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Weniger Kinder, mehr Qualität? VKMK warnt vor Kürzungen, die Chancen verbauen

Am heutigen Tag findet im Abgeordnetenhaus im Rahmen der 53. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie unter Tagesordnungspunkt 2 eine Anhörung zum Thema “Weniger Kinder, mehr Qualität” statt. Unter anderem wurde Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, als Experte eingeladen, in der Sitzung zu diesem Thema zu sprechen.

Am heutigen Tag findet im Abgeordnetenhaus im Rahmen der 53. Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie unter Tagesordnungspunkt 2 eine Anhörung zum Thema “Weniger Kinder, mehr Qualität” statt. Unter anderem wurde Lars Békési, Geschäftsführer des Kitaverbands VKMK, als Experte eingeladen, in der Sitzung zu diesem Thema zu sprechen.

Der VKMK betont in diesem Kontext, dass weniger Kinder allein nicht automatisch zu mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung führen - insbesondere dann nicht, wenn gleichzeitig indirekte Sparmaßnahmen vollzogen werden. Zwar wird die im Rahmen des Runden Tisch Kita geplante Verbesserung des Personalschlüssels im U3-Bereich punktuell Entlastung und Qualitätssteigerung bringen, doch gleichzeitig wird die zunehmende Mehrbelastung im Ü3-Bereich - unter anderem durch den massiven Anstieg an zusätzlichen Förderbedarfen - außer Acht gelassen. Stattdessen plant der Senat Kürzungen im Bereich der Sprachförderung. 

“Besonders alarmierend ist die geplante Umstellung der Personalzuschläge. Bislang gab es gezielte Förderungen für Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH). Diese sollen nun beendet werden. Mit einem sogenannten Partizipationszuschlag sollen diese Gelder gebündelt werden und künftig nur noch nach den Kriterien des Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT) vergeben werden. Das bedeutet faktisch, dass zwei Gruppen mit besonderem Förderbedarf gegeneinander ausgespielt werden. Kinder, die eine gezielte Sprachförderung benötigen, stehen damit in Konkurrenz zu Kindern aus wirtschaftlich benachteiligten Familien. Das kann nicht unser Anspruch sein. Sprachförderung ist essentiell für Chancengleichheit und muss als eigenständige Aufgabe erhalten bleiben.”, betont Lars Békési.

In einer Stadt wie Berlin, in der jede:r Vierte einen Migrationshintergrund hat, 180 verschiedene Herkunftsländer vertreten sind und 120 Muttersprachen gesprochen werden, wäre diese Kürzung ein herber Rückschlag für die Bildungs- und Chancengerechtigkeit.

Weniger Kinder bedeutet nicht automatisch mehr Qualität, wenn gleichzeitig wichtige Fördermaßnahmen für Kinder gekürzt werden sollen”, so Békési weiter. Eine Qualitätssteigerung kann nur erreicht werden, wenn alle relevanten Faktoren in einem ganzheitlichen Konzept berücksichtigt werden - von den Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals über die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen der Kita-Träger bis hin zu den Voraussetzungen für eine exzellente frühkindliche Förderung. “Kürzungen durch die Hintertür dürfen nicht dazu führen, dass zentrale Bildungsaufgaben und pädagogische Qualität geschwächt werden.” mahnt Békési abschließend.

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Lebendige Vielfalt: Einblick in die Welt des 'Kleinen Fratz' und die Kraft der kulturellen Diversität in der frühkindlichen Bildung

Am Tag der kulturellen Vielfalt hatten wir das Vergnügen, mit Grit Nierich zu sprechen, der Geschäftsführerin des Kita-Trägers "Kleiner Fratz" in Berlin. In unserem Gespräch tauchten wir ein in die faszinierende Welt der gelebten kulturellen Vielfalt innerhalb ihrer Einrichtungen. Dabei erklärte sie nicht nur, wie sie in den Kitas aktiv die kulturelle Diversität fördern, sondern auch, wie sie Sensibilität im Umgang damit kultivieren und mit den Herausforderungen umgehen, die sich möglicherweise ergeben können. Grits Worte sind durchdrungen von einer tiefen Überzeugung und Leidenschaft für dieses Thema, die sich tagtäglich in den Kitas manifestieren. Insbesondere für Kinder kann gelebte kulturelle Vielfalt eine große Bereicherung sein.

