Warum Verdis Forderungen Berlins Kita-System, Kindern, Eltern und Fachkräften schaden

„Freie Träger seit Jahren benachteiligt“

Warum Verdis Forderungen Berlins Kita-System, Kindern, Eltern und Fachkräften schadenAuf Kita-Fachkräfte, kommunale wie freie, kommen immer mehr Belastungen zu. Statt diese Probleme gemeinsam anzugehen, bleibt die Verdi-Gewerkschaft aber einseitig. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Lars Békési

ein Kommentar: abgedruckt am 20.09.24 im Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/berlin/freie-trager-seit-jahren-benachteiligt-warum-verdis-forderungen-berlins-kita-system-kindern-eltern-und-fachkraften-schaden-12405452.html

Warum Verdis Forderungen dem Kita-System, Kindern, Eltern und Fachkräften schaden

Die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach einem Entlastungstarifvertrag für kommunale Kita-Träger sorgt nicht nur bei den betroffenen Einrichtungen und Eltern für Verunsicherung, sondern entfacht auch hitzige Diskussionen bei den freien Trägern in Berlin. Dabei betreffen die steigenden Belastungen für Kita-Fachkräfte durch den wachsenden Anteil an Kindern mit besonderen Förderbedarfen sowie die schwierige Personalgewinnung alle Träger gleichermaßen – kommunale wie freie. Doch anstatt diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen, fokussiert Verdi einseitig auf kommunale Einrichtungen, ohne die strukturellen Ungleichheiten im gesamten Kita-System zu berücksichtigen.

Verdis pauschalisierte Darstellung führt in die Irre

Verdi zeichnet ein übermäßig dramatisches Bild eines angeblich kurz vor dem Kollaps stehenden Berliner Kita-Systems, das allein durch ihren "Entlastungstarifvertrag" gerettet werden könnte. Diese Fokussierung verkennt jedoch die Realität und gefährdet den Zusammenhalt des Kita-Systems. Besonders bedenklich: Rund 82 % der Kitaplätze in Berlin werden von freien Trägern angeboten, die in Verdis Forderungen keinerlei Berücksichtigung finden. Dies führt nicht nur zu einer Spaltung der Trägerlandschaft, sondern schadet auch den Kindern, Eltern und Fachkräften.

Strukturelle Benachteiligung freier Träger

Freie Träger sind in Berlin seit Jahren strukturell benachteiligt. Ein wesentlicher Aspekt dieser Ungleichbehandlung sind die stark gestiegenen Gewerbemietkosten seit 2017. Freie Träger müssen diese Mehrbelastung nahezu allein tragen, da die Finanzierungsstruktur des Landes Berlin diese Entwicklung nicht berücksichtigt. Im Gegensatz dazu erhalten kommunale Träger finanzielle Zuschüsse vom Berliner Senat, wenn ihre Mittel im laufenden Betrieb aufgebraucht sind – beispielsweise bei der teuren Beschaffung von Personal über Arbeitnehmerüberlassungen. Diese zusätzlichen Ausgaben werden letztlich vom Steuerzahler getragen. In der Öffentlichkeit besonders bekannt ist die Hauptstadtzulage von 150 Euro im Monat, die nur an pädagogische Fachkräfte in kommunalen Kitas gezahlt wird. Hierbei geht es nicht darum, den Beschäftigten in kommunalen Trägern diese Zulage zu missgönnen. Vielmehr sollte darauf geachtet werden, dass freie Träger und deren Teams nicht weiter benachteiligt werden. Die pädagogische Arbeit und der Bildungsauftrag gemäß dem Berliner Bildungsprogramm sind für alle Einrichtungen gleich, unabhängig vom Träger.

Verdis Forderung ist Diskriminierend

Lösung kann nicht darin bestehen, nur den kommunalen Trägern Entlastungen zu gewähren. Sollte Verdi ihre Forderungen durchsetzen, würde dies erneut die Fachkräfte bei den freien Trägern diskriminieren. Dies wäre nicht nur ein Widerspruch zu Verdis eigenen Prinzipien von "gleichem Geld für gleiche Arbeit", sondern untergräbt auch den bundesrechtlichen Grundsatz aus dem Sozialgesetzbuch VIII, der eine pluralistische und partizipative Zusammenarbeit zwischen öffentlicher und freier Jugendhilfe fordert.

Verdis Argumentation ist nicht zielführend

Verdi verweist immer wieder auf den Entlastungstarifvertrag an der Medizinischen Hochschule Hannover als Vorbild. Doch dieser Vergleich hinkt: Berlin ist kein Flächenland wie Niedersachsen, und eine medizinische Hochschule ist keine Kindertagesstätte. Zudem handelt es sich bei den Berliner kommunalen Kitas nicht um Körperschaften des öffentlichen Rechts, sondern um Eigenbetriebe – ein wesentlicher rechtlicher Unterschied.

