Haushaltsentwurf 2027: Bund spart an der Zukunft der Kinder
Wirtschaftliches Wachstum zählt seit Beginn ihrer Amtszeit zu den zentralen Zielen der Bundesregierung. Doch ausgerechnet bei dem Bereich, der die Grundlage einer florierenden Wirtschaft bildet, will sie nun massiv sparen.
Konkret geht es um die Bundesmittel im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes zur Sicherung und Verbesserung der Qualität frühkindlicher Bildung. Mit dem Bundeshaushalt 2027 sollen diese um ein Viertel gekürzt werden - von bislang 2 Milliarden Euro jährlich auf nur noch 1,5 Milliarden Euro. „Der Bundeshaushalt 2027 sendet ein fatales Signal: Ausgerechnet dort, wo wissenschaftlich belegt die höchsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erträge erzielt werden, sollen Mittel gekürzt werden. Frühkindliche Bildung ist keine freiwillige Ausgabe, sondern die Grundlage für Bildungserfolg, Fachkräftesicherung und nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Wer heute an der Qualität von Kitas spart, wird morgen deutlich höhere Kosten tragen müssen“, kritisiert Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK - Der Kitaverband.
Angesichts zahlreicher Studien und wissenschaftlicher Empfehlungen verschiedener Forschungsinstitute ist die Bedeutung frühkindlicher Bildung für Gesellschaft und Wirtschaft längst unbestritten. Besonders deutlich wird dies durch die Forschungsarbeiten des Nobelpreisträgers James J. Heckman, denen zufolge Investitionen in qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung eine volkswirtschaftliche Rendite von bis zu 13% erzielen können.
Wie dringend eine Stärkung der frühkindlichen Bildung ist, zeigen die aktuellen VERA-3-Ergebnisse für das Schuljahr 2025/2026 in Berlin: 50% der Drittklässler:innen erreichten im Lesen nicht die Mindeststandards. Im Schuljahr 2022/2023 lag ihr Anteil noch bei 35%. In Mathematik unterschritten 48% der Dittklässler:innen die Mindeststandards, gegenüber 37% im Schuljahr 2022/2023. „Wenn die Bundesregierung ausgerechnet jetzt bei der frühkindlichen Bildung den Rotstift ansetzt, wird das dramatische Folgen haben: kurzfristig für das ohnehin überlastete Schulsystem und langfristig durch steigende Ausgaben für Nachqualifizierung und Sozialleistungen sowie sinkende Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen“, warnt Békési vor den absehbaren Konsequenzen dieser Kürzungen.
Da die Bundesmittel nach dem Königsteiner Schlüssel aufgeteilt werden, stehen allen Ländern künftig rund 25% weniger Mittel für die frühkindliche Bildung zur Verfügung. In Berlin kommen die Einsparungen zu einem besonders kritischen Zeitpunkt: 2027 soll ebenfalls der Partizipationszuschlag eingeführt werden. Dieser wird zur Folge haben, dass mehrere Tausend Kinder mit Sprachförderbedarf künftig nicht mehr bedarfsgerecht in den Kitas gefördert werden können.
“Die Kürzungen im Bildungsbereich stehen den erklärten Zielen der Bundesregierung diametral entgegen. Wirtschaftliches Wachstum entsteht nicht durch kurzfristig gedachte Einsparungen - sie werden vielmehr das Gegenteil bewirken. Gerade deshalb sollte die Bundesregierung alles daran setzen, unsere Kinder als Zukunft unsereres Landes zu stärken, statt sie zu schwächen” schließt Békési.