Die Welt im Kleinformat: Der Internationale Kindergarten Berlin im Porträt
Der Internationale Kindergarten Berlin begleitet seit 42 Jahren Kinder in ihren ersten Lebensjahren - mit einem besonderen Schwerpunkt auf Internationalität, Vielfalt und Bilingualität. Wir haben mit Frank Mozer, dem Geschäftsführer des Internationalen Kindergartens, gesprochen: Was macht den Internationalen Kindergarten besonders? Wie ist ihr Konzept gestaltet, wie wird Bilingualität umgesetzt und vieles mehr.
Der Internationale Kindergarten Berlin umfasst eine einzige Einrichtung mit insgesamt 60 Kita-Plätzen. „Aktuell dürfen wir überbelegen, da haben wir dann 62 Kinder in der Einrichtung“, berichtet Frank Mozer. Damit zählt der Träger zu den kleineren seiner Sorte. Die Kinder sind auf fünf Gruppen verteilt: „Wir arbeiten altershomogen, beginnend mit einer Gruppe für Kinder mit anderthalb bis zwei Jahren. Das ist unsere kleinste Gruppe mit circa acht Kindern. Und dann steigert sich das hoch, von der ersten Gruppe über die nächsten Jahrgänge bis in die fünfte Gruppe. Das ist bei uns die Vorschule, also wirklich die klassische Preschool-Gruppe.“ Die Organisation in altershomogenen Gruppen ist dabei weit mehr als eine Frage der Struktur. Für Geschäftsführer Frank Mozer gehört sie untrennbar zum Selbstverständnis und pädagogischen Anspruch der Einrichtung: „Wir verstehen uns wirklich als Bildungseinrichtung und sind auch überzeugt von dieser Altershomogenität. Also das ist kein offenes Konzept, sondern wirklich ein altershomogenes, geschlossenes Konzept, welches wir verfolgen.“
Damit die Kinder in jeder Entwicklungsphase individuell begleitet und gefördert werden können, setzt der Internationale Kindergarten auf ein gut aufgestelltes Team. „Wir haben aktuell circa 20 Angestellte, inklusive der Küchenkräfte.” berichtet Frank Mozer. Mit rund 20 Mitarbeitenden ist das Team für eine Einrichtung dieser Größe vergleichsweise umfangreich. Er erläutert, woran das liegt: „20 Angestellte hört sich zunächst sehr viel an, ist es momentan auch. Das ist jedoch dem Umstand geschuldet, dass wir eine Menge Auszubildende haben. Wir haben aktuell vier Auszubildende und Teilzeitkräfte, die nicht jeden Tag da sind.“ Im Gruppenalltag verteilen sich die Fachkräfte auf die einzelnen Gruppen nach einem festen Betreuungsschlüssel. „Im Regelfall haben wir eigentlich immer zwei Erzieher pro Gruppe plus Hilfskräfte“, führt Frank Mozer aus.
Vom Morgenkreis bis zum Mikroskop: Altersgerechte Bildung im Kita-Alltag
Das geschlossene Konzept hat sich im Internationalen Kindergarten über viele Jahre bewährt. Die größten Vorteile darin sieht Frank Mozer sowohl in einer an den Entwicklungsstand angepassten Bildungsarbeit als auch im sozialen Miteinander der Kinder: „Die geschlossenen Gruppen sind ja so ein bisschen wie eine Art Klassenverband. Es ist einfach schön zu sehen, wie sich in diesen Gruppen Freundschaften bilden. Und auch für das Bildungsprogramm macht es einen Unterschied, da dieses immer auf das entsprechende Alter zugeschnitten werden kann. Wie ich eingangs erwähnt hatte, verstehen wir uns durch und durch als Bildungseinrichtung.“
Diese Ausrichtung prägt den gesamten Kita-Alltag. Jede Gruppe gestaltet ihr eigenes Tagesprogramm - beginnend mit einem gemeinsamen Frühstück und dem anschließenden Morgenkreis bis hin zu Projekten, Ausflügen und Kreativangeboten. Wie unterschiedlich sich bereits der Morgenkreis je nach Altersgruppe gestaltet, beschreibt Frank Mozer so: „Der Morgenkreis einer Vorschule sieht völlig anders aus als der Morgenkreis in der Gruppe der Drei- bis Vierjährigen. Es werden andere Lieder gesungen, man geht anders in die Interaktion mit den Kindern. Auch Bastelaktionen oder Ausflüge können besser auf das jeweilige Alter abgestimmt werden. Und das fühlt sich für mich einfach stimmiger an.“