Reduktion der Gruppengröße erfordert mehr Personal

Eines der Hauptanliegen Verdis ist die Reduzierung der Gruppengrößen in den Kitas. Diese Forderung ignoriert jedoch die Realität: Kurz- und mittelfristig gibt es nicht genug Fachkräfte, um kleinere Gruppen zu betreuen. Die frühkindliche Bildung steht vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Branchen – es fehlen schlichtweg Menschen, die diesen Beruf ergreifen können. Statt über den Fachkräftemangel zu klagen, sollten die Ausbildungs- und Weiterbildungsstrukturen für Erzieher:innen in den Fokus gerückt werden. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung, die auch Spezialisierungen ermöglicht, ist entscheidend, um den steigenden Förderbedarfen der Kinder gerecht zu werden.

Einseitige Lösungen sind nicht der Weg

Verdis Forderungen berücksichtigen nicht die komplexe Realität des Berliner Kita-Systems. Einseitige Entlastungen für kommunale Träger gefährden das gesamte System. Stattdessen ist eine umfassende Lösung erforderlich, die nur auf der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder (RV-Tag) basiert. Nur durch diesen Weg können Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlastung aller Fachkräfte – unabhängig vom Träger – erreicht werden.

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Weltkindertag überschattet von Ver.di: Kommunale Kitas stehen vor unbefristetem Streik

Heute hat die Gewerkschaft Ver.di das Ergebnis der Urabstimmung zum geplanten Erzwingungsstreik an den kommunalen Kitas veröffentlicht. Statt der angestrebten 75 Prozent sprachen sich ganze 91,7 Prozent für einen unbefristeten Streik aus. Sollte es in den kommenden Tagen zu keiner Einigung mit dem Berliner Senat über den geforderten Entlastungstarifvertrag kommen, werden die Beschäftigten der kommunalen Kitas in Berlin ab dem 30. September in den Erzwingungsstreik treten.

Heute hat die Gewerkschaft Ver.di das Ergebnis der Urabstimmung zum geplanten Erzwingungsstreik an den kommunalen Kitas veröffentlicht. Statt der angestrebten 75 Prozent sprachen sich ganze 91,7 Prozent für einen unbefristeten Streik aus. Sollte es in den kommenden Tagen zu keiner Einigung mit dem Berliner Senat über den geforderten Entlastungstarifvertrag kommen, werden die Beschäftigten der kommunalen Kitas in Berlin ab dem 30. September in den Erzwingungsstreik treten.

Dass dieses Abstimmungsergebnis ausgerechnet am Weltkindertag verkündet wurde, empfindet der Kitaverband VKMK als äußerst unglücklich. „Der heutige Tag sollte ganz im Zeichen unserer Kinder stehen. Doch Ver.di überschattet mit dem klaren Votum für einen Erzwingungsstreik – und damit gegen eine stabile, verlässliche Bildung und Betreuung der Kinder – diesen besonderen Anlass."“, so Lars Békési, Geschäftsführer des Verbandes. 

Das Ergebnis der Urabstimmung steht nicht nur im klaren Widerspruch zum heutigen Weltkindertag, sondern auch zu dem Motto, unter welchem dieser steht: “Mit Kinderrechten in die Zukunft”. Zu diesen Rechten, die in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind, zählt auch das grundlegende Recht auf Bildung. Ein unbefristeter Streik der kommunalen Kitas würde jedoch genau dieses Recht für die betroffenen Kinder einschränken und ihre Bildungschancen damit gefährden. Sollte der Streik wie angekündigt beginnen, wird es für viele Kinder in Berlin deutlich schwieriger, ihr Recht auf Bildung in den kommunalen Kitas wahrzunehmen. „Es ist paradox, dass an einem Tag, der Kinder und ihre Rechte in den Mittelpunkt stellt, eine Maßnahme beschlossen wird, die genau diametral dem entgegengesetzt ist.“, kritisiert Békési.

Leidtragende des bevorstehenden unbefristeten Streiks werden somit primär Eltern und Kinder sein. Nicht ohne Grund haben schon jetzt mehrere hundert Eltern ihre Kinder von den kommunalen Kitas abgemeldet. Mit diesem Ergebnis wird sich die Situation nun vermutlich noch weiter zuspitzen, da sich Eltern nicht mehr darauf verlassen können, dass ihre Kinder ihr Recht auf Betreuung und Förderung in den kommunalen Kitas antreten können.

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Verdi-Streiks bedrohen Einheitlichkeit der Kita-Finanzierung – VKMK fordert realistische Lösungen

Die Verdi-Streiks in den kommunalen Kitas spitzen sich zu. Unmittelbar vor der Urabstimmung zum Erzwingungsstreik am 19. September fordern die Gewerkschaftsmitglieder auch weiterhin einen eigenen Tarifvertrag zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte in Berliner Eigenbetrieben. Die negativen Auswirkungen der Warnstreiks sind bereits heute spürbar: Hunderte Kinder besuchen aufgrund der unsicheren Betreuungssituation in diesem Kita-Jahr nicht mehr die kommunalen Einrichtungen.

