Sprachförderung in der Kita: VKMK warnt vor ungleichen Bildungschancen durch selektive Förderlösungen

Der VKMK begrüßt grundsätzlich jedes Engagement zur Unterstützung von Sprachförderung in Bildungseinrichtungen. 

Gleichzeitig wird die aktuelle Entwicklung als Hinweis auf eine zunehmende strukturelle Verschiebung in der Berliner Bildungspolitik bewertet, bei der staatliche Verantwortung teilweise durch selektive Förderinstrumente und projektbezogene Ansätze überlagert wird.

Der VKMK erinnert daran, dass der Berliner Gesetzgeber mit der KitaFöG-Novelle vom 24.12.2025 und der damit einhergehenden Einführung des sogenannten Partizipationszuschlages  aktiv eine Förderlogik etabliert hat, die sich im Kern auf das alleinige Merkmal des Transferleistungsbezugs (BuT) konzentriert. 

Diese eindimensionale Ausrichtung verengt den Zugang zu Sprachfördermaßnahmen erheblich.

Aus fachlicher Sicht steht diese Konstruktion im Spannungsverhältnis zu etablierten Erkenntnissen der Bildungs- und Entwicklungsforschung. Sprachförderbedarf entsteht regelmäßig aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren, darunter sprachliche Umweltbedingungen, Bildungsnähe im Elternhaus, frühkindliche Interaktionsqualität sowie individuelle Entwicklungsverläufe. 

Eine alleinige Orientierung an sozialadministrativen Statusmerkmalen bildet diese Realität nur unzureichend ab.

Der VKMK weist darauf hin, dass daraus strukturell das Risiko einer Untererfassung tatsächlicher Förderbedarfe resultiert, wodurch künftig bis zu 60.000 Berliner Kinder mit erwiesenen Unterstützungsbedarfen nicht mehr systematisch erreicht werden.

Die Rolle frühkindlicher Bildung im Kontext wachsender Herausforderungen

Die Träger der frühkindlichen Bildung verfügen über hohe fachliche Expertise, erprobte pädagogische Konzepte sowie grundsätzlich auch über die notwendigen personellen und räumlichen Ressourcen, um Sprachförderung wirksam und individuell umzusetzen. 

Entscheidend ist jedoch nicht nur die Leistungsfähigkeit des Systems, sondern auch die Verlässlichkeit seiner Rahmenbedingungen.

Seit der Corona-Pandemie hat sich das Anforderungsprofil zusätzlich deutlich verändert. Kinder kommen zunehmend mit multiplen Entwicklungsherausforderungen in die Einrichtungen. Sprachförderung ist dabei nur ein Bestandteil eines deutlich komplexeren pädagogischen Gesamtauftrags.

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die frühkindliche Bildung im Vergleich zu früheren Jahren ihre Leistungen im Bereich Sprachförderung deutlich ausgebaut hat. Diese Entwicklung ist Ausdruck hoher Professionalität der Fachkräfte unter zunehmend komplexen Bedingungen. Sie reicht jedoch nicht aus, um die wachsenden und differenzierter werdenden Bedarfe vollständig zu kompensieren.

„Die frühkindliche Bildung leistet seit Jahren unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen einen erheblichen Beitrag zur Sprachförderung und zur Bildungsentwicklung von Kindern. Diese Leistung ist fachlich unbestritten und gesellschaftlich zentral. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende strukturelle Diskrepanz zwischen steigenden Anforderungen und der verfügbaren Systemunterstützung. Wenn externe Akteure zunehmend in die Sprachförderung einbezogen werden müssen, verweist dies nicht auf ein innovatives Modell, sondern auf eine fehlende strukturelle Kohärenz in der Bildungspolitik“, so Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK-Der Kitaverband.

“Die Einrichtungen verfügen über Kompetenz, Personal und pädagogische Konzepte, um Kinder individuell zu fördern. Was fehlt, sind verlässliche, langfristig tragfähige und bedarfsgerechte Rahmenbedingungen. Der Partizipationszuschlag verschärft diese Problematik, da er Förderzugänge entlang eines einzelnen sozialadministrativen Merkmals strukturiert. Bildungschancen dürfen jedoch nicht durch selektive Systemlogiken eingeschränkt werden. Erforderlich ist eine Förderarchitektur, die sich konsequent am individuellen Sprach- und Entwicklungsbedarf orientiert.

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Kinder fördern, Gesellschaft stärken: Die Kraft der frühkindlichen Bildung

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