Ein altersgerechtes Bildungsangebot bedeutet für Frank Mozer jedoch keineswegs, Kinder mit zu hohen Anforderungen zu konfrontieren. Vielmehr geht es darum, ihre natürliche Neugier aufzugreifen und ihnen passende Lernanreize zu bieten: “Kinder sind neugierig, sie wollen etwas lernen. Sie saugen neues Wissen wie Schwämme auf. Wenn man das auf das jeweilige Alter passend anbieten kann und mit ihnen Projekte macht, dann ist das unglaublich schön. Beispielsweise haben die älteren Kinder bei uns Zugang zu einem digitalen Mikroskop. Wenn in der Natur Dinge gesammelt werden, betrachten die Vorschüler diese natürlich anders als die Drei- bis Vierjährigen. Beide Altersgruppen machen es - aber eben mit einem anderen Blick. Und wenn unser Fachpersonal das entsprechend begleitet und unterstützt, ist das eine sehr schöne Sache.“
Trotz des geschlossenen Konzepts sind die Gruppen nicht strikt voneinander getrennt. Gemeinsame Erlebnisse gehören ebenso zum Alltag. „Wir trennen nicht absolut dogmatisch“, stellt Frank Mozer klar. Ob beim Kasperle-Theater, auf dem Spielplatz oder bei gemeinsamen Projekten - immer wieder begegnen sich Kinder unterschiedlichen Alters und verbringen Zeit miteinander. Auch bei der Einteilung der Gruppen bleibt der Internationale Kindergarten flexibel. Zwar orientiert sich die Zuordnung grundsätzlich an den Einschulungsstichtagen, entscheidend ist jedoch immer die individuelle Entwicklung des Kindes. „Natürlich kann man sagen, das Kind, das am 25. September geboren ist, muss nicht wirklich weiter sein als das vom 3. Oktober. Da schauen wir gemeinsam mit den Eltern, ob ein Kind vielleicht besser in die eine oder die andere Gruppe passt.“
Bei der Entscheidung für ein geschlossenes Konzept spielen jedoch nicht nur pädagogische Überlegungen eine Rolle. Auch die Rahmenbedingungen, unter denen Bildung stattfindet, beeinflussen die Wahl des Konzepts. „Das ist immer eine Frage der Umsetzung. Wenn man einen sehr guten Betreuungsschlüssel hat und Fachkräfte genügend Zeit und Expertise haben, um wirklich individuell auf jedes Kind einzugehen, kann ein offenes Konzept sehr gut funktionieren.“ Gerade deshalb sieht Frank Mozer offene Konzepte anfälliger für Personalausfälle oder Fachkräftemangel. „Dann kann man oft nicht mehr so strukturiert arbeiten.“ Hinzu kommen die räumlichen Voraussetzungen der Einrichtung. „Unser Haus gäbe eine Mischung gar nicht unbedingt her. Die räumliche Aufteilung würde eine Altersmischung nicht unmöglich machen, aber deutlich erschweren.“
Stark für die Schule: Vorschularbeit im Internationalen Kindergarten
Für viele Kinder ist die Vorschule im Internationalen Kindergarten ein besonderer Schritt - im wahrsten Sinne des Wortes. Sie befindet sich in der zweiten Etage des Hauses und allein der Wechsel dorthin macht den Übergang für viele Kinder zu etwas Besonderem. „In unserer zweiten Etage, ganz oben, ist unsere Vorschule. Das ist für die Kinder auch noch mal sehr emotional, wenn sie groß und alt genug sind, in die zweite Etage zu gehen. Man merkt wirklich, wie stolz sie sind. Und die kleinen Geschwister wollen immer zu ihren großen Geschwistern in die zweite Etage.“ Der Internationale Kindergarten versteht Vorschule jedoch nicht als ein einzelnes Jahr vor der Einschulung, denn vorschulische Bildung beginnt bereits mit dem ersten Tag in der Kita. „Auch unsere Kleinsten leisten schon vorschulische Arbeit. Sie lernen Grob- und Feinmotorik, Sprache und den Umgang mit anderen Kindern. Das passiert nicht erst in der Vorschule, sondern während der gesamten Kita-Zeit.“ Das letzte Kita-Jahr nutzt die Einrichtung gezielt, um die Kinder auf den bevorstehenden Schulstart vorzubereiten. Dabei orientiert sich die Vorschularbeit am Konzept einer klassischen Preschool. „Die Kinder sind in diesem Jahr noch einmal besonders wissbegierig, weil sie wissen: Jetzt kommt die Schule. Und wir fördern und fordern sie in ihrer Freude und Neugier. Die Kinder bei uns freuen sich so dermaßen, wenn sie hier rausgehen. Sie sind unglaublich stolz darauf, dass sie jetzt groß sind. Natürlich geht es dann weiter - der nächste Übergang steht an, ab in die Schule. Aber die Kinder sind wirklich happy, wenn sie die Vorschule machen. Und wir haben auch eine unfassbar tolle Vorschulerzieherin.“
