Ehrliche Chancengerechtigkeit statt Subventionierung: VKMK fordert Kurskorrektur beim kostenlosen Mittagessen
Die Diskussion um den Doppelhaushalt 2026/2027 nimmt langsam Fahrt auf – und damit auch die Frage, welche Maßnahmen fortgeführt werden können, ohne die Qualität zu beeinträchtigen, und welche realistisch gesehen nicht länger umsetzbar sind. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel setzt sich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch unter anderem mit der kostenlosen Bildungspolitik des Berliner Senats auseinander und stellt klar: “Gute Bildung gibt es nicht kostenlos.”. Ein zentraler Punkt der Debatte ist unter anderem das kostenlose Mittagessen an Schulen. Der Kitaverband VKMK unterstützt diese Haltung vollumfänglich.
Die Diskussion um den Doppelhaushalt 2026/2027 nimmt langsam Fahrt auf – und damit auch die Frage, welche Maßnahmen fortgeführt werden können, ohne die Qualität zu beeinträchtigen, und welche realistisch gesehen nicht länger umsetzbar sind. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel setzt sich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch unter anderem mit der kostenlosen Bildungspolitik des Berliner Senats auseinander und stellt klar: “Gute Bildung gibt es nicht kostenlos.”. Ein zentraler Punkt der Debatte ist unter anderem das kostenlose Mittagessen an Schulen. Der Kitaverband VKMK unterstützt diese Haltung vollumfänglich.
„Kostenfreies Mittagessen in Schulen ist eine Sozialleistung, die dort ankommt, wo sie nötig ist – bei sozial schwächeren Familien. Es darf jedoch nicht sein, dass diese Sozialleistung auch von wohlhabenden Familien beansprucht wird – auf Kosten der Steuerzahler. Das widerspricht der Chancengerechtigkeit. Wohlhabende Eltern würden diese Mehrleistung gerne selbst tragen, können es jedoch derzeit nicht. Wir brauchen eine klare Trennung: Sozialleistungen gehören dorthin, wo sie gebraucht werden, Bildungsleistungen müssen dort sinnvoll und nachhaltig investiert werden, wo sie echte Bildungs- und Entwicklungschancen schaffen.“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.
Ebenso gegen die Chancengerechtigkeit geht es, dass in den Bildungseinrichtungen, in denen Mittagessen tatsächlich eine Bildungsleistung ist, das Essen für die Kinder kostenpflichtig ist – in den Kitas. In Kitas lernen Kinder beim Mittagessen wichtige Kompetenzen – von motorischen über soziale bis hin zu Fähigkeiten zur Selbstwirksamkeit. “Es ist ein Widerspruch, dass Familien von Kita-Kindern das Mittagessen als Bildungsleistung zahlen müssen, während es ab der Schulzeit, wo es zu einer Sozialleistung wird, als zu große Bürde für alle Familien gilt. Entweder sorgt man im Sinne der Chancengleichheit für kostenloses Mittagessen für alle Kinder oder – wenn der Haushalt dies nicht zulässt – eben nicht“, betont Békési.
Hinzu kommt, dass Kitas bei der Bereitstellung des Mittagessens chronisch unterfinanziert sind. Der Senat steuert pro Kind und Monat lediglich 57,41 Euro bei, während die Eltern 23 Euro zahlen müssen. Damit stehen pro Betreuungstag nur 3,82 Euro zur Verfügung – wobei realistisch gesehen die tatsächlichen Kosten bei rund 5 Euro liegen.
„Die Finanzierung des Mittagessens in Schulen und Kitas stellt sowohl für das Land als auch für Familien und Träger eine große Herausforderung dar – und wie bei den Koalitionsverhandlungen zu sehen war, auch für den Bund. Alle Beteiligten wären froh, wenn alle Kinder regionales, gesundes und ausgewogenes Mittagessen bekommen“, erklärt Békési. Er fährt fort: „Um das besser umsetzen zu können, wäre es wichtig, dass der Senat den Trägern eine ehrliche und realistische Ausfinanzierung der tatsächlichen Kosten ermöglicht. Ebenso sollte im Sinne einer nachhaltigen und effizienten Lösungssuche gemeinsam mit der künftigen Ministerin des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Zuge des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes geprüft werden, wie Träger bei der Bereitstellung des Mittagessens – beispielsweise in der Ausstattung – unterstützt werden können.“
Kleine Schritte, große Lücken: Kitas brauchen mehr als kosmetische Verbesserung
Während die Berliner Morgenpost die Kita-Politik des Senats auf der Ampel-Skala optimistisch zwischen Grün und Gelb einordnet, weist der VKMK mit Nachdruck auf die weiterhin gravierenden Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hin.
Während die Berliner Morgenpost die Kita-Politik des Senats auf der Ampel-Skala optimistisch zwischen Grün und Gelb einordnet, weist der VKMK mit Nachdruck auf die weiterhin gravierenden Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung hin.
„Die geplante Anpassung des Personalschlüssels im U3-Bereich auf nahezu des Bundesdurchschnittes ist ein Schritt – mehr aber auch nicht“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. „Der wissenschaftlich empfohlene Wert von 1:3 wird weiterhin deutlich verfehlt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen im Ü3-Bereich – durch zusätzliche Förderbedarfe der Kinder und zunehmend komplexe Elterngespräche.“ Diese erhebliche Mehrbelastung der Fachkräfte im Ü3-Bereich wird jedoch bei den geplanten Maßnahmen nicht ausreichend berücksichtigt.
Hinzu kommt: Sinkende Kinderzahlen bedeuten zugleich weniger Mittel aus der öffentlichen Finanzierung. Da die Kita-Betriebskosten in Berlin über eine Sachkostenpauschale pro Kind gedeckt werden, verringern sich mit jedem fehlenden Kind auch die Beiträge zur Deckung laufender Fixkosten wie Miete, Unterhalt und Ausstattung. Die wirtschaftliche Belastung der Träger wächst dadurch erheblich. Wird dies in der Sachkostenpauschale nicht ausreichend berücksichtigt und entsprechend angepasst, werden die Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zunehmend gefährdet.
„Von einer grünen Bewertung zu sprechen, verkennt die tatsächlichen Herausforderungen in den Kitas.“, betont Békési. „Berlin braucht jetzt ein umfassendes Personal- und Finanzierungspaket, das den realen Anforderungen gerecht wird.”
Der VKMK fordert daher weiterhin eine Anpassung der Sachkostenpauschale, um die gestiegenen Miet-, Betriebs- und Energiekosten zu decken. Aktuell reichen die Pauschalen nicht aus, um die Kitas finanziell tragfähig zu halten. Zudem muss die Kita-Sozialarbeit flächendeckend eingeführt werden, um benachteiligte Kinder und solche mit besonderem Förderbedarf sowie deren Eltern besser zu unterstützen.
Nur durch entschlossenes Handeln können die Fachkräfte endlich wieder den Raum erhalten, den sie für ihre wichtige pädagogische Arbeit brauchen – und allen Kindern wird die Förderung zuteil, die sie verdienen.
Kreativität fördern, Zukunft gestalten: Wie kreative Denkfähigkeiten in der frühkindlichen Bildung geweckt werden
Vergangene Woche setzte sich ein Artikel im Tagesspiegel mit dem Bildungserfolg Estlands auseinander, der im PISA-Test 2022 deutlich wurde – demselben Test, der in Deutschland für einen großen Schock sorgte. Estland schnitt im Test als europäischer Spitzenreiter ab und lag in vielen Bereichen deutlich vor Deutschland – unter anderem auch in der noch jungen Disziplin des kreativen Denkens. Während Deutschland in diesem Bereich lediglich im OECD-Durchschnitt verweilt und der Erfolg stark von der sozioökonomischen Herkunft der Kinder abhängt – sozioökonomisch privilegierte Schüler:innen erzielten im Durchschnitt 11 Punkte mehr als ihre weniger privilegierten Mitschüler:innen –, liegt Estland über dem Durchschnitt.
Vergangene Woche setzte sich ein Artikel im Tagesspiegel mit dem Bildungserfolg Estlands auseinander, der im PISA-Test 2022 deutlich wurde – demselben Test, der in Deutschland für einen großen Schock sorgte. Estland schnitt im Test als europäischer Spitzenreiter ab und lag in vielen Bereichen deutlich vor Deutschland – unter anderem auch in der noch jungen Disziplin des kreativen Denkens. Während Deutschland in diesem Bereich lediglich im OECD-Durchschnitt verweilt und der Erfolg stark von der sozioökonomischen Herkunft der Kinder abhängt – sozioökonomisch privilegierte Schüler:innen erzielten im Durchschnitt 11 Punkte mehr als ihre weniger privilegierten Mitschüler:innen –, liegt Estland über dem Durchschnitt. Zudem beträgt der Unterschied im kreativen Denken zwischen sozioökonomisch besser und schlechter gestellten Schüler:innen lediglich 6,6 Punkte, womit die Chancengleichheit im kreativen Denken in Estland fast doppelt so hoch ist wie in Deutschland.
Doch weshalb ist kreatives Denken überhaupt wichtig? Und wie kann das bereits in der frühkindlichen Bildung nachhaltig gefördert werden? Diesen Fragen gehen wir heute – am Geburtstag eines Genies des kreativen Denkens, Leonardo da Vinci – etwas genauer auf den Grund!