Am Tag der kulturellen Vielfalt hatten wir das Vergnügen, mit Grit Nierich zu sprechen, der Geschäftsführerin des Kita-Trägers "Kleiner Fratz" in Berlin. In unserem Gespräch tauchten wir ein in die faszinierende Welt der gelebten kulturellen Vielfalt innerhalb ihrer Einrichtungen. Dabei erklärte sie nicht nur, wie sie in den Kitas aktiv die kulturelle Diversität fördern, sondern auch, wie sie Sensibilität im Umgang damit kultivieren und mit den Herausforderungen umgehen, die sich möglicherweise ergeben können. Grits Worte sind durchdrungen von einer tiefen Überzeugung und Leidenschaft für dieses Thema, die sich tagtäglich in den Kitas manifestieren. Insbesondere für Kinder kann gelebte kulturelle Vielfalt eine große Bereicherung sein. Durch den Kontakt mit unterschiedlichen Kulturen und Traditionen erfahren die Kinder eine Bereicherung für ihren Intellekt und gleichzeitig wird ihre Toleranz gefördert. "Kulturelle Vielfalt macht das Denken weit," erklärt Nierich. Ein zentrales Anliegen beim Kleinen Fratz ist es, Kindern von Anfang an Toleranz und Empathie zu vermitteln. "Kinder gehen unbefangen miteinander um und haben noch keine Klischees," fährt Nierich fort. Die Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte sei es, diese unvoreingenommene Haltung zu unterstützen und Klischees abzubauen. 

Die Vielfalt im Team beim Kleinen Fratz

Die multikulturelle Zusammensetzung der Teams ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit bei "Kleiner Fratz". "Unsere Teams sind so weit wie möglich multikulturell aufgestellt," erklärt Nierich. Dieser Ansatz entstand aus Wertschätzung und Toleranz gegenüber den Menschen selbst. "Wichtig ist uns der Mensch, und so sind wir multikulturell geworden, ohne dass es unsere Absicht war." Diese unbewusste Entwicklung spiegelt sich auch in der Verwaltung wider, die ebenfalls multikulturell aufgestellt ist. Die Herausforderung besteht darin, eine ausgewogene Mischung in den Teams all ihrer Kitas in Berlin zu gewährleisten, damit Kinder vielfältige Perspektiven kennenlernen. "Es ist uns wichtig, dass Kinder verschiedene Kulturen kennenlernen und nicht nur in ihren eigenen gefangen bleiben," betont Nierich. 

Über Grenzen hinaus: Interkultureller Austausch und Weiterbildung

Um die Sensibilität der Mitarbeiter zu stärken, werden regelmäßige Weiterbildungen und internationale Besuche organisiert. "Wir waren bereits in verschiedenen Ländern wie Polen, der Ukraine, Nordirland, Chile, Frankreich, Costa Rica und Peru", erzählt Grit stolz. Bei den Besuchen in anderen Einrichtungen können wertvolle Erkenntnisse gewonnen und internationale Bildungsansätze in die eigenen Kitas integriert werden. "Es ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen und von anderen Kulturen zu lernen."  betont sie. Auch bei Dingen, die auf den ersten Blick vielleicht unverständlich oder seltsam wirken, wird im Kleinen Fratz hinterfragt und diskutiert. "Wir wollen eine Sensibilisierung der Menschen für andere Werte erreichen. Wir wollen ihnen zeigen, dass nicht nur das eigene Wertgefühl zählt, sondern auch die anderen", erklärt Nierich. Anstatt über andere hinweg zu urteilen, wird der Austausch gesucht. Die Weiterbildungen des Kleinen Fratz reichen von Schulungen mit der Roma-Vereinigung Amaro Foro bis hin zu Fachtagen und Demonstrationen. "Wir schauen immer, wo Problemlagen liegen und gucken dann, welche Träger in diesen Bereichen Weiterbildungen anbieten", erklärt Nierich. Auf diese Weise stärken die pädagogischen Fachkräfte kontinuierlich ihre interkulturelle Kompetenz und erweitern ihren Horizont.

