Kälte, Hitze und Wetterstress: Die Auswirkungen extremer Temperaturen auf die Kindergesundheit
In der einen Woche kreisen die Temperaturen um die 15 Grad, eine Woche später zeigt das Thermometer selbst in den kühleren Stunden 30 Grad an. Starke Temperaturschwankungen machen inzwischen nicht mehr nur Hitze zu einer Herausforderung für die Gesundheit. Körper und Psyche müssen mit diesen schnellen Veränderungen Schritt halten. Kinder sind davon in besonderem Maße betroffen. Am heutigen Tag wollen wir uns daher mit den möglichen Auswirkungen extremer Wetterschwankungen auf Kinder beschäftigen. Warum betrifft sie das besonders? Was bedeutet das für ihre körperliche Gesundheit und inwiefern kann dies auch die Psyche beeinflussen?
Hitze, Kälte und die kindliche Thermoregulation
Kinder befinden sich noch mitten in einem Entwicklungsprozess. Ihr Körper, ihr Immunsystem und ihre Thermoregulation sind noch nicht vollständig ausgereift, weshalb sie deutlich empfindlicher auf Temperaturveränderungen reagieren als Erwachsene. Dies hängt unter anderem mit dem Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpermasse zusammen. Im Vergleich zu Erwachsenen verfügen sie über eine proportional größere Körperoberfläche und je jünger das Kind ist, desto ausgeprägter ist dieser Unterschied. Dadurch erwärmt sich ihr Körper bei Hitze schneller und kühlt bei Kälte dagegen auch schneller wieder aus. Hinzu kommt, dass Kinder einen höheren Stoffwechsel haben, der mit einer stärkeren Wärmeproduktion einhergeht. Gleichzeitig ist die Schweißproduktion noch nicht ausgereift, sodass der körpereigene Kühlungsmechanismus weniger effektiv arbeitet. Dies kann insbesondere bei hohen Temperaturen das Risiko einer Überhitzung erhöhen. Da der Körper dauerhaft bemüht ist, seine Kerntemperatur aufrechtzuerhalten - diese beträgt etwa 37 Grad -, muss er bei starken, kurz aufeinanderfolgenden Temperaturschwankungen immer schneller reagieren und seine Regulationsmaßnahmen entsprechend anpassen. Dies fällt auch vielen Erwachsenen mit einer vollständig entwickelten Thermoregulation schwer. Für den kindlichen Organismus ist dies eine noch größere Herausforderung. Temperaturen wirken sich daher deutlich direkter auf den Körper von Kindern aus als auf den von Erwachsenen.
Wenn das Wetter auf die Stimmung schlägt
Wetter und Temperaturen wirken sich jedoch nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche aus. Zwar gibt es bislang kaum Studien zu den Auswirkungen starker Temperaturschwankungen auf die psychische Gesundheit, doch der Zusammenhang zwischen Temperaturen und psychischen Symptomen wurde bereits untersucht. So befasste sich eine Studie mit den Auswirkungen niedriger und hoher Temperaturen auf Kinder und Jugendliche in Spanien und den Niederlanden. Dabei zeigte sich, dass die niedrigeren Temperaturen in den Niederlanden mit mehr internalisierten Symptomen verbunden waren, wie etwa Niedergeschlagenheit oder sozialem Rückzug. Die höheren Temperaturen in Spanien hingegen gingen häufiger mit Aufmerksamkeitsproblemen einher, was unter anderem an einer höheren physiologischen Belastung und einer Beeinträchtigung der Schlafqualität durch die Hitze liegen kann. Weitere Studien lassen zudem vermuten, dass sehr hohe Temperaturen mit einem Anstieg psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang stehen könnten.