Kreatives Denken als essentielle Fähigkeit für die Zukunft
Anders als Mathematik, Schreiben oder Lesen wird uns kreatives Denken nicht im Rahmen eines Schulfachs beigebracht – und dennoch bildet es die Basis für viele verschiedene Kompetenzen: Kreativität hilft uns, mit Veränderungen umzugehen, uns anzupassen und offen auf neue, unbekannte Situationen zu reagieren. Sie ist die Grundlage für Problemlösungen: Wenn wir vor Herausforderungen stehen, unterstützt uns kreatives Denken dabei, die bestmöglichen Lösungen zu finden. Zugleich ist Kreativität die treibende Kraft hinter Innovation und Fortschritt: Wer kreativ ist, trägt einen ganzen Fundus an Ideen in sich, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden - siehe Leonardo Da Vincis Werk. Auch im zwischenmenschlichen Miteinander spielt kreatives Denken eine entscheidende Rolle – etwa wenn es darum geht, sich in andere hineinzuversetzen und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. So stärkt Kreativität unsere emotionale und soziale Intelligenz. Kurz gesagt: Kreatives Denken ist die Grundlage für ein echtes analytisches, offenes Out-of-the-Box-Denken.
Kreativität im Gehirn
Kreativität entsteht in unserem Gehirn – jedoch nicht in einem einzelnen Bereich, sondern als Ergebnis echter Teamarbeit verschiedener Gehirnregionen und zahlreicher neuronaler Schaltkreise. Je nachdem, auf welchen Gegenstand oder welche Situation sich das kreative Denken richtet, werden unterschiedliche Areale aktiviert. Das bedeutet, nur weil Kreativität gefordert ist, läuft nicht immer auch der gleiche Prozess in unserem Gehirn ab. Und dadurch, dass unser Gehirn nicht statisch ist, sondern neuroplastisch - sprich veränderbar und anpassungsfähig - können wir unser Gehirn trainieren kreativ zu denken.
Von der Wahrnehmung zur Kreativität: Wie Kunst und ästhetische Bildung in der frühkindlichen Bildung Kinder fördern
Diese Frage lässt sich nicht mit einem Teilbereich der frühkindlichen Bildung beantworten, da im Grunde nahezu jede Aktivität - insbesondere in jungen Jahren - ein gewisses Maß an Kreativität erfordert. Doch besonders im Rahmen ästhetischer Bildung und Kunst kann Kreativität ganz gezielt gefördert werden. Beginnen wir zunächst mit der ästhetischen Bildung, denn im Grunde ist sie die Voraussetzung dafür, dass Kinder künstlerisch aktiv werden und ihre Kreativität entfalten. Was also bedeutet und beinhaltet ästhetische Bildung?
Ästhetische Bildung
Ästhetik kommt von dem altgriechischen Wort “aísthēsis” und bedeutet so viel wie Wahrnehmung und Empfindung. In der Philosophie gibt es auch eine ganze Praxis dazu, die sich mit Ästhetik als Theorie sinnlicher Wahrnehmung auseinandersetzt. Und genau hier haken wir ein, denn: Ästhetische Bildung bedeutet so viel wie die Entwicklung unserer individuellen Wahrnehmung durch unsere Sinne. Das ist ein Prozess, der bei Kleinkindern ganz automatisch passiert. Kleinkinder haben in ihren jungen Jahren noch kein vorgeprägtes Wissen über unsere Welt, unsere Kultur, unsere Gesellschaft. Sie gehen noch vollkommen unbefangen in den Prozess des Wahrnehmens und Empfindens und entdecken so die Welt durch ihre Sinne. Durch dieses sehr individuelle, subjektive, sinnliche Entdecken, eignen sich Kinder die Welt auf ihre ganz eigene Art und Weise an. Es hilft ihnen, sich in der Welt zu orientieren, Verbindungen sowie Differenzen zu erkennen und ein erstes Welt- und Selbstbild aufzubauen. Kinder lernen dabei, ihre Wahrnehmungen und Empfindungen einzuordnen, zu reflektieren und im Gehirn neuronale Verknüpfungen herzustellen – und genau das bildet die Grundlage für ihre soziale, kognitive und kreative Entwicklung und für das weitere Lernen.
Ästhetische Bildung in der Kita: Sinnliche Wahrnehmung und kreative Förderung
Aber wenn dieser Prozess in jungen Jahren ohnehin automatisch geschieht – was kann dann die frühkindliche Bildung dabei überhaupt fördern? Die Antwort lautet: Sehr viel. Kindertagesstätten bieten den optimalen Raum, um Kinder in ihrer ästhetischen Bildung zu fördern. Denn je vielfältiger die Umgebung – je mehr Materialien, Spielzeuge, Aktivitäten, Menschen, Eindrücke und Reize – desto stärker werden die Sinne und die Wahrnehmung der Kinder angeregt und gefördert. Die Kita und die Fachkräfte geben dabei den Rahmen vor, in dem die Kinder sinnlich entdecken und wahrnehmen können - zwischen selbstbestimmten Freiraum und sicheren Grenzen. Durch besondere Aktivitäten wie Musizieren, Bewegung, Malen, Theaterspielen oder Erlebnistage in der Natur können Fachkräfte zusätzliche sinnliche Impulse setzen – Impulse, mit denen manche Kinder im Alltag nur selten in Kontakt kommen. Auch gezielte, offene pädagogische Fragen, wie “Was hast du gerade gehört/gesehen/gefühlt und wie hat sich das für dich angefühlt?”, “Was gefällt dir daran besonders und warum?” oder “Was war heute dein Lieblingsmoment und warum gerade der?” können diesen Prozess verstärken und Kindern beim Reflektieren und Einordnen ihrer sinnlichen Wahrnehmungen helfen. Auf diese Weise wird die ästhetische Bildung weiter vertieft und bewusst gefördert. Besonders das offene oder teiloffene Konzept, wie es in vielen Kitas umgesetzt wird, bietet hier einen idealen Rahmen: In diesen Konzepten haben Kinder sehr viel Freiraum in ihren eigenen Entscheidungen - vom Aufenthalt in verschiedenst gestalteten Räumen bis hin zur Wahl ihrer Aktivitäten. So geschieht die ästhetische Bildung sehr individuell, selbstbestimmt und selbstwirksam - und wird gleichzeitig durch die vielfältigen Möglichkeiten in der Kita intensiv begleitet und unterstützt.
Somit wird deutlich: Ästhetische Bildung bildet das Fundament für die Entwicklung kreativen Denkens – denn bereits im Prozess des sinnlichen Wahrnehmens und Erkundens wird kreatives Denken angeregt. Kitas fördern diesen Prozess besonders intensiv und schaffen für alle Kinder – unabhängig von Herkunft oder Familiensituation – Möglichkeiten, ihre Entwicklung darin zu stärken. Doch wo genau kommt nun die Kunst ins Spiel?
Kunst
Blickt man Jahrtausende zurück in die Geschichte der Menschheit – in eine Zeit, in der noch nicht mit Sprache und Schrift, wie wir sie heute kennen, kommuniziert wurde –, findet man Kunst - Kunst als Mittel zur Kommunikation. Es war damals eine Möglichkeit, sich zu äußern und Erlebtes und Wahrgenommenes mitzuteilen, auch ohne Worte. Und diese Funktion kann Kunst auch für Kinder haben. Es ist eine altersgemäße Ausdrucksform, durch die Kinder sich mitteilen können. Da Kinder in jungen Jahren noch wenig beeinflusst sind von sozialen oder kulturellen Normen, entsteht ihre Kunst nicht aus einer bewussten Intention heraus, sondern aus einer Intuition: Sie verarbeiten in Kunst, was sie beschäftigt. Es ist ein Ausdruck ihrer Wahrnehmungen, Empfindungen und Erlebnisse. Wer also genau hinschaut, kann durch die Kunst einen Blick in das Innenleben der Kinder erhaschen. Gleichzeitig hilft Kindern der künstlerische Ausdruck, all das zu reflektieren, einzuordnen – und besser zu verstehen. Ästhetische Bildung befähigt Kinder also dazu, künstlerisch und kreativ aktiv zu werden. Kunst kann damit sowohl Ausdruck ästhetischer Bildung sein als auch deren Impulsgeber, da durch Kunst die ästhetische Bildung immer wieder neu angeregt und vertieft wird.
Doch die Wirkungsmacht von Kunst geht noch sehr viel weiter: Sobald Kinder künstlerisch aktiv sind, gelangen sie in einen schöpferischen Prozess. Sie erschaffen etwas, das es vorher nicht gab – etwas, das zunächst nur in ihrem Kopf existierte und durch ihre Hände Wirklichkeit wird. Sie lassen Ideen und Visionen Wirklichkeit werden. Kunst ist somit eine Form der Selbstverwirklichung. Wird dieser Prozess gezielt gefördert, stärkt das nicht nur das selbstständige Denken und Handeln, sondern auch das Selbstvertrauen der Kinder und ihre Persönlichkeitsentwicklung. Und wenn ihre Ideen einmal nicht so aufgehen, wie sie es sich vorgestellt haben? Dann lernen sie, mit Fehlern und Unsicherheiten umzugehen – eine wichtige Grundlage für Resilienz und Problemlösekompetenz. Ganz nebenbei werden bei künstlerischen Aktivitäten auch grundlegende Fähigkeiten trainiert: die Fein- und Grobmotorik, die Auge-Hand-Koordination, die visuell-räumliche Wahrnehmung, das Körpergefühl, kognitive und mathematische Fähigkeiten – und natürlich die Kreativität.