Ein Höhepunkt des interkulturellen Austauschs war die Zusammenarbeit mit einer Partnerkita in Cayamarca, Peru. "Was wir geschafft haben, ist, die Peruaner, unsere Partnerkita aus Cayamarca, nach Deutschland, nach Berlin zu holen," erzählt Nierich. "da haben wir Kost und Logis gestellt." Die Partnerkita ist Bestandteil der Städtepartnerschft Treptow/Köpenick-Cajamarca. Diese gegenseitigen Besuche haben zu einem intensiven Austausch von Wissen und Erfahrungen geführt. "Vier Kollegen sind jetzt nach Peru gereist und haben dort mitgearbeitet in den Einrichtungen. Sie sind richtig eingetaucht und konnten sehen, was die Peruaner aus dem gemacht haben, was sie aus Deutschland mitgenommen haben. Das war zum Beispiel das freie Spiel, das kannten sie nicht. Genauso wie Funktionsräume, die sie sich jetzt eingerichtet haben. Und genauso haben wir viel aus Peru mitgenommen. Das System ist dort sehr verschult. Lehrer sind in den Kitas mit den pädagogischen Fachkräften gleichgestellt. Dort bedeutet Kita wirklich Bildung." Trotz finanzieller Herausforderungen bemüht sich der Kleine Fratz weiterhin, den interkulturellen Austausch zu fördern. "Ich würde wahnsinnig gerne alle Erasmus-Länder hier zu uns nach Deutschland einladen", gesteht Nierich. "Wir versuchen es immer wieder, aber meistens fehlt es an finanziellen Mitteln, vor allem für die Flugtickets."

Der Kleine Fratz bei den Lakota

Eine besondere Inspiration für Nierichs pädagogische Arbeit ist ihre ehrenamtliche Tätigkeit für die Lakota: "Unser Engagement kommt ehrlicherweise durch unsere ehrenamtliche Arbeit im Reservat in Nordamerika, bei den indigenen Völkern," erklärt sie weiter. "Der Besuch vor Ort hat einfach die Augen geöffnet. Die Lebensbedingungen dort... und dann sitzt man hier in Deutschland und schimpft über irgendetwas. Man wird dadurch gut geerdet." Die ehrenamtliche Arbeit des Kleinen Fratz umfasst Besuche von Festen wie den Karl-May-Festspielen und Indianer- und Trapper-Festivals, wo sie indianischen Schmuck verkaufen und im wahrsten Sinne des Wortes für das Projekt trommeln, um Unterstützer und Spender zu finden. "Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für die Situation der indigenen Völker zu schärfen und ihre Traditionen zu unterstützen", erklärt Nierich. "Dort geht es wirklich um harte Lebensbedingungen, um Holz und Propan für den Winter, also eher um Überlebensbedingungen. Vielen Familien fehlt es von der Socke, über die Unterwäsche bis hin zur Mütze, einfach an allem. Es ist leider wirklich ein Dritte-Welt-Bereich in den USA." Sie und ihr Team setzen sich auch vor Ort in South Dakota für die Bedürfnisse der Gemeinden ein: "Wir sind auch vor Ort in South Dakota, so dass man sie direkt unterstützen kann." 

Überwindung von Herausforderungen und Förderung des Verständnisses

"Manchmal bedeutet kulturelle Vielfalt für mich aber auch einfach aushalten. Dass man diese aushalten muss, wenn man zwar die Hintergründe kennt, sich schon belesen hat, Weiterbildung gemacht hat, aber es trotzdem nicht versteht oder nicht in seinen Kontext hineinbringen kann", beginnt Grit Nierich nachdenklich. Sie beschreibt die Herausforderungen, die damit einhergehen, die Vielschichtigkeit verschiedener Kulturen zu verstehen und anzunehmen. Besonders in der Bildung können Hindernisse auftreten, die es zu überwinden gilt. Grit Nierich führt an, dass es manchmal schwierig sein könne, Entscheidungen zu akzeptieren, die sich negativ auf die Bildungschancen von Kindern auswirken. Sie erklärt: "Ich verstehe ganz einfach nicht, warum das Kind nicht in die Kita geschickt wird, obwohl es die deutsche Sprache noch nicht kann." Für Pädagogen kann es frustrierend sein, wenn andere Prioritäten gesetzt werden und dadurch die Bedeutung frühkindlicher Bildung vernachlässigt wird. Dennoch betont Grit, dass es wichtig sei, mit den Eltern zusammenzuarbeiten, um die Situation zu verbessern. "Wir arbeiten definitiv mit den Eltern daran, dass dieser Zustand nicht so bleibt", erklärt sie entschieden.

