10 Jahre Kita-Rechtsanspruch – Fortschritte, Optimierungsbedarf und Herausforderungen

Berlin, 01. August 2023 – Der Verband der kleinen und Mittelgroßen Kitaträger, mitsamt seiner Mitglieder, blickt zurück auf 10 Jahre seit Einführung des gesetzlichen Anspruchs auf einen Kita-Platz.

Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Kita-Rechtsanspruchs möchten wir die reale Situation in Berlin betrachten und hierbei die Erfahrungen unserer eigenen Mitglieder sowie die statistische Situation der gesamten Kitaträger in Berlin beleuchten. 

Was hat sich im vergangenen Jahrzehnt in Berlin verbessert?

Der Kita-Rechtsanspruch für Kinder hat in den letzten zehn Jahren in Berlin zu einigen erfreulichen Fortschritten geführt. Eines der signifikantesten Ergebnisse ist die Schaffung zusätzlicher Kita-Plätze, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Im Jahr 2013 lag die Betreuungsquote für unter dreijährige Kinder bei 24,9 Prozent (Statistiken: Statista). Doch dank der Bemühungen der Stadt und ihrer Kitaträger ist diese Zahl auf etwa 35 Prozent gestiegen (Stand März 2022.)

Diese Steigerung von mehr als zehn Prozentpunkten zeigt, dass es gelungen ist, mehr Eltern den Zugang zu Betreuungsplätzen für ihre Kleinkinder zu ermöglichen. Dadurch erhalten Familien in Berlin mehr Flexibilität bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der VKMK begrüßt diese Entwicklung natürlich sehr und sieht darin einen großen Schritt in die richtige Richtung. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass es weiterhin Herausforderungen gibt, die angegangen werden müssen, um eine optimale und hochwertige Betreuung für alle Kinder zu gewährleisten. 


Wo gibt es noch Immer Optimierungsbedarf?

Trotz der erzielten Fortschritte gibt es in der Kinderbetreuung Berlins weiterhin Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Die letzte Bertelsmannstudie hat gezeigt, dass immer noch geschätzte 20.000 Kitaplätze und 35.000 Fachkräfte in Berlin fehlen. Dieser Mangel an Kapazitäten und qualifiziertem Personal führt dazu, dass es nach wie vor lange Wartelisten gibt und viele Eltern Schwierigkeiten haben, eine passende Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder zu finden. Diese Betreuungslücke ist bei armutsgefährdeten Familien insgesamt noch größer. Fast 17 Prozent dieser Kinder bekamen 2020 keinen Platz in einer Kita, wobei der tatsächlich in Anspruch genommene Betreuungssatz hier bei gerade einmal 23 Prozent liegt - deutlich weniger als im Schnitt aller Familien. Die Betreuungsquote der 3- bis unter 6-Jährigen in Berlin musste insgesamt sogar einen Rückschritt verzeichnen. Während sie 2015 noch bei 95,5% lag, lag sie im Jahr 2022 nur noch bei bei 92,2 Prozent. (Statistiken: Statista).

Wir möchten ausdrücklich betonen, dass die engagierten Kitaträger in Berlin sich mit voller Leidenschaft und Hingabe für eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, sowie das Erfüllen des Bildungsauftrages, einsetzen. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert und bildet eine unverzichtbare Säule in der gesamten Kinderbetreuungslandschaft der Stadt. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass Kinder bestmöglich gefördert und betreut werden und eine positive Entwicklung erfahren können. Trotz des außerordentlichen Engagements unserer Mitglieder sehen sich einige Kitaträger zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert, die ihre Arbeit beeinträchtigen. Der Mangel an Ressourcen und eine steigende Arbeitsbelastung stellen dabei gravierende Probleme dar. Der Bedarf an qualitativ hochwertigen Betreuungsplätzen ist weiterhin hoch, und unsere Mitglieder sind bemüht, diesem Bedarf gerecht zu werden. Jedoch sehen sie sich aufgrund begrenzter Ressourcen und personeller Engpässe in einigen Fällen nicht in der Lage, die Nachfrage in vollem Umfang zu decken. Es besteht daher - nach wie vor - dringender Handlungsbedarf, um die Rahmenbedingungen für unsere Kitaträger zu verbessern und sicherzustellen, dass sie ihre wertvolle Arbeit unter optimalen Bedingungen leisten können. Dazu gehört unter anderem eine angemessene finanzielle Unterstützung, um die nötigen Ressourcen bereitzustellen und eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten. Zudem müssen gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um den Fachkräftemangel zu beheben und das pädagogische Personal zu entlasten.

Es ist wichtig, dass der Kita-Rechtsanspruch nicht nur auf dem Papier besteht, sondern auch in der Praxis vollumfänglich umgesetzt werden kann, damit Eltern in Berlin eine echte Wahl haben, wenn es um die Betreuung ihrer Kinder geht. Der VKMK wird sich auch weiterhin aktiv für die Interessen unserer Mitglieder einsetzen und gemeinsam mit den zuständigen Behörden nach Lösungen suchen, um die Situation in der Kinderbetreuung zu verbessern. Es ist uns ein Anliegen, dass unsere Kitaträger die Anerkennung und Unterstützung erhalten, die sie verdienen, damit sie ihre wichtige Aufgabe als verlässliche und qualitätsorientierte Betreuungseinrichtungen weiterhin erfolgreich erfüllen können.