Tag der Zahnschmerzen: Mit früher Mundhygiene zu langfristiger Zahngesundheit
Heute ist ein besonderer Tag: der Tag der Zahnschmerzen. Ein Tag, der uns daran erinnert, wie wichtig Zahngesundheit ist - und für uns ein Anlass, darauf aufmerksam zu machen, dass das Fundament für eine langfristige Zahngesundheit bereits im jungen Alter gelegt wird.
Wie wichtig frühe Zahnhygiene ist, zeigt nicht zuletzt eine Neuerung im Zuge der Überarbeitung des Kindertagesförderungsgesetzes in Berlin: Seit Januar 2026 ist tägliches Zähneputzen in der Kita verpflichtend, ebenso wie regelmäßige zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen. Für die Mitgliedsträger des VKMK stellt dies zwar keine allzu große Neuerung dar, da in ihren Einrichtungen tägliches Zähneputzen bereits vor der Reform gelebter Alltag war. Vorsorgeuntersuchungen hingegen basierten bislang auf Freiwilligkeit und erforderten die Einwilligung der Eltern.
Mit dieser neuen Regelung wird frühe Zahnhygiene nun flächendeckend allen Kindern in Berliner Kitas zugänglich - mit einem klaren Ziel: präventiv Karies vorzubeugen, den Grundstein für eine gute Mundgesundheit zu legen und vor allem Chancengleichheit zu fördern – unabhängig vom familiären Hintergrund.
Entwicklung der Zahngesundheit bei Kindern
Über die letzten Jahrzehnte hinweg hat sich die Zahngesundheit von Kindern deutlich verbessert. Während Anfang der 1990er-Jahre nur etwa 14 % der 13-Jährigen kariesfrei waren, sind es inzwischen - laut der sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS) des Instituts der Deutschen Zahnärzte - 77,6 % der 12-Jährigen.
Auch bei der Kontrollgruppe der 8- bis 9-Jährigen zeigt sich ein deutlicher Fortschritt: In den ersten beiden DMS-Studien Anfang der 1990er-Jahre waren lediglich 21,1 % kariesfrei, heute sind es knapp 60 %. Gründe hierfür sind eine insgesamt verbesserte Mundhygiene sowie flächendeckende Präventionsangebote. Dennoch zeigen gerade die Zahlen der 8- bis 9-Jährigen, dass die Zahngesundheit im frühen Kindesalter weiterhin ausbaufähig ist.
Blicken wir nun gesondert auf Berlin, zeigt sich ein ähnliches Bild: Eine Datenanalyse der AOK Nordost auf Basis der Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2024 zeigt, dass in Berlin 29 % der Sechsjährigen wegen Karies behandelt wurden - 2019 waren es noch 34 %. Bei jedem fünften behandlungsbedürftigen Kind wurde eine Krone eingesetzt, etwa aufgrund stark fortgeschrittener Karies, von Zahnunfällen oder von Zahnschmelzerkrankungen. Im Vergleich zu einer Analyse aus dem Jahr 2023 entspricht dies einem Anstieg von 18 %. Das am häufigsten vertretene Alter für einen Kroneneinsatz liegt dabei zwischen drei und fünf Jahren. Und wie sieht es mit den Vorsorgeuntersuchungen aus? Diese nahmen in Berlin weniger als die Hälfte der unter Sechsjährigen wahr - nämlich nur 44 %.
Soziale Ungleichheiten in der Zahngesundheit
Nun haben wir bereits festgestellt, dass Zahngesundheit und Prävention bei Kindern weiterhin optimierbar sind. Doch inwiefern ist eine flächendeckende Ausweitung von Präventionsangeboten in Kitas zugleich ein Beitrag zur Chancengleichheit?
Darauf gibt ebenfalls ein Blick in die sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie Aufschluss. Trotz insgesamt positiver Entwicklungen bestehen weiterhin deutliche soziale Unterschiede: Während 84,7 % der 12-Jährigen mit hohem Bildungsstand kariesfrei sind, trifft dies nur auf 59,0 % der Kinder mit niedrigem Bildungsstand zu. Eine ähnlich große Differenz zeigt sich bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund: 87,9 % der 12-Jährigen ohne Migrationshintergrund sind kariesfrei, gegenüber lediglich 52,2 % der Kinder mit Migrationshintergrund.