Um effektiv kommunizieren zu können, ist es für Grit von großer Bedeutung, die Hintergründe und Lebensumstände der Familien zu verstehen. Weiterbildungen spielen dabei eine zentrale Rolle. "Als erstes ist die Weiterbildung wichtig: Woher kommen diese Menschen, warum haben sie genau diese Rituale und Familienkonstellationen? Wie sehen diese überhaupt aus, wie leben sie in ihrer Gemeinschaft und wie leben sie innerhalb der Familie", erklärt sie. Durch dieses erweiterte Wissen kann sie auf Augenhöhe kommunizieren und den Dialog mit den Familien auf eine fundierte Basis stellen. Damit die entsprechenden Familien erreicht werden, hat der Kleine Fratz verschiedene Projekte initiiert, unter anderem für die Beratung von Familien aus Südosteuropa. Diese Projekte dienen als niederschwellige Anlaufstelle, um den Familien direkte und unkomplizierte Unterstützung zu bieten. "Wir schauen, dass wir die Familien unterstützen können, also gerade die Familie, die sonst nicht in der normalen Beratungsstelle ankommen", erklärt Grit. Darüber hinaus betreibt das Kleine Fratz ein Familienzentrum, in dem Familien von einem multikulturellen Team beraten werden können. Diese Projekte ermöglichen es den Familien, ihre Anliegen anzusprechen und Lösungen für ihre individuellen Herausforderungen zu finden.

Ein weiteres Thema, das im Kleinen Fratz sensibel behandelt wird, ist das Aufkommen von rechtem Gedankengut: "Rechtes Gedankengut haben wir auch manchmal in der Kita, über die Eltern," erläutert Nierich besorgt. Diese sensiblen Themen werden beim Kleinen Fratz intensiv behandelt:  "Das wird erst mal von den pädagogischen Fachkräften aufbereitet und dann wird mit den Kindern ins Gespräch gegangen," erklärt sie und betont die Bedeutung, solche Vorfälle nicht unbehandelt zu lassen. Ein zentraler Ansatz dafür ist die Nutzung von Literatur und die Schaffung von offenen Diskussionsräumen. "Der erste Weg ist, wo kommen wir denn alle her? Wir hängen eine Weltkarte auf und jeder schaut, ob er es weiß. Dann machen wir eine Pinnnadel dort rein und schauen, wie weit das von Berlin weg ist", beschreibt Grit. Dabei werden Fragen gestellt wie: Warst du schon einmal dort? Kommen deine Eltern von dort? Wie ist das Leben in anderen Ländern? Was sind typische Rituale und Feste dieses Landes? Durch spielerische Annäherungen an das Thema lernen die Kinder, die Vielfalt der Welt zu schätzen und kulturelle Unterschiede zu respektieren. "Für Kinder machen diese kleinen Unterschiede nichts am gemeinsamen Spielen oder Lernen aus. Es ist egal, wie du aussiehst, ob blaue Augen oder braune. Das Wichtigste ist, dass wir alle Menschen sind und miteinander spielen können.", betont Grit. Abschließend fasst sie es mit einer Weisheit der Lakota zusammen: "Wir sind alle miteinander verwandt."

