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Stark fürs Leben: Soft Skills von klein auf fördern

Unsere Welt wandelt sich stetig - und das mit einer zunehmenden Geschwindigkeit. Technologisierung, Globalisierung und geopolitische Spannungen scheinen die Welt immer komplexer werden zu lassen. Und ein Blick auf die Gesellschaft zeigt, dass der Umgang mit diesem Wandel ebenfalls eine Herausforderung darzustellen scheint: Die mentale Gesundheit leidet, Förderbedarfe steigen - und die Reaktion darauf? Die bleibt oft auf die Bekämpfung von Symptomen beschränkt. Betroffen sind nicht nur wir Erwachsene, sondern auch Kinder, die in diesem rasanten, komplexen Wandel aufwachsen.  

Unsere Welt wandelt sich stetig - und das mit einer zunehmenden Geschwindigkeit. Technologisierung, Globalisierung und geopolitische Spannungen scheinen die Welt immer komplexer werden zu lassen. Und ein Blick auf die Gesellschaft zeigt, dass der Umgang mit diesem Wandel ebenfalls eine Herausforderung darzustellen scheint: Die mentale Gesundheit leidet, Förderbedarfe steigen - und die Reaktion darauf? Die bleibt oft auf die Bekämpfung von Symptomen beschränkt. Betroffen sind nicht nur wir Erwachsene, sondern auch Kinder, die in diesem rasanten, komplexen Wandel aufwachsen.  

Daher möchten wir heute, am internationalen Kindertag, unseren Fokus darauf legen, wie wir Kinder besser auf einen gesunden Umgang mit der Welt vorbereiten können: Mit Prävention, mit Soft Skills, mit der Stärkung ihrer Persönlichkeit. 

Was sind Soft Skills - und warum sind sie so wichtig?

Soft Skills beschreiben persönliche Fähigkeiten und stellen damit das Gegenteil von Hard Skills - also fachlicher Kompetenz - dar. Zu den Soft Skills zählen beispielsweise soziale, emotionale und kognitive Kompetenzen - aber auch Resilienz, Adaptionsfähigkeit, Problemlösungsfindung, Medienkompetenz, Lernfreude, .. - und die Liste könnte noch sehr viel weiter gehen. Kurzum: Es handelt sich um Fähigkeiten, die Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit stärken und dabei helfen, sich in der Welt, in der Gesellschaft und im Berufsleben zurechtzufinden. Und genau diese Fähigkeiten sind essentiell in einer Zeit, in welcher aufgrund der stetigen und schnellen Veränderungen nicht klar abschätzbar ist, wie die Zukunft aussehen könnte. Wir können nicht genau wissen, welche Hard Skills in 10-20 Jahren gefragt sein werden, doch wir wissen, dass Soft Skills entscheidend dabei helfen werden, mit verschiedenen Zukunftsszenarien souverän umzugehen und sich auf Veränderungen einzulassen. Während in der Schule - insbesondere in der weiterführenden Schule - die Vermittlung von Hard Skills im Vordergrund steht, legt die frühkindliche Bildung den Grundstein für die Entwicklung von Soft Skills. Hier wird das Fundament für die Entwicklung persönlicher Kompetenzen gelegt, welche Kinder auf die Zukunft vorbereiten. Doch wie genau kann das im Alltag aussehen? 

Mit Gefühl und Gemeinschaft: Soziale und emotionale Kompetenzen in der frühkindlichen Bildung

