen häufig zu einer multiplen Belastung der Kinder, was sich wiederum negativ auf die Bildungsbiographie auswirken kann. Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen kämpfen häufiger mit Rückschlägen in ihrer schulischen Laufbahn, erleben die Schule als überfordernd und schließen ihre Bildungskarriere oft mit einem niedrigeren Abschluss ab. Dies führt dazu, dass viele in einen Teufelskreis der Armut geraten: Die AWO-Studie hat nachgewiesen, dass 36 % der Kinder, die im Alter von sechs Jahren arm waren, auch im Erwachsenenleben arm bleiben. 

Wege aus der Armut

Dennoch zeigen die Zahlen, dass nicht alle von diesem Schicksal betroffen sind. Schlüsselkomponenten, die einen Ausbruch aus der Armut ermöglichen können, sind unter anderem die bestehende innere familiäre Unterstützung, die Resilienz und Bewältigungsfähigkeit der Eltern sowie externe Fördermaßnahmen. Besonders hervorzuheben ist bei dem letzten Punkt die entscheidende Rolle der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Die ersten Lebensjahre sind für die spätere Entwicklung und den Bildungsweg unserer Kinder von zentraler Bedeutung. Kinder, die in armen Verhältnissen aufwachsen und deren familiäre Umgebung aus sozioökonomischen Gründen nicht die erforderlichen Kapazitäten oder Ressourcen zur Förderung besitzen, benötigen außerhalb der Familie Unterstützung, um ihre Fähigkeiten zu entdecken, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und die Herausforderungen, die durch sozioökonomische Ungleichheiten bedingt sind, zu überwinden. In der öffentlichen Diskussion wird frühkindlicher Bildung eine essentielle Bedeutung zugeschrieben: Es wird argumentiert, dass sie frühzeitige Ungleichheiten abbaut und Kindern aus bedürftigen Verhältnissen einen chancengerechten Start in ihr Leben ermöglicht. 

Wie frühkindliche Bildung den Unterschied macht

Die Frage, wie sich diese Effekte konkret bestimmen lassen, haben viele Wissenschaftler:innen untersucht. Eine exemplarische Analyse für Nordrhein-Westfalen belegt, dass der Besuch von Kindertagesstätten die Teilhabe- und Entwicklungschancen von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen erheblich verbessert. Noch deutlicher wird der Erfolg der frühkindlichen Bildung zum Ausgleich von Ungleichheiten in einer weiteren Studie. Diese zeigt auf, dass ein Kita-Besuch für Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien zu höheren kognitiven Kompetenzen, unter anderem im Bereich Mathematik, Wortschatz und Kategorisierung führt. Im Vergleich dazu profitieren Kinder aus höhergestellten Haushalten von einem Kita-Besuch gleichermaßen oder sogar weniger stark als von ihrem familiären Umfeld. Allgemein konnte die Studie zeigen, dass sich die sozial-emotionalen Kompetenzen bei jedem Kind, unabhängig von der Herkunft, bei einem Kita-Besuch verbessern. 

Eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft

Diese Erkenntnisse verdeutlichen das immense Potenzial von Kitas, um frühe Ungleichheiten abzumildern. Zwar werden sie niemals in der Lage sein, Armut und deren Folgen vollständig zu beseitigen, doch spielen sie eine wesentliche Rolle in der Prävention. Langfristig wirkt sich dies auch positiv auf unsere Volkswirtschaft aus: Durch bessere Qualifikationen und höhere Bildungsabschlüsse steigt das Gesamteinkommen der Bevölkerung, während die Ausgaben für Nachqualifizierungen und staatliche Hilfeleistungen gesenkt werden können. Eine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt daher, dass Investitionen in frühkindliche Bildung stets einen hohen Gewinn bringen und deutlich effektiver sind als spätere Bildungsinvestitionen.