Die Verdi-Streiks in den kommunalen Kitas spitzen sich zu. Unmittelbar vor der Urabstimmung zum Erzwingungsstreik am 19. September fordern die Gewerkschaftsmitglieder auch weiterhin einen eigenen Tarifvertrag zur Entlastung der pädagogischen Fachkräfte in Berliner Eigenbetrieben. Die negativen Auswirkungen der Warnstreiks sind bereits heute spürbar: Hunderte Kinder besuchen aufgrund der unsicheren Betreuungssituation in diesem Kita-Jahr nicht mehr die kommunalen Einrichtungen.

Der Kitaverband VKMK äußert sein zunehmendes Unverständnis angesichts der Streiks. „Das Berliner Finanzierungssystem über die Rahmenvereinbarung (RV-Tag) sorgt für Einheitlichkeit zwischen kommunalen, freien und wohlfahrtlichen Trägern. Verdi riskiert mit seiner Forderung eine gefährliche Spaltung dieser Struktur“, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. Zudem warnt er vor möglichen Konsequenzen: Ein separater Tarifvertrag wird  Berlin erneut aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) drängen. Diese Mitgliedschaft sollte nicht leichtfertig durch Verdi aufs Spiel gesetzt werden. 

Békési betont außerdem, dass kommunale Kitas Eigenbetriebe des Landes Berlin sind. „Die Forderungen von Verdi sind in diesem Kontext unverständlich, da Eigenbetriebe im Gegensatz zu der Rechtsform von öffentlichen Körperschaften keine unabhängigen Entscheidungen treffen können,“ so Békési weiter.

Grundsätzlich unterstützt der VKMK die Forderungen nach Entlastung des pädagogischen Personals, lehnt jedoch den von Verdi eingeschlagenen Weg ab.  Krankentage, Fortbildung und Urlaub müssen im Personalschlüssel und dessen Finanzierung berücksichtigt werden, um alle Berliner Kitas zu entlasten. “Ein separater Tarifvertrag, der nur 12 % der Berliner Kitaplätze betrifft, wäre keine langfristige Lösung“, erklärt Békési. Der Kitaverband sieht die anstehenden Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung („Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen“) als den einzig richtigen Ort, um die berechtigten Anliegen der Fachkräfte umfassend zu regeln – sowohl für freie als auch kommunale Träger.

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VKMK kritisiert Widersprüche im Antrag der Linken: Kostenloses Schulmittagessen und beitragsfreie Kitas

Heute wurde in der Plenarsitzung der dringliche Antrag “Mittagessenversorgung an Berliner Schulen sicherstellen – Kostenfreiheit für Schulessen und Kita-Besuch erhalten!” der Fraktion Die Linke diskutiert. Ein Antrag, der maßgeblich von Inkohärenz geprägt ist, wie der Kitaverband VKMK empfindet. 

Heute wurde in der Plenarsitzung der dringliche Antrag “Mittagessenversorgung an Berliner Schulen sicherstellen – Kostenfreiheit für Schulessen und Kita-Besuch erhalten!” der Fraktion Die Linke diskutiert. Ein Antrag, der maßgeblich von Inkohärenz geprägt ist, wie der Kitaverband VKMK empfindet. 

Diese Inkohärenz beginnt bereits bei der Forderung nach kostenlosem Schulmittagessen. Als Begründung hierfür schreibt Die Linke in ihrem Antrag, dass kostenloses Schulmittagessen “ein zentraler Eckpfeiler für die gesunde Entwicklung und Chancengerechtigkeit in der Bildung” sei. Das Mittagessen in der Kita findet dabei keinen Platz in der Diskussion und scheint somit für unsere Jüngsten kein “zentraler Eckpfeiler” für Bildung und Teilhabe zu sein. Eltern von Kita-Kindern sollen demnach weiterhin auf Wunsch Der Linken beim Essen zur Kasse gebeten werden, da es hier augenscheinlich einen Unterschied in der Relevanz gibt. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK betont aus diesem Grund: “Wenn man kostenloses Schulmittagessen fordert, wäre es nur konsequent, das kostenlose Mittagessen in der Kita mitzudenken”.