Soziale und emotionale Kompetenzen beziehen sich vor allem auf den Umgang mit anderen und mit sich selbst. Teamfähigkeit, Empathie und emotionale Selbstregulation zählen hier beispielsweise dazu. Beginnen wir mit dem Umgang mit anderen. Kinder bringen in der Kita häufig eine wertvolle Grundlage mit: vorurteilsfreie Offenheit. Kinder erkennen Unterschiede, kennen aber keine trennenden Unterschiede. Durch den Besuch einer Kita, in der Kinder mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten und Hintergründen zusammenkommen, wird die Vielfalt für sie zur Normalität und Selbstverständlichkeit – und ihre Offenheit gegenüber Unterschieden wird weiter gestärkt. Empathie können Kinder in der frühkindlichen Bildung auf vielfältige Weise entwickeln und vertiefen. Zentral dafür ist die Fähigkeit zum Perspektivwechsel – und genau diese kann durch Rollenspiele, Theaterspielen oder auch das Erzählen und Erleben von Geschichten gefördert werden. Kinder schlüpfen dabei in die Rolle einer anderen Person, erleben eine andere Lebensrealität als ihre eigene – und tauchen so in eine neue Gefühlswelt ein. Auch der Morgenkreis ist ein wichtiger Schlüssel zur Förderung von Empathie: Hier erfahren Kinder, was andere beschäftigt und wie es ihnen geht. Gleichzeitig bietet der Morgenkreis die Möglichkeit, emotionale Selbstregulation zu erlernen – etwa durch das Reflektieren und Benennen eigener Gefühle. In diesem geschützten Rahmen, begleitet durch pädagogisches Fachpersonal, lernen Kinder, ihre eigenen Emotionen besser einzuordnen und mit ihnen umzugehen. Auch Rückzugsorte – wie Kuschelecken – und Bewegungsspiele zur Entspannung können Kinder dabei unterstützen, ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Emotionale Selbstregulation kann jedoch auch ganz unmittelbar im Miteinander geübt werden – etwa durch Gruppenspiele. Dabei lernen Kinder, die Gefühle anderer zu respektieren, ihre eigenen Emotionen auch einmal zurückzustellen, Regeln zu befolgen, Frustration auszuhalten, Impulse zu kontrollieren und Kompromisse auszuhandeln. All das stellt auch die Basis für Teamfähigkeit dar. 

Mit Kreativität die Zukunft gestalten: Von der Selbstentfaltung zur Problemlösungskompetenz

Kreativität ist leider eine in der Gesellschaft sehr unterschätzte Schlüsselkompetenz für die persönliche Entwicklung - wie man bereits daran erkennen kann, dass der Kunstunterricht an den Schulen im Laufe der Jahre im Schnitt zunehmend reduziert wurde - zugunsten leistungsorientierter Kernfächer. Aber weshalb ist Kreativität so wichtig? Das beginnt bei der Selbstentfaltung und Selbstwirksamkeit. Kreativ zu sein bedeutet, etwas Eigenes zu erschaffen: Gedanken, Geschichten, Ideen, Szenarien, Kunst. Dieser schöpferische Akt ist ein Ausdruck des individuellen Selbst, eine Möglichkeit, die eigene Perspektive sichtbar und wirksam werden zu lassen. Kreativität bringt einen in die Lage, in unterschiedlichste Richtungen zu denken, spielerisch Möglichen zu erforschen, scheinbar Unzusammenhängendes zu verknüpfen und neue Perspektiven zu entdecken. Es lehrt uns, kritisch zu hinterfragen, Ideen und Innovationen zu entwickeln sowie Lösungen für Probleme zu finden. Man könnte schon fast sagen, dass Kreativität dadurch eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen ist. Gleichzeitig bringt uns Kreativität bei, mit Unsicherheiten umzugehen und resilient zu werden, denn bei der Umsetzung von Ideen werden wir gerne auch mal mit Rückschlägen konfrontiert, die Überwindung erfordern. Und wie lässt sich Kreativität in der frühkindlichen Bildung fördern? Indem man Kindern Räume zum Erkunden, Erforschen und Gestalten eröffnet. Wenn Kinder über ausreichend Zeit und Raum verfügen, um sich auszuprobieren, legen sie das Fundament für kreatives Denken. Das kann in vielfältiger Weise verfestigt werden - etwa durch Malen, Basteln, Bauen, Singen, Tanzen und vielem mehr. Dabei können unterschiedlichste Materialien zum Einsatz kommen und verschiedenste Themen als Anlass dienen, ganz gleich ob im Rahmen eines Motto-Themas oder eines ganz besonderen Projekts wie etwa Upcycling. Ein besonderes Beispiel für die Förderung von Kreativität wollen wir aus Singapur - einem Land, in dem Soft Skills ganz oben auf der Agenda der frühkindlichen Bildung stehen - vorstellen: Dort entwickeln Kinder spielerisch und kindgerecht eigene kleine Business-Ideen. Was zunächst nach einer Überforderung klingen mag, ist in Wahrheit eine kreative Übung, die viele Kompetenzen verbindet: Ideenfindung, Umsetzung, Problemlösung, Teamarbeit und Präsentation. All das sind Bestandteile kreativen Denkens - angewendet in einem Kontext, der spielerisch bleibt, aber Zukunftsrelevanz hat. 