Mit der gezielten Vorbereitung auf die Schule greift Frank Mozer zugleich ein Thema auf, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung und öffentlicher Wahrnehmung gewonnen hat: die Frage, wie der Übergang von der Kita in die Schule erfolgreich gestaltet werden kann. Aus seiner Sicht leistet die Vorschule dazu einen wichtigen Beitrag: „Natürlich hast du bei Kindern auch das Aufgeregte und das ‘Oh, was kommt danach?’. Gerade wenn die Kinder später auf unterschiedliche Schulen gehen. Doch ich würde sagen, dass wir bei 95 Prozent der Kinder die Vorfreude auf die Schule stärken und Ängste abbauen können. Natürlich ist jedes Kind anders. Bei manchen ist die Vorfreude größer, bei anderen mischen sich Aufregung und vielleicht auch Ängste und Vorbehalte dazu. Aber wir versuchen den Kindern diese Ängste zu nehmen und ihnen zu zeigen, wie schön die Schule werden kann. Da greifen wir die ganze Palette an Erklärungen auf, genauso wie die Eltern es zu Hause tun.“
Ein gelingender Übergang entsteht jedoch nicht nur in der Kita, sondern vor allem in Zusammenarbeit mit den Familien. Deshalb setzt der Internationale Kindergarten auf enge Erziehungspartnerschaften. „Wir sind im engen Austausch mit den Eltern und haben ein extrem familiäres Miteinander hier im Haus. Die Eltern kennen sich untereinander auch gruppenübergreifend gut. Und jeder kennt die Erzieher, weil sie die Kinder im Normalfall über mehrere Jahre begleiten“, beschreibt Frank Mozer die Atmosphäre des Internationalen Kindergartens. „Wenn es irgendwelche Themen gibt, gehen wir auf die Eltern zu und fragen: Ist da irgendwas passiert oder sollen wir auf etwas achten? Uns ist wichtig, dass wir jedes Kind im Blick haben, damit es hier eine schöne und sinnvolle Kita-Zeit erlebt - auch mit Blick auf das, was später noch auf die Kinder zukommt.“
Doch wie sieht die Vorschularbeit im Alltag konkret aus? Im Mittelpunkt stehen klassische Vorschulinhalte wie Mengenlehre, erste Buchstaben oder die richtige Stifthaltung. „Das wird alles sehr spielerisch gemacht, aber schon mit einer gewissen Ernsthaftigkeit. Und die Kinder lieben das“, erzählt Frank Mozer. Ein besonderes Highlight ist das sogenannte „Show and Tell“, das einmal pro Woche stattfindet. „Die Kinder suchen sich selbst ein Thema raus, völlig egal welches. Das kann das eigene Haustier sein, der letzte Urlaub oder auch eine Ernährungspyramide. Gemeinsam mit ihren Eltern erarbeiten sie sich das Thema, gestalten ein Plakat und anschließend präsentiert das Kind sein Thema den anderen Kindern. Im Grunde ist das eine Art kleiner Vortrag, aber sehr niederschwellig.“ Im Anschluss wird gemeinsam über das Thema gesprochen. „Die anderen Kinder dürfen Fragen stellen. Wenn es beispielsweise um das Thema Löwen geht: Warum hat der Löwe das Zebra gefressen? Warum lebt er in der Savanne? Und dann kommen genau solche Fragen. Es ist unfassbar schön zu sehen, wie stolz die Kinder auf ihr eigenes Show and Tell sind.“ Jedes Thema bleibt bis zur Präsentation eine kleine Überraschung. „Das Thema selbst bleibt geheim. Die Erzieherin weiß es natürlich, aber die Freunde nicht. Erst wenn das Plakat umgedreht wird, sehen die anderen Kinder, worum es geht. Das macht ihnen unheimlich Spaß und sie lernen dabei ganz spielerisch, vor anderen etwas zu präsentieren. So können die Kinder ganz Ängste vor solchen Situationen abbauen. Irgendwann werden sie in der Schule immer wieder vor einer Gruppe sprechen müssen und auch später im Leben. Ich kenne genügend Erwachsene, die damit heute noch Probleme haben, mich eingeschlossen. Und bei uns wird das auf eine ganz natürliche Art eingeübt, sodass es für sie etwas ganz Normales wird.”
