Positionspapier Gute Kita
Gute KiTa schafft die Basis für die Lösung aller gesellschaftlicher Herausforderungen
Positionspapier Gute Kita des VKMK & Kindermitte
Präambel
Für die institutionelle Kindertagesbetreuung gab die damalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahr 2018 mit dem sog. „Gute-Kita-Gesetz“ (Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Verbesserung der Teilhabe in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege – KiTa-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz (KiQuTG) – das große Versprechen die Länder bei der Verbesserung der Qualität der Kindertagesbetreuung gezielt zu unterstützen.
Mit den darauffolgenden Jahren erlebte die Praxis sowie die begleitende wissenschaftliche Fachwelt die sehr unterschiedliche Ausprägung in der Umsetzung der Handlungsfelder in den jeweiligen Ländern und Kommunen. Vielerorts wurde der Elternbeitragsfreiheit eine größere Bedeutung als der Verbesserung der Qualität in den Kindertageseinrichtungen beigemessen. Demgegenüber gab es einzelne Länder und Kommunen, die mit den Handlungsmöglichkeiten aus dem Gute-KiTa-Gesetz ihren bereits eingeleiteten Weg zur Verbesserung der Rahmenbedingungen fortgeführt haben.
Um Kindern dauerhaft gute Bedingungen zum Aufwachsen und angemessene Rahmenbedingungen in den Kindertageseinrichtungen zu gewährleisten, benötigt die frühkindliche Bildung länderübergreifend weitere Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung. Hierbei müssen neben dem Bildungsauftrag der Abbau von Benachteiligungen im Zugang sowie die Aus- und Weiterbildung für die Fachkräfte im Vordergrund stehen.
Wir, Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger sowie Kindermitte – Bündnis für Soziales Unternehmertum und Qualität in der Kindertagesbetreuung begrüßen, dass der Bund die Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung mit der weiteren Ausgestaltung eines künftigen Qualitätsentwicklungsgesetzes befördern und fortentwickeln möchte. Insbesondere befürworten wir hierbei, dass sich der Bundesgesetzgeber bei der Ausgestaltung auf prioritäre Handlungsfelder, die der Qualitäts(fort-)entwicklung dienen, fokussiert.
Schwerpunkte
Für den inhaltlichen Diskurs zur Ausgestaltung eines Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes bringen wir folgende Schwerpunktaspekte ein:
Für die Kita, als dem ersten institutionellen Bildungsort für Kinder, stehen derzeit immer weniger Fachkräfte zur Verfügung. Diese Verknappung an Fachkräften hat neben dem demografischen Wandel weitere Gründe. Das Berufsbild der pädagogischen Fachkraft in Kitas ist weder finanziell noch politisch attraktiv besetzt.
Zunehmend steigen die Anforderungen an die Fachkräfte auf Grund immer weiterer Betreuungs,- Bildungs- und Sozialisierungsvorgaben, sozialer Verwerfungen und fachfremder Aufgaben. Gleichzeitig übernehmen die Kitaträger einen großen Teil der berufsbegleitenden Ausbildung. Dies bedeutet Verantwortung, die gern übernommen wird, aber auch mehr Arbeit.
Einerseits decken sich die bestehenden Ausbildungsinhalte oft nicht mit den Anforderungen in der täglichen Arbeit in den Einrichtungen und anderseits wird die Arbeitszeit der Auszubildenden voll auf den Personalschlüssel angerechnet. Somit entspricht der politisch dargestellte Betreuungsschlüssel nicht dem tatsächlichen Betreuungsschlüssel vor Ort, da hier Weiterbildung, Krankheit und Urlaub prozentual einberechnet werden müssen.
Unsere Erfahrungen zeigen, dass diese prozentuale Einberechnung den Fachkräften und Eltern nicht bewusst ist, sowie gleichfalls nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen. Dies führt zu Unverständnis auf allen Seiten und einer gefühlten oder tatsächlichen Überlastung.
Für die mittelbare pädagogische Arbeit wie Vorbereitungen, Entwicklungsdokumentationen, Elternarbeit stehen den Fachkräften nicht in allen Bundesländern klar definierte Stunden in der Woche zur Verfügung. Dort wo Zeit für mittelbare Pädagogik vorgesehen ist, kann sie aufgrund der Ausfälle und Personalmangels teilweise nicht realisiert werden; Aufgaben werden in der Freizeit erledigt oder angehäuft. Die Fachkräfte werden im Spannungsfeld zwischen ihren eigenen Ansprüchen an eine gelingende Bildungsarbeit und individuellen Förderung der Kinder, den Vorgaben der entsprechenden Aufsichtsbehörden und den Erwartungshaltungen der Eltern aufgerieben.