Digital lernen, sicher wachsen: Medienkompetenzen von klein auf

Kommen wir nun zur Medienkompetenz - einer Fähigkeit, die exemplarisch zeigt, wie sich auch die Anforderungen an unsere Kompetenzen im Laufe der Zeit verändert haben. Denn noch vor wenigen Jahrzehnten galt Medienkompetenz bei weitem nicht als Schlüsselkompetenz. Doch nun sind wir in einer Zeit angekommen, in welcher sie zu den wichtigsten Zukunftskompetenzen zählt - nicht nur, um in der Arbeitswelt Schritt halten zu können, sondern auch im Hinblick auf unsere mentale Gesundheit. Dabei handelt es sich um eine Kompetenz, die längst nicht mehr nur Erwachsenen vorbehalten ist, sondern vor allem auch Kindern frühzeitig vermittelt werden sollte. Denn so viele Chancen die Digitalisierung und Technologisierung auch bieten, ebenso viele Risiken bergen sie. Dies verdeutlichte erst kürzlich eine Auswertung von jugendschutz.net, in welcher deutlich wurde, dass Kinder und Jugendliche zunehmend Hass-Inhalten und sexualisierter Gewalt im Internet ausgesetzt sind. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt insbesondere vor dem übermäßigen Konsum sozialer Medien, da dieser sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken kann. Sie empfiehlt daher, Medienkompetenzen frühzeitig zu fördern. UNICEF wiederum macht in ihrem kürzlich erschienenen Ranking zum Wohlbefinden von Kindern deutlich, dass eine ausgewogene Nutzung sogar zu einer höheren Lebenszufriedenheit beitragen kann. Dies macht deutlich: Die Frage ist nicht ob, sondern wie Medien genutzt werden - und genau hier setzt Medienkompetenz an. Doch weshalb sollte man damit bereits in der frühkindlichen Bildung beginnen? Ganz einfach: Weil der Medienkonsum auch bei Kleinkindern drastisch gestiegen ist, wie die Studie miniKIM 2023 verdeutlichte. Demnach verfügt inzwischen jedes zehnte Kind im Alter von zwei bis fünf Jahren über ein eigenes Handy oder Smartphone - jedes fünfte Kind sogar über ein eigenes Tablet. 23% der Kinder in dieser Altersgruppe nutzen täglich ein Gerät mit Internetzugang. Umso wichtiger wird es also, bereits im frühen Kindesalter Medienkompetenzen zu fördern. Doch wie kann das konkret aussehen? Zunächst sollte klar sein: Es geht dabei keineswegs darum, Kinder einfach vor digitale Geräte zu “parken”, sondern vielmehr, um Medien spielerisch, altersgerecht und pädagogisch begleitet in den Alltag einzubinden. Besonders wichtig dabei ist, aufgrund des hohen Suchtpotenzials digitaler Medien klare Nutzungszeiten festzulegen. Beispielsweise können Tablets gezielt genutzt werden, um gemeinsam mit den Kindern altersgerechte Lernvideos anzusehen, in digitalen Bilderbüchern zu schmökern oder interaktive Geschichten zu entdecken. So lernen die Kinder ganz nebenbei, dass Medien Hilfsmittel zum Lernen und Erforschen sein können. Auch die kreative Anwendung von Medien lässt sich gut in den Kita-Alltag integrieren: durch kleine Audioaufnahmen, das Erstellen von Fotogeschichten oder kurzen Videos - etwa als digitale Ergänzung zu einem gemeinsamen Ausflug oder Projektthema. Ebenso zentral ist die gemeinsame Reflexion über Medienerlebnisse. Gespräche darüber, was Kinder zu Hause sehen, welche Apps sie nutzen oder ob sie Werbung erkennen können, hilfen ihnen, Inhalte besser einzuordnen und erste kritische Fragen zu stellen. 