Die möglichen neurologischen Auswirkungen extremer Temperaturen
Auch im Gehirn von Kindern können sich die Folgen extremer Temperaturen zeigen: Eine Studie fand Hinweise darauf, dass eine starke Kälte- oder Hitzeexposition während der Schwangerschaft sowie in den ersten Lebensjahren mit einer geringeren Entwicklung der weißen Hirnsubstanz verbunden sein könnte. Die weiße Hirnsubstanz ermöglicht die Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnregionen und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Informationsverarbeitung. Zudem wurde bereits ein Zusammenhang zwischen einer starken Hitzeexposition während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten sowie einer verzögerten Sprachentwicklung im Alter von zwei Jahren festgestellt. Zwar lassen sich aus diesen Studienergebnissen keine eindeutigen Ursache-Wirkung-Relationen ableiten, dennoch zeigen sie klare statistische Zusammenhänge, die nicht unbeachtet bleiben sollten.
Gesundheitsschutz durch klimaresiliente Kitas
Hitze und Temperaturschwankungen sind somit nicht nur unangenehm, sondern können Kinder auf vielen Ebenen negativ beeinflussen. Damit gewinnt neben dem Hitzeschutz in Kitas die Anpassung der Einrichtungen an den Klimawandel zunehmend an Bedeutung. Gemeint ist damit die Umrüstung auf klimaresiliente Gebäude. Klimaresiliente Gebäude sind so gestaltet, dass sie sowohl bei Hitze, Trockenheit, Starkregen, Unwetter und Kälte eine angenehme Umgebung bieten. Dies lässt sich beispielsweise durch eine geeignete Dämmung, begrünte Dächer und Fassaden, reflektierende Oberflächen sowie Verschattungsmaßnahmen, etwa durch Bepflanzung, erreichen. Auch das sogenannte Grün-Blau-Prinzip spielt dabei eine wichtige Rolle, welche die Kombination von Vegetation und Wasserflächen beschreibt. Diese können lokale Hitzeinseln und starke Temperaturschwankungen abmildern. Klimaresiliente Gebäude sind damit auf mehreren Ebenen vorteilhaft: Sie tragen zum Klima- und Umweltschutz bei, erhöhen die Energieeffizienz, können lokale Temperaturen natürlich regulieren und fördern sowohl den Gesundheitsschutz als auch das Wohlbefinden von Kindern und pädagogischen Fachkräften. Doch solche Anpassungsmaßnahmen sind insbesondere für bestehende Kitas häufig mit hohen Kosten verbunden, die viele Träger allein nicht stemmen können. Ein Ausblick könnten hierbei die im Rahmen des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität angekündigten Förderprogramme für Kitas in einzelnen Ländern sein. Abgesehen davon gibt es die Bundesförderung für effiziente Gebäude oder auch speziell für Berlin das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE). Darüber hinaus lassen sich unter anderem in den Förderdatenbanken vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH vereinzelte Förderprogramme finden, die Maßnahmen zur Klimaanpassung fördern.
Weiterführende Informationen zum Hitzeschutz in Kitas können Sie in unseren FAQs nachlesen:
Quellen:
Essers E, Kusters M, Granés L, et al. (2025). Temperature Exposure and Psychiatric Symptoms in Adolescents From 2 European Birth Cohorts. JAMA Netw Open. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.56898.
Granés, L., Essers, E., Ballester, J., Petricola, S., Tiemeier, H., Iñiguez, C., Soriano-Mas, C. & Guxens, M. (2024). Early life cold and heat exposure impacts white matter development in children. Nature Climate Change. https://doi.org/10.1038/s41558-024-02027-w.
Lai, K. Y., Bauermeister, S. & Sarkar, C. (2026). Associations of heat exposure with mental health and suicide in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis. Npj Mental Health Research. https://doi.org/10.1038/s44184-026-00190-w.
Klimawandel - Hitze - Kindergesundheit. (2023). Springer Pflege. https://www.springerpflege.de/klima/klimawandel-hitze-kindergesundheit/24635674.
Von Knobloch, A. (2025, 2. Mai). Wetter und Gesundheit: Wie Hitze oder Temperaturstürze den Körper beeinflussen können. Apotheken Umschau. https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/wetter-wie-es-die-gesundheit-beeinflussen-kann-1100223.html.