Zahlreiche Expertinnen und Experten betonen immer wieder die entscheidende Rolle, die frühkindliche Bildung für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit einnimmt. Gleichzeitig wurde die Politik bereits oft dazu aufgefordert, mehr in die frühkindliche Bildung zu investieren, damit dieses Potenzial alle erreicht und dementsprechend genutzt werden kann. Auch der Kitaverband VKMK appelliert bereits seit geraumer Zeit an den Senat, die Qualitätsoffensive in der frühkindlichen Bildung konsequent weiter auszubauen.  Die Zusicherung des dritten Kita-Qualitätsgesetzes mit einer finanziellen Unterstützung des Bundes für die nächsten zwei Jahre, bewertet der VKMK bereits als großen Erfolg. Dennoch bedarf es weiterhin eines stärkeren und insbesondere langfristigen Fokus auf die frühkindliche Bildung. Frühkindliche Bildung kann nur effektiv gelingen, wenn sie qualitativ hochwertig ist. Neben der Sprachförderung und -bildung, der Fachkraft-Kind-Relation und der Fachkraftgewinnung und -bindung fordert der VKMK, die bereits mit dem dritten Kita-Qualitätsgesetz versprochenen, aber nicht umgesetzten, bundesweit einheitlichen und verpflichtenden Qualitätsstandards festzulegen und ein bundesweites Monitoring einzuführen. Darüber hinaus fordert der VKMK vom Senat, im Hinblick auf die Qualität der frühkindlichen Bildung und die Schaffung von Chancengleichheit in den kommenden Jahren keine Einsparungen bei den Personalzuschlägen vorzunehmen. Solche Einsparungen könnten die Unterstützung der Kinder mit besonderen Förderbedarfen erheblich einschränken und langfristige Auswirkungen auf ihren Bildungsweg haben.

Quellen: 

Chassé, Karl August; Zander, Margherita & Rasch, Konstanze (2003): Meine Familie ist arm. Wie Kinder im Grundschulalter Armut erleben und bewältigen. Opladen: Leske + Budrich.

Groos, T., Jehles, N., Bertelsmann Stiftung & ZEFIR. (2015). Der Einfluss von Armut auf die Entwicklung von Kindern. In Schriftenreihe Arbeitspapiere Wissenschaftliche Begleitforschung „Kein Kind Zurücklassen!“ (3. korrigierte Auflage). Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/03_Werkstattbericht_Einfluss_von_Armut_final_Auflage3_mU.pdf.

Hock, Beate; Holz, Gerda & Wüstendörfer, Werner (2000b): Frühe Folgen – langfristige Konsequenzen? Armut und Benachteiligung im Vorschulalter. Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Holz, Gerda; Richter, Antje; Wüstendörfer, Werner & Giering, Dietrich (2006): Zukunftschancen für Kinder!? - Wirkung von Armut bis zum Ende der Grundschulzeit. Endbericht der 3. AWO-ISS-Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt e.V. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Kahl, R. (2012, 6. Februar). Bildung wirkt langsam, aber mächtig. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2010-01/oecd-bildungsausgaben/seite-2.

Kleinert, C., Baier, T., Ghirardi, G. & Triventi, M. (2024). Auswirkungen des Kitabesuchs auf kognitive und sozial-emotionale Kompetenzen von Kindern. In Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Oslo University, European University Institute & University of Milan, Forschung Kompakt(S. 2). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://www.lifbi.de/Portals/2/Publikationen/Transferberichte/LIfBi%20Forschung%20kompakt/LIfBi-Forschung-kompakt_05_Kita.pdf.

Laubstein, Claudia; Holz, Gerda; Dittmann, Jörg & Sthamer, Evelyn (2012): Von alleine wächst sich nichts aus. Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I. Abschlussbericht der 4. Phase der Langzeitstudie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt am Main: ISS e.V.

Laubstein, C., Holz, G., Seddig, N. & Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.  (2015). Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche: Erkenntnisse aus empirischen Studien in  Deutschland. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_WB_Armutsfolgen_fuer_Kinder_und_Jugendliche_2016.pdf

Statista. (2024a, Juni 19). Von Armut bedrohte Kinder in den EU-Ländern nach Bildungsgrad der Eltern 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1220616/umfrage/kinderarmut-in-der-eu-nach-bildungsgrad-der-eltern/.

Statista. (2024b, September 11). Armutsgefährdungsquote in Deutschland nach Alter 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/419433/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland-nach-alter/.

Statista. (2024c, September 16). Armutsgefährdungsquote in Deutschland nach Haushaltstypen 2023. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/436185/umfrage/armutsgefaehrdungsquote-in-deutschland-nach-haushaltstyp/.

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Jedes vierte Kind von Armut betroffen. Eine Analyse der erschreckenden Zahlen aus Berlin.

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie veröffentlichte kürzlich erschütternde Statistiken. Im Jahr 2022 waren etwa ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in der Stadt Berlin von Armut betroffen. Diese Zahlen sind mehr als bloße statistische Fakten – sie repräsentieren das Leben und die Zukunftschancen junger Menschen.