Soft Skills bereiten Kinder von klein auf auf das Leben vor. Sie bilden die Basis dafür, dass Kinder später ein glückliches und erfolgreiches Leben führen können - und helfen ihnen schon im Hier und Jetzt gut im Leben, mit Veränderungen, Herausforderungen, mit sich selbst und mit anderen zurechtkommen. Während die Bedeutung von Soft Skills kein Geheimnis ist und in den Kitas viel dafür getan wird, diese zu fördern, ist es dennoch im Kita-Alltag oft schwierig, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Die dafür notwendigen Ressourcen - wie Personal, Zeit, Geld, Raum und Materialien - stehen häufig nur eingeschränkt zur Verfügung. Für die Entwicklung von Medienkompetenzen wäre zum Beispiel die Einführung eines Digitalpakts für Kitas ein wichtiger Schritt. Zur Förderung von Kreativität könnten Programme wie das Schulprojekt “MAX - Artists in Residence”, bei dem Künstler:innen ein Atelier in einer Schule erhalten und gemeinsam mit Kindern arbeiten, auch für Kitas modellhaft sein. Darüber hinaus könnte die gezielte Förderung mulitprofessioneller Teams - ergänzt etwa durch Theater-, Kunst- und Medienpädagog:innen - einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Soft Skills leisten. 

Wenn wir Kinder stark für die Zukunft machen und ihnen die bestmöglichen Startchancen bieten wollen, müssen jetzt die Bedingungen geschaffen werden, in denen sie ihre individuellen Stärken erkennen, entfalten und vertiefen können - und das beginnt bei einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung.  

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Kreativität fördern, Zukunft gestalten: Wie kreative Denkfähigkeiten in der frühkindlichen Bildung geweckt werden 

Vergangene Woche setzte sich ein Artikel im Tagesspiegel mit dem Bildungserfolg Estlands auseinander, der im PISA-Test 2022 deutlich wurde – demselben Test, der in Deutschland für einen großen Schock sorgte. Estland schnitt im Test als europäischer Spitzenreiter ab und lag in vielen Bereichen deutlich vor Deutschland – unter anderem auch in der noch jungen Disziplin des kreativen Denkens. Während Deutschland in diesem Bereich lediglich im OECD-Durchschnitt verweilt und der Erfolg stark von der sozioökonomischen Herkunft der Kinder abhängt – sozioökonomisch privilegierte Schüler:innen erzielten im Durchschnitt 11 Punkte mehr als ihre weniger privilegierten Mitschüler:innen –, liegt Estland über dem Durchschnitt.