Weiterhin wirkt die Forderung nach Kostenfreiheit beim Kita-Besuch in diesem Antrag fehl am Platz und fand, sowohl im schriftlichen Antrag als auch bei der Plenarsitzung, nur in wenigen Sätzen überhaupt Erwähnung. Der Hintergrund hinter dieser Forderung ist die Infragestellung des Senats bei der Kostenfreiheit des Kita-Besuchs, eine Überlegung, die der VKMK grundsätzlich nachvollziehen kann. “Die Prämisse ist, dass die Kassen des Landes leer sind. Der Senat sieht sich gezwungen zu sparen und plant, dies durch einen Kurswechsel, weg von der Gießkannen-Politik, zu erreichen. Dies betrifft zwangsläufig auch die Bildungspolitik und damit die Kitas.”, erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK. Wie er weiter erklärt, bedeutet dies jedoch im Umkehrschluss nicht, Bildung kostenpflichtig zu machen: “Bildung sollte stets für alle kostenlos und zugänglich sein – das ist ein grundlegendes Menschenrecht. Allerdings sprechen wir hier von den Betreuungszeiten, also den frühen und späten Stunden. Diese Zeiten sind nicht kostenfrei zu sehen und es gibt keinen Grund, weshalb das breite Schultern nicht tragen können und auch sollen.”

Eine Möglichkeit, die Betreuungszeiten trotz Gebührenpflicht für alle zugänglich zu machen, wäre die Einführung eines einkommensabhängigen Finanzierungssystems. Allerdings betrachten die Fraktionen Die Linke und Die Grünen dies als zu großen Verwaltungsaufwand, der sich rein rechnerisch für den Landeshaushalt nicht lohnen würde. Lars Békési äußert sich hierzu: “Wir leben in einer modernen Zeit fortschrittlicher Technologien und Künstlicher Intelligenz, die uns diesen Aufwand bestimmt abnehmen könnten, wenn wir nur wollten. Wir möchten nicht bestreiten, dass die Umsetzung eines einkommensabhängigen Zahlungssystems einfach und leicht für alle Beteiligten sein sollte. Doch es gibt zweifellos digitale Lösungen, die in Betracht gezogen werden können. Warum beispielsweise nicht einen automatischen Prozess im jährlichen Lohnsteuerausgleich integrieren, der diese Berechnung bereits berücksichtigt?”

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Abwanderung von Kita-Fachkräften: Ein flächendeckendes Problem mit Folgen

Ende August veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Niedersachsen-Bremen eine Studie zur Beschäftigungssituation in den Berufen der Kinderbetreuung und -erziehung in Niedersachsen. Unter anderem wird aus dieser Studie die Diskrepanz zwischen Fachkräfte-Zuwachs und der ungedeckte Bedarf an Fachkräften in der frühkindlichen Bildung ersichtlich. Eine Diskrepanz, die sich nicht nur auf Niedersachsen beschränkt, sondern die in allen Bundesländern vorzufinden ist und erhebliche Folgen für die Qualität der frühkindlichen Bildung mit sich bringen kann.  

Ende August veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Niedersachsen-Bremen eine Studie zur Beschäftigungssituation in den Berufen der Kinderbetreuung und -erziehung in Niedersachsen. Unter anderem wird aus dieser Studie die Diskrepanz zwischen Fachkräfte-Zuwachs und der ungedeckte Bedarf an Fachkräften in der frühkindlichen Bildung ersichtlich. Eine Diskrepanz, die sich nicht nur auf Niedersachsen beschränkt, sondern die in allen Bundesländern vorzufinden ist und erhebliche Folgen für die Qualität der frühkindlichen Bildung mit sich bringen kann.  

In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl an pädagogischen Fachkräften in Kitas um über 50% gestiegen. Daraus könnte geschlussfolgert werden, die Kitas hätten genügend Personal. Doch neben dem hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten von über 40%, erschwert auch die anhaltende Fachkräfteabwanderung die Deckung des Personalbedarfs, wodurch die Gewährleistung einer stabilen Bildungs- und Betreuungssituation wesentlich erschwert wird. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wenden sich 20% der pädagogischen Fachkräfte in Niedersachsen im Laufe ihrer Berufslaufbahn von der Arbeit in der Kita dauerhaft ab. Eine etwas ältere Längsschnittstudie des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation aus dem Jahr 2019 kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass bundesweit 20% der pädagogischen Fachkräfte in den ersten fünf Jahren ihrer Berufskarriere den Kitas den Rücken zukehren. 