Berlin wird oftmals mit vielen Dingen verbunden: Ein pulsierendes, urbanes Stadtgefühl, in dem Kreativität, Kultur und Lebensfreude aufeinandertreffen. Was wohl die wenigsten mit Berlin direkt in Verbindung setzen würden, ist Kinderarmut. Die Realität, die aktuelle Studien hierzu aufweisen, ist jedoch erschreckend und alarmierend.

In einer schriftlichen Anfrage von Katrin Seidel (Die Linke) an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wurden kürzlich erschütternde Statistiken veröffentlicht, die das Ausmaß und die Auswirkungen der Kinderarmut in Berlin im Jahr 2022 beleuchten. Diese Zahlen eröffnen einen tiefen Einblick in die Notwendigkeit, dringende Maßnahmen zu ergreifen, um die Zukunft unserer jungen Generation zu sichern.

Die Zahlen sprechen für sich.

Die statistischen Daten der Senatsverwaltung sind ein Weckruf für die Gesellschaft. Im Jahr 2022 lebten insgesamt 154.889 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Berlin, in Bedarfsgemeinschaften, die Arbeitslosengeld II (ALG II) bezogen, nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II). In 57.859 Fällen handelte es sich um Kinder aus Haushalten, in denen mindestens ein erwerbstätiges Elternteil vorhanden war. Dies zeigt wieder einmal deutlich, dass Kinderarmut nicht nur diejenigen betrifft, deren Eltern arbeitssuchend sind, sondern auch Familien, in denen Erwerbstätigkeit nicht ausreicht, um aus der Armutsspirale herauszukommen. Die Gesamt-Zahl der Betroffenen entspricht etwa einem Viertel aller Kinder und Jugendlichen in der Stadt Berlin. Diese Zahlen sind mehr als bloße statistische Fakten – sie repräsentieren das Leben und die Zukunftschancen junger Menschen.

Bildungsungleichheit ab den ersten Kinderschuhen.

Kinderarmut prägt und formt die Bildungs- und Entwicklungschancen der Betroffenen nachhaltig. Sie hat langfristige Auswirkungen auf ihre beruflichen Chancen und ihre soziale Integration. Geformt wird dies bereits im frühkindlichen Alter.

Laut einer aktuellen Studie des Berliner Instituts für Frühpädagogik und Familienforschung (BIFF) haben nur 40% der Kinder aus armutsgefährdeten Familien Zugang zu Kindertagesstätten, verglichen mit 85% der Kinder aus finanziell gesicherten Haushalten. Dieser erhebliche Unterschied führt schon im kleinsten Alter zu einer Ungleichheit im Bildungsniveau und einem möglichen, nachhaltigen Rückstand für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen.


Frühkindliche Bildung als Schlüssel zur sozialen Mobilität.

Frühkindliche Bildung wird oft als ein Schlüssel zur sozialen Mobilität betrachtet, da sie die Grundlage für spätere Bildungserfolge legt. Kinder, die frühzeitig eine qualitativ hochwertige Bildung erhalten, haben bessere Chancen, in der Schule erfolgreich zu sein und später erfolgreiche Berufswege einzuschlagen. Leider haben Kinder aus benachteiligten Familien nicht die gleiche Möglichkeit, von diesem Vorteil zu profitieren. Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass nur 25% der Kinder aus einkommensschwachen Familien die erforderlichen Bildungsabschlüsse erreichen, während es bei Kindern aus finanziell gut situierten Familien 70% sind. Diese Diskrepanz verfestigt die soziale Ungleichheit und schränkt die Aufstiegschancen der betroffenen Kinder ein.

Alleinerziehende und finanzielle Belastungen

Die Daten verdeutlichen auch die schwierige Lage alleinerziehender Haushalte. Im Dezember 2022 lebten mehr als 70.000 Kinder und Jugendliche in Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften, die ALG II bezogen. Diese Haushalte sind oft besonders anfällig für finanzielle Belastungen und stehen vor der Herausforderung, den Lebensunterhalt ihrer Kinder zu sichern.

Multiprofessionelle Teams als Lösungsansatz für Chancengerechtigkeit

Die Herausforderungen der Kinderarmut erfordern eine ganzheitliche Herangehensweise. Die Integration multiprofessioneller Teams in Bildungseinrichtungen ist ein vielversprechender Lösungsansatz. Diese Teams setzen sich aus Fachkräften verschiedener Disziplinen zusammen, um eine umfassende Unterstützung für Kinder und Jugendliche zu gewährleisten. Sie bieten nicht nur pädagogische Betreuung, sondern auch Unterstützung bei sozialen, emotionalen und gesundheitlichen Bedürfnissen. Die vielseitige Expertise dieser Teams kann dazu beitragen, die Bildungsqualität und Chancengerechtigkeit zu fördern.