Vergangene Woche setzte sich ein Artikel im Tagesspiegel mit dem Bildungserfolg Estlands auseinander, der im PISA-Test 2022 deutlich wurde – demselben Test, der in Deutschland für einen großen Schock sorgte. Estland schnitt im Test als europäischer Spitzenreiter ab und lag in vielen Bereichen deutlich vor Deutschland – unter anderem auch in der noch jungen Disziplin des kreativen Denkens. Während Deutschland in diesem Bereich lediglich im OECD-Durchschnitt verweilt und der Erfolg stark von der sozioökonomischen Herkunft der Kinder abhängt – sozioökonomisch privilegierte Schüler:innen erzielten im Durchschnitt 11 Punkte mehr als ihre weniger privilegierten Mitschüler:innen –, liegt Estland über dem Durchschnitt. Zudem beträgt der Unterschied im kreativen Denken zwischen sozioökonomisch besser und schlechter gestellten Schüler:innen lediglich 6,6 Punkte, womit die Chancengleichheit im kreativen Denken in Estland fast doppelt so hoch ist wie in Deutschland.

Doch weshalb ist kreatives Denken überhaupt wichtig? Und wie kann das bereits in der frühkindlichen Bildung nachhaltig gefördert werden? Diesen Fragen gehen wir heute – am Geburtstag eines Genies des kreativen Denkens, Leonardo da Vinci – etwas genauer auf den Grund!

Kreatives Denken als essentielle Fähigkeit für die Zukunft

Anders als Mathematik, Schreiben oder Lesen wird uns kreatives Denken nicht im Rahmen eines Schulfachs beigebracht – und dennoch bildet es die Basis für viele verschiedene Kompetenzen: Kreativität hilft uns, mit Veränderungen umzugehen, uns anzupassen und offen auf neue, unbekannte Situationen zu reagieren. Sie ist die Grundlage für Problemlösungen: Wenn wir vor Herausforderungen stehen, unterstützt uns kreatives Denken dabei, die bestmöglichen Lösungen zu finden. Zugleich ist Kreativität die treibende Kraft hinter Innovation und Fortschritt: Wer kreativ ist, trägt einen ganzen Fundus an Ideen in sich, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden - siehe Leonardo Da Vincis Werk. Auch im zwischenmenschlichen Miteinander spielt kreatives Denken eine entscheidende Rolle – etwa wenn es darum geht, sich in andere hineinzuversetzen und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. So stärkt Kreativität unsere emotionale und soziale Intelligenz. Kurz gesagt: Kreatives Denken ist die Grundlage für ein echtes analytisches, offenes Out-of-the-Box-Denken.

Kreativität im Gehirn

Kreativität entsteht in unserem Gehirn – jedoch nicht in einem einzelnen Bereich, sondern als Ergebnis echter Teamarbeit verschiedener Gehirnregionen und zahlreicher neuronaler Schaltkreise. Je nachdem, auf welchen Gegenstand oder welche Situation sich das kreative Denken richtet, werden unterschiedliche Areale aktiviert. Das bedeutet, nur weil Kreativität gefordert ist, läuft nicht immer auch der gleiche Prozess in unserem Gehirn ab. Und dadurch, dass unser Gehirn nicht statisch ist, sondern neuroplastisch - sprich veränderbar und anpassungsfähig - können wir unser Gehirn trainieren kreativ zu denken. 

Von der Wahrnehmung zur Kreativität: Wie Kunst und ästhetische Bildung in der frühkindlichen Bildung Kinder fördern

Diese Frage lässt sich nicht mit einem Teilbereich der frühkindlichen Bildung beantworten, da im Grunde nahezu jede Aktivität - insbesondere in jungen Jahren - ein gewisses Maß an Kreativität erfordert. Doch besonders im Rahmen ästhetischer Bildung und Kunst kann Kreativität ganz gezielt gefördert werden. Beginnen wir zunächst mit der ästhetischen Bildung, denn im Grunde ist sie die Voraussetzung dafür, dass Kinder künstlerisch aktiv werden und ihre Kreativität entfalten. Was also bedeutet und beinhaltet ästhetische Bildung?