Kulturelle Vielfalt als Bereicherung in der frühkindlichen Bildung 

Im Kleinen Fratz, wird kulturelle Vielfalt nicht nur gelebt, sondern auch als eine Bereicherung für die frühkindliche Bildung gesehen. Eine Besonderheit, die sich in einer Vielzahl von gesprochenen Sprachen widerspiegelt. "Durch die Bank bestimmt 30 Sprachen", schätzt Grit Nierich. "Das Spektrum reicht von europäischen Sprachen bis hin zu den verschiedensten Dialekten und Stammessprachen. Ich glaube, aus Europa ist alles vertreten bei uns. Dann die arabischen Sprachen, auch mit den ganz verschiedenen Ausrichtungen, von Hocharabisch bis zu allen anderen Kombinationen. Kinder mit afrikanischem Hintergrund sprechen oftmals Französisch, dann noch eine indigene Sprache oder Stammessprache, manchmal noch Englisch, also es gibt wirklich Kinder, die schon dreisprachig aufwachsen." Um diese Vielfalt zu unterstützen, werden im Kleinen Fratz verschiedene Ressourcen eingesetzt. So nutzen sie beispielsweise die Vorlese-App Polylino, um den Kindern Geschichten in ihrer Muttersprache zu präsentieren. "Das Kind, das jetzt Deutsch spricht, hört Arabisch und findet das total interessant und das Kind, das arabisch spricht, ist total stolz, dass jetzt in seiner Muttersprache vorgelesen wird.", beschreibt Grit. Diese Interaktionen zwischen den Kindern fördern eine Atmosphäre der Neugierde und Toleranz. Das Zusammensein mit Kindern aus unterschiedlichen Kulturen kann auch positive Auswirkungen auf den Erwerb weiterer Sprachen haben. "Ich kann mir vorstellen, dass es eine Offenheit gegenüber dem Erlernen anderer Sprachen gibt", erklärt Grit. "Weil man in der Kita schon sieht, dass es viele verschiedene Sprachen gibt, weil man vielleicht auch mit Kindern in der Kita war, die zweisprachig aufwachsen. So findet man vielleicht selbst einen Gefallen an der Vielfalt der Sprache und entwickelt eine höhere Bereitschaft, eine andere Sprache zu lernen."

Die kulturelle Vielfalt wirkt sich jedoch nicht nur auf den Erwerb von Sprachfähigkeiten aus, sondern hat auch Auswirkungen auf andere Bereiche der Bildung. So werden durch das Kennenlernen anderer Kulturen geographische und gesellschaftskundliche Kenntnisse gefördert: "Dann natürlich auch das Wissen über Geographie und Gesellschaftskunde. Dadurch, dass man viele andere Kinder aus anderen Ländern kennt, hat man vielleicht schon mal von Nigeria oder Peru gehört, weiß wo das in etwa liegt und was besonders für dieses Land ist. So entsteht eben eine Offenheit diesen Fächern gegenüber, weil sie keine fremden Themen anbringen. Man hat ja schon Berührungspunkte damit gehabt." betont Grit. Die Vielfalt in den Kitas bereitet Kinder auf neue soziale Umgebungen vor. "Wenn man schon die Toleranz aus der Kita mitbringt, kann man auch in der Schule eine große Toleranz beweisen, gegenüber den Mitschülern und den Lehrern." betont Grit.

Einen entscheidenden Beitrag zur Förderung der kulturellen Vielfalt leisten ausgewählte Materialien: "Spielzeug und Bücher nehmen mit die größte Rolle bei der Förderung der kulturellen Vielfalt ein, weil es genau die Dinge sind, womit die Kinder den ganzen Tag umgehen und womit sie lernen," erklärt Grit mit Nachdruck. "Beispielsweise wenn sie Familie spielen, in der Puppenecke mit Puppen, die verschiedene Hautfarben haben." Die Vielfalt in den Spielmaterialien und Büchern ermöglicht es den Kindern, verschiedene Kulturen optisch zu erkunden. "Am besten kann man das ja wirklich auch über Bücher vermitteln.” Die Auswahl an Literatur spielt eine entscheidende Rolle, um Kindern die Vielfalt der Welt näherzubringen. "Wichtig ist wirklich die Literatur und nicht nur vorzulesen, sondern über die Bücher zu sprechen," betont Grit. "Es gibt beispielsweise viele Bücher über Flucht, geschrieben für Kleine, für Dreijährige. Und diese Bücher beschreiben dann, was es mit Kindern macht, wenn sie in ein fremdes Land kommen, wenn sie feststellen, dass dort die Menschen alle anders aussehen und auch noch komisch sprechen. Solche Bücher sensibilisieren Kinder schon in frühen Jahren für die Hintergründe anderer Menschen."