Die Zahlen zeigen, dass sehr viele Personen am Berufsbild der pädagogischen Fachkraft interessiert sind und gewillt wären, diesen Berufsweg zu beschreiten. Jedoch gibt es erhebliche Schwierigkeiten, die Fachkräfte langfristig an das Arbeitsfeld Kita zu binden. Als Gründe hierfür nennt die Autorengruppe der Studie unter anderem schlechte Rahmenbedingungen, wie eine ungünstige Personalausstattung, sowie Arbeit unter Stress und Druck. Auch andere Studien, wie die OECD-Fachkräftebefragung (2018), kommen zu dem Ergebnis, dass die Fachkräfte mit der pädagogischen Arbeit im Grunde sehr zufrieden sind, jedoch begrenzte Personalressourcen mehrheitlich für Unzufriedenheit und Stress im Personal führt. Nach der DKLK-Studie (2024) sind, neben der Unzufriedenheit, auch erhöhte Ausfälle im Personal Folgen einer unzureichenden Personalausstattung, was die Situation wiederum zusätzlich verschärft.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir, in gemeinsamer Anstrengung, Rahmenbedingungen schaffen, um unsere pädagogischen Fachkräfte langfristig an das Arbeitsfeld Kita zu binden. Einer der ausschlaggebendsten Faktoren hierfür ist unter anderem eine bessere Personalausstattung, damit wieder mehr Zeit für die pädagogische Arbeit bleibt, unsere Pädagog:innen ohne Stress und Druck ihrer Tätigkeit nachgehen können und somit besser auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kinder eingegangen werden kann. Der Kitaverband VKMK sieht gerade jetzt, wo mit dem Geburtenrückgang die Zahl der Kinder sinkt, die optimale Chance, dies in die Tat umzusetzen. Daher fordert der Verband die Bundesländer dazu auf, in ihren Gesetzen die Finanzierung der Personalressourcen anzupassen, damit die Kitas eine höhere Personalausstattung ermöglichen können und eine stabile Bildung und Betreuung für alle Kinder sichergestellt werden kann. 

Quellen:

  • Kita-Betreuung: 51 % mehr pädagogisches Personal im März 2023 als zehn Jahre zuvor: in: Statistisches Bundesamt, o. D., [online] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_N004_p002.html.

  • Fischer, Florence/Tomi Neckov/FLEET Education Events GmbH/VBE Bundesverband/VBE Landesverband/Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)/VBE Baden-Württemberg/VBE Hessen/VBE Nordrhein-Westfalen/Andy Schieler: DKLK-Studie 2023, in: DKLK-Studie 2023, 21.03.2023, [online] https://deutscher-kitaleitungskongress.de/wp-content/uploads/2023/03/DKLK_Studie_2023_210x297_A4_V07_RZ-1.pdf.

  • Wrobel, Martin/Uwe Harten/Amelie Berisha: Beschäftigungssituation in den Berufen der Kinderbetreuung und -erziehung in Niedersachsen, in: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, 27.08.2024, [online] doi:10.48720/IAB.RENSB.2401.

  • Bader, Samuel/Birgit Riedel/Carolyn Seybel/Daniel Turani/Deutsches Jugendinstitut: Kita-Fachkräfte im internationalen Vergleich: Ergebnisse der OECD-Fachkräftebefragung 2018, Band II, in: Forschung zu Kindern, Jugendlichen und Familien an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Fachpraxis, Deutsches Jugendinstitut, 2021.

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BEOKiz in Berliner Kitas startet: Kitaverband VKMK drängt auf beschleunigte Digitalisierung des neuen Verfahrens

Wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gestern öffentlich in einer Pressemitteilung bekannt gab, beginnt mit diesem Kita-Jahr die berlinweite Implementierung des BEOKiz-Verfahrens. Das BEOKiz-Verfahren stellt ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur ganzheitlichen und umfassenden Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklungs- und Lernstände dar.

Wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gestern öffentlich in einer Pressemitteilung bekannt gab, beginnt mit diesem Kita-Jahr die berlinweite Implementierung des BEOKiz-Verfahrens. Das BEOKiz-Verfahren stellt ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur ganzheitlichen und umfassenden Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklungs- und Lernstände dar. Grundlegendes Ziel dieses Verfahrens ist es, zum einen ein vereinheitlichtes und vereinfachtes Evaluationssystem zu etablieren, das einen größeren Bezug zum Berliner Bildungsprogramm aufweist als bisherige Verfahren. Zum anderen soll durch BEOKiz eine bessere Anschlussfähigkeit der Bildungsinhalte an die Grundschule gewährleistet werden.

Das BEOKiz-Verfahren soll ab diesem Kita-Jahr in etwa 500 Kitas in Berlin eingeführt werden und ersetzt damit bisherige Verfahren, wie das umfangreiche Sprachlerntagebuch sowie die bereits im Jahr 2020 von der Köller-Kommission als defizitär eingestufte Statuserhebung QuaSta, die bislang vor der Einschulung durchgeführt wurde. Laut der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wird der vollständige Implementierungsprozess bis zum Kita-Jahr 2027/2028 abgeschlossen sein.

Der Kitaverband VKMK begrüßt die Einführung des BEOKiz-Verfahrens und sieht darin einen großen Mehrwert. Dennoch erkennt der Verband auch Schwachstellen, die es zu verbessern gilt. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: „Die Intention des BEOKiz-Verfahrens, eine entlastende und erfolgreiche Erfassung der Entwicklungs- und Lernprozesse der Kinder zu ermöglichen, kann nur durch eine Digitalisierung des Verfahrens erfolgreich umgesetzt werden. Jedoch ist eine digitale Version erst ab 2028 geplant.“ Bis dahin müssen die pädagogischen Fachkräfte weiterhin Papierbögen ausfüllen, was zu einem erhöhten bürokratischen Aufwand im Kita-Alltag führt. Auch der Übergang von der Kita zur Grundschule wird durch die analoge Vorgehensweise nicht wesentlich erleichtert. „Die papierbasierte Dokumentation der Entwicklungsstände und der Förderung der Kinder erschwert die Weitergabe wichtiger Informationen an die Schulen. Wenn pro Kind mehrere Ordner anfallen, besteht das Risiko, dass nicht alle relevanten Unterlagen dort ankommen. Sollte das passieren, war die gesamte Dokumentation letztlich umsonst“, so Békési.