Kunst als Schlüssel zur Kreativität: Wie Kitas den kreativen Prozess anregen
Und wie wird nun Kunst in der Kita gefördert? Ganz einfach: durch das Bereitstellen der notwendigen Ressourcen, des Raums und pädagogischer Begleitung. In der Kita haben Kinder oft die Möglichkeit sich gestalterisch auszutoben - mit Knete, Fingermalfarben, Wassermalfarben, Blatt und Stift, Schere und Papier, vielleicht wird auch mal getont. Die Kitas geben den Kindern unglaublich viele Möglichkeiten, sich kreativ und künstlerisch zu entfalten und mit den unterschiedlichsten Materialien, Techniken und Ausdrucksformen zu experimentieren. Vorab lernen die Kinder den sicheren Umgang mit den entsprechenden Materialien und Werkzeugen - der sichere, pädagogische Rahmen - wodurch Kinder in ihrer Eigenverantwortung und Selbstständigkeit gestärkt werden. Ist dieser Rahmen einmal geschaffen, können sie in einer ruhigen, wertschätzenden Atmosphäre und mit genügend Zeit ganz in ihren kreativen Prozess eintauchen. Besonders förderlich für die Entwicklung kreativen Denkens ist es, wenn dieser Prozess offen gestaltet ist – also wenn es keine konkrete Anleitung gibt, sondern vielleicht nur Impulse, die die Kinder eher in ihrer Ideenfindung anregen als leiten. Beispielsweise durch das Vorlesen einer Geschichte, zu der die Kinder anschließend frei malen, was sie dabei empfunden oder sich vorgestellt haben. Wichtig ist dabei ein wertfreier Raum – ein Ort, an dem die kindliche Kunst nicht bewertet, sondern offen angenommen wird. Denn solche Reaktionen fördern Neugierde, Mut zur Gestaltung und kreative Weiterentwicklung. Negative Bewertungen hingegen können Kinder verunsichern und einschränken – nicht nur in ihrer Kreativität, sondern auch in ihrer sinnlichen Wahrnehmung.
Gerade in einer Zeit, in der der Fortschritt immer schneller voranschreitet und wir vor großen politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungen stehen, wird eines immer deutlicher: Wir brauchen kreatives Denken – mehr denn je. Denn um mit diesen Entwicklungen nicht nur Schritt zu halten, sondern sie aktiv mitzugestalten, braucht es kreative Köpfe, Visionär:innen, Ideenfinder:innen und Problemlöser:innen - kleine Leonardo Da Vincis. Und genau hier legt die frühkindliche Bildung die Basis - durch ästhetische Bildung und Kunst. Zwei Bereiche, die häufig in ihrer Wichtigkeit und Wirkung unterschätzt werden. Kitas schaffen Zugänge zu genau diesen Feldern – für alle Kinder, unabhängig von Herkunft oder sozioökonomischen Voraussetzungen. Sie geben Raum für Kreativität, fördern Wahrnehmung, Kognition, Verständnis, Ausdruck, Gestaltungskraft und noch so viel mehr – und legen damit das Fundament dafür, dass Kinder auch später noch offen, selbstbewusst und kreativ denken können. So wird einmal mehr deutlich, wie essentiell die frühkindliche Bildung für unsere Gesellschaft ist – für die individuelle Entwicklung ebenso wie für den Zusammenhalt, für Wirtschaft und Wissenschaft ebenso wie für Innovation, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Und um zukünftig im PISA-Test im Bereich kreatives Denken ebenso erfolgreich abzuschneiden wie Estland, sollte die Politik die frühkindliche Bildung noch stärker fördern, um Kitas und Pädagog:innen die Ressourcen zu geben, diese wichtigen Kompetenzen zu entwickeln.
Quellen:
Ästhetische Bildung | socialnet Lexikon. https://www.socialnet.de/lexikon/Aesthetische-Bildung.
Bulander, Y. (2025, 31. März). Ästhetische Bildung in der frühen Kindheit - nifbe e.V. Nifbe e.V. https://nifbe.de/fachbeitraege/aesthetische-bildung-in-der-fruehen-kindheit/.
Celina. (2024, 19. August). Die neurologische Kraft der Kunst: Wie Kreativität das Gehirn formt. WiPub - We Publish! https://www.wipub.net/die-neurologische-kraft-der-kunst-wie-kreativitaet-das-gehirn-formt/.
Karl. (2023, 8. Februar). Kreativität im Gehirn – 4 Blickwinkel aus der Neurowissenschaft. Karl Hosang. https://karlhosang.de/kreativitaet-im-gehirn/.
Kinder – Kunst – Kita. Wie passt das zusammen? – Westermann. (o. D.). https://www.westermann.de/landing/kompetent-erziehen/Kunst.
OECD (2024), PISA 2022 Results (Volume III): Creative Minds, Creative Schools, PISA, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/765ee8c2-en.
Uhrig, S. (2022, 1. Februar). Kreativität: Mehr als "nur“ Kunst. quarks.de. https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/kreativitaet-mehr-als-nur-kunst/.
Weniger Kinder, mehr Qualität? VKMK warnt vor Kürzungen, die Chancen verbauen
Am heutigen Tag findet im Abgeordnetenhaus im Rahmen der 53. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie unter Tagesordnungspunkt 2 eine Anhörung zum Thema “Weniger Kinder, mehr Qualität” statt. Unter anderem wurde Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, als Experte eingeladen, in der Sitzung zu diesem Thema zu sprechen.
Am heutigen Tag findet im Abgeordnetenhaus im Rahmen der 53. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie unter Tagesordnungspunkt 2 eine Anhörung zum Thema “Weniger Kinder, mehr Qualität” statt. Unter anderem wurde Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, als Experte eingeladen, in der Sitzung zu diesem Thema zu sprechen.
Der VKMK betont in diesem Kontext, dass weniger Kinder allein nicht automatisch zu mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung führen - insbesondere dann nicht, wenn gleichzeitig indirekte Sparmaßnahmen vollzogen werden. Zwar wird die im Rahmen des Runden Tisch Kita geplante Verbesserung des Personalschlüssels im U3-Bereich punktuell Entlastung und Qualitätssteigerung bringen, doch gleichzeitig wird die zunehmende Mehrbelastung im Ü3-Bereich - unter anderem durch den massiven Anstieg an zusätzlichen Förderbedarfen - außer Acht gelassen. Stattdessen plant der Senat Kürzungen im Bereich der Sprachförderung.
“Besonders alarmierend ist die geplante Umstellung der Personalzuschläge. Bislang gab es gezielte Förderungen für Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH). Diese sollen nun beendet werden. Mit einem sogenannten Partizipationszuschlag sollen diese Gelder gebündelt werden und künftig nur noch nach den Kriterien des Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT) vergeben werden. Das bedeutet faktisch, dass zwei Gruppen mit besonderem Förderbedarf gegeneinander ausgespielt werden. Kinder, die eine gezielte Sprachförderung benötigen, stehen damit in Konkurrenz zu Kindern aus wirtschaftlich benachteiligten Familien. Das kann nicht unser Anspruch sein. Sprachförderung ist essentiell für Chancengleichheit und muss als eigenständige Aufgabe erhalten bleiben.”, betont Lars Békési.
In einer Stadt wie Berlin, in der jede:r Vierte einen Migrationshintergrund hat, 180 verschiedene Herkunftsländer vertreten sind und 120 Muttersprachen gesprochen werden, wäre diese Kürzung ein herber Rückschlag für die Bildungs- und Chancengerechtigkeit.
“Weniger Kinder bedeutet nicht automatisch mehr Qualität, wenn gleichzeitig wichtige Fördermaßnahmen für Kinder gekürzt werden sollen”, so Békési weiter. Eine Qualitätssteigerung kann nur erreicht werden, wenn alle relevanten Faktoren in einem ganzheitlichen Konzept berücksichtigt werden - von den Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals über die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen der Kita-Träger bis hin zu den Voraussetzungen für eine exzellente frühkindliche Förderung. “Kürzungen durch die Hintertür dürfen nicht dazu führen, dass zentrale Bildungsaufgaben und pädagogische Qualität geschwächt werden.” mahnt Békési abschließend.
Autismus verstehen: Einblicke in die Neurodiversität
Autismus - eine neurologische Entwicklungsstörung, die vor knapp 20 Jahren noch eine Art Randerscheinung in der Bevölkerung zu sein schien, ist nun zunehmend in aller Munde. Auf Social Media häufen sich Influencer, die von ihrem Leben mit einer Autismus-Diagnose berichten, in den Medien wird sich darüber gewundert, wie es zu einem so rasanten Anstieg an Autismus-Fällen kommen kann und auch in der frühkindlichen Bildung ist dies natürlich ein großes Thema - denn der höchste Anstieg an Autismus-Diagnosen betrifft Kinder.