Auch Eltern, deren Kinder eine kulturell vielfältige Kita besuchen, können viel aus dieser Erfahrung mitnehmen und lernen. "Wenn es darum geht, kulturelle Vielfalt im Kleinen Fratz zu leben und umzusetzen, reagieren die Eltern sehr positiv", berichtet Grit Nierich. Die Einbeziehung der Eltern bei Aktivitäten wie Festen, dem Vorlesen in ihrer Muttersprache oder dem Teilen traditioneller Gerichte wird von den Eltern begrüßt. Alle tragen dazu bei, dass diese Feste zu einem besonderen Erlebnis werden. Durch solche Veranstaltungen können Vorurteile abgebaut und das Verständnis füreinander gefördert werden. Selbst in Bezirken mit geringerer kultureller Vielfalt, wie beispielsweise Pankow, ist die Offenheit groß.

Von Erfahrungen lernen: Empfehlungen für Kitas auf dem Weg zur kulturellen Vielfalt

Für Kitas, die gerade erst ihre ersten Schritte in Richtung kulturelle Vielfalt unternehmen, empfiehlt Grit den Austausch mit anderen Einrichtungen. Durch den Besuch von Modellprojekten oder Konsultationskitas können wertvolle Einblicke gewonnen werden. "Dort hineinzuschauen und zu fragen, wie habt ihr das gemacht?", ermutigt sie. Es geht darum, von den Erfahrungen anderer zu lernen und Fehler zu vermeiden. "Die Fehler, die man selbst schon einmal gemacht hat, muss ja nicht ein anderer wiederholen", betont sie. Durch den Dialog mit anderen Einrichtungen können bewährte Praktiken erörtert werden, um gemeinsam bessere Lösungen zu finden. "Der offene Austausch mit anderen Kitas und Trägern ist für uns ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit", betont Grit. Gemeinsam kann man an der Weiterentwicklung der Fachpraxis arbeiten und die Potenziale der kulturellen Vielfalt noch besser nutzen.

Im Kleinen Fratz wird die Vielfalt der Kulturen nicht nur als Bereicherung betrachtet, sondern aktiv gelebt. Es ist ein lebendiger Ort, an dem Kinder und ihre Familien unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu bereichern. Hierbei steht das Ziel im Vordergrund, den Kindern eine offene und tolerante Haltung mit auf den Weg zu geben und ihnen die Schönheit und Vielfalt der Welt näherzubringen, wie Grit betont.

Die Erfolgsgeschichte des Kleinen Fratz dient als leuchtendes Beispiel für andere Kitas und Träger. Sie zeigt eindrucksvoll, wie die Förderung kultureller Vielfalt eine inklusive Gemeinschaft schaffen kann. Nur durch einen respektvollen und wertschätzenden Umgang mit verschiedenen Kulturen können wir eine Umgebung schaffen, in der jedes Kind die Möglichkeit hat, sich optimal zu entwickeln und zu entfalten.

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Wendepunkt: Ende der starren Obergrenze für Pädagogische Zusatzleistungen in Berliner Kitas

Die jüngste gerichtliche Entscheidung hat die bisherige starre Obergrenze von 90 Euro für pädagogische Zusatzleistungen in Berliner Kitas für null und nichtig erklärt. Dieses Urteil hat Fragen über die direkten Auswirkungen auf Kitas, Eltern und die Qualität der Bildungsangebote aufgeworfen. Aber warum ist dieses Urteil als ein Fortschritt zu betrachten? Die nachfolgenden Abschnitte beleuchten die Gründe dafür.

Die jüngste gerichtliche Entscheidung hat die bisherige starre Obergrenze von 90 Euro für pädagogische Zusatzleistungen in Berliner Kitas für null und nichtig erklärt. Dieses Urteil hat Fragen über die direkten Auswirkungen auf Kitas, Eltern und die Qualität der Bildungsangebote aufgeworfen. Aber warum ist dieses Urteil als ein Fortschritt zu betrachten? Die nachfolgenden Abschnitte beleuchten die Gründe dafür.