Für bessere Rahmenbedingungen für pädagogische Fachkräfte bedarf es:
- vollständige Entlastung der Pädagogen und Leitungen von fachfremden Verwaltungstätigkeiten
- die Zahlung eines angemessenen Ausbildungsentgeltes
- ausreichend Zeit für Praxisanleitung sowie
- regelmäßige verpflichtende Fort- und Weiterbildung für Fachkräfte sowie Leitungskräfte
- Qualifikation von Anleitungskräften und Berücksichtigung zeitlicher Ressourcen für eine professionelle Begleitung von Auszubildenden und Berufs- und Quereinsteiger: innen
- Schaffung professioneller Entwicklungsmöglichkeiten für päd. Fachkräfte durch Funktionsstellen als neue pädagogische Fach- und Führungspersonen ähnlich den Fachkräften Sprach-Kita
- Spezifische Vorbereitungszeiten für den Elementarbereich und gleichzeitiger Angleichung der Betreuungsrelation an den U3 - Bereich
- von Beginn an muss in dem Kontext der räumlichen Gestaltung auch die vollumfängliche digitale Ausstattung der Einrichtungen an sich sowie die digitale Bildung (Querschnittsaufgabe) als Qualitätsentwicklungsmerkmal bedacht werden
Harmonisierung von Gesetzen
Die Qualität von Kita und Ganztägiger Betreuung und Bildung zu entwickeln, ist nicht allein in einem Kita-Qualitätsgesetz zu entwickeln. Schnittstellen zu anderen Gesetzen müssen verändert werden, um Voraussetzungen für die Ziele im Kita-Qualitätsgesetz zu schaffen.
Änderungswürdige Gesetze sind insbesondere:
- Arbeitnehmerüberlassungsgesetz: Schulstandorte müssen hiervon explizit ausgenommen werden, um Kooperation von Jugendhilfeträger und Schule zu ermöglichen
- Aufstiegs-BaföG: In manchen Bundesländern mussten Fachschulen die Erzieher-Ausbildung umgestalten, sodass Praxis- und Theorie-Phasen der Vorgabe für Aufstiegs-BaföG entsprechen. Das BaföG sollte für sozialpädagogische Ausbildungen derart verändert werden, dass die Ausbildungen so gestaltet werden können, dass sie inhaltlich sinnvoll sind und die Fachschüler:innen bestmöglich in die Praxis integriert werden.
- Weitere Schnittstellen zu angrenzenden Regelungen sind zu prüfen.
Die Qualitätsentwicklung in der frühkindlichen Bildung ist eine zentrale Aufgabe, die nur gemeinsam von Ländern, Kommunen und Bund erfolgreich gestaltet werden kann. Gute KiTa schafft die Basis für die Lösung aller gesellschaftlicher Herausforderungen.
Wir, der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger sowie Kindermitte – Bündnis für Soziales Unternehmertum und Qualität in der Kindertagesbetreuung, bedanken uns für die Möglichkeit, zur Ausgestaltung eines Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes mit unseren inhaltlichen Beiträgen mitwirken zu können.
(Stand: 15.10.2022)
Liebe Leser:innen, Kitaexperten:innen, Eltern und Mitglieder,
Sie sind herzlich eingeladen Ihre Anmerkungen, Anregungen und Lösungsvorschläge bei unserem Kommentar-Feld zu hinterlassen und bestehende Kommentare zu diskutieren.
Unsere Stellungnahme im Wortlaut
Hier können Sie die Stellungnahme als PDF herunterladen.
Anhörung des VKMK im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie des Abgeordnetenhauses
Am heutigen Donnerstag, den 2. Juni findet die 9.Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jungend und Familie des Abgeordnetenhauses statt, zu der unser Geschäftsführer Lars Békési als Anzuhörender eingeladen wurde.
Am heutigen Donnerstag, den 2. Juni findet die 9.Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie des Abgeordnetenhauses statt, zu der unser Geschäftsführer Lars Békési als Anzuhörender eingeladen wurde.