Autismus - eine neurologische Entwicklungsstörung, die vor knapp 20 Jahren noch eine Art Randerscheinung in der Bevölkerung zu sein schien, ist nun zunehmend in aller Munde. Auf Social Media häufen sich Influencer, die von ihrem Leben mit einer Autismus-Diagnose berichten, in den Medien wird sich darüber gewundert, wie es zu einem so rasanten Anstieg an Autismus-Fällen kommen kann und auch in der frühkindlichen Bildung ist dies natürlich ein großes Thema - denn der höchste Anstieg an Autismus-Diagnosen betrifft Kinder. Tatsächlich ist Autismus ein recht “junges Erkrankungsbild” und wir wollen diesem heute, am Welttag der Aufklärung über Autismus, etwas genauer auf den Grund gehen: Was genau ist eigentlich Autismus, welche Formen von Autismus gibt es? Wie zeigt sich Autismus und was sind die Ursachen für Autismus? Euch interessiert das auch? Dann taucht mit uns in den kommenden Zeilen in die Welt der Neurodiversität ein!
Die Geschichte des Autismus
Der Begriff Autismus stammt von den griechischen Worten autos (selbst) und ismos (Zustand, Ort) und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler im Zuge seiner Forschungen zur Schizophrenie erstmals im Kontext psychischer Erkrankungen verwendet. Mit dieser Begriffswahl wollte er das Symptom der sozialen Zurückgezogenheit und das In-sich-Gekehrt-Sein, das Leben in der eigenen inneren Gedankenwelt beschreiben. Etwas später, 1943, fasste der in den USA praktizierende österreichische Kinder- und Jugendpsychiater Leo Kanner den von Bleuler geprägten Begriff “Autismus” auf, jedoch nicht um wie Bleuler ein Symptom zu beschreiben, sondern ein eigenes Syndrom. Ein Syndrom, das sich durch soziale Zurückgezogenheit und den Drang nach Routinen auszeichnet. In Dokumenten hielt Kanner dabei seine Beobachtungen zu Kindern fest, die Probleme hatten sich an Veränderungen anzupassen, auf soziale Interaktionen und Spontanitäten einzulassen und auch sprachliche Auffälligkeiten aufwiesen, wie Echolalia - dem automatischen und zwanghaften Wiederholen von gerade Gehörtem. Er fasste dies unter dem Begriff “frühkindlicher Autismus”, auch bekannt als Kanner-Syndrom, zusammen und legte damit den Grundstein für unser heutiges Verständnis von Autismus. Zeitgleich und gänzlich unabhängig von Kanner dokumentierte der österreichische Kinderarzt Hans Asperger seine Beobachtungen zu Kindern, die wenig Empathie zeigten, soziale und motorische Auffälligkeiten aufwiesen und sich intensiv mit besonderen Interessen beschäftigten. Er nannte dies autistische Psychopathie - wobei Psychopathie damals nicht mit unserem heutigen Verständnis von Psychopathie zu vergleichen ist, sondern allgemein für psychische Besonderheiten stand. In den 80er Jahren griff die Psychiaterin Lorna Wing Aspergers Arbeiten für ihre eigenen Forschungen zu diesem Syndrom auf und etablierte in diesem Zuge den Begriff des Asperger-Syndroms.
Autismus - Eine Welt voller ungefilterter Reize
Nun wissen wir zwar, wie sich die Begriffe Autismus und Asperger etabliert haben, aber dennoch nicht wirklich, was es mit diesem Krankheitsbild überhaupt auf sich hat. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Autismus eine tiefgreifende neurologische Entwicklungsstörung, die sich meist bereits in sehr jungen Jahren zeigt. Sie beruht auf komplexen Störungen des zentralen Nervensystems, insbesondere in der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung. Dadurch werden Sinneseindrücke anders wahrgenommen und verarbeitet, was sich beispielsweise in einer Unter- oder Überempfindlichkeit gegenüber Reizen äußern kann. Denn während neurotypische Personen häufig Dinge im Kontext betrachten, wahrnehmen und einordnen, ist für Personen mit Autismus häufig das Detail präsenter. Wie kann man sich das vorstellen und wie lässt sich die Wahrnehmung von Menschen mit Autismus besser nachvollziehen?
Stellen wir uns vor, wir sitzen in einem Restaurant bei einem gemeinsamen Abendessen. Im Hintergrund läuft Musik, der Kellner nimmt Bestellungen am Nachbartisch auf, am Tresen spricht jemand am Telefon, draußen fährt ein Polizeiwagen mit Martinshorn vorbei, und gleichzeitig wird an unserem Tisch eine Unterhaltung geführt. Neurotypische Menschen nehmen all diese Eindrücke als eine zusammenhängende Erfahrung wahr. Sie erfassen die Musik, die Gespräche, Geräusche und Geschehnisse im Hintergrund als Teil der Atmosphäre, die das Restaurant umgibt, während sie sich auf das Gespräch am eigenen Tisch konzentrieren. Es entsteht eine Art Hintergrundrauschen, das die Gesamtstimmung beeinflusst, aber nicht vom Wesentlichen ablenkt.
Für eine Person im Autismus-Spektrum funktioniert diese Wahrnehmung ganz anders. Die einzelnen Reize werden nicht miteinander verknüpft, sondern bleiben isoliert und getrennt. Jedes einzelne Geräusch – die Musik, das Klirren von Besteck, das Gespräch am Nachbartisch, das Martinshorn – wird wie ein eigenständiges, lautes Ereignis wahrgenommen, das um die Aufmerksamkeit kämpft. Das Gespräch am eigenen Tisch ist nur eines von vielen Details in einer Flut von Eindrücken. Auch visuelle Reize, wie die Bewegung der Kellnerin oder das flackernde Licht, erscheinen unabhängig von der Gesamtumgebung. Es gibt keinen „roten Faden“, der all diese Eindrücke miteinander verbindet – alles prasselt gleichzeitig auf die betroffene Person ein, ohne dass der Kontext erkennbar wird. Es fühlt sich an, als würde jede Wahrnehmung wie ein einzelnes, lautes Signal in den Kopf dringen, das keine Verbindung zu den anderen hat. Dadurch wird es extrem schwierig, den Fokus zu halten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Von klaren Kategorien zum Spektrum: Die Entwicklung des Autismus-Verständnisses
Früher hat man Autismus in klare Subgruppen unterteilt. Darunter:
Frühkindlicher Autismus
Diese Form des Autismus tritt in der Regel vor dem dritten Lebensjahr auf und ist durch Auffälligkeiten in den Bereichen soziale Interaktion, Kommunikation und Verhalten gekennzeichnet. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, soziale Signale zu lesen und zu deuten, in Interaktion zu treten und Beziehungen aufzubauen. Auf der sprachlichen Ebene kann es zu einer verzögerten, unvollständigen, regredierenden oder gar nicht erfolgenden Sprachentwicklung kommen. In Konversationen tritt Echolalie häufig auf - das Wiederholen von Wörtern, Sätzen oder Geräuschen, entweder direkt aus dem Gespräch oder von anderen Quellen. Die Auffälligkeiten im Verhalten zeigen sich oft durch ein besonders intensives Interesse für bestimmte Objekte oder gar Teilobjekte, wie beispielsweise Türklinken oder Teppichmuster. Dabei stehen häufig sensorische Reize wie Haptik, Geruch oder Geräusche im Vordergrund des Interesses. Zusätzlich zeigen viele Betroffene stereotype Bewegungen (z. B. Flattern der Hände, Wippen, Drehen um die eigene Achse) sowie ein starkes Festhalten an Routinen, wodurch sie Veränderungen als besonders stressig empfinden.
Asperger-Syndrom
Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus wird das Asperger-Syndrom meist erst später, ab dem dritten Lebensjahr, diagnostiziert. Dies liegt unter anderem daran, dass es meist keine deutlichen Verzögerungen in der Sprachentwicklung gibt und kognitive Fähigkeiten in der Regel im durchschnittlichen oder sogar überdurchschnittlichen Bereich liegen. Allerdings zeigen sich dennoch häufig andere Besonderheiten im Sprachgebrauch, die sich durch eine pedantische, professorale und nicht altersgemäße Sprache, oft begleitet von unüblichen Betonungen und monotoner Stimme, auszeichnen. Ironie, Metaphern oder bildliche Sprache hingegen treten kaum, bis gar nicht oder falsch auf, da sie meist wörtlich verstanden werden und erst aktiv erlernt werden müssen. Besonders gerne reden Personen mit Asperger-Syndrom dabei sehr ausführlich über ihre besonderen Interessen für oft spezielle und unübliche Themen. Für diese wenden sie auch sehr viel Zeit und Energie auf, um sich ein umfangreiches und detailliertes Wissen dazu anzueignen. In einigen Fällen treten auch Hoch- oder Inselbegabungen auf, die das Asperger-Syndrom manchmal weniger offensichtlich erscheinen lassen. Rituale und Routinen im Alltag sind für Personen mit Asperger-Syndrom von großer Bedeutung. Veränderungen, auch noch so kleine, können sie überfordern. Hinzu kommt oft eine besondere Wahrnehmung von Reizen, etwa eine Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht oder Berührungen.
Atypischer Autismus
Der atypische Autismus weist ähnliche Merkmale wie der frühkindliche Autismus auf, erfüllt jedoch nicht alle Diagnosekriterien in vollem Umfang. Beispielsweise kann atypischer Autismus auch erst nach dem dritten Lebensjahr auftreten.
Da es jedoch in der Praxis teilweise schwer war in diesen Subgruppen zu unterscheiden, aufgrund leichterer und stärkerer Ausprägungen sowie Überschneidungen von Symptomatiken - was unter anderem auch zu Fehldiagnosen geführt hat - ist man dazu übergegangen Autismus als ein Spektrum zu begreifen. Heute wird daher der Begriff „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) als Oberbegriff für die Vielfalt autistischer Merkmale verwendet.