Aus Sicht des VKMK bietet das BEOKiz-Verfahren einen wertvollen Schritt in die richtige Richtung, um die Qualität der Entwicklungs- und Lernstandserfassung in Berliner Kitas zu verbessern. Allerdings sieht der Verband dringenden Handlungsbedarf in der beschleunigten Digitalisierung des Verfahrens. Eine zeitnahe Umsetzung der digitalen Lösung ist daher unerlässlich, um das volle Potenzial von BEOKiz auszuschöpfen.

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Der Kitaverband VKMK fordert Ende der „Gießkannen-Politik“: Kostenfreies Schulessen nur für BerlinPass-Familien

Das 2019 vom rot-rot-grünen Senat eingeführte kostenlose Schulmittagessen, einst als soziale Innovation gefeiert, hat sich in den letzten fünf Jahren zu einer ineffizienten „Essen-Planwirtschaft“ entwickelt. Doch diese Situation könnte sich bald ändern: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), hat angekündigt, das kostenfreie Schulessen auf den Prüfstand zu stellen.

Das 2019 vom rot-rot-grünen Senat eingeführte kostenlose Schulmittagessen, einst als soziale Innovation gefeiert, hat sich in den letzten fünf Jahren zu einer ineffizienten „Essen-Planwirtschaft“ entwickelt. Doch diese Situation könnte sich bald ändern: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), hat angekündigt, das kostenfreie Schulessen auf den Prüfstand zu stellen.

In einem offenen Brief fordern der Ernährungsrat Berlin, der Landesschülerausschuss, der Kinderschutzbund Berlin und die Verbraucherzentrale Berlin nun die Beibehaltung des kostenlosen Schulmittagessens. Sie argumentieren, dass eine ausgewogene Ernährung entscheidend für die gesunde Entwicklung von Kindern und die Chancengleichheit in Bildung und Teilhabe sei. Auch der Kitaverband VKMK unterstützt die Bedeutung einer gesunden Ernährung für Kinder und Jugendliche. Allerdings weist der VKMK auf eine wesentliche Ungleichheit hin: Die Initiative fokussiert sich ausschließlich auf das Schulessen und ignoriert die Situation in den Kitas vollständig. Dabei ist gerade das Kita-Mittagessen ein zentraler Bestandteil der frühkindlichen Bildungs- und Sozialpolitik. In Kitas dient das Mittagessen nicht nur der körperlichen Ernährung, sondern fördert auch die geistige, soziale, motorische und kognitive Entwicklung der Kinder. Es vermittelt elementare Fähigkeiten, die den späteren Schulerfolg maßgeblich beeinflussen.

Der VKMK kritisiert zudem das bestehende System des kostenlosen Schulmittagessens als Beispiel einer ineffizienten „Gießkannen-Politik“, bei der Maßnahmen ohne gezielte Anpassung und Überprüfung der Effektivität umgesetzt werden. Das Programm habe sich zu einem „planwirtschaftlichen Monster“ entwickelt, das täglich tonnenweise unberührte Lebensmittel in den Müllcontainern der Schulen enden lässt. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: „Das kostenlose Schulmittagessen hat bisher wenig zur nachhaltigen Armutsbekämpfung beigetragen. Das Bildungs- und Teilhabepaket sichert sozioökonomisch schwachen Familien bereits den Anspruch auf kostenfreie Schulmahlzeiten. Ironischerweise profitieren jetzt vor allem Familien von der Kostenfreiheit, die sich das Schulessen auch selbst leisten könnten.“ Angesichts der jährlichen Kosten von 180 Millionen Euro stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Effizienz dieser Mittelverwendung.

Békési fordert eine Neuausrichtung der Debatte: „Die Diskussion um das kostenlose Schulmittagessen muss beendet werden – zumindest in der aktuellen Finanzierungsform. Die Forderungen der Initiative schließen Kita-Kinder aus und sind daher diskriminierend. Diese ‚Umsonst-Gießkannen-Politik‘ untergräbt zudem den gesellschaftlichen Grundsatz, dass ‚breite Schultern mehr tragen können als schmale‘. Der Ansatz des Regierenden Bürgermeisters, die Kostenfreiheit auf BerlinPass-Familien zu beschränken, ist daher begrüßenswert.“ Der VKMK plädiert dafür, kostenfreies Mittagessen für alle BuT-berechtigten Familien – von der frühkindlichen Bildung bis zur Schule – zu sichern. Für alle anderen Familien sollte eine angemessene Kostenbeteiligung eingeführt werden.