Kitaplatz-Ausbau
Dabei werden zwei Fragestellungen behandelt werden. Zuerst: „Voraussetzungen für die Umsetzung des Kitaentwicklungsplanung 2022/23: Was wird benötigt?“
Bei dieser Frage geht es im Wesentlichen um den Kita-Ausbau. Die Kosten im Baugewerbe sind bereits in den zehn Jahren vor der Pandemie kontinuierlich gestiegen. Das wird am Baupreis-Index deutlich, der in diesem Zeitraum einen Anstieg von 29 Prozentpunkte verzeichnete.
Diese Situation hat sich in den vergangenen Monaten noch verschärft. Durch die Pandemie und zuletzt durch den Krieg in der Ukraine sind die Baupreise noch stärker als in den Vorjahren angestiegen.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise für Baumaterialien signifikant an:
Bauholz: 39,4%
Kraftstoffe: 54,7%
Bitumen: 69%
Betonstahlmatten: 71,6%
Betonstahl (Stäbe): 79%
Daraus folgt, dass die Kosten für den Bau eines Kitaplatzes um ein Vielfaches höher sind, als die vom Senat veranschlagten Gelder zur Förderung des Platzausbaues. Die kommenden Baukosten werden selbst die bisherigen Baukosten pro Kitaplatz des Landes Berlin für deren Modulbaukitas übersteigen. Deshalb werden die im derzeitigen Doppelhaushalt bereitgestellten Gelder von 56 Millionen Euro nicht ausreichen.
Neben den Baukosten sind zugleich auch die Kosten für die Verpflegung erheblich gestiegen, wie wir in der Vergangenheit mehrfach berichtet haben.
Um insbesondere kleinen und mittelgroßen Kitaträgern, die 50 % aller Kitaplätze in Berlin bereitstellen, die qualitätvolle Bildungsarbeit für Ihre Kinder zu sichern, bedarf es neben einer kurzfristigen Sonderzahlung auch einer langfristigen Anpassung der gesetzlichen definierten Obergrenze für pädagogische Zusatzleistungen.
Fachkräfte-Mangel
Das zweite Thema geht aus einer Frage der CDU-Fraktion hervor und betrifft die Benachteiligung der Beschäftigten Freier Kita-Träger durch den Senat. Diese wird durch Sonderzahlungen und Zulagen wie der „Hauptstadtzulage“ und ähnlichem verursacht. Es bleibt abzuwarten, wieviel Zeit der auf fünf Minuten begrenzten Anhörung für das zweite Thema übrigbleiben wird und ob die Abgeordneten die Chance für Nachfragen nach dem Vortrag nutzen werden.
Grundsätzlich gibt es keinen Kitaausbau ohne entsprechende Fachkräfte für ein multiprofessionelles Kita-Team. Das wird deutlich am Beispiel Lichtenbergs:
Bei der derzeitigen Baugeschwindigkeit im Bezirk könnten die benötigten Plätze fast komplett gebaut werden. Allerdings sind jetzt schon 1.144 Kitaplätze aufgrund fehlender Fachkräfte nicht besetzt, sodass die Zahl der in Betrieb stehenden Kitaplätze stagniert.
Wie dieses Beispiel deutlich zeigt, muss der Kita-Ausbau mit einem Anstieg der zur Verfügung stehenden qualifizierten Fachkräfte einhergehen.
Vorsätze der Koalition und unsere Umsetzung
Vor den Koalitionsverhandlungen haben alle drei beteiligten Parteien gute Vorsätze in ein gemeinsames Sondierungspapier geschrieben. Hier ist unser Thesenpapier, diese Vorsätze in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.
Vor den Koalitionsverhandlungen haben alle drei beteiligten Parteien gute Vorsätze in ein gemeinsames Sondierungspapier geschrieben. Hier ist unser Thesenpapier, diese Vorsätze in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.
Unsere Erwartungen an einen Rot-Grün-Roten Koalitionsvertrag
Nachdem sich Raed Saleh, Teil der sozialdemokratischen Doppelspitze im Berliner Landesverband, durchgesetzt hat und die SPD vor Koalitionsverhandlungen mit den Bündnis-Grünen und der Linken steht, möchten wir unsere Erwartungen im Folgenden konkretisieren.