Neben diesen Faktoren können auch das Haushaltseinkommen, die familiäre Stressbelastung, das Maß an Fürsorge, soziale Teilhabe, fehlende zielgruppenorientierte Gesundheitskommunikation sowie die allgemein bekannte Angst vor Zahnärztinnen und Zahnärzten Einfluss auf die Zahngesundheit von Kindern haben. Ergo sind es viele Faktoren, die sich im Grunde über alle Bevölkerungsschichten ziehen und die Zahngesundheit von Kindern entsprechend beeinträchtigen oder fördern können.
Warum Zahngesundheit schon im Kita-Alter entscheidend ist
Man könnte natürlich meinen, Kinder im Kita-Alter haben Milchzähne, die ohnehin ab einem bestimmten Alter ausfallen - weshalb also ist Zahngesundheit in so jungen Jahren so wichtig?
Ganz abgesehen von den Schmerzen, die durch Karies oder andere Zahnprobleme entstehen können, kann eine mangelhafte Mundgesundheit auch Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben. Entzündungen im Mundraum können den gesamten Körper belasten, da Bakterien unter bestimmten Umständen in den Blutkreislauf gelangen können. Darüber hinaus können frühzeitige Zahnprobleme das Kieferwachstum sowie die Stellung der bleibenden Zähne beeinflussen. Karies an Milchzähnen erhöht zudem das Risiko für Karies an den nachfolgenden bleibenden Zähnen, da kariogene Bakterien im Mund verbleiben. Doch nicht nur gesundheitlich führen Zahnprobleme zu weiteren Komplikationen, sondern auch auf der Ebene der Sprachfähigkeit: gesunde Milchzähne sind eine wichtige Voraussetzung für eine gute Sprachentwicklung.
Die Rolle der Kita bei der Zahngesundheit
Kitas sind natürlich kein Ort, an dem durch den bloßen Besuch eine allgemein gute Mundhygiene garantiert wird. Die Hauptverantwortung hierfür liegt im Elternhaus - Kitas können diese Verantwortung und Vorbildfunktion nicht ersetzen. Eine nachhaltige und langfristige Zahngesundheit bei Kindern gelingt nur, wenn Maßnahmen zur Mundhygiene auch zu Hause regelmäßig umgesetzt werden.
Dennoch stellen Kitas einen wichtigen Präventionsort dar: Sie können allen Kindern die Bedeutung der Zahngesundheit vermitteln und den Zugang zu grundlegenden Voraussetzungen für Zahngesundheit ermöglichen. Durch das tägliche Zähneputzen in der Kita werden gesunde Routinen gefördert und das richtige Zähneputzen eingeüben. Zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in der Kita können zudem Ängste abbauen, sodass Kinder auch noch später im Leben eine positive und entspannte Einstellung gegenüber Zahnarztbesuchen haben. Darüber hinaus eröffnen Kitas den Kindern den Zugang zu einer weiteren essentiellen Säule der Zahngesundheit: einer gesunden Ernährung, die auf frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln basiert, viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte enthält und zuckerhaltige Snacks und Getränke meidet.
Der Tag der Zahnschmerzen erinnert uns daran, dass Zahnschmerzen in den meisten Fällen durch Präventionsmaßnahmen vermeidbar sind. Präventionsmaßnahmen, die alltäglich gelebte Routinen sind - von morgens über bis mittags bis abends - und idealerweise bereits im frühen Kindesalter zu einer Selbstverständlichkeit werden. Denn wer früh lernt, auf seine Zahngesundheit zu achten, schafft eine wichtige Basis für starke, schmerzfreie Zähne ein Leben lang.
Quellen:
AOK. (14.01.2026). Chancengleichheit in der Zahngesundheit: gesunde Zähne für alle Kinder. AOK. https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/zaehne/zahngesundheit-bei-kindern-mit-praevention-chancengleichheit-schaffen/.
KZBV - Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung. (2025, April 15). Sechste deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) - KZBV. KZBV. https://www.kzbv.de/politik/konzepte-und-berichte/sechste-deutsche-mundgesundheitsstudie-dms-6/.
AOK - Nordost. (03.09.2025). Zu viele Kinder in Berlin gehen nur unregelmäßig zum Zahnarzt. AOK. https://www.aok.de/pp/nordost/pm/berlin-zahngesundheit-datenanalyse/.