Bilinguales Aufwachsen: In zwei Sprachen die Welt entdecken
Geschlossene Gruppen und Vorschularbeit strukturieren den Alltag des Internationalen Kindergartens. Den eigentlichen Schwerpunkt des pädagogischen Konzepts bilden jedoch Internationalität und Sprache. „Wir haben Deutsch und Englisch relativ gleichberechtigt im Haus“, erläutert Frank Mozer den Kern des Konzepts. Mit dieser Ausrichtung spricht der Internationale Kindergarten insbesondere Familien an, die bewusst Wert auf ein mehrsprachiges Aufwachsen ihrer Kinder legen. „Bilingualität ist auch das, was die Eltern, die hierherkommen, wollen und teilweise auch brauchen.“ Gerade für Familien aus einem internationalen Kontext bietet der Internationale Kindergarten einen Rahmen, in dem Kinder beim Spracherwerb gezielt begleitet werden. „Wir haben oft Eltern aus dem internationalen Kontext, die beruflich für zwei oder drei Jahre hier sind. Die Kinder sprechen häufig schon Englisch, die Familien legen aber trotzdem großen Wert darauf, dass sie auch Deutsch lernen. Deshalb legen wir einen großen Schwerpunkt auf die Sprachvermittlung. Wir möchten die Kinder bestmöglich auf ihren weiteren Weg vorbereiten. Egal, woher sie kommen und wohin sie später vielleicht wieder gehen.“ Die bilinguale Ausrichtung wird im Internationalen Kindergarten durch eine gezielte Sprachförderung ergänzt. So war die Einrichtung über viele Jahre hinweg Teil des Bundesprogramms Sprach-Kitas, das später als Landesprogramm fortgeführt wurde. Bis heute zählt eine eigene Sprachfachkraft zum Team des Internationalen Kindergartens. “Unsere Sprachfachkraft unterstützt Familien und Kinder, die beim Deutschen etwas mehr Unterstützung brauchen. Gleichzeitig arbeitet sie ganz normal in den Gruppen mit und bereitet die Kinder sprachlich auf das vor, was später kommt - auch mit Blick auf den Wechsel an internationale Schulen, den viele unserer Familien anstreben.“
Um beide Sprachen im Kita-Alltag möglichst gleichberechtigt vertreten zu haben, setzt der Internationale Kindergarten auch auf bilinguale Teams. „Wir versuchen nach Möglichkeit, immer einen Muttersprachler pro Gruppe zu haben“, berichtet Frank. Deutsch und Englisch begegnen den Kindern von morgens bis nachmittags immer wieder ganz selbstverständlich. Das beginnt bei Geschichten und Liedern und setzt sich im Morning Circle fort. Besonders anschaulich wird die bilinguale Arbeit beim täglichen „Date-and-Weather-Chart“ in der Vorschule. Gemeinsam besprechen die Kinder das Datum, den Wochentag und das Wetter - zunächst auf Deutsch und anschließend auf Englisch. „Das machen die einmal komplett auf Deutsch und danach noch einmal auf Englisch. Ich habe eine Zeit lang selbst den deutschen Part übernommen, als ein Kollege ausgefallen ist. Das Date-and-Weather-Chart war wirklich der Hammer.“ Besonders beeindruckt hat Frank Mozer dabei, wie selbstverständlich die Kinder zwischen beiden Sprachen wechseln. „Dann heißt es: Okay, wir switchen. Dieser Wechsel zwischen den Sprachen wird richtig zelebriert. Dann schütteln sich alle einmal aus und jetzt geht es auf Englisch weiter. Das hat mich echt beeindruckt.“ Der Wechsel zwischen Deutsch und Englisch beschränkt sich jedoch nicht auf feste Angebote. „Die Kinder können mit uns im Alltag in der Sprache sprechen, in der sie sich am wohlsten fühlen. Mal kommt die Antwort auf Deutsch, mal auf Englisch - und manchmal wird ganz selbstverständlich zwischen beiden Sprachen gewechselt.“