Die komplexen Ursachen von Autismus: Genetik, Umwelt und offene Fragen
Die Ursachen für eine Autismus-Spektrum-Störung sind hochkomplex und noch nicht endgültig erforscht. Allerdings ist inzwischen allgemeiner wissenschaftlicher Konsens, dass die Hauptursache genetisch bedingt ist. Dies belegen zahlreiche Studien, die zeigen, dass Autismus familiär gehäuft auftritt. Inzwischen wurden zudem bereits über 100 Gene identifiziert, die mit der Autismus-Spektrum-Störung in Verbindung stehen. Darunter Gene, welche die Entwicklung von Synapsen und der neuronalen Signalübertragung beeinflussen.
Doch wie bereits erwähnt, sind die Ursachen noch nicht endgültig erforscht und nicht allein auf Vererbung zu reduzieren. Auch Umweltfaktoren, vor allem in Kombination mit genetischen Faktoren, könnten eine Rolle bei der Entstehung von ASS spielen. Dazu gehören unter anderem eine Belastung der Eltern mit Schadstoffen, viralen Infektionen oder unbehandelten psychischen Erkrankungen. Eine Studie weist zudem auf eine mögliche Verbindung zwischen einer gestörten Darmflora in den ersten Lebensjahren und einem erhöhten Risiko für neurodivergente Störungen wie ASS hin. Allerdings sind weitere Forschungen erforderlich, um diese Zusammenhänge genauer zu verstehen.
Rasanter Anstieg der Autismus-Diagnosen
Die Anzahl an Autismus-Diagnosen ist in den vergangenen Jahren weltweit rasant gestiegen. Dies zeigt unter anderem eine Studie, die im Fachblatt Pediatrics veröffentlicht wurde, und nach welcher im Zeitraum von 2000 bis 2016 in der Metropolregion New York die Fälle von ASS um ganze 500% gestiegen sind. Weltweit geht man von 0,6 bis 1%, die von ASS betroffen sind, aus. In Deutschland kam eine Erhebung der hkk Krankenkasse auf eine Quote von 0,8%. Vor dem Jahr 2000 lagen diese Werte, laut Sven Bölte, Leiter des Zentrums für Neuroentwicklungsstörungen und der Abteilung für Neuropsychiatrie am Karolinska-Institut in Stockholm, noch im Promillebereich. Weshalb es zu solch drastischen Anstiegen kam, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sich erst Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts das Wissen über ASS verbreitet und vertieft hat, womit natürlich auch die Diagnostik zunehmend verbessert wurde. Auch die gesellschaftliche Aufklärung über ASS hat dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen die Symptome kennen und erkennen können. Dass es einen Zusammenhang zwischen ASS-Diagnosen und einer verbesserten und verbreiteteren Diagnostik gibt, lassen auch zwei Studien vermuten: So ist es in den USA wahrscheinlicher ASS diagnostiziert zu bekommen, wenn man aus hohen Einkommensschichten kommt. In Schweden dagegen wird das genaue Gegenteil beobachtet. Dies kann damit zusammenhängen, dass in den USA eine gute Gesundheitsversorgung, im Gegensatz zu Schweden, vom Geldbeutel abhängig ist.
Ein weiterer interessanter Aspekt bei der Betrachtung der ASS-Diagnosen sind geschlechtsspezifische Unterschiede: Nach der hkk Krankenkassen-Analyse sind männliche Personen mehr als doppelt so häufig betroffen wie weibliche. Woran das liegen kann, ist noch nicht ausreichend erforscht. Eine mögliche Erklärung kann sein, dass Mädchen aufgrund sozial zugeschriebener Verhaltensweisen eher dazu neigen, ihre Symptome zu verbergen und zu kompensieren. Viele Frauen und Mädchen mit ASS entwickeln im Laufe der Zeit Strategien, um ihr Verhalten zu maskieren („Masking“), was zu einer späten oder sogar verpassten Diagnose führen kann. Zudem basieren die traditionellen Diagnosekriterien häufig auf den Symptomen, die bei Männern stärker ausgeprägt sind, während Frauen teils andere Symptome aufzeigen können.
Wir haben nun einen ersten, wenn auch langen, Einblick in das hochkomplexe Thema der Autismus-Spektrum-Störungen gegeben und sind gespannt, welche neuen Erkenntnisse die Forschung in den kommenden Jahren zu ASS liefern wird.
Da der Umgang mit Kindern im dem Autismus-Spektrum-Syndrom im Kita-Alltag oft herausfordernd sein kann, möchten wir an dieser Stelle auf die wertvolle Fachberatung von be kind verweisen, die Ihnen Unterstützung und einen noch tieferen Einblick in das ASS bieten kann. Für Mitglieder des VKMK ist diese Beratung jeden Dienstag kostenlos.
Quellen:
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Frühkindlicher Autismus - Hamburger Autismus Institut. (2022, 29. August). Hamburger Autismus Institut. https://autismus-institut.de/therapie-institut/was-ist-autismus/symptomatik/fruehkindlicher-autismus/.
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Was ist Autismus – Autismus Therapie Zentrum Niederrhein. (o. D.). https://autismus-online.de/was-ist-autismus/.
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Was ist Autismus? (o. D.). https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/kjp/behandlung/behandlungsschwerpunkte/autismus/was-ist-autismus.
Von Herausforderungen und Glücksmomenten - Geschichten aus dem Kita-Alltag
Unsere Kitas sind voller wunderschöner, inspirierender Geschichten – Geschichten von engagierten Fachkräften, die sich tagtäglich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Kinder einsetzen, und Geschichten von Kindern, die mit staunenden und leuchtenden Augen jeden Tag etwas Neues lernen und erleben. Doch bleiben uns diese Geschichten leider zumeist verwehrt. Denn statt dieser positiven Erlebnisse sind es oft die Horrorgeschichten, die in den Medien verbreitet werden – Geschichten von Überlastung, Kindeswohlgefährdung und Aufbewahrung statt Bildung.
Unsere Kitas sind voller wunderschöner, inspirierender Geschichten – Geschichten von engagierten Fachkräften, die sich tagtäglich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Kinder einsetzen, und Geschichten von Kindern, die mit staunenden und leuchtenden Augen jeden Tag etwas Neues lernen und erleben. Doch bleiben uns diese Geschichten leider zumeist verwehrt. Denn statt dieser positiven Erlebnisse sind es oft die Horrorgeschichten, die in den Medien verbreitet werden – Geschichten von Überlastung, Kindeswohlgefährdung und Aufbewahrung statt Bildung. Szenarien, die jedoch nicht der allgemeinen Realität in den Kitas und der Arbeit unserer Fachkräfte entsprechen. Aus diesem Grund möchten wir heute den schönen kleinen und großen Erlebnisse, die sich jeden Tag in unseren Kitas ereignen, Raum geben und sie in den Vordergrund stellen. Wir haben hierfür einige Pädagog:innen aus unserem Verband gebeten, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit uns zu teilen. Ihre Geschichten zeigen, wie wertvoll und bereichernd die Arbeit in einer Kita wirklich ist.
Eine starke Erziehungspartnerschaft
Die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern spielt eine zentrale Rolle in der pädagogischen Arbeit. Nicht immer kann es einfach sein, eine starke Partnerschaft mit den Eltern aufzubauen, da sie viel Vertrauen erfordert. Umso schöner ist es, zu hören, wie stark die Zusammenarbeit, das Vertrauen und die Wertschätzung zwischen Eltern und Fachkräften in den Kitas unserer Mitglieder ist. Sie berichten von gemeinsamen Gartentagen, bei denen Eltern und Fachkräfte zusammen anpacken, Eltern, die bei den Fachkräften um Rat für besondere Situationen im Familienalltag fragen, Eltern, die zu den Geburtstagen von Teammitgliedern liebevoll Kuchen backen und Eltern, die auch mal den Fachkräften ein offenes Ohr schenken, wenn sie merken, dass sie etwas belastet.
Doch die Erziehungspartnerschaft verlangt oft nicht nur viel Vertrauen, sondern auch Verständnis in schwierigen Zeiten, wie der Pandemie: “Jegliche Unterstützung während und nach Corona – das Verständnis und die Geduld der Eltern bei Reduzierungen, Kürzungen der Öffnungszeiten und ähnlichem – waren entscheidend. Statt Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Demütigungen hatten wir offene, konstruktive Gespräche und gemeinsame Lösungsfindungen.”, erinnert sich eine Fachkraft.