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Neue Studie zeigt: Kita-Personal leidet unter besonders hohen Fehlzeiten – VKMK fordert Maßnahmen

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Krankenversicherung DAK offenbart neue Zahlen zu krankheitsbedingten Ausfällen im Kita-Personal. Demnach sind die Ausfallzeiten in dieser Berufsgruppe im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich höher. Besonders besorgniserregend sieht die Situation in Berlin aus: Hier liegt die durchschnittliche Zahl der krankheitsbedingten Fehltage bei 35,7 Tagen pro Jahr.

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Krankenversicherung DAK offenbart neue Zahlen zu krankheitsbedingten Ausfällen im Kita-Personal. Demnach sind die Ausfallzeiten in dieser Berufsgruppe im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich höher. Besonders besorgniserregend sieht die Situation in Berlin aus: Hier liegt die durchschnittliche Zahl der krankheitsbedingten Fehltage bei 35,7 Tagen pro Jahr. Das sind 15,3 Tage mehr als im Durchschnitt anderer Berufsgruppen und 6,1 Tage mehr als im bundesweiten Durchschnitt des Kita-Personals. Diese Zahlen verdeutlichen eine Entwicklung im Kita-Bereich, insbesondere in der Hauptstadt, welche auch der Kita-Verband VKMK seit geraumer Zeit intern bei seinen Mitgliedern beobachtet. 

Mitglieder des VKMK berichten insbesondere von einem drastischen Anstieg der Atmenwegsinfektionen im Vergleich zu den Vorjahren. Diese Beobachtung wird durch die Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt, in welcher Atemwegsinfektionen als häufigste Ursache für krankheitsbedingte Ausfalltage identifiziert wurden. Die zweithäufigste Ursache sind laut Studie psychische Erkrankungen. In Berlin machen diese 20,5% aller krankheitsbedingten Fehltage im Kita-Personal aus. In einem Interview mit dem rbb Inforadio erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, dass dieser Trend unter anderem auf eine Vielzahl von zunehmenden Belastungen zurückzuführen ist, die in der Metropole Berlin besonders stark zusammenwirken, darunter sozioökonomisch schwache Herkunft, mangelnde Deutschkenntnisse und ein allgemeiner Anstieg an Verhaltensauffälligkeiten vieler Kinder.

Die neue Studie bestätigt die internen Beobachtungen des VKMK. Auch die Schlussfolgerung der Bertelsmann-Stiftung, dass die bereits ungünstigen Rahmenbedingungen im Kita-Bereich maßgeblich zu den erhöhten Fehlzeiten beitragen, teilt der Verband. „Wir befinden uns in einem klassischen Kreislauf“, so Békési. „Die hohe Arbeitsbelastung führt zu mehr Ausfällen, die wiederum die Belastung des verbleibenden Personals weiter erhöhen.“ Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, fordert der VKMK dringend Maßnahmen. „Eine Entlastung der Pädagoginnen und Pädagogen muss durch zusätzliches Personal, wie kaufmännische Verwaltungskräfte und unterstützendes Personal, erfolgen“, betont Békési, “Langfristig muss die Personalausstattung auf 120 % angehoben werden, um sicherzustellen, dass Kitas ausreichend personelle Kapazitäten haben, um Ausfälle zu kompensieren, ohne die Belastung der Fachkräfte weiter zu erhöhen.” Trotz der aktuellen Herausforderungen blickt Békési optimistisch in die Zukunft: „Wenn es uns gelingt, diese bereits bekannten Stellschrauben zu justieren, können wir unsere Pädagoginnen und Pädagogen deutlich entlasten und ihnen attraktivere Arbeitsbedingungen bieten. Dies würde nicht nur die derzeitige Situation entschärfen, sondern auch dazu beitragen, zukünftige Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu sichern.“

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Chancengerechtigkeit in der Kita: VKMK warnt vor möglicher Benachteiligung durch geplanten Partizipationszuschlag

Der Koalitionsvertrag 2023-2026 zwischen CDU und SPD sieht eine zielgerichtete Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung vor, um die Mittel dort einzusetzen, wo der Bedarf am größten ist. Damit soll die klassische “Gießkannen”-Politik beendet werden, ein Ansatz, den auch der Kitaverband VKMK unterstützt. Gleichzeitig warnt der VKMK jedoch davor, dass diese Neuausrichtung nicht dazu führen darf, sich lediglich auf eine Gruppe mit Förderbedarf zu konzentrieren und damit Gruppen an Kindern mit unterschiedlich begründeten Förderbedarfen gegeneinander auszuspielen.