Ästhetische Bildung

Ästhetik kommt von dem altgriechischen Wort “aísthēsis” und bedeutet so viel wie Wahrnehmung und Empfindung. In der Philosophie gibt es auch eine ganze Praxis dazu, die sich mit Ästhetik als Theorie sinnlicher Wahrnehmung auseinandersetzt. Und genau hier haken wir ein, denn: Ästhetische Bildung bedeutet so viel wie die Entwicklung unserer individuellen Wahrnehmung durch unsere Sinne. Das ist ein Prozess, der bei Kleinkindern ganz automatisch passiert. Kleinkinder haben in ihren jungen Jahren noch kein vorgeprägtes Wissen über unsere Welt, unsere Kultur, unsere Gesellschaft. Sie gehen noch vollkommen unbefangen in den Prozess des Wahrnehmens und Empfindens und entdecken so die Welt durch ihre Sinne. Durch dieses sehr individuelle, subjektive, sinnliche Entdecken, eignen sich Kinder die Welt auf ihre ganz eigene Art und Weise an. Es hilft ihnen, sich in der Welt zu orientieren, Verbindungen sowie Differenzen zu erkennen und ein erstes Welt- und Selbstbild aufzubauen. Kinder lernen dabei, ihre Wahrnehmungen und Empfindungen einzuordnen, zu reflektieren und im Gehirn neuronale Verknüpfungen herzustellen – und genau das bildet die Grundlage für ihre soziale, kognitive und kreative Entwicklung und für das weitere Lernen.

Ästhetische Bildung in der Kita: Sinnliche Wahrnehmung und kreative Förderung

Aber wenn dieser Prozess in jungen Jahren ohnehin automatisch geschieht – was kann dann die frühkindliche Bildung dabei überhaupt fördern? Die Antwort lautet: Sehr viel. Kindertagesstätten bieten den optimalen Raum, um Kinder in ihrer ästhetischen Bildung zu fördern. Denn je vielfältiger die Umgebung – je mehr Materialien, Spielzeuge, Aktivitäten, Menschen, Eindrücke und Reize – desto stärker werden die Sinne und die Wahrnehmung der Kinder angeregt und gefördert. Die Kita und die Fachkräfte geben dabei den Rahmen vor, in dem die Kinder sinnlich entdecken und wahrnehmen können - zwischen selbstbestimmten Freiraum und sicheren Grenzen. Durch besondere Aktivitäten wie Musizieren, Bewegung, Malen, Theaterspielen oder Erlebnistage in der Natur können Fachkräfte zusätzliche sinnliche Impulse setzen – Impulse, mit denen manche Kinder im Alltag nur selten in Kontakt kommen. Auch gezielte, offene pädagogische Fragen, wie “Was hast du gerade gehört/gesehen/gefühlt und wie hat sich das für dich angefühlt?”, “Was gefällt dir daran besonders und warum?” oder “Was war heute dein Lieblingsmoment und warum gerade der?” können diesen Prozess verstärken und Kindern beim Reflektieren und Einordnen ihrer sinnlichen Wahrnehmungen helfen. Auf diese Weise wird die ästhetische Bildung weiter vertieft und bewusst gefördert. Besonders das offene oder teiloffene Konzept, wie es in vielen Kitas umgesetzt wird, bietet hier einen idealen Rahmen: In diesen Konzepten haben Kinder sehr viel Freiraum in ihren eigenen Entscheidungen - vom Aufenthalt in verschiedenst gestalteten Räumen bis hin zur Wahl ihrer Aktivitäten. So geschieht die ästhetische Bildung sehr individuell, selbstbestimmt und selbstwirksam - und wird gleichzeitig durch die vielfältigen Möglichkeiten in der Kita intensiv begleitet und unterstützt.

Somit wird deutlich: Ästhetische Bildung bildet das Fundament für die Entwicklung kreativen Denkens – denn bereits im Prozess des sinnlichen Wahrnehmens und Erkundens wird kreatives Denken angeregt. Kitas fördern diesen Prozess besonders intensiv und schaffen für alle Kinder – unabhängig von Herkunft oder Familiensituation – Möglichkeiten, ihre Entwicklung darin zu stärken. Doch wo genau kommt nun die Kunst ins Spiel?