Frank Mozer ist überzeugt, dass mehrsprachiges Aufwachsen auch die persönliche Entwicklung der Kinder bereichern kann: „Kognitiv ist die Entwicklung, glaube ich, einfach etwas Besonderes, wenn Kinder die Chance haben, zweisprachig aufzuwachsen. Und dabei ist es völlig egal, ob es Deutsch und Türkisch, Italienisch oder Griechisch ist. Mehrsprachigkeit ist für Kinder einfach ein Geschenk.“ Welche kognitiven Effekte ein mehrsprachiges Aufwachsen haben kann, lässt sich aus Sicht von Frank Mozer nicht allein anhand der Erfahrungen im Kita-Alltag beantworten. Er verweist deshalb auf Erkenntnisse aus der Forschung: „Es gibt viele Studien, die zeigen, dass Menschen, die mehrsprachig aufwachsen, häufig offener gegenüber anderen sind und sich leichter auf neue Situationen einstellen können. Natürlich heißt das nicht, dass jedes bilinguale Kind später jede Herausforderung problemlos meistert. Aber Mehrsprachigkeit kann Offenheit fördern und dazu beitragen, flexibler mit Veränderungen umzugehen. Das finde ich hochspannend.“
Die bilinguale Ausrichtung bringt jedoch auch organisatorische Herausforderungen mit sich. Vor allem die Personalsituation erfordert aus Sicht von Frank Mozer einen deutlich höheren Aufwand als in vielen anderen Einrichtungen. „Du brauchst einfach mehr Personal. Das ist die größte Herausforderung einer bilingualen Einrichtung. Gleichzeitig musst du den Fachkraftschlüssel erfüllen, hast aber zusätzliche Mitarbeitende, die nicht immer auf diesen Schlüssel angerechnet werden können. Das finanziell gut aufzufangen, ist eine Herausforderung.“ Hinzu kommt die Suche nach geeignetem Personal, das nicht nur eine weitere Sprache sprechen, sondern zugleich pädagogisch gut mit Kindern arbeiten kann. „Man muss immer schauen, wie man den Spagat zwischen Fachkräften, Sprachkompetenz und pädagogischer Qualität schafft. Das alles so zusammenzubringen, dass es gut passt, ist die eigentliche Herausforderung.“
Ein Ort gelebter Vielfalt: Unterschiede als Bereicherung
Die Internationalität des Internationalen Kindergartens spiegelt sich jedoch nicht nur im bilingualen Konzept wider. Ebenso wichtig ist die bewusste Vermittlung von Vielfalt und Toleranz. „Toleranz ist, glaube ich, einer der höchsten Werte, die wir hier im Haus haben oder vermitteln wollen“, beschreibt Frank Mozer das Selbstverständnis der Kita. „Wir sind einfach eine sehr internationale Einrichtung. Wir haben wirklich die Welt im Kleinformat hier: christliche, muslimische und jüdische Familien sowie viele unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Gerade mit Blick auf das, was aktuell in der Welt passiert, ist es uns ein Riesenanliegen, hier unsere kleine Insel zu bewahren. Die Eltern sollen sich untereinander tolerieren und respektieren. Das ist für uns ganz, ganz wichtig.“
Diese Haltung vermittelt der Internationale Kindergarten auch den Kindern im täglichen Miteinander. Unterschiedliche Kulturen, Religionen, Sprachen und Lebensweisen werden bewusst aufgegriffen und zum Anlass genommen, um Vielfalt verständlich und erlebbar zu machen. „Kinder stellen ganz unbefangen Fragen: Warum sieht der so aus? Warum spricht der eine eine andere Sprache? Genau diese Fragen greifen wir auf und erklären sie mit Respekt vor den unterschiedlichen Kulturen, Herkünften und Lebensweisen. Wenn man Kindern das schon früh mit auf den Weg gibt, hat man, glaube ich, viel für ihr weiteres Leben gewonnen.“ So entsteht ein Umfeld, in dem Unterschiede ganz selbstverständlich ihren Platz haben. „Für uns ist wirklich egal, wo jemand herkommt oder welchem Glauben er angehört. Wir respektieren das und erwarten diesen Respekt auch allen anderen gegenüber. Diese Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung untereinander funktioniert hier wirklich gut.“