Der Berliner Koalitionsvertrag 2023-2026 zwischen CDU Berlin und SPD Berlin sieht eine zielgerichtete Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung vor. Ziel ist es, die verfügbaren Mittel dort einzusetzen, wo der Bedarf am größten ist. Konkret heißt es im Vertrag: “Das erfolgreiche Bundesprogramm der Sprach-Kitas werden wir mit Mitteln des Kita-Qualitätsgesetzes als Landesprogramm weiterführen, weitere Instrumente der Sprachförderung verstetigen sowie eine Fortentwicklung der Zuschlagstatbestände mit einer stärkeren Fokussierung auf sozial benachteiligte Kinder, insbesondere hinsichtlich der Sprachbildung, ermöglichen.” (KOA-Vertrag 2023-2026). Damit soll die klassische “Gießkannen”-Politik in Berlin beendet werden. Ein Ansatz, den auch der Kitaverband VKMK unterstützt. Gleichzeitig warnt der VKMK jedoch davor, dass diese Neuausrichtung nicht dazu führen darf, sich ausschließlich auf eine Gruppe mit Förderbedarf zu konzentrieren und andere Kindergruppen mit unterschiedlichen Förderbedarfen zu vernachlässigen. Ein konkretes Beispiel stellt dabei der für 2025/2026 geplante Partizipationszuschlag dar. 

Der Partizipationszuschlag ist eine neue Wortschöpfung des Senats für Bildung, Jugend und Familie. Dieser Zuschlag soll ausschließlich an den Anspruch auf Bildung- und Teilhabe (BuT) gekoppelt werden und damit gezielt Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien unterstützen. Dies bedeutet jedoch, dass Zuschläge für die Bildung und Betreuung von Kindern nicht deutscher Herkunft (ndH) entfallen, sofern diese keinen BuT-Anspruch haben. Dabei benötigen auch diese Kinder häufig besondere Sprachförderung, um gleiche Bildungschancen zu erhalten und ihren Bildungsweg erfolgreich zu meistern. Derzeit erhalten Kita-Träger einen Zuschlag, wenn mehr als 40% der betreuten Kinder nicht deutscher Herkunft sind. Viele Mitglieder des VKMK argumentieren, dass diese Quote bereits zu hoch angesetzt ist. Ein Zuschlag sollte bereits ab dem ersten Kind nicht deutscher Herkunft gewährt werden, da die sprachlichen Herausforderungen und die entsprechende Förderung unabhängig von der Anzahl der betroffenen Kinder bestehen.

Die neu geregelte Verteilung der Zuschläge könnte somit eine bedeutende Gruppe von Kindern benachteiligen. Besonders in Berlin entspricht es nicht der Realität, dass alle ndH-Kinder ohne BuT-Anspruch aus wohlhabenden Familien stammen, die sich private Nachhilfe leisten können. Ein erheblicher Anteil dieser Kinder hat keinen BuT-Anspruch, benötigt aber dennoch gezielte Fördermaßnahmen. Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK, betont: “Durch die Einführung des Partizipationszuschlags besteht die Gefahr, dass Gruppen mit unterschiedlichen Förderbedarfen gegeneinander ausgespielt werden. Es ist nicht gerechtfertigt, die Förderung von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf zu reduzieren, nur weil ihr Bedarf nicht sozioökonomisch begründet ist. Ein solches Vorgehen widerspricht den Prinzipien der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Unseres Erachtens impliziert die Formulierung ‘mit einer stärkeren Fokussierung…’ weder die alleinige Fortentwicklung der Zuschlagstatbestände auf einen BuT-Bezug noch das Ziel, Kinder ohne soziale Benachteiligung, aber mit notwendigem Sprachförderbedarf, von einer gezielten Förderung auszuschließen.”

Der VKMK plädiert daher für einen Fördermechanismus, der keine Gruppe mit bestehenden Förderbedarfen ausschließt. Im Sinne der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit sollten alle Kinder entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse Zugang zu den notwendigen Fördermaßnahmen erhalten. Es darf keine Gruppe mit Förderbedarf vernachlässigt werden, um eine faire und gerechte Bildungspolitik für alle Kinder sicherzustellen. Eine Gewichtung der Fördermittel kann eine mögliche Lösung sein, aber der vollständige Ausschluss einer Gruppe mit Förderbedarf ist nicht akzeptabel. In Bezug auf die Verteilung der Zuschläge sieht Békési zudem die Notwendigkeit, eine weitere Herausforderung anzugehen: „Eine zentrale Aufgabe bei der Neugestaltung der Personalszuschläge wird es auch sein, diese automatisch im Rahmen des Kita-Chancenjahres an den Willkommensgutschein zu koppeln. Kinder, die diesen Willkommensgutschein erhalten, benötigen in der Regel nicht nur Sprachförderung, sondern auch weitere Unterstützungsmaßnahmen.“ Der VKMK appelliert an die politischen Verantwortlichen, bei der Umsetzung der neuen Zuschläge die Prinzipien der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Nur so kann eine gerechte und inklusive Bildungspolitik für alle Kinder gewährleistet werden.

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