Wie wichtig eine starke Erziehungspartnerschaft auch für die Entwicklung der Kinder ist, zeigt uns auch eine ganz besondere Geschichte aus einer Kita. Eine Pädagogin erzählt von zwei Kindern, die von Schwerstmehrfachbehinderung betroffen waren. „Zu Beginn hörten wir von den Eltern oft Sätze wie ‚Mein Kind kann nichts‘ oder ‚Ich habe Angst, wie es in der Schule werden soll und was passiert, wenn ich nicht mehr da bin‘. Spätestens als am Ende der Kita-Zeit für diese zwei Kinder feststand, dass sie in Regelschulen eingeschult werden - wenn auch mit Assistenz - , konnte man zweimal mehr davon sprechen, dass die Partnerschaft zwischen Kita und Eltern und Therapeut:innen gelungen ist.“
Gemeinsam stark im Team
Doch natürlich ist nicht nur die Zusammenarbeit mit den Eltern von großer Bedeutung, sondern ebenso das Miteinander im Team. Kollegialität und Zusammenhalt im Team sind wichtige Bestandteile, um gemeinsam Herausforderungen und schwierige Zeiten gut meistern zu können. Wie dies in der Praxis aussehen kann, berichtet eine Fachkraft aus ihrem Alltag: “Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt und Fürsorge gegenüber jedem Einzelnen – sei es durch das Abnehmen von Kindern mit Auffälligkeiten, um mal durchzuatmen, das Verzichten auf Vorbereitungszeiten oder Freiräume, um andere nicht allein stehen zu lassen - es könnte einem selbst ja auch einmal so ergehen - , oder kleine Aufmerksamkeiten der Kitaleitung zur Motivation und Anerkennung.“ Insgesamt wird häufig große Wertschätzung für die Unterstützung durch den Träger oder das Leitungsteam geäußert: “Wir haben ein gut funktionierendes Leitungsteam, welches das gesamte Team in regelmäßigen Teamsitzungen unterstützt und an allen Herausforderungen gemeinsam arbeitet.” In einer weiteren Kita sorgt der Träger dafür, dass sich das Team auf das Wesentliche konzentrieren kann: „Unser Träger kümmert sich um sehr viele Pflichten jenseits der Pädagogik und der "Arbeit am Kind", damit unser Team die "wirkliche" Arbeit leisten kann.” Und auch wenn einmal nicht alles rund läuft, gibt es Wege damit konstruktiv umzugehen: ”Reden und sehen. Wir versuchen eine positive Fehlerkultur zu leben.”
Dies zeigt, dass trotz der Herausforderungen im Kita-Alltag ein starkes Miteinander, Vertrauen, Respekt und gegenseitige Unterstützung der Schlüssel sind, um Lösungen zu finden und gemeinsam bestmöglich für die Kinder da zu sein.
Leuchtende Kinderaugen: Besondere Erlebnisse in der Kita
Der Kita-Alltag besteht aus lauter kleinen und großen besonderen Momenten, die Kinderaugen zum Leuchten bringen und es gibt immer wundervolle Erlebnisse, die die Kinder zum strahlen bringen: von spannenden Waldtagen und kreativen Musikprojekten über besondere Ausflüge bis hin zu jeglichen Aktivitäten, bei denen sie sich bewegen, fühlen und experimentieren können. Erst kürzlich, zur Faschingszeit, fand ein solches besonderes Ereignis statt: “Die Kinder präsentierten sich stolz in ihren Kostümen, wie auf einem roten Teppich.”, erzählt eine Fachkraft. Ein weiteres Highlight, das in einer Kita regelmäßig stattfindet, ist das „Kinderhotel“: Einmal im Monat übernachten die Kinder unter einem bestimmten Motto von Freitag auf Samstag in der Kita.
Doch nicht nur diese großen Ereignisse bereiten Kindern eine besondere Freude, auch die kleinen Momente können Großes bewegen. Es sind die Augenblicke, in denen sich die Kinder gehört, gesehen und anerkannt fühlen – sei es im Morgenkreis oder bei allem was situationsbedingt direkt aufgegriffen und umgesetzt wird. „Die leuchtenden Augen der Kinder beobachten wir nicht nur bei besonderen Ideen oder Aktivitäten“, sagt eine Fachkraft. “Das Bemerkenswerte ist vielmehr, dass wir bereits in vielen - scheinbar nicht besonderen - Kita-Alltagssituationen mit glücklichen Kinderaugen erfreut werden. Auch und gerade dies zeigt, dass die wertvolle Tätigkeit von Pädagog:innen nicht zuletzt aus den Alltagssituationen einen Zauber entfalten kann.”
Berührende Geschichten aus dem Kita-Alltag
Wie wertvoll die Arbeit unserer Fachkräfte und Kitas ist, zeigt sich in den vielen berührenden und beeindruckenden Geschichten aus dem Alltag. Geschichten, die zeigen, dass die pädagogische Arbeit weit über die Bildung und Betreuung hinausgeht und essentiell für die Entwicklung, die Startchancen und das Wohlbefinden der Kinder ist. Ein besonderes Beispiel hierfür kommt von einer Fachkraft, die von ihrer Arbeit mit einem Kind mit Trisomie 21 berichtete: “Wir betreuen ein Kind mit Trisomie 21 und am Anfang war eine Kommunikation mit dem Kind so gut wie unmöglich. Es war zwei Jahre alt, rumänischer Herkunft, verstand kein Wort deutsch, weinte viel, biss und schubste andere Kinder. Jetzt ist das Kind 4 Jahre und mit Unterstützung einer Heilpädagogin konnten Strukturen, Kommunikationshilfsmittel und vieles mehr erarbeitet werden, die ein entspanntes Umgehen mit diesem Kind in der Gemeinschaft möglich machen. Spielen mit anderen Kindern war bis vor Kurzem nicht möglich. Jetzt spielt sie, beziehungsweise auch andere Kinder mit ihr zusammen. Sie umarmt andere Kinder und Erzieher:innen. Sie zeigt auf Bilder, wenn sie etwas möchte und auch wenn sie nur lautiert, nimmt sie auf eine angenehme Art mit allen Kontakt auf. Es ist so schön zu sehen, wie dieses Kind sich entwickelt hat und wir es auch in einer schwierigen und personell engen Situation geschafft haben, so etwas Wundervolles zu erreichen.”
Eine weitere Fachkraft berichtet von den Momenten, in denen deutlich wird, wie wichtige die Arbeit nicht nur für die Kinder, sondern für die ganze Familie ist: “Die wiederholte rührende Dankbarkeit der Eltern, insbesondere der Eltern von Kindern, die von Behinderung betroffenen - auch mehrfach schwerstbehinderten - betroffen sind, wenn diese Kinder unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status, nicht nur in unserer Kita aufgenommen werden, sondern über die Zeit hinweg kontinuierlich - teils sehr erstaunliche - Fortschritte machen. Nicht selten haben diese Eltern kafkaeske 'Kämpfe' auch und gerade mit Behörden hinter sich und freuen sich, wenn sie bei den entsprechenden Behörden- und Verwaltungsverfahren von unserer Kita, beziehungsweise von unserem Träger Unterstützung erhalten. Nicht selten haben Eltern - auch und gerade aus diesem Kreis - bei landeseigenen Betrieben erfahren müssen, dass ihre Kinder dort nicht aufgenommen oder nicht weiter betreut werden können, etwa wegen Überlastung oder Überforderung. In die Gesichter dieser Kinder - egal aus welchen anderen Kulturen sowie Regionen dieser Erde sie stammen - und deren Eltern zu schauen, ist eine besondere Freude.” Die Auswirkungen der inklusiven Arbeit reichen jedoch weit über das individuelle hinaus: “In unserer mehrsprachigen und inklusiven Kita haben wir solche Bilder häufiger, dass Kinder sich um einander kümmern; besonders rührend ist, wenn Kinder mit Diagnosen aus dem autistischen Spektrum zusammen mit Kindern ohne besondere Herausforderungen sich um unsere schwerstmehrfachbehinderten Kinder kümmern und mit ihnen gemeinsam feiern.” Solch inklusive Arbeit in den Kitas ist nicht nur der Grundstein für die individuelle Entwicklung und den späteren Lebensweg der Kinder von großer Bedeutung, sondern für unsere gesamte, zukünftige Gesellschaft. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass Respekt, Toleranz und Zusammenhalt bereits in jungen Jahren selbstverständlich werden - etwas, wovon so mancher Erwachsene sich eine Scheibe abschneiden kann.
Von kleinen Gesten und großer Wirkung – Warum die Kita-Arbeit so bereichernd ist
In dieser Arbeit fließt nicht nur viel Energie und Hingabe von den Pädagog:innen zu den Kindern, sondern auch von den Kindern zurück. Sie zeigen ihre Dankbarkeit und Wertschätzung auf ihre ganz eigene, berührende Weise. Eine Pädagogin erinnert sich an einen besonderen Tag, an dem viele Kinder krank waren: „Zur Mittagsruhe blieben nur noch drei Kinder übrig – eine äußerst seltene Situation. Zwei Kinder waren der Meinung, dass es nun endlich genug Platz gibt, damit auch Ihre Erzieherin sich zur Mittagszeit hinlegen kann und holten sogleich zwei Matratzen für sie.” Ein weiteres rührendes Erlebnis aus dem Kita-Alltag berichtet eine weitere Fachkraft: „Als ich nach einer längeren Auszeit wegen eines Trauerfalls wieder in die Kita kam, war die Freude der Kinder so groß, dass sie mich fast umgerannt haben.”
Jeder Tag in der Kita hält neue Überraschungen bereit. Es gibt Herausforderungen, Momente der Erschöpfung, aber auch Augenblicke voller Wärme und Glück: “Es ist sehr anstrengend und herausfordernd. Manchmal weiß man nicht, wie man die Dinge schaffen soll. Wenn einer krank wird, kann es schonmal sehr sehr herausfordernd sein. Aber wir sind ein gutes Team, das sich möglichst gegenseitig zu unterstützen versucht. Wir haben wundervolle Kinder und wir haben sehr entspannte Eltern. Wenn dich ein Kind in den Arm nimmt und sagt ‘nur noch mal kurz drücken’, damit es gut in den Tag starten kann und du merkst, dass das ein Moment ist, der dich glücklich macht, dann bist du hier richtig. Egal wie schlecht es dir geht, wenn ein Kind dich anstrahlt oder Quatsch mit dir macht, wird es dir besser gehen. Die Arbeit mit Kindern ist der beste Trost und der beste emotionale Aufbau, den ich selbst je erlebt habe.”