Es ist entscheidend zu verstehen, dass die Diskussion über eine Obergrenze für pädagogische Zusatzleistungen weitreichender ist als finanzielle Fragen. Es geht darum, wie die frühkindliche Bildung gestaltet wird, wie Kitas effektiv arbeiten können und wie die Bedürfnisse von Familien und ihren Kindern am besten erfüllt werden können. Wir werden die Hintergründe der Obergrenze untersuchen, warum sie angefochten wurde und welche positiven Auswirkungen die Aufhebung dieser Grenze hat. Außerdem werden wir einen Blick darauf werfen, wie es nun weitergehen sollte und welche Herausforderungen und Chancen sich für die Politik und die Akteure der frühkindlichen Bildung ergeben.

Entstehung der starren Obergrenze für pädagogische Zusatzleistungen

Die Einführung der starren Obergrenze von 90 Euro für freiwillige Elternbeiträge in Berliner Kitas im Jahr 2018 war Teil einer politisch motivierten Entscheidung des damaligen rot-rot-grünen Senates. Dieser Schritt sollte in allen Berliner Kindertageseinrichtungen gleiche Betreuungs- und Bildungsangebote schaffen, ohne eine Segregation bei den Kindern entstehen zu lassen. Das Ziel hinter dieser Grenze war die Festschreibung der finanziellen Belastung für alle Eltern.

Gründe für das Scheitern der Obergrenze

Schon im Rahmen einer Expertenanhörung im Fachausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses für Bildung, Jugend und Familie im Jahr 2017 wurde klar, dass die zuständige Senatsverwaltung keine ausreichende Begründung für die Notwendigkeit einer Obergrenze vorlegen konnte. Die damalige Senatorin ignorierte profunde rechtliche Einschätzungen zur Verfassungswidrigkeit des Vorhabens. Zudem wurde die Festsetzung der Obergrenze ohne offenen Dialog mit den betroffenen Kitaträgern und ihrem maßgeblichen Verband getroffen, sondern intransparent hinter verschlossenen Türen. Dieses Vorgehen stellte eine Herausforderung dar, da viele Kitaträger gezwungen waren, ihre pädagogischen Angebote zu reduzieren oder sogar einzustellen, um innerhalb dieser Grenze zu agieren. Die Obergrenze ignorierte die verfassungsrechtlich geschützte Vielfalt der Träger und deren Autonomie in der Gestaltung pädagogischer Leistungsangebote. Ein weiterer Grund für das Scheitern war die unzureichende Berücksichtigung des Wunsch- und Wahlrechts der Eltern, das aus Artikel 6 des Grundgesetzes abgeleitet und im Sozialgesetzbuch VIII verankert ist.

Anfechtung der willkürlichen Obergrenze

Im Verlauf der Verbandsarbeit des VKMK wurde im Rahmen eines umfassenden Austauschs mit namhaften juristischen Experten:innen eine eingehende rechtliche Bewertung durchgeführt. Diese führte dazu, dass eine Reihe von Kitaträgern gemeinschaftlich Klage gegen die starre Obergrenze beim Berliner Verwaltungsgericht einreichten. Die Träger sahen sich in einer direkten Betroffenheit, da sie infolge dieser Einschränkung nicht mehr in der Lage waren, die von den Eltern gewünschten pädagogischen Zusatzleistungen, wie beispielsweise zusätzliches mehrsprachiges Fachpersonal, aufrechtzuerhalten.

Letztendlich wurde im Rahmen eines Revisionsverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über diesen Streit verhandelt. Das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26.10.2023 bestätigte die Unzulässigkeit der Obergrenze. Dieser Schritt stellt einen wesentlichen Beitrag dar, um dem Wunsch- und Wahlrecht der Eltern gerecht zu werden und den Handlungsspielraum für Bildungseinrichtungen wiederherzustellen, um die Vielfalt und Qualität der Bildungsangebote für Kinder in Berlin zu erhalten und zwischenzeitlich verlorene Angebote wieder aufzubauen.