Nachdem sich Raed Saleh, Teil der sozialdemokratischen Doppelspitze im Berliner Landesverband, durchgesetzt hat und die SPD vor Koalitionsverhandlungen mit den Bündnis-Grünen und der Linken steht, möchten wir unsere Erwartungen im Folgenden konkretisieren.
Zahlreiche Herausforderungen in der Frühen Bildung
Selbst aus den Koalitionsparteien ist zu vernehmen, dass ein Handeln, wie es in der vergangenen Legislaturperiode praktiziert wurde, ein Ende finden muss. Hierfür haben wir ganz konkrete Hinweise in Bezug auf die frühkindliche Bildung. Die Frustration in den Berliner Kitas ist groß. Ungleichbehandlung, Fachkräftemangel und eine mangelhafte Finanzierung haben bereits viele Einrichtungen zu Verzweiflung, oder schlimmer: zur Aufgabe gebracht. Im Folgenden möchten wir Lösungen für die dringendsten Probleme anbieten und zur Aufnahme in den Koalitionsvertrag empfehlen.
Funktionierende Rahmenbedingungen
Wir fordern die Beendigung der Unterfinanzierung der Kita-Träger. Das Bekenntnis von SPD, Bündnis-Grünen und Linken zu den Freien Trägern, die 88% der Kitaplätze in Berlin stellen, muss sich in einer finanziellen Gleichbehandlung äußern. Hauptstadtzulage und andere nur an landeseigene Träger ausgezahlte Sonderzahlungen müssen allen Berliner Kita-Teams zufließen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, sollte auch eine Selbstverständlichkeit im Berliner Bildungssystem werden.
Die Brennpunktzulage muss in eine Kitasozialarbeit für alle Einrichtungen umgewandelt werden, damit jedes einzelne Kind eine entsprechende individuelle Förderung von Beginn an erhält. In diesen Bereich fallen auch eine quotenfreie Sprachförderung sowie angemessene MINT-Förderung. Investitionen an dieser Stelle zahlen sich mehrfach im späteren Bildungsweg aus.
Kita-Träger und Fachkräfte müssen entlastet werden
Um die Aufgaben in der frühkindlichen Bildung meistern und den pädagogischen Beruf attraktiver zu gestalten, müssen die Einrichtung bei ihrer Arbeit entlastet werden. So fordern wir seit langem, die „mittelbare pädagogische Arbeit“ komplett an den Personalschlüssel anzurechnen, um das Personal vor Ort von der bestehenden dauerhaften Mehrfachbelastung zu befreien.
Den senatsseitig ermittelten Kitaplatzmangel in Höhe von 26.000 Plätzen können wir nur mit einem gut funktionierenden Kitaplatz-Ausbau begegnen. Dafür ist es wichtig, eine spürbare Entbürokratisierung des Genehmigungsverfahrens umzusetzen. Hierzu gehört ein „Fast Tracking“ mit einer Genehmigungsfiktion von 60 Tagen, um den endlosen Prozess der Baugenehmigung zu optimieren.
Wir fordern, noch in den ersten 100 Tagen des neuen rot-grün-roten Senates die aus der letzten Legislaturperiode versprochene Fachkonferenz zur Sachkostenpauschale durchzuführen und im Anschluss aus den Ergebnissen - insbesondere zur den Mietkosten - endlich den Weg zu einer 100%igen Finanzierung zu bereiten, sowie deren Umsetzung bis zum Ende der Legislatur abzuschließen.
Ein Digital-Pakt für die Kita
Ebenso wichtig ist es, einen Berliner Digital-Pakt-Kita zu entwerfen und innerhalb der Legislaturperiode umzusetzen. Dabei bedarf es neben einer gezielten „Anschubfinanzierung“ der Infrastruktur auch einer Bereitstellung von Geldern für Unterhalt, Wartung und Schulung der Fachkräfte. Das sollte für eine Kita mit 100 Kindern eine Investition von rund 5000€ sowie laufender Kosten von 300€ im Monat bedeuten.
Wir erwarten von den Koalitionsparteien ein klares Ziel, nämlich die Verbesserung der frühkindlichen Bildungsqualität, sowie einen konkreten Plan, dieses Ziel zu erreichen. Die von uns beschriebenen Maßnahmen müssen ein wichtiger Bestandteil dieses Planes sein