Diese Geschichten zeigen, wie besonders, wundervoll und facettenreich die pädagogische Arbeit ist. Es sind Geschichten von Erfolg, Zusammenarbeit, Dankbarkeit und Freude – Geschichten, die jeden Tag in der Kita passieren. Und es sind die Geschichten, die erzählt werden sollten. Natürlich gibt es zahlreiche Herausforderungen im Kita-Alltag - nicht zuletzt aufgrund struktureller Defizite, die einer unzureichenden Bildungspolitik in der frühkindlichen Bildung zugrunde liegen und dringend einer Verbesserung bedürfen. Doch trotz schwieriger Rahmenbedingungen, personeller Engpässe und anderer Hürden setzen sich unsere Fachkräfte und Kitas mit unermüdlichem Einsatz dafür ein, den Kindern ein sicheres und förderliches Umfeld für ihre Entwicklung zu schaffen. Und wer darüber nachdenkt, in der Kita zu arbeiten, dem sei ein Satz einer Fachkraft besonders ans Herz gelegt: „Einfach machen!“.
Trotz Bemühungen der Senatorin: Verkrustete Strukturen blockieren VKMKs Beteiligung an den RVTag-Verhandlungen
Trotz wiederholter Zusicherungen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bleibt der VKMK – Der Kitaverband weiterhin von den aktuellen Verhandlungen über die Kita-Finanzierung im Rahmen des RVTags ausgeschlossen. Während die Senatorin erste Schritte zur Beendigung dieses Ausschlusses unternommen hat, blockieren einige Akteure innerhalb der LIGA (AWO, Diakonie, Caritas u.a.) und des Dachverbands der Kinder- und Schülerläden weiterhin eine inklusive Lösung.
Trotz wiederholter Zusicherungen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bleibt der VKMK – Der Kitaverband weiterhin von den aktuellen Verhandlungen über die Kita-Finanzierung im Rahmen des RVTags ausgeschlossen. Während die Senatorin erste Schritte zur Beendigung dieses Ausschlusses unternommen hat, blockieren einige Akteure innerhalb der LIGA (AWO, Diakonie, Caritas u.a.) und des Dachverbands der Kinder- und Schülerläden weiterhin eine inklusive Lösung.
Seit 2017 hat der VKMK intensiv daran gearbeitet, eine außergerichtliche Einigung zu finden. Zahlreiche Gespräche und Kompromissvorschläge stießen jedoch wiederholt auf Widerstand seitens bestimmter Verhandlungspartner. Im Jahr 2022 sah sich der VKMK daher gezwungen, juristische Schritte einzuleiten und eine Klage einzureichen. Nachdem die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf den Verband zugegangen war, ließ der Kitaverband VKMK die Klage ruhen, um im Dialog eine Einigung zu erzielen. Doch trotz klarer Lösungsansätze und eines Letter of Intent wurde eine Mitwirkung des VKMK an den angelaufenen Verhandlungen zur Kita-Finanzierung weiterhin verweigert.
„Der VKMK vertritt mehr als 300 Kitas mit über 13.000 Plätzen und ist damit ein wichtiger Bestandteil der Berliner Kita-Landschaft. Dennoch bleibt der Verband weiterhin vom Mitentscheidungsprozess über die Kita-Finanzierung ausgeschlossen“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. „Dieser Ausschluss bedeutet, dass die tägliche Bildungsarbeit unserer Kita-Teams nicht respektiert wird.“
Ursprünglich sollte der VKMK im Zuge der Novellierung des Berliner KitaFöG als weiterer Verhandlungspartner integriert werden. Diese Novelle wird jedoch voraussichtlich erst Ende des Jahres 2025 abgeschlossen sein, während die aktuellen Verhandlungen zur Finanzierung bereits laufen. Als Übergangslösung bot die Senatorin, Frau Günther-Wünsch, dem VKMK einen Gaststatus an, um eine indirekte Beteiligung zu ermöglichen. Auch dieser Vorschlag wurde jedoch von einzelnen Vertretern der LIGA und der Kinder- und Schülerläden abgelehnt. Angesichts dieser Blockade hat der VKMK nun die Klage wieder aufgenommen - eine mündliche Verhandlung wird zeitnah erfolgen.
„Die Blockadehaltung einiger Vertreter der LIGA und Kinderläden ist nicht nur bildungspolitisch fragwürdig, sondern auch rechtlich problematisch“, so Békési weiter. „Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 26. Oktober 2023 das Mitbestimmungsrecht unabhängiger freier Träger über ihre Verbände ausdrücklich anerkannt. Eine selektive Ausgrenzung bestimmter Akteure verstößt gegen dieses Urteil und das Prinzip der Gleichbehandlung aus dem SGB VIII.“
Zudem weist der VKMK darauf hin, dass bereits 2013 die Monopolkommission vor der Konzentration von Macht in den Händen weniger Akteure warnte – ein Trend, der nun im Kontext der Kita-Finanzierung erneut sichtbar wird.
Der VKMK erkennt an, dass die von der Senatorin angestrebten strukturellen Veränderungen Zeit erfordern. „Dennoch ist es nicht nachvollziehbar, warum sich einige Verhandlungspartner weiterhin der Kompromissfindung verweigern und damit die konstruktiven Bemühungen der Bildungssenatorin torpedieren. Das ist nicht nur ein Verstoß gegen demokratische Prinzipien, sondern gefährdet auch die Qualität und Vielfalt der frühkindlichen Bildung in Berlin“, schließt Békési.
Essen für die Psyche: Wie Ernährung das Wohlbefinden von Kindern beeinflusst
Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung die Ergebnisse einer Umfrage, nach welcher in Niedersachsen jedes vierte Kind in der Kita auffälliges Verhalten aufzeigt. Eine Entwicklung, die nicht nur auf Niedersachsen begrenzt ist, sondern von welcher pädagogische Fachkräfte bundesweit berichten. Auch verschiedene Studien belegen, dass psychische sowie sozio-emotionale Auffälligkeiten bei Kindern seit einigen Jahren zunehmen.
Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung die Ergebnisse einer Umfrage, nach welcher in Niedersachsen jedes vierte Kind in der Kita auffälliges Verhalten aufzeigt. Eine Entwicklung, die nicht nur auf Niedersachsen begrenzt ist, sondern von welcher pädagogische Fachkräfte bundesweit berichten. Auch verschiedene Studien belegen, dass psychische sowie sozio-emotionale Auffälligkeiten bei Kindern seit einigen Jahren zunehmen. Die Ursachen hierfür sind multifaktoriell. Oft wird es in Verbindung mit dem Lockdown während Corona gebracht. Der zunehmend hohe Medienkonsum unter Kindern sowie schwierige Familiendynamiken werden ebenfalls häufig als mögliche Ursache genannt. Doch warum thematisieren wir das alles am Tag der gesunden Ernährung?
Der Einfluss von Ernährung auf die psychische Gesundheit bei Kindern
Dass gesunde Ernährung einen direkten Einfluss auf die physische Verfassung hat, ist kein Geheimnis und allgemein bekannt. Nun zeigen auch immer mehr wissenschaftliche Studien, wie stark unsere psychische Gesundheit und unser allgemeines Wohlbefinden ebenfalls davon abhängen, was wir täglich zu uns nehmen. Dem wollen wir heute etwas genauer auf den Grund gehen und herausfinden, weshalb es umso wichtiger ist, bereits in der frühkindlichen Bildung gesunde Essgewohnheiten zu fördern und Kindern in der Kita Zugang zu gesunden und ausgewogenen Mahlzeiten zu ermöglichen.
Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns verschiedene Studien etwas genauer angeschaut. Darunter auch eine Studie der University of East Anglia. In altersgerechten Tests sollten Kinder angeben, wie fröhlich und entspannt sie sich fühlen und wie es um ihre zwischenmenschlichen Beziehungen steht. Dies wurde dann in Verbindung mit ihren Essgewohnheiten gesetzt. Das Ergebnis: Kinder, die sich gesund ernähren und viel Obst und Gemüse zu sich aufnehmen, fühlen sich psychisch deutlich wohler. Besonders ein vollwertiges Frühstück und Mittagessen zeigen sehr positive Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden, während umgekehrt ungesunde Alternativen und ausgelassene Mahlzeiten dem Wohlbefinden schaden.
Diese Studie ist natürlich relativ allgemein gehalten, weshalb wir uns gefragt haben, wie es denn aussieht, wenn wir uns auf ganz spezifische Verhaltensauffälligkeiten konzentrieren? Zum Beispiel auf ADHS.
Die Rolle der Darmflora bei ADHS
Darauf geben uns zahlreiche Studien eine Antwort, unter anderem eine Untersuchung der Wageningen Universität in den Niederlanden. In dieser Studie fand man heraus, dass bei 60 % der teilnehmenden Kinder durch eine Ernährungsumstellung auf gesunde, unbedenkliche Lebensmittel wie Reis, Putenfleisch und verschiedenes Gemüse die ADHS-Symptome innerhalb von nur fünf Wochen um mindestens 40 % zurückgingen. Die Verhaltensänderungen wurden dabei nicht nur subjektiv beobachtet, sondern spiegelten sich auch in Gehirnscans wider.
