Kurzfristige Einsparungen, langfristige Mehrkosten: das „Vorschagsbuch“ - eine Fehlsteuerung im Bildungsbereich
Vergangene Woche wurde das sogenannte “Vorschlagsbuch: Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen” öffentlich. Das Dokument enthält rund 70 Vorschläge, wie in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe sowie Eingliederungshilfe Einsparungen vorgenommen werden können. Was als “Effizienter Ressourceneinsatz” verkauft wird, ist aus Sicht des VKMK - Der Kitaverband das genaue Gegenteil.
“Es ist verständlich, dass der Gesetzgeber in Zeiten knapper Kassen Haushaltskonsolidierungen vornimmt und nach Möglichkeiten sucht, gezielter und effizienter zu investieren. Eine wichtige Maßnahme, die auch im Vorschlagsbuch genannt wird, ist die Verschlankung und Optimierung von Verwaltungsprozessen und Bürokratie. In diesem Bereich sind unsere Mitglieder durch eigens implementierte Lösungen von Drittanbietern bereits weit fortgeschritten. Gerne stehen wir daher zur Verfügung, um die Umsetzung entsprechender Maßnahmen mit unserer fachlichen und praktischen Expertise zu begleiten.” erklärt Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK.
“Mit Blick auf den Großteil der übrigen Vorschläge - insbesondere im Bereich der frühkindlichen Bildung - ist jedoch festzuhalten, dass sie das Ziel der Ressourceneffizienz verfehlen. Es zeichnet sich ab, dass Bildung primär unter dem Aspekt von Einsparpotenzialen betrachtet wird, während zugleich verkannt wird, dass Bildung selbst eine zentrale gesellschaftliche Ressource darstellt.” führt Békési aus. “Singapur beispielsweise hat Bildung aufgrund begrenzter natürlicher Ressourcen bewusst zur wichtigsten nationalen Ressource erklärt - sie fungiert dort gewissermaßen als natürlicher Rohstoff. Und das nicht ohne Grund: Die internationale Forschung, insbesondere die Arbeiten des Wirtschaftsökonomen und Nobelpreisträgers James J. Heckman, zeigen dass Investitionen in die frühkindliche Bildung zu den höchsten gesellschaftlichen Renditen führen - mit Erträgen von bis zu 13 % jährlich. Im Vergleich dazu erreichen Kapitalmarktanlagen in der Regel nicht annähernd vergleichbare Renditen.”
Einsparungen in der frühkindlichen Bildung hingegen werden langfristig zu steigenden Folgekosten führen, etwa durch einen erhöhten Bedarf an schulischer Nachqualifizierung und sozialen Sicherungssystemen. “Statt zentrale Maßnahmen zu streichen, sollte daher ganzheitlich analysiert werden, wie Effizienz bei gleichbleibend hoher Qualität erreicht werden kann. Ein enger Austausch mit der Praxis ist dabei unerlässlich, um fundiert zu bewerten, welche Maßnahmen tatsächlich zielführend sind und wie Prozesse effizienter gestaltet werden können. Doch fest steht bereits jetzt: Die höchste Effizienz bei gleichbleibender Qualität im Bildungssystem wird durch Investitionen in die frühkindliche Bildung erreicht.” betont Békési abschließend.