Ganz konkret wird dieser Anspruch im gemeinsamen Feiern unterschiedlicher religiöser und kultureller Feste. „Wenn muslimische Familien beispielsweise das Zuckerfest feiern, fragen sie, ob sie Süßigkeiten mitbringen dürfen. Dann sagen wir natürlich: Ja. Wir greifen das gerne auf, erklären den anderen Kindern, warum dieses Fest gefeiert wird, und manchmal entsteht daraus sogar ein kleines Projekt. So sprechen wir darüber, warum die einen Weihnachten oder Ostern feiern und andere das Zuckerfest oder Chanukka.“ Diese gemeinsamen Feste bieten vor allem die Möglichkeit, Kindern Unterschiede als etwas Selbstverständliches und Bereicherndes zu vermitteln. “Gerade heute habe ich manchmal das Gefühl, dass Menschen sehr schnell urteilen. Wir möchten den Kindern deshalb von Anfang an einen anderen Blick mitgeben und ihnen vermitteln, dass Unterschiedlichkeit ein Mehrwert ist. Wenn Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammenkommen und sich trotzdem alle gleichberechtigt und gleich viel wert fühlen, das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir sind alle Menschen, wir atmen alle die gleiche Luft. Ob der eine dieses Fest feiert und der andere ein anderes, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass dieses Miteinander stark bleibt.”
Frühkindliche Bildung: Das Fundament fürs Leben
Wie groß das Vertrauen vieler Familien in den Internationalen Kindergarten ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ehemalige Kita-Kinder heute ihre eigenen Kinder in dieselbe Einrichtung bringen. „Wir haben aktuell Familien, die vor 20, 30 oder sogar 40 Jahren selbst hier als Kita-Kinder waren und heute ihre eigenen Kinder zu uns bringen. Das finde ich sensationell. Viele Familien kommen außerdem über Empfehlungen von Eltern, die bereits bei uns sind. Das ist für uns etwas ganz Besonderes.“
Für Frank Mozer ist dieses Vertrauen zugleich eine Bestätigung dessen, wofür der Internationale Kindergarten seit seiner Gründung steht: Qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung, die weit vor dem ersten Schultag beginnt und den Grundstein des weiteren Bildungswegs legt. „Das Lernen beginnt nicht erst in der Schule. Eigentlich geht es schon mit der Geburt los. In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Gehirn so unglaublich stark. Was Kinder in dieser Zeit erleben, prägt sie für ihren weiteren Lebens- und Bildungsweg. Deshalb ist das, was im frühkindlichen Bildungsbereich passiert, so fundamental. Wenn man die Neugier der Kinder aufgreift und ihnen von Anfang an gute Bildung ermöglicht, ist schon unglaublich viel gewonnen.“
Sein Wunsch für die Zukunft geht daher weit über die eigene Einrichtung hinaus. Aus seiner Sicht muss in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden, welchen Stellenwert gute Kita-Arbeit für die Entwicklung von Kindern hat. „Kita ist nicht nur wichtig, damit Eltern arbeiten gehen können. Sie ist vor allem für die Kinder wichtig, damit sie ihren weiteren Bildungsweg - von der Grundschule bis weit darüber hinaus - gut bestreiten können.“ Die Corona-Pandemie hat aus seiner Sicht deutlich gezeigt, welche Auswirkungen fehlende Bildungs- und Betreuungsangebote bereits in den ersten Lebensjahren haben können. „Damals waren Schulen und Kitas geschlossen. Viele Familien standen vor enormen Herausforderungen, und die Auswirkungen spüren wir bis heute - in den Schulen, bei den Kindern und in den Familien. Das ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig frühkindliche Bildung eigentlich ist.“
Entscheidend ist aus Sicht von Frank Mozer daher vor allem eines: eine stärkere gesellschaftliche und politische Anerkennung frühkindlicher Bildung. „Wenn anerkannt wird, wie wertvoll gute Kita-Arbeit ist, dann braucht sie auch die entsprechende Wertschätzung und den nötigen Respekt. Keiner kann es sich eigentlich erlauben, an Bildung zu sparen. Und wenn der politische Wille da ist, ist das Geld auch da. Kinder haben ein Grundrecht auf Bildung. Genau dafür legen wir in den ersten Lebensjahren das Fundament.“
Den Internationalen Kindergarten im 360-Grad-Rundgang entdecken: https://www.internationaler-kindergarten-berlin.de