Vorschulpflicht allein schafft keine besseren Bildungschancen -VKMK fordert stattdessen Stärkung der Bildungsqualität
Der Wunsch nach verlässlicher frühkindlicher Bildung ist groß: Laut ifo Bildungsbarometer 2026 befürworten 72 Prozent der befragten Erwachsenen und 74 Prozent der Eltern ein verpflichtendes Kita-Jahr vor der Einschulung.
Diese Zustimmung nimmt der VKMK – Der Kitaverband ernst. Die entscheidende fachliche Frage lautet jedoch, was Kinder in diesem Jahr und bereits davor tatsächlich an Bildung und Förderung erhalten. Das Bildungsbarometer erfasst Einstellungen; es belegt keine Wirkung einer Besuchspflicht.
Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK – Der Kitaverband, erklärt:
„Ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr (eine „Klasse 0“) schafft für sich genommen noch keine besseren Bildungschancen. Kinder müssen früh erreicht werden. Und wenn Fachkräfte einen Sprach- oder Entwicklungsbedarf erkennen, brauchen sie Zeit und Mittel, um jedes Kind im Kita-Alltag wirksam zu fördern. Diese Förderung darf nicht erst kurz vor der Einschulung beginnen.“
Ähnliche Bedenken werden auch in der aktuellen Debatte um das angekündigte verpflichtende Vorschuljahr in Baden-Württemberg geäußert. Kritische Stimmen bezweifeln, dass ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr allein die erhoffte Verbesserung von Bildungschancen bewirken kann. Zugleich wird davor gewarnt, dass die Umsetzung erhebliche finanzielle und organisatorische Ressourcen binden könnte, die an anderer Stelle - etwa bei der Weiterentwicklung der Bildungsqualität - fehlen würden.
Für den VKMK gehören deshalb Zugang und Qualität zusammen. Familien, deren Kinder bislang keine Kita besuchen, müssen gezielt angesprochen und Zugangshürden abgebaut werden. In den Einrichtungen braucht es ausreichend Fachkräfte, verlässliche Zeit für Beobachtung und Sprachbildung sowie eine Finanzierung, die individuelle Förderung und die Zusammenarbeit mit Grundschulen ermöglicht. Eine hohe Besuchsquote allein sagt noch nichts darüber aus, ob diese Bedingungen erfüllt sind.
Der VKMK fordert daher, vorhandene Mittel vorrangig für frühe, kontinuierliche und bedarfsgerechte Förderung im bestehenden Kita-System einzusetzen.
Wer gleiche Startchancen will, muss nicht nur den Besuch verbindlich machen, sondern gute Bildung für jedes Kind verlässlich ermöglichen.