Die vielen Träger des VKMK arbeiten schon seit Jahren mit genau solchen Teams und unterstreichen durch ihre Eindrucke die Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit dieser Zusammensetzung. Einige von ihnen waren Teil des Pilotprojektes "Multiprofessionelle Teams”, ausgearbeitet vom Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung, das sich mit den Veränderungen, Problematiken und Chancen bezüglich dieser Thematik beschäftigt hat, um eine optimale Förderung in der frühkindlichen Entwicklung anzustreben.

Einblicke in das Projekt, sowie die Erkenntnisse und Resumées findet ihr hier.

Insbesondere angesichts des aktuellen Fachkräftemangels ist die Entlastung pädagogischer Fachkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben von großer Bedeutung. Gezielte Maßnahmen zur Entlastung können sicherstellen, dass diese Fachkräfte ihre Hauptaufgaben effektiv erfüllen können, während andere Fachkräfte sich um unterstützende Aufgaben kümmern. Dies trägt zur Verbesserung der Bildungsqualität und zur Effizienz der Unterstützungsmaßnahmen bei. Die Integration multiprofessioneller Teams kann dazu beitragen, die Bildungschancen für alle Kinder zu verbessern, unabhängig von ihrer finanziellen Situation.

Investition ist Prävention.  

Um die Prävention von Kinderarmut zu stärken, ist eine gezielte Investition in die Kitasozialarbeit von zentraler Bedeutung. Ein Vorschlag hierfür könnte sein, einen Betrag von 2 Euro pro Kind pro Tag für eine fünftägige Betreuungswoche zu reservieren. Bei rund 190.000 Kitakindern in Berlin würde diese Investition einen bedeutsamen Präventionsfonds bilden. Dieser Fonds könnte gezielt eingesetzt werden, um sozial benachteiligten Kindern frühzeitig zusätzliche Unterstützung zu bieten und ihre Bildungs- und Entwicklungschancen zu verbessern.

Die Umsetzung eines solchen Vorhabens erfordert jedoch eine klare Zielsetzung und einen strukturierten Umsetzungsweg. Bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode sollte das klare Ziel formuliert werden, die Prävention von Kinderarmut durch verstärkte Investitionen in die Kitasozialarbeit zu fördern. Hierzu gehören diverse, zukunftsorientierte Lösungsansätze - wie unter anderem:

  • Eine Bedarfsanalyse: Ermittlung der tatsächlichen Bedürfnisse und Herausforderungen in den Kitas, um die gezielte Unterstützung zu gewährleisten.

  • Der Aufbau innerhalb der Teams: Schaffung von multiprofessionellen Teams, die in den Kitas tätig sind und sozial benachteiligten Kindern individuelle Unterstützung bieten.

  • Fokus auf Qualifizierungen: Weiterbildung der Fachkräfte, um sicherzustellen, dass sie die erforderlichen Fähigkeiten haben, um auf die Bedürfnisse der Kinder angemessen einzugehen.

  • Fortlaufende Evaluierung und Anpassung: Regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen und Anpassung des Ansatzes basierend auf den gesammelten Erfahrungen.

Indem wir die Kitasozialarbeit stärken und gezielte Investitionen als Prävention von Kinderarmut einsetzen, setzen wir einen wichtigen Schritt, um die Bildungs- und Zukunftschancen der Kinder in Berlin nachhaltig zu verbessern. Dieser Ansatz sollte als dringendes Ziel bis zum Ende der Legislaturperiode festgehalten und umgesetzt werden.

Ein Appell für die Zukunft

Die vorgelegten Statistiken sind mehr als nur Zahlen – sie sind ein Appell für die Zukunft unserer Kinder. Kinderarmut ist eine Realität, die wir nicht ignorieren können. Es liegt an uns, aktiv zu werden, um eine chancengerechtere Zukunft für alle Kinder in Berlin zu gestalten.

Dieser Appell sollte nicht nur in Worten bestehen, sondern auch in den Haushaltsverhandlungen seinen Platz finden. Hier haben die einzelnen Abgeordneten die Chance und Verantwortung, etwas Nachhaltiges zu verändern. Indem sie gezielt Ressourcen für die Kitasozialarbeit und die Stärkung der multiprofessionellen Teams bereitstellen, können sie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Lebensperspektiven der jungen Generation zu verbessern. Nur durch gemeinsames Handeln können wir sicherstellen, dass die Zukunft Berlins von inklusiver Bildung und gleichen Möglichkeiten geprägt ist.

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