Industrie 6.0: Digitalisierung zum Anfassen
Deutschland ist der weltweite Vorreiter in puncto Digitalisierung. In manchen Ohren mag dies zunächst abstrus klingen. Doch während in Singapur KI noch den Verkehr steuert, um Staus zu vermeiden, und in Estland nahezu alle Behördengänge 24/7 online abwickelbar sind, hat Deutschland begriffen, worauf es in der Digitalisierung wirklich ankommt: Haptik, zwischenmenschlicher Kontakt und Entschleunigung.
Denn was wäre schon ein digital ausfüllbares Dokument, wenn man es nicht mindestens einmal ausdrucken und in der Hand halten könnte, um sich daran zu erinnern, wie sich echtes Papier anfühlt? Was wären digital abwickelbare Vorgänge, wenn man nicht mindestens einmal mit dem Service in Kontakt treten müsste, um in Gemeinschaftlichkeit Lösungen zu finden? Und was wäre der Berufsverkehr, wenn man nicht mindestens 30 Minuten bei Schrittgeschwindigkeit die Autos seiner Mitmenschen, die Ingenieurleistung dahinter - vorzüglich natürlich der deutschen Automobilindustrie - sowie die ausgeklügelte Straßenführung samt Ampelschaltung bewundern dürfte?
Es würde uns entfremden - von der Gegenständlichkeit, den Menschen, der Zeit, der Digitalisierung und letztlich auch der Welt. Uns fehlte das Bewusstsein dafür, was Digitalisierung alles vermag. Wie etwa ein paar Holzfasern, zusammengehalten von Leim und gefärbt mit etwas Tinte, sich durch einen einfachen Scan in tausende Daten, in Bits und Bytes, übersetzen lassen. Wir wären uns des Wunders gar nicht mehr bewusst.
Deutschland befindet sich damit schon längst nicht mehr in der Zeit der Industrie 4.0 - also der Zeit der umfassenden Digitalisierung -, sondern gestaltet bereits die Ära der Industrie 6.0. Singapur und Estland werden diesen Fortschritt laut Prognosen erst nach einem globalen Total-Blackout erreichen. Und innerhalb dieser Ära zählen Berliner Kindertagesstätten zu den national führenden Pilotprojekten. Unter der Projektleitung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wurde bereits vor einigen Jahren die Verwaltung mit den Kindertagesstätten über die Software ISBJ vernetzt. Eine Software, die ihr stärkstes Feature, die Förderung zwischenmenschlicher Beziehungen, in den vergangenen zwei Jahren auf ein neues Level gebracht hat. Noch nie zuvor war der Austausch und die Bindung zwischen Kita-Trägern und den Mitarbeitenden im ISBJ-Trägerservice der SenBJF so intensiv. Gleichzeitig erschafft diese Software auf magische Weise Zeit. Zeit, von der man zuvor nicht wusste, dass sie im Alltag überhaupt existiert. Woher kommen auf einmal diese Stunden in der Woche, die man für das redundante Eintragen von Daten in das ISBJ aufwendet, da sie bei der digitalen Übermittlung verloren gegangen sind? Sie haben schlicht vorher nicht existiert.
Mit der geplanten Anbindung der digitalen Version des BeoKiz-Verfahrens, einem Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren für Kita-Träger, an das ISBJ geht die Senatsverwaltung nun noch einen Schritt weiter - und die Kita-Träger blicken bereits mit eifriger Vorfreude auf die Umsetzung. Endlich noch mehr Kontakt zum Trägerservice. Und vielleicht ist dies nun das ausschlaggebende Ereignis, um den Trägerservice zur digitalen Geburtstagsparty via der vom Senat bereitgestellten Videokonferenz-Plattform einzuladen. Aber denkt dran: Lieber nicht über Safari drauf zugreifen, denn über diesen Browser kann es zu Problemen kommen.
Willkommen in Industrie 6.0!