Kunst

Blickt man Jahrtausende zurück in die Geschichte der Menschheit – in eine Zeit, in der noch nicht mit Sprache und Schrift, wie wir sie heute kennen, kommuniziert wurde –, findet man Kunst - Kunst als Mittel zur Kommunikation. Es war damals eine Möglichkeit, sich zu äußern und Erlebtes und Wahrgenommenes mitzuteilen, auch ohne Worte. Und diese Funktion kann Kunst auch für Kinder haben. Es ist eine altersgemäße Ausdrucksform, durch die Kinder sich mitteilen können. Da Kinder in jungen Jahren noch wenig beeinflusst sind von sozialen oder kulturellen Normen, entsteht ihre Kunst nicht aus einer bewussten Intention heraus, sondern aus einer Intuition: Sie verarbeiten in Kunst, was sie beschäftigt. Es ist ein Ausdruck ihrer Wahrnehmungen, Empfindungen und Erlebnisse. Wer also genau hinschaut, kann durch die Kunst einen Blick in das Innenleben der Kinder erhaschen. Gleichzeitig hilft Kindern der künstlerische Ausdruck, all das zu reflektieren, einzuordnen – und besser zu verstehen. Ästhetische Bildung befähigt Kinder also dazu, künstlerisch und kreativ aktiv zu werden. Kunst kann damit sowohl Ausdruck ästhetischer Bildung sein als auch deren Impulsgeber, da durch Kunst die ästhetische Bildung immer wieder neu angeregt und vertieft wird.

Doch die Wirkungsmacht von Kunst geht noch sehr viel weiter: Sobald Kinder künstlerisch aktiv sind, gelangen sie in einen schöpferischen Prozess. Sie erschaffen etwas, das es vorher nicht gab – etwas, das zunächst nur in ihrem Kopf existierte und durch ihre Hände Wirklichkeit wird. Sie lassen Ideen und Visionen Wirklichkeit werden. Kunst ist somit eine Form der Selbstverwirklichung. Wird dieser Prozess gezielt gefördert, stärkt das nicht nur das selbstständige Denken und Handeln, sondern auch das Selbstvertrauen der Kinder und ihre Persönlichkeitsentwicklung. Und wenn ihre Ideen einmal nicht so aufgehen, wie sie es sich vorgestellt haben? Dann lernen sie, mit Fehlern und Unsicherheiten umzugehen – eine wichtige Grundlage für Resilienz und Problemlösekompetenz. Ganz nebenbei werden bei künstlerischen Aktivitäten auch grundlegende Fähigkeiten trainiert: die Fein- und Grobmotorik, die Auge-Hand-Koordination, die visuell-räumliche Wahrnehmung, das Körpergefühl, kognitive und mathematische Fähigkeiten – und natürlich die Kreativität.

Kunst als Schlüssel zur Kreativität: Wie Kitas den kreativen Prozess anregen

Und wie wird nun Kunst in der Kita gefördert? Ganz einfach: durch das Bereitstellen der notwendigen Ressourcen, des Raums und pädagogischer Begleitung. In der Kita haben Kinder oft die Möglichkeit sich gestalterisch auszutoben - mit Knete, Fingermalfarben, Wassermalfarben, Blatt und Stift, Schere und Papier, vielleicht wird auch mal getont. Die Kitas geben den Kindern unglaublich viele Möglichkeiten, sich kreativ und künstlerisch zu entfalten und mit den unterschiedlichsten Materialien, Techniken und Ausdrucksformen zu experimentieren. Vorab lernen die Kinder den sicheren Umgang mit den entsprechenden Materialien und Werkzeugen - der sichere, pädagogische Rahmen - wodurch Kinder in ihrer Eigenverantwortung und Selbstständigkeit gestärkt werden. Ist dieser Rahmen einmal geschaffen, können sie in einer ruhigen, wertschätzenden Atmosphäre und mit genügend Zeit ganz in ihren kreativen Prozess eintauchen. Besonders förderlich für die Entwicklung kreativen Denkens ist es, wenn dieser Prozess offen gestaltet ist – also wenn es keine konkrete Anleitung gibt, sondern vielleicht nur Impulse, die die Kinder eher in ihrer Ideenfindung anregen als leiten. Beispielsweise durch das Vorlesen einer Geschichte, zu der die Kinder anschließend frei malen, was sie dabei empfunden oder sich vorgestellt haben. Wichtig ist dabei ein wertfreier Raum – ein Ort, an dem die kindliche Kunst nicht bewertet, sondern offen angenommen wird. Denn solche Reaktionen fördern Neugierde, Mut zur Gestaltung und kreative Weiterentwicklung. Negative Bewertungen hingegen können Kinder verunsichern und einschränken – nicht nur in ihrer Kreativität, sondern auch in ihrer sinnlichen Wahrnehmung.