Aber wie kann es sein, dass allein die Ernährung zu einem solchen Ergebnis geführt hat? Das liegt sehr wahrscheinlich an der Kommunikation zwischen unserem Darm und unserem Gehirn, wie verschiedene Forscher:innen herausgefunden haben. Darm und Hirn kommunizieren nämlich über Nervenbahnen miteinander, der sogenannten Darm-Hirn-Achse, und beeinflussen sich dadurch wechselseitig.
Eine Studie, die im Fachblatt Journal of Child Psychology and Psychiatry veröffentlicht wurde, hat auf dieser Basis einen Zusammenhang zwischen der Darmflora und ADHS bei Kindern hergestellt. In der Studie wurden die Stuhlproben von 35 Kindern mit ADHS und 35 Kindern ohne ADHS untersucht, wobei deutliche Unterschiede in der Vielfalt der Darmbakterien festgestellt wurden. Kinder mit ADHS wiesen insgesamt eine geringere Diversität der Darmflora auf, insbesondere fehlten gesundheitsfördernde Bakterien häufiger. Auffällig war vor allem die reduzierte Präsenz eines spezifischen Bakterienstamms mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Ein Mangel an diesem Bakterium könnte die Darmbarriere schwächen und möglicherweise zu einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms führen, was wiederum das zentrale Nervensystem beeinflussen könnte. Ähnliches fand auch eine Studie der Universität Florida und der Linköping Universität in Schweden heraus, in welcher die Forscher:innen einen Zusammenhang zwischen Störungen der Darmflora in jungen Jahren und einer späteren Diagnose von neuroentwicklungsbedingter Störung wie ADHS oder Autismus herausstellen konnten.
Mit Obst und Gemüse gegen depressive Symptome
Damit wird deutlich, dass die Ernährung insbesondere in jungen Jahren Einfluss auf die Entwicklung und die psychische Gesundheit hat. Nicht nur bezogen auf ADHS, sondern offensichtlich auch auf Autismus. Doch auch bezogen auf das Risiko, depressive Symptome zu entwickeln, weisen viele Wissenschaftler:innen auf den Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und einer reduzierten Zahl entzündungshemmender Bakterien hin. So auch in einer kürzlich veröffentlichten Studie, in der über einen Zeitraum von 11 Jahren 3.483 Zwillinge begleitet wurden, um genetische oder ökologische Verzerrungen ausschließen zu können. Die Ergebnisse zeigen, dass eine geringe Aufnahme von Obst und Gemüse ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome mit sich bringt, während ein hoher Verzehr diese reduziert.
Gesunde Ernährung ist wichtig, sowohl für die physische als auch die psychische Entwicklung der Kinder. Sie trägt dazu bei, das Risiko für Auffälligkeiten wie ADHS, Autismus und Depressionen zu reduzieren sowie Symptome zu verringern. Kitas spielen hierbei eine wesentliche Rolle: Sie fördern bereits in jungen Jahren gesunde Ernährungsgewohnheiten und bieten allen Kindern - unabhängig vom sozialen Status - Zugang zu ausgewogenen Mahlzeiten, ganz im Sinne der Chancengleichheit. Damit leisten sie einen bedeutenden Beitrag zur Prävention von psychischen und physischen Gesundheitsproblemen, die langfristig sowohl die Kinder als auch ihre Familien und das Gesundheitssystem entlasten können. Das bedeutet aber auch, dass Kitas von der Politik in die Lage versetzt werden müssen, dies im vollen Umfange gewährleisten zu können. Nur mit einer ausreichenden finanziellen Förderung kann sichergestellt werden, dass alle Kinder von gesunder Ernährung profitieren. Aktuell ist die Pauschale in Berlin, mit welcher die Kitas das Essen finanzieren, leider viel zu knapp bemessen. Pro Tag und Kind stehen lediglich 3,82 Euro zur Verfügung – ein Betrag, der für eine gesunde und ausgewogene Mahlzeit viel zu niedrig ist. Die Mitglieder des VKMK sorgen dennoch täglich für gesundes Essen in den Kitas, doch das bedeutet wiederum, dass finanzielle Mittel dann an anderer Stelle fehlen. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Aspekt in der aktuellen Verhandlung zur Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen in angemessenem Maße berücksichtigt und angepasst wird.
Quellen:
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Matison, A. P., Thalamuthu, A., Flood, V. M., Catts, V. S., Christensen, K., Nygaard, M., Pedersen, N. L., Sachdev, P. S., Reppermund, S. & Mather, K. A. (2024). Longitudinal associations between fruit and vegetable intakes and depressive symptoms in middle-aged and older adults from four international twin cohorts. Scientific Reports, 14(1). https://doi.org/10.1038/s41598-024-79963-2
Valles-Colomer, M., Falony, G., Darzi, Y., Tigchelaar, E. F., Wang, J., Tito, R. Y., Schiweck, C., Kurilshikov, A., Joossens, M., Wijmenga, C., Claes, S., Van Oudenhove, L., Zhernakova, A., Vieira-Silva, S. & Raes, J. (2019). The neuroactive potential of the human gut microbiota in quality of life and depression. Nature Microbiology, 4(4), 623–632. https://doi.org/10.1038/s41564-018-0337-x
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Kita-Mieten steigen unaufhaltsam, Sachkostenpauschale bleibt zurück: VKMK fordert dringende Anpassung zur Entlastung der Kita-Träger
Seit Jahren warnt der Kitaverband VKMK eindringlich vor drastischen Folgen der unzureichenden Finanzierung der Mietkosten für Kita-Träger durch die Sachkostenpauschale des Landes Berlin – und seit Jahren wird dies ignoriert. Während die Mietpreise kontinuierlich steigen, hinkt die Sachkostenpauschale weit hinter dieser Entwicklung her, zu Lasten der gemeinnützigen Kita-Träger.
Seit Jahren warnt der Kitaverband VKMK eindringlich vor drastischen Folgen der unzureichenden Finanzierung der Mietkosten für Kita-Träger durch die Sachkostenpauschale des Landes Berlin – und seit Jahren wird dies ignoriert. Während die Mietpreise kontinuierlich steigen, hinkt die Sachkostenpauschale weit hinter dieser Entwicklung her, zu Lasten der gemeinnützigen Kita-Träger.
„Aktuell sind in der Pauschale wohl knapp 6,50 Euro pro Quadratmeter veranschlagt“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK. „Angesichts der Mietpreisentwicklung ist dieser Betrag bereits seit langem vollkommen unzureichend.” Eine aktuelle Auswertung des Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmensverbands (BBU) zeigt, dass die Neuvertragsmieten bei den BBU-Mitgliedsunternehmen im Zeitraum von Juni 2023 bis Juni 2024 um 7% auf durchschnittlich 8,59 Euro pro Quadratmeter gestiegen sind – 2 Euro mehr als Berliner Kitas pro Quadratmeter erstattet bekommen. Für Gewerbeflächen, wie sie Kitas benötigen, liegen die Mieten in Berlin bei Neuvertragsmieten sogar bei 29 Euro und mehr.
Eine vom VKMK-Der Kitaverband erneut durchgeführte Umfrage unter Mitgliedern bestätigt diese alarmierende Lage: „Unsere Kita-Träger zahlen im Schnitt 16,50 Euro pro Quadratmeter, in einigen Fällen sogar bis zu 27 Euro. Die Kluft zwischen Realität und Pauschale ist eklatant“, so Békési.
Noch prekärer wird die Situation in Anbetracht des Geburtenrückgangs und der geplanten Verbesserung des Personalschlüssels im U3-Bereich, da die Sachkosten direkt an die Kinderzahl gekoppelt sind. „Weniger Kinder bedeuten weniger Geld, bei gleichbleibenden Quadratmetern. Ob ein Raum belegt ist oder nicht- die Miete muss bezahlt werden. Unsere gemeinnützigen Kita-Träger haben keine finanziellen Reserven, um das weitere Jahre aufzufangen“, betont Békési.
Die laufenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über die Finanzierung der Kitas in Berlin bietet jetzt die Chance, endlich diesen Missstand zu korrigieren. “Der Senat muss die Realität endlich anerkennen und die Sachkostenpauschale anpassen. Kita-Träger dürfen nicht weiterhin die Zeche für steigende Kosten zahlen. Frühkindliche Bildung darf nicht zum finanziellen Risiko werden!“, fordert Békési eindringlich.
Auch auf Bundesebene könnten mit dem angekündigten 100 Mrd. EURO Sondervermögen für Infrastruktur könnten sich neue finanzielle positive Spielräume ergeben. „Wenn der Bund sich stärker engagiert und im Rahmen des Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes dem Land Berlin zusätzliche Mittel bereitstellt, würde das nicht nur die Qualität der frühkindlichen Bildung steigern, sondern es ist nur die einzige Rechtfertigung für die Verlagerung der Finanzierungslasten auf die kommenden Generationen. Damit könnte Berlin auch endlich eine angemessene Sachkostenpauschale finanzieren, ohne andere Bereiche zu belasten.“, erklärt Békési.
Die Zeit drängt: Ohne eine schnelle und nachhaltige Anpassung der Sachkostenpauschale, droht eine massive Verschlechterung der Kita-Landschaft in Berlin. Qualität,Stabilität und Verlässlichkeit der frühkindlichen Bildung stehen auf dem Spiel.