Bedarf an angemessener Finanzierung und Flexibilität

Die frühkindliche Bildungslandschaft steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen, die ihre Stabilität und Effektivität beeinträchtigen. Dazu zählen strukturelle Unterfinanzierung sowie eine mangelnde Anpassung an die realen Gewerbemietkosten. Die unmittelbaren Auswirkungen dieser Probleme sind alarmierend: Jahr für Jahr verlassen mehr pädagogische Fachkräfte ihren Beruf, als neue hinzukommen. Ein beunruhigender Trend zeigt sich zudem in einem kontinuierlichen Anstieg von Überlastungen und krankheitsbedingten Ausfällen in diesem Sektor. Diese Entwicklungen unterstreichen dringlich die Notwendigkeit einer substantiellen Verbesserung der Unterstützung und Ausstattung für frühkindliche Bildungseinrichtungen. Eine adäquate finanzielle Basis ist hierbei von entscheidender Bedeutung, um den pädagogischen Fachkräften ein gesundes und förderliches Arbeitsumfeld zu bieten und somit die Qualität der frühkindlichen Bildung auf einem hohen Niveau zu halten. Zusätzlich zu diesen finanziellen Herausforderungen ist es gleichermaßen bedeutend, den individuellen Handlungsspielraum der Eltern zu betonen. Gemäß ihrem Wunsch- und Wahlrecht sollten sie Zugang zu einer breiten Palette von qualitativ hochwertigen pädagogischen Bildungsangeboten erhalten. Diese Flexibilität stellt sicher, dass die Bedürfnisse und Vorlieben der Eltern und ihrer Kinder berücksichtigt werden, was letztlich zu einer vielfältigen und bereichernden Bildungsumgebung für die Kinder führt.

Rolle der Gelder für pädagogische Zusatzleistungen

Es ist sinnvoll anzuerkennen, dass das frühkindliche Bildungssystem eine angemessene finanzielle Ausstattung und stabile Rahmenbedingungen benötigt, um eine vielfältige und qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zu gewährleisten. Die Flexibilität für Kitaträger mittels entsprechenden pädagogischen Zusatzleistungen dem Wunsch -& Wahlrecht der Eltern zu entsprechen und für deren Deckung dafür Zusatzbeiträge bei diesen Eltern zu erheben ist nicht nur ökonomisch geboten, sondern es befördert zugleich die Fortentwicklung der Qualität der frühkindlichen Bildung für alle Kinder. Denn diese Möglichkeit eröffnet den Bildungseinrichtungen und Eltern die Chance, sich an die sich wandelnden Bedürfnisse anzupassen. Diese Möglichkeit eröffnet Bildungseinrichtungen und Eltern die Chance, sich an wandelnde Bedürfnisse anzupassen. Sie schafft Spielraum für Innovation und Anpassungsfähigkeit in einer schnelllebigen Umgebung, in der starre Regelungen oft hinderlich sind. Somit ist von großer Bedeutung zu verstehen, dass die Aufhebung der starren Obergrenze gleichzusetzen ist mit einer potenziellen Verbesserung der Bildungsqualität für alle Kinder, unabhängig vom finanziellen Rahmen.

Ausblick und weiteres Vorgehen

Die Berliner Jugendsenatorin steht vor der Aufgabe, eine neue Regelung zu erarbeiten, die das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, die Chancengerechtigkeit aller Kinder und die Autonomie der Kitaträger berücksichtigt, auch in Bezug auf Zusatzbeiträge von Eltern. Zudem ist es zwingend erforderlich, dass neben den bisherigen Vertragspartnern auch jene endlich ihr Mitspracherecht erhalten, die es durch ihren engagierten Kampf um ihre Rechte erreicht haben, dass das hohe Rechtsgut der Trägerpluralität ein neues Gewicht erhält und mit der Chancengleichheit abgewogen werden muss.

Unsere Bereitschaft

Als Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger sind wir bereit, unser Fachwissen und die vielfältigen Erfahrungen unserer Mitglieder aktiv einzubringen. Wir streben offene und konstruktive Dialoge an, um gemeinsam praxisorientierte Lösungswege zu erarbeiten, die den Bedürfnissen der frühkindlichen Bildung gerecht werden. Es ist von grundlegender Bedeutung, dass wir als Akteure zusammenarbeiten, um eine optimale Entwicklungsumgebung für unsere Kinder sicherzustellen.

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