Gerade in einer Zeit, in der der Fortschritt immer schneller voranschreitet und wir vor großen politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungen stehen, wird eines immer deutlicher: Wir brauchen kreatives Denken – mehr denn je. Denn um mit diesen Entwicklungen nicht nur Schritt zu halten, sondern sie aktiv mitzugestalten, braucht es kreative Köpfe, Visionär:innen, Ideenfinder:innen und Problemlöser:innen - kleine Leonardo Da Vincis. Und genau hier legt die frühkindliche Bildung die Basis - durch ästhetische Bildung und Kunst. Zwei Bereiche, die häufig in ihrer Wichtigkeit und Wirkung unterschätzt werden. Kitas schaffen Zugänge zu genau diesen Feldern – für alle Kinder, unabhängig von Herkunft oder sozioökonomischen Voraussetzungen. Sie geben Raum für Kreativität, fördern Wahrnehmung, Kognition, Verständnis, Ausdruck, Gestaltungskraft und noch so viel mehr – und legen damit das Fundament dafür, dass Kinder auch später noch offen, selbstbewusst und kreativ denken können. So wird einmal mehr deutlich, wie essentiell die frühkindliche Bildung für unsere Gesellschaft ist – für die individuelle Entwicklung ebenso wie für den Zusammenhalt, für Wirtschaft und Wissenschaft ebenso wie für Innovation, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Und um zukünftig im PISA-Test im Bereich kreatives Denken ebenso erfolgreich abzuschneiden wie Estland, sollte die Politik die frühkindliche Bildung noch stärker fördern, um Kitas und Pädagog:innen die Ressourcen zu geben, diese wichtigen Kompetenzen zu entwickeln.

Quellen:

Ästhetische Bildung | socialnet Lexikon. https://www.socialnet.de/lexikon/Aesthetische-Bildung.

Bulander, Y. (2025, 31. März). Ästhetische Bildung in der frühen Kindheit - nifbe e.V. Nifbe e.V. https://nifbe.de/fachbeitraege/aesthetische-bildung-in-der-fruehen-kindheit/.

Celina. (2024, 19. August). Die neurologische Kraft der Kunst: Wie Kreativität das Gehirn formt. WiPub - We Publish! https://www.wipub.net/die-neurologische-kraft-der-kunst-wie-kreativitaet-das-gehirn-formt/.

Karl. (2023, 8. Februar). Kreativität im Gehirn – 4 Blickwinkel aus der Neurowissenschaft. Karl Hosang. https://karlhosang.de/kreativitaet-im-gehirn/.

Kinder – Kunst – Kita. Wie passt das zusammen?  – Westermann. (o. D.). https://www.westermann.de/landing/kompetent-erziehen/Kunst.

OECD (2024), PISA 2022 Results (Volume III): Creative Minds, Creative Schools, PISA, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/765ee8c2-en.

Uhrig, S. (2022, 1. Februar). Kreativität: Mehr als "nur“ Kunst. quarks.de. https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/kreativitaet-mehr-als-nur-kunst/.

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