Presse VKMK Presse VKMK

Prävention gegen Jugendgewalt beginnt bei den Jüngsten.

Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden.

Beim zweiten Gipfel gegen Jugendgewalt, der am 22.02.2023 in Berlin auf Einladung der regierenden Bürgermeisterin stattfand, wurden konkrete Maßnahmen vorgestellt und thematisiert zur Prävention von Jugendgewalt für die kommenden 2 Jahre (2023-2024). 

 

Unter dem Namen “Initiative für mehr Respekt - Berlin gegen Jugendgewalt” haben sich die Bezirke, zuständige Senatsmitglieder, die Generalstaatsanwältin in Berlin, die Landesbeauftragte für Integration und Migration, die Polizeipräsidentin in Berlin, die Landeskommission gegen Gewalt, sowie weitere Akteurinnen und Akteure aus der Jugend- und Jugendsozialarbeit, gemeinsam, zum zweiten Mal besprochen. Neben diversen Initiativen, die insbesondere Schüler:innen und Jugendliche betreffen, wurde unter anderem auch über das bereits bestehende Modellprojekt der Kita-Sozialarbeit gesprochen, welches in 16 weitere Standorte, in sozial benachteiligten Quartieren, ausgeweitet werden soll. Die Idee: Problemlagen im Leben des Kindes frühzeitig erkennen, um hier Hilfestellung zu leisten und somit auch den anschließenden Übergang in das Schulsystem zu erleichtern. 

Während wir die Thematisierung und insbesondere das Bedenken der Kindertagesstätte im Zuge dieser Diskussion sehr begrüßen, sowie ebenfalls den allgemeinen Schritt zu mehr Unterstützung von Kindern und Jugendlichen als sehr wichtig und richtig erachten, sogar den direkten Fokus bisweilen hier lange vermisst haben, sind wir doch erstaunt über die sehr zurückhaltenden Maßnahmen, die den Kitas zuteilen werden.  

Das Modellprojekt "Kita Sozialarbeit" wurde bis dato mit einem Budget von ca. 300.000 Euro ins Leben gerufen. Ein kleiner Tropfen auf dem berüchtigten heißen Stein. Und obgleich jede finanzielle Hilfestellung benötigt und somit dankbar angenommen wird, so wird doch recht schnell deutlich, dass die Rahmen des Möglichen bisher, keine nachhaltige Veränderung bewirken können. Denn, wenn man für die 190.000 Kitakinder in Berlin jeweils lediglich 2 Euro pro Tag, pro Kind, bereitstellen würde, um eine deutliche Veränderung anzustreben, so käme man auf einen benötigen Finanzierungsrahmen von ca. 1,9 Millionen Euro.  

Kinder,- und Jugendhilfe sollte keine “Entweder, Oder”-Frage sein. 

Etliche Studien, seit Jahrzehnten, unterstreichen immer und immer wieder, dass die fundamentalen Kompetenzen eines Erwachsenen im Kleinkindalter geformt und gefestigt werden. Insbesondere der Altersabschnitt 0-3 Jahre spielt hier eine immens bedeutsame Rolle. Kinder,- und Jugendhilfe sollte demnach keine “Entweder, Oder”-Frage sein, sondern alle Altersgruppen gleichsam berücksichtigen und hier abholen, wo sie sich befinden. Während es zweifellos unverzichtbar ist, Kindern und Jugendlichen zu helfen, sie zu fördern und zu stützen, insbesondere in sozial benachteiligten Quartieren, ist es ebenso wichtig Kleinkindern, aus den selbigen sozialökonomischen Verhältnissen, die die positive Entfaltung des Kindes beinträchtigen, den Start in das Leben zu ermöglichen, der Möglichkeiten auf etwaige künftige Abwege bereits nachhaltig reduzieren könnte. 

 

Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung.

Wichtige Kompetenzen, die in diesem Altersabschnitt in der Vermittlung verpasst wurden, treten in den anschließenden Schuljahren in einem neuen Gewand in Erscheinung: Durch Ausgrenzungs- und Frustrationserfahrungen und damit ebenfalls verbunden; vielen weiteren verpassten Chancen auf Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten.  Die Entwicklungsphasen, die stufenweise nach oben führen sollten, um aus einem Kleinkind/Kind einen sozial-integrierten Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen, mit den notwendigen Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben zu bilden, ähneln bei diesen Kindern, oftmals einer Abwärtsspirale. Diese macht sich im Jugendalter schließlich deutlich bemerkbar, durch Wut, die mannigfaltig in Erscheinung treten kann: Gegen sich selbst, berufliche und schulische Entfaltungsmöglichkeiten,  sowie letztlich auch durch emotionale oder körperliche Gewaltausübungen gegenüber u.a. auch anderen Personen. 

Für eine erfolgreiche Umsetzung, die sich positiv in den heranwachsenden Kindern, Jugendlichen und letztendlich Erwachsenen der Bundesrepublik abzeichnen würde, ist es von äußerster Notwendig hier eben genau dort anzusetzen, wo man die künftige Entwicklung noch deutlich lenken und ändern kann und hierbei sämtliche gesellschaftlichen Sozialschichten zu bedenken, was eine flächendeckende Ausweitung der Kita-Sozialarbeit unverzichtbar macht. 

Eine Anpassung der Finanzierungssummen, sowie ein realistisches Abdecken der aktuellen Problemfelder in den Kitas Berlins ist demnach unerlässlich. 

Eine starke Unterfinanzierung, gepaart mit hoher Überbelastung, führten in den vergangenen Jahren selbsterklärend zu einer Abnahme an Bewerbungen und einem Anstieg an Abgängen. Das Dilemma spiegelt sich im heutigen Personalmangel wider, welcher ohne Zweifel nicht nur auf dem Arbeitsmarkt erkennbar ist, sondern auch in der Qualität der pädagogischen Arbeit und somit auch nachhaltig an den mannigfaltigen Kompetenzen, die den Kleinkindern im Rahmen der Kita hätten vermittelt werden sollen und müssen, und hier jedoch zunehmend an die Grenzen des Möglichen stoßen. Die bisherige Finanzierungssumme, die der Kita-Sozialarbeit zuteilwurde, war bereits nicht ausreichend, um hier qualitativ nachhaltige Veränderungen anstreben zu können. Eine Ausweitung dessen im Zuge des Themas “Berlin gegen Jugendgewalt” sollte hier zu einer einzelnstehenden Diskussion führen, mit einer realistischen Abbildung des aktuellen Finanzierungsrahmens und einem Abgleich dessen mit den aktuellen Problemfeldern.  

Wir erachten eine finanzielle Förderung von mindestens 2 Euro pro Kind, pro Kita-Tag, im Rahmen der Kitasozialarbeit, als unerlässlich um hier aktiv Präventionen gegen Jugendgewalt umsetzen zu können. 

 

Für ein realistisches Abbild der Gesamtsituation in den Kitas Berlins, des benötigten finanziellen Rahmens, sowie nachhaltige Ansätze für Veränderung in der Präventions-Arbeit gegen Jugendgewalt, laden wir den Finanzsenators, sowie die Jugendsenatorin Berlins gerne für ein Gespräch ein. 

Weiterlesen
Stellungnahme VKMK Stellungnahme VKMK

Anhörung des VKMK im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie des Abgeordnetenhauses

Am heutigen Donnerstag, den 2. Juni findet die 9.Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jungend und Familie des Abgeordnetenhauses statt, zu der unser Geschäftsführer Lars Békési als Anzuhörender eingeladen wurde.

Am heutigen Donnerstag, den 2. Juni findet die 9.Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie des Abgeordnetenhauses statt, zu der unser Geschäftsführer Lars Békési als Anzuhörender eingeladen wurde.

Kitaplatz-Ausbau

Dabei werden zwei Fragestellungen behandelt werden. Zuerst: „Voraussetzungen für die Umsetzung des Kitaentwicklungsplanung 2022/23: Was wird benötigt?“

Bei dieser Frage geht es im Wesentlichen um den Kita-Ausbau. Die Kosten im Baugewerbe sind bereits in den zehn Jahren vor der Pandemie kontinuierlich gestiegen. Das wird am Baupreis-Index deutlich, der in diesem Zeitraum einen Anstieg von 29 Prozentpunkte verzeichnete. 

Diese Situation hat sich in den vergangenen Monaten noch verschärft. Durch die Pandemie und zuletzt durch den Krieg in der Ukraine sind die Baupreise noch stärker als in den Vorjahren angestiegen. 

Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise für Baumaterialien signifikant an: 

  • Bauholz: 39,4%

  • Kraftstoffe: 54,7%

  • Bitumen: 69%

  • Betonstahlmatten: 71,6%

  • Betonstahl (Stäbe): 79% 

Daraus folgt, dass die Kosten für den Bau eines Kitaplatzes um ein Vielfaches höher sind, als die vom Senat veranschlagten Gelder zur Förderung des Platzausbaues. Die kommenden Baukosten werden selbst die bisherigen Baukosten pro Kitaplatz des Landes Berlin für deren Modulbaukitas übersteigen. Deshalb werden die im derzeitigen Doppelhaushalt bereitgestellten Gelder von 56 Millionen Euro nicht ausreichen.

Neben den Baukosten sind zugleich auch die Kosten für die Verpflegung erheblich gestiegen, wie wir in der Vergangenheit mehrfach berichtet haben.

Um insbesondere kleinen und mittelgroßen Kitaträgern, die 50 % aller Kitaplätze in Berlin bereitstellen, die qualitätvolle Bildungsarbeit für Ihre Kinder zu sichern, bedarf es neben einer kurzfristigen Sonderzahlung auch einer langfristigen Anpassung der gesetzlichen definierten Obergrenze für pädagogische Zusatzleistungen.

Fachkräfte-Mangel

Das zweite Thema geht aus einer Frage der CDU-Fraktion hervor und betrifft die Benachteiligung der Beschäftigten Freier Kita-Träger durch den Senat. Diese wird durch Sonderzahlungen und Zulagen wie der „Hauptstadtzulage“ und ähnlichem verursacht. Es bleibt abzuwarten, wieviel Zeit der auf fünf Minuten begrenzten Anhörung für das zweite Thema übrigbleiben wird und ob die Abgeordneten die Chance für Nachfragen nach dem Vortrag nutzen werden.

Grundsätzlich gibt es keinen Kitaausbau ohne entsprechende Fachkräfte für ein multiprofessionelles Kita-Team. Das wird deutlich am Beispiel Lichtenbergs:

Bei der derzeitigen Baugeschwindigkeit im Bezirk könnten die benötigten Plätze fast komplett gebaut werden. Allerdings sind jetzt schon 1.144 Kitaplätze aufgrund fehlender Fachkräfte nicht besetzt, sodass die Zahl der in Betrieb stehenden Kitaplätze stagniert.

Wie dieses Beispiel deutlich zeigt, muss der Kita-Ausbau mit einem Anstieg der zur Verfügung stehenden qualifizierten Fachkräfte einhergehen.

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

Beginnt das große Kita-Sterben?

Die frühkindliche Bildungslandschaft in Berlin steht am Abgrund. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Hälfte aller Kitaplätze in Berlin von Schließungen bedroht sein.

Die frühkindliche Bildungslandschaft in Berlin steht am Abgrund. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Hälfte aller Kitaplätze in Berlin von Schließungen bedroht sein.

Wie konnte es soweit kommen?

Knapp 90% der Berliner Kitaplätze werden von Freien Trägern betrieben und mehr als die Hälfte davon wird von kleinen und mittelgroßen Trägern gestellt. Damit sind sie die systemrelevanten Leistungsträger der Frühen Bildung. 

Die bereits vor fünf Jahren durch die Analyse der Kitagestehungskosten im Land Berlin (Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. aus Frankfurt / a.M. – im Auftrag der Jugendsenatorin) festgestellte 30-prozentige Unterfinanzierung der kleinen und mittleren Kita-Träger wurde durch die bis heute beschlossenen „Anpassungen der Sachkosten“ (2018-2021 in Summe: 10%, 2021-2025 in Summe: 6,66%) nicht behoben.  

Durch die bereits vor der Pandemie drastisch gestiegenen Gewerbemietkosten waren insbesondere kleine Kita-Träger bereits stark belastet. Die in den letzten zwei Jahren gestiegene Inflation brachte zusätzlich einen enormen Anstieg der Kosten für die Bereitstellung der Verpflegung für die Kinder sowie weiterer Betriebskosten mit sich. Durch die Entwicklungen auf dem Energiemarkt sind alle Berliner Kita-Träger obendrein noch von großen Nachzahlungen bei den nun eintreffenden Betriebskosten-Abrechnungen betroffen.  

Die gesetzlich definierte Kostenbeteiligung der Eltern an der Mittagsversorgung in Höhe von 23 Euro ist seit mehr als einem Jahrzehnt unverändert. Auch mögliche neue Fördervereine zur Unterstützung bringen den kleinen Kita Trägern und ihren Eltern keine signifikante Entlastung, da der Verwaltungsaufwand den Nutzen bei weitem übersteigt.  

Neben der angespannten wirtschaftlichen Lage bedroht der noch immer bestehende Fachkräftemangel die Berliner Kitalandschaft. Eine weitere Belastung ist die durch das Land Berlin einseitig gezahlte “Hauptstadtzulage” für Beschäftigte der landeseigenen Kitas. Damit werden die Freien Träger diskriminiert, weil bei gleicher Arbeit keine Lohngleichheit herrscht. Daran hält auch die Regierende Bürgermeisterin weiterhin fest und befördert somit eine soziale Spaltung innerhalb der Berliner Erzieher:innenschaft. 

Aus diesen genannten Gründen sind vor allem die systemrelevanten kleinen und mittelgroßen Kita-Träger mannigfach belastet und in Ihrer frühkindlichen Bildungsarbeit existentiell bedroht – was nahezu die Hälfte aller Berliner Kitaplätze betrifft.

Allein die nun eintreffenden Betriebskosten-Abrechnungen bringen viele Einrichtungen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit, der fatalerweise nur durch Personalabbau begegnet werden kann, um die Kitaplätze zu erhalten. Das geht jedoch zulasten der Qualität in der Einrichtung und verringert die Bildungschancen der Kinder.

Rahmenvereinbarung über die Finanzierung anpassen

Die dringendste Aufgabe des Finanzsenators sowie der Jugendsenatorin ist es, die Sachkostenpauschale in den nächsten Wochen an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. 

Dabei müssen die aktuellen Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich zur Grundlage genommen und endlich eine Anpassung der Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen für Kinder nachverhandelt werden. 

Um Kita-Schließungen zu vermeiden, die Qualität in der Frühen Bildung zu sichern und die Vielfalt in der Berliner Kita-Landschaft aufrecht zu erhalten, benötigen wir eine Erhöhung um rund 20% bei den Sachkosten. Diese notwendigen Mittel müssen sich dann auch im gerade verhandelten Doppelhaushalt 22/23 wiederfinden. In seiner derzeitigen Form, mit weitreichenden Kürzungen in der Bildung, ist er weit davon entfernt, ein zukunftsweisender Haushalt zu sein.

Weiterlesen
Presse VKMK Presse VKMK

Wir müssen mitreden – VKMK reicht Klage ein

Nachdem viele Versuche scheiterten, den Berliner Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) als Verhandlungspartner über die Rahmenvereinbarung zur Finanzierung und Leitungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV-Tag) mit an den Verhandlungstisch zu bringen, reichen wir nun Klage gegen diese Diskriminierung ein.

Nachdem viele Versuche scheiterten, den Berliner Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) als Verhandlungspartner über die Rahmenvereinbarung zur Finanzierung und Leitungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV-Tag) mit an den Verhandlungstisch zu bringen, reichen wir nun Klage gegen diese Diskriminierung ein. 

Grund zur Klage

Der VKMK vertritt die Freien kleinen und mittelgroßen Kita-Träger und hat somit ein Recht darauf, als Verhandlungspartner über die Rahmenbedingungen zur Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen (RV Tag) von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie eingeladen zu werden. Rund 90% der Berliner Kitaplätze werden von gemeinnützigen Freien Trägern betrieben, während das Land Berlin lediglich ein Zehntel der Kitaplätze selbst vorhält. Deshalb handelt das Land Berlin mit Vertreter:innen der Freien Träger die Rahmenbedingungen in der RV-Tag aus und schließt darüber einen Vertrag mit ihnen ab. Derzeit sind nur die LIGA sowie der Dachverband der Kinder- und Schülerläden als Verhandlungspartner zugelassen. Die LIGA (AWO, Diakonisches Werk, Caritas u.a.) vertritt nur einen begrenzten Teil der Freien Träger und der Dachverband der Kinder- und Schülerläden seinerseits handelt als Interessenvertretung von Eltern-Kind-Initiativen. Die größte Gruppe – insbesondere kleine und mittelgroße Freie Träger – werden aber durch den Ausschluss des VKMK nicht an den Verhandlungen beteiligt. Eine begrenzte sowie nicht repräsentative Auswahl an Vertreter:innen der Freien Träger bei den RV-Tag-Verhandlungen ist allerdings nicht im Gesetz vorgesehen.

Der VKMK repräsentiert derzeit über 10.000 Kitaplätze, was in etwa den Kitaplätzen des Dachverbandes der Kinder- und Schülerläden entspricht. Wir haben uns in der Pandemie mit vielen Konzepten und Lösungsansätzen, beispielsweise zu Kohorten, Raumluftfiltern, vorgezogenem Impfangebot und PCR-Lolli-Test, eingebracht. Diese wurden vielfach von anderen Verbänden übernommen, unterstützt und von der Senatsverwaltung umgesetzt. Deshalb müssen wir als der konstruktive, ergebnisorientierte Vertreter der kleinen und mittelgroßen Freien Träger künftig zu den Verhandlungen eingeladen werden, um auch bei der Vergabe der Finanzmittel mitsprechen zu können. 

Notwendiger Schritt

Ein weiterer Grund für unsere Klage ist, dass seit Jahren die Erkenntnisse zu betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen der Träger in den Verhandlungen kaum berücksichtigt werden. So wurden den rasant ansteigenden Gewerbemietkosten ebenso wenig Rechnung getragen, wie der allgemein hohen Inflation. Durch die Hauptstadtzulage, die nur den landeseigenen Kitas gezahlt wird, verletzt der Senat das Prinzip der Lohngleichheit bei gleicher Arbeit. Es besteht noch immer eine systematische Unterfinanzierung der Freien Träger, die wir in Stellungnahmen, Pressemitteilungen und Gesprächen mit der Senatsverwaltung immer wieder angemahnt haben. Doch stattdessen wurde in der Pandemie ein “Solidarbeitrag verhandelt“, der eine unbegründete Rückzahlung von 20 Millionen Euro zur Folge hatte. Diese Verhandlungsergebnisse wären mit unserer Beteiligung nicht in dieser Form zu Stande gekommen.

Wir hätten diese juristische Klärung gern vermieden. Da aber alle außergerichtlichen Versuche, dieses Ziel zu erreichen, scheiterten, sehen wir uns nunmehr in der Pflicht, im Sinne unserer Mitglieder eine gerichtliche Überprüfung des bestehenden Verstoßes gegen das grundgesetzlich verbürgte Recht auf Gleichbehandlung vornehmen zulassen.

Lars Békési, Geschäftsführer des VKMK: “Wir betonen hier nochmals unmissverständlich, dass es uns als Verband nicht um ein subjektives Empfinden geht. In den letzten Jahren hat sich aber die vielfältige Freie Kitaträgerschaft als ein elementarer Bestandteil zur Sicherung und Umsetzung des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz entwickelt. Dennoch hält das Land Berlin seit über 20 Jahren an alten Strukturen fest und ignoriert diese gesellschaftliche Tatsache.” 

 

Weiterlesen
VKMK VKMK

Brennpunktzulage scheitert am Anspruch der Gerechtigkeit 

Wie ein guter Vorsatz zu mehr Ungerechtigkeit führen kann, erleben wir derzeit mit der Brennpunktzulage. Deshalb begründen wir im Folgenden unsere Ablehnung dieser Maßnahme in der angedachten Umsetzung und bieten einen Alternativvorschlag an.

Wie ein guter Vorsatz zu mehr Ungerechtigkeit führen kann, erleben wir derzeit mit der Brennpunktzulage. Deshalb begründen wir im Folgenden unsere Ablehnung dieser Maßnahme in der angedachten Umsetzung und bieten einen Alternativvorschlag an. 

Wo beginnen die Probleme auf dem Stadtplan? 

Wenn eine Kindertagesstätte sich in einem Kiez mit Quartiersmanagement befindet, kann sie eine Brennpunktzulage beantragen, gleiches gilt für Gebiete im Monitoring Soziale Stadtentwicklung, kurz MSS-Gebiete. Da die Grenzen der förderbedürftigen Gebiete klar gezogen sind, kommt es unweigerlich zu ungerechten Grenzfällen. Liegt die Kita auf der anderen Straßenseite nicht mehr in einem „offiziellen“ Brennpunkt, ist sie zwar nicht berechtigt, die Zulagen zu beantragen, hat jedoch unter Umständen ähnliche Probleme wie die Kita auf der „sozial benachteiligten“ Straßenseite. Familien halten sich nicht an formelle Grenzen, aber oftmals an Kiezgrenzen, so auch bei der Wahl der Kita. Fördergebiete durchschneiden Kieze und gelebte Strukturen. 

Förderung mit Mengenrabatt 

Ebenso problematisch ist die Förderung ab einer bestimmten Menge an zu fördernden Kindern. Eine Kita kann eine Brennpunktzulage-Zulage beantragen, wenn sie einen förderbedürftigen Anteil von 30% der Kinder (Bildung und Teilhabe, BuT) in der Einrichtung überschreitet. Wenn bei 25 Kindern sieben Kinder einen BuT-Bedarf haben, erhält die Einrichtung keine Brennpunktzulage. Kommt am nächsten Tag ein weiteres BuT-Kind hinzu, wird eine Zulage gezahlt. Der Arbeitsalltag in der Kita wird sich hingegen an beiden Tagen nicht signifikant unterschieden haben. Anspruch auf einen BuT- Pass haben Familien, die oft in prekären Verhältnissen leben. Nicht alle Familien haben Informationen darüber, sind nicht in der Lage diesen zu beantragen oder erkennen nicht den Wert dieses Passes, so dass sie keine Beantragung anstreben. Der Fokus auf die Auswertung durch ISBJ spiegelt also nicht die wirklichen Verhältnisse in einer Einrichtung wider. 

Vielen Kitas wird die Hilfe verwehrt 

Da die Brennpunktzulage für PädagogInnen nur ausgezahlt wird, wenn der jeweilige Betrieb eine Tarifbindung eingegangen ist, entsteht wie bei der Corona-Prämie und Hauptstadtzulage eine Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Viele der Freien Kita-Träger in Berlin können keine Zulagen erhalten, da sie aufgrund einer zu geringen Finanzierung der Sachkosten durch die Senatsverwaltung keine Tarif-Löhne zahlen können. Jedoch stellen die Freien Kita-Träger 88% der Kitaplätze in Berlin. Das führt zu einem weiteren Wettbewerbsvorteil für die wenigen landeseigenen Betriebe und widerspricht dem Prinzip der Lohngleichheit bei gleicher Arbeit. 

Flexibles Brennpunkt-Budget für alle Kitas!

Die Statistiken und ISBJ- Auswertungen können helfen, aber sie sind kein Abbild des gelebten Alltags, weder in Familien noch in Einrichtungen. Die Schule hat es vorgemacht und bietet Schulsozialarbeit für alle Schüler an. Das Land Berlin fördert und fordert Schulsozialarbeit, um allen Kindern gleiche Bildungschancen einzuräumen sowie Kinder und Familien auf ihrem Bildungsweg zu begleiten und zu unterstützen. Sozialarbeit darf nicht erst in der Schule anfangen, Bildung beginnt in der Kita, denn hier in der ersten Bildungseinrichtung müssen die Kinder und Familien unterstützt werden. 

Kitasozialarbeit bietet hierbei einen guten Ansatz. Es können aber auch Gesprächsrunden für Familien, soziale Gruppenarbeit, Förderung Hochbegabter, Unterstützung bei Anträgen, Übersetzungshilfen und vieles mehr in einer Kita angeboten werden. Niederschwellig erreichen wir die Familien hier sogar besser als in der Schule. Ressourcen können erkannt und Benachteiligungen abgebaut werden. 

Nicht nur benachteiligte Familien sollten unterstützt werden, sondern allen Familien sollte diese Möglichkeit offenstehen. Jeder Kiez, jeder Bezirk, jede Familienkonstellation birgt eine Vielzahl an Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Hindernisse und Schwierigkeiten begleiten dabei alle Familien auf verschiedene Art und Weise. Ein Budget bietet die Möglichkeit, ausgehend von der aktuellen Lage vor Ort, zugeschnitten auf die tatsächlich betreuten Kinder und deren Familien flexibel Unterstützungsmöglichkeiten zu installieren. Dadurch wird das pädagogische Fachpersonal entlastet und kann sich der eigentlichen Arbeit in vollem Umfang widmen. 

Es kann ein erster und guter Schritt sein, mit den Brennpunktkiezen zu beginnen. Allerdings müssen auch die pädagogischen Fachkräfte mit der Unterstützung entlastet werden, die sie benötigen